Räumung des besetzten Holocaust-Denkmals

Mai 24th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Mahnmal in Berlin (Foto: Fabio Reinhardt)Stellungnahme der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas:

Berlin – Besetzung des Denkmals für die im Nationalsozialismus er­mor­de­ten Sinti und Roma Euro­pas aus Pro­test ge­gen dro­hen­de Ab­schiebung

Am Sonntag, den 22. Mai 2016, besetzten ab 16.30 Uhr bis zu 70 Per­so­nen das Denk­mal für die im National­sozia­lis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Euro­pas, um ge­gen die Ab­schie­bung von Roma aus Deutsch­land in ihre als »sicher« gel­ten­den Her­kunfts­länder zu de­monstrie­ren. An­ge­hö­ri­ge der Min­der­heit sind ins­be­son­dere auf dem Balkan mas­si­ver Aus­gren­zung und Gewalt aus­ge­setzt. Unter den De­monstran­ten wa­ren et­li­che Roma­familien mit Kindern, die seit lan­gem in Deutsch­land leben und denen un­mit­tel­bar die Ab­schie­bung droht. Die Veranstaltung war polizeilich nicht genehmigt. Auch die Stif­tung Denk­mal für die er­mor­de­ten Juden Euro­pas, die das Denk­mal be­treut, war nicht in­for­miert.

Mehr als sechs Stunden verhandelten die Stiftung und An­ge­hö­rige der Minder­heit, die Polizei und Poli­tiker mit den Be­setzern. Zu­gleich be­müh­ten sich wei­tere Ver­tre­ter der Sinti und Roma aus ganz Deutsch­land – darun­ter Romani Rose, Vor­sitzen­der des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma – in zahl­rei­chen Tele­fo­na­ten mit den Spre­chern der De­monstran­ten um Ver­mitt­lung. Schließ­lich wa­ren diese al­ler­dings nicht bereit, das Denk­mals­ge­län­de zu ver­las­sen. Vor­schlä­ge sei­tens der Polizei zu alter­na­ti­ven Ver­samm­lungs­orten in un­mit­tel­barer Nähe wur­den ab­ge­lehnt.

Vor allem weil unter den Teilnehmern Säuglinge und Kinder sowie kranke Frauen wa­ren, ent­schied die Stiftung ge­gen 24 Uhr in Rück­sprache mit Prof. Dr. Norbert Lammert, Bun­des­tags­prä­sident und Vor­sitzen­der des Kura­to­riums der Stiftung, die Besetzung durch die Po­li­zei be­en­den zu las­sen. Le­dig­lich eini­ge männ­liche De­monstran­ten leis­te­ten Wider­stand. Gegen 0.45 Uhr hiel­ten sich keine Per­so­nen mehr im Denkmal auf. An­zei­gen wegen Haus­friedens­bruchs wur­den be­wusst nicht er­stattet.

Die Stiftung zeigt sich solidarisch mit den Betroffe­nen und kri­ti­siert die gän­gige Ab­schiebe­praxis. Read the rest of this entry »

Berlin: Roma besetzten Holocaust-Mahnmal

Mai 24th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Polizeigroßeinsatz beim Denkmal in Berlin (Foto: Felix Herzog, @flecks)Aussendung der IL Berlin:

Protest gegen Abschiebungen: Von Ab­schie­bung be­droh­te Ro­ma be­­set­zen Denk­­mal für die im Na­tio­­nal­­so­­zia­­lis­­mus er­­mor­de­ten Sinti und Roma in Berlin

