Religion

Roma-Pastoral: Kirche lebt Inklusion

Juni 22nd, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Religion

Manuela Horvath in Mariazell (Foto: volksgruppen.orf.at)Die Roma-Pastoral leistet das ganze Jahr über be­acht­li­che Arbeit, im Seel­sorg­li­chen, im So­zia­len, im Mit­mensch­li­chen, im Er­innern an die Opfer der Ver­gan­gen­heit und im Hoch­halten ihrer un­ver­äußer­li­chen Würde, im Ge­stal­ten einer posi­ti­ven, selbst­bestimm­ten und mit­bestimm­ten Zu­kunft. – Einen we­sent­li­chen An­teil an all dem hat Manuela Horvath, die seit nun­mehr rund einem Jahr die Roma-Pastoral leitet.

Martinus, 21.6.2017: Eisenstadt – Inklusion heißt, miteinander reden und handeln, nicht bloß einer über den ande­ren. Manuela Horvath weiß das. Und sie lebt genau das. Denn die Romni Manue­la Hor­vath leitet seit März 2016 die Roma-Pastoral der Diözese Eisenstadt – mit viel En­gage­ment, Begeis­te­rung und einer Fülle an Ideen. Der Erfolg kann sich sehen las­sen und ist mehr als sicht­bar an der Viel­zahl und Viel­falt der Pro­jekte der Roma-Pastoral. Was ihnen allen ge­mein­sam ist? „So unter­schied­lich unsere Tätig­keits­felder sind, sie sind alle glei­cher­maßen wich­tig. Immer geht es darum, Per­so­nen aus der Volks­gruppe ein­zu­binden, gemein­sam und mit­einan­der zu gestal­ten und Vor­haben mit und von der Volks­gruppe selbst um­zu­setzen“, betont Ma­nuela Horvath.

Immer präsent, aktiv und mittendrin

Und es ist viel zu tun für die Leiterin der Roma-Pastoral. Sie ist im gan­zen Burgenland prä­sent und für die Volks­gruppe aktiv, leistet seel­sorg­liche Dienste, hilft bei Be­wer­bungs­schreiben, be­glei­tet bei Amts­wegen, ist da, wenn Hilfe in schwie­rigen Lebens­lagen ge­fragt ist. An Schulen or­ga­ni­siert und hält sie Workshops über die Ge­schich­te der Roma, im Bundes­kanzler­amt ist sie inner­halb der Roma-Dialog­plattform in der Arbeits­gruppe zur Gedenk- und Erin­ne­rungs­arbeit en­gagiert. Manuela Hor­vath hält Vor­träge zur Gedenk- und Erin­ne­rungs­kultur und en­gagiert sich für das seit 2006 beste­hende Gedenk­projekt „Wohin mit meinen Kerzen“, das den von den Nazis er­mor­deten Roma einen Namen, einen Prä­senz­raum des Gedenkens gibt. Rund eine halbe Million Roma und Sinti fielen dem NS-Massen­mord zum Opfer. Im burgen­län­di­schen Lackenbach wur­den mehr als 4.000 Roma und Sinti in einem Zwangs­arbeiter­lager inter­niert, ver­sklavt und auf das Un­mensch­lichste miss­handelt. Die Roma-Sied­lungen in rund 124 burgen­län­di­schen Orten wurden dem Erd­boden gleich­gemacht, die Menschen in Kon­zentra­tions- und Ver­nich­tungs­lager de­portiert.

Den Opfern ihre Würde geben

Manuela Horvath: „Die Gedächtnispastoral ist mir ein be­son­de­res An­liegen. Ich bin über­zeugt, dass die Errichtung von Gedenk­tafeln in Ort­schaften mit ehe­mali­gen Roma-Siedlungen ein wich­ti­ger Schritt ist, um auf das tra­gische Schicksal un­serer Volks­gruppe wäh­rend des Holocaust auf­merk­sam zu machen. Durch Gedenk­stätten be­kom­men die er­mor­de­ten Roma, die keine Grabstätte haben, zu­mindest einen Ort des Gedenkens.“ In Zu­sam­men­arbeit mit dem Verein Roma-Service initiiert die Roma-Pastoral des­halb die Errich­tung von Gedenk­tafeln für Roma-Opfer des Holocaust. Read the rest of this entry »

Roma-Seelsorger Werner Klawatsch verstorben

Mai 15th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Religion

Werner Klawatsch

Österreichs erster Roma-Seelsorger Ehrenkons.Rat Mag. Werner Klawatsch ist am 10. Mai nach längerer Krank­heit in Wiesen verstorben.

