Ö1 Hörbilder: Lunik IX, Roma in Europa

Mai 21st, 2017  |  Published in Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Lunik IX (Foto: Lester Kovac)Die Alltäglichkeit des Unsichtbaren:
Junge Roma in der Slowakei und in Europa

Radio-Feature von Elisabeth Putz
Koprod. DLR Kultur/RBB/ORF 2016

Ö1 Hörbilder, 20.5.2017: >> Anhören

Die Mehrheit der Slowaken bezeichnet Roma als integra­tions­unwillig. Die Mehr­heit der Roma ruft ins Mikro­fon, Slowa­ken seien Rassis­ten. Zwei Rand­posi­tio­nen einer komple­xen Materie. Die Mitte wird dabei oft ver­gessen. Und so kommen viele Jour­na­list/innen nach Lunik IX, einem der größ­ten Ghettos Europas, um eine „Safari“ zu ma­chen. Sie be­zah­len ein wenig Geld und Roma lie­fern Geschichten. Dieses Feature ist ein Versuch, hinter die Klischees zu blicken. „Ich habe über meh­rere Monate hin­weg die Slowakei bereist, vor­nehm­lich den Osten des Landes“, so Elisa­beth Putz. „Die Re­cher­che­dauer für dieses Feature war im­mens wich­tig, da es mir nur so mög­lich war, Zugang zu den Men­schen zu finden bzw. meine schon vor­han­de­nen Kontakte zu er­wei­tern und zu ver­tiefen. Nur so konnte und kann eine Nähe ent­stehen.“

(Text: Ö1)

Siehe auch:
„Millionaires of time“ – Ausstellung in Berlin, 1.6.2016
Apartheidsmauer in Košice, 12.7.2013
Slowakei: Stadt bietet Roma Geld für Ausreise, 16.9.2009
Slowakei: Polizei misshandelte Romakinder, 9.4.2009

Gedenkfeier im Baranka-Park in Wien

Mai 20th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Barankapark-Gedenkfeier 2017Samstag, 20. Mai 2017, 17-22 Uhr
Eintritt frei!

Die Baranka-Park-Gedenkfeier wird seit 2009 vom Verein Voice of Diversity jedes Jahr am 20. Mai auf der ehe­ma­li­gen Hellerwiese (heute Belgradplatz mit Baranka-Park) im 10. Wiener Ge­mein­de­bezirk or­ga­ni­siert mit dem Ziel, jener Roma und Sinti zu ge­denken, die einst auf der Wiese ihren Lager- und Rastplatz fan­den, bis sie 1941 Opfer des National­sozia­lis­mus wurden. Mit der Feier soll der Opfer gedacht wer­den und auch das Leben und die Kultur der Roma und Sinti sowie die jüdische und Wiener Kultur ge­feiert und ver­mittelt werden. Nam­hafte Künstler/in­nen wie Harri Stojka, Doron Rabinovici, Shlomit Butbul oder Martin Spengler prä­sen­tie­ren am 20. Mai 2017 ihre Kunst und Kultur und schaf­fen im Baranka-Park einen Ort der kultu­rel­len Be­geg­nung. Weiters werden zahl­rei­che Per­sön­lich­keiten des öffent­li­chen Lebens wie Erich Fenninger, Gilda Horvath und andere zu Wort kom­men und kurze State­ments geben, um ein Zei­chen gegen das Ver­ges­sen zu setzen und den Blick für die Gegen­wart und Zukunft zu öffnen.

Programm:

17 Uhr – Eröffnung
17.15 Uhr – Musikschule Favoriten
17.35 Uhr – Lesung „Papierene Kinder“: Doris Stojka
17.45 Uhr – Mosa Sisic & seine Schüler
18.15 Uhr – Lesung mit Musik „Herzl Reloaded“: Doron Rabinovici & Harri Stojka
19 Uhr – Martin Spengler & die foischn Wiener
20 Uhr – Shlomit & Band
21 Uhr – Harri Stojka & Band

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Facts & Figures (163)

Mai 17th, 2017  |  Published in Facts & Figures

Der/die erste dokumen­tier­te Ro­ma-An­ge­hö­ri­ge in Nord­ame­ri­ka ist Joan Scott, „an Egip­tian and noe Xtian (non-Chris­tian) wo­man“, die 1674 in Vir­gi­nia ein­traf.

