„Nur noch eine Farce“

November 15th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Vorarlberg: Kritik an BFA-Abschiebebescheiden

Rechtsanwalt Dr. Anton Schäfer, der sich als Rechts­bei­stand u.a. für Armuts­migran­ten und bet­telnde Men­schen in Vorarlberg ein­setzt, be­rich­tet in einer Aus­sendung von einem ak­tuel­len Fall aus der Spruch­praxis des Bundes­amts für Fremden­wesen und Asyl (BFA) – nicht das ein­zige Negativ­beispiel, das in letz­ter Zeit an die Öf­fent­lich­keit ge­lang­te (siehe etwa hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier). Dr. Schäfer schreibt:

Sie haben in den letzten Wochen sicherlich im­mer wie­der von Abschie­bun­gen ge­hört. Wer steckt eigent­lich da­hinter, wer ord­net eine sol­che Ab­schie­bung eigent­lich an? Dies ist das Bundes­amt für Frem­den­wesen und Asyl (BFA). Hier habe ich Ihnen zwei Snippets aus zwei Bescheiden herauskopiert. Der ers­te Be­scheid vom An­fang Ok­to­ber 2018 geht gegen eine 20-jäh­rige Mut­ter, der zwei­te Bescheid ge­gen ihre zwei Kinder, ein und drei Jahre alt (alle Be­scheide wur­den am sel­ben Tag aus­ge­stellt). Alle drei sind Unions­bürger und sol­len aus Österreich im No­vem­ber 2018 aus­ge­wie­sen wer­den. Bei der Mutter wird noch vom BFA im Be­scheid ge­schrie­ben:

Bescheid Auszug 1

Bei den Kindern im Bescheid steht:

Bescheid-Auszug2

Während also bei der Mutter zumindest der An­schein ge­wahrt wird, dass ge­gen den Lebens­gefähr­ten und Vater der Kinder noch ein Ver­fahren mit un­gewis­sem Aus­gang ge­führt wird, wird im Be­scheid der Kin­der vom BFA bereits eine klare Sprache ge­sproc­hen, nämlich dass das Er­gebnis schon fest­steht: Der Vater wird auch aus­ge­wiesen. Read the rest of this entry »

„Hoch lebe die Republik Europa!“

November 12th, 2018  |  Published in Politik, Romani

Susanne Horvath verliest das Manifest auf Roman (Foto: Clemens Prinz) In Kemeten wurde die Republik Europa ausgerufen – auch auf Burgenland-Romani

„Wenn einmal in vielen Vorgärten die Euro­pa­fahne weht, wird kei­ner mehr Angst ha­ben müs­sen …“

Hundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs und acht­zig Jahre nach der Reichs­pogrom­nacht, in der Synago­gen und jüdische Ge­schäfte in Österreich und Deutsch­land zer­stört wur­den, rief man heuer euro­pa­weit die Republik Europa aus. Die­ses Pro­jekt war eine Idee der Politik­wis­sen­schaft­le­rin Ulrike Guérot und des Schrift­stel­lers Robert Menasse, der von seinem „Balkon­projekt“ vor drei Wo­chen auch im OHO Oberwart er­zählte. Im Burgenland fand dieser Auf­bruch in ein neues Europa nur an zwei Or­ten, in Ober­pullen­dorf und in Kemeten statt. Ein kleine Grup­pe leiden­schaft­li­cher Euro­päer traf sich in der Rosen­gasse zur vier­sprachi­gen Ver­lesung des Mani­fests zur Grün­dung der Republik Europa. Die Ver­anstal­ter des Events leben einen drei­sprachi­gen Alltag, des­wegen war für sie die Mehr­sprachig­keit der Ver­anstal­tung selbst­ver­ständ­lich. Die Gast­gebe­rin Timea Türk erklärte: „Heute leben fast acht Mil­liar­den Men­schen auf der Welt und mehr als die Hälfte ver­wendet zwei oder mehr Sprachen je­den Tag und jede Stunde. Nach­dem das auch bei uns zu­hause so ist, und das Burgen­land in seiner eth­ni­schen Viel­falt im Klei­nen ist, was Europa im Gro­ßen ist, war es für uns selbst­ver­ständ­lich, mehr­spra­chig zu denken.“

Verlesen wurde das Manifest in den Minderheitensprachen des Burgen­lands und auf Deutsch. Susanne Horvath ließ die Euro­päi­sche Republik auf Roman, der Sprache der Bur­genlän­di­schen Roma, Timea Türk auf Ungarisch, Sigi Hajszán auf Bur­gen­land­kroatisch und Clemens Prinz auf Deutsch er­stehen. Nach der Ver­lesung wurde noch zu den Klängen der Europa­hymne die Europa­fahne vom jüngsten Teil­neh­mer der Ver­anstal­tung, Matthias Prinz, ge­hisst. Read the rest of this entry »