Werner Klawatsch wurde am 14. April 1939 in Wiener Neustadt geboren und wuchs in seiner Heimtat­pfarre Wiesen auf. 1962 wurde er im Eisen­städter Dom zum Priester geweiht. Bis zu seinem Ruhe­stand im Jahr 2009 betreute Werner Klawatsch die drei Pfarr­gemeinden Neutal, Markt St. Martin, wo er auch seinen Wohn­sitz fand, und Landsee. Von 1998 bis 2008 leitete er als Dechand das Dekanat Ober­pullen­dorf, dazu kam seine Mitarbeit in ver­schie­denen wich­tigen diöze­sanen Gremien.

Einen großen Dienst erwies er der Diözese Eisenstadt und vor allem der Volks­gruppe der Roma durch die Wahr­nehmung der Leitung des Referates für die Pastoral an Ange­hö­rigen ethnischer Gruppen – und damit als erster Seel­sorger für die Ange­hö­rigen der Roma in der Diözese Eisenstadt – von 1995 bis 2002. Mit den Aufgaben des Seel­sorgers für die Roma und Sinti in Öster­reich betraute ihn während dieser Zeit auch die Öster­rei­chische Bischofs­konferenz. Er nahm auch diese seel­sor­ge­rische Aufgabe mit großem Einsatz und Einfühlungs­vermögen wahr.

Die Begräbnisfeier für den verstorbenen Priester beginnt am Dienstag, dem 16. Mai 2017, um 15 Uhr mit der hl. Messe in der Pfarr­kirche zum Heiligen Geist in Wiesen, anschlie­ßend erfolgt die Beisetzung im Priester­grab der Pfarre Wiesen.

6. Mai: St. Georgsfest der Roma

Mai 6th, 2017  |  Published in Brauchtum & Tradition, Religion

Ikone des heiligen Georg, 1621 (Foto: Wikimedia)Das Georgsfest gehört zu den großen Feiertagen der Roma und wird nach dem julia­ni­schen Kalender be­rech­net. Es ist ein Frühlings­fest, das Glück und Wohl­stand brin­gen soll. Der heilige Georg wird als Schutz­heiliger ins­beson­dere der serbisch-orthodoxen Roma und als Be­schützer der Ost­kirche ver­ehrt. Im Vor­feld des Georgsfestes reini­gen die Roma ihre Häuser und schmücken sie mit Kerzen und Zweigen. Wasser be­stimm­ter Quellen dient zur rituel­len Reinigung und soll zu­gleich vor bösen Ein­flüs­sen schützen. Ins­gesamt feiern die Roma sieben Tage lang. Der Georgs­tag wird auch in den west­li­chen Kirchen be­gan­gen. Da diese dem gre­go­ria­ni­schen Kalen­der fol­gen, ist der Georgstag hier am 23. April.

(Text: mdr.de)

Anm. der dROMa-Red.:
Der Georgstag wird unter dem Namen Djurdjevdan oder Herdelezi (Erdelezi) ge­feiert. Er ist nicht nur ein Fest der christ­li­chen Roma, son­dern wird von moslemischen und christ­lich-ortho­do­xen Roma glei­cher­maßen be­gan­gen. So gilt Herde­lezi bei­spiels­weise in der Türkei als der wich­tigste Fest­tag der Roma. „Es dürfte bereits früh­zeitig zu einer Ver­mischung der jüdisch-christ­li­chen Ver­ehrung des alt­testamen­ta­ri­schen hl. Elias mit dem christ­lichen Georgskult und der mus­li­mi­schen Ver­ehrung von El Khadr ge­kom­men sein. Her­de­lezi und Djurdjev­dan sind somit Aus­druck der Volks­frömmig­keit, die – we­niger dog­ma­tisch als die Theo­logie – eine gegen­seitige Be­ein­flus­sung zu­ließ und die Feier­lich­keiten trotz unter­schied­licher religiöser Wur­zeln zu einem über­religiösen Frühlingsfest ver­schmel­zen ließ.“ (Mehr auf Rombase.)

