Geschichte & Gedenken

Radijo: Gedenkfeier in Lackenbach 2017

Dezember 8th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo Erba

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Eva Horvath, Josef Horvath, Kerstin Horvath und Marcel Horvath

Gondolipeskero mulatintschago le Romenge taj Sintijenge ande Lackenbach 2017

Am 18.11.2017 fand in Lackenbach die alljährliche Ge­denk­feier vor dem Mahnmal für Roma und Sinti statt. Die Schüler aus dem Gym­na­sium Ober­pullen­dorf, Klas­se 7a, darun­ter Cara Thaler und Jakob Grössing, prä­sen­tier­ten anhand von Bildern die Ge­schichte der Roma im „Zigeuner­anhal­te­lager“. Sarah Gärtner-Horvath, Elias Gärtner-Horvath, Adolf Gussak und Michael Sztubics von der Lern­betreu­ung des Vereines Roma-Service lasen aus den Zeit­zeugen­be­rich­ten „Mri Historija“ vor. Hannah Lessing vom National­fonds der Republik Österreich für Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus, Bürger­meis­ter Christian Weninger, Ing. Rudolf Stroma, 2. Land­tags­prä­si­dent, Christian Illedits, 1. Land­tags­prä­si­dent, Christian Klippl, Obmann des Kultur­verei­nes öster­rei­chi­scher Roma, und Landes­haupt­mann Hans Niessl spra­chen für die ver­stor­be­nen Roma und Sinti ein paar Worte. Nach der Kranz­nieder­legung gab es ein klei­nes Buffet im Ge­meinds­saal.

Ando 18to novemberi 2017 ande Lackenbach o sako ber­schen­gero gon­doli­pes­kero mulatintschago anglo gondolipeskero than le Romenge taj Sintijenge sina. O ischkolaschtscha le gim­na­si­jumistar Uprutni Pulja, klas 7a, telal len­dar i Cara Thaler taj o Jakob Grössinger, ki­pen­ca i historija le Romen­dar ando „Zigeu­neren­gero logeri“ pre­sen­tirin­de. I Sarah Gärtner-Horvath, o Elias Gärtner-Horvath, o Adolf Gussak taj o Michael Sztubics an­dar o sik­li­pes­kero pro­jekto le faraj­nistar Roma-Service, andar o prik dschiv­den­gere phu­kajip­tscha „Mri Historija“ ang­le gen­de. Read the rest of this entry »

Naschigejipe ando naphandlo them (1)

Dezember 5th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radijo Erba

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Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Adolf Gussak und Marcel Horvath

Flucht in die Freiheit (Teil 1)

Vasch i aktujeli Sirija krisa, but manuscha pumaro vilago, pal pumende iste mukle. Tschule lendar, andi Austrija harna cajtake jek atschipe lakle. Poar lendar te andi Europa tel pumen mukna taj jek dschi­vipe ando mirnipe dschiv­na. Te ada, o raj Holdosi taj i dschuvli Meszeros, save pu­maro na­schi­gejipe ando bersch 1956 kerde, mint ando Ungriko jek re­volu­cijona sina, kam­nahi. Adala duj phu­kan pe­dar o minden­feli­tike terdschi­jiptscha use len­gero naschi­gejipe an­do naphandlo them. Valami 200.000 manu­scha, ande oja cajt pumaro vilago, pal pu­mende iste mukle.

Durch die aktuelle Syrienkrise muss­ten sehr viele Men­schen ihr Land ver­lassen. Einige davvon fan­den in Österreich eine vorüber­ge­hen­de Bleibe. Manche kön­nen viel­leicht auch in Europa Fuß fas­sen und ein dauer­haf­tes Leben in Frieden füh­ren. Das Gleiche wollvten auch Herr Holdosi und Frau Meszeros, die ihre Flucht im Jahr 1956 an­traten, da in Ungarn eine Re­volu­tion statt­fand. Die beiden berich­ten über unter­schied­li­che Erleb­nisse bei ihrer Flucht in die Freiheit. Read the rest of this entry »

