Rassismus & Menschenrechte

Der Kampf gegen Antiziganismus

November 23rd, 2017  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte

Der Kampf gegen Antiziganismus in EuropaDer Kampf gegen Antiziganismus in Europa
Eine Veröffentlichung der Grünen im Euro­päi­schen Par­la­ment
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Antiziganismus ist eine spezifische Form des Rassismus, die sich gegen Angehörige der Roma-Min­der­heiten (und ähn­li­cher Grup­pen)  in ganz Europa rich­tet. Der Kampf gegen Armut und soziale Aus­gren­zung, denen viele Roma in ganz Euro­pa aus­gesetzt sind, kann daher nur wirk­sam ent­gegen­ge­tre­ten wer­den, wenn auch der tief ver­wur­zelte Anti­ziganis­mus be­kämpft wird. Die vor­lie­gen­de Publikation soll einen Bei­trag leisten im Kampf gegen Anti­ziganis­mus. Sie möchte infor­mieren und ein Bewusst­sein schaf­fen für die viel­schichtige Dis­krimi­nierung denen euro­päische Roma auf­grund von Anti­ziganismus aus­gesetzt sind. An­hand kurzer Aufsätze von grünen Abge­ord­neten, Roma-Ak­ti­vist/innen und Wis­sen­schaft­ler/innen wird die EU-Politik be­züglich Roma und der Anti­ziganis­mus in Österreich, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Ungarn und Schweden analy­siert.

(Text: Zentalrat)

Preisverdächtig: „Schluchten – Neue Nachbarn“

November 22nd, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Schluchten: Ein theatraler Spaziergang (Foto: Christian Menkel/Nyx e.V.)Zum zweiten Mal wird dieses Jahr in Deutschland der Amadeu-Antonio-Preis für krea­ti­ves Engage­ment für Men­schen­rechte – ge­gen Rassis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung ver­liehen. Von der Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung und der Stadt Eberswalde ver­geben, wür­digt der Preis kreati­ves künst­le­ri­sches Engage­ment für Men­schen­rechte. Zugleich erin­nern wir mit dem Preis an den gewalt­sa­men Tod von Amadeu Antonio vor 27 Jah­ren und an die vielen weivteren Opfer rassis­ti­scher Gewalt seit­her. Ins­gesamt drei Preise wer­den am 28. No­vem­ber 2017 ver­geben. Aus 60 Ein­rei­chun­gen der ver­schie­dens­ten Genres wähl­te die un­abhän­gi­ge Jury nun die sie­ben Nomi­nier­ten. Unter diesen das Theaterprojekt „Schluchten – Neue Nachbarn“ (ent­stan­den in Ko­opera­tion von Nyx e.V. und dem Regional­verband deutscher Sinti und Roma Augsburg). Das Web­magazin Belltower.News stellt das no­mi­nierte Projekt vor:

„Es gehört bestimmt mehr Mut dazu, einem Frem­den zu ver­trauen, als seine Anders­artig­keit abzulehnen.“ In Dorothea Schroeders Thea­ter­pro­jekt „Schluchten – Neue Nachbarn“ geht es um Vor­urteile und Vor­behalte gegen Sinti und Roma. In den Jahren 2015 und 2016 wurde es von Nyx e.V. in Zusam­men­arbeit mit dem Regional­ver­band deutscher Sinti und Roma Augsburg um­gesetzt. Schau­spieler, Sinti und Roma er­zählten authen­tische Ge­schich­ten bei ihren Füh­run­gen durch das Augs­bur­ger Fischerholz. Alexander Adler, selbst Sinto, war einer von ihnen. Mit ihm sprach Fiona Katharina Flieder.

Wie ist das Projekt entstanden?

Alexander Adler: Ich vermute, dass anfangs das Ziel von Dorothea Schroeder war, einen Einblick in die ver­meint­lich ab­geschot­tete Welt der Sinti und Roma zu gewäh­ren. Ehe­ma­lige Wohn­orte, Camping­plätze soll­ten gezeigt, auf Miss­stände hin­ge­wie­sen werden. Es sollte beleuch­tet werden, woher das Miss­trauen auf bei­den Seiten kommt und wo die größ­ten Defizite sind. Eine Tra­gödie, für die beide Sei­ten nichts können. Nach und nach zeigte sich je­doch an­schei­nend, dass es so ein­fach nicht ist. Das Projekt ent­wickelte sich weiter. Read the rest of this entry »

