Rassismus & Menschenrechte

33 krokov (33 Steps)

August 7th, 2026  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Filmplakat zur tschechisch-slowakischen Koproduktion "33 krokov"Spielfilm von Šimon und Anna Domček
„33 kroků“, SK/CZ 2026, 71 min

Das Spielfilmdebüt der slowakischen Re­gis­seure wurde im Juli beim Film­festival in Karlovy Vary ur­auf­geführt. Den Trailer (ohne Unter­titel) fin­den Sie hier.

Der Film basiert auf der wahren Geschichte des Protago­nisten. Er handelt vom Rom Milan Daniel, der als 18-Jähriger in der Slowakei von Neonazis brutal an­ge­griffen wurde [und der sich im Film selbst spielt]. Milan fällt ins Koma und erlebt den klini­schen Tod. Wäh­rend­dessen hat er Visionen, in denen der Teufel ihn in Ver­suchung führt und Jesus ihm rät, sich nie­mals zu rächen. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in der­selben Stadt. Er arbeitet als Wachmann. Als er erfährt, dass sein ehe­mali­ger Angreifer Erik aus dem Ge­fängnis zurück­:kehrt, kommt Milans Trauma wieder zum Vor­schein.

(Text: Slowakisches Filminstitut)

Prameň (Only Beautiful Things to Look At)

Juli 20th, 2026  |  Published in Film & Theater, Frauenrechte, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Spielfilm von Ivan Ostrochovský (SK / CZ / HU 2026)
Buch: Marek Leščak, Ivan Ostrochovský, 88 Min.

Der Film feierte seine Weltpremiere am 5. Juli beim Karlovy Vary International Film Festival und wurde mit dem FIPRESCI-Preis für den bes­ten Film im Haupt­wett­bewerb aus­ge­zeichnet.

Der Film spielt Mitte der 1980er Jahre, als der Staat mithilfe seiner Gesetze konti­nuier­lich Einfluss auf die intims­ten Bereiche des Lebens seiner Bürger nahm. Ingrid (Aňa Geislerová) ist eine ehr­geizige Ärztin, deren Aufgabe es ist, Kinder zur Welt zu bringen, un­gewollte Schwan­ger­schaften ab­zu­brechen und an der Sterili­sation von Roma-Frauen mit­zu­wirken. Die melan­choli­sche Frau hat grö­ßere Be­denken hin­sichtlich ihrer privaten Situation als hin­sichtlich ihres Berufs­lebens – zumin­dest bis sie von einer neuen Freund­schaft mit einer charis­mati­schen Roma-Pflege­hel­ferin „über­rascht“ wird. Die spon­tane Agáta (Simona Boledovičová) zeigt Ingrid die mensch­lichen Züge einer ethni­schen Minder­heit, die von den Kommunis­ten auf ein demo­grafi­sches Problem re­duziert wurde. Ivan Ostro­chovskýs fesselndes Drama greift ein bis heute un­auf­ge­arbei­te­tes Thema der tschecho­slo­waki­schen Geschichte auf, als der der Staat über die Mög­lich­keit, Kinder zu be­kommen, be­stimmte.  (Karel Och / KVIFF 2026)

Aus dem Statement der JuryRead the rest of this entry »

Deutschland beschließt Aufarbeitungskommission

Juli 13th, 2026  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Bundesbeauftragter Michael Brand  im Bundestag, 2019 (Foto: Olaf Kosinsky [kosinsky.eu], CC BY-SA 3.0-de)Unrecht gegen Sinti und Roma nach 1945: Deut­sches Bun­des­ka­bi­nett be­schließt Ein­rich­tung einer Auf­ar­bei­tungs­kom­mis­sion

Das deutsche „Bundeskabinett hat am 6. Juli 2026 die Ein­setzung einer Un­ab­hängi­gen Kom­mission zur Auf­arbei­tung des Un­rechts an Sinti und Roma in der Bundes­repub­lik Deutsch­land und in der Deut­schen Demo­krati­schen Re­publik (DDR) nach 1945 be­schlos­sen“, meldet das deut­sche Bundes­ministe­rium für Bildung, Familie, Senio­ren, Frauen und Jugend auf seiner Web­site. „Auf Grund­lage dieses Kabi­netts­beschlus­ses wird der Par­lamen­tari­sche Staats­sekre­tär und Be­auf­tragte der Bundes­regie­rung gegen Anti­ziganis­mus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutsch­land, Michael Brand, die Mitglieder der Kom­mission aus­wählen und er­nennen.“ Die Kommis­sion wird das histo­rische Unrecht nach 1945 wis­sen­schaft­lich erfassen und doku­mentie­ren. Dazu sollen unter Aus­wertung bisheriger Er­kennt­nisse auch eigene wissen­schaftli­che Studien, An­hörungen und Inter­views mit Be­trof­fenen und An­gehöri­gen durch­geführt werden. Die Arbeiten werden in einem Abschluss­bericht vor­gelegt werden, in dem auch Empfeh­lun­gen der Kommis­sion an Politik und Gesell­schaft aus­ge­spro­chen werden.

Eine Geschäftsstelle bei der Stiftung Erinne­rung, Ver­ant­wortung und Zukunft (EVZ) wird die neue Auf­arbei­tungs­kommis­sion unter­stützen; für die Mittel der Ge­schäfts­stelle kommt der Be­auf­tragte auf. Mit der Instal­lierung der Auf­arbeitungs­kommis­sion setzt die deutsche Bundes­regie­rung nun die Em­pfeh­lung einer fraktions­über­greifenen Ent­schlie­ßung des Deutschen Bundes­tages vom 13. Dezem­ber 2023 (Druck­sache 20/9779) um. Darin hatte der Bundestag die Empfeh­lung des um­fassen­den Ab­schluss­berichts der Un­abhän­gigen Kom­mission Anti­ziganis­mus um, die 2019 vom da­mali­gen Bun­des­innen­minis­ter Horst Seehofer ein­ge­setzt worden war.