Radijo Erba: Roas andi phuri cajt

Dezember 1st, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo Erba

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Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Jennifer Papai und Josef Horvath, Fotos: Julius Horvath

Reise in die Vergangenheit

Suboton, ando 14to oktoberi 2017, Roma Erbatar, ande Mauthausen up­ro drom pu­men kerde. Odoj phu­kav­lahi o Daniel Tsoll pedar o dschi­vipe ando logeri Maut­hau­sen. Masch­kar 1938 taj 1945 va­lami 190.000 manu­scha andar bute­der sar schtar­var­desch nacijon­tscha ando loger­tscha Maut­hausen taj Gusen vaj ande jek avral pasch­luno logeri, and tscha­pim sina. Odo­len­dar valami 90.000 manu­scha mur­darde ule, telal lende, te bur­genlan­di­tike Roma. O logeris­kero gondo­li­pes­kero than Maut­hausen, adi jek inter­na­ci­jo­nali than le pal­gon­do­li­pes­tar taj le his­to­ri­schi-po­li­tische sika­di­pestar hi.

Am Samstag, den 14. Oktober 2017 machten sich Roma aus Oberwart auf den Weg nach Maut­hau­sen. Dort erzählte Daniel Tsoll über das Gesche­hene im KZ Maut­hausen. Zwi­schen 1938 und 1945 waren etwa 190.000 Men­schen aus mehr als vier­zig Natio­nen in den Kon­zentra­tions­la­gern Mauthausen und Gusen oder in einem der Außen­lager in­haf­tiert. Min­des­tens 90.000 Per­so­nen wurden ge­tötet, darunter auch bur­gen­län­di­sche Roma. Die KZ-Gedenk­stätte Mauthausen ist heute ein in­ter­na­tio­naler Ort der Erin­ne­rung und der his­to­risch-po­li­ti­schen Bildung.

(Jek keripe la Jennifer Papijatar taj le Josef Horvathistar, kipi: Julius Horvath)

RomaRespekt #22: Marika Schmiedt

November 30th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Kunst & Fotografie, Radio & TV

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #22: Die Künstlerin Marika Schmiedt

Wenn ich eine andere Herkunft gehabt hätte, wür­de ich viel­leicht auch Blumen malen.“ (Marika Schmiedt)

Sendung vom 7.10.2017: Seit 1999 arbeitet Marika Schmiedt (WebsiteYoutube-KanalSoundcloud) künst­le­risch zu Roma­feind­lich­keit. Sie arbei­tet kon­zep­tuell mit Film, Plakaten, histo­ri­schen Recher­chen – auch im öffent­li­chen Raum. Das tut sie mit Bezug auf John Heartfield, den Erfin­der der politi­schen Foto­mon­tage. Marika Schmiedts per­sön­li­ches Erleben, das Erle­ben ihrer Mutter und die Suche nach der Geschichte ihrer Familie ha­ben sie zu ihrer Arbeit mo­ti­viert. Sie öff­net sich, gibt viel von sich preis, zeigt Wunden. Mit diesen sehr per­sön­li­chen Er­fah­run­gen be­schreibt sie die kon­ti­nuier­li­che Gewalt einer Gesell­schaft gegen ihre Minder­heiten. Sie be­schreibt das Trauma der Ver­nich­tung im Natio­nal­sozia­lis­mus als eine gesamt­gesell­schaft­liche Wunde, in die sie mit ihren Arbei­ten den Finger legt. Dafür er­hält sie nicht nur An­er­Ken­nung, sondern meist star­ken Gegen­wind. Die Musik dieser Sen­dung ist von Kritzkom „Swell Pattern“.