UNESCO-Menschenrechtszentrum für Graz

November 19th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Sitzungssaal der Unesco in Paris (Foto: CC/Unesco/Michel Ravassard)Graz wird Standort eines neuen UNESCO-Zentrums für Men­schen­rechte. Das ha­ben die 192 Mit­glieds­län­der der UNESCO-Voll­ver­samm­lung in Paris ver­gan­gene Woche ein­stimm­mig beschlos­sen. Nach Buenos Aires wird es laut Pressemitteilung der Stadt Graz das welt­weit zweite Zentrum die­ser Art sein und den Fokus auf Südost­europa und Afrika rich­ten. (Weniger spek­taku­lär klingt aller­dings die Meldung der öster­rei­chi­schen UNESCO-Kom­mis­sion.)

Im Schreiben der scheiden­den UNESCO-Ge­ne­ral­sekre­tärin Irina Bokowa an die Stadt Graz heißt es:

Graz nennt sich mit Fug und Recht eine UNESCO-Stadt, und zwar auf­grund ihres Ein­satzes bei ver­schiede­nen wich­ti­gen Ver­pflich­tun­gen der Or­gani­sa­tion – ins­beson­dere ihre außer­ordent­lich wert­volle Unter­stüt­zung der Maß­nah­men der UNESCO zu­guns­ten der urba­nen In­klu­sion. Ihre Führungs­rolle war einer der Grund­steine für den Vor­schlag der Re­publik Ös­ter­reich, in Graz ein inter­na­tio­na­les Zentrum zur För­de­rung der Menschenrechte auf lo­kaler und re­gio­naler Ebene zu grün­den, das unter der Schirm­herr­schaft der UNESCO steht.

(dROMa)

25 Jahre VinziNest in Graz

November 14th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Leiter August Eisner inmitten der Bewohner (Foto: VinziWerke)Zuflucht für Schutzlose — Die Grazer Not­­schlaf­­stelle für Armuts­­migran­­ten be­­­geht ihr ers­­tes viertel Jahr­­hun­­dert und zeigt, dass Armut nach wie vor prä­­sent ist

Die, die keiner wollte. Papst Franziskus hat einen „Welttag der Armen“ ein­­ge­­führt, der dieses Jahr am 19. No­­vem­­her 2017 erst­­mals statt­­findet. Die VinziWerke neh­­men dies zum Anlass, um auf das Jubiläum ih­­rer Notschlafstelle VinziNest auf­­merk­­sam zu ma­­chen: 25 Jahre in­­ten­­si­­ver Ein­­satz für die Unter­­brin­­gung von Armutsmigranten, die in Graz nie­­mand wollte.

Als 1992 während des Balkankrieges hunderte ausländische Männer am Grazer Haupt­­bahnhof stran­­deten und niemand ihnen hel­­fen wollte, setzte sich ein Mann dafür ein, dass auch sie ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen be­­kamen: Pfarrer Wolfgang Pucher. Ein Zelt­­dorf wurde er­­rich­­tet und er­­mög­­lich­­te die Unter­­brin­­gung dieser Männer über den Som­­mer. Im Novem­­ber darauf wurde in einer ehe­­malivgen Strickerei in der Kern­­stock­­gasse 14, 8020 Graz, die Notschlafstelle VinziNest er­­öffnet.

Hardfacts:

Das VinziNest versteht sich als Notschlafstelle für männliche Aus­­länder und ist eine reine Nacht­­schlafstelle mit einer Kapa­­zität von 80 Plätzen. Das VinziNest ist täg­­lich von 18 bis 7 Uhr ge­­öffnet, Ein­­lass ist von 16 bis 22 Uhr. 80 Men­­schen erhalten pro Tag eine warme Mahlzeit und haben die Mög­­lich­­keit, dort ihre Wäsche waschen zu las­­sen. Zu­­sätz­­lich erfolgt wö­­chent­­lich eine medizi­­nische Ver­­sor­­gung durch die rol­­lende Marien­­ambulanz, ein­­mal im Monat eine Rechts­­beratung sowie ein Deutsch- bzw. Alpha­­beti­­sie­­rungs­­kurs durch das Pro­­jekt ZORROM der Caritas. Read the rest of this entry »

