Rassismus & Menschenrechte

Freiburger Diskriminierungsbericht 2026

Oktober 1st, 2026  |  Published in Dokumente & Berichte, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Alltägliche Romafeindlichkeit in Deutschland: Auszug aus dem Freiburger Diskriminierungsbericht (via RDL)„Mit dem rassistischen »Groß-Klimawandel« ist auch der »böse Blick« wie­der da“ – Frei­bur­ger Roma/Sinti-Dis­krimi­nie­rungs­bericht 2026 ver­öf­fent­licht

Beitrag auf Radio Dreyeckland: →Anhören (mp3)

Diskriminierungsbericht: →Download (pdf)

Kürzlich wurde im Haus Weingarten in Freiburg (Baden-Württem­berg) der aktu­elle Frei­burger Ro­ma/Sin­ti-Dis­krimi­nie­rungs­bericht vor­ge­stellt. He­raus­ge­geben wird er vom Freiburger Roma-Büro in Ko­opera­tion mit dem Sinti-Verein. Wieder einmal ist es eine be­ein­druckende Sammlung von erleb­tem Rassismus durch die Betrof­fenen. So will er einer­seits für Nicht­betroffene die Dis­kriminie­rung nachfühl­bar machen und an­derer­seits die Sprach­bildung über erlebte Ver­letzun­gen fördern, um so die Voraus­setzung für Selbst­ermäch­tigung und Resilienz zu schaffen. Ge­gliedert ist er in die Themen­bereiche Schule, Polizei, Öffent­lichkeit, Behörden, Arbeit, Wohnen und Gesund­heit, jeweils kommen­tiert von Tomas Wald vom Roma-Büro. Radio Drey­eck­land hat mit ihm über den aktu­ellen Bericht ge­sprochen.

(Radiobeitrag und Text: RDL)

The Roma as Agents of the “G*psy Question”

September 30th, 2026  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Studie zur Assimiliationspolitik in der Tschechoslowakei – Jan Ort: The Roma as Agents of the Jan Ort: The Roma as Agents of the “G*psy Ques­tion”. Belonging, Mobility and the Resettlement Policy in Socialist Czechoslovakia, Karolinum Press: Prague 2024.

Open Access: →zum Download [CC-BY-4.0]

Das Buch untersucht die Assimilations­politik des kom­mu­­nis­tischen Regimes in der Tschecho­slowakei der 1960er-Jahre, die durch die Zwangs­umsied­lung tau­sender Roma-Familien deren Lebens­weise zer­stören sollte. Statt nur die staatliche Per­spektive ein­zu­nehmen, be­leuchtet der Autor die konkrete Umsetzung vor Ort und stellt die Erfah­rungen sowie die Hand­lungs­fähig­keit der Roma selbst in den Mittel­punkt, die die staatlichen Maß­nahmen oft auch für ihre eigenen Lebens­strate­gien nutzten.

Verlagsbeschreibung (Karolina Press):
The story of Romani people in communist Czecho­slo­vakia has long been framed by a dis­crimi­natory policy of assimi­lation, and thus by fatal inter­ven­tions into Romani family ties and their broader socio-cultural systems. Para­doxi­cally, such a narrative failed to satis­facto­rily integrate the per­spective of the Roma them­selves, who often associ­ated the same period with an un­prece­dented expe­rience of social inclusion and material security. In his book, Jan Ort examines the state policy that in the mid-1960s aimed at the defi­nitive elimi­nation of “G*psy back­ward­ness” through the place­ment of thousands of Roma families in non-Roma society, thus becoming a symbol of the social enginee­ring inter­ven­tions of the commu­nist regime in the lives of Czecho­slovak Roma. In contrast to the pre­domi­nant focus on the per­spective of state autho­rities, the author seeks to map the practice of this policy in specific places, with an emphasis on the expe­riences and agency of the Roma them­selves, especially those who had their homes in eastern Slovakia. Read the rest of this entry »

Preis für Alina Șerbans „I Matter“ in Venedig

September 19th, 2026  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte

Festivalerfolg für die rumä­ni­sche Roma-Filme­ma­che­rin Alina Șerban bei den Inter­na­tio­na­len Film­fest­spie­len in Venedig: Ihr Lang­film­debüt „I Matter“ (Originaltitel: Eu contez) er­hielt den Pub­li­kums­preis der Sek­tion Venice Spotlight.