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Siehe auch:
„Es ist immer der gleiche Mist“ 11.7.2017
Ausstellung: Sprache kommt vor der Tat, 29.4.2017
Warum die Wunde offen bleibt, 10.10.2016
dROMa 45 (2015): „Roma-Aktivismus“, 30.12.2015
Ausstellung „Was bleibt“ in Wien, 28.11.2015
Kirchstetten vereitelt Roma-Gedenkprojekt, 9.8.2015
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Lety: Tschechien unterschreibt Vertrag

November 26th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Schweinefarm auf dem KZ-Gelände von Lety(Foto: Romeo.cz)

Staat hat den Vertrag zum Ankauf der Schweine­­mast in Lety nun un­ter­zeich­net. Jetzt liegt es an den Aktionären.

Der tschechische Staat hat den geplanten Vertrag zum Kauf der Schweinefarm am Ort des ehe­ma­li­gen Roma-Kon­zentra­tions­lagers Lety abge­­schlos­sen. Für die öf­fent­li­che Hand unter­zeich­nete die Leiterin des Museums der Kultur der Roma, Jana Horváthová, das Do­ku­ment. Auf­seiten des Be­trei­bers der Schweinemast müs­sen am 4. De­zem­ber noch die Aktio­näre dem Verkauf zu­stim­men. In Lety soll eine Gedenk­stätte für den Völkermord an den Roma ent­stehen. Zum Kaufpreis von 450 Millionen Kronen (17,7 Millionen Euro) wird der Staat noch wei­tere Mittel in­ves­tie­ren müs­sen. Read the rest of this entry »

RomaRespekt #17: Rukeli Trollmann

Oktober 30th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio & TV, Sport

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #17: Die Geschichte von Rukeli Trollmann und was danach geschah, Kontinuitäten

Sendung vom 20.5.2017: Der Boxer und Sinto Rukeli Trollmann boxt sich in den 20er Jah­ren nach oben. Die Nazis zer­stö­ren seine Kar­rie­re und er­mor­den ihn im KZ Neuen­gamme. Sei­ne Nach­fah­ren hal­ten das Gedenken an ihn wach und en­ga­gie­ren sich ge­gen Rassismus. Wolfgang Trollmann und Alfonso Ramo-Farina Dieckmann er­zäh­len von da­mals und heute.

Playlist #17:
Duo Z: Hätt ich doch Flügel / Kind im Ghetto / Lustig wär’ das Zigeunerleben

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

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Ausstellungskatalog „45 Jahre Bürgerrechtsarbeit“

Oktober 8th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Cover des AusstellungskatalogsZentralrat Deutscher Sinti und Roma (Hg.): 45 Jahre Bürgerrechtsarbeit deutscher Sinti und Roma/45 years of civil rights work of German Sinti and Roma, Katalog zur Ausstellung, Heidelberg 2017, 92 S.

Der Katalog kann online heruntergeladen oder aber über das Büro des Zentralrats bestellt werden.

Bereits in den 1950er Jahren versuchte eine Gruppe deutscher Sinti, die Haupt­ver­ant­wort­li­chen des Völker­mor­des an Sinti und Roma in Euro­pa vor Gericht zu brin­gen – lei­der erfolg­los. Es gab im Nach­kriegs­deutschland kei­ne ein­zige ge­sell­schaft­li­che oder poli­tische Insti­tu­tion, die Sinti und Roma nach dem Holocaust unter­stützt hätte. Heute, im Jahr 2017, ist der Völkermord an­er­kannt. In Berlin steht das Denkmal für die im Na­tio­nal­sozia­lis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Europas di­rekt neben Reichstag und Bran­den­bur­ger Tor. Sinti und Roma sind als natio­na­le Minderheit an­er­kannt.

Jeder einzelne Erfolg der Bürgerrechtsarbeit musste ge­gen mas­sive Wider­stände in Politik, Ver­waltung und Gesell­schaft in zum Teil jahr­zehnte­langer Aus­einan­der­setzung durch­ge­setzt wer­den. Ohne die Unter­stützung vieler ein­zel­ner Per­sön­lich­kei­ten, ohne die Unter­stützung von zivil­gesell­schaft­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen und ins­beson­dere der Medien wäre der Erfolg der Bür­ger­rechts­arbeit nicht mög­lich ge­wesen.

