Mai 25th, 2013 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Wenn man nachhakt, bleibt von den deutschen Horrorzahlen über den Ansturm angeblicher „Sozialtouristen“ wenig übrig
In Deutschland herrscht einige Aufregung über eine vermeintliche Flutwelle bulgarischer und rumänischer Roma: Die explodierende „Armutseinwanderung“ stelle deutsche Städte vor unlösbare Probleme, hört man. „Die meisten, die nach Deutschland kommen, sind Roma“, behauptet beispielsweise die FAZ; nicht weniger als der soziale Frieden stehe auf dem Spiel. Der deutsche Innenminister dachte bereits laut über „gezielte Einreisesperren“ nach, und auch Österreichs Innenministerin fordert nun Sanktionen gegen den „Sozialtourismus“ (und das, obwohl Österreich, wie sie selbst freimütig einräumt, davon gar nicht betroffen ist). Das alles ist Panikmache, losgetreten von einem Positionspapier des Deutschen Städtetags (PDF) und untermauert mit Zahlen, die alarmierend sind. Nur: Die Daten stimmen vorne und hinten nicht.
Das zeigen Recherchen des Mediendienstes Integration (MDI): Die Zahl von 147.000 Zuzügen aus Rumänien und Bulgarien im Jahr 2011 sei zwar nicht falsch. Unterschlagen werde dabei aber, dass zugleich auch eine beträchtliche Zahl bulgarischer und rumänischer Staatsbürger aus Deutschland fortgezogen sei. Berücksichtigt man die Zahl der Abwanderer, schrumpft die Zahl der Nettozuwanderung 2011 um 60 Prozent der kolportierten Zahl auf lediglich 58.350 Menschen. Hinzu kommt, dass in die Bruttozahl auch ein Teil der Saisonarbeiter mit eingerechnet wurden – Personen also, die sich in Deutschland gar nie auf Dauer niedergelassen haben. Der Mediendienst Integration schreibt dazu: Read the rest of this entry »
Mai 24th, 2013 |
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Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
„Die Art, wie Kollegen in Deutschland über ,die Roma‘ berichten, ist gefährlich und hat das Parkett des seriösen Journalismus verlassen. Die Roma. Damit fängt es schon an“, schrieb vor knapp drei Wochen Mely Kiyak in ihrer Kolumne „Es reicht!“ in der Frankfurter Rundschau – ein verärgerter, verzweifelter Stoßseufzer über die ressentimentgeladene Berichterstattung über Roma, bei der alle grundlegenden journalistischen Qualitätsstandards außer Kraft gesetzt scheinen: „Ich kenne keinen deutschen ,Romaberichterstatter‘, der sich ohne Übersetzer mit diesen Leuten unterhalten kann. Niemand spricht Rumänisch, Bulgarisch oder Romani, aber alle wissen Bescheid. (…) Warum funktioniert dieser Journalismus so, dass man sich von irgendwem irgendwas erzählen lässt? Wieso werden die Regeln für einen anständigen Journalismus bei ,den Roma‘ außer Acht gelassen?“
Fast täglich kann man sich am Zeitungskiosk davon überzeugen, wie recht Mely Kiyak damit hat. Und das freilich nicht nur in Deutschland: Zu einer reißerischen Titelstory aus Südtirol („Die Clans der Profibettler“), erschienen im Nachrichtenmagazin „ff“ vom 16. Mai 2013, ersucht uns die Initiative Minderheiten Tirol um die Veröffentlichung ihres offenen Briefes an die Redaktion:
Sehr geehrte Redaktion der ff,
beim Lesen Ihrer letzten Titelgeschichte „Die Clans der Profibettler“ könnte einem Angst und Bange werden: Die journalistische Recherche, die einen solchen Namen gar nicht verdient, wartet – statt mit Hintergrundinformationen und fundierten Aussagen – mit bloßen Behauptungen und Mythen („Bettlermafia“ der „rumänischen Banden“ … bis zu 8.000 Euro am Tag … die Zuhälter …), Hetze und Kriminalisierung auf, wie sie selten in dieser Form in einem Medium veröffentlicht werden darf. Der stigmatisierende Blick auf Menschen, die in Armut leben, mit seiner beharrlichen Betonung von Dreck, Gestank etc., die rassistischen Untertöne gegenüber Roma, das stereotype Bild von Betrügern und falschen Armen, die sich sogar noch über ihre Rechte und Pflichten informieren, um das „geschickte Ausnützen“ zu perfektionieren … – Satz für