Michael Brand sieht die Einsetzung der Kommission als einen „längst über­fälli­ger Schritt für Sinti und Roma und zu­gleich für unsere ge­samte Gesell­schaft“:  Read the rest of this entry »

Nordirland: Roma im Visier (Teil 2)

Juni 22nd, 2026  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

"Stamp out racism" – Grafitti in einer Straße in Nordbelfast (Foto: Ardfern/Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)Die jüngsten Angriffe (siehe Teil 1: „Po­grom in Belfast: auch Roma be­trof­fen“) ste­hen in einer lan­gen Tra­di­ti­on ras­sis­ti­scher Gewalt ge­gen Roma in Nord­irland. Sie tra­gen die­selbe Handschrift wie die Aus­schrei­tun­gen 2009, 2014 und 2025.

Anti-Roma-Gewalt 2009: Schlägertrupps in Belfast

Bereits im Juni 2009 wurden rund 110 rumäni­sche Roma, die groß­teils in zwei Straßen im Süden Belfasts lebten, Ziel wieder­holter Ein­schüch­terun­gen und Gewalt. Die An­greifer riefen rassis­­tische Parolen und schleuderten Flaschen, Molotow­cocktails und Ziegel­steine, Fenster wurden ein­geschla­gen und Türen eingetreten. Die Täter waren junge Männer aus einem als „Village“ be­kannten pro­testan­tischen Viertel. Dort fand die Polizei auch meh­rere Rohr­bomben, die für Anschläge auf Roma vor­ge­sehen waren. Auch die Neonazigruppe „C 18“ be­tei­ligte sich an den An­griffen. Nach tage­langen Attacken mussten die Roma ihre Woh­nungen unter Polizei­schutz ver­lassen. Sie fanden Auf­nahme in einer Kirche und einem Sport­zentrum, später wurden Not­unter­künfte bereit­gestellt. Rund 100 Angehörige der 20 bis 30 Großfamilien kehrten in der Folge aus Angst nach Rumänien zurück. Manche reisten nach Mona­ten wieder nach Nordirland. Sie berich­teten von neuer­li­chen Vorfällen.

Anti-Roma-Gewalt 2014: Bomben in Derry

2014 kam es insbesondere in Ost-Belfast und Derry/Lon­don­derry zu weite­ren Angriffen auf Fahr­zeuge und Wohn­häuser ost­euro­päischer Zu­wanderer, darunter zwei Spreng­stoff­anschlä­ge auf Häuser rumäni­scher Roma im Viertel Waterside in Derry/Lon­don­derry. Die Täter brachten am 8. März 2014 um 01:30 Uhr mit Nägeln gefüllte Rohr­bomben zur Explosion. Neun Men­schen, darun­ter ein neun­jähriges Kind, blieben un­verletzt, als die Spreng­körper vor ihren Häusern in der Lapwing Way und im Lincoln Court ex­plo­dierten. Polizei­chef Jon Burrows erklärte: „Die Nägel werden aus einem einzigen Grund dort angebracht, nämlich um schwere Ver­letzungen zu verursachen.“ Read the rest of this entry »

Pogrom in Belfast: auch Roma betroffen

Juni 15th, 2026  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Schwere Ausschreitungen in Nordirland sorg­ten ver­gan­gene Wo­che für in­ter­na­tio­na­les Ent­setzen. Ein ras­sisti­scher Mob zog randa­lie­rend durch von Aus­län­dern be­wohn­te Stra­ßen und steck­te Häuser und Autos in Brand. Min­des­tens 27 Per­so­nen wur­den ob­dachlos. Das weltweite Me­di­en­echo ist enorm. Kaum Er­wäh­nung fin­det al­ler­dings, dass – ein­mal mehr – auch Roma ins Vi­sier der Rechts­extre­mis­ten ge­rieten.

The PSNI called for calm across NI last night as serious disorder broke out after an attempted murder in north Belfast on Monday night.
Read more: tinyurl.com/bdfz2pxd

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— Belfast Telegraph (@belfasttelegraph.co.uk) 10. Juni 2026 um 08:24

Auslöser der mehrtägigen Unruhen in Belfast war ein brutaler Messer­angriff durch einen sudane­si­schen Asyl­werber, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde. Ein Video der Tat verbrei­tete sich in den sozialen Netz­werken und wurde von rechts­extre­men Akteu­ren genutzt, um zu Pro­testen auf­zu­rufen. Elon Musk unter­stützte die Appelle auf seiner Social-Media-Plattform X: Laut einer Daten­analyse hat er damit den nordirischen Pogrom – mit 64 Mil­lio­nen Aufrufen – „maß­geblich an­geheizt“: „Musks Ver­stärkung war ent­schei­dend“ und habe eine „Explosion von Auf­rufen zur Gewalt“ aus­gelöst, heißt es in dem Bericht.

In der Folge griffen gewalttätige Gruppen am Dienstag und Mittwoch in den Abend- und Nacht­stunden gezielt Wohn­häuser, Geschäfte und Fahr­zeuge von Migranten an. Familien in verschie­denen Teilen der Stadt fanden sich plötz­lich im Zentrum eines Pogroms wieder. Viele ver­barri­kadier­ten sich in ihren Wohnun­gen, während Hunderte ver­mummte Rechts­extre­misten durch die Straßen zogen. Auf der Suche nach Aus­ländern traten sie Haustüren ein; mehrere Ge­bäude und Autos wurden in Brand gesteckt, ein Autobus ging in Flammen auf. Paul Doherty, Belfaster Stadtrat und Leiter eines Ge­meinde­zentrums, berichtet, dass die Ran­dalierer auch die Heizöl­tanks einiger Häuser in Brand setzten – ein Zeichen dafür, dass es sich um „einen Versuch handelte, die Men­schen in diesen Häusern zu töten“.

Mehrere Familien, viele mit Kindern, konnten von den Einsatzkräften erst im letzten Moment in Sicher­heit gebracht wurden. Min­destens 27 Ein­wan­derer wurden am Dienstag aus ihren Wohnun­gen vertrieben, „weil die Men­schen von Tür zu Tür gingen, um gezielt gegen Ausländer vorzugehen“, erklärte Ruth Anderson, Ministerin im Kabi­netts­amt.

