Facts & Figures (169)
Juli 31st, 2017 | Published in Facts & Figures
(Quelle)
Juli 31st, 2017 | Published in Facts & Figures
(Quelle)
Juli 30th, 2017 | Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen
2. August – Gedenktag an den Völkermord an Roma und Sinti
18:00 – 20:00 Uhr, Ceija-Stojka-Platz
Lerchenfelder Straße 103-109, 1070 Wien
Wien (OTS) – Schau und vergiss nicht! – unter diesem Motto wird am Mittwoch, 2. August auf dem Wiener Ceija-Stojka-Platz einer halben Million Menschen gedacht, die vom Nazi-Regime als „Zigeuner“ verfolgt und ermordet wurden.
In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden 2.897 Roma – Männer, Frauen und Kinder – in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet. Erst 2015, also 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Genozid an einer halben Million Roma und Sinti vom Europäischen Parlament anerkannt. In der Resolution vom April 2015 wurde dazu aufgerufen der Diskriminierung von Roma ein Ende zu setzen. Das Europäische Parlament fordert dazu auf, der Opfer des Völkermordes am 2. August – dem internationalen Roma Genocide Memorial Day – zu gedenken. Das EU-Parlament sei „sehr besorgt um den steigenden Antiziganismus, der sich in Anti-Roma-Rhetorik sowie in Übergriffen und Attacken gegen Roma in Europa manifestiert. Antiziganismus ist unvereinbar mit den Normen und Werten der Europäischen Union und sollte in allen Mitgliedsstaaten bekämpft werden“. Maßgebend für die Anerkennung waren die Bemühungen der Roma Genocide Remembrance Initiative und zahlloser Roma-Organisationen in ganz Europa. Vor allem jugendliche Aktivistinnen und Aktivisten erhoben dafür ihre Stimmen.
In Österreich ermordeten die Nationalsozialisten 90 % der Roma und Sinti. Bis heute ist das Trauma bei den Überlebenden und den Nachfahren der Opfer vorhanden und wirksam. Ein Genozid, der lange verschwiegen und vergessen wurde und heute aktueller ist denn je.
Romano Centro organisiert in Kooperation mit der Roma Genocide Remembrance Initiative, Zentrum Exil und romblog.at die dritte Gedenkveranstaltung zum 2. August in Österreich. Eine Gedenkveranstaltung, bei der Zeitzeugen und Angehörige von Opfern zu Wort kommen. Read the rest of this entry »
Juli 29th, 2017 | Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Neuer Roma-Jahresbericht in Tschechien: Roma-Kinder an Schulen weiterhin ausgegrenzt
Die Roma-Kinder werden im tschechischen Bildungswesen häufig ausgegrenzt. Darauf macht der Jahresbericht zum Stand der Roma-Minderheit in Tschechien 2016 aufmerksam, dessen Behandlung auf dem Programm der Kabinettssitzung am Montag stand. Die Roma beteiligten sich im letzten Schuljahr mit 3,7 Prozent an der Gesamtzahl der Schüler in Tschechien, in den Förderschulen betrug ihr Anteil allerdings 15 Prozent und in Klassen für Schüler mit leichter Behinderung sogar 30,9 Prozent. Außerdem seien sie auch an den Regelschulen häufig ausgegrenzt worden, so der Bericht.