Alexander „Billy“ Nardai erzählt

November 6th, 2017  |  Published in Radijo Erba, Rassismus & Menschenrechte

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Katharina Karaman

Alexander „Billy“ Nardai phukal

Alexander „Billy“ Nardai wurde am 4. Oktober 1950 in Eisenstadt ge­bo­ren. „Billy“, so wie ihn seine Freun­de nen­nen, erzählt über seine Kindheit, seine Eltern und das Leben in der Roma-Siedlung. Ge­mein­sam mit seinen Eltern, der Romni Gisela Nardai und dem Nicht-Rom Heinrich Müller, so­wie mit seiner Schwes­ter Gisela wuchs der heute 67-jäh­rige Rom in der zwei­ten Oberwarter Roma-Sied­lung, wo ak­tuell das Kranken­haus steht, in ärm­lichen Ver­hält­nissen auf. Heftige Dis­kri­mi­nie­rung bekam „Billy“ in seiner Schulzeit zu spüren. Diese ne­ga­tiven Er­leb­nisse präg­ten ihn auch noch in seiner Jugend­zeit. Nach Be­endi­gung seiner Schul­zeit wollte Ale­xan­der Nardai Fleisch­hauer wer­den, je­doch gab es für ihn nie die Mög­lich­keit, eine Lehre zu be­gin­nen. So ging „Billy“, wie viele andere Roma auch, nach Wien und ar­bei­tete bis zu seiner Pen­sio­nie­rung bei der Fa. Teerag-As­dag (jetzt Fa. PORR) am Straßen­bau. Durch Fleiß und Ein­satz sowie durch Weiter­bildung schaff­te Alexan­der Nardai es in die Posi­tion eines Poliers. Stets war er be­müht, ein Vorbild für seine Mit­arbei­ter zu sein.

Alexander „Billy“ Nardai ando 4to okto­beri 1950 Tikni Martonate upro them alo. „Billy“, afka sar le les­kere paj­tasch­tscha akaren, pedar pro tscha­voripe, pedar pri daj taj pedar pro dad taj pedar o dschi­vipe andi Romen­geri sid­lung, phu­kal. Khe­tan pra da­jaha taj pre da­deha, la Rom­naha Gisela Nardai taj le ga­dscho­ha Heinrich Müller taj pra phen­jaha Gisela, o adi­veses­kero 67 berschen­gero Rom, andi 2ti Erbakeri Ro­men­ge­ri sid­lung, kaj akan i schpita ter­dschol, tscho­rikan upre bar­tschino. Read the rest of this entry »

Radijo Erba: Anka & Baki

November 4th, 2017  |  Published in Radijo Erba, Rassismus & Menschenrechte

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Eva Horvath

Die große Liebe brachte Anita Horvath nach Öster­reich: 1978 packte Anita Hor­vath ihre Koffer und ließ ihre Heimat­stadt Murska Sobota (Slowenien) zu­rück. Die junge Romni folgte ihrem Ehe­mann Em­me­rich Horvath (Baki) nach Österreich. Ge­mein­sam bauten sie sich eine Existenz in der Roma-Sied­lung in Unterwart auf. Aus der ge­mein­sa­men Ehe stam­men zwei Kinder – Tamara und Dominik. „Anka“, so wie sie von ihrer Familie oder Freun­den ge­nannt wird, wuchs in ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen auf. Da das Geld stets knapp war und sie auf ihre Ge­schwis­ter auf­pas­sen muss­te, blieb Anita nichts über, als bereits in jun­gen Jahren zum Ein­kommen bei­zu­tra­gen. So war ein regel­mäßi­ger Besuch der Schule nicht ge­ge­ben. Durch das Engage­ment einer Leh­re­rin, die zu ihr nach Hause kam und sie unter­rich­tete, erlern­te sie wenigstens das Lesen und Schreiben. Das Zu­sam­men­leben mit der Mehrheits­bevöl­ke­rung in Murska Sobota war auch nicht gera­de rosig, jedoch in Öster­reich war die Ab­neigung gegen­über Roma größer. Dies bekam auch Anita zu spü­ren. Sie war stets eine Kämpfe­rin und so hat sie sich durch ihren vor­bild­li­chen Ein­satz auch in Öster­reich durch­ge­setzt. Anitas Wunsch ist, dass ihre Fa­milie weiter­hin gesund bleibt und die Mensch­heit in Frieden zu­sam­menlebt.