2021 machte die rumänische Autorin und Schau­spie­lerin Alina Șerban mit ihrem Kurz­film „I Mat­ter“ auch als Regis­seurin auf sich auf­merk­sam; sie selbst spielte die Haupt­rolle. Nun prä­sen­tierte Șerban ihr gleich­namiges, aus dem Kurz­format weiter­ent­wickeltes Langfilm­debüt, für das sie sich nun gänz­lich hinter die Kamera zurück­zog. Am 8. Septem­ber feierte der Spielfilm seine Welt­premiere bei den 83. Inter­natio­nalen Film­fest­spielen in Venedig. Damit ist Alina Șerban, nach dem fran­zösi­schen Cannes-Preis­träger Tony Gatlif (1948–2026), die erste Roma-Regis­seurin, deren Film in die offi­zielle Auswahl eines der welt­weit be­deu­tends­ten A-Film­festivals auf­ge­nommen wurde – und sie wurde prompt mit dem wich­tigs­ten Publikums­preis des Festivals aus­ge­zeichnet.

Bei der Abschlussgala mi Palazzo del Cinema am Lido nahmen Șerban und Produ­zentin Ada Solomon ver­gan­genen Sams­tag den von Armani Beauty ge­stif­teten Audience Award ent­gegen, der in der Sektion Venice Spotlight ver­geben wird.

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Facts & Figures (597)

September 15th, 2026  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

In Italien leben 11.100 Sinti/Roma (Stand: April 2025) in eth­nisch ab­ge­trenn­ten Sied­lun­gen und Camps. 2016 wa­ren es noch mehr als dop­pelt so viele.

(Quelle)

Umfrage: Massiver Antiziganismus in Österreich

September 10th, 2026  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Alarmierendes, aber medial und politisch kaum the­ma­ti­sier­tes Detail aus der neu­en Um­fra­ge des Ös­ter­rei­chi­schen In­te­gra­tions­fonds: Etwas mehr als die Hälfte der Men­schen in Ös­ter­reich gibt an, es würde sie „stö­ren“, wenn sie Roma oder Sinti als Nach­barn hät­ten. Da­mit sind Roma und Sinti – nach Asyl­werbern – die in Ös­ter­reich am stärks­ten ab­ge­lehn­te Gruppe.

Am Dienstag präsentierte Integrationsministerin Claudia Bauer ge­mein­sam mit dem Sozial­wissen­schaft­ler Rudolf Bret­schneider die Er­gebnisse der neue Integra­tions­umfrage des Öster­reichi­schen Integra­tions­fonds (ÖIF), die nun unter dem Titel „Was denkt Österreich?“ als Bericht vor­liegen. Die öster­reich­weite Meinungs­umfrage wurde bereits zum vierten Mal unter der inhalt­lichen Leitung Rudolf Bretschneiders durch­ge­führt. Um­gesetzt wurde die aktuelle Be­fragung vom Meinungs­forscher Peter Hajek. Die Erhebung analy­siert die Einstel­lungen der öster­reichischen Wohn­bevölke­rung zu den Themen gesell­schaftli­cher Zu­sammen­halt, Migration und Integration.

Wenn Sie fol­gende Nach­bar/in­nen hätten …

Die Frage zu Abb. 20 im Bericht (siehe unten) lautete im genauen Wortlaut: „Wenn Sie fol­gende Nach­bar/in­nen hätten [Anm. der dROMa-Red.: Asylwerber, Roma, Muslime, Langzeitsarbeitslose etc.] – würde Sie das sehr, eher schon, eher nicht oder gar nicht stören?“

ÖIF 2026, Abb. 20

Die Akzeptanz gegenüber Nachbarinnen und Nachbarn variiert in der Bevöl­kerung stark je nach der jeweili­gen Gruppe. Beson­ders Roma und Sinti stoßen dabei auf mas­sive Vor­behalte: Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Pro­zent) würde sich durch sie in der Nachbar­schaft „gestört“ fühlen (21 Prozent „sehr störend“ und 32 Prozent „eher störend“; 3,1 Prozent Schwan­kungs­breite). Damit gehört diese Gruppe zu den am stärks­ten ab­gelehn­ten Gruppen. Read the rest of this entry »

Zentralrat geht gegen AfD-Chef vor

September 7th, 2026  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcodeDeutschland: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma er­stat­tet Straf­an­zeige ge­gen AfD-Bun­des­vor­sitzen­den Tino Chru­palla

[Foto: Olaf Kosinsky/Wikimedia/CC BY-SA 3.0 DE]