(Text: Radio Prag)
Siehe auch:
Schulsegregation: Europarat kritisiert Tschechien, 4.7.2016
Roma-Schüler in Tschechien benachteiligt, 3.6.2014
Five More Years of Injustice, 15.11.2012
Facts & Figures (33), 28.9.2012
Schulbuch enthält diskriminierende Passagen über Roma, 9.11.2010
3 Jahre nach Urteil: Vorwürfe gegen Tschechien, 11.11.2010
Tschechien: Kampagne gegen Romani-Unterricht, 2.4.2010
Tschechien: Romani-Unterricht in Schulen, 21.3.2010
„Injustice Renamed“ (Amnesty-Bericht), 16.1.2010
Amnesty: Tschechien diskriminiert Roma-Kinder, 14.1.2010
Tschechien: In getrennte Schulen abgeschoben, 12.11.2009
Schulische Segregation in Tschechien, 5.7.2009
Juli 28th, 2017 | Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken
Großstadt-Zigeuner, Stummfilm, D 1932
Regie/Kamera/Schnitt: László Moholy-Nagy (1895-1946)
„Als László Moholy-Nagy 1932 seinen knapp zwölfminütigen Experimentalfilm in Berlin drehte, bestätigte er zwar das verbreitete Bild der Sinti und Roma, die sich als Wahrsagerinnen, Musiker und Bärenvorführende betätigten; doch zeigte er sie gleichzeitig als fröhliche und selbstbewusste Gemeinschaft. Moholy-Nagy konnte nicht ahnen, dass Sinti und Roma schon wenige Jahre später ebenso wie die europäischen Juden im Fadenkreuz der NS-Vernichtungspolitik stehen sollten.“ (Goethe-Institut)
„In seinem Film ,Großstadtzigeuner‘ aus dem Jahr 1932 porträtiert der ungarische Künstler, Medientheoretiker und Filmemacher László Moholy-Nagy die Mitglieder einer Roma-Gemeinschaft in Berlin. Er zeigt Männer beim Kartenspiel, Mädchen, die einander die Haare kämmen, streitende Frauen, ekstatische Musiker, ausgelassen tanzende Zuhörer. Immer näher lässt der Filmemacher seine Kamera an diese Menschen herangleiten, mehr und mehr bleibt sie dabei an Details hängen: an Händen, Füßen oder Gesichtern. Sie greift den Rhythmus der Bewegungen auf, wird so zum Teil des Geschehens. Aus den seltsamsten Blickwinkeln hat Moholy-Nagy seine Protagonisten gefilmt, oft von unten oder von schräg oben. Mal bewegen sie sich aus der Unschärfe in die Schärfe, mal aus dem Licht in den Schatten und umgekehrt. Read the rest of this entry »
Juli 25th, 2017 | Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg nimmt Arbeit auf: Wissenschaftler untersuchen Ausgrenzung von Sinti und Roma in Geschichte und Gegenwart
Pressemitteilung, 24.7.2017: Eine Forschungsstelle, die sich dem Thema der Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung von Sinti und Roma in historischer Perspektive widmen wird, hat an der Universität Heidelberg ihre Arbeit aufgenommen. Die feierliche Eröffnung findet am 28. Juli 2017 statt. Die Einrichtung dieser Forschungsstelle Antiziganismus geht auf einen Staatsvertrag zurück, den der Landesverband Baden-Württemberg im Verband Deutscher Sinti und Roma und das Land Baden-Württemberg im November 2013 geschlossen haben.
An der Eröffnungsveranstaltung, zu der der Rektor der Ruperto Carola, Prof. Dr. Bernhard Eitel, eingeladen hat, werden die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, der Vorsitzende des Landesverbandes, Daniel Strauß, und der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, teilnehmen.
„Mit der Förderung der Forschungsstelle Antiziganismus setzen wir ein Zeichen – gegen das Schweigen, für die Aufklärung. Damit wird das Land auch seiner historischen Verpflichtung den Sinti und Roma gegenüber gerecht“, betont Ministerin Bauer. Die neue Einrichtung wird aus Mitteln des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums finanziert. Die Forschungsstelle beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen zu Ursachen, Formen und Folgen des Antiziganismus in den europäischen Gesellschaften vom Mittelalter bis in die Gegenwart.
„Ausgehend von der bis heute anhaltenden Stigmatisierung von Sinti und Roma gilt es, Stereotype, Vorurteile und die daraus resultierenden Mechanismen der Ausgrenzung historisch fundiert unter dem Dach der noch jungen Antiziganismusforschung zu untersuchen. Dies ist eine Aufgabe von großer wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Dringlichkeit“, betont der Heidelberger Zeithistoriker Prof. Dr. Edgar Wolfrum, der das Konzept für die Forschungsstelle mit Mitarbeiterinnen des Arbeitsbereichs Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa erarbeitet hat. Read the rest of this entry »
Juli 24th, 2017 | Published in Facts & Figures, Jugend & Bildung
Juli 23rd, 2017 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Menschenrechts- und Roma-Experten erschüttert über Reiseangebot: CitySoul stoppt „Gypsy-Tour“ für Belgrad-Besucher
Belgrad/Wien (Pressetext/20.7.2017) – Der serbische City-Tour-Anbieter CitySoul hat eine geplante „Gypsy-Tour“ wegen massiver Rassismus-Vorwürfe zurückziehen müssen. Das Unternehmen hatte mit Einblicken in das Privatleben von Roma geworben. Sogar ein „optionales Gespräch mit einem Gypsy“ stand auf dem Programm. Andreas Sarközi, Geschäftsführer des Kulturvereins österreichischer Roma, und der Menschenrechtsanwalt Milan Antonijević von YUCOM sind empört.