O baro kamipe la Anita Horvath andi Austrija antscha. 1978 i Anita Horvath pre ko­fertscha po­kintscha taj pro haj­ma­takero foro Murska Sobota (Slovenija) pal peste muk­la. I terni Romni pre mur­scheha Emmerich Horvath (Baki) andi Austrija geli. Khe­tan, andi Romen­geri sidlung Tenuerba, jek eksis­tenca upre pu­menge bau­ninde. Andar o soha­ripe 2 tschave del – la Tamara taj le Dominik. „Anka“, afka sar oj pra familijtar taj pre pajta­schen­dar akardi ol, tscho­rikan upre bartschini. Read the rest of this entry »

Bulgarien: Vizepremier wegen Hetze verurteilt

November 1st, 2017  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Bulgariens Vizeregierungschef im Parlament (Foto: Youtube/Romea.cz)Bulgariens Vize­premier und In­tegra­tions­be­auf­trag­ter Waleri Simeonow we­gen einer Hass­rede ge­gen Roma ver­ur­teilt.

Deutsche Welle: Es war eine doppelte Premiere für Bulgarien: Das Kreisgericht Burgas ver­urteil­te in der ers­ten Instanz den Vize­regierungs­chef Waleri Simeonow wegen einer Hate Speech gegen­über der Roma-Min­der­heit im Lande. Einer­seits waren bisher die bulga­ri­schen Gerichte sehr zöger­lich, wenn es um Hassreden gegen Roma ging. Gleich­zei­tig wurde bis­lang in Bulgarien noch nie ein stell­ver­treten­der Regierungs­chef ver­urteilt (…). Eine Stellung­nahme der Regierung dazu blieb aller­dings aus und Simeonow be­hielt seinen Posten. (…) Verurteilt wurde er wegen einer Rede im bulgari­schen Parlament am 17. De­zem­ber 2014. Der 62-jäh­rige Politiker (…) sagte über die Roma unter an­de­rem:

Es sind dreiste, wild ge­wor­dene men­schen­ähn­li­che Wesen, die auf Lohn ohne Arbeit be­stehen und die das Kranken­geld kas­sieren, ohne krank zu sein. Die das Kinder­geld be­kom­men für Kinder, die auf der Straße mit den Schwei­nen spie­len, und für Frauen mit einem Instinkt von Stra­ßen­hün­din­nen.

Das Gericht stellte fest, dass diese Aussage (…) als Hetze gegen die Roma-Min­der­heit zu be­han­deln ist. Solche Aus­sagen, heißt es in der Urteils­begrün­dung, würden „eine feind­liche, er­nied­ri­gende, dif­famie­rende und be­leidi­gen­de Atmo­sphäre schaf­fen, so­dass sich jede Person mit einer ethni­schen Roma-Zu­ge­hö­rig­keit davon betrof­fen fühlen kann.“ Geklagt haben zwei Roma-Jour­na­lis­ten: Kremena Budinova und Ognian Issaev. Da sie aus­drück­lich kein Schmer­zens­geld wollten, wur­de Simeonow nur dazu verurteilt, die in­kri­mi­nier­te Tat ein­zu­stellen und in Zukunft davon ab­zu­sehen. In einer Erklä­rung nach dem Urteil erin­nert die An­wäl­tin Margarita Ilieva daran, das der Ver­urteil­te nicht nur Vizepremier, son­dern auch Leiter des Integra­tions­rats für eth­ni­sche Minder­hei­ten ist.

Simeonows Partei NFSB sieht in ihrem Wahlprogramm die Auf­lö­sung der „Zigeuner­ghettos“ vor so­wie die Iso­lie­rung der Roma in geschlos­se­nen „Reservaten“ nach dem Vor­bild der Indianer- oder Abori­gine-Re­ser­vate, die zu einer „Touris­ten-Attrak­tion“ wer­den könn­ten. Im Ver­lauf seiner Karriere als Politiker hat er sogar über „mo­der­ne Kon­zentra­tions­lager“ sin­niert. Read the rest of this entry »

GfbV-Bericht: „Fahrende Roma in der Schweiz“

Oktober 31st, 2017  |  Published in Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Fahrende in der SchweizGesellschaft für bedrohte Völker Schweiz (Hg): Fahrende Roma in der Schweiz. Bedürfnisse, Herausforderungen und Perspektiven, Bericht v. Okt. 2017, 88 S.

