Rassismus & Menschenrechte
Oktober 1st, 2026 |
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Dokumente & Berichte, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
„Mit dem rassistischen »Groß-Klimawandel« ist auch der »böse Blick« wieder da“ – Freiburger Roma/Sinti-Diskriminierungsbericht 2026 veröffentlicht
Beitrag auf Radio Dreyeckland: →Anhören (mp3)
Diskriminierungsbericht: →Download (pdf)
Kürzlich wurde im Haus Weingarten in Freiburg (Baden-Württemberg) der aktuelle Freiburger Roma/Sinti-Diskriminierungsbericht vorgestellt. Herausgegeben wird er vom Freiburger Roma-Büro in Kooperation mit dem Sinti-Verein. Wieder einmal ist es eine beeindruckende Sammlung von erlebtem Rassismus durch die Betroffenen. So will er einerseits für Nichtbetroffene die Diskriminierung nachfühlbar machen und andererseits die Sprachbildung über erlebte Verletzungen fördern, um so die Voraussetzung für Selbstermächtigung und Resilienz zu schaffen. Gegliedert ist er in die Themenbereiche Schule, Polizei, Öffentlichkeit, Behörden, Arbeit, Wohnen und Gesundheit, jeweils kommentiert von Tomas Wald vom Roma-Büro. Radio Dreyeckland hat mit ihm über den aktuellen Bericht gesprochen.
(Radiobeitrag und Text: RDL)
September 30th, 2026 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Jan Ort: The Roma as Agents of the “G*psy Question”. Belonging, Mobility and the Resettlement Policy in Socialist Czechoslovakia, Karolinum Press: Prague 2024.
Open Access: →zum Download [CC-BY-4.0]
Das Buch untersucht die Assimilationspolitik des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei der 1960er-Jahre, die durch die Zwangsumsiedlung tausender Roma-Familien deren Lebensweise zerstören sollte. Statt nur die staatliche Perspektive einzunehmen, beleuchtet der Autor die konkrete Umsetzung vor Ort und stellt die Erfahrungen sowie die Handlungsfähigkeit der Roma selbst in den Mittelpunkt, die die staatlichen Maßnahmen oft auch für ihre eigenen Lebensstrategien nutzten.
Verlagsbeschreibung (Karolina Press):
The story of Romani people in communist Czechoslovakia has long been framed by a discriminatory policy of assimilation, and thus by fatal interventions into Romani family ties and their broader socio-cultural systems. Paradoxically, such a narrative failed to satisfactorily integrate the perspective of the Roma themselves, who often associated the same period with an unprecedented experience of social inclusion and material security. In his book, Jan Ort examines the state policy that in the mid-1960s aimed at the definitive elimination of “G*psy backwardness” through the placement of thousands of Roma families in non-Roma society, thus becoming a symbol of the social engineering interventions of the communist regime in the lives of Czechoslovak Roma. In contrast to the predominant focus on the perspective of state authorities, the author seeks to map the practice of this policy in specific places, with an emphasis on the experiences and agency of the Roma themselves, especially those who had their homes in eastern Slovakia. Read the rest of this entry »
September 19th, 2026 |
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Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte
Festivalerfolg für die rumänische Roma-Filmemacherin Alina Șerban bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig: Ihr Langfilmdebüt „I Matter“ (Originaltitel: Eu contez) erhielt den Publikumspreis der Sektion Venice Spotlight.
2021 machte die rumänische Autorin und Schauspielerin Alina Șerban mit ihrem Kurzfilm „I Matter“ auch als Regisseurin auf sich aufmerksam; sie selbst spielte die Hauptrolle. Nun präsentierte Șerban ihr gleichnamiges, aus dem Kurzformat weiterentwickeltes Langfilmdebüt, für das sie sich nun gänzlich hinter die Kamera zurückzog. Am 8. September feierte der Spielfilm seine Weltpremiere bei den 83. Internationalen Filmfestspielen in Venedig. Damit ist Alina Șerban, nach dem französischen Cannes-Preisträger Tony Gatlif (1948–2026), die erste Roma-Regisseurin, deren Film in die offizielle Auswahl eines der weltweit bedeutendsten A-Filmfestivals aufgenommen wurde – und sie wurde prompt mit dem wichtigsten Publikumspreis des Festivals ausgezeichnet.
Bei der Abschlussgala mi Palazzo del Cinema am Lido nahmen Șerban und Produzentin Ada Solomon vergangenen Samstag den von Armani Beauty gestifteten Audience Award entgegen, der in der Sektion Venice Spotlight vergeben wird.
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September 15th, 2026 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
In Italien leben 11.100 Sinti/Roma (Stand: April 2025) in ethnisch abgetrennten Siedlungen und Camps. 2016 waren es noch mehr als doppelt so viele.