(Quelle)

Roma-Seelsorger Werner Klawatsch verstorben

Mai 15th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Religion

Werner Klawatsch

Österreichs erster Roma-Seelsorger Ehrenkons.Rat Mag. Werner Klawatsch ist am 10. Mai nach längerer Krank­heit in Wiesen verstorben.

Werner Klawatsch wurde am 14. April 1939 in Wiener Neustadt geboren und wuchs in seiner Heimtat­pfarre Wiesen auf. 1962 wurde er im Eisen­städter Dom zum Priester geweiht. Bis zu seinem Ruhe­stand im Jahr 2009 betreute Werner Klawatsch die drei Pfarr­gemeinden Neutal, Markt St. Martin, wo er auch seinen Wohn­sitz fand, und Landsee. Von 1998 bis 2008 leitete er als Dechand das Dekanat Ober­pullen­dorf, dazu kam seine Mitarbeit in ver­schie­denen wich­tigen diöze­sanen Gremien.

Einen großen Dienst erwies er der Diözese Eisenstadt und vor allem der Volks­gruppe der Roma durch die Wahr­nehmung der Leitung des Referates für die Pastoral an Ange­hö­rigen ethnischer Gruppen – und damit als erster Seel­sorger für die Ange­hö­rigen der Roma in der Diözese Eisenstadt – von 1995 bis 2002. Mit den Aufgaben des Seel­sorgers für die Roma und Sinti in Öster­reich betraute ihn während dieser Zeit auch die Öster­rei­chische Bischofs­konferenz. Er nahm auch diese seel­sor­ge­rische Aufgabe mit großem Einsatz und Einfühlungs­vermögen wahr.

Die Begräbnisfeier für den verstorbenen Priester beginnt am Dienstag, dem 16. Mai 2017, um 15 Uhr mit der hl. Messe in der Pfarr­kirche zum Heiligen Geist in Wiesen, anschlie­ßend erfolgt die Beisetzung im Priester­grab der Pfarre Wiesen.

Das Orchester der Frauen

Mai 14th, 2017  |  Published in Literatur & Bücher

Das Orchester der Frauen, die mich verlassen haben (erschienen bei Drava)Jovan Nikolić: Das Orchester der Frauen, die mich verlassen haben, Drava: Klagenfurt 2016, 144 S., 18,80 Euro

Humorvolle Erinnerungsarbeit
Heimat, Trauer und Witz: Jovan Nikolić blickt zurück.

Es ist der Galopp von Düften der Kindheit, der Geruch der Stadt und die Frage, wieso der Vater mit sei­nem Or­ches­ter über­all in Jugoslawien ge­spielt hat, nur nicht in Slo­wenien. Es sind die Gasthäuser und die Kell­ner, die (weißes Hemd, schwar­ze Hose) den Autor an je­man­den den­ken las­sen, der gleich­zei­tig heilt und be­erdigt: oben Arzt, unten Bestat­tung. „Das Wirtshaus als Tempel der euro­päi­schen Zi­vi­li­sa­tion“ avan­ciert zum Lieb­lings­text, wird vom nächs­ten über­trumpft und so weiter bis zum titel­ge­ben­den Kapitel „Das Or­ches­ter der Frauen, die mich ver­las­sen haben“. Das Buch ist in mehr­fa­cher Hin­sicht voll Musik, ernste Töne zum Geheim­dienst in­klu­sive. Jovan Nikolić, in Köln le­ben­der Roma-Schriftsteller aus Serbien, hat ge­sam­melt, was er sonst „bei spo­ra­di­schen Tref­fen am Kneipen­tisch spur­los ver­schwen­det“ hätte. Ge­fun­de­nes Fres­sen, wun­derbar!