Auch Roma im Visier

Nicht nur schwarze und muslimische Menschen bangten um ihr Leben. Besonders betrof­fen waren auch An­gehö­rige der Roma-Ge­mein­schaft aus Ost­europa. So wurde das Haus einer Roma-Familie in West-Belfast mit Steinen, Feuer­werks­körpern und Brandsätzen attackiert. Die Familie musste fliehen, das Gebäude wurde schwer beschädigt. Nach Angaben von Nach­barn war dies bereits der dritte Angriff auf diese Familie. Erst vor einigen Wochen war ihr Haus Ziel einer ähn­lichen Attacke geworden. Die Times berichtetRead the rest of this entry »

Deutschland: MIA legt Antiziganismusbericht vor

Juni 10th, 2026  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte

MIA: Antiziganistische Vorfaelle 2025 in DeutschlandMIA veröffentlicht 4. Jahres­bericht zu anti­zi­ga­nis­ti­schen Vor­fäl­len in Deutsch­land: 2.076 do­ku­men­tier­te Fälle im Jahr 2025 – er­neu­ter deut­li­cher An­stieg

→zum Jahresbericht 2025 (pdf)
→Kurzfassung
(pdf)

Die Melde- und Informationsstelle Anti­zi­ga­nismus MIA verzeichnet in ihrem 4. Jahres­bericht für 2025 eine erneute dra­mati­sche Zunahme der er­fassten anti­ziganis­tischen Vor­fälle in Deutsch­land. In dem am 9. Juni 2026 ver­öffent­lichten Bericht doku­mentiert MIA bundes­weit 2.076 anti­ziganis­tische Vor­fälle. Im Ver­gleich zum Vorjahr (1.678 Vor­fälle) ent­spricht dies einem Anstieg von 24 Pro­zent. Die Zahlen basieren auf der bundes­weiten Arbeit der MIA-Bun­des­geschäfts­stelle sowie der sechs regio­nalen Melde­stellen in Bayern, Berlin, Hessen, Rhein­land-Pfalz, Sachsen und Schles­wig-Hol­stein.

Dr. Guillermo Ruiz, Geschäftsführer von MIA e.V., erklärt: „Die von MIA dokumentierten Vorfälle sind weiter­hin sehr be­sorgnis­erre­gend. Unsere Zahlen zeigen deutlich, dass Anti­ziganismus in Deutsch­land kein Rand­problem ist, sondern all­tägliche, gesell­schaft­liche Realität. Immer mehr Sinti, Roma und andere von Antiziganismus be­trof­fene Men­schen be­richten über eine stetige Zunahme von Dis­kriminie­rung, Beleidi­gungen, Anfein­dungen und Gewalt. Gerade in Zeiten zuneh­mender rechter Mobili­sierung müssen demo­kratische Parteien und Institu­tionen klar Haltung zeigen.“

Besonders alarmierend ist, dass bei jedem dritten direkt adressierten Vorfall Kinder und Jugend­liche betrof­fen sind. Read the rest of this entry »

Ruhrgebiet: Demütigung vor laufender Kamera

Juni 7th, 2026  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Demütigung vor laufender Kamera (Filmstill aus dem Social-Media-Video der AfD)Gelsenkirchen: AfD inszeniert „Putz­ein­satz“ von Roma


Ein Mitte April 2026 ver­öf­fent­lich­tes Social-Media-Video der AfD sorgt in Deutschland für Em­pö­rung. Die stig­mati­sierenden Auf­nahmen ent­stan­den in Gel­sen­kir­chen (Nord­rhein-West­falen) und zei­gen Roma-Ein­woh­ner des Stadt­teils Ücken­dorf. Diese wer­den vor lau­fen­der Ka­mera ge­maß­regelt und zum Putzen der Geh­steige an­ge­halten. Die Be­trof­fe­nen spre­chen von Ein­schüch­te­rung.

Das professionell gemachte Video beginnt mit einem Insert: „SIE MÜSSEN GEHEN“ steht da in Groß­buch­staben. Dazu ruft die Land­tags­ab­geord­nete der Alter­na­tive für Deut­schland (AfD) Enxhi Seli-Zacharias in die Kamera: „Diese Men­schen müssen unsere Stadt ver­lassen!“ Bedroh­liche Musik begleitet Auf­nahmen von Müll, Schmie­rerei­en und herun­ter­ge­kom­menen Ge­bäuden. Dann sieht man, wie meh­rere Personen, an­schei­nend Roma-Zu­wanderer aus Südost­europa, zum Putzen auf­ge­fordert werden.

Eine AfD-Gruppe, bestehend aus rund zehn, fast ausschließ­lich männ­lichen Personen, war „mit Kamera, Besen und Kehr­blech aus­ge­rüstet“ (WDR) in den Stadtteil Ückendorf ge­kommen, um Roma bzw. migrant­isch aus­sehende Per­sonen, die sie zufällig auf der Straße an­trafen, zu Putz­arbeiten an­zu­halten und die Szenen zu filmen. Einige folgten sichtlich ein­ge­schüch­tert der Auf­forderung, wäh­rend Kameras das Gesche­hen als ver­meintliche „Bürgeraktion“ fest­hielten. Die Auf­nahmen wurden von der AfD-Politi­kerin Seli-Za­charias mit dem Zusatz „Wir waren vor Ort in Gelsen­kirchen-Ücken­dorf und haben für Ordnung ge­sorgt“ ver­breitet. Sie selbst tritt im Video als An­führerin der Gruppe auf, die sie als „als so­ge­nannte Bür­gerwehr“ be­titelt. WDR be­richtet:

In dem Video zieht Seli-Zacharias mit rund zehn weiteren AfD-Politikern – darunter der stell­vertre­tende Bürger­meister Norbert Emmerich – und aus­ge­stattet mit Besen und Kehrblech durch den Stadtteil Ückendorf. Laut­stark fordert sie Anwohner mit Migra­tions­hinter­grund dazu auf, die Straße zu putzen. Betrof­fen sind vor allem Sinti und Roma.