„Nie wieder!“ – 80 Jahre Pogromnacht

November 10th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Novemberpogrom 1938 in Graz (Foto: erinnern.at)Mahnung fürs Heute: 15 Roma wurden 2017 und 2018 ermordet

Vor 80 Jahren, in der Nacht vom 9. zum 10. Novem­ber 1938, brann­ten mehr als 1.400 Synago­gen in ganz NS-Deutsch­land, jü­dische Ge­schäfte, Be­triebe und Woh­nun­gen wur­den ge­plün­dert und zer­stört, Juden wur­den ver­letzt und ge­de­mütigt, min­des­tens 91 er­mor­det. In den darauf­fol­gen­den Tagen wur­den an die 30.000 jü­di­sche Män­ner ver­haftet und in die KZs Dachau, Sach­sen­hausen und Buchen­wald ver­schleppt. Das „Nie wieder“, das jetzt in den Gedenkreden als obers­tes Gebot der Po­litik beschworen wird, meint heute auch Flücht­linge (Süddeutsche Zeitung: „Im ers­ten Halb­jahr 2018 wur­den 704 An­griffe auf Ge­flüch­tete und Unter­künfte ge­zählt, etwa vier pro Tag.“) – und Roma: 15 Roma und Romnja wurden – einer aktuellen Auflistung zufolge – aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit allein 2017 und 2018 ermordet: ”Many of these deaths went almost entirely unreported at the time, so it is highly likely that many more died and went quietly under the media radar“, schreibt hierzu das European Roma Rights Centre (ERRC).

Goszko, 17-years-old, killed in Montana, Bulgaria on 9th October 2018

30-year-old woman, killed in Beregovo, Ukraine on 2nd July 2018

David Popp, 23-years-old, killed in Lviv, Ukraine on 23rd June 2018

13-year-old girl, killed in Amfissa,Greece on 4th June 2018

Mitko Boyanov, 28-years-old, killed in Shumen, Bulgaria on 12th May 2018

Bekim Demir, 39-years-old, died in Idrizovo Prison, Macedonia on 25th December 2017

24-year-old man, killed in Breaza, Mures County, Romania on 22nd October 2017

Manuel Fernández, 28-years-old, died in Albocásser Prison, Spain on 22nd October 2017

Sutkija Mustafova, 46-years-old, died in Idrizovo Prison, Macedonia on 7th June 2017

37-year-old man, killed in Chomutov, Czech Republic on 27th May 2017

Asparuh Dobrushev, killed in Bohot, Pleven, Bulgaria on 13th April 2017

Andrias Redjepov, 21-years-old, died in Shtip Prison, Macedonia on 5th April 2017

Angelo Garand, 37-years-old, killed in Seur, France on 30th March 2017

Jusinov Erdal, 25-years-old, died in Shtip Prison, Macedonia on 22nd March 2017

64-year-old man, killed in Ihtiman, Bulgaria on 8th February 2017

Roma-Gedenken im Burgenland

November 9th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Romasiedlung in Sulzriegel im Burgenland (Foto: VHS Roma)Gondolipe | Neue Roma-Gedenktafel in Sulzriegel

Am Ortsfriedhof Sulzriegel in der Gemeinde Bad Tatzmannsdorf (Be­zirk Oberwart) wird am Sams­tag, 10. Nov. 2018, um 16.00 Uhr eine Gedenk­tafel für die wäh­rend der NS-Herr­schaft ver­folg­ten und er­mor­de­ten Roma aus der Fa­mi­lie Berger in Sulz­riegel ent­hüllt. An­spra­chen hal­ten Bgm. Gert Polster und Roma-Volks­grup­pen­vor­sit­zen­der Emme­rich Gärtner-Horvath (Ro­ma-Service); das Gebet spricht Pfar­rer Dietmar Stipsits un­ter Mit­ar­beit der Roma-Pas­toral. Um 18.00 Uhr hält Mag. Gert Polster dann einen Vortrag zum The­ma „Die zahmen Zigeuner von Sulz­riegel“ (ein Zei­tungs­be­richt im Spie­gel der Gesell­schaft) im rö­misch-ka­tho­li­schen Pfarr­saal in Bad Tatz­manns­dorf.