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma stellt bei der Staats­an­walt­schaft Heidelberg Straf­anzeige und Straf­antrag gegen den AfD-Bundes­vor­sitzen­den Tino Chrupalla wegen Volksverhetzung (§ 130 StGB) und Belei­digung (§ 185 StGB). Anlass ist der Auftritt Chru­pallas bei einer AfD-Wahl­kampf­ver­anstal­tung am 29. August 2026 im Kultur­haus Grimmen (Mecklen­burg-Vor­pommern). Vor rund 400 An­wesenden nahm er dort Bezug auf den zuvor bekannt gewor­denen Fund von Waffen und Munition in einem Wald bei Berlin und erklärte, die Waffen hätten „wahr­schein­lich irgend­welche Zigeuner dort verloren, beim Pilze­suchen“. Die Zuhörer im Saal reagier­ten mit Gelächter und Beifall.

Der Zentralrat ist fassungslos darüber, dass 81 Jahre nach Auschwitz eine gesichert rechts­extreme Partei im Wahl­kampf auf zynische Art wieder gegen Sinti und Roma hetzt. Der Frak­tions­vor­sitzende der AfD im Bundestag, Chrupalla, be­stätigt einmal mehr das Weltbild seiner Partei, die mit dem Schüren von Angst und dem Verbreiten von Hass gegen Minder­heiten, Men­schen aus­grenzt und stigmatisiert. In ihrer Ideologie ver­harm­losen sie die NS-Ver­brechen als „Fliegenschiss“ der deutschen Geschichte. Read the rest of this entry »

Was ist das eigentlich – Antiziganismus?

September 2nd, 2026  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Science Slam in Marburg: Antiziganismus – Anna-Sophie Schönfelder

Was ist das eigentlich – Antiziganismus? Was hat das mit uns zu tun? Und was mit unse­rer Geschichte? Um das an­schau­lich zu machen, holt sich die Politik­wissen­schaft­lerin Anna-Sophie Schön­felder (Website) Unter­stützung von zwei­deuti­gen Brillen, aus­ge­schnit­tenen Denk­blasen und Fantasie­wesen im Ein­weck­glas.

Den Science-Slam-Beitrag über ihre Forschung im Sonder­for­schungs­bereich „Dynami­ken der Sicherheit“ hat sie am 5. Juli 2025 im Herder-Ins­titut in Marburg ge­halten. Jetzt gibt es ihn auch als Film. Der Sonder­for­schungs­bereich „Dyna­miken der Sicher­heit“ ist ein trans­regio­nales Ko­opera­tions­projekt der Philipps-Uni­versi­tät Marburg, des Herder-Insti­tuts für histo­rische Ost­mittel­europa­for­schung Marburg und der Justus-Liebig-Uni­ver­sität Gießen: www.uni-marburg.de/de/sfb138

Infos zum Thema Antiziganismus und Film gibt es beim Critical Film & Image Hub an der For­schungs­stelle Anti­ziganis­mus in Heidel­berg.

Über die Autorin:
Anna-Sophie Schönfelder ist politische Theoretikerin und promo­viert an der Justus-Liebig-Uni­versität Gießen zum Zusammen­hang zwi­schen deutschem Arbeits­ethos und Anti­ziganismus. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (595)

August 26th, 2026  |  Published in Facts & Figures, Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Haarproben von Müttern in slo­wa­ki­schen Roma-Sied­lun­gen wei­sen – in­fol­ge ihrer Le­bens­um­stän­de – dop­pelt so viel Cor­ti­sol (ein Stresshormon) auf als die an­de­rer Müt­ter.

(Quelle/pdf)

Angriff in Ungarn: „Ihr werdet sterben!“

August 25th, 2026  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

RAN: Rechtsextreme überfallen Roma-Fa­milie in Ungarn. Kei­­­ne Er­­mitt­­lun­­­gen we­gen Mord­ver­­­suchs.

Roma Antidiscrimination Network/RAN: In dem ungarischen Ort Cegléd (Anm.: Ko­mitat Pest) wurde Ende April eine Roma-Familie von Rechts­extre­men überfallen. Die ver­mumm­ten An­greifer schlu­gen das Fenster der Haustür ein und warfen einen Molotow-Cock­tail in das Haus der Familie, in dem meh­rere kleine Kinder und ein Säugling schliefen. Während sie ins Haus eindrangen, riefen die Täter: „Jetzt werdet ihr sterben!“ Sie be­gannen sofort, auf den Vater der Familie ein­zu­schlagen und verletzten ihn dabei mit einer Machete. Der Vater verlor ein Stück seines Fingers. Ihm gelang es dennoch, das ent­stan­dene Feuer zu löschen. Obwohl sie maskiert waren, er­kannte die Familie die An­greifer sofort. Sie leben in der Nach­bar­schaft. Die Mutter der Familie sagte gegen­über Medien, sie kenne den Angreifer seit 20 Jahren. Sie war über­zeugt: Die Männer würden sie alle töten.

