Rassismus & Menschenrechte

Bericht zu ukrainischen Roma in Deutschland

April 19th, 2024  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte

Monitoringbericht MIA: Antiziganismus gegen ukrainische Roma-Geflüchtete in Deutschland (2024)Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA ver­öffentlicht Bericht (→Down­load) zur Dis­kri­mi­nie­rung von ge­flüch­teten ukrai­ni­schen Roma in Deutsch­land

Ukrainische Roma, die seit Februar 2022 vor dem russi­schen Angriffs­krieg nach Deutsch­land ge­flüchtet sind, erleben direk­ten, struktu­rellen und institu­tio­nel­len Anti­ziganis­mus. Dies geht aus einem Moni­toring­bericht hervor, den die Melde- und Infor­mations­stelle Anti­ziganis­mus MIA am Mitt­woch, den 17.4.2024 in Berlin ver­öffentlicht hat. „Die all­tägliche Dis­kriminie­rung zeigt sich an dem fehlenden oder ein­ge­schränk­ten Zugang dieser Men­schen zu men­schen­würdi­gem Wohnraum, zu Bildung, Sozial­leistun­gen und zu weiteren Hilfs- und Dienst­leistungen“ bilan­ziert MIA-Bun­des­ge­schäfts­führer Dr. Guillermo Ruiz Torres.

Der Monitoringbericht belegt anhand zahlreicher Vorfälle, die MIA ge­meldet oder von ihr recher­chiert wurden, unter anderem einen dis­kriminie­renden Umgang der Betrof­fenen durch Polizei­beamte, Mit­arbeitende der Deutschen Bahn, in der Ver­waltung, in der Sozialen Arbeit sowie im Bildungs­sektor. Ge­flüchtete ukrainische Roma werden in Ge­flüch­teten­unter­künften und Schulen segre­giert und müssen zum Teil monate­lang auf einen Schul­platz warten. Die be­troffenen Kinder haben gerin­gere oder gar keine Chancen, erfolg­reich am deutschen Bildungs­system teil­zu­haben.

„Geflüchtete Roma haben dieselben Rechte und den­selben recht­mäßigen Anspruch auf Unter­stützung wie ihre ukraini­schen Lands­leute, die eben­falls Schutz in Deutschland suchen. Trotz­dem werden ihnen diese oft verwehrt“, kriti­siert Dr. Guillermo Ruiz Torres.

Darüber hinaus werden Roma verdächtigt, keine „echten Kriegs­flücht­linge“ zu sein. Read the rest of this entry »

Hintergrund: Roma in Griechenland

April 15th, 2024  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Leben am Rand der Gesellschaft
Deutschlandfunk/Hintergrund, 4.4.2024, 18:59 Min.

Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, die gesell­schaft­liche Teilhabe der Roma deut­lich zu ver­bessern. Beson­ders prekär ist ihre Situation unter ande­rem in Griechenland. Spanien hin­gegen gilt als Vor­reiter bei der Integra­tion von Roma. Rodothea Seralidou be­rich­tet für Deutschland­funk über die Lage der Volks­gruppe in Grie­chen­land.

(Text und Sendung: Deutschlandfunk)

Anders über Sinti und Roma berichten

März 25th, 2024  |  Published in Interview, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte


BR24 Medien, 23.3.2024, 31:40 Min.
Podcastfolge: Warum müssen wir anders über Sinti und Roma be­rich­ten?

Antiziganismus, also Rassismus gegenüber Sinti und Roma, ist immer noch weit ver­breitet in unser Gesell­schaft. Und Medien tragen dazu bei. Das pas­siert zum Teil ohne Absicht, aber trotz­dem mit proble­mati­schen Folgen. Welche Muster gibt es da und wie ent­stehen sie? Was passiert zum Bei­spiel beim „Othering“? Und wel­che Ansätze gibt es, um die Bericht­er­stattung zu ver­bessern? Linus Lüring spricht mit Carmen Glink Buján und Georgi Ivanov von „Amaro Foro“. Der Verein bietet Trainings für Medien­schaf­fende zu Anti­ziganismus an und be­obach­tet gezielt die Bericht­erstattung über Sinti und Roma. Auch Markus End, Wissen­schaft­ler am Zentrum für Anti­semi­tis­mus-For­schung an der TU Berlin, unter­sucht das Bild von Sinti und Roma in den Medien. Im Interview er­klärt er vier zentra­le Dar­stellungs­muster, die er kritisch sieht.