Roma sam: Nevo Romengero seelsorgeri

Januar 6th, 2017  |  Published in Radio & TV, Religion

Radio Roma samRoma sam
Radijo Burgenland:
19.12.2016 | (on demand)

Mmagu 2011O nevo seelsorgeri la flogoskera grupna­tar le Romen­dar ando Bur­gen­land bu­tschol Matthias A. Platzer. O aguno Ro­men­gero seel­sor­geri Fabian Mmagu Betschis­te gelo, taj o ra­schaj andar Wolfau o Matthias Platzer les­keri buti akan prik lija.

O Matthias A. Platzer ando decembe­ri 2011 le bur­gen­landi­tike bare ra­scha­jistar Ägidius J. Zsifkovics ando Tikne Mar­tona­ke­ro dom uso ra­schaj sen­te­lim ulo. O Platzer an­dar Neun­kirchen Telut­na Austri­ja­tar al. Ov jek mesch­teris­ke­ro schtu­di­jum la theo­lo­gi­jake taj his­torjake ker­tscha. Pal but ber­schen­geri buti ojs reli­gi­jo­na­kero mesch­teri kes­dintscha ov 2008 le ar­sik­li­peha ando rascha­jen­gero semi­nar. O ersch­ti „Ober-Ro­ma-Seel­sor­geri“ o Werner Klawatsch 1995 sina taj ando glajchi bersch o re­ferat le eth­nische grupnenge la diö­ce­se­ja­tar Tikni Mar­tona kerdo ulo. 1992 andi bare rascha­jen­geri kon­fe­ren­ca jek fartre­teri le upre di­peha Roma-Pas­to­ral upre dim ulo. Le Ro­men­geri seel­sor­geris­keri buti hi, i iden­ti­teta le eth­ni­schi tschu­li­pes­tar te sora­lel taj te moti­vi­ri­nel, o alav te asdel, kaj on schaj peske pu­menge söber te va­keren. O Matthias A. Plat­zer agu­neder o Kaplan Simeha­te, Batschiba­te taj Neu­markt ande Tau­chen­tal sina, taj i seel­sor­geris­keri kor­dina­cija andi schpita Erbate kerel.

Adventiskero gondo Tenu Erbate

O tradicijoneli burgenlanditiko Romen­ge­ro adven­tis­kero mula­tin­tscha­go ada bersch Tenu Erbate sina. Orga­ni­si­rim ulo o ad­ven­tis­kero mula­tintscha­go la Roma-Pas­tora­latar taj le frajn Roma-Ser­vice­jistar, po­mo­schim ulo la ge­majn­di Tenu Erbatar. Ojs erschti dschi­lado ulo i Ro­men­geri hymne „Gelem Gelem“ la Indira Gussakatar. Read the rest of this entry »

Neuer Roma-Seelsorger Matthias Platzer

Januar 5th, 2017  |  Published in Radio & TV, Religion

Radio Roma samRoma sam
Radio Burgenland:
19.12.2016 | (on demand)

Roma-Seelsorger Matthias Platzer, hier 2015 in Wolfau (Foto: pfarren.martinus.at)Der neue Seelsorger der Volksgruppe der Roma im Bur­gen­land heißt Matthias A. Platzer. Nach­dem Pfar­rer Fabian Mmagu nach Wien wech­sel­te, über­nahm der Pfar­rer in Wolfau, Matthi­as Plat­zer, des­sen Auf­ga­be als Ro­ma-Seel­sorger.

Matthias A. Platzer wurde im Dezem­ber 2011 vom bur­gen­län­di­schen Diö­ze­san­bischof Ägi­dius J. Zsifkovics im Ei­sen­städter Mar­tins­dom zum Priester ge­weiht. Platzer stammt aus Neun­kir­chen in Nie­der­öster­reich. Er hat ein Lehr­amts­studium für Theo­logie und Ge­schich­te ab­sol­viert. Nach mehr­jäh­ri­ger Tätig­keit als Reli­gions­lehrer be­gann er 2008 mit der Aus­bil­dung im Pries­ter­semi­nar. Erst­mals wur­de Werner Klawatsch 1995 zum „Ober-Roma-Seel­sor­ger“ er­nannt und er­rich­tete im sel­ben Jahr das Referat für eth­ni­sche Grup­pen in der Diözese Eisen­stadt. 1992 wurde in der Bischofs­kon­ferenz ein Ver­treter mit der Auf­gabe der Roma-Pas­to­ral be­auf­tragt. Die Roma-Seelsorge zielt da­rauf ab, das Selbst­be­wusst­sein der eth­ni­schen Minder­heit zu stär­ken und sie dazu zu moti­vie­ren, die Stim­me zu er­he­ben, um für sich zu spre­chen. Matthias A. Platzer ist fer­ner Kap­lan in Groß­peters­dorf, Jabing und Neumarkt im Tau­chen­tal und ko­ordi­niert die Seelsorge am Lan­des­kran­ken­haus Oberwart.