(Text: U. Loigge/Kl. Zeitung, 15.4.2017)

Link: Drava Verlag

Siehe auch:
KulturTon: Jovan Nikolić im Gespräch, 22.6.2015
Radio Freirad über Jovan Nikolić, 20.4.2015
Jovan Nikolić in Innsbruck, 30.4.2015

ESC: 300 Roma vertrieben, einer singt

Mai 13th, 2017  |  Published in Musik, Rassismus & Menschenrechte

Beim großen Eurovision-Finale in Kiew steht heute Abend Joci Pápai mit „Origo“ (hier der Liedtext) als achter von 26 Teil­neh­mern auf der Bühne – eine Premiere, denn noch nie trat beim Euro­vision Song Contest ein An­ge­hö­ri­ger der Volks­gruppe der Roma für Ungarn an. Bei den Buch­machern liegt der 35-Jäh­rige aus der nord­unga­ri­schen Klein­­stadt Tata im Mittel­feld. Wir hal­ten ihm die Daumen. (Einen Ar­ti­kel über Roma beim ESC finden Sie übri­gens in der letz­ten Sommer­aus­gabe un­se­res Ma­ga­zins dROMa: mehr hier.)

Im Vorfeld der Großveranstaltung, die sich ansons­ten so gerne als Festival der Diversität in­sze­niert, ge­schah aller­dings auch Schreck­li­ches: Über 300 Roma der Stadt wurden gewalt­sam – und unter Dul­dung der Polizei – aus Kiew ver­trieben. Sie flüchteten, sechs Häuser von Roma-Familien wurden nieder­gebrannt. Das „Euro­pean Roma Rights Centre“ (ERRC) schreibt:

More than 300 people, over a 100 families, have been forced to leave their homes in Kiev after threats were made against their lives in the begin­ning of April. Only a day after the last fami­lies depar­ted, the threats were carried out and six houses burned to the ground, likely with Molotov cocktails. The police had full know­ledge of the seve­rity of the threats that were made, yet no pre­ven­ta­tive measures were taken. Read the rest of this entry »

Brandanschlag in Rom: Drei Schwestern tot

Mai 11th, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Drei Schwestern (vier, acht und 20 Jahre) verbrann­ten nachts im Camping­wagen ihrer Familie. Bilder der Überwachungskamera zeigen Täter mit Molotow­cocktail. Die Roma-Familie soll zu­vor be­droht wor­den sein.

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„Sen­si­bi­li­sie­rung gegen Vorurteile“

Mai 10th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Duzda Mri historijaVerwaltungsakademie zeigt Roma-Aus­stel­lung und ver­anstal­tet Antiziganismus-Work­shop

Wien (OTS) — „Roma stehen immer noch in vielen Ländern der Euro­päi­schen Union am Rande der Gesell­schaft. Immer noch ist der Antiziganismus weit ver­brei­tet“, sagte Staats­sekre­tärin Muna Duzdar beim Be­such des WorkshopsSen­si­bi­li­sie­rung gegen anti­ziganis­ti­sche Vorurteile“ der Ver­wal­tungs­aka­demie des Bundes im Schloss Laudon. „Immer noch gibt es vielfach Ausgrenzung, Ungleich­heit und Dis­kri­mi­nie­rung gegen die mit zwölf Mil­lionen Men­schen in Europa größte eth­ni­sche Minder­heit. In Zeiten, in denen die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auf­geht, leiden vor allem die Ärmsten. Und das gilt nicht zuletzt auch für Österreich, wie es leider der Anti­ziga­nis­mus­bericht 2015 be­legt hat“, so Duzdar wei­ter. „Roma und Sinti sind über­durch­schnitt­lich von un­zu­rei­chen­der Schul­aus­bildung, Arbeits­losigkeit und Dis­kri­mi­nie­rungs­erfah­run­gen betrof­fen, so dass die Armuts­gefähr­dung be­son­ders stark aus­geprägt ist.“

In der Roma-Strategie 2020 wird nun der Sensibilisierung für Dis­kri­mi­nie­run­gen von Roma ein wichtiger Platz ein­ge­räumt. Die Ver­wal­tungs­akademie des Bun­des zeigt daher im Schloss Laudon neun Wochen lang die Ausstellung „Auf den Spuren der Ver­gan­gen­heit“, die In­for­ma­tio­nen über den Völker­mord an Roma und Sinti wäh­rend der Zeit des National­sozia­lis­mus bringt. (Anm. d. dROMa-Red.: Aus­stel­lung des Vereins Karika, zu sehen ist auch die Zeit­zeu­gen-Do­ku­men­ta­tion Mri Histo­rija von Roma-Service.) Zudem findet heute ein erster Sen­sibili­sie­rungs­work­shops statt, der of­fen für Bedienstete des öf­fent­li­chen Diens­tes, aber auch für Länder- und Ge­mein­de­bediens­tete und NGOs ist. Read the rest of this entry »

Nürnberg: „Rassendiagnose: Zigeuner“

Mai 9th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Nationalsozialistische Rassenforschung: Rassenbiologische Untersuchung einer Sinteza (Bestimmung der Augenfarbe). (Bildnachweis: Archiv Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma)Ausstellungseröffnung am 10. Mai 2017, 17:30 Uhr
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Bayernstraße 110, Nürnberg

Einleitende Worte von Romani Rose, Vorsitzen­der des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Der Ein­tritt zur Austellung ist frei. Zu sehen bis 2. Juli 2017.