(Beitrag und Text: BR24 Medien)

ZARA veröffentlicht Rassismus-Bericht 2023

März 21st, 2024  |  Published in Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

ZARA-Rassismus-Report 2023Der Verein ZARA – Zivilcourage und Anti-Ras­sis­mus-Ar­beit ver­öf­fent­licht sein­en Rassis­mus-Re­port für das Jahr 2023 (→Down­load). Die darin ent­hal­te­nen Zahlen wei­sen einen An­stieg des Bedarfs an inten­si­ver Be­ra­tung bei Be­trof­fenen von Rassis­mus auf. Die Lösung für die darunter­lie­gende struk­tu­rel­le Proble­ma­tik ist ein ganz­heit­li­cher Natio­naler Ak­tions­plan gegen Rassis­mus.

Rassismus in Österreich

ZARA dokumentierte für das Jahr 2023 insgesamt 1.302 Meldungen von Rassismus mit einem immer noch alar­mierend hohen Anteil an Online-Fällen (58 %). Die Fall­meldun­gen reichen von rassisti­scher Polizeigewalt bis hin zu Dis­kriminie­rung im Bildungs­system, unter­streichen die Not­wendig­keit struktu­reller Ver­änderungen und betonen, dass Rassismus nicht nur ein indivi­duelles, sondern ein gesell­schaft­liches Problem darstellt. Das erklärt, warum nicht die Rassismus-Mel­dun­gen an ZARA jährlich steigen, sondern der Bedarf an intensiver Beratung. Ins­gesamt haben ZARA-Be­rater*in­nen 1708-mal Be­trof­fene beraten. Indivi­duelle Beratun­gen via E-Mail (52 %) und Telefon (37 %) sind be­sonders beliebt – gefolgt von per­sönlichen Beratungen und Be­gleitun­gen (8 %). Ins­gesamt setzte ZARA daraufhin 702-mal rechtliche Maßnahmen und andere Inter­ven­tionen. ZARA-Ge­schäfts­füh­rerin Rita Isiba hebt hervor: „Um die Politik für einen anti­rassisti­schen Wandel zur Ver­antwortung zu ziehen, müssen wir zunächst den syste­mischen Charakter des Rassismus und die Art und Weise, wie es jeden Aspekt unserer Gesell­schaft durch­dringt, er­kennen.“

Ein Aufruf zum Handeln

Deshalb setzt sich ZARA seit Jahren für die Umsetzung eines Nationalen Aktionsplans gegen Rassismus (NAP) ein und hat in diesem Sinne unter­schied­liche An­strengun­gen unterstützt, die dies ein­forderten. Der NAP zielt darauf ab, die Sicherheit und Unter­stützung für Betroffene zu ge­währ­leisten, Gleich­behand­lung und Gerechtigkeit zu fördern, Teilhabe und Re­präsen­ta­tion zu er­möglichen, und ein umfas­sendes Verständnis für die Aus­wirkungen von Rassismus zu schaffen. Read the rest of this entry »

Medienschau: „Aggressive Volksgruppen“?

März 17th, 2024  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Krone.at: Titelansicht des Artikels vom 7. März 2024 (Screenshot)Am 7. März 2024 erschien auf Krone.at ein Arti­kel von Mario Ruhmanseder, der im Ober­öster­reich-Res­sort für die Stadt Linz zu­stän­dig ist. „Roma-Durchreiseplatz: Ag­gres­si­ve Volks­grup­pen mu­tie­ren zu Dauer­cam­pern“ liest man da in fet­ten Let­tern, be­bil­dert mit einer Drohnen­auf­nahme von eini­gen Wohn­wägen auf ei­nem Hal­te­platz. Aggres­sive Volks­gruppen? Wir finden: ein Fall für den Öster­rei­chi­schen Presserat.

Der Artikel betrifft Fahrende, mut­maß­lich Sinti bzw. Roma, auf dem Durch­gangs­platz in Pichling (Linz). Es wird hier unter Auf­bietung zahl­reicher be­kannter anti­ziganis­ti­scher Stereotype (siehe unten) Stim­mung gegen eine dort an­we­sende Per­sonen­gruppe – und die Volks­gruppe der Roma und Sinti ins­gesamt – ge­macht.