Roma-Adventfeier in Unterwart

Die traditionelle burgenländische Roma-Ad­vent­feier fand heuer in Unter­wart statt. Or­ga­ni­siert wurde die Ad­vent­feier von Roma-Pas­to­ral und Verein Roma-Service, un­ter­stützt von der Ge­mein­de. Read the rest of this entry »

Bischöfe fordern Gedenkstätten für Roma

November 13th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Religion

Würdiges Gedenken als Postulat im "Jahr der Barmherzigkeit" (Foto: Bischofskonferenz.at)Anlässlich ihrer Vollversammlung in Eisenstadt un­ter­stützt die Öster­rei­chi­sche Bischofs­kon­fe­renz die For­de­rung der Volks­gruppe nach einem wür­di­gen Ge­den­ken für die im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus er­mor­de­ten Roma.

Vor 75 Jahren begann mit den Transporten in die NS-Vernich­tungs­lager das dun­kelste Ka­pi­tel in einer jahr­hun­der­te­lan­gen Ge­schich­te der Dis­kri­mi­nie­rung und Aus­gren­zung von Roma und Sinti. Von den rund 11.000 öster­rei­chi­schen Roma und Sinti im Jahr 1938 über­lebten nur ca. zehn Pro­zent den Zwei­ten Welt­krieg. Das Burgenland, in dem die Voll­ver­samm­lung der Bischofs­kon­fe­renz statt­ge­fun­den hat, war davon be­son­ders stark be­trof­fen: Von den rund 8.000 Roma und Sinti in rund 120 Orten im Burgen­land über­lebten nur sehr wenige die sys­te­ma­tische Ver­fol­gung und ge­plante Ver­nich­tung in den Kon­zentra­tions­lagern. Selbst nach dem Kriegs­ende wur­de in Österreich die Po­litik der Aus­gren­zung lange fort­gesetzt, wo Sied­lun­gen von Roma und Sinti nur am Stadt- bzw. Orts­rand er­laubt waren.

Der Blick auf diese Ereignisse macht sprach­los: Welche Worte kön­nen die­ses Leid fas­sen? Und den­noch schafft das Schwei­gen darüber ein neues Un­recht gegen­über den Roma und Sinti, die seit 1993 in Öster­reich of­fi­ziell als Volks­gruppe an­erkannt sind. Die jetzi­ge Gene­ra­tion der Roma und Sinti fragt mit Recht: Wo sind die ver­schol­lenen, ermor­de­ten Eltern, Groß­eltern, Fami­lien­nage­hö­rigen? Die Bischöfe unterstützen ihren Wunsch nach einem wür­di­gen Gedenken der Opfer. Jeder Mensch hat einen An­spruch auf eine Grab­stätte, zu­min­dest aber auf eine Gedenk­stätte. Nur durch die Erin­nerung an die Opfer kann eine Reini­gung des Gedächt­nisses er­folgen, die für ein respekt­volles und fried­liches Zusam­men­leben not­wendig ist. Read the rest of this entry »

Angry Buddha (Trailer)

September 22nd, 2016  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Religion

Angry Buddha | Der zornige Buddha
Ab 23. September 2016 in den österr. Kinos

Sajókaza, ein Dorf in Ostungarn. János Orsós hat hier ein buddhistisches Gymnasium für Roma-Ju­gend­li­che ge­grün­det. In einer ras­sis­tisch auf­ge­heiz­ten Um­ge­bung will er den Teen­agern den Weg in ein bes­se­res Leben zei­gen. Im Mikro­kos­mos eines ungari­schen Dor­fes zeigt sich, dass Europa mit seiner Roma-Min­der­heit vor einer bri­san­ten Ent­schei­dung steht: Integra­tion oder Aus­gren­zung?

Ein be­obach­ten­der Do­kumen­tar­film von Stefan Ludwig.