Die Polizei fand in der Wohnung der Angreifer diverse Waffen: Pistolen, Gewehre, ein Maschi­nen­gewehr, fast 150 Schuss Munition und meh­rere Dutzend Waffen­teile sowie einen Schlag­ring, in den ein Hakenkreuz geritzt ist. Bei den An­greifern soll es sich um einen 59-jäh­rigen Mann und seinen 16-jäh­rigen Sohn ge­handelt haben. Die mutmaßlichen Täter sollen einer rechts­extremen Gruppie­rung namens „Friedens­wächter“ an­ge­hören. Ansche­nend sind sie nach wie vor auf freiem Fuß. Ein Medien­portal schreibt lediglich, es würden voraus­sicht­lich Kontakt- bzw. An­nähe­rungs­verbote gegen die Täter verhängt. Die an­ge­grif­fene Familie lebt seither in Angst und traut sich kaum noch aus dem Haus.

Es war nicht der erste Angriff auf die Familie. Bereits tags­über hatte der 59-Jährige die Mutter an­gegrif­fen: Er hatte sie aus ihrem Haus gezerrt. Als jedoch ihr Partner nach Hause ge­kommen ist, war es ihm ge­lungen, den Angreifer zu ver­treiben.

Hintergrund für den versuchten Mord an einer gesam­ten Familie, ein­schließ­lich meh­rerer Kinder, war laut Medien­berichten, dass die Kinder zuvor kleine Bäume aus dem Wald des mut­maß­lichen Täters ge­fällt hätten, um ein Fußball­tor zu bauen.

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Grundlagenkonzept für Wahrheitskommission

August 22nd, 2026  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Aufarbeitung des an-Sinti und Roma begangenen Unrechts in der Bundesrepublik Deutschland – Buchcover Springer VSMarc Buggeln, Sebastian Lotto-Kusche: Aufarbeitung des an Sinti und Roma begangenen Unrechts in der Bundesrepublik Deutschland. Grundlagenkonzept für eine Wahrheitskommission, Springer VS: Wiesbaden 2024.

Marc Buggeln und Sebastian Lotto-Kusche legen mit dieser Publika­tion ein Grund­lagen­konzept zur Wahrheit über das began­gene Unrecht an den Sinti_ze und Rom_nja in der Bundes­republik Deutschland und der DDR vor. Zunächst fassen die Autoren den Er­kenntnis- und For­schungs­stand zur Geschichte von Sinti_ze und Rom_nja nach 1945 in beiden deutschen Staaten zu­sam­men. Daraus ab­geleitet wird der Forschungs­bedarf und mögliche Frage­stellungen der ein­zu­richtenden Wahrheits­kommis­sion zur Auf­arbeitung des an Sinti_ze und Rom_nja began­genen Unrechts (WASRU). Da Wahrheits- und Ver­söhnungs­kommis­sionen in Deutschland bislang keine Tradition haben und meist im un­mittel­baren Übergangs­bereich von Diktaturen und Apartheids­regimen hin zu Demokratien ge­gründet wurden, werten die Autoren die Erfah­rungen dieser Kommis­sionen in unter­schiedli­chen Staaten weltweit aus. (Verlagsankündigung)

Dr. Marc Buggeln ist Universitätsprofessor für regionale Zeitgeschichte und Public History an der Europa-Uni­ver­sität Flensburg und Direktor der For­schungs­stelle für regionale Zeit­geschichte und Public History.

Dr. Sebastian Lotto-Kusche ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Postdoc an der For­schungs­stelle für regionale Zeit­geschichte und Public History der Europa-Uni­versi­tät Flensburg.

Siehe auch:
Deutschland beschließt Aufarbeitungskommission, 13.7.2026

Im Kampf um eine gesellschaftliche Identität

August 21st, 2026  |  Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Sebastian Sauer (2025): Im Kampf um eine gesell­schaft­liche Identität. Die Erinnerung an das Rohr­bomben­attentat von Oberwart 1995 in der österrei­chi­schen Medien­land­schaft zwischen 2000 und 2020

Masterarbeit, Universität Wien (Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät), 154 S.