„Blutsauger unseres Sozialstaates“

Dass hier gezielt die Minderheit der Roma rassistisch stigmati­siert werden soll, macht Seli-Zacha­rias’ Begleit­text auf Insta­gram deutlich: „Die Roma [müssen] ihren Dreck selber weg­machen. Dafür habe ich persön­lich gesorgt. Und das wird jetzt regel­mäßig pas­sieren.“ Read the rest of this entry »

Graz: Notschlafstelle VinziNest in neuem Glanz

Mai 30th, 2026  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

FeierlicheWiedereroeffnung_VinziNest_0073VinziNest: Zuflucht für Schutzlose in Graz: Wiedereröffnung der größten Notschlafstelle in der Steiermark


Drei Jahre nach Projektbeginn hat das Vinzi­Nest seine Tore am alten Stand­ort in der Gra­zer Maria-Strom­ber­ger-Gasse 14 wieder ge­öff­net. Für die Vinzi­Werke findet damit eines der heraus­for­dernds­ten Pro­jekte seit dem Be­ste­hen der Or­gani­sa­tion einen Abs­chluss. An­lässlich der Wieder­er­öff­nung wurden alle Unter­stützer*in­nen, die die General­sanie­rung er­mög­licht haben, zu einer klein­en Feier ein­ge­laden. Nun gilt es, die Vinzi­Werke lang­fristig ab­zu­sichern.

Als Notschlafstelle für Armutsmigranten stellt das VinziNest seit 1992 eine Institu­tion der Grazer Woh­nungs­losen­hilfe dar. Zusam­men mit dem VinziSchutz, dem Pen­dent für Frauen, kann es im Winter bis zu 120 Men­schen täglich be­her­ber­gen. So kommen die Ein­richtun­gen zusam­men auf 16.000 bis 18.000 Näch­tigun­gen im Jahr. Hinter den Zahlen stecken oft tra­gische mensch­liche Schicksale, die von gesund­heit­lichen und psychi­schen Erkran­kun­gen, Dis­kriminie­rung und ver­erbter Armut ge­prägt sind.

Langjährige Planung
Im Laufe der Jahre wurde die Bausubstanz der Gebäude stark in Mitleidenschaft gezogen. Noch unter der Feder­führung von VinziWerke-Gründer Pfarrer Wolfgang Pucher trafen die VinziWerke 2022 die Ent­schei­dung, die Ein­richtung einer Ge­neral­sanie­rung zu unter­ziehen. Denn die Schlaf­plätze werden nach wie vor drin­gend ge­braucht. Das Projekt wurde in den Jahren 2024 bis 2026 durch­geführt, die reinen Bau­arbeiten dauerten rund 1,5 Jahre. In dieser Zeit zogen das VinziNest und VinziSchutz in ein Über­gangs­quar­tier in Liebenau.

Dringend notwendig
„In über 30 Jahren Betrieb wurden nur kleinere und notwendige Renovierungs­maß­nahmen in den Not­schlaf­stellen vor­ge­nommen. Dass eine Kern­sanie­rung dringend not­wendig war um die Gebäude vor dem Verfall zu bewahren, war un­um­stritten. Die VinziWerke hat dieses um­fas­sende Projekt den­noch an den Rand der Kapa­zitäten gebracht. Ohne der signi­fikan­ten Beiträge von Land Steiermark, Stadt Graz, der Diözese Graz-Seckau sowie unse­rer Spon­sor*in­nen hätten wir diese Maß­nahmen nicht unter­nehmen können. Im Namen aller Men­schen, die auch künftig einen sicheren und warmen Schlafplatz e­rhalten werden, möchte ich allen Beteilig­ten von Herzen danken“, unter­streicht Vinzi­Werke-Obfrau Martina SchröckRead the rest of this entry »

Facts & Figures (585)

Mai 28th, 2026  |  Published in Facts & Figures, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

2023 verurteilte der Eu­ro­pa­rat Bet­tel­ver­bo­te als dis­kri­mi­nie­rend und for­der­te die Mit­glied­staa­ten auf, Bet­teln nicht zu kri­mi­na­li­sie­ren (PACE/Res.2523).

(Quelle)

Jugendstudie: Mehr Sichtbarkeit für Sprachen?

Mai 24th, 2026  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Romani, Wissenschaft

Grafik 11-4-3Jugendstudie 2025: Die Hälfte der Ju­gend­li­chen fin­det, die Volks­grup­pen­spra­chen soll­ten im öffent­li­chen Raum prä­sen­ter sein, eben­so­viele zei­gen sich ab­leh­nend. Be­fragt wur­den Ju­gend­liche in Wien, Burgenland und Kärnten, also in den drei wich­tigs­ten Bun­des­ländern mit eige­nen an­er­kann­ten Volks­grup­pen.

„Da die Sichtbarkeit [der Volksgruppen­spra­chen] im öf­fent­li­chen Raum ent­schei­dend für ihren lang­fris­ti­gen Erhalt ist, wurde er­ho­ben, in­wie­weit Ju­gend­li­che die öf­fent­li­che Prä­senz der Min­der­hei­ten­­spra­chen als be­deut­sam wahr­neh­men. […] Le­dig­lich 14 % der Be­frag­ten stim­men der Aus­sage un­ein­ge­schränkt zu, dass au­toch­thone Min­der­heiten­spra­chen in der Öffent­lich­keit stär­ker sicht­bar sein soll­ten; weitere 36 % be­jahen sie eher. 35 % lehnen die Aus­sage eher ab und 15 % ver­neinen sie voll­stän­dig. Ins­ge­samt zeigt sich damit: Rund die Hälfte der Ju­­gend­li­chen be­für­wor­tet eine stär­kere Sicht­bar­keit, wäh­rend die andere Hälfte ab­leh­nend re­agiert.“

[aus: „Lebenswelten 2025“, S. 258f.]