„Das ist ja kein Zoo, wie bei den Tieren, das sind Menschen“, kritisiert Andreas Sarközi im Gespräch mit pressetext. „Für mich sind solche Angebote unfassbar. Dass man überhaupt auf die Idee kommt, kann ich nicht nachvollziehen. Menschen werden auf Vorurteile und Stereotype reduziert.“ Bei sozialer Ungleichheit solle man eingreifen und nicht zuschauen. „Durch die EU wurde bereits einiges im Kampf gegen Missstände erreicht“, betont Sarközi. Seit der Anerkennung der Roma als Volksgruppe 1993 habe sich auch in Österreich vieles zum Positiven gewendet. „Besonders die Eltern streben für ihre Kinder vermehrt eine höhere Bildung an“, erklärt Sarközi. Wichtig sei der Fokus auf den Menschen als Individuum, nicht als Stereotyp.
„Klare Rechtsverletzung“
Menschenrechtsanwalt Milan Antonijević sieht im Angebot eine klare Verletzung der Rechte der Roma. „Das ist erniedrigend für Menschen die auf solche Art besucht werden“, sagt er. Wie sie leben, suchen sich die Menschen nicht aus. Read the rest of this entry »
Juli 22nd, 2017 | Published in Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken
90 berschenca jek le lejcti prik dschivde holocaust Romendar andar i Tschechija Emílie Machálková muli. Oj na ande logertscha ledschim uli, lake o biro andar i gemajndi Nesovice, saveske oj buti kerlahi, pomoschintscha. Ov le nimtschke „Gestapo“ schaj prik vakertscha taj afka odoj schaj atschini. Pedar lakero mulipe o tschechitiko radijo CRo phukatscha. „Sako di, kada me la srastunaha upri buti ladahi, o nimtschke harengere odoj sina“, phentscha oj jefkar uso projekto „Gedächtnis der Nation“. „Taj sakovar man phutschle, soske me telal o nipo som, sar oda al, soske me na ande logeri som.“ Buteder sar 30 dschene latar ando nacijonalsocijalistischi rajipe murdarde ule. Palo haburi i Machálková ojs dschilaschkija tradicijoneli Romane dschilaschenca peske anav kertscha. Paloda vakeriptscha likerlahi terne dschenenge pedar lakeri historija lakere nipostar. Oj andar barikani familija al: Lakero batschi ando maschkarutno haburi la Tschechoslovakijatar o erschti fischgaroschi andar o Romengero tschulipe sina. Read the rest of this entry »
Juli 21st, 2017 | Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Sport
Rike Reinigers „Zigeuner-Boxer“ basiert auf der Lebensgeschichte des sinto-deutschen Boxers Johann „Rukeli“ Trollmann und zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie in Zeiten von Unterdrückung und Terror persönlicher Mut und verlässliche Freundschaft zum Tragen kommen können. Erzählt wird das Schicksal des Boxers aus Sicht seines Freundes Hans, der vom Kölner Schauspieler Andreas Kunz gespielt wird. Er erinnert sich an Rukelis spektakuläre Auftritte und seine großen Erfolge. 1933 war er Deutscher Meister geworden, doch der Titel wurde ihm wenige Tage später mit der Begründung aberkannt, sein tänzelnder und ausweichender Boxstil sei „undeutsch“. Aus Protest färbte sich Rukeli vor seinem nächsten Kampf die Haare blond und kalkte sich die Haut weiß. So stieg er als Karikatur eines Ariers in den Ring, um die Schläge seines Gegners deckungslos hinzunehmen, bis er zu Boden ging. In Rückblicken erzählt Hans den letztlich aussichtslosen Kampf seines Freundes um seine Karriere und sein Leben (Anm. d. Red.: Trollmann wurde 1944 in einem Außenlager des KZ Neuengamme ermordet),
Das speziell für ein jugendliches Publikum konzipierte Theaterstück ermöglicht einen sehr emotional angelegten Zugang in die Zeit des Nationalsozialismus und zeigt anhand einer historisch verbrieften Lebensgeschichte, wie staatlicher Willkür und Gewalt jedes Recht auf ein menschenwürdiges Dasein zum Opfer fällt.