Insbesondere wird – prominent in der Überschrift (wie sie ja zum Bei­spiel auch in den Vor­an­sich­ten auf Social Media auf­scheint) – diese vulne­rable eth­nische Minder­heit als Ganzes durch die Wort­wahl als „aggres­sive Volks­gruppen“ gebrand­markt: Das Wort „Volks­gruppe“ ver­weist in ihrem all­gemein üb­lichen (und auch recht­lich definier­ten) Be­deutungs­gehalt schließlich nicht auf eine konkre­te Grup­pierung von Indivi­duen, son­dern auf die Ethnie an sich. So ist der Begriff „Volks­gruppe“ im Sinne von „ethni­scher/na­tiona­ler Minder­heit“ bei­spiels­weise auch dem öster­reichi­schen „Volks­gruppen­gesetz“ zugrunde­gelegt. Die Begriff­lich­keit ist de­finiert. Eine physische An­samm­lung von Personen, die ihrer­seits einer Volks­gruppe an­ge­hören, be­nennt sie nicht.

Hinzu kommt, dass ja auch bereits im Titel selbst an­hand des Schlag­wortes „Ro­ma-Durch­reise­platz“ klar ge­macht wird, welche ethnische Minder­heit ge­meint ist. Die Unter­scheidung zwi­schen spezi­fischer Per­sonen­gruppe (den an­we­sen­den Familien) und gesam­ter Volks­gruppe (Roma und Sinti) wird in der Über­schrift seman­tisch auf­gelöst; die Wörter „Roma“, „aggressiv“ und „Volks­gruppen“ hin­gegen werden im Titel mit­einander ver­knüpft. Somit wird die gesamte Ethnie öffent­lich stig­matisiert und als ver­meint­liche Be­dro­hung und Last für die All­gemein­heit dif­famiert.

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Heute vor 10 Jahren: Facts & Figures (504)

März 14th, 2024  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

Am 14.3.2014 wurde der 5-jährige Dano im deutschen Herford von einem Nachbarn geprügelt und erdrosselt. Als Motiv nannte der Täter seine Abneigung gegen Roma.

(Quelle)

Podcast: Kultur und Werte der Sinti und Roma

März 13th, 2024  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Esther Reinhardt-Bendel im Gespräch
Alles Menschen, Podcast-Folge 48, Okt. 2022

In dieser Podcast-Folge stellt „Alles Menschen“ Esther Reinhardt-Bendel vor, deutsche Sinteza und Aktivistin. Host Veit Lindau spricht mit ihr über die ehr­würdige Kultur der Sinti und Roma; die Lage der Sinti und Roma in Deutschland und Anti­ziganis­mus; Privile­gien und ihre so wich­tige Arbeit als Akti­vistin und wie wir Sinti und Roma unter­stützen können.

→ Sinti-Roma-Pride auf Instagram und Facebook
→ Esther Reinhardt-Bendel auf Instagram

Siehe auch:
Rassismus in Social Media und Kinderfilmen, 7.12.2021

BR: Sinti und Roma in Deutschland

März 3rd, 2024  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

BR Puzzle, 2024: Sinti und Roma in Deutschland und der Antiziganismus

Seit Jahrhunderten leben Sinti und Roma in Deutschland – und sind doch bis heute starker Dis­krimi­nie­rung aus­gesetzt. Viele ver­heimli­chen ihre Zu­gehörig­keit zur Sin­ti-Roma-Min­der­heit – aus Angst vor Vor­ur­teilen und Stig­mati­sierung.

(Text und Beitrag: BR)

Ausstellung: „Man will uns ans Leben“

Februar 26th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Briefbombenreste, Bilder und Bekennerschreiben (Foto: © BMI)Ab April: Ausstellung „Man will uns ans Leben“ – Bomben gegen Min­der­hei­ten 1993–1996

24.4.–25.8.2024: Volkskundemuseum Wien
20.9.–24.11.2024: kärnten.museum, Klagenfurt
7.2.–8.3.2025: Offenes Haus Oberwart

Die Ausstellung der Initia­tive Min­der­hei­ten hat das Ziel, his­to­ri­sches Wissen zu den größ­ten innen­poli­ti­schen Gewalt­taten der Zwei­ten Republik zu ver­mitteln, aber auch das poli­tisch-ge­sell­schaft­li­che Klima der 1990er Jahre und seine Folgen für die direkt be­trof­fe­nen Min­der­heiten­com­mu­nitys auf­zu­zeigen.