Am Sonntagnachmittag wurde das Denkmal für die im National­sozialis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Europas durch eine Grup­pe von Roma, die un­mittel­bar von Ab­schie­bung be­droht sind, be­setzt. Die Roma, die zum Teil als Fami­lien­ver­bände mit Kindern an der Be­setzung teil­nehmen, haben sich aus ihrer aus­sichts­losen Lage heraus ent­schie­den, auf die sie im Be­son­de­ren be­tref­fende ver­schärf­te Asyl- und Ab­schiebe­poli­tik auf­merk­sam zu ma­chen. Die meis­ten von ihnen kom­men aus Serbien, Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien oder Montenegro – al­so jenen Län­dern, die die Bundes­regie­rung seit 2014 als „sichere Herkunfts­staaten“ de­fi­niert hat. Diese Neu­re­ge­lung hat zum Ziel, Asyl­su­chen­de aus die­sen Län­dern in Schnell­ver­fahren ab­zu­leh­nen und schnell ab­zu­schie­ben. In den letzten Mo­na­ten wur­den be­reits zahl­reiche Fa­mi­lien ab­ge­schoben.

Damit ignoriert die Bundesregierung die massive Diskri­mi­nie­rung und soziale Aus­gren­zung, der Roma in diesen Län­dern aus­ge­setzt sind. Ver­schie­dene Institu­tio­nen, u. a. der UNHCR, das Deutsche Institut für Men­schen­rechte sowie zahl­reiche Nicht­regie­rungs­or­gani­sa­tio­nen, haben bereits darauf auf­merk­sam ge­macht, dass durch die Ver­schär­fun­gen der men­schen­recht­li­che und flücht­lings­recht­liche An­spruch der Asyl­su­chen­den auf indi­vi­duel­le Prü­fung ihrer Asyl­an­träge und auf Schutz vor Ver­fol­gung unter­laufen wird.

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Deutschland – kein sicheres Herkunftsland

Mai 22nd, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Aktion 302 in Münster: Rettet eure Nachbarn!GfbV/Kurt Weber: Im Oktober 2015 beschloss der deutsche Bundes­tag mit dem neuen Asyl­ge­setz, dass Montenegro, Albanien und der Kosovo als „si­che­re Her­kunfts­länder“ gel­ten. Asyl­an­trä­ge von Men­schen mit die­sen Natio­na­li­tä­ten wer­den ohne vor­he­ri­ge Prü­fung als „un­begrün­det“ ab­ge­lehnt. Die­se Ver­ord­nung hat da­bei auch weit­rei­chen­de Kon­se­quen­zen für vie­le Roma­kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen sind.

Sie haben Kinder? Stellen Sie sich vor, unser Staat be­schließt, Sie und Ihre Kin­der in ein frem­des Land zu ver­ban­nen, ein Land, das Ihre Kinder nicht ken­nen, des­sen Spra­che sie nicht spre­chen, ein Land ohne Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten, in dem man Ihnen und Ihren Kin­dern gegen­über nicht wohl ge­son­nen, viel­leicht sogar feind­selig ein­ge­stellt ist. Stel­len Sie sich vor, wie es Ihren Kin­dern in die­ser Si­tua­tion er­ge­hen mag. Zu Recht wer­den Sie sagen, diese Fik­tion ist ab­surd, sie ist völ­lig un­mög­lich und wider­spricht ele­men­tars­ten Grund­rech­ten. Doch leider ist dies keine reine Fik­tion. Jeden­falls kann dieses alp­traum­hafte Sze­na­rio real wer­den, wenn die Eltern der hier gebo­re­nen und auf­ge­wach­se­nen Kinder keinen deut­schen Pass haben und ihr Heimat­land vom Bundes­tag als „sicher“ de­fi­niert wur­de. Konkret er­le­ben wir solch grau­same Absur­di­tät in der Ab­schie­bung von Fami­lien mit Kin­dern und ju­gend­li­chen Roma, die in Deutsch­land ge­bo­ren wur­den, auf­wuch­sen und jetzt im Kosovo „ent­sorgt“ wer­den (sollen).

