Deutschland: Abschiebung „unmenschlich“

Februar 4th, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Deutschland: Bescheid des Bundesamts widerspricht der Regierungsdoktrin der "sicheren Herkunftsstaaten". (Foto: MiG)Keine Abschiebung in vermeintlich „sicheren Herkunftsstaat“ Mazedonien. Bescheid des deut­schen Bun­des­amts für Migra­tion und Flücht­lin­ge: Ro­ma wer­den in den Bal­kan­staa­ten dis­kri­mi­niert und un­mensch­lich be­han­delt.

Flüchtlingsrat Niedersachsen, 3.2.2017: Das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat mit Bescheid vom 20.12.2016 – Az 6943812 – 144 einem im Jahr 2016 ge­bore­nen Roma-Mädchen Ab­schie­bungs­schutz nach §60 Abs. 5 AufenthG zu­ge­bil­ligt. Be­mer­kens­wert ist an die­sem Bescheid vor allem die ver­all­ge­mei­nernde Be­schrei­bung der Dis­kri­mi­nie­rung und Aus­gren­zung, der Roma nach Auf­fas­sung des BAMF in Mazedonien wie in den Balkan­staaten ins­ge­samt un­ter­liegen. Wört­lich heißt es in dem Be­scheid:

Nach Informationen des Bundesamts ist die Volks­gruppe der Roma, als ärmste ethni­sche Gruppe in der ohne­hin ärm­li­chen Gesamt­bevöl­ke­rung Ma­ze­do­niens in ihrem All­tag Vor­ur­tei­len bzw. Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­ge­setzt. Sie er­fah­ren häu­fig Be­nach­tei­li­gun­gen im Bil­dungs­wesen, beim Zu­gang zu Sozial­leis­tun­gen und bei Ein­stel­lun­gen öf­fent­li­cher und pri­va­ter Arbeit­geber. Zu­dem kommt es vor, dass An­ge­hö­ri­ge von Min­der­hei­ten öfter als andere von schi­ka­nö­sem Ver­hal­ten von Poli­zis­ten und ande­ren Ver­tre­tern der Ver­wal­tung be­trof­fen sind.

Somit besteht eine beachtliche Gefahr für die Antrag­stel­le­rin, dass sie auf­grund ihrer Volks­zu­ge­hö­rig­keit zu den Roma erheb­li­chen Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­gesetzt sein könn­te, wenn sie in ihr Heimat­land zurück­kehren würde, was wie­derum einer un­mensch­li­chen Behand­lung gleich käme.

Durch die noch immer vorherrschende Diskrimi­nie­rung von Roma in den Balkan­staaten und die damit einher­ge­hende Aus­gren­zung an den sozia­len Errun­gen­schaf­ten des Landes wie Kinder­garten, Schule, Beruf oder Studium ist bei einer Ab­schie­bung der Antrag­stellerin mit hoher Wahr­schein­lich­keit davon aus­zu­gehen, dass ihre Frei­heit, mit­hin auch die Freiheit der Würde oder der freien Ent­faltung der Per­sön­lich­keit nicht gewähr­leistet wer­den kann.

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BERA: Caritas-Bildungsprogramm für Roma

Februar 3rd, 2017  |  Published in Einrichtungen, Jugend & Bildung

Projekt BERA (Foto: Caritas OÖ)Caritas entwickelt internationales Bildungsprogramm für Roma

Caritas Oberösterreich, 26.1.2017: Aufgrund fehlender Bildung gibt es (Anm.: ost­euro­päi­sche) Roma, die ihren Lebens­unter­halt mit Betteln bestrei­ten müs­sen. Ohne Lese-, Schreib- oder Rechen­kennt­nisse ist es ihnen un­möglich, am Arbeits­markt Fuß zu fassen. Die Caritas OÖ will diesen Roma künf­tig eine Basis­bildung bieten. Wie diese aus­sehen soll, wird der­zeit in Zu­sam­men­arbeit mit Caritas-Or­ga­ni­sa­tio­nen aus fünf weite­ren EU-Län­dern im Projekt BERA (Basic Education of Roma Adults) ent­wickelt. Dieses wird vom EU-Förder­programm Erasmus+ fi­nan­ziert. „Viele Roma haben nie eine Schule von in­nen ge­sehen, kön­nen weder Lesen, Schrei­ben noch Rech­nen. Damit ha­ben sie so gut wie keine Chance am Arbeits­markt. Betteln ist manch­mal die einzi­ge Mög­lich­keit, Geld zum Leben zu ver­dienen“, erklärt Mag.a (FH) Michaela Haunold, Leite­rin des Bereichs Armuts­migration in der Caritas OÖ. Die Projekt­leiterin ent­wickelt deshalb gemein­sam mit Ver­treter/innen von Caritas-Or­gani­sa­tio­nen aus Bosnien-Her­ze­go­wi­na, Italien, Portugal, Rumänien und Serbien ein Ba­sis­bildungs­kon­zept für er­wach­sene Roma.