(Quelle)
September 10th, 2026 |
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Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Alarmierendes, aber medial und politisch kaum thematisiertes Detail aus der neuen Umfrage des Österreichischen Integrationsfonds: Etwas mehr als die Hälfte der Menschen in Österreich gibt an, es würde sie „stören“, wenn sie Roma oder Sinti als Nachbarn hätten. Damit sind Roma und Sinti – nach Asylwerbern – die in Österreich am stärksten abgelehnte Gruppe.
Am Dienstag präsentierte Integrationsministerin Claudia Bauer gemeinsam mit dem Sozialwissenschaftler Rudolf Bretschneider die Ergebnisse der neue Integrationsumfrage des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF), die nun unter dem Titel „Was denkt Österreich?“ als Bericht vorliegen. Die österreichweite Meinungsumfrage wurde bereits zum vierten Mal unter der inhaltlichen Leitung Rudolf Bretschneiders durchgeführt. Umgesetzt wurde die aktuelle Befragung vom Meinungsforscher Peter Hajek. Die Erhebung analysiert die Einstellungen der österreichischen Wohnbevölkerung zu den Themen gesellschaftlicher Zusammenhalt, Migration und Integration.
Wenn Sie folgende Nachbar/innen hätten …
Die Frage zu Abb. 20 im Bericht (siehe unten) lautete im genauen Wortlaut: „Wenn Sie folgende Nachbar/innen hätten [Anm. der dROMa-Red.: Asylwerber, Roma, Muslime, Langzeitsarbeitslose etc.] – würde Sie das sehr, eher schon, eher nicht oder gar nicht stören?“
![Roma und Sinti gehören zu den am stärksten abgelehnten Gruppen. Kritik erregten die suggestiv vorgegebenen Antwortoptionen. [Abb. 20 aus: Österreichischer Integrationsfonds (Hg.): ÖIF-Integrationsbefragung 2026. Was denkt Österreich? Einstellungen zu den Themen Integration, Zusammenhalt und Zugehörigkeit mit einem Kommentar von Prof. Dr. Rudolf Bretschneider, Wien 2026] ÖIF 2026, Abb. 20](http://www.roma-service.at/dromablog/wp-content/uploads/2026/09/OeIF-2026-Abb-20.png)
Die Akzeptanz gegenüber Nachbarinnen und Nachbarn variiert in der Bevölkerung stark je nach der jeweiligen Gruppe. Besonders Roma und Sinti stoßen dabei auf massive Vorbehalte: Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) würde sich durch sie in der Nachbarschaft „gestört“ fühlen (21 Prozent „sehr störend“ und 32 Prozent „eher störend“; 3,1 Prozent Schwankungsbreite). Damit gehört diese Gruppe zu den am stärksten abgelehnten Gruppen. Read the rest of this entry »
September 7th, 2026 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Deutschland: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erstattet Strafanzeige gegen AfD-Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla
[Foto: Olaf Kosinsky/Wikimedia/CC BY-SA 3.0 DE]
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma stellt bei der Staatsanwaltschaft Heidelberg Strafanzeige und Strafantrag gegen den AfD-Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla wegen Volksverhetzung (§ 130 StGB) und Beleidigung (§ 185 StGB). Anlass ist der Auftritt Chrupallas bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung am 29. August 2026 im Kulturhaus Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern). Vor rund 400 Anwesenden nahm er dort Bezug auf den zuvor bekannt gewordenen Fund von Waffen und Munition in einem Wald bei Berlin und erklärte, die Waffen hätten „wahrscheinlich irgendwelche Zigeuner dort verloren, beim Pilzesuchen“. Die Zuhörer im Saal reagierten mit Gelächter und Beifall.
Der Zentralrat ist fassungslos darüber, dass 81 Jahre nach Auschwitz eine gesichert rechtsextreme Partei im Wahlkampf auf zynische Art wieder gegen Sinti und Roma hetzt. Der Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Chrupalla, bestätigt einmal mehr das Weltbild seiner Partei, die mit dem Schüren von Angst und dem Verbreiten von Hass gegen Minderheiten, Menschen ausgrenzt und stigmatisiert. In ihrer Ideologie verharmlosen sie die NS-Verbrechen als „Fliegenschiss“ der deutschen Geschichte. Read the rest of this entry »
September 2nd, 2026 |
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Film & Theater, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Science Slam in Marburg: Antiziganismus – Anna-Sophie Schönfelder
Was ist das eigentlich – Antiziganismus? Was hat das mit uns zu tun? Und was mit unserer Geschichte? Um das anschaulich zu machen, holt sich die Politikwissenschaftlerin Anna-Sophie Schönfelder (Website) Unterstützung von zweideutigen Brillen, ausgeschnittenen Denkblasen und Fantasiewesen im Einweckglas.