Die Jugendstudie „Lebenswelten 2025“, ein Gemein­schafts­projekt aller Päda­gogi­schen Hochschulen Öster­reichs, ist eine um­fassende emp­irische Unter­suchung zu Ein­stellun­gen und Werten junger Menschen in Öster­reich. Die re­prä­senta­tive Erhe­bung fand im März und April 2025 in Form einer stan­dardi­sierten Online­befra­gung an Schulen statt. Ins­gesamt wurden öster­reich­weit über 15.000 Jugend­liche der 8. bis 12. Schul­stufe be­fragt. Im Burgenland, in Kärnten und in Wien wurden den Ju­gend­lichen zu­sätz­liche Fragen zu Mehr­sprachig­keit und Volks­gruppen gestellt. Die Studie ist in Buch­publi­kation ist im Beltz Verlag er­schie­nen. On­line finden Sie die Studie hier.

Siehe auch:
Jugendstudie: Unwissen über Volksgruppen, 16.5.2026
Jugendstudie: Volksgruppen ein Teil Österreichs?, 19.5.2026
Jugendstudie: Kontakt zu Volksgruppen, 2.6.2026


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Maskierter Mob: Neuerlicher Vorfall in Bayern

Mai 20th, 2026  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Antiziganismus und Naziparolen: ein weiterer Vorfall in Bayern, diesmal im Landkreis Regensburg / Symbolbild (Foto: Flickr/Medien AG/Anarchist. Gruppe Freiburg, CC BY-NC-SA 2.0)Nur einen Tag, nachdem in München ein ver­mummter Trupp mit Eisen­stangen und Messern in eine Arbeiter­unter­kunft ein­drang und drei Männer aus Bulgarien teils schwer verletzte (wobei anti­ziga­nis­ti­sche Äuße­rungen fielen), gab es in Deutschland den nächs­ten Vorfall. Wieder han­delt es sich um einen anti­ziganis­tischen An­griff, wie­der war es ein maskierter Mob, und wieder ereignete sich der Vorfall in Bayern, dies­mal in Schierling im Land­kreis Regensburg. Es wurden rechts­extreme Parolen gerufen, in der Absicht, die auf einem Feld cam­pierende Gruppe von Fahrenden ein­zu­schüchtern und zu ver­treiben. Zu tätli­chen Angriffen kam es jedoch nicht.

Gestern infor­mierte das Polizei­prä­sidium Oberpfalz über den Vorfall. In ihrer Aus­sendung findet die Polizei durch­aus klare Worte, bedient sich dabei aber selbst einer prob­lema­tischen, histo­risch belas­teten Sprache. Der Begriff „Landfahrer“ wurde eigent­lich „auf­grund seiner dis­kriminie­renden Geschichte in den 1980er Jahren formal aus der internen Polizei­kom­mu­ni­kation gestri­chen“ [M. End (2019), Anti­ziganis­mus und Polizei, S. 53]. Wir geben die Polizei­mit­teilung vom 19. Mai 2026 im Folgenden un­ge­kürzt wieder:

Landfahrer durch Gruppe von Jugendlichen mit rech­ten Paro­len an­ge­feindet

SCHIERLING, LKR. REGENSBURG. Am Sonntag wurden Lan­dfahrer ver­schie­dener Natio­nali­täten von meh­reren Jugend­lichen mit rechten Parolen an­ge­feindet. Die Kriminal­polizei­inspek­tion Regensburg er­mittelt wegen Volks­ver­hetzung. Noch in der Nacht konnten durch Beamte der Polizei­inspek­tion Neutraubling meh­rere Tat­ver­dächtige iden­tifi­ziert werden.

Am Samstag, 16.05.2026, kurz vor Mitternacht, befan­den sich meh­rere so­genannte Land­fahrer auf einem Feld in der Obermühl­straße in Schierling. Eine Gruppe von Jugend­lichen im Alter zwi­schen 16 und 20 Jahren sprach die Landfahrer an und wollte diese ver­treiben. Dabei sollen auch Sturm­masken ge­tragen worden sein. Im An­schluss wurde die rechte Parole „Deutschland den Deutschen“ ge­rufen. Dann ent­fernten sich die Jugend­lichen von der Örtlich­keit. Zu einer tätli­chen Aus­einan­der­setzung kam es nicht.

Die Landfahrer informierten daraufhin die Polizei, welche sofort unter Feder­führung der Polizei­inspek­tion Neutraubling um­fangreiche Fahndungs­maß­nahmen startete. Read the rest of this entry »

Jugendstudie: Volksgruppen ein Teil Österreichs?

Mai 19th, 2026  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Grafik-11-4-2Autochthone Minderhei­ten als Teil der Ge­sell­schaft? Ein Viertel der Jugend­­li­chen fin­det nicht, dass die ös­ter­­rei­c­hi­­schen Volks­grup­pen „zu Ös­ter­reich ge­­hören“. Be­fragt wur­den Ju­gend­liche in Wien, Burgenland und Kärnten, also in den drei wich­tigs­ten Bun­des­ländern mit eige­nen an­er­kann­ten Volks­grup­pen.

„Der Aussage ‚Ich finde, die Volks­grup­pen ge­hö­ren zu Ös­ter­reich‘ stimmt le­dig­­lich ein knap­pes Drittel der be­frag­ten Ju­gend­li­chen völlig zu und wei­tere 43 % stim­men ihr eher zu. Etwa ein Fünftel der jungen Men­schen stimmt eher nicht zu, währ­end 7 % der Aus­sage gar nicht zu­stim­men. Daraus lässt sich schlie­ßen, dass etwa ein Viertel der Befrag­ten offen­bar nicht über die selbst­ver­ständ­liche Zu­ge­hörig­keit au­toch­thoner Min­der­hei­ten in Österreich in­for­miert ist.“

[aus: „Lebenswelten 2025“, S. 257f.]