Das „Deutsche Sport- & Olympia-Museum“ bietet spezielle Aufführungen für Schulklassen in gleichsam authentischem Ambiente, nämlich in seinem Box-Ring, an. Hier beleuchten auch einige ausgewählte Exponate die Geschichte von Johann „Rukeli“ Trollmann.
Juli 19th, 2017 | Published in Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken
Letzte Überlebende des Völkermords an tschechischen Roma gestorben
Die letzte Überlebende des Völkermords an den tschechischen Roma, Emílie Machálková, ist tot. Sie starb im Alter von 90 Jahren, berichtete der Tschechische Rundfunk in seinen Inlandssendungen am Montag. Die Nationalsozialisten wollten auch die Familie von Machálková in ein Vernichtungslager bringen. Der Bürgermeister ihres Heimatortes konnte aber bei der Gestapo in Brno / Brünn eine Ausnahme aushandeln. Während des Zweiten Weltkriegs haben die Deutschen 90 Prozent der tschechischen Roma ermordet. Nur 600 der insgesamt 6000 Angehörigen überlebten den Porajmos, den Völkermord an den europäischen Roma.
(Text: Radio Praha)
Juli 16th, 2017 | Published in Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma (Hg.):
Grenzen im politischen Meinungskampf – Zum Verbot rassistisch-diskriminierender Wahlkampagnen. Dokumentation zur Vorlage beim Bundesjustizministerium (=Schriftenreihe des Zentralrats, Band 11), Heidelberg 2017
>>Download (PDF, 990 KB)
Seit dem deutschen Bundestagswahlkampf 2013 wurde durch Plakate und Flugblätter der NPD gezielt rassistisch-diskriminierende Hetze gegen Sinti und Roma betrieben. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma setzt sich dafür ein, dass Politik, Justiz und Zivilgesellschaft ein Bewusstsein für die Grenzen im politischen Meinungskampf entwickeln. Die Publikation stellt eine Bestandsaufnahme der juristischen und politischen Auseinandersetzung im Zuge des Wahlkampfs 2013 dar und nimmt eine Analyse der rechtlichen Möglichkeiten vor, wie rassistischen Positionen im öffentlichen Raum begegnet werden kann.
Zu bestellen über den Zentralrat: zentralrat@sintiundroma.de
(Text: Zentralrat)
Siehe auch:
Karakul, Ruhan: Politische und juristische Entwicklungen seit 2013 – Analyse und Handlungsmöglichkeiten (PDF, 375 KB)
Zentralrat: NPD-Urteil eine „vertane Chance“, 19.1.2017
Deutschland: Zentralrat zeigt Pro NRW an, 31.5.2014
Zentralrat dokumentiert Wahlkampfhetze, 14.1.2014
NPD setzt auf Hetze gegen Roma, 24.8.2013
Gießens Antwort auf NPD-Hetze, 15.9.2013
Diskriminierende Wahlwerbung verbieten!, 30.8.2013
Juli 15th, 2017 | Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte
ARTE: Di., 18. Juli 2017, 21.45 Uhr
Online: 18. Juli bis 25. Juli 2017
Reportage von Samuel Lajus, 91 Min., F/2017
Das schlechte Image von Roma ist dominant in ganz Europa und existiert seit Jahrhunderten. Warum begegnet die Mehrheitsbevölkerung gerade dieser Minderheit mit so viel Hass und Misstrauen? Die Filmemacher gehen in ganz Europa der Frage nach, weshalb sich Klischees und Vorurteile gegen Roma bis heute hartnäckig halten.