Eine Ver­an­stal­tung der VHS Roma und des Vereins KUO Bad Tatz­manns­dorf in Ko­ope­ra­tion mit Roma-Ser­vice, Karika und der röm.-kath. Pfarre Bad Tatz­manns­dorf.

Gedenkfahrt nach Lackenbach

Am 17. November 2018 findet um 11 Uhr die Gedenk­ver­anstal­tung vor dem Mahn­mal für Roma und Sinti im ehe­mali­gen NS-La­ger Lackenbach statt.

Ver­anstal­ter: Bur­genländi­sche Lan­des­regie­rung und Kultur­verein Öster­rei­chi­scher Roma. Anmeldung für die Busfahrt aus Oberwart (bis Do., 15. Nov. 2018): Tel: 03352/32016 oder E-Mail: office@roma-service.at oder office@karika.at. Die Ab­fahrt von Ober­wart er­folgt um 09.00 Uhr, Vereins­lokal Roma-Service & KARIKA, A-7400 Oberwart, Evan­ge­li­sche Kir­chen­gasse 3

Deutsche Au­to­ri­ta­ris­mus-Stu­die veröffentlicht

November 7th, 2018  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Leizpiger Autoritarismus-Studie 2018: Antiromaismus ("Roma neigen zur Kriminalität")

Die heute präsentierte Au­to­ri­ta­ris­mus-Stu­die der Uni­ver­sität Leipzig ergab, ins­be­son­de­re im Os­ten, ei­ne be­sorg­nis­er­re­gen­de Zu­spit­zung ras­sis­ti­scher und au­to­ri­tä­rer Ein­stel­lun­gen in Deutsch­land. Für die jüngs­te Er­hebung der re­prä­sen­ta­ti­ven Lang­zeit­stu­die wur­den ab Früh­som­mer 2018 ca. 2.500 Per­so­nen zu ih­ren Ein­stel­lun­gen be­fragt. „Rund 40 Pro­zent der Deut­schen zeig­ten Merk­ma­le ei­nes au­to­ri­tä­ren Ty­pus, nur 30 Pro­zent sei­en da­ge­gen aus­drück­lich de­mo­kra­tisch ori­en­tiert. Au­to­ri­tä­re Aggres­sio­nen se­ien bei 65 Pro­zent der Deutschen tief­grei­fend aus­ge­prägt“, fasst der Tages­spiegel die Er­geb­nis­se zu­sam­men. „Im­mer­hin etwa 40 Pro­zent der Be­frag­ten zei­gen (…) die Be­reit­schaft, ein autori­täres Sys­tem zu un­ter­stüt­zen“, schreibt die Zeit. Bei sechs Pro­zent der Deutschen kon­sta­tie­ren die Stu­dien­auto­ren über­haupt ein ge­schlos­se­nes rechts­extremes Welt­bild.

Mit autoritären Ein­stel­lun­gen ein­her­geht auch die Ab­wer­tung von Min­der­hei­ten: von Musli­men, Flücht­lin­gen, Juden – und nicht zu­letzt Roma und Sinti: 56 Prozent (im Osten: 60,3%) geben dem­nach an, sie hät­ten „Probleme da­mit, wenn sich Sinti und Roma in meiner Gegend auf­halten“. Das ist gering­fügig weni­ger als beim letzten Ver­gleichs­wert von 2016. Etwas zu­ge­nom­men hat hin­ge­gen der Anteil (60 Prozent) jener, die der Aus­sage, „Sinti und Roma nei­gen zu Kriminalität“ zu­stim­men. 49,2 Prozent (Ost: 56,5%, West: 47,3%) sind der An­sicht, „Sinti und Roma sol­len aus Innen­städten ver­bannt werden“.

(dROMa)

Roma im Literaturunterricht

November 7th, 2018  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher

Komparatistik und DidaktikMarie-Luise Wünsche über den Buch­bei­trag „Ästhe­­ti­­sche Pro­duk­­tio­­nen von ‚Sinti und Roma‘ im Lite­ra­tur­unter­richt“:

[Franziska Krumwiede-Steiners Beitrag] widmet sich, wie der Unter­titel bereits an­kün­digt, den „Ästhe­ti­schen Produk­tio­nen von ‚Sinti und Roma‘ im Lite­ra­tur­unter­richt“. Eine der­artige prak­ti­sche An­re­gung für den Deutsch­un­ter­richt war über­fällig. Sie wäre wohl ohne den rich­tungs­wei­sen­den Bei­trag von Klaus-Michael Bogdal, auf den Krum­wiede-Stei­ner auch ver­weist, so immer noch nicht denk­bar ge­wesen. „Europa er­fin­det die Zigeuner“ er­schien 2011 im Suhrkamp-Verlag und wurde mit dem Grimme-Preis aus­ge­zeich­net. Dieser Bei­trag konnte al­ler­dings nicht die Men­schen mit ihren eige­nen Wer­ken in ihr Recht set­zen. Das war nicht das Thema des For­schungs­pro­jekts von Bogdal. Darin geht es um wis­sen­schaft­li­che Be­obach­tun­gen jener Konstruk­tio­nen und Stig­ma­ti­sie­run­gen, mit­tels derer eine mehr oder we­niger bunt zu­sam­men­ge­setzte Grup­pe von Men­schen (…) im­mer wieder neu und anders ent­weder roman­ti­sie­rend als „Zigeuner“ oder aber po­liti­sie­rend als „Sinti und Roma“ be­schrie­ben wurde und noch be­schrie­ben wird. Es kamen also nur die nicht ganz un­problema­ti­schen narra­tiven Struk­tu­ren des Geschich­ten­erzäh­lens über und nicht die Narrative des Ge­schichten­erzäh­lens von so­ge­nann­ten „Zigeunern“ respek­tive so­genann­ten „Sinti“ und „Roma“ zu Wort. Denen er­öff­net der Beitrag inner­halb dieses Sam­mel­bandes nun Frei­räume litera­ri­schen Ler­nens im Deutsch­unterricht hö­herer Jahr­gangs­stufen. (…)

Aus: Marie-Luise Wünsche, Unvergleichlich schöne ver­glei­chende Blicke auf den Lite­ratur­unter­richt und seine Theorien, in: literaturkritik.de, 1.11.2018 (Wir dan­ken Marie-Luise Wünsche für die freund­li­che Ge­neh­mi­gung.)

Rezension über:
Michael Eggers / Christof Hamann (Hg.): Komparatistik und Didaktik, Aisthesis Ver­lag, Biele­feld 2018, 307 Sei­ten, ISBN-13: 9783849811648. (Inhaltsverzeichnis)

Tajanis Fauxpas: Roma fordern Klarstellung

November 6th, 2018  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Roma fordern Klarstellung nach rassistischen Aussagen: EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani (Foto: European People's Party - EPP, CC BY 2.0)Die Allianz gegen Antiziganismus for­dert ein kla­res Be­kennt­nis des Prä­si­den­ten des Euro­pä­i­schen Par­la­ments Tajani ge­gen Anti­zi­ga­nis­mus

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Antonio Tajani, kriti­sier­te in einem Interview mit dem ita­lieni­schen öf­fent­lich-recht­li­chen Sender RAI die Pläne der italie­ni­schen Regie­rung für ein staats­bür­ger­liches Ein­kom­men und sagte, dass damit „das Bürger­geld in den Taschen der Roma en­den wird, von aus­län­di­schen Bür­gern – aus der EU und von außer­halb – und mit Sicher­heit nicht in je­nen [Taschen] vieler ita­lie­ni­scher Bürger.“

Die Allianz gegen Antiziganismus kritisiert, dass solche Aussagen im öf­fent­li­chen Diskurs Anti­ziga­nis­mus ver­stär­ken, und for­dert ein klares Be­kenntnis gegen Anti­ziganis­mus sei­tens des Prä­siden­ten des Euro­päi­schen Par­la­ments Tajani.

Romani Rose, Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, sagte: „Die Aus­sage von Par­la­ments­prä­sident Tajani be­stä­tigt wie tief ver­wurzelt anti­ziganis­tische Klischees in den euro­päis­chen Gesell­schaf­ten und Insti­tu­tio­nen sind. Selbst oftmals un­bewusste Sprach­bilder führen zur Aus­gren­zung von Min­der­heiten und fes­ti­gen wie hier den Anti­ziganis­mus in der Mitte der Gesell­schaft. Das Euro­päi­sche Parla­ment hat am 15. April 2015 den Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma im NS-be­setz­ten Europa an­erkannt und mit der Ent­schlie­ßung vom Okto­ber 2017 eine klare Stra­te­gie zur Be­kämpfung des Anti­ziga­nis­mus ver­ab­schie­det. Politi­sche Reprä­sen­tan­ten über­nehmen in unse­rer Demo­kra­tie eine wich­tige Ver­ant­wortung für den Zusam­men­halt unse­rer Gesell­schaft. Des­halb wäre es ein Zeichen von politi­scher Ver­ant­wor­tung, dass sich Prä­si­dent Tajani un­miss­ver­ständ­lich zur Be­kämpfung des Anti­ziganismus als rechts­staatliche und de­mokra­ti­sche Aufgabe be­kennt.“ Read the rest of this entry »

Facts & Figures (202)

November 5th, 2018  |  Published in Facts & Figures

Romafrauen wa­ren, v.a. in den 1960ern, von eu­ge­ni­schen Zwangs­ste­ri­li­sie­run­gen in Finn­land (1935-1970) über­pro­por­tio­nal (8-mal häu­fi­ger) be­trof­fen.