Satz ist diese Titelgeschichte nicht nur ein Ärgernis, sondern auch eine Gefahr für demokratische Gesellschaften, in denen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in dieser extremen Form keinen Platz mehr haben sollte. Umso bedauerlicher, dass sie auf Menschenrechten und demokratischen Grundwerten beruhende Haltungen auch noch als „politically correct“ marginalisieren und fast schon der Lächerlichkeit preisgeben. Dementsprechend ihrer „Problem-Konstruktion“ (bettelnde Roma, die die Südtiroler Bürger verärgern) fällt dann auch ihre „Problemlösung“ aus, die sich in erster Linie auf Sicherheit, Ordnung und repressive Maßnahmen sowie auf eine polizeiliche Sichtweise des „Problems“ konzentriert. Glücklicherweise ist in Demokratien die Armutsbekämpfung noch immer eine Angelegenheit der Politik und nicht der Polizei. Read the rest of this entry »
Mai 21st, 2013 |
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Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
„… die Frage ist nur, wie dies passiert“
Vom Romano Centro in Wien erreicht uns folgender Text des Vereinsobmanns Ferry Janoska, der vergangene Woche im Standard als „Kommentar der anderen“ publiziert wurde. Gerne kommen wir der Bitte um Veröffentlichung nach. Zugleich möchten wir Sie bei dieser Gelegenheit auch auf die morgige Veranstaltung „Ein Abend für Ceija Stojka“ im Romano Centro hinweisen (22.5.2013, 19:00, Hofmannsthalgasse 2/2, 1030 Wien): Karin Berger wird über die Zusammenarbeit mit Ceija Stojka und die Entstehung der Filme und Bücher sprechen, es werden Ausschnitte aus dem Film „Ceija Stojka“ (1999) gezeigt. Ceijas Schwiegertochter Nuna Stojka wird Texte lesen. Im Anschluss gibt es Raum für Fragen und Erinnerungen an eine der bedeutendsten Roma-Künstlerinnen und Aktivistinnen unseres Landes.
Reizwort „Rassismus“: Der Fall Ceipek als Prüfstein für den Zustand der heimischen Diskussionskultur
Der Standard/Ferry Janoska, 16.5.2013: In den letzten Monaten sind von Norbert Ceipek zwei Interviews erschienen. Das erste in der Frankfurter Allgemeinen („Elend als Geschäftsmodell“, 24.2.), das zweite im Standard (30. 3.). In beiden Interviews betont er, dass im Bereich des Kinderhandels sowohl die Täter als auch die Opfer überwiegend Roma/Romnja sind. Diese Problematik zu benennen ist grundsätzlich nichts Schlechtes, die Frage ist nur, wie dies passiert. Besonders in der FAZ spricht Ceipek in verallgemeinernder Weise über „Roma-Clans“, wodurch der Eindruck entsteht, alle Roma-Familien in Rumänien wären in solchen „Clans“ organisiert. Drastisch erzählt er von extremem Reichtum auf der einen Seite und vom Elend auf der anderen. Diese Ungleichheit gibt es – aber wieso wird bei Roma/Romnija immer angenommen, sie wären über kriminelle Aktivitäten reich geworden? Vielleicht weil es nicht in das stereotype Bild von den Roma-Elendssiedlungen im „Osten“ passt? Auch Roma und Romnija sind quer durch alle sozialen Schichten vertreten und z. B. auch als Ärzte, Sozialarbeiter oder in anderen Berufen erfolgreich tätig. Sie aber werden nicht als Roma wahrgenommen.
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Mai 20th, 2013 |
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Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Rassismusparagraph kehrt sich in Ungarn gegen die Minderheit: Harte Urteile gegen Roma, weil sie tätlich gegen Neonazis vorgingen. Die verbotene „Ungarische Garde“ hatte zuvor ihre Romasiedlung eingeschüchtert.
Pusztaranger, 10.5.2013: (…) Rassismus wird von der ungarischen Justiz konsequent geahndet – allerdings nicht bei rechtsextremen Hassverbrechen gegen Minderheiten, sondern im Fall von Roma, die sich tätlich gegen rechtsextreme Angriffe wehren. Laut der neuen Verfassung schützt der Rassismusparagraph mittlerweile auch die ungarische Mehrheits(volks)gemeinschaft vor „rassistisch“ motivierten Angriffen, in diesem Fall Mitglieder der verbotenen Ungarischen Garde.