„Die Lage der Roma in den EU-Staaten ist heute schlimmer als im Kommunismus“, erklärt Georges Soros, US-amerikanischer Milliardär ungarischer Herkunft. Trotz der Milliardeninvestitionen der EU in Eingliederungsmaßnahmen hat sich also nichts geändert. Im Gegenteil: Seit dem Mauerfall scheint sich die Situation stetig zu verschärfen. Wie konnten die europäischen Institutionen so kläglich scheitern? Warum verließen nach dem Sturz von Nicolae Ceausescu über 15 Prozent aller Rumänen ihre Heimat? 2014 strengte die EU-Kommission ein Verfahren gegen die Tschechische Republik an, um Roma-Kindern besseren Zugang zu Bildung zu verschaffen. Warum besucht dort ein Viertel aller Roma-Kinder Schulen für Menschen mit geistigen Behinderungen, was zu ihrer sozialen Ausgrenzung führt? Im ungarischen Miskolc gewann die Partei Fidesz – Ungarischer Bürgerbund, der Premierminister Viktor Orbán vorsteht, die Wähler mit dem klaren Versprechen, „das Roma-Ghetto aufzulösen, um die Stadt lebenswerter zu machen“. Doch die Roma wurden nicht umgesiedelt, sondern einfach verjagt. Der zweifelhafte Umgang mit der Roma-Minderheit ist kein osteuropäisches Phänomen. Auch in Italien, Frankreich und Schweden sind Räumungen von Roma-Lagern, Diskriminierung und Ausgrenzung an der Tagesordnung. Nur in Berlin, wo die Roma so zahlreich sind wie in ganz Frankreich, scheinen sie ihren gesellschaftlichen Platz gefunden zu haben. Was lief hier anders als bei den europäischen Nachbarn?
Juli 12th, 2017 | Published in Facts & Figures
(Quelle)
Juli 11th, 2017 | Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Die Ausstellung „Sprache kommt vor der Tat“ wandert von einer Galeriewerkstatt zu einem Bauzaun auf der Mariahilfer Straße.
Wiener Zeitung, 4.7.2017. Von Valentine Auer
Wien. „Roma Rauss“ zum Beispiel. Mit Doppel-S und auf einem Wahlplakat über das Gesicht von Alexander Van der Bellen geschmiert. Oder ein Aufkleber mit der österreichischen Flagge und der Aufschrift „Zigeuner bringen Kriminalität & Krankheiten nach Österreich“. Es sind Beispiele von Rassismus, von Antiziganismus, die seit etwa einem Jahr zunehmend im öffentlichen Raum von Wien sichtbar sind. Es sind auch Beispiele, die zeigen wie Rassismus und Sprache zusammenhängen und wie Konstruktionen von Kultur, von Ungleichheiten bis heute fortgeschrieben werden. An einem dieser Schauplätze rassistischer Schmierereien hängt seit Samstag die Ausstellung „Sprache kommt vor der Tat“ der Wiener Künstlerin Marika Schmiedt, um auf ebendiese Kontinuitäten aufmerksam zu machen.
Die Original-Ausstellung war relativ kurz in der Galeriewerkstatt NUU zu sehen. Von 19. Mai bis 1. Juni wurden die Recherchen von Marika Schmiedt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit vergangenen Samstag sollen die Erkenntnisse eine breitere Öffentlichkeit erreichen – an einem Baustellenzaun an der Mariahilfer Straße 67.
Erkenntnisse, die darauf aufmerksam machen, wie ähnlich sich rassistische Diskurse vom Kaiserreich bis heute sind. Als Romni wollte sich Schmiedt mit den eigenen Wurzeln auseinandersetzen, erklärt sie gegenüber der „Wiener Zeitung“: „Als Betroffene habe ich mich intensiv mit meiner eigenen Familiengeschichte auseinandergesetzt und bin in meinen Recherchen sehr weit zurückgegangen. Wenn man sich – egal, in welcher Zeit – die Zeitdokumente durchliest, merkt man, dass es immer die gleichen Mechanismen sind.”
Der Menschenfresser-Prozess von Kaschau
Ähnliche Mechanismen und wiederauftretende Kontinuitäten, macht Schmiedt an historischen und gegenwärtigen Beispielen begreifbar. So auch am sogenannten „Menschenfresser-Prozess von Kaschau“, der von 1927 bis 1929 gedauert hat und in der Ausstellung ausführlich dokumentiert wird: „Viele Roma aus Košice, dem damaligen Kaschau, wurden verhaftet und gequält, weil ein Gerücht im Umlauf war, dass sie Menschen gefressen haben. Geständnisse wurden unter Druck abgelegt“, so Schmiedt. Read the rest of this entry »
Juli 9th, 2017 | Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
„Auch Menschen, die betteln, dürfen sich organisieren!“ — Die Bettellobby Tirol fordert, die Hetzjagd auf bettelnde Menschen zu beenden
Bettellobby Tirol: Verstärkt werden von Armut betroffene Menschen in Innsbruck, die im öffentlichen Raum um Almosen bitten, zur Zielscheibe von Schwerpunktaktionen der Polizei. „Bei der Aktion scharf gegen Bettler wurden seit Mai 53 Personen angezeigt“, heißt es in einem Artikel der Tiroler Tageszeitung vom 30.6.2017. In dem Artikel ist von einem gut gekleideten Bettelorganisator die Rede, der die Erlöse einkassiert haben soll. Wir können derzeit nicht beurteilen, inwiefern der sogenannte Organisator Geld eingesammelt hat. Fest steht, dass es nicht verboten ist, 300 Euro zu verwahren, wie im Bericht angeführt wird. Ebenso wenig ist es verboten, sich – wie betont – gut zu kleiden. Warum wird im Zusammenhang mit bettelnden Menschen ständig abgesprochen, hervorgehoben und als verdächtig gewertet, was in der Mehrheitsgesellschaft als etwas ganz Selbstverständliches und nicht zu Hinterfragendes gilt?