(www.derzornigebuddha.at)

Mehr hier: dROMaBlog, 12.3.2016

Regensburg: „Schande für die Kirchen“

August 10th, 2016  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Religion

Tilman Zülch (Foto: GfbV)Pressemitteilung der GfbV:

Schutzsuchende Roma-Flüchtlinge verhaftet: Kirchliche Obhut war „böse Falle“

Im Pfarrhaus St. Emmeran in Regensburg hatten zwo­schen­­zeit­­­lich bis zu 45 Roma Schutz vor dro­hen­­­der Ab­­­schie­­­bung Zu­­flucht ge­­­sucht, zu­­­letzt wa­­ren es noch 16 ge­­­we­­­sen. Nahrungs­­mit­­tel­­spen­­den an sie wur­­­den ver­­­hin­­­dert. Am Mon­­­tag wur­­de das Pfarr­­­haus po­­li­­­zei­­­lich ge­­­räumt.

Als eine „Schande für beide Kirchen“ hat Tilman Zülch, Präsi­dent der Gesell­schaft für be­drohte Völ­ker – Inter­natio­nal (GfbV), die polizei­li­che Räu­mung des katho­li­schen Regens­burger Pfarr­hau­ses St. Emmeram am gestri­gen Montag­abend be­zeich­net. Die „kirch­li­che Obhut“, die den schutz­suchen­den und um Kirchen­asyl bit­ten­den Roma dort an­ge­bo­ten wurde, habe sich als „böse Falle“ er­wie­sen, kri­ti­sier­te der Menschen­recht­ler. Im Pfarr­haus St. Em­meran hat­ten zwi­schen­zeit­lich bis zu 45 Roma Schutz vor dro­hen­der Ab­schie­bung Zu­flucht ge­sucht.

Schon vor der Räumung hatte die Kirche nach An­ga­ben des baye­ri­schen Flücht­lings­rates ver­sucht, die letz­ten 16 noch im Pfarr­haus ver­blie­be­nen Flücht­linge „auszuhungern“, in­dem sie Nahrungs­mit­tel­spen­den an sie ver­hin­derte. Das Bis­tum Regens­burg hat­te auf diesen Vor­wurf un­mit­tel­bar vor der Räu­mung mit einem hal­ben De­menti reagiert. „Die Flücht­linge be­kom­men Nahrung, aber nicht im Pfarr­heim. Jeder kann heraus­tre­ten und sich ver­sor­gen“, wurde ein Dom­sprecher in den Me­dien zitiert.

„Diese Verlautbarung war zynisch“, kritisierte Zülch. Denn nach Infor­ma­tio­nen der GfbV wären die fünf von Abschiebung be­droh­ten Flücht­linge beim Ver­lassen des Pfarr­hauses sofort ver­haftet wor­den. Die Polizei war­tete vor dem Gebäude auf sie, weil gegen sie ein Haft­befehl vor­lag und ihre Daten an die Sicher­heits­kräfte weiter­ge­ge­ben wor­den waren.

Bei einer mazedonischen Familie, die am Dienstag­morgen um 10 Uhr dem Haftrichter vor­geführt wurde, wollte eine evan­ge­li­sche Kirchen­gemeinde nach siche­rer Kennt­nis der GfbV prü­fen, ob nicht Kirchen­asyl ge­währt wer­den könne. Die Familie hatte es ver­säumt, Rechts­mittel gegen die Ab­leh­nung ihres Asyl­antrags ein­zu­legen. Die für eine Prü­fung durch die Kirche not­wen­dige Akte des Bundes­amts für Migra­tion und Flücht­linge (BAMF) traf je­doch wochen­lang nicht ein und schließ­lich war die Fa­milie aus der Ob­hut der evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­meinde wei­ter in die der katho­li­schen ge­flüch­tet, weil sie sich dort schnel­lere Hilfe er­hofft hatte. Zu­sätz­lich hatte die Fa­milie schrift­lich er­klärt, frei­willig aus­reisen zu wollen. Jetzt be­fin­det sie sich in Ab­schiebe­haft.

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Rom: Kardinal entsetzt über Roma-Lager

Juli 14th, 2016  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Religion

Italien: Kardinal Kardinal Vallini nach Besuch: Lage im Lager „schreit zum Himmel“.