(Quelle)

„Kinder im Konzentrationslager“

November 3rd, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Authentische Puppe im KZ Ravensbrück, wie sie österreichische Frauen für ihre teils mitinhaftierten Kinder angefertigt hatten. (Foto: Jocian/Wikimedia, CC-BY-SA-2.0)Colloquium in der Gedenkstätte Ravensbrück

Pressemitteilung, 2.11.2018: Kinder als Häftlinge in Konzentrationslagern sind das The­ma eines wissen­schaft­li­chen Col­loqui­ums, zu dem die Mahn- und Gedenk­stätte Ravensbrück am Sams­tag, 10. No­v. 2018, von 11:00 bis 17:00 Uhr interes­sierte Be­sucherin­nen und Be­sucher ein­lädt. Die Ver­anstal­tung fin­det be­glei­tend zur Aus­stel­lung „Kinder im KZ Bergen-Belsen“ statt, die der­zeit in der Gedenk­stätte Ravens­brück zu sehen ist.

Im KZ Ravensbrück waren mindestens 900 Mädchen und Jun­gen im Alter von zwei bis 16 Jah­ren aus 18 Natio­nen in­haf­tiert. Sie wur­den mit ihren Familien ein­ge­wie­sen oder ohne An­gehö­rige aus ande­ren Lagern über­stellt. Mehr als 600 Kinder ka­men zwi­schen 1943 und 1945 im KZ Ravens­brück zur Welt. Die meis­ten Neu­gebore­nen star­ben nach kurzer Zeit.

Jungen wurden meist ab dem zwölften Lebensjahr im Männer­lager unter­gebracht; ab Herbst 1944 lebten sie dort in einem eige­nen Block. Im Frauen­lager blie­ben die Kinder mit den Er­wach­senen zu­sam­men. Etwa ab dem zwölf­ten Lebens­jahr wurden sie zur Arbeit ein­gesetzt, Jünge­re blie­ben tags­über in den Baracken. Mit­häft­linge organi­sier­ten heim­lich Spiel­zeug und Unter­richt, „Lager­mütter“ wur­den zu Bezugs­per­sonen für Kinder ohne An­ge­hörige. In ihren Spielen wie „Appell“, „Selektion“ und „SS“ bil­de­ten die Kinder die Lager­realität ab.

Anfang 1945 wurden mehr als 4.300 Frauen und Kinder aus dem KZ Ravens­brück in das KZ Ber­gen-Bel­sen de­port­iert. Dort befan­den sich unter den rund 120.000 in­haftier­ten Men­schen aus fast allen euro­päi­schen Ländern auch etwa 3.500 Kinder unter 15 Jah­ren. Die meis­ten von ihnen wur­den als Juden ver­folgt, andere ge­hörten zur Gruppe der Sinti und Roma oder waren mit ihren Müttern aus politi­schen Grün­den in­haf­tiert worden. Read the rest of this entry »

RomaRespect #27: „Verbündete“

November 2nd, 2018  |  Published in Interview, Medien & Presse, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #27: Verbündete – Gwendolyn Albert

Sendung vom 30.10.2018: Gwendolyn Albert ist Menschenrechts­ak­ti­vis­tin, For­sche­rin und Über­setze­rin. Ihr Fokus liegt auf rassis­ti­scher Gewalt, die gegen Roma und Romnja ver­übt wurden. So be­schäf­tigt sie sich mit Segre­ga­tion im Bildungs­wesen, die Roma-Kin­dern gute Bildung ver­wehrt, und sie ist Unter­stüt­ze­rin von Roma und Romnja, die zu Opfern von Zwangs­sterili­sierung ge­macht wurden. Sie ist eine Ver­bün­dete vieler Roma-Ak­tivis­ten. Im Interview spricht sie über ihre Be­glei­tung des Kampfs der tsche­chi­schen Roma für ein wür­diges Gedenken, über ihre Über­setzungs­tätigkeit für das Web­portal Romea.cz, über die politi­sche Kultur und Lage der Roma und Romnja in den USA im Ver­gleich zu Tschechien.

Musik: Miroslav Rác

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)