Unseren Erfahrungen nach handelt es sich bei den bettelnden Menschen in Innsbruck vielfach um Familienangehörige und Verwandte, die gemeinsam das Geld vewalten und es vor der Polizei in Sicherheit bringen, damit es ihnen nicht abgenommen wird. Vermehrt berichten bettelnde Menschen in letzter Zeit, dass ihnen Geld und Gegenstände von der Polizei abgenommen werden. Die Polizei argumentiert, diese als Sicherheitsleistung aufgrund unrechtmäßigen Bettelns einzufordern.
Dass die Bettlerszene in Innsbruck zumindest teilweise organisiert ist, zeige ein weiterer Umstand, so der Bericht: „Wenn wir beispielsweise Leute wegen ausständiger Strafgelder zum Verbüßen des Ersatzarrestes ins Polizeianhaltezentrum brachten, wurden sie ausgelöst“, schildert Kirchler [Stadtpolizeikommandant]: „Schon nach kurzer Zeit war einer da und hat die 500 Euro bezahlt.“ Was man auch gegenseitige Unterstützung nennen könnte, wird hier als Indiz für organisiertes Betteln gewertet. Ja, Betteln ist vielfach organisiert – in dem Sinne, dass sich Menschen aus eigener Initiative auf den Weg machen und selbstorganisiert anreisen –, teils in Fahrgemeinschaften, um sich die Kosten zu teilen. Read the rest of this entry »
Juli 7th, 2017 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Urgent Action: Amnesty International ruft zu einer Protestaktion (pdf) auf.
Rund 600 Roma müssen befürchten, dass ihre Wohnungen in der informellen Siedlung von Germagnano bei Turin in Norditalien zerstört werden. Mindestens sieben Familien wurden bereits obdachlos, nachdem sie gewaltsam vertrieben und ihre Unterkünfte abgerissen wurden. Die städtischen Behörden haben es verabsäumt, eine Konsultation durchzuführen, um geeigneten alternativen Wohnraum für alle Familien ausfindig zu machen.
Italy: Romani families left homeless, others at risk — Around 600 Romani individuals fear destruction of their homes in the informal settlement of Germagnano in Turin, northern Italy. At least 7 families were left homeless after being forcibly evicted and their homes demolished. Municipal authorities have failed to carry out any consultation to identify adequate alternative housing for all families.
Juli 4th, 2017 | Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs. Gemeinderat konnte Bedenken nicht zerstreuen: „Verfassungsrechtlich verpöntes absolutes Bettelverbot“ in der Salzburger Altstadt
Der Verfassungsgerichtshof hat in seiner Juni-Session mehrere Entscheidungen zum Bettelverbot in der Salzburger Altstadt getroffen: Die Verordnung des Salzburger Gemeinderates vom 20. Mai 2015 betreffend ein Bettelverbot hat sich hinsichtlich der Altstadt wegen ihres zeitlichen und örtlichen Anwendungsbereichs als „verfassungsrechtlich verpöntes absolutes Bettelverbot“ erwiesen und war gesetzwidrig. Eine Beschwerde betreffend das Bettelverbot am Grünmarkt hat der Gerichtshof abgelehnt. Die Richterinnen und Richter haben die Verordnung aus 2015 von Amts wegen geprüft. Anlass war die Beschwerde einer Bettlerin, die wegen eines Verstoßes gegen das Verbot auch des „stillen Bettelns“ bestraft worden war. Dieses Verbot galt in der Getreidegasse und den angrenzenden Gassen bis hin zu Brücken über die Salzach. Mitte 2016 wurde die Verordnung von einer neuen Regelung abgelöst, die den räumlichen Geltungsbereich neu festgelegt hat. (Anm. d. Red.: Das Bettelverbot wurde damals deutlich ausgeweitet.)