Neun Roma aus Sajóbábony, die 2009 Mitglieder der Ungarischen Garde angegriffen hatten, wurden in Miskolc wegen „Gewalt gegen eine Gemeinschaft“ (Rassismusparagraph, wirkt strafverschärfend) und Sachbeschädigung zu insgesamt 27 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt, so hvg. Die neun Männer demolierten am 14. November 2009 mit Stöcken, Äxten und Stangen bewaffnet ein Auto, in dem Mitglieder der Ungarischen Garde saßen. Während des Angriffs schrien sie: „Wir bringen euch um, ihr stinkenden Magyaren!“ (Anm.: Zwei der Insassen wurden leicht verletzt.)
Am Tag zuvor hatte in Sajóbábony eine Gardeversammlung stattgefunden, und die Romabevölkerung verbrachte die Nacht in Angst und Schrecken. 2008 und 2009 war die Zeit der Mordserie an Roma mit sechs Todesopfern und die Stimmung entsprechend aufgeheizt. (Das Verfahren läuft; gibt es bis 20.8.2013 kein Urteil, müssen die rechtsextremen Angeklagten freigelassen werden.) Als sich dann nachts erneut ein mit Gardisten besetztes Auto dem Dorf näherte, wurden es von den Angeklagten auf der Zufahrtsstraße angegriffen. Die Angeklagten hatten die Sachbeschädigung gestanden, jedoch war es Aufgabe des Gerichts, zu überprüfen, ob der Angriff rassistisch motiviert oder aus Angst und Selbstschutz erfolgt war, so hvg. Laut dem Gericht handelt es sich um eine rassistisch motivierte Straftat.
Siehe auch ausführlich: morgenpost.de: „Rassismus“ gegen Rassisten – Haftstrafen für Roma, von Boris Kálnoky.
Aus der Stellungnahme der Bürgerrechtsorganisation TASZ:
„Dieses Fehlurteil des Gerichts gibt deshalb Grund zur Sorge, weil unserer Erfahrung nach in Verfahren gegen Roma immer häufiger wegen Rassismus geklagt wird, während bei rassistischen Handlungen gegen Roma entweder überhaupt kein Verfahren eröffnet wird oder die Behörden die Straftaten nicht als Hassverbrechen, sondern als geringere Vergehen qualifizieren, die milder bestraft werden, und die Mehrheit der Fälle noch im Ermittlungsstadium eingestellt werden.“ (Quelle; vgl. auch hier). Read the rest of this entry »
Mai 16th, 2013 |
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Politik, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte
Sinti und Roma in Schleswig-Holstein
Deutschlandradio Kultur, 10.5.2013
Von Dietrich Mohaupt
Als erstes Bundesland Deutschlands hat Schleswig-Holstein 2012 den Minderheitenschutz für Sinti und Roma in der Landes verankert. Sie haben nun den gleichen Anspruch auf Schutz und Förderung wie die nationalen Minderheiten der Dänen und Friesen. Doch Missverständnisse und Konflikte sind noch immer beinahe alltäglich.
Artikel 5, Absatz 2 der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein – seit dem 14. November vergangenen Jahres heißt es dort: „Die kulturelle Eigenständigkeit und die politische Mitwirkung nationaler Minderheiten und Volksgruppen stehen unter dem Schutz des Landes, der Gemeinden und Gemeindeverbände. Die nationale dänische Minderheit, die Minderheit der deutschen Sinti und Roma und die friesische Volksgruppe haben Anspruch auf Schutz und Förderung.“
Es sind sieben kleine Worte, die der Landesverfassung hinzugefügt wurden und die jetzt die deutschen Sinti und Roma unter besonderen Schutz stellen – dafür gab es viel Anerkennung, auch von höchster Stelle. Bundespräsident Joachim Gauck sparte nicht mit lobenden Worten bei seinem Antrittsbesuch in der Landeshauptstadt Kiel im März. (…)
Immerhin gut 20 Jahre und sechs Versuche waren erforderlich, bevor die notwendige 2/3-Mehrheit für eine Verfassungsänderung im Landesparlament zustande kam. Nach den vielen vergeblichen Anläufen sind jetzt die Erwartungen entsprechend hoch. Als Zeichen, als wichtiges Symbol für ganz Deutschland, sogar darüber hinaus für Europa, betrachten viele die Entscheidung des Landtags in Kiel. (…) Read the rest of this entry »
Mai 7th, 2013 |
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Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
„Typisch Zigeuner“? – Mythos und Lebenswirklichkeiten
4.5. bis 7.6.2013
Ausstellung von RomnoKher Mannheim
Ausstellungszentrum Pyramide
Riesaer Straße 94, 12627 Berlin-Hellersdorf
Fragt man heute Menschen in Deutschland, was ihnen zu Sinti und Roma einfällt, dann weiß kaum jemand etwas zu sagen. Fragt man sie, was ihnen zu „Zigeunern“ einfällt, so kommt eher eine Sammlung alter Vorurteile zusammen; die wohl jeder kennt. Daneben gibt es auch eine unangemessene Romantisierung in Bildern und Liedern. Antiziganismus, also Vorurteile und (un)bewusste Abneigung gegenüber Sinti und Roma bis hin zur Missachtung ihrer Menschenwürde, ist nach wie vor mitten in der Gesellschaft vorhanden und vereinzelt immer noch tief verwurzelt. Durch den vermehrten Zuzug von Roma nach Berlin in den letzten Jahren wird dieses Phänomen auch bei uns zunehmend deutlich sichtbar.