Die Jugendstudie „Lebenswelten 2025“, ein Gemein­schafts­projekt aller Päda­gogi­schen Hochschulen Öster­reichs, ist eine um­fassende emp­irische Unter­suchung zu Ein­stellun­gen und Werten junger Menschen in Öster­reich. Die re­prä­senta­tive Erhe­bung fand im März und April 2025 in Form einer stan­dardi­sierten Online­befra­gung an Schulen statt. Ins­gesamt wurden öster­reich­weit über 15.000 Jugend­liche der 8. bis 12. Schul­stufe be­fragt. Im Burgenland, in Kärnten und in Wien wurden den Ju­gend­lichen zu­sätz­liche Fragen zu Mehr­sprachig­keit und Volks­gruppen gestellt. Die Studie ist in Buch­publi­kation ist im Beltz Verlag er­schie­nen. On­line finden Sie die Studie hier.

Siehe auch:
Jugendstudie: Unwissen über Volksgruppen, 16.5.2026
Jugendstudie: Mehr Sichtbarkeit für Sprachen?, 24.5.2026
Jugendstudie: Kontakt zu Volksgruppen, 2.6.2026


München: Überfall mit Messern und Eisenstangen

Mai 17th, 2026  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Polizeigroßeinsatz in München, Symbolbild (Foto: Flickr/Medien AG/Anarchist. Gruppe Freiburg, CC BY-NC-SA 2.0)Maskierte stürmten eine Arbeiter­unter­kunft in München und atta­ckier­ten die Be­wohner mit Messern und Eisen­stangen. Vier Per­sonen aus Bul­ga­rien wur­den ver­letzt, eine schwer. Die Polizei rätselt über das Tat­motiv – und ver­schweigt die anti­ziga­nis­tische Parole, die einer der An­greifer rief. Die Täter spra­chen teil­weise „öster­rei­chi­schen Dialekt“.

In München-Moosach drangen am Freitag­abend 10 bis 15 Ver­mummte in eine Unter­kunft von bulga­rischen Arbeitern ein und griffen die Be­wohner mit Messern und Eisen­stangen an. Vier Arbeiter im Alter von 29 bis 36 Jahren wurden bei dem An­griff verletzt, der 36-Jä­hrige schwer. Er erlitt eine Bein- und eine Hand­ver­letzung, laut Polizei­mittei­lung wurde er durch einen „scharf­kantigen Gegen­stand“ ver­letzt und musste mit dem Rettungswagen ins Spital ge­bracht werden. Er wird stationär be­handelt. Alle vier sind bul­garische Staats­bürger ohne festen Wohnsitz in Deutschland.

Polizeimitteilung vom 17. Mai

Die am Sonntag ausgegebene Medienmitteilung der Polizei München beschreibt den Vorfall wie folgt:

Am Freitag, 15.05.2026, gegen 22:00 Uhr, gingen beim Polizei­notruf 110 mehrere Anrufe ein. Dabei wurde mit­geteilt, dass es in der Bunzlauer Straße im Bereich des U- und S-Bahnhofes Moosach zu einer kör­perlichen Aus­einander­setzung mit einer Vielzahl beteilig­ter Personen ge­kommen war. Nach der­zeiti­gem Er­mittlungs­stand drangen mehrere Personen mit Tüchern und Sturm­hauben mas­kiert in eine am Bahnhof befind­liche Arbeiter­unter­kunft ein und griffen die dort an­wesen­den Personen an. Dabei seien auch Messer und Eisen­stangen ver­wendet worden. Die An­greifer konnten un­erkannt flüchten. Ein grö­ßerer Polizei­einsatz mit über 30 Streifen war die Folge.

Einige der attackierten Personen versuchten zu flüchteten, „indem sie aus dem Fenster spran­gen, sogar aus dem ersten Stock“, schreibt die Münchner Abend­zeitung. Als die ersten Polizeistreifen – laut Polizei binnen weni­ger Minuten – vor Ort eintrafen, waren die Täter bereits ver­schwun­den. Die Polizei ver­mutet, dass die An­greifer nach dem Überfall mit einem Auto das Weite suchten.

Romafeindliche Parole

Die Kriminalpolizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Land­friedens­bruch. Nach bisheri­gem Erkenn­tnis­stand kannten sich Täter und Opfer nicht, mel­det BR.de. Man ermittle in alle Rich­tungen, aus­zu­schließen sei nur eine Beziehungs­tat, so die Polizei in München. „Ob es sich um eine fremden­feindliche Tat ge­handelt hat, konnte die Polizei am Sonntag nicht sagen, die Motiv­lage sei unklar“, berich­tet die Süd­deutsche Zeitung.

Aller­dings: Die Polizei ver­schwieg einen deut­lichen Hinweis auf ein rassisti­sches bzw. anti­ziganisti­sches Tatmotiv, von dem man erst in der Abend­zeitung erfährt. Diese be­richtet von einem wahr­schein­lichen „fremden­feindli­chen Hinter­grund“: „Nicht nur, dass in dem Wohnheim aus­schließ­lich Bulgaren wohnen – zudem habe einer der Täter den Satz ,Schnapp Dir den Zig****r!‘ gerufen.“ Read the rest of this entry »

Fact & Figures (583)

Mai 16th, 2026  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Von 2002 bis 2024 stellte der Eu­ro­pä­i­sche Men­schen­rechts­ge­richts­hof in 114 Urteilen fest, dass die Men­schen­rechte von Roma oder Fah­ren­den ver­letzt wur­den.

(Quelle)

Fall Neusiedl erschüttert Volksgruppen

Mai 12th, 2026  |  Published in Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Vereinte Kräfte: Die Mitglieder der Vorsitzendenkonferenz der autochthonen Volksgruppen Österreichs (Foto: VSK)Vorfall im Burgenland erschüttert die autochthonen Volks­gruppen: Vor­sitzen­den­kon­fe­renz der Volks­grup­pen­bei­räte for­dert Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setz für die Volks­gruppe der Roma sowie eine Dialog­platt­form im In­nen­mi­nis­te­rium

Die Vorgehensweise der Polizei im Burgenland, die in 27 Gemein­den zu einem öffent­lichen Aufruf gegen An­gehörige der Volks­gruppe der Roma führte (wir berichteten hier und hier), hat nicht nur große Ir­rita­tionen aus­gelöst, sondern auch beste­hende Vorurteile gegen­über Roma und Sinti wei­ter geschürt und vertieft.