Der VfGH hat bereits 2012 festgestellt, dass ein ausnahmsloses Verbot, als „stiller Bettler“ den öffentlichen Raum zu nutzen, gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoße, weil es Menschen von der Nutzung ausschließe. Ein derartiges Verbot verstoße außerdem gegen die Freiheit der Meinungsäußerung, die von der Europäischen Menschenrechtskonvention garantiert wird.
Juli 3rd, 2017 | Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Rassismusvorwürfe gegen das Kaufhaus „Stadtmarkt“ in Dornbirn: Roma sollen dort nicht bedient worden sein – mit der Begründung, dass für Roma ein Hausverbot gelte. Ein Vorarlberger Aktivist hat diese Vorwürfe gegen das Kaufhaus bzw. die dortige Filiale der Schuhkette „Deichmann“ publik gemacht. Eine weitere Zeugin berichtet nun ebenfalls von diskriminierenden Vorfällen im „Stadtmarkt“ – sowohl bei „Deichmann“ also auch bei „New Yorker“. Wir haben nachgefragt – doch das „Stadtmarkt“-Management schweigt. Nun spricht die Justiz: Diese Woche wird der Fall vor dem Landesverwaltungsgericht verhandelt.
„Stadtmarkt Dornbirn sperrt ROMA aus!“, postete der Dornbirner Aktivist Heinz Starchl, Pensionist und ehrenamtlicher Lernbetreuer, am 18. Juni auf Facebook: Zwei Romnja waren am 2. Februar 2017 in der „Deichmann“-Filiale nicht bedient worden. Die „Plattform Armutsmigration“, ein Zusammenschluss von über vierzig engagierten Bürgern in Vorarlberg, griff den Fall auf und stellte die Unternehmensleitung zur Rede. Starchl schreibt hierzu:
Die Fa. Deichmann hat innert weniger Tage reagiert, sich entschuldigt und diese „Praktik“ in ihrer Filiale in Dornbirn abgestellt. Es können nun auch Personen aus der Volksgruppe der Minderheit der Roma dort wieder einkaufen. Wir haben dies natürlich auch in den letzten Monaten überprüft, und es stimmt. DI Anton Fink hat sich nicht entschuldigt. Ein Mitglied der Plattform Armutsmigration hat nun (…) eine Anzeige (…) eingebracht.
Wir wollten es genauer wissen und landeten nach Rückfragen beim Dornbirner Rechtsanwalt Anton Schäfer (mehr hier oder hier). Er bestätigt, dass eine Anzeige erstattet wurde, der Fall liege nun beim Landesverwaltungsgericht, wo diese Woche die Verhandlung stattfindet. Bei den betroffenen Frauen (17 bzw. 35 Jahre) handle es sich um rumänische Staatsbürgerinnen, die jedoch schon seit Jahren in Vorarlberg leben. Read the rest of this entry »
Juli 1st, 2017 | Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte
Wolfgang Radlegger: Roma – zum Betteln verdammt. Eine historisch-kritische Auseinandersetzung. Aktualisiert am Beispiel der Stadt Salzburg, Edition Tandem: Salzburg 2017 (gebunden, 320 Seiten, ISBN 978-3-902932-66-2)
Buchpräsentation in Salzburg am 6. 7. 2017, 19 Uhr
Phurdo/Beratungszentrum, Schallmooser Hauptstr. 31
Die Geschichte der Roma und Sinti ist eine der Verfolgung, Ausgrenzung und Vernichtung. Wolfgang Radlegger wollte es genau wissen und ist tief in die Geschichte abgestiegen, um Spuren zu sichern. Er hat sich aber nicht allein aus den historischen Quellen bedient, er hat sich selbst auf die Reise zu den immer noch „Verdammten“ dieser Erde gemacht. Das ist deshalb so wichtig, weil die Bettler, denen wir heute verstärkt auf den Straßen der Städte Europas begegnen, zu einem erheblichen Teil der Gruppe der Roma angehören. Was das für Salzburg bedeutet und wie die Politik damit umgeht, hat Radlegger in einem eigenen Kapitel exemplarisch abgehandelt. Das Buch ist ein großes Plädoyer für Toleranz.