Die pauschale Einstufung des Kosovo als „siche­res Her­kunfts­land“ scheint poli­tisch will­kür­lich und recht­lich äußerst frag­wür­dig. Für Roma ist der Kosovo kein „si­che­res Her­kunfts­land“. Das haben die Ver­fol­gung der Minder­hei­ten und die Zer­stö­rung ihrer Häuser und Dörfer in der Ver­gan­gen­heit ge­zeigt. Und das er­gibt auch der Bericht der GfbV über die heu­tige Situa­tion von Roma im Ko­sovo. Die Min­der­hei­ten werden dis­kri­mi­niert, ihre Lebens­be­din­gun­gen sind ka­tastro­phal. Zu­dem gibt es keine wirk­samen so­zia­len Struk­tu­ren, die rück­keh­ren­den Roma helfen könn­ten, ein men­schen­wür­di­ges und selbst­be­stimm­tes Leben auf­zu­bauen. Read the rest of this entry »

Deutschland – ein Rechtsstaat?

Mai 21st, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Abgeschoben: Gzim (15) und Ramis Berisha (12) (Foto: Amaro Drom)Kurt Weber/GfbV: Zehntausende Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter waren vor, während oder im An­schluss an den Konflikt im Ko­so­vo von 1998/1999 ge­zwun­gen, vorüber­ge­hend Zu­flucht in West­europa zu su­chen. Mit En­de des Koso­vo­krie­ges be­gann die deutsche Bun­des­re­gie­rung, den tem­po­rä­re­ren Auf­ent­halts­sta­tus von zehn­tau­sen­den An­ge­hö­ri­gen der Volks­gruppe nicht zu ver­län­gern und die Betrof­fe­nen ab­zu­schie­ben. Darun­ter auch viele Kin­der, die in Deutsch­land ge­bo­ren wur­den. Doch ist Ab­schie­bung wirk­lich die ein­zi­ge Lö­sung?

Vielfach wird der Begriff „mangelnde Integrationsfähigkeit“ zur Recht­fer­ti­gung für Ab­schie­bung heran­ge­zogen. Kri­tisch be­se­hen lässt die­ser Be­griff frag­wür­dige und will­kür­li­che Inter­pre­ta­tio­nen zu. Die ab­schie­ben­den Be­hör­den und Poli­ti­ker ma­chen es sich ein­fach. In­halt­lich ver­schlei­ernd ver­mei­den sie vom Her­kunfts­land der Kinder zu spre­chen. Statt­des­sen sagt man, die „Fa­mi­lie“ stam­me aus dem Kosovo und dekla­riert die hier ge­bo­re­nen und auf­ge­wach­se­nen Kinder kraft Her­kunft der Eltern als Fa­mi­lien­mit­glie­der de facto zu Aus­län­dern, zu Im­migran­ten eines Lan­des, das diese Kin­der ver­mut­lich nie ken­nen­lern­ten. Dass diese Kinder ge­mäß der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­tion ein An­recht auf Staats­bür­ger­schaft in Deutsch­land hät­ten – ein Recht, das juris­tisch in kei­nem Zu­sam­men­hang mit der In­tegra­tion der Eltern ste­hen dürf­te –, wird dabei igno­riert.[1] Viel­mehr gibt es eine Recht­spre­chung, die völ­lig un­durch­sichtig ist. Man sagt, die „Fami­lie“ sei nicht in­tegra­tions­fähig und müs­se daher ab­ge­scho­ben wer­den. Da­mit wird eine Art Sippen­haft prak­ti­ziert, in­dem man die Kinder pau­schal und ohne Dif­fe­ren­zie­rung als „nicht in­tegra­tions­fähig“ dekla­riert. Ihre Her­kunft aus Deutsch­land wird igno­riert und aus­schließ­lich der Her­kunfts­status der Eltern als rele­vant an­ge­se­hen. Wenn darin eine Logik zu fin­den ist, dann eher eine zurecht­bie­gen­de Logik von Will­kür und Aus­gren­zung. Mit Rechts­staat­lich­keit, wie ich sie ver­stehe, hat dies nichts zu tun.