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Berlinale 2017: Belinda

Februar 2nd, 2017  |  Published in Film & Theater

Filmstill aus Belinda von Marie Dumora (Foto Gloria/Berlinale.de)Dokumentarfilm (F 2017, 107 Min.)
Regie, Buch und Kamera: Marie Dumor

Termine: Weltpremiere am Fr. 10.02., 17:00, CineStar 7 | Sa. 11.02., 22:30, CineStar 7 | So. 12.02., 17:00, Cu­bix 7 | Di. 14.02., 14:30, Co­los­seum 1 | Sa. 18.02., 14:30, Inter­na­tional

Die beiden Schwestern Belinda und Sabrina gehö­ren zur eth­ni­schen Minder­heit der Jenischen. Als po­li­tisch Ver­folgte lernten sich ihre Groß­eltern noch in einem deut­schen Kon­zentra­tions­la­ger ken­nen. Da­ge­gen haben es die 15-jäh­ri­gen Teenager, die in einem Kinder­heim auf­wuch­sen, schon deut­lich bes­ser. Doch ob­wohl sich die Welt weiter­ge­dreht hat und die so­genann­ten Fah­ren­den heut­zu­tage nicht mehr um ihr Leben fürch­ten müs­sen, sto­ßen Belinda und Sabri­na im­mer wieder auf Aus­gren­zung. Selbst 75 Jah­re nach dem Holo­caust müs­sen sich die beiden jeni­schen Jugend­li­chen dis­kri­mi­nie­ren­den Re­geln unter­werfen. (Text: moviepilot.de)

Die Kamera ist immer dabei. Über Jahre hin­weg be­glei­tet sie Belin­da, die in extrem pre­kären Ver­hält­nis­sen auf­wächst. Man lernt das Mäd­chen im Alter von neun Jahren ken­nen: ein trotzi­ges Energie­bündel, das es sich und den an­de­ren nicht leicht macht. Mit ihrer Schwes­ter lebt sie im Kinder­heim, doch ihre gesetz­li­chen Vor­münder wol­len die beiden tren­nen. Die Mäd­chen hauen ab, ziehen durch die Wälder. Sie wol­len nicht ohne einan­der sein, er­klä­ren sie einem Betreu­er, der meis­tens nur tele­fo­nisch prä­sent ist. Als 15-Jäh­rige teilt Be­linda ihm mit, dass sie sich eine Zu­kunft als Ver­käu­fe­rin in einem Schuh­ge­schäft nicht vor­stel­len kann. Viel lieber möchte sie als Me­cha­ni­ke­rin ar­bei­ten. Ihre Schwes­ter hat in­zwi­schen ein Kind be­kom­men. Gestylt und auf High Heels geht Belinda als Patin zur Taufe. Ohne sich jemals einzumischen, macht der Film den Hin­ter­grund der Jenischen sicht­bar, die in kei­nem EU-Staat als natio­nale Min­der­heit oder Volks­gruppe an­er­kannt sind. Als Belinda 23 Jah­re alt ist, will sie heira­ten, doch ihr Freund sitzt im Ge­fäng­nis. Sie schickt ihm Liebes­briefe und wa­rtet auf seine Rück­kehr. Belinda wird zu einer an­rüh­ren­den Liebes­ge­schich­te, geschrie­ben vom wah­ren Leben. (Text: Berlinale 2017)

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Roma-Berichterstattung: Vorbild „Standard“