Den Science-Slam-Beitrag über ihre Forschung im Sonderforschungsbereich „Dynamiken der Sicherheit“ hat sie am 5. Juli 2025 im Herder-Institut in Marburg gehalten. Jetzt gibt es ihn auch als Film. Der Sonderforschungsbereich „Dynamiken der Sicherheit“ ist ein transregionales Kooperationsprojekt der Philipps-Universität Marburg, des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung Marburg und der Justus-Liebig-Universität Gießen: www.uni-marburg.de/de/sfb138
Infos zum Thema Antiziganismus und Film gibt es beim Critical Film & Image Hub an der Forschungsstelle Antiziganismus in Heidelberg.
Über die Autorin:
Anna-Sophie Schönfelder ist politische Theoretikerin und promoviert an der Justus-Liebig-Universität Gießen zum Zusammenhang zwischen deutschem Arbeitsethos und Antiziganismus. Read the rest of this entry »
August 26th, 2026 |
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Facts & Figures, Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Haarproben von Müttern in slowakischen Roma-Siedlungen weisen – infolge ihrer Lebensumstände – doppelt so viel Cortisol (ein Stresshormon) auf als die anderer Mütter.
(Quelle/pdf)
August 25th, 2026 |
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Rassismus & Menschenrechte
RAN: Rechtsextreme überfallen Roma-Familie in Ungarn. Keine Ermittlungen wegen Mordversuchs.
Roma Antidiscrimination Network/RAN: In dem ungarischen Ort Cegléd (Anm.: Komitat Pest) wurde Ende April eine Roma-Familie von Rechtsextremen überfallen. Die vermummten Angreifer schlugen das Fenster der Haustür ein und warfen einen Molotow-Cocktail in das Haus der Familie, in dem mehrere kleine Kinder und ein Säugling schliefen. Während sie ins Haus eindrangen, riefen die Täter: „Jetzt werdet ihr sterben!“ Sie begannen sofort, auf den Vater der Familie einzuschlagen und verletzten ihn dabei mit einer Machete. Der Vater verlor ein Stück seines Fingers. Ihm gelang es dennoch, das entstandene Feuer zu löschen. Obwohl sie maskiert waren, erkannte die Familie die Angreifer sofort. Sie leben in der Nachbarschaft. Die Mutter der Familie sagte gegenüber Medien, sie kenne den Angreifer seit 20 Jahren. Sie war überzeugt: Die Männer würden sie alle töten.
Die Polizei fand in der Wohnung der Angreifer diverse Waffen: Pistolen, Gewehre, ein Maschinengewehr, fast 150 Schuss Munition und mehrere Dutzend Waffenteile sowie einen Schlagring, in den ein Hakenkreuz geritzt ist. Bei den Angreifern soll es sich um einen 59-jährigen Mann und seinen 16-jährigen Sohn gehandelt haben. Die mutmaßlichen Täter sollen einer rechtsextremen Gruppierung namens „Friedenswächter“ angehören. Anschenend sind sie nach wie vor auf freiem Fuß. Ein Medienportal schreibt lediglich, es würden voraussichtlich Kontakt- bzw. Annäherungsverbote gegen die Täter verhängt. Die angegriffene Familie lebt seither in Angst und traut sich kaum noch aus dem Haus.
Es war nicht der erste Angriff auf die Familie. Bereits tagsüber hatte der 59-Jährige die Mutter angegriffen: Er hatte sie aus ihrem Haus gezerrt. Als jedoch ihr Partner nach Hause gekommen ist, war es ihm gelungen, den Angreifer zu vertreiben.
Hintergrund für den versuchten Mord an einer gesamten Familie, einschließlich mehrerer Kinder, war laut Medienberichten, dass die Kinder zuvor kleine Bäume aus dem Wald des mutmaßlichen Täters gefällt hätten, um ein Fußballtor zu bauen.
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August 22nd, 2026 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Marc Buggeln, Sebastian Lotto-Kusche: Aufarbeitung des an Sinti und Roma begangenen Unrechts in der Bundesrepublik Deutschland. Grundlagenkonzept für eine Wahrheitskommission, Springer VS: Wiesbaden 2024.