Vor 30 Jahren, am 3. Dezember 1993, explodierten in der ORF-Min­der­heiten­re­dak­tion in Wien und in der Pfarre Hartbergin der Steiermark zwei Brief­bomben und ver­letzten die Modera­torin Silvana Meixner und den „Flüchtlings­pfarrer“ August Janisch schwer. Bis zum 6. Dezem­ber 1993 wurden wei­tere acht Briefbomben ver­schickt, eine davon zer­fetzte die linke Hand des dama­ligen Wiener Bürger­meisters Helmut Zilk. Im August 1994 explo­dierte eine vor der zwei­sprachigen Rennerschule in Klagenfurt de­po­nierte Rohrbombe beim Ent­schär­fungs­versuch und riss dem Polizisten Theodor Kelz beide Hände ab. Der folgen­schwerste Anschlag fand im Febru­ar 1995 in Oberwart statt, bei dem vier Roma-An­ge­hö­rige – Josef Simon, Karl Horvath, Erwin Horvath und Peter Sarközi – durch eine Sprengfalle ge­tötet wurden.

Die Terrorwelle der selbst ernannten Bajuwarischen Befreiungsarmee, die sich expli­zit gegen ethnische Minder­heiten und ihre Unter­stützer*in­nen richtete, dauerte bis 1997 an. Ins­gesamt 25 Briefbomben und drei Sprengfallen hatten 13 zum Teil Schwer­ver­letzte und vier Tote zur Folge.

Die Bombenserie stellte einerseits den traurigen Höhepunkt eines histo­risch ge­wachse­nen, ten­den­ziell minder­heiten­feind­lichen Klimas in Österreich dar. Read the rest of this entry »

Rassismus als Brennglas für Klimawandelfolgen

Februar 20th, 2024  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Romasiedlung SlowakeiDie Auswirkungen des Klimawandels auf sozial mar­gi­na­li­sier­te und armuts­be­trof­fe­ne Roma-Com­mu­nitys

Von Barbara Tiefenbacher-Jami

Zehn bis zwölf Millionen Roma und Rom:nija leben in Europa. Besonders in den ehe­maligen kommunis­tischen Ländern Zentral- und Südost­europas sind bis zu 80 Prozent von Armut und Rassismus betroffen und leben am Rande der Nicht-Ro­ma-Ge­sell­schaft.[1] Das jahrzehntelange Zusammenspiel von Armut und Rassismus hat dazu geführt, dass Roma und Rom:nija zu den vul­nera­bels­ten Gruppen in Europa gehören. Es besteht die Be­fürch­tung, dass die Ver­wund­barkeit dieser Be­völkerungs­gruppe im Zuge der globalen Erd­erwärmung weiter zu­nehmen wird.[2] Unter­suchungen aus den USA zeigen, dass Men­schen, die von Dis­krimi­nierung und Rassismus be­troffen sind, wie etwa die afro­amerika­nische Bevöl­kerung, stärker von den Folgen des Klimawandels be­troffen sind.[3]

Umweltrassismus

Man kann davon ausgehen, dass es in Europa ähnlich ist. Aber nicht alle Roma und Rom:nija sind gleich betroffen. Diejenigen Rom:nija, die zur Mittel­schicht gehören oder nicht als Teil der Roma-Com­mu­nity wahr­ge­nommen werden, sind nicht im gleichen Maße betroffen wie jene, die in segre­gierten Roma-Sied­lungen in bitterer Armut leben.[4]

Die Roma-Dachorganisation ERGO (European Roma Grassroots Orga­nisa­tions Network) in Brüssel hat schon vor einigen Jahren unter dem Blick­winkel des Umwelt­rassis­mus Be­nach­teili­gungen aufgrund des Wohnortes be­zie­hungs­weise der Wohn­situation auf­gegriffen. Gemeinsam mit dem European Environ­mental Bureau haben sie auf die katastro­phale Situation von Roma-Sied­lun­gen hin­ge­wiesen. Häufig befinden sich Siedlungen in der Nähe von Industrie­anlagen, neben oder auf konta­minier­ten Böden oder in Hochwasser­risiko­gebieten. Viele verfügen auch nicht über eine aus­rei­chende Trink­wasser­ver­sorgung oder eine funktio­nie­rende Kanalisation und Müll­ent­sorgung.[5] Read the rest of this entry »