Die Ausstellung „Typisch Zigeuner“ ? – Mythos und Lebenswirklichkeiten wurde von Daniel Strauß vom Haus für Kultur, Bildung und Antiziganismusforschung RomnoKher in Mannheim herausgegeben und von Dr. Udo Engbring-Romang konzipiert und umgesetzt. Sie lädt zur fundierten Auseinandersetzung mit dem Thema ein. So dokumentiert sie nicht nur auf vielfältige Weise „Zigeunerbilder“ aus Literatur, Musik, Malerei und Film, sie informiert auch über die Geschichte der Sinti und Roma und beleuchtet den Antiziganismus in Politik, Wissenschaft und Institutionen. In einem zweiten Teil wird auf die heutige Situation, die Lebenswirklichkeiten von Sinti und Roma, mit besonderem Schwerpunkt auf die Bildungssituation eingegangen. Read the rest of this entry »
Mai 6th, 2013 |
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Einrichtungen, Internet & Blogothek, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte
Roma sam
Radijo Burgenland: 6.5.2013, 20:50 orenge/Uhr (on demand)
Rassismus gegen Volksgruppe | Rasismus gejng i flogoskeri grupn
„Paloda, o terne Roma o rasistischi kipi taj pisiniptscha gejng pumari flogoskeri grupn upri Facebook rik ,M***s Oberwart‘ dikle, ando kontakto manca gele taj pomoschago mandar mangle“, phenel i Monika Scheweck andar o referat le etnischi grupnenge. On o link mange bitschade, me mange i rik aun diklom taj mindschart le fatreterenca le jekoschne Romengere farajnendar ando kontakto gejom, phenel i Scheweck bajder. O „rasistischi kipi“ telal o Roma hojanipe ande. Vaschoda, Erbate uso harengere gejng o keraschi adala rikatar, jek aun sesinipe kerdo ulo, phenel i Monika Scheweck. Akan iste uscharas, so adaj ari al, afka i Scheweck bajder. O cile adale aun sesinipeha, jek barikani joma gejng saki forma le rasismusistar kerde, afka o schero le referatistar le etnischi grupnenge. Buteder pedar, schunen tumen andi adivesakeri sendung Roma sam upro Radijo Burgenland. (volksgruppen.orf.at)
„Nachdem junge Roma die rassistischen Äußerungen gegenüber ihrer Volksgruppe auf der Facebook-Seite ,M***s Oberwart‘ (mehr hier) entdeckt haben, kontaktierten sie mich und baten mich um Hilfe“, erzählt Monika Scheweck vom Referat für ethnische Gruppen der Diözese Eisenstadt. „Sie schickten mir den Link, ich sah mir die Seite an und danach kontaktierte ich sofort die Vertreter der einzelnen Roma-Vereine“, so Scheweck weiter. „Die rassistischen Postings lösten unter den Roma eine Empörungswelle aus. Daraufhin wurde eine Anzeige gegen den Betreiber bei der Polizei in Oberwart eingebracht”, sagt Monika Scheweck. Read the rest of this entry »
Mai 2nd, 2013 |
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Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Ausstellung in Linz: Angriff auf Plakatkunst von Roma-Künstlerin Marika Schmiedt – und der Verfassungsschutz lässt Ausstellung entfernen?