Unsere Ausstellung ist deshalb all den Sinti und Roma ge­widmet, die sich nach dem Ende des NS-Re­gi­mes in Deutschland und in Europa für die Rechte un­se­rer Minder­heit ein­ge­setzt haben und eben­so all den Freunden und Un­ter­stüt­zern, ohne die unse­re Bür­ger­rechts­arbeit nicht die An­erken­nung ge­fun­den hätte, die heute er­reicht wor­den ist. Diese Aus­stel­lung ist ebenso den jungen Menschen ge­widmet, die diesen Weg, der noch lan­ge nicht ab­ge­schlos­sen ist, wei­ter ge­hen wer­den.

(Aus dem Vorwort von Romani Rose)

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„Protestantismus und Antiziganismus“

September 27th, 2017  |  Published in Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Religion, Wissenschaft

Gutachten "Protestantismus und Antiziganismus" in Deutschland (2017)Verena Meier: Gutachten zum Forschungsstand zum Thema „Protes­tan­tis­mus und Anti­ziga­nis­mus“. Gutachten im Auf­trag des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma, Hei­del­berg 2017.

>>Download (pdf)

Die Rolle von Kirchen – insbesondere der evangelischen Kirchen und ihrer Ver­tre­ter und Ver­tre­terin­nen – stellt ein gro­ßes Desiderat in der Anti­ziganis­mus­forschung und den Romani Studies dar. Dies­es wis­sen­schaft­liche Gut­achten gibt einen Über­blick über be­reits vor­liegende Zu­gän­ge und Studien. Er­geb­nisse und weite­re Forschungs­lücken wer­den dabei in Be­zug auf „Protes­tan­tis­mus und Anti­ziganis­mus“ in Deutschland auf­ge­zeigt. Der Über­blick er­folgt in chrono­lo­gi­scher Abfolge, be­ginnend mit der Re­for­ma­tion bis hin zur Zeit nach dem Zwei­ten Weltkrieg und dem er­in­ne­rungs­kultu­rel­len Um­gang mit der Ver­gangen­heit. Der­zeit fehlt es an über­grei­fen­den und syste­ma­ti­schen Studien. Den­noch geben die bereits vor­lie­genden Unter­suchun­gen zu bestimm­ten geo­grafi­schen und zeit­lichen Kon­texten be­reits einen Ein­druck von den über­grei­fen­den Ver­flech­tun­gen zwi­schen Ver­tre­tern der evangeli­schen Kirche und anti­ziganis­ti­schen Ten­denzen.

Abstract: Research Report on the State of Research on the Topic of “Protestantism and Antigypsyism”

The role of churches – Protestant churches and their repre­sen­tati­ves in par­ticular – in antigypsyist ten­dencies is a major desidera­tum in research on anti­gypsyism and Romani studies. The fol­lowing re­search report gives an over­view of existing research approa­ches and studies. Their fin­dings and further research gaps are high­lighted in relation to “Protestan­tism and Antigypsyism” in Germany. Read the rest of this entry »

RomaRespect #6: Gedenken in Lety (2015)

September 9th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio & TV

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #6: Gedenken in Lety u Pisku (Tschechien)