>>Download: „Fahrende Roma in der Schweiz“ (PDF)

Im Rahmen des Projektes «Fahrende Roma in der Schweiz » hat die Gesell­schaft für be­droh­te Völker (GfbV) in Zu­sam­men­arbeit mit dem Verband Sinti und Roma Schweiz einen Bericht er­ar­bei­tet, der Auf­schluss über die Lage und Be­dürf­nisse der fah­ren­den Roma gibt sowie die Per­spek­tive der Polizei re­flek­tiert. Darüber hinaus will der Ende Ok­to­ber 2017 ver­öffent­lich­te Bericht einen Ein­blick in die Ge­schichte, Kultur und so­zia­le Or­gani­sa­tion der Roma ver­schaf­fen und setzt sich mit ihrer recht­li­chen Situa­tion in der Schweiz aus­einan­der. Schließ­lich for­mu­liert die GfbV kon­krete Empfeh­lun­gen zur Ver­bes­se­rung der gegen­wär­ti­gen Si­tu­ation.

Rechtlicher Schutz und Platzsituation

Aus rechtlicher Perspektive haben nicht nur Schweizer, son­dern auch aus­län­dische fahrende Min­der­hei­ten An­spruch auf ein Halte­recht in der Schweiz – dies unter ande­rem auf­grund des Dis­krimi­nie­rungs­ver­botes und des Min­der­heiten­schutzes. Im neuen Bericht der GfbV wer­den daher detail­liert die völker- und ver­fassungs­recht­li­chen Grund­lagen be­schrie­ben, unter de­ren Schutz die fahrenden Roma in der Schweiz ste­hen. Sind diese im Besitz einer Reise­gewerbe­bewil­li­gung, so ist ihnen die Erwerbs­tätigkeit in der Schweiz er­laubt. Die meisten Roma, welche die Schweiz durch­reisen, stam­men aus west­euro­päi­schen Ländern und ar­beiten jeweils meh­rere Monate in der Schweiz. Gemäß Frei­zügig­keits­abkom­men zwi­schen der EU und der Schweiz sollen sie bei Einreise, Ausreise und Arbeit gleich­berech­tigt gegen­über Schwei­zerin­nen und Schwei­zern sein. Die Dis­krimi­nie­rung von fahren­den Roma auf Schweizer Halte­plätzen zeigt je­doch auf, dass in der Reali­tät das Gegenteil der Fall ist: In den letzten Jahren hat sich die Situa­tion für die fahren­den Roma bezüg­lich Transit- und Durch­gangs­plätzen stark ver­schlechtert.

Viele Kantone haben begonnen, ihre Plätze nach «Schweizer Fahrende» und «auslän­dische Fahrenden» auf­zu­teilen. Laut Stand­bericht 2015 des Gut­achtens «Fahrende und Raumplanung» sind mehr als die Hälfte der be­ste­hen­den Durch­gangs­plätze für «aus­län­di­sche Fah­rende» nicht mehr ge­öffnet. Read the rest of this entry »

Berlin: „Abseits im eigenen Land“

Oktober 28th, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Sport, Veranstaltungen & Ausstellungen

Roma im Sport„Abseits im eigenen Land“ – Sinti- und Roma-Sportler

Eine Ausstellung von Andrzej Bojarski

Zu sehen vom 1. Nov. bis 20. Dez. 2017 im DokuZ Sinti und Roma Berlin. Öff­­nungs­­zei­­­ten: Mo. und Mi. von 9.30 Uhr bis 16.00 Uhr so­­­wie auf An­­­fra­­ge (berlin@sintiundroma.de)

Eröffnung mit Podiumsdiskussion am 30.10.2017:
Thema „Diskriminierung und Sport“
19:00 Uhr, DokuZ, Prinzenstraße 84.2

Rassismus im Sport – ein wichtiges und sehr akt­uel­les Thema: Ob im Stadion, im Verein oder in der Be­richt­erstat­tung, Ras­sis­mus und Anti­ziganis­mus zei­gen sich im­mer wieder und in unter­schied­li­chen Dimen­sio­nen: Die Aus­gren­zung reicht von der Ver­ba­li­sie­rung weit ver­brei­te­ter Vor­urteile, über neo­nazis­tische Hetz­paro­len (z.B. „Zick Zack Zi­geu­ner­pack“) bis hin zu ge­walt­täti­gen Über­griffen. In der Sportgeschichte gibt es zahlreiche Fälle von Dis­krimi­nie­rung und Aus­schluss – be­son­ders be­troffen sind Min­der­heiten­ange­hö­rige. Drei „ver­ges­sene Helden“ des Sports – Oswald Marschall, Walter Laubinger und Sergio Peter – werden in der Aus­stel­lung „Abseits im eigenen Land“ präsentiert.