Zwar steht die Familie unter dem besonde­ren Schutz des Grund­ge­setzes. Man geht davon aus, dass es im Nor­mal­fall für die Kin­der am besten ist, in der Fami­lie zu blei­ben. Aber der Gesetz­geber sorgt auch da­für, dass das Kin­des­wohl in beson­de­ren Fäl­len über dem Schutz der Fami­lie steht. Die schwer­wie­gen­den Kon­sequen­zen für Roma­kinder im Falle einer Ab­schie­bung sind von extre­mer Härte. Daher sollte es in die­sen Fäl­len ver­pflich­tend sein, das Kindes­wohl als über­ge­ord­ne­tes Recht ein­zu­stufen.

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Gondolipeskero than pujsto tschito ulo

Mai 20th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

MahnmalAndo sud polnitiko Borzęcin Dolny na dur Krakaujatar jek holo­caustiskero gon­do­li­pes­kero than na prin­dschar­de dsche­nen­dar pujsto tschi­to ulo. Ada andi april kerdo ulo. O gon­do­li­pes­ke­ro than upro nacijo­nal­so­cija­lis­ti­schi geno­cid pal te gon­do­li­nel upro Roma. O haren­gere le te­tertschen roden.

O gondolipeskero than jeke hokoneha le betonis­kere sok­listar tel tscha­lado ulo. Jek gon­do­li­pes­keri tab­lina, savi aun kerdi sina, tel tscha­ladi uli. O ande pisi­nipe, savo te andi Ro­mani tschib la po­si­jasch­ki­jatar Papusza (Bronisława Wajs) sina, upre sikal upro but dsche­nen­gero mur­da­ripe le Romen­dar le nimtschke nim­ci­jen­dar ando dujto ha­buri. O gon­do­li­pes­kero than upre oda than le veschis­tar kerdo ulo, kaj ando juli 1943 29 polnitike Roma mur­darde ule: trin mur­scha, pantsch dschuv­la taj bi­schu­jek tschave andar o fa­mi­li­ji Majewski, Kwiatkowski, Chmielewski taj Cioroń. O ini­ci­ja­tor­ki­ji le gon­do­li­pes­kere tha­nestar gon­do­li­nen, hot adaj jeke siste­ma­tischi, organsirti ang­le geji­peha te kerel hi: „Mange o ala­va fali­nen, kaj schaj phe­nav, so me akan esbe lav“, phenel i polni­tiki kinstler­ki­ja Małgorzata Mirga-Tas, savi Romni hi, taj o gon­do­li­pes­kero than kertscha. Read the rest of this entry »

Wiener Festwochen: Látszatélet

Mai 17th, 2016  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Wiener FestwochenLátszatélet (Scheinleben)
Schauspiel / Uraufführung
Kornél Mundruczó / Proton Theatre (H)

Halle G im MuseumsQuartier, 1070 Wien | Spiel­tage: tgl. von 21.5. bis 24.5.2016, 20:30 Uhr | Preis: EUR 15,- / 20,- / 30,- | Spra­che: Un­ga­risch mit deut­schen Über­ti­teln | Dauer: ca. 90 Min., kei­ne Pau­se | Pub­li­kums­gespräch: 21. Mai, im An­schluss an die Vor­stel­lung

Der Sohn einer Roma-Familie wird mit ande­rer Haut­farbe als seine Ge­schwis­ter ge­bo­ren. Die Ver­leug­nung sei­ner Her­kunft über­schat­tet seine ge­sam­te Kind­heit. Die Gewalt sei­nes Vaters zwingt ihn, sein Zu­hau­se zu ver­las­sen. In der Ano­ny­mi­tät der Stadt will er sein Glück fin­den. Ab hier könn­te die Ge­schich­te des unga­ri­schen Theater- und Film­regis­seurs Kornél Mundruczó in eine Theater­saga, ein Parade­bei­spiel sozia­ler Etablie­rung mün­den. Látszatélet je­doch beschreibt, wie das »neue Leben« vom Alb­traum des Selbst­has­ses er­stickt wird. Ein höchst aktuel­les (Anti-)Mär­chen mensch­li­cher Er­niedri­gung und mora­li­schen Nieder­gangs.