Januar 31st, 2017  |  Published in Medien & Presse  |  1 Comment

"Roma und Sinti" bzw "Sinti und Roma": Artikelhäufigkeit in österreichischen Tageszeitungen (Online), 2012-2016 (Berechnung: Roman Urbaner/dROMa)Vor einigen Tagen haben wir berichtet, dass in Österreich die me­dia­le Prä­senz Ro­ma-be­zo­ge­ner The­men im letz­ten Jahr auf die Hälfte ge­schrumpft ist. Eine wei­te­re Fra­ge, die uns bei der Voll­text­suche in den On­line-Ar­chi­ven in­ter­es­sier­te, war, wie viel Platz die unter­such­ten öster­rei­chi­schen Tages­zeitun­gen dem Ro­ma-Thema in den letz­ten fünf Jah­­ren ein­räum­ten. Das Re­sul­tat: Der Stan­dard (derStandard.at) stellt mit seiner Viel­zahl the­men­be­zo­ge­ner Ar­ti­kel alle an­de­ren heimischen Me­dien in den Schat­ten. Das Online-Angebot der Kleinen Zeitung und die Wiener Zeitung fol­gen auf Platz 2 und 3, und zwar mit er­heb­li­chem Ab­stand. Als Schluss­licht rangiert – nach Kurier, Ober­öster­rei­chi­sche Nach­rich­ten und Salz­burger Nach­rich­ten – die Tages­zeitung Die Presse auf dem sieb­ten Platz.

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Facts & Figures (155)

Januar 30th, 2017  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

Bis 2001 be­in­hal­te­ten Po­li­zei­for­mu­la­re für Tat­ver­däch­ti­ge in Bay­ern ein zu­sätzl. Feld mit der Son­der­ka­te­go­rie „Typ Ro­ma/Sin­ti“.

(Quelle)

„So gewaltig ist nichts wie die Angst“

Januar 28th, 2017  |  Published in Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen

Stefan Horvath: So gewaltig ist nichts wie die AngstBuchpräsentation mit Stefan Horvath

Sa., 4. Februar 2017, 19:00 Uhr, im Offenen Haus Oberwart (OHO), Lisztg. 12, Oberwart (Eintritt: freie Spende). Musikalische Untermalung: „David Samer Trio“

Stefan Horvath:
So gewaltig ist nichts wie die Angst
Texte aus zwei Jahrzehnten
ed. lex liszt 12: Oberwart 2017

„Solange die Toten mit mir reden, werde ich immer meine Stimme erheben.“

Stefan Horvath, 2016 ausgezeichnet mit dem Theodor-Kramer-Preis für Schrei­ben im Wider­stand und Exil, legt mit „So gewal­tig ist nichts wie die Angst“ ein sehr per­sön­li­ches Buch vor, in dem er Texte aus zwei Jahr­zehnten zu­sam­men­führt. Themen, die den Autor aus der Oberwarter Roma-Sied­lung seit Beginn seines Schrei­bens un­ent­wegt be­schäf­ti­gen, fin­den in dieser Collage von Tex­ten in erzäh­le­ri­scher und lyri­scher Form Aus­druck: mit fikti­ven Ge­schich­ten ver­leiht der Nach­komme zweier KZ-Über­leben­der den Opfern der Kon­zentra­tions­lager eine Stim­me, an­schau­lich be­schreibt er seine Kind­heit und sein Heran­wach­sen in der Roma-Sied­lung und er stellt Fra­gen nach Ent­wick­lungen und Ver­änderun­gen, die das schreck­li­che Attentat 1995 zur Folge hatte, wie auch nach der gegenwärtigen Situation der Volks­gruppe. Es ist ein Schreiben gegen das Ver­ges­sen, aber auch ein Nicht-Ver­ges­sen-Kön­nen. Die Wun­den sind ver­narbt, doch nicht ver­heilt – aktuel­le Er­eig­nisse bre­chen sie auf und es ent­stehen Texte wie in diesem Buch: berüh­rend und ge­prägt von stil­lem Schmerz.

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Flüchtlingsthema verdrängt Roma

Januar 27th, 2017  |  Published in Medien & Presse  |  1 Comment

Grafik: "Roma und Sinti" in der Tagespresse 2012 bis 2016 (Berechnung: Roman Urbaner/dROMa)Das Medien­in­ter­es­se an Ro­ma-The­men bricht dra­ma­tisch ein: 2016 er­schie­nen in Ös­­ter­­reichs Tages­zei­tun­gen nur noch halb so vie­le Ar­ti­kel wie im Jahr zu­vor.

2016 war kein gutes Jahr. Das Flüchtlingsthema, Terro­ris­mus und der Auf­stieg von Rechts­extre­men und -po­pu­lis­ten do­mi­nier­ten den me­dia­len Dis­kurs und ver­dräng­ten andere Be­reiche aus der Öf­fent­lich­keit. Das be­trifft ins­be­son­dere auch die Medien­prä­senz von Roma- und Sinti-The­men. Wir ha­ben uns an­hand einer Voll­text­suche in den Online-Ar­chi­ven von sie­ben öster­rei­chi­schen Tages­zei­tun­gen (Er­geb­nis­se hier) an­ge­se­hen, wie viele Ar­ti­kel in den letz­ten fünf Jahren er­schie­nen sind, die das The­ma Ro­ma und Sin­ti be­han­del­ten. Und wir staun­ten, wie stark sich der Ver­drän­gungs­pro­zess 2016 aus­ge­wirkt hat: Gegen­über 2015 ist die An­zahl der Arti­kel, die sich 2016 mit Roma und Sinti be­fass­ten, um fast die Hälfte (-47,1 Pro­zent) zurück­ge­gan­gen. Die – oft müh­sam er­kämpf­te – Auf­merk­sam­keit, die der Volks­grup­pe in den letz­ten Jah­ren zu­teil wur­de, scheint durch die Bri­sanz ande­rer The­men und De­bat­ten plötz­lich dahin.