Der Vorsitzende der Vorsitzendenkonferenz der autochthonen Volks­grup­pen Ös­ter­reichs, Bürger­meister Bernard Sadovnik, zeigt sich nach den Vorfällen des ver­gange­nen Jahres am Peršmanhof zutiefst bestürzt und pro­testiert ent­schieden gegen diesen neuer­lichen Vorfall gegen­über An­gehö­rigen an­er­kannter Volks­gruppen.

„Ich appelliere an Bundesminister Gerhard Karner, die bereits in Ausar­bei­tung befind­lichen Schu­lungs­maß­nahmen so rasch wie möglich um­zu­setzen und ver­bindliche Kriterien für den Umgang mit An­gehöri­gen der Volksgruppen zu erarbeiten, die allen Dienst­stellen des Innen­ministe­riums vorliegen müssen. Die Ein­richtung einer Dialog­plattform mit Ver­tre­terinnen und Vertretern aller autoch­thonen Volks­gruppen im Bundes­ministe­rium für Inneres ist not­wendig, um den offen­sichtlich dringend erfor­derli­chen Dialog zwischen Polizei und Volks­gruppen nach­haltig zu er­möglichen“, fordert Sa­dov­nik. Read the rest of this entry »

Überblick: Rassismus-Skandal im Burgenland

Mai 11th, 2026  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Offener Antiziganismus der Polizei in Burgenland (Schreiben: Polizei im Bez. Neusiedl am See)Seit einer Woche sorgt ein Schrei­ben der Bezirks­polizei Neusiedl am See für Auf­re­gung, nicht nur in der Volks­gruppe im Bur­gen­land. Die Polizei hatte die Be­völke­rung, an­läss­lich der An­kunft einer fran­zösi­schen Sinti-Grup­pe, die in Parndorf campiert, ­pau­schal vor kri­minel­len Machen­schaf­ten des „fahren­den Volkes“ ge­warnt – fast so, als wären wir noch in den 1930er Jahren. Medien wie „Krone“ oder „AUF1“ haben die Dif­fa­mie­rung einer gan­zen Volks­gruppe bereit­willig ver­breitet. Nun stellt sich heraus: Eine wort­gleiche Aus­sen­dung gab es be­reits im Vor­jahr – und damals wie heute sind kei­ner­lei kri­minelle Vor­komm­nis­se be­kannt. Ein erster Über­blick über einen Skan­dal.

„Seit kurzem hält sich wieder eine Gruppe mit Angehörigen des ,Fahrenden Volkes‘ im Bezirk Neu­siedl am See auf“, heißt es im polizei­li­chen Infor­mations­schreiben, das am 4. Mai 2026 über die Plattform „Ge­mein­sam.Sicher“ ver­breitet wurde. Den Wortlaut der Aus­sendung geben wir im Fol­genden un­gekürzt (aber mit kor­rigier­ter Recht­schrei­bung) wie­der:

Die Polizei möchte Sie [s]ensibilisieren. Schließen Sie keine „Haustür­geschäfte“ ab! D.h. kaufen Sie z. B. keine minder­werti­gen Waren zu über­höhten Preisen. Nehmen Sie keine Arbeiten an [I]hrem Haus wie z. B. Fassaden- oder Dach­rinnen­reini­gungen, Asphal­tierun­gen oder [Ä]hn­liches in Anspruch! Halten Sie [I]hre Haus- oder Wohnungs­tür immer ver­schlos­sen! Lassen Sie keine fremden Personen in [I]hr Haus oder [I]hre Wohnung! Auch nicht, wenn [S]ie nur um ein Glas Wasser ge­beten werden! Solange [I]hre Haustüre ge­öffnet ist, gehen Sie nicht weg[,] um etwas zu holen! Notieren Sie sich, wenn mög­lich[,] even­tuelle Fahrzeug­kenn­zeichen und Per­sonen­beschrei­bun­gen! Bei der­artigen Wahr­nehmungen scheuen Sie sich nicht[,] Kontakt mit [I]hrer zu­ständigen Polizei­inspek­tion aufzunehmen! Bitte teilen Sie diese Infor­mation auch mit Ihren Nachbarn, Ihrer Familie, Freunden und Be­kannten, damit kein Schaden ent­steht!“

Die „Kronen-Zeitung“, deren Kampagnen gegen fahrende Gruppen bereits den Presserat be­schäf­tigten (siehe hier und hier), griff die Aus­sendung am 4. Mai 2026 in einem reiße­risch auf­ge­machten Artikel (Über­schrift: „Bitte um Vorsicht: Polizei warnt vor dem ,fahrenden Volk‘“) auf – brachte aber immer­hin später auch einen Gegen­artikel, als sich auf­ge­brachte Volks­gruppen-Ver­treter bei der Redak­teurin meldeten.

Polizeiwarnung und Medienberichte wurden (und werden) auch in den Sozialen Medien rasant ver­breitet. Die Aus­sendung der Polizei wurde jedoch, ebenso wie der ursprüng­liche Artikel der „Kronen-Zeitung“, inzwi­schen offline genommen. Aller­dings: der ent­spre­chende Video­beitrag der „Krone“ ist in ihren Social-Media-Ka­nälen nach wie vor ab­rufbar, etwa hier auf Facebook – die Klick­zahlen gehen längst in die Hun­dert­tausende.

Protest aus der Volksgruppe: „Zutiefst verletzt“

Bei den Roma- und Sinti-Vereinen liefen schon am Montag die Telefone heiß. In der Volks­gruppe herrscht Fas­sungs­losig­keit; man könnte auch sagen, die öster­reichi­schen Roma und Sinti sind stink­sauer. Die Warnung der Polizei­behörde hat die Volks­gruppen­angehörigen „zutiefst verletzt“, erklärt Emmerich Gärtner-Horvath, Vor­sitzen­der des Roma-Volks­gruppen­beirats und Obmann des Vereins Roma-ServiceRead the rest of this entry »

Facts & Figures (582)

Mai 9th, 2026  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Unter Berufung auf die Sozi­al­charta wur­de beim Europa­rat 2003 erst­mals eine Kol­lek­tiv­be­schwer­de we­gen Dis­kri­mi­nie­rung von Roma ein­ge­bracht (ERRC ge­gen Grie­chen­land).