Grundlage der Geschichte ist ein aktenkundi­ger Fall der Budapes­ter Polizei: Im Mai 2005 wur­de ein jun­ger Rom in einem Bus mit einem Messer attackiert. Der Auf­ruhr in den Medien war groß. Die Be­völ­ke­rung de­monstrier­te gegen Rassismus. Wie sich heraus­stell­te, war der Täter Mit­glied einer tra­ditio­na­lis­ti­schen, rechts­extre­men Grup­pie­rung und wie sein Opfer: ein Rom.

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Angriff auf Roma-Siedlung in Polen

Mai 15th, 2016  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Antiziganistischer Angriff in DanzigHooligans grei­fen Roma-Siedlung im pol­ni­schen Gdańsk (Danzig) an. Trotz War­nung kein Ein­grei­fen der Polizei.

Am Abend des 11. Mai, vor Beginn des Fußball­matches zwi­schen Lechia Gdańsk und Legia Warschau, er­schien eine Gruppe von fünf Hooli­gans am Ein­gang des um­zäun­ten, von Roma be­wohn­ten Areals, das un­weit des Stadions ge­legen ist. Die Hooli­gans rüt­tel­ten am Tor, brüll­ten Beleidi­gun­gen, war­fen Steine und droh­ten später zurück­zu­keh­ren, um die Baracken nieder­zu­brennen.

Die Roma informierten daraufhin einen Mit­arbeiter des Danzi­ger Zentrums zur Unter­stützung von Migran­tin­nen und Migran­ten, der wiede­rum die Polizei alarmierte. Die ver­sprach zwar eine Siche­rung des Terrains, tat­säch­lich wur­de nichts in dieser Rich­tung unter­nommen.

Die fünfzehn Roma, unter ihnen fünf Kinder, flohen in den nahe­gele­ge­nen Wald, um sich zwi­schen den Bäumen zu ver­stecken. Etwa zwei Stun­den später er­folg­te der An­griff durch ein Dutzend Hooligans. Un­ter Rufen, die Roma töten zu wol­len, bombar­dier­ten sie die Baracken mit Stei­nen, zahl­rei­che Fenster­schei­ben gin­gen zu Bruch. Er­neut wurde die Polizei alar­miert. Nach eige­nen An­gaben hatte diese dann eine Strei­fe ge­schickt, die jedoch nie­man­den mehr am Ort des Ge­sche­hens vor­ge­fun­den habe und un­ver­rich­te­ter Dinge wie­der ab­ge­zo­gen sei. Die Roma, die das Ge­sche­hen aus ihrem Versteck be­obach­tet hat­ten, war­te­ten noch meh­rere Stun­den, be­vor sie um 2 Uhr in der Nacht in ihre Woh­nun­gen zurück­kehr­ten. Die Fa­mi­lien sind sehr ver­ängstigt, sor­gen sich vor neuen An­griffen. Read the rest of this entry »

Romani-Wörterbuch in der Türkei

Mai 14th, 2016  |  Published in Literatur & Bücher, Romani

DaylamNur ein sehr kleiner Teil der in der Türkei leben­den Roma spricht heu­te noch Romani. In der süd­türki­schen Provinz Mersi ver­su­chen Roma, dem wei­teren Ver­schwinden ihrer Sprache ent­gegen­zu­wir­ken. Sie haben nun ein ers­tes Romani-Türkisch-Wörterbuch in Form ei­ner Bro­schüre („Romanes-Türkçe Söz­lük“) heraus­ge­bracht. Das Ziel sei, Kultur und Sprache zu be­wah­ren, erklärt Ali Daylam, der Vor­sitzen­de der Fö­dera­tion der Roma-Vereine und zu­gleich einer der Heraus­geber, gegen­über der Agen­tur Ana­do­lu. „Es gibt rund 300 Roma-Verei­ne in der Türkei, aber sogar dort sind 95 Pro­zent ihrer Mit­glie­der der Spra­che nicht mehr mäch­tig“, er­klärt Day­lam, der sich seit Jahren dafür ein­setzt, das Romani in der Tür­kei wieder­zu­be­le­ben. „Wir möch­ten uns alle Mühe ge­ben, um die gegen­wär­tige Situa­tion des Ro­mani zu ver­bes­sern. Wir wer­den in Zu­kunft pro­fes­sio­nel­ler an die Sache heran­ge­hen“, so Day­lam. Das neue Basis­wörter­buch sei hier­bei ein wich­ti­ger Schritt: „Es ist ein An­fang. In Zu­kunft wol­len wir ein um­fas­sen­de­res und wis­sen­schaft­li­che­res Wör­ter­buch vor­be­rei­ten.“