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„Berlinale-star“ i rupuni medva biknel

Januar 26th, 2017  |  Published in Film & Theater

Presiträger der Berlinale 2013 (Foto: Berlinale)O schauschpileri Nazif Mujić, savo usi Berlinale ando bersch i ru­puni medva usch­ti­dija, iste la vasch lojen­geri briga bi­ken­tscha. O kar­tschen­ge­ro khe­la­schi Senadin Ćosić 4.000 Euro le va­sche dija. Mujič an­do film „Aus dem Leben eines Schrott­samm­lers“ mit khel­tscha.

Igen pha­ro leske pelo la otscha te del, phe­nel ov la AFP-ake. „Ham mre tscha­ve imar trin di nisch­ta te hal sina.“

Na dur ando udut ojs schauschpileri

Nazif Mujić, Rom andar i Bosnija, savo sras­ta­schen­gero khe­daschi hi, ando bersch 2013 jeka rola­ke ando film „Aus dem Leben eines Schrott­samm­lers“ i ru­puni medva usch­tidija. Ov ham na dur ando udut ojs schau­schpi­le­ri terdschi­no. Mujić akan ojs srasta­schi butscha­li­nel taj ando di vala­mi 3,50 euro ande lel, sa­venca pre tscha­venge tschulo habe usch­tidel. „Me mro phuro verda biken­tschom, taj poar avre koji taj akor i rupu­ni medva“. Palo­da mri briga so man hi, usi Berlinale phu­ka­tschom. Read the rest of this entry »

Josef Horwath (1944–2017)

Januar 25th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Josef Horwath (1944-2017)

Am Sonntag ist Josef Horwath
aus Kleinbach­sel­ten im 73. Lebens­jahr verstorben.

Am Freitag ab 18 Uhr treffen wir uns zum gemeinsa­men Ge­bet in der Aufbahrungshalle Bach­selten.

Die Be­gräb­nis­feier be­ginnt am Sams­tag, den 28. Jänner, um 11 Uhr mit der Hei­li­gen Messe in der Auf­bah­rungs­halle. Ab­schlie­ßend be­glei­ten wir un­se­ren lie­ben Ver­stor­be­nen auf den Orts­frie­dhof Kleinbachselten zur letz­ten Ru­he­stätte.

Vor einigen Jahren stellte sich Josef Horwath als Interview­part­ner für un­se­re Roma-Zeit­zeu­gen-Edi­tion „Mri Historija“ zur Ver­fügung. Heft 11 der dROMa-Sonder­reihe ist seiner Le­bens­ge­schich­te ge­wid­met. Be­son­ders außer­ge­wöhn­lich war Josef Horwaths frühes Ein­tre­ten für die Volks­grup­pe der Roma. In den spä­ten 60er-Jah­ren, als die An­er­ken­nung und Insti­tu­tio­na­li­sie­rung der Volks­gruppe noch nicht ein­mal an­ge­dacht wa­ren, war Josef Horwath der Erste, der Roma-Bälle, da­mals noch „Zi­geu­ner­ball“ ge­nannt, or­ga­ni­sier­te. Und nach an­fäng­li­cher Skep­sis be­tei­lig­te er sich auch tat­kräftig als Kas­sier an der Vereins­arbeit des ers­ten Roma-Vereins („Verein Roma“): „Rom zu sein, bedeutet für mich, im Herzen Rom zu sein. Dazu zu stehen und es nicht zu verschweigen, das ist das Wichtigste.“

Unser aufrichtiges Mitgefühl und Beileid gilt seinen An­ge­hö­ri­gen und Freunden!

Facts & Figures (154)

Januar 22nd, 2017  |  Published in Facts & Figures, Politik

Zwischen 1989 und 2014 waren in Un­garn 36 Ro­ma-Par­tei­en re­gis­triert, 10 da­von nah­men – er­folg­los – an Wah­len teil­.

(Quelle)