Marc Buggeln und Sebastian Lotto-Kusche legen mit dieser Publikation ein Grundlagenkonzept zur Wahrheit über das begangene Unrecht an den Sinti_ze und Rom_nja in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR vor. Zunächst fassen die Autoren den Erkenntnis- und Forschungsstand zur Geschichte von Sinti_ze und Rom_nja nach 1945 in beiden deutschen Staaten zusammen. Daraus abgeleitet wird der Forschungsbedarf und mögliche Fragestellungen der einzurichtenden Wahrheitskommission zur Aufarbeitung des an Sinti_ze und Rom_nja begangenen Unrechts (WASRU). Da Wahrheits- und Versöhnungskommissionen in Deutschland bislang keine Tradition haben und meist im unmittelbaren Übergangsbereich von Diktaturen und Apartheidsregimen hin zu Demokratien gegründet wurden, werten die Autoren die Erfahrungen dieser Kommissionen in unterschiedlichen Staaten weltweit aus. (Verlagsankündigung)
Dr. Marc Buggeln ist Universitätsprofessor für regionale Zeitgeschichte und Public History an der Europa-Universität Flensburg und Direktor der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History.
Dr. Sebastian Lotto-Kusche ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Postdoc an der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History der Europa-Universität Flensburg.
Siehe auch:
Deutschland beschließt Aufarbeitungskommission, 13.7.2026
August 21st, 2026 |
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Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Sebastian Sauer (2025): Im Kampf um eine gesellschaftliche Identität. Die Erinnerung an das Rohrbombenattentat von Oberwart 1995 in der österreichischen Medienlandschaft zwischen 2000 und 2020
Masterarbeit, Universität Wien (Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät), 154 S.
→Zum Download der UB Wien (pdf)
Abstract (Link):
Der Rohrbombenanschlag von Oberwart 1995 stellt eine Zäsur für die österreichischen Roma und Österreich im Gesamten dar. Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der Anschlag zwischen 2000 und 2020 in der österreichischen Medienlandschaft erinnert wurde. Hierzu werden die vier Printmedien Kronen Zeitung, Kurier, Der Standard und Die Presse untersucht. Audiovisuelle Medien finden durch Einbindung des ORFs in die Untersuchung Berücksichtigung. Basierend auf der Nachrichtenwerttheorie untersucht eine erste quantitative Analyse, welcher Stellenwert der Anschlagserinnerung über die Jahre von der österreichischen Presse zugewiesen wurde. Die anschließende qualitative Analyse versucht, durch die Einordnung in ein Kategoriensystem dominante Inhalte der Berichterstattung und mögliche Entwicklungen zu identifizieren. Anschließend werden aus der Berichterstattung herausstechende Thematiken und Artikel, die durch besonders hohes Maß von gesellschaftlichem Interesse geprägt sind, näher diskutiert. Durch dieses Vorgehen soll die Anschlagserinnerung im kulturellen Gedächtnis verortet werden und ihre Rolle in der Konstruktion einer österreichischen Identität beurteilt werden können. Read the rest of this entry »
August 17th, 2026 |
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Frauenrechte, Hochschulschriften, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Sophia Schönthaler (2025): Understanding political opportunities: Romani women’s political participation in Croatia, Italy and Sweden
Dissertation / Doctoral thesis, Karl-Franzens-Universität Graz (Centre for Southeast European Studies), 257 S.
→Download der UB Graz (pdf)
Abstract (Link):
Diese Dissertation untersucht, wie sich sich überschneidende Faktoren auf Makro-, Meso- und Individualebene auf die politische Partizipation von Romnja in Kroatien, Italien und Schweden auswirken. Durch ein exploratives Mehrfallstudiendesign geht die Forschung über die Analyse des formalen rechtlichen Zugangs hinaus und untersucht, wie historische Ausgrenzung, institutionalisierter Antiziganismus, geschlechtsspezifische Machtverhältnisse und persönliche Handlungsmacht miteinander interagieren, um politische Teilhabe zu ermöglichen oder zu erschweren. Geleitet von einer übergeordneten Forschungsfrage und vier miteinander verknüpften Unterfragen untersucht die Studie: (1) inwieweit politische und rechtliche Systeme für die Partizipation von Romnja offen oder geschlossen sind; (2) die Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Wahrnehmung formaler Beteiligungsmechanismen; (3) die Faktoren, die die politische Beteiligung beeinflussen; sowie (4) die Strategien, mit denen Romnja ihre Stimmen im politischen Raum geltend machen. Empirisch stützt sich die Dissertation auf ein qualitatives, multimethodisches Design, das Dokumentenanalysen mit 31 halbstrukturierten Experteninterviews kombiniert, die in den drei nationalen Kontexten durchgeführt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass politische Partizipation nicht einfach eine Frage formaler Rechte ist, sondern in mehrstufige Konstellationen von Ausgrenzung und Widerstand eingebettet ist. Während rechtliche Rahmenbedingungen auf dem Papier Möglichkeiten bieten, bleiben diese in der Praxis häufig unerfüllt. In allen drei Ländern bewegen sich Romnja in hybriden politischen Systemen – weder vollständig offen noch völlig geschlossen –, in denen formale Inklusion mit anhaltenden informellen Hürden koexistiert. Politische Handlungsmacht entsteht dabei häufig außerhalb formeller Arenen, etwa durch Basisarbeit, kommunale Organisationen und informelle Interessenvertretung. Theoretisch trägt diese Dissertation zur Neubewertung der Theorie der politischen Gelegenheitsstrukturen aus einer intersektionalen Perspektive bei. Sie zeigt, wie sich Rassismus, Geschlecht und strukturelle Ungleichheiten überschneiden und das politische Leben von Frauen mit Minderheitenhintergrund prägen. Read the rest of this entry »
August 7th, 2026 |
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Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte
Spielfilm von Šimon und Anna Domček
„33 kroků“, SK/CZ 2026, 71 min
Das Spielfilmdebüt der slowakischen Regisseure wurde im Juli beim Filmfestival in Karlovy Vary uraufgeführt. Den Trailer (ohne Untertitel) finden Sie hier.
Der Film basiert auf der wahren Geschichte des Protagonisten. Er handelt vom Rom Milan Daniel, der als 18-Jähriger in der Slowakei von Neonazis brutal angegriffen wurde [und der sich im Film selbst spielt]. Milan fällt ins Koma und erlebt den klinischen Tod. Währenddessen hat er Visionen, in denen der Teufel ihn in Versuchung führt und Jesus ihm rät, sich niemals zu rächen. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in derselben Stadt. Er arbeitet als Wachmann. Als er erfährt, dass sein ehemaliger Angreifer Erik aus dem Gefängnis zurück:kehrt, kommt Milans Trauma wieder zum Vorschein.
(Text: Slowakisches Filminstitut)
Juli 20th, 2026 |
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Film & Theater, Frauenrechte, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Spielfilm von Ivan Ostrochovský (SK / CZ / HU 2026)
Buch: Marek Leščak, Ivan Ostrochovský, 88 Min.
Der Film feierte seine Weltpremiere am 5. Juli beim Karlovy Vary International Film Festival und wurde mit dem FIPRESCI-Preis für den besten Film im Hauptwettbewerb ausgezeichnet.
Der Film spielt Mitte der 1980er Jahre, als der Staat mithilfe seiner Gesetze kontinuierlich Einfluss auf die intimsten Bereiche des Lebens seiner Bürger nahm. Ingrid (Aňa Geislerová) ist eine ehrgeizige Ärztin, deren Aufgabe es ist, Kinder zur Welt zu bringen, ungewollte Schwangerschaften abzubrechen und an der Sterilisation von Roma-Frauen mitzuwirken. Die melancholische Frau hat größere Bedenken hinsichtlich ihrer privaten Situation als hinsichtlich ihres Berufslebens – zumindest bis sie von einer neuen Freundschaft mit einer charismatischen Roma-Pflegehelferin „überrascht“ wird. Die spontane Agáta (Simona Boledovičová) zeigt Ingrid die menschlichen Züge einer ethnischen Minderheit, die von den Kommunisten auf ein demografisches Problem reduziert wurde. Ivan Ostrochovskýs fesselndes Drama greift ein bis heute unaufgearbeitetes Thema der tschechoslowakischen Geschichte auf, als der der Staat über die Möglichkeit, Kinder zu bekommen, bestimmte. (Karel Och / KVIFF 2026)
Aus dem Statement der Jury: Read the rest of this entry »
Juli 13th, 2026 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Unrecht gegen Sinti und Roma nach 1945: Deutsches Bundeskabinett beschließt Einrichtung einer Aufarbeitungskommission
Das deutsche „Bundeskabinett hat am 6. Juli 2026 die Einsetzung einer Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des Unrechts an Sinti und Roma in der Bundesrepublik Deutschland und in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) nach 1945 beschlossen“, meldet das deutsche Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf seiner Website. „Auf Grundlage dieses Kabinettsbeschlusses wird der Parlamentarische Staatssekretär und Beauftragte der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutschland, Michael Brand, die Mitglieder der Kommission auswählen und ernennen.“ Die Kommission wird das historische Unrecht nach 1945 wissenschaftlich erfassen und dokumentieren. Dazu sollen unter Auswertung bisheriger Erkenntnisse auch eigene wissenschaftliche Studien, Anhörungen und Interviews mit Betroffenen und Angehörigen durchgeführt werden. Die Arbeiten werden in einem Abschlussbericht vorgelegt werden, in dem auch Empfehlungen der Kommission an Politik und Gesellschaft ausgesprochen werden.
Eine Geschäftsstelle bei der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) wird die neue Aufarbeitungskommission unterstützen; für die Mittel der Geschäftsstelle kommt der Beauftragte auf. Mit der Installierung der Aufarbeitungskommission setzt die deutsche Bundesregierung nun die Empfehlung einer fraktionsübergreifenen Entschließung des Deutschen Bundestages vom 13. Dezember 2023 (Drucksache 20/9779) um. Darin hatte der Bundestag die Empfehlung des umfassenden Abschlussberichts der Unabhängigen Kommission Antiziganismus um, die 2019 vom damaligen Bundesinnenminister Horst Seehofer eingesetzt worden war.
Michael Brand sieht die Einsetzung der Kommission als einen „längst überfälliger Schritt für Sinti und Roma und zugleich für unsere gesamte Gesellschaft“: Read the rest of this entry »
Juni 22nd, 2026 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Die jüngsten Angriffe (siehe Teil 1: „Pogrom in Belfast: auch Roma betroffen“) stehen in einer langen Tradition rassistischer Gewalt gegen Roma in Nordirland. Sie tragen dieselbe Handschrift wie die Ausschreitungen 2009, 2014 und 2025.
Anti-Roma-Gewalt 2009: Schlägertrupps in Belfast
Bereits im Juni 2009 wurden rund 110 rumänische Roma, die großteils in zwei Straßen im Süden Belfasts lebten, Ziel wiederholter Einschüchterungen und Gewalt. Die Angreifer riefen rassistische Parolen und schleuderten Flaschen, Molotowcocktails und Ziegelsteine, Fenster wurden eingeschlagen und Türen eingetreten. Die Täter waren junge Männer aus einem als „Village“ bekannten protestantischen Viertel. Dort fand die Polizei auch mehrere Rohrbomben, die für Anschläge auf Roma vorgesehen waren. Auch die Neonazigruppe „C 18“ beteiligte sich an den Angriffen. Nach tagelangen Attacken mussten die Roma ihre Wohnungen unter Polizeischutz verlassen. Sie fanden Aufnahme in einer Kirche und einem Sportzentrum, später wurden Notunterkünfte bereitgestellt. Rund 100 Angehörige der 20 bis 30 Großfamilien kehrten in der Folge aus Angst nach Rumänien zurück. Manche reisten nach Monaten wieder nach Nordirland. Sie berichteten von neuerlichen Vorfällen.
Anti-Roma-Gewalt 2014: Bomben in Derry
2014 kam es insbesondere in Ost-Belfast und Derry/Londonderry zu weiteren Angriffen auf Fahrzeuge und Wohnhäuser osteuropäischer Zuwanderer, darunter zwei Sprengstoffanschläge auf Häuser rumänischer Roma im Viertel Waterside in Derry/Londonderry. Die Täter brachten am 8. März 2014 um 01:30 Uhr mit Nägeln gefüllte Rohrbomben zur Explosion. Neun Menschen, darunter ein neunjähriges Kind, blieben unverletzt, als die Sprengkörper vor ihren Häusern in der Lapwing Way und im Lincoln Court explodierten. Polizeichef Jon Burrows erklärte: „Die Nägel werden aus einem einzigen Grund dort angebracht, nämlich um schwere Verletzungen zu verursachen.“ Read the rest of this entry »
Juni 15th, 2026 |
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Rassismus & Menschenrechte
Schwere Ausschreitungen in Nordirland sorgten vergangene Woche für internationales Entsetzen. Ein rassistischer Mob zog randalierend durch von Ausländern bewohnte Straßen und steckte Häuser und Autos in Brand. Mindestens 27 Personen wurden obdachlos. Das weltweite Medienecho ist enorm. Kaum Erwähnung findet allerdings, dass – einmal mehr – auch Roma ins Visier der Rechtsextremisten gerieten.
The PSNI called for calm across NI last night as serious disorder broke out after an attempted murder in north Belfast on Monday night.
Read more: tinyurl.com/bdfz2pxd
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— Belfast Telegraph (@belfasttelegraph.co.uk) 10. Juni 2026 um 08:24
Auslöser der mehrtägigen Unruhen in Belfast war ein brutaler Messerangriff durch einen sudanesischen Asylwerber, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde. Ein Video der Tat verbreitete sich in den sozialen Netzwerken und wurde von rechtsextremen Akteuren genutzt, um zu Protesten aufzurufen. Elon Musk unterstützte die Appelle auf seiner Social-Media-Plattform X: Laut einer Datenanalyse hat er damit den nordirischen Pogrom – mit 64 Millionen Aufrufen – „maßgeblich angeheizt“: „Musks Verstärkung war entscheidend“ und habe eine „Explosion von Aufrufen zur Gewalt“ ausgelöst, heißt es in dem Bericht.
In der Folge griffen gewalttätige Gruppen am Dienstag und Mittwoch in den Abend- und Nachtstunden gezielt Wohnhäuser, Geschäfte und Fahrzeuge von Migranten an. Familien in verschiedenen Teilen der Stadt fanden sich plötzlich im Zentrum eines Pogroms wieder. Viele verbarrikadierten sich in ihren Wohnungen, während Hunderte vermummte Rechtsextremisten durch die Straßen zogen. Auf der Suche nach Ausländern traten sie Haustüren ein; mehrere Gebäude und Autos wurden in Brand gesteckt, ein Autobus ging in Flammen auf. Paul Doherty, Belfaster Stadtrat und Leiter eines Gemeindezentrums, berichtet, dass die Randalierer auch die Heizöltanks einiger Häuser in Brand setzten – ein Zeichen dafür, dass es sich um „einen Versuch handelte, die Menschen in diesen Häusern zu töten“.
Mehrere Familien, viele mit Kindern, konnten von den Einsatzkräften erst im letzten Moment in Sicherheit gebracht wurden. Mindestens 27 Einwanderer wurden am Dienstag aus ihren Wohnungen vertrieben, „weil die Menschen von Tür zu Tür gingen, um gezielt gegen Ausländer vorzugehen“, erklärte Ruth Anderson, Ministerin im Kabinettsamt.
Auch Roma im Visier
Nicht nur schwarze und muslimische Menschen bangten um ihr Leben. Besonders betroffen waren auch Angehörige der Roma-Gemeinschaft aus Osteuropa. So wurde das Haus einer Roma-Familie in West-Belfast mit Steinen, Feuerwerkskörpern und Brandsätzen attackiert. Die Familie musste fliehen, das Gebäude wurde schwer beschädigt. Nach Angaben von Nachbarn war dies bereits der dritte Angriff auf diese Familie. Erst vor einigen Wochen war ihr Haus Ziel einer ähnlichen Attacke geworden. Die Times berichtet: Read the rest of this entry »
Juni 10th, 2026 |
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Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
MIA veröffentlicht 4. Jahresbericht zu antiziganistischen Vorfällen in Deutschland: 2.076 dokumentierte Fälle im Jahr 2025 – erneuter deutlicher Anstieg
→zum Jahresbericht 2025 (pdf)
→Kurzfassung (pdf)
Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA verzeichnet in ihrem 4. Jahresbericht für 2025 eine erneute dramatische Zunahme der erfassten antiziganistischen Vorfälle in Deutschland. In dem am 9. Juni 2026 veröffentlichten Bericht dokumentiert MIA bundesweit 2.076 antiziganistische Vorfälle. Im Vergleich zum Vorjahr (1.678 Vorfälle) entspricht dies einem Anstieg von 24 Prozent. Die Zahlen basieren auf der bundesweiten Arbeit der MIA-Bundesgeschäftsstelle sowie der sechs regionalen Meldestellen in Bayern, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein.
Dr. Guillermo Ruiz, Geschäftsführer von MIA e.V., erklärt: „Die von MIA dokumentierten Vorfälle sind weiterhin sehr besorgniserregend. Unsere Zahlen zeigen deutlich, dass Antiziganismus in Deutschland kein Randproblem ist, sondern alltägliche, gesellschaftliche Realität. Immer mehr Sinti, Roma und andere von Antiziganismus betroffene Menschen berichten über eine stetige Zunahme von Diskriminierung, Beleidigungen, Anfeindungen und Gewalt. Gerade in Zeiten zunehmender rechter Mobilisierung müssen demokratische Parteien und Institutionen klar Haltung zeigen.“
Besonders alarmierend ist, dass bei jedem dritten direkt adressierten Vorfall Kinder und Jugendliche betroffen sind. Read the rest of this entry »
Juni 7th, 2026 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Gelsenkirchen: AfD inszeniert „Putzeinsatz“ von Roma
Ein Mitte April 2026 veröffentlichtes Social-Media-Video der AfD sorgt in Deutschland für Empörung. Die stigmatisierenden Aufnahmen entstanden in Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) und zeigen Roma-Einwohner des Stadtteils Ückendorf. Diese werden vor laufender Kamera gemaßregelt und zum Putzen der Gehsteige angehalten. Die Betroffenen sprechen von Einschüchterung.
Das professionell gemachte Video beginnt mit einem Insert: „SIE MÜSSEN GEHEN“ steht da in Großbuchstaben. Dazu ruft die Landtagsabgeordnete der Alternative für Deutschland (AfD) Enxhi Seli-Zacharias in die Kamera: „Diese Menschen müssen unsere Stadt verlassen!“ Bedrohliche Musik begleitet Aufnahmen von Müll, Schmierereien und heruntergekommenen Gebäuden. Dann sieht man, wie mehrere Personen, anscheinend Roma-Zuwanderer aus Südosteuropa, zum Putzen aufgefordert werden.
Eine AfD-Gruppe, bestehend aus rund zehn, fast ausschließlich männlichen Personen, war „mit Kamera, Besen und Kehrblech ausgerüstet“ (WDR) in den Stadtteil Ückendorf gekommen, um Roma bzw. migrantisch aussehende Personen, die sie zufällig auf der Straße antrafen, zu Putzarbeiten anzuhalten und die Szenen zu filmen. Einige folgten sichtlich eingeschüchtert der Aufforderung, während Kameras das Geschehen als vermeintliche „Bürgeraktion“ festhielten. Die Aufnahmen wurden von der AfD-Politikerin Seli-Zacharias mit dem Zusatz „Wir waren vor Ort in Gelsenkirchen-Ückendorf und haben für Ordnung gesorgt“ verbreitet. Sie selbst tritt im Video als Anführerin der Gruppe auf, die sie als „als sogenannte Bürgerwehr“ betitelt. WDR berichtet:
In dem Video zieht Seli-Zacharias mit rund zehn weiteren AfD-Politikern – darunter der stellvertretende Bürgermeister Norbert Emmerich – und ausgestattet mit Besen und Kehrblech durch den Stadtteil Ückendorf. Lautstark fordert sie Anwohner mit Migrationshintergrund dazu auf, die Straße zu putzen. Betroffen sind vor allem Sinti und Roma.
„Blutsauger unseres Sozialstaates“
Dass hier gezielt die Minderheit der Roma rassistisch stigmatisiert werden soll, macht Seli-Zacharias’ Begleittext auf Instagram deutlich: „Die Roma [müssen] ihren Dreck selber wegmachen. Dafür habe ich persönlich gesorgt. Und das wird jetzt regelmäßig passieren.“ Read the rest of this entry »
Mai 30th, 2026 |
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Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
VinziNest: Zuflucht für Schutzlose in Graz: Wiedereröffnung der größten Notschlafstelle in der Steiermark
Drei Jahre nach Projektbeginn hat das VinziNest seine Tore am alten Standort in der Grazer Maria-Stromberger-Gasse 14 wieder geöffnet. Für die VinziWerke findet damit eines der herausforderndsten Projekte seit dem Bestehen der Organisation einen Abschluss. Anlässlich der Wiedereröffnung wurden alle Unterstützer*innen, die die Generalsanierung ermöglicht haben, zu einer kleinen Feier eingeladen. Nun gilt es, die VinziWerke langfristig abzusichern.
Als Notschlafstelle für Armutsmigranten stellt das VinziNest seit 1992 eine Institution der Grazer Wohnungslosenhilfe dar. Zusammen mit dem VinziSchutz, dem Pendent für Frauen, kann es im Winter bis zu 120 Menschen täglich beherbergen. So kommen die Einrichtungen zusammen auf 16.000 bis 18.000 Nächtigungen im Jahr. Hinter den Zahlen stecken oft tragische menschliche Schicksale, die von gesundheitlichen und psychischen Erkrankungen, Diskriminierung und vererbter Armut geprägt sind.
Langjährige Planung
Im Laufe der Jahre wurde die Bausubstanz der Gebäude stark in Mitleidenschaft gezogen. Noch unter der Federführung von VinziWerke-Gründer Pfarrer Wolfgang Pucher trafen die VinziWerke 2022 die Entscheidung, die Einrichtung einer Generalsanierung zu unterziehen. Denn die Schlafplätze werden nach wie vor dringend gebraucht. Das Projekt wurde in den Jahren 2024 bis 2026 durchgeführt, die reinen Bauarbeiten dauerten rund 1,5 Jahre. In dieser Zeit zogen das VinziNest und VinziSchutz in ein Übergangsquartier in Liebenau.
Dringend notwendig
„In über 30 Jahren Betrieb wurden nur kleinere und notwendige Renovierungsmaßnahmen in den Notschlafstellen vorgenommen. Dass eine Kernsanierung dringend notwendig war um die Gebäude vor dem Verfall zu bewahren, war unumstritten. Die VinziWerke hat dieses umfassende Projekt dennoch an den Rand der Kapazitäten gebracht. Ohne der signifikanten Beiträge von Land Steiermark, Stadt Graz, der Diözese Graz-Seckau sowie unserer Sponsor*innen hätten wir diese Maßnahmen nicht unternehmen können. Im Namen aller Menschen, die auch künftig einen sicheren und warmen Schlafplatz erhalten werden, möchte ich allen Beteiligten von Herzen danken“, unterstreicht VinziWerke-Obfrau Martina Schröck. Read the rest of this entry »