Erarbeitet wurde das Wörterverzeichnis von den beiden tür­ki­schen Roma-Ak­tivis­ten Ali Daylam und Halil İbrahim Nurbel in Zu­sam­men­arbeit mit dem inter­na­tio­nal tätigen Ro­ma-Ex­per­ten Orhan Galjus. Die Bro­schüre ist als Datei kos­ten­los hier ver­fügbar: Download (pdf)

(dROMa)

Deutsche Kriminalstatistik erfasst Antiziganismus

Mai 12th, 2016  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Blindstellen der deutschen Kriminalstatistik: Ausmaß antiziganistischer Straftate unbekanntBislang werden antiziganistische und islamfeindliche Straftaten in Deutschland nicht geson­dert er­fasst. Das soll sich jetzt ändern.

Aufgrund der aktuellen Zunahme von Gewaltakten und Hasspropaganda gegen Muslime soll die Polizei nach Informationen des „Tagesspiegel“ – ab dem Jahr 2017 – endlich auch weitere Tatkategorien erfassen. Eine von der Innenministerkonferenz beauftragte Expertengruppe habe dies empfohlen. Das Definitionssystem „Politisch motivierte Kriminalität (PMK)“ werde demnach erweitert: Erfasst werden sollen in Zukunft auch islamfeindliche Straftaten sowie christenfeindliche und antiziganistische Delikte, also Straftaten gegen Sinti und Roma.

Über das Aus­maß des Problems des Anti­ziganismus la­gen bisher keine offiziellen Polizeidaten vor. Und das obwohl der so­genann­te PMK-Katalog („Themenfeld­katalog Politisch motivierte Kriminalität“) bun­des­weit Straf­taten mit (mut­maß­lich) politischem Hintergrund pe­nibel er­fasst. Links- wie rechtsextreme Gewalt­akte wer­den darin ebenso verzeich­net wie Propaganda­delikte. Der Themen­feld­katalog sieht für die Ein­ordung der Delikte (Stand 2013) angeblich 22 Ober­begriffe und rund 120 Unter­themen vor. Auch Aktio­nen radikaler Tierschützer fin­den bei­spiels­weise als eige­ne Kate­gorie Ein­gang in die Statistik – nicht aber anti­ziga­nis­ti­sche Gewalt. Straf­ta­ten gegen Roma und Sinti wer­den, wie auch Gewalt gegen Mus­lime, ein­fach pauschal unter dem wenig aus­sage­kräf­tigen Ober­begriff „Hasskriminalität“ sub­sumiert; eine eigene Kate­gorie wie „Antisemitismus“ gibt es nicht. Rück­schlüs­se auf Art, Aus­maß und Ent­wick­lung der jewei­ligen Straftaten lässt diese Form der Erfassung nicht zu. Genau das wäre aber Sinn und Zweck der Statistik.

(dROMa)

Thementage „Roma in Berlin“

Mai 10th, 2016  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

"Unsere neuen Nachbarn": Programmübersicht "Roma in Berlin" (PDF)„Herkommen. Ankommen. Willkommen. Unsere neuen Nachbarn“

Das Wohnbauunternehmen Gesobau, ver­ant­wort­lich für das erste de­zentra­le Ber­li­ner Wohn­pro­jekt für Roma­fami­lien, ver­anstal­tet eine zwei­wö­chi­ge Ver­anstal­tungs­reihe: „Roma in Berlin“. Die Aus­stel­lung „Roma in Europa – Enfances Tsiganes“ der fran­zö­si­schen Foto­gra­fin Jeannette Gregori ist eine der ins­ge­samt neun Ver­anstal­tungen.