Sendung vom 7.5.2016: Lety u Písku ist ein Ort in der Mitte der Tschechischen Re­publik mit einer riesi­gen industri­el­len Schweine­mast­anlage aus den 70er Jah­ren. Und die steht auf dem Gelände eines ehe­ma­li­gen Kon­zentra­tions­lagers, in dem während der Be­set­zung Tschechiens durch die deut­schen National­sozia­lis­ten ge­zielt Roma und Sinti ge­fan­gen gehal­ten und teils ermordet wur­den. Die jahr­zehnte­lange Existenz der Schweine­mast­anlage emp­fin­den Roma-Ver­tre­ter/innen und Men­schen mit Em­pathie als un­ge­heuer­liche Pietät­losig­keit. Am 16. Mai 2015 trafen sich dort Aktivisten/innen, Roma und Nicht-Roma von den Or­gani­sa­tio­nen Konexe, Free Lety u.a. Sie setzen sich seit 1994 für würde­volle Gedenk­for­men an den Porajmos an die­sem Ort ein.
 In dem Radio-Feature sind O-Töne des alter­na­ti­ven Gedenkens zu hö­ren: Der His­tori­ker Markus Pape erzählt von der Geschichte des KZ Lety und des Ge­denkens, Zeit­zeugen/innen sprechen, eine Gedenk­minute wird ab­ge­hal­ten, es wird ge­sungen, es wird de­monstriert, bis die Polizei laut­stark zu­reift, es wird skan­diert und bis in das Nachbar­dorf Mirovice mar­schiert, um dann auf dem dor­ti­gen Fried­hof der Er­mor­de­ten des KZ zu ge­den­ken. 
Das Kopf­bild dieser Sen­dung zeigt das von Roma und Romnja selbst auf­gestell­te Denkmal für die To­ten des KZ Lety, die in Mirovice auf dem Friedhof be­gra­ben sind.

Update, dROMa-Red.:
Nach jahrelangen leeren Versprechungen scheint es nun mit dem Auf­kauf des Mast­betriebs durch den tsche­chi­schen Staat tat­säch­lich ernst zu werden: KZ Lety: Grünes Licht für Ankauf, 4.8.2017

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Neue Regelung zu Ghetto-Renten

September 2nd, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

"Zigeunerghetto" (Foto: www.sintiundroma.de)Aussendung des Zentralrats: Neufassung der Richt­linie der deutschen Bundes­regie­rung über eine An­erken­nungs­leis­tung an Ver­folg­te für Arbeit in einem Ghetto, die kei­ne Zwangs­arbeit war

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat sich ge­mein­sam mit den jüdischen Ver­bän­den in Deutschland und in Polen dafür ein­ge­setzt, dass es für die we­ni­gen noch leben­den Men­schen, die in Ghettos während der NS-Herrs­chaft arbeiten muss­ten, noch eine Entschädigung ge­ben soll.

Das Bundeskabinett hat dazu am 14. Juni 2017 die Neu­fassung der Richt­linie der Bundes­regierung über eine An­erken­nungs­leis­tung an Verfolgte für Arbeit in einem Ghetto, die keine Zwangs­arbeit war (An­erkennungs­richtlinie) be­schlos­sen.

  1. Die Neufassung der Richtlinie begründet im § 1 Ziffer 1 einen An­spruch auf eine ein­mali­ge Leis­tung für Per­so­nen, „die sich zwangs­weise in einem Ghetto auf­gehal­ten haben, das in einem Gebiet des national­sozia­lis­ti­schen Einfluss­be­reichs lag, und wäh­rend dieser Zeit ohne Zwang in einem beschäf­tigungs­ähn­li­chen Ver­hält­nis ge­arbei­tet haben“, wenn sie „für diese Arbeit kei­ne Leis­tung aus den Mit­teln der Stif­tung ‚Erinnerung, Ver­ant­wor­tung und Zukunft‘ er­halten haben oder hät­ten er­hal­ten können“. Die ein­malige Leis­tung be­steht nach § 2 Zif­fer 1 aus einer Kapital­zahlung in Höhe von 2.000 Euro.
  2. Nach § 2 Ziffer 2 besteht zudem die Möglich­keit einen An­trag auf einen einmaligen Rentenersatzzuschlag in Höhe von 1.500 Euro zu stel­len, wenn ein „Ver­folgter, bei dem die Voraus­setzun­gen des § 1 Ab­satz 1 Satz 1 des Ge­setzes zur Zahl­bar­ma­chung von Renten aus Be­schäf­ti­gun­gen in einem Ghetto vor­liegen, nur des­halb keinen An­spruch auf eine Rente aus der ge­setz­li­chen Renten­ver­siche­rung [hat], weil die all­ge­mei­ne Warte­zeit nach § 50 Ab­satz 1 Satz 1 des Sechs­ten Bu­ches Sozial­gesetz­buch nicht er­füllt ist“.

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