Die Ausstellung wird mit einem Podiums­gespräch zum The­ma „Dis­kri­mi­nie­rung und Sport“ er­öffnet. Es diskutieren:

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Zentralrat erneuert Kritik an Kinderfilm

Oktober 27th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Screenshot aus Nellys AbenteuerZentralrat Deutscher Sinti und Roma erneuert Vorwurf des Antiziganismus gegen den Film „Nellys Abenteuer“. SWR zeigt sich uneinsichtig gegen berechtigte Kritik

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erneuert seine Kritik ge­gen den Kinderfilm „Nellys Abenteuer“ (wir be­rich­te­ten), den der SWR jetzt vor­ge­zo­gen aus­strahlen will. Der Zentral­rat hatte am 14. Sep­tem­ber 2017 ein Fach­gespräch in Berlin ver­anstaltet, an dem Ver­treter der Film­industrie, der Film­förde­rung sowie Wis­sen­schaft­ler und Jour­na­lis­ten teil­ge­nom­men hatten. Ver­tre­ter des SWR so­wie die Autoren und Be­tei­lig­ten der Film­pro­duk­tion wa­ren der Ein­ladung nicht ge­folgt. Auf der Grundlage des vom Zentralrat in Auftrag ge­ge­be­nen Gut­achtens von Pavel Brunßen, Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Berlin, teil­ten die Teil­nehmer der Gesprächs­runde im Wesent­li­chen die Vor­würfe des Zentral­rates. Der Film gebe An­lass, so­wohl in den Gre­mien der staat­li­chen Film­för­de­rung als auch bei­den Film­schaf­fen­den selbst über die Ethik des Filme­machens über Sinti und Roma nach­zu­denken. Dass die Re­pro­duk­tion von anti­ziga­nis­ti­schen Stereo­typen, wie sie in Nellys Abenteuer er­folgt, auch noch mit nahe­zu einer Mil­lion Euro Steuer­gelder fi­nan­ziert wurde und jetzt auch noch im öffent­lich-recht­li­chen Fernsehen, wie­derum fi­nan­ziert aus öf­fent­li­chen Geldern, ge­sen­det werden soll, sei kaum nach­voll­zieh­bar, re­sümier­te Romani Rose für den Zentralrat.

Während dieses Fachgesprächs wurde von den Teilneh­mern bis in die Details der Kamera­füh­rung hinein auf­ge­zeigt, wie die anti­ziga­nis­ti­schen Bilder um­ge­setzt wur­den: z.B. dokumen­ta­ri­sche Kamera / Hand­kamera, wenn Roma ge­zeigt werden, ver­sus Spielfilm­kamera / Stativ­kamera, wenn Nelly oder ihre Fa­milie auf­treten. Gera­de die Be­haup­tung der Filme­macher, es sei doch ein Spielfilm, der künst­le­ri­sche Frei­heit rekla­mie­ren könne, wird durch den gleich­zei­ti­gen An­spruch auf doku­men­ta­ri­sche Authen­ti­zität kon­ter­ka­riert. Wäh­rend die Figur der Nelly durchaus eine Ent­wick­lung durch­läuft, blei­ben die Roma-Fi­gu­ren sta­tisch, auch am Ende des Films blei­ben sie als Kri­mi­nel­le stehen.

Nellys Abenteuer stigmatisiert Roma als Kriminelle und Diebe. Im „Päda­go­gi­schen Begleit­mate­rial“ für Schulen wer­den die beiden wich­tigsten Roma-Fi­gu­ren, Roxana und Tibi, je­weils als kri­mi­nell vor­ge­stellt : „Roxana ist 15 Jahre alt … Sie verdient ihr Geld mit ihrem Bru­der durch Taschen­dieb­stahl. … In einem Jahr soll sie ver­hei­ra­tet wer­den – mit dem Sohn von Hokus.“ Read the rest of this entry »