In den Diskussionen um die Zuwanderung wird nie­man­dem mit so vielen ne­ga­ti­ven Vor­ur­tei­len be­geg­net wie den Roma. Vor­ur­tei­le und diskri­mi­nie­ren­des Ver­hal­ten ste­hen oft in en­gem Zu­sam­men­hang. Die GESOBAU möch­te ge­mein­sam mit star­ken Part­nern und der neuen Ver­anstal­tungs­reihe „Her­kom­men. An­kom­men. Will­kom­men. Unsere neuen Nach­barn“ dem ent­gegen­steuern und die ver­meint­lich so ver­schie­de­nen Lebens­welten von Roma und Deut­schen mit­einan­der in Be­zug setzen. Den Auf­takt bil­den die Themen­tage „Roma in Berlin“.

Eröffnet wurde die Veranstaltungsreihe von Barbara Loth, Staats­sekre­tä­rin für Integra­tion und Frauen in der Senats­ver­wal­tung für Arbeit, Integra­tion und Frauen, und Jörg Franzen, Vor­stands­vor­sitzen­der der GESOBAU AG. Im Mit­tel­punkt des Pres­se­gesprächs stand das erste de­zentra­le Wohn­pro­jekt Berlins „Woh­nen und Leben im Mär­ki­schen Vier­tel – ein integra­ti­ves Wohn­kon­zept für Roma­fami­lien“. Das Wohn­pro­jekt wird seit 2015 im Rei­nicken­dor­fer Stadt­teil Mär­ki­sches Vier­tel um­ge­setzt. In einem Par­tner­schafts­ver­trag haben sich die Senats­ver­wal­tung für Arbeit, In­tegra­tion und Frauen, das Be­zirks­amt Rei­nicken­dorf, die GESOBAU AG und die Trä­ger Phinove e.V. und Aufwind e.V. zur Um­setzung des Wohn­pro­jekts ver­pflich­tet. Bis Ende 2016 wer­den zehn Roma­fa­mi­lien, die aus Süd­ost­euro­pa zu­ge­wan­dert sind, mit an­ge­mes­se­nem, be­zahl­ba­rem Wohn­raum ver­sorgt und bei der Integra­tion un­ter­stützt. Die dezentrale Wohnraumversorgung im Märki­schen Vier­tel ist eine Beson­der­heit unter den bis­lang um­gesetz­ten Wohn­pro­jek­ten für Roma in Ber­lin.

Thementage „Roma in Berlin“

Gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Arbeit, In­tegra­tion und Frauen, dem Bezirks­amt Rei­nicken­dorf, den Trä­gern Hori­zonte gGmbH, Auf­wind e.V., Phinove e.V. und unter­stützt durch den KLAK Verlag wid­met sich die GESOBAU vom 3. bis 18. Mai 2016 Euro­pas größ­ter Minder­heit und lädt In­teres­sier­te ein. Das viel­fäl­tige Programm rich­tet sich an Nach­barn in und um Rei­nicken­dorf, Stadt­teil­akteure, Schulen, Kinder­gärten und Ver­treter aus Woh­nungs­wirt­schaft und Politik sowie Interes­sen­ge­mein­schaf­ten in Berlin.

Informationen zu allen Veranstaltungen der Thementage „Roma in Berlin“ vom 3. bis 18. Mai im Mär­ki­schen Viertel fin­den Sie hier. Die Teil­nahme an allen The­men­tagen­ver­an­stal­tun­gen ist kos­ten­frei.

Zur Ausstellung „Roma in Europa – Enfances Tsiganes“: Read the rest of this entry »