Der Generalvikar des Papstes für das Bistum Rom kritisiert menschen­un­wür­dige Zu­stände in einem Roma-Lager am Stadt­rand. Bei einem Besuch der Baracken­stadt sprach Kar­di­nal Agostino Vallini am Diens­tag von einer „Schande“. Wört­lich sagte er in einem Bericht der Bistums-Home­page: „Das ist eine Lage, die zum Him­mel schreit, unwürdig einer Stadt wie Rom. Noch nicht ein­mal nach dem Krieg habe ich Der­arti­ges ge­se­hen.“ Das Roma-La­ger vom Castel Romano an der Via Pontina liegt etwa zwan­zig Kilo­me­ter vom Stadt­zentrum ent­fernt. Der Kar­dinal sprach von drecki­gen Straßen, Mäu­sen und arm­seli­gen „Holz-und-Klebe­band-Unter­künf­ten“; die Be­hör­den und Bürger müss­ten ihre Vor­urteile gegen­über den Roma über­win­den. Bei seiner drei­stün­di­gen Visite in dem Lager, von dem es in Rom meh­re­re gibt, wurde Kar­di­nal Val­lini von eini­gen kirch­li­chen Frei­wil­li­gen beglei­tet, die sich dort enga­gie­ren.

(Text: de.radiovaticana.va)

Roma besetzen Dom in Regensburg

Juli 8th, 2016  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Religion

Roma im Dom in Regensburg (Foto: Romano Jekipe Ano Hamburg - Vereinigte Roma Hamburg)Eine Gruppe von Flüchtlingen, Presse­berichten zu­folge vor­wiegend Roma aus Albanien, Mazedonien, Serbien und dem Ko­so­vo, hat am Diens­tag den Re­gens­bur­ger Dom be­setzt. Mit ihrer Pro­test­aktion wol­len die Flücht­linge, un­ter ihnen auch meh­rere Kinder, auf ihr Schicksal auf­merk­sam ma­chen und ihre dro­hende Abschie­bung ver­hin­dern. Ihr Pro­test rich­tet sich ins­beson­dere auch ge­gen die jüngste Ein­stufung der Balkan­staaten (seit Herbst 2015 auch Montenegro, Al­ba­ni­en und Kosovo) als „sichere Her­kunfts­länder“. Asyl­anträge von Per­so­nen aus diesen Län­dern gelten in Deutschland jetzt, auch wenn es sich um An­ge­hö­rige von dis­kri­mi­nier­ten und beson­ders gefähr­de­ten Min­der­hei­ten han­delt, a priori als „un­be­gründet“.

Bereits Mitte Mai besetzte eine Gruppe von Roma, die unmit­tel­bar von Ab­schie­bung be­droht sind, das Denk­mal für die im National­sozia­lis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma in Berlin. Die für das Mahnmal zu­stän­dige Stif­tung er­klärte sich zwar soli­da­risch mit den An­lie­gen der Flücht­linge, ließ das Areal aber den­noch schon nach eini­gen Stun­den polizei­lich räumen. Anders nun die Reak­tion in Regens­burg, wo sich Bistum und Caritas, unter­stützt von rund 50 frei­wil­li­gen Helfern, um das Wohl­er­ge­hen der Flücht­lings­gruppe bemühen. Die Caritas ver­sorgt sie mit Essen, Asyl­sozial­berater der Caritas küm­mern sich um die Be­lange der Flüchtlinge.

Im Folgenden die Mitteilung des Bistums Regensburg vom 7.7.2016:

Zur derzeitigen Situation in der Kathedrale St. Peter
Gespräche mit der Gruppe der Betroffenen

Seit Dienstag halten sich ca. 45 Perso­nen aus Balkan­län­dern im Dom auf, die gegen ihre Abschiebung de­monstrie­ren. Das Bistum Regensburg hat sich in den ver­gan­ge­nen Tagen um die hu­ma­ni­tä­re Ver­sor­gung ge­küm­mert und die Be­hör­den ge­be­ten, von einem Zu­griff ab­zu­sehen. Dieser Aufenthalt im Dom ist jedoch nur für eine sehr be­grenz­te Zeit mög­lich, wie die Er­fah­run­gen der letz­ten Tage ge­zeigt ha­ben: Toilet­ten und Hand­wasch­becken sind zwar vor­han­den, aber es gibt im Dom keine Duschen. Die ge­sund­heit­li­che Ver­sor­gung der teils schwer­kran­ken Per­so­nen – darun­ter auch Kinder – ist in den Dom­räumen nur sehr ein­ge­schränkt und ri­siko­reich mög­lich. Da eine Über­nach­tung im Haupt­schiff aus Sicher­heits­gründen aus­sche­idet, über­nach­ten im Durch­gangs­bereich vor der Sakristei der­zeit 45 Per­so­nen auf 32 eng aneinan­der ge­stell­ten Lie­gen mit einem ein­zi­gen schma­len Flucht­weg ins Freie. Read the rest of this entry »