(Quelle)

Burgenland: Diskriminierendes Polizeischreiben

Mai 8th, 2026  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Offener Antiziganismus der Polizei in Burgenland (Schreiben: Polizei im Bez. Neusiedl am See)Gleichbehandlungsanwaltschaft kritisiert dis­kri­mi­nie­ren­des Polizei­schrei­ben: Das Schrei­ben be­dient his­tori­sche anti­ziga­nis­ti­sche Ste­reo­type. Be­hör­den tra­gen eine be­son­dere his­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung.

Wien (OTS) — Ein Schreiben der Po­lizeibehörde Neusiedl warnt die dort an­sässige Be­völ­kerung vor Rom:nja und Sinti:zze. Aus Sicht der Gleich­be­hand­lungs­anwalt­schaft ist ein solches Schreiben vor dem Hinter­grund des gelten­den Dis­krimi­nierungs­schutzes und der his­tori­schen Ver­ant­wortung von Behörden in­adäquat. Im Schreiben der Polizei wird der lokalen Bevöl­kerung unter anderem em­pfohlen, keine Dienst­leistun­gen von Rom:nja in Anspruch zu nehmen, deren selb­ständige Tätigkeit pauschal als un­seriös dis­kredi­tiert wird. Darüber hinaus werden Sicher­heits­empfeh­lun­gen getätigt, die Rom:nja und Sinti:zze als zu Krimi­nalität nei­gende Per­sonen­gruppe darstellen. Die Be­ratungs­erfahrung der Gleich­behand­lungs­an­walt­schaft zeigt, dass viele Rom:nja und Sinti:zze Dis­krimi­nierungs­erfah­run­gen machen, die mit diesem Vorurteil zu­sammen­hängen.

Die EU-Antirassismusrichtlinie bietet umfassenden Dis­krimi­nierungs­schutz. Zudem verbietet das Gleich­behand­lungs­gesetz Rassismus in der Arbeits­welt. Geregelt ist darin auch der Aufbau einer selbst­stän­digen Tätigkeit. Selb­ständig­keit ist eine wichtige Ein­kommens­quelle für zahlreiche in Österreich nieder­gelas­sene Menschen, ebenso wie für Personen, die ihr EU-Frei­zügig­keits­recht nutzen. Das polizei­liche Schreiben weist die Bevöl­kerung dazu an, Dienst­leistun­gen von Rom:nja und Sinti:zze pauschal ab­zu­lehnen.

Sandra Konstatzky, Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft macht auf das Diskri­minie­rungs­potenzial auf­merksam: „Der EuGH hat fest­gestellt, dass öffent­liche Äuße­rungen, die zum Aus­schluss bestimm­ter ethnischer Gruppen vom Arbeitsmarkt führen, als un­mittel­bare Diskriminierung zu qualifizieren sind. Wenn jemand davor warnt, Ge­schäfte mit bestimm­ten Gruppen an Personen ab­zu­schließen, kann das eine An­weisung zur Dis­kriminierung dar­stellen.“  Read the rest of this entry »

Facts & Figures (581)

Mai 1st, 2026  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Der Europ. Menschen­rechts­ge­richts­hof ver­ur­teilt am 28.10.1998 erst­mals ei­nen Staat auf­grund der Be­schwer­de ei­nes Rom (Asse­nov et al. v. Bul­ga­ri­en).

(Quelle)

DOSTA: Antiziganismus-Rekordzahl in Berlin

April 29th, 2026  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte

Jahresbericht 2025: Dokumentation antiziganistischer Vorfälle in Berlin (Amaro Foro)DOSTA-Bericht 2025: 293 dokumentierte Vor­fälle anti­ziga­nis­ti­scher Dis­kri­mi­nie­rung in Berlin – höchs­te je er­fass­te Fall­zahl und be­sorg­nis­erre­gen­de Ent­wick­lun­gen

Die Dokumentationsstelle Antiziganismus (DOSTA/MIA Berlin) ver­öffent­lich­te ges­tern ihren Jahres­bericht für 2025 (→Download). Ins­ge­samt wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr 293 Vor­fälle anti­ziga­nis­ti­scher Dis­krimi­nie­rung in Berlin er­fasst – die höchste je doku­men­tierte Fall­zahl. Damit wird erneut das Niveau der bereits hohen Werte der Vor­jahre über­troffen.

„Die konstant hohen und nun nochmals gestiegenen Fallzahlen zeigen, dass Anti­ziganis­mus ein struk­turelles Problem bleibt. Gleich­zeitig wissen wir, dass viele Betrof­fene Dis­kriminie­rung nicht melden – aus Angst vor Kon­sequen­zen oder fehlen­dem Vertrauen in Institu­tio­nen“, sagt Pro­jekt­leiterin Violeta Balog.

Die meisten dokumentierten Vorfälle ereigneten sich in den Lebens­bereic­hen Alltag und öffent­li­cher Raum (66 Fälle), Bildung (60 Fälle) sowie Kontakt zu Behörden (42 Fälle). Beson­ders im Bildungs­bereich ver­zeich­net DOSTA/MIA Berlin einen Anstieg anti­ziganis­ti­schen Mobbings gegen­über Schü­ler:innen, die Rom:nja sind. Gleich­zeitig fehlt es weiter­hin an aus­reichen­der Auf­klärung über Anti­ziganis­mus sowie an unabhän­gigen Be­schwerde­struktu­ren an Schulen. Ein wieder­keh­rendes Problem stellt zudem die fort­gesetzte Nutzung rassis­tischer Fremd­bezeich­nun­gen dar, die in ver­schiede­nen Lebens­bereichen – auch im schuli­schen Kontext – zu­nehmend norma­lisiert wird und weiter­hin Teil all­täglicher Dis­kriminie­rung ist.

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