Die österreichische Künstlerin und Filmemacherin Marika Schmiedt gehört zu den wichtigsten Stimmen der Roma-Gegenwartskunst. 2011 präsentierte sie ihre Videoarbeiten auf der Biennale in Venedig („Call the Witness“). Zuletzt zeigte Künstlerin ihre Arbeiten beim Linzer Ausstellungsprojekt „Die Gedanken sind frei“. Unter dem Untertitel „Angst ist Alltag für Roma in EUropa“ konfrontierte sie Passanten mit politisch provokanten Grafiken auf einem Baustellenzaun (Fotos: hier und hier) – mit ungeahnten Folgen. Ihre satirische Plakatserie nimmt vor allem die jüngsten politischen Entwicklungen in Ungarn ins Visier, die nicht nur bei Angehörigen exponierter Minderheiten wie Roma oder Juden Besorgnis auslösen; auch EU und Europarat zeigen sich zunehmend alarmiert (einen kurzen Überblickstext mit zahlreichen Links finden Sie hier).
Marika Schmiedt selbst schreibt über Ihre in Linz gezeigten Collagen: Read the rest of this entry »
Mai 2nd, 2013 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Viele Beobachter sind sich einig: Ungarns Demokratie gerät unter der rechtsnationalen Regierung Viktor Orbáns zusehends auf die schiefe Bahn. Der Rechtsstaat wird ausgehöhlt, Minderheitenangehörige leben in Angst, und es ist an der Zeit, dass Europa reagiert. Tatsächlich hat die EU dem Mitgliedsstaat nun wegen der aktuellen Verfassungsänderungen die Rute ins Fenster gestellt: EU-Justizkommissarin Reding hat angekündigt, ein Verfahren gegen das Land zu prüfen; Ungarn könnte in der Folge sogar das Stimmrecht im Ministerrat entzogen werden. Auch der Rauswurf von Orbáns Fidesz aus der Europäischen Volkspartei steht im Raum. Der Europarat wiederum will im Juni ein Monitoring-Verfahren gegen Ungarn einleiten, um zu prüfen, ob Ungarn die Europarats-Konventionen sowie die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) einhält. Ungarn wäre der erste Staat der EU, gegen den ein solches Verfahren eingeleitet würde.
Antisemitismus und Roma-Feindlichkeit stehen hoch im Kurs, rassistische Ausfälle hört man – unwidersprochen – selbst aus Orbáns engstem Umfeld. Im Vorjahr dokumentierte der Kállai-Bericht das Ausmaß des amtlichen Rassismus in Ungarn; dazu zählen etwa auch bewachte Zwangsarbeitsprogramme für Roma. Die neonazistische Partei Jobbik und ihre (offenbar nur auf dem Papier) verboteten paramilitärischen Trupps der „Ungarischen Garde“ setzen erfolgreich auf Einschüchterung durch Aufmärsche in Roma-Vierteln und Dauerhetze gegen die Volksgruppe. Read the rest of this entry »
April 24th, 2013 |
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Internet & Blogothek, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
18 Jahre nach Vierfach-Mord: Facebook-Hetze gegen Roma in Oberwart. Polizei ermittelt gegen anonyme Betreiber der Facebook-Gruppe.
OTS, 24.4.2013: Das Nachrichtenmagazin NEWS berichtet in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe von rassistischen Postings gegen Roma in Oberwart und den dadurch ausgelösten Ermittlungen. Ausgerechnet auf einer Facebook-Gruppe über Oberwart, wo vor 18 Jahren vier Roma bei einem Rohrbombenanschlag ermordet wurden, wurde nun massiv gegen die Minderheit der Roma gehetzt. So wurde dort etwa ein Hitler-Bild aus dem Film „Der Untergang“ mit dem Text „Seit wann gibt es in Oberwart a Bombentestgelände“ veröffentlicht. In mehreren weiteren Postings wurde massiv gegen die Volksgruppe der Roma gehetzt.
Nach einer Anzeige bei der Polizei wird nun wegen des Verdachts der Verhetzung ermittelt. Die Urheber der Facebook-Gruppe sind (noch) anonym und haben die rassistischen Postings zwischenzeitig von der Seite entfernt.
(APA-OTS: Pressemitteilung der Verlagsgruppe News, 24.4.2013)