Ausgangs- und Schwerpunkt der Ausstellung ist der natio­nal­sozia­lis­ti­sche Völkermord an den Sinti und Roma: von der Aus­gren­zung und Ent­rech­tung der Minder­heit im Deutschen Reich bis zur sys­te­ma­ti­schen Vernichtung im be­setz­ten Europa. Den Täter­dokumenten wer­den histo­ri­sche Privat- und Familien­fotos der von Ver­folgung betrof­fe­nen Men­schen ent­gegen­gesetzt. Der zweite Teil be­han­delt die Geschichte der Über­leben­den im Nach­kriegs­deutschland, die erst spät als NS-Opfer anerkannt wurden. Er zeigt den maßgeblichen Anteil der Bürger­rechts­bewegung der deut­schen Sinti und Roma, die ideo­lo­gi­schen und per­so­nel­len Kon­ti­nui­tä­ten aus der Zeit des „Dritten Reiches“ zum Gegenstand einer gesellschaftlichen Debatte zu machen. Am Ende der Aus­stel­lung steht ein Aus­blick auf die Men­schen­rechts­situa­tion der Sinti- und Roma-Min­der­heiten in Europa nach 1989.

Eine Ausstellung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, ge­för­dert durch die Kultur­stif­tung des Bundes.

(Text: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma)

Rudi, die Rumänen und die Räumung

Mai 8th, 2017  |  Published in Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Abriss der Roma-Unterkünfte in Frankfurt am Main (Foto hr/Hessereporter)hr / Hessenreporter, 7.5.2017, 30 Min.
Frankfurt/M. – eine Reportage von Jochen Riegler
>>Zum Video

Jahrelang leben sie in selbst gezimmer­ten Hütten auf einer Industrie­brache im Schat­ten der Frank­fur­ter Skyline: rund vier­zig Men­schen aus Rumänien, die meis­ten Roma. Ohne Rudi von der Helm, einen Rent­ner aus Frankfurt, der sich um sie küm­mert, wäre es wahr­schein­lich gar nicht so lan­ge gut ge­gan­gen – bis dann, An­fang Februar, ein Feuer auf dem Platz aus­bricht. Die Feuer­wehr rückt an, und weni­ge Tage später ge­schieht, was alle schon lange be­fürch­te­ten: Bagger walzen die Buden nieder. End­lich gibt es einen Anlass für die Stadt, das um­strit­tene Bretter­buden­dorf zu räumen.

Doch damit ist das Problem nicht gelöst: Vorüberge­hend kom­men die Rumänen in einem Flücht­lings­heim unter (Anm. d. dROMa-Red.: das Vor­gehen der Stadt rief heftige Kritik hervor, mehr hier und hier), ein paar treten mit ein paar Euro aus­ge­stat­tet die Heim­reise per Bus an. Aber die meisten sehen in ihrer Hei­mat Rumänien noch we­ni­ger Lebens­perspek­ti­ven als im wohl­ha­ben­den Frankfurt, wo sie von Gelegen­heits­jobs und Flaschen­sammeln leben. Ein Dauer­bren­ner für die Banken­stadt: Wohin mit den Armuts­migranten aus Europa? „Hessenreporter“ Jochen Riegler begleitet die Rumänen und ihren Helfer Rudi bei der Suche nach einem Ort zum Le­ben und das Tak­tieren im Frank­fur­ter Rat­haus, den Römer.

(Text: hr/Hessenreporter)

Siehe auch:
Frankfurt: Förderverein wiederholt Vorwürfe, 5.3.2017
Kritik nach Räumung in Frankfurt a. M., 2.3.2017
Frankfurt: Brandanschlag auf Obdachlose, 8.12.2016