→Zum Download der UB Wien (pdf)

Abstract (Link):

Der Rohrbombenanschlag von Oberwart 1995 stellt eine Zäsur für die öster­rei­chi­schen Roma und Österreich im Gesam­ten dar. Die vor­liegende Arbeit unter­sucht, wie der Anschlag zwischen 2000 und 2020 in der öster­reichi­schen Medien­land­schaft erinnert wurde. Hierzu werden die vier Print­medien Kronen Zeitung, Kurier, Der Standard und Die Presse unter­sucht. Audio­visuelle Medien finden durch Ein­bindung des ORFs in die Unter­suchung Berück­sichti­gung. Basie­rend auf der Nach­richten­wert­theorie unter­sucht eine erste quanti­tative Analyse, welcher Stellen­wert der Anschlags­erinne­rung über die Jahre von der österrei­chi­schen Presse zu­gewiesen wurde. Die an­schlie­ßende qualitative Analyse ver­sucht, durch die Ein­ordnung in ein Kategorien­system domi­nante Inhalte der Bericht­erstattung und mög­liche Ent­wicklun­gen zu identi­fizieren. An­schlie­ßend werden aus der Bericht­erstattung heraus­ste­chende Thema­tiken und Artikel, die durch besonders hohes Maß von gesell­schaftli­chem Interesse ge­prägt sind, näher diskutiert. Durch dieses Vor­gehen soll die Anschlags­erinne­rung im kultu­rellen Ge­dächtnis verortet werden und ihre Rolle in der Kon­struktion einer österrei­chischen Identität be­urteilt werden können. Read the rest of this entry »

Romani women’s political participation (2025)

August 17th, 2026  |  Published in Frauenrechte, Hochschulschriften, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Karl-Franzens-Universität GrazSophia Schönthaler (2025): Understanding political opportunities: Romani women’s political participation in Croatia, Italy and Sweden

Dissertation / Doctoral thesis, Karl-Fran­zens-Uni­ver­­si­tät Graz (Centre for Southeast European Studies), 257 S.

→Download der UB Graz (pdf)

Abstract (Link):

Diese Dissertation untersucht, wie sich sich über­schnei­dende Faktoren auf Makro-, Meso- und Indi­vidual­ebene auf die politische Parti­zipa­tion von Romnja in Kroatien, Italien und Schweden aus­wirken. Durch ein explo­ratives Mehrfall­studien­design geht die Forschung über die Analyse des formalen rechtlichen Zugangs hinaus und unter­sucht, wie histo­rische Aus­grenzung, institu­tiona­lisier­ter Antiziganismus, ge­schlechts­spezifi­sche Macht­verhältn­isse und persön­liche Handlungs­macht mit­einander inter­agieren, um politische Teilhabe zu ermög­lichen oder zu erschwe­ren. Geleitet von einer über­geord­neten For­schungs­frage und vier mit­einander ver­knüpften Unter­fragen unters­ucht die Studie: (1) inwie­weit politische und rechtliche Systeme für die Partizipation von Romnja offen oder geschlos­sen sind; (2) die Verfüg­barkeit, Zugäng­lichkeit und Wahrn­ehmung formaler Beteiligungs­mecha­nismen; (3) die Faktoren, die die politische Beteiligung be­ein­flussen; sowie (4) die Strate­gien, mit denen Romnja ihre Stimmen im politischen Raum geltend machen. Empirisch stützt sich die Disser­tation auf ein qualitatives, multi­methodisches Design, das Do­kumen­ten­analysen mit 31 halb­struktur­ierten Experten­interviews kom­biniert, die in den drei nationalen Kontexten durchgeführt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass politische Parti­zipation nicht einfach eine Frage formaler Rechte ist, sondern in mehrstufige Konstel­lationen von Ausg­renzung und Widerstand ein­gebettet ist. Während rechtliche Rahmen­bedin­gungen auf dem Papier Mög­lich­keiten bieten, bleiben diese in der Praxis häufig un­erfüllt. In allen drei Ländern bewegen sich Romnja in hybriden politi­schen Systemen – weder voll­ständig offen noch völlig geschlos­sen –, in denen formale Inklusion mit an­halten­den infor­mellen Hürden koexistiert. Politische Handlungs­macht entsteht dabei häufig außer­halb formeller Arenen, etwa durch Basis­arbeit, kommunale Orga­nisatio­nen und informelle Interes­sen­vertretung. Theoretis­ch trägt diese Disserta­tion zur Neu­bewertung der Theorie der politischen Gele­genheits­struk­turen aus einer inter­sektionalen Per­spektive bei. Sie zeigt, wie sich Rassismus, Geschlecht und strukturelle Ungleichheiten über­schneiden und das politische Leben von Frauen mit Min­derheiten­hinter­grund prägen. Read the rest of this entry »

33 krokov (33 Steps)

August 7th, 2026  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Filmplakat zur tschechisch-slowakischen Koproduktion "33 krokov"Spielfilm von Šimon und Anna Domček
„33 kroků“, SK/CZ 2026, 71 min

Das Spielfilmdebüt der slowakischen Re­gis­seure wurde im Juli beim Film­festival in Karlovy Vary ur­auf­geführt. Den Trailer (ohne Unter­titel) fin­den Sie hier.

Der Film basiert auf der wahren Geschichte des Protago­nisten. Er handelt vom Rom Milan Daniel, der als 18-Jähriger in der Slowakei von Neonazis brutal an­ge­griffen wurde [und der sich im Film selbst spielt]. Milan fällt ins Koma und erlebt den klini­schen Tod. Wäh­rend­dessen hat er Visionen, in denen der Teufel ihn in Ver­suchung führt und Jesus ihm rät, sich nie­mals zu rächen. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in der­selben Stadt. Er arbeitet als Wachmann. Als er erfährt, dass sein ehe­mali­ger Angreifer Erik aus dem Ge­fängnis zurück­:kehrt, kommt Milans Trauma wieder zum Vor­schein.

(Text: Slowakisches Filminstitut)

Prameň (Only Beautiful Things to Look At)

Juli 20th, 2026  |  Published in Film & Theater, Frauenrechte, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Spielfilm von Ivan Ostrochovský (SK / CZ / HU 2026)
Buch: Marek Leščak, Ivan Ostrochovský, 88 Min.

Der Film feierte seine Weltpremiere am 5. Juli beim Karlovy Vary International Film Festival und wurde mit dem FIPRESCI-Preis für den bes­ten Film im Haupt­wett­bewerb aus­ge­zeichnet.

Der Film spielt Mitte der 1980er Jahre, als der Staat mithilfe seiner Gesetze konti­nuier­lich Einfluss auf die intims­ten Bereiche des Lebens seiner Bürger nahm. Ingrid (Aňa Geislerová) ist eine ehr­geizige Ärztin, deren Aufgabe es ist, Kinder zur Welt zu bringen, un­gewollte Schwan­ger­schaften ab­zu­brechen und an der Sterili­sation von Roma-Frauen mit­zu­wirken. Die melan­choli­sche Frau hat grö­ßere Be­denken hin­sichtlich ihrer privaten Situation als hin­sichtlich ihres Berufs­lebens – zumin­dest bis sie von einer neuen Freund­schaft mit einer charis­mati­schen Roma-Pflege­hel­ferin „über­rascht“ wird. Die spon­tane Agáta (Simona Boledovičová) zeigt Ingrid die mensch­lichen Züge einer ethni­schen Minder­heit, die von den Kommunis­ten auf ein demo­grafi­sches Problem re­duziert wurde. Ivan Ostro­chovskýs fesselndes Drama greift ein bis heute un­auf­ge­arbei­te­tes Thema der tschecho­slo­waki­schen Geschichte auf, als der der Staat über die Mög­lich­keit, Kinder zu be­kommen, be­stimmte.  (Karel Och / KVIFF 2026)

Aus dem Statement der Jury:  Read the rest of this entry »

Deutschland beschließt Aufarbeitungskommission

Juli 13th, 2026  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Bundesbeauftragter Michael Brand  im Bundestag, 2019 (Foto: Olaf Kosinsky [kosinsky.eu], CC BY-SA 3.0-de)Unrecht gegen Sinti und Roma nach 1945: Deut­sches Bun­des­ka­bi­nett be­schließt Ein­rich­tung einer Auf­ar­bei­tungs­kom­mis­sion

Das deutsche „Bundeskabinett hat am 6. Juli 2026 die Ein­setzung einer Un­ab­hängi­gen Kom­mission zur Auf­arbei­tung des Un­rechts an Sinti und Roma in der Bundes­repub­lik Deutsch­land und in der Deut­schen Demo­krati­schen Re­publik (DDR) nach 1945 be­schlos­sen“, meldet das deut­sche Bundes­ministe­rium für Bildung, Familie, Senio­ren, Frauen und Jugend auf seiner Web­site. „Auf Grund­lage dieses Kabi­netts­beschlus­ses wird der Par­lamen­tari­sche Staats­sekre­tär und Be­auf­tragte der Bundes­regie­rung gegen Anti­ziganis­mus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutsch­land, Michael Brand, die Mitglieder der Kom­mission aus­wählen und er­nennen.“ Die Kommis­sion wird das histo­rische Unrecht nach 1945 wis­sen­schaft­lich erfassen und doku­mentie­ren. Dazu sollen unter Aus­wertung bisheriger Er­kennt­nisse auch eigene wissen­schaftli­che Studien, An­hörungen und Inter­views mit Be­trof­fenen und An­gehöri­gen durch­geführt werden. Die Arbeiten werden in einem Abschluss­bericht vor­gelegt werden, in dem auch Empfeh­lun­gen der Kommis­sion an Politik und Gesell­schaft aus­ge­spro­chen werden.

Eine Geschäftsstelle bei der Stiftung Erinne­rung, Ver­ant­wortung und Zukunft (EVZ) wird die neue Auf­arbei­tungs­kommis­sion unter­stützen; für die Mittel der Ge­schäfts­stelle kommt der Be­auf­tragte auf. Mit der Instal­lierung der Auf­arbeitungs­kommis­sion setzt die deutsche Bundes­regie­rung nun die Em­pfeh­lung einer fraktions­über­greifenen Ent­schlie­ßung des Deutschen Bundes­tages vom 13. Dezem­ber 2023 (Druck­sache 20/9779) um. Darin hatte der Bundestag die Empfeh­lung des um­fassen­den Ab­schluss­berichts der Un­abhän­gigen Kom­mission Anti­ziganis­mus um, die 2019 vom da­mali­gen Bun­des­innen­minis­ter Horst Seehofer ein­ge­setzt worden war.

Michael Brand sieht die Einsetzung der Kommission als einen „längst über­fälli­ger Schritt für Sinti und Roma und zu­gleich für unsere ge­samte Gesell­schaft“:  Read the rest of this entry »

Nordirland: Roma im Visier (Teil 2)

Juni 22nd, 2026  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

"Stamp out racism" – Grafitti in einer Straße in Nordbelfast (Foto: Ardfern/Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)Die jüngsten Angriffe (siehe Teil 1: „Po­grom in Belfast: auch Roma be­trof­fen“) ste­hen in einer lan­gen Tra­di­ti­on ras­sis­ti­scher Gewalt ge­gen Roma in Nord­irland. Sie tra­gen die­selbe Handschrift wie die Aus­schrei­tun­gen 2009, 2014 und 2025.

Anti-Roma-Gewalt 2009: Schlägertrupps in Belfast

Bereits im Juni 2009 wurden rund 110 rumäni­sche Roma, die groß­teils in zwei Straßen im Süden Belfasts lebten, Ziel wieder­holter Ein­schüch­terun­gen und Gewalt. Die An­greifer riefen rassis­­tische Parolen und schleuderten Flaschen, Molotow­cocktails und Ziegel­steine, Fenster wurden ein­geschla­gen und Türen eingetreten. Die Täter waren junge Männer aus einem als „Village“ be­kannten pro­testan­tischen Viertel. Dort fand die Polizei auch meh­rere Rohr­bomben, die für Anschläge auf Roma vor­ge­sehen waren. Auch die Neonazigruppe „C 18“ be­tei­ligte sich an den An­griffen. Nach tage­langen Attacken mussten die Roma ihre Woh­nungen unter Polizei­schutz ver­lassen. Sie fanden Auf­nahme in einer Kirche und einem Sport­zentrum, später wurden Not­unter­künfte bereit­gestellt. Rund 100 Angehörige der 20 bis 30 Großfamilien kehrten in der Folge aus Angst nach Rumänien zurück. Manche reisten nach Mona­ten wieder nach Nordirland. Sie berich­teten von neuer­li­chen Vorfällen.

Anti-Roma-Gewalt 2014: Bomben in Derry

2014 kam es insbesondere in Ost-Belfast und Derry/Lon­don­derry zu weite­ren Angriffen auf Fahr­zeuge und Wohn­häuser ost­euro­päischer Zu­wanderer, darunter zwei Spreng­stoff­anschlä­ge auf Häuser rumäni­scher Roma im Viertel Waterside in Derry/Lon­don­derry. Die Täter brachten am 8. März 2014 um 01:30 Uhr mit Nägeln gefüllte Rohr­bomben zur Explosion. Neun Men­schen, darun­ter ein neun­jähriges Kind, blieben un­verletzt, als die Spreng­körper vor ihren Häusern in der Lapwing Way und im Lincoln Court ex­plo­dierten. Polizei­chef Jon Burrows erklärte: „Die Nägel werden aus einem einzigen Grund dort angebracht, nämlich um schwere Ver­letzungen zu verursachen.“ Read the rest of this entry »

Pogrom in Belfast: auch Roma betroffen

Juni 15th, 2026  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Schwere Ausschreitungen in Nordirland sorg­ten ver­gan­gene Wo­che für in­ter­na­tio­na­les Ent­setzen. Ein ras­sisti­scher Mob zog randa­lie­rend durch von Aus­län­dern be­wohn­te Stra­ßen und steck­te Häuser und Autos in Brand. Min­des­tens 27 Per­so­nen wur­den ob­dachlos. Das weltweite Me­di­en­echo ist enorm. Kaum Er­wäh­nung fin­det al­ler­dings, dass – ein­mal mehr – auch Roma ins Vi­sier der Rechts­extre­mis­ten ge­rieten.

The PSNI called for calm across NI last night as serious disorder broke out after an attempted murder in north Belfast on Monday night.
Read more: tinyurl.com/bdfz2pxd

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— Belfast Telegraph (@belfasttelegraph.co.uk) 10. Juni 2026 um 08:24

Auslöser der mehrtägigen Unruhen in Belfast war ein brutaler Messer­angriff durch einen sudane­si­schen Asyl­werber, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde. Ein Video der Tat verbrei­tete sich in den sozialen Netz­werken und wurde von rechts­extre­men Akteu­ren genutzt, um zu Pro­testen auf­zu­rufen. Elon Musk unter­stützte die Appelle auf seiner Social-Media-Plattform X: Laut einer Daten­analyse hat er damit den nordirischen Pogrom – mit 64 Mil­lio­nen Aufrufen – „maß­geblich an­geheizt“: „Musks Ver­stärkung war ent­schei­dend“ und habe eine „Explosion von Auf­rufen zur Gewalt“ aus­gelöst, heißt es in dem Bericht.

In der Folge griffen gewalttätige Gruppen am Dienstag und Mittwoch in den Abend- und Nacht­stunden gezielt Wohn­häuser, Geschäfte und Fahr­zeuge von Migranten an. Familien in verschie­denen Teilen der Stadt fanden sich plötz­lich im Zentrum eines Pogroms wieder. Viele ver­barri­kadier­ten sich in ihren Wohnun­gen, während Hunderte ver­mummte Rechts­extre­misten durch die Straßen zogen. Auf der Suche nach Aus­ländern traten sie Haustüren ein; mehrere Ge­bäude und Autos wurden in Brand gesteckt, ein Autobus ging in Flammen auf. Paul Doherty, Belfaster Stadtrat und Leiter eines Ge­meinde­zentrums, berichtet, dass die Ran­dalierer auch die Heizöl­tanks einiger Häuser in Brand setzten – ein Zeichen dafür, dass es sich um „einen Versuch handelte, die Men­schen in diesen Häusern zu töten“.

Mehrere Familien, viele mit Kindern, konnten von den Einsatzkräften erst im letzten Moment in Sicher­heit gebracht wurden. Min­destens 27 Ein­wan­derer wurden am Dienstag aus ihren Wohnun­gen vertrieben, „weil die Men­schen von Tür zu Tür gingen, um gezielt gegen Ausländer vorzugehen“, erklärte Ruth Anderson, Ministerin im Kabi­netts­amt.

Auch Roma im Visier

Nicht nur schwarze und muslimische Menschen bangten um ihr Leben. Besonders betrof­fen waren auch An­gehö­rige der Roma-Ge­mein­schaft aus Ost­europa. So wurde das Haus einer Roma-Familie in West-Belfast mit Steinen, Feuer­werks­körpern und Brandsätzen attackiert. Die Familie musste fliehen, das Gebäude wurde schwer beschädigt. Nach Angaben von Nach­barn war dies bereits der dritte Angriff auf diese Familie. Erst vor einigen Wochen war ihr Haus Ziel einer ähn­lichen Attacke geworden. Die Times berichtet:  Read the rest of this entry »

Deutschland: MIA legt Antiziganismusbericht vor

Juni 10th, 2026  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte

MIA: Antiziganistische Vorfaelle 2025 in DeutschlandMIA veröffentlicht 4. Jahres­bericht zu anti­zi­ga­nis­ti­schen Vor­fäl­len in Deutsch­land: 2.076 do­ku­men­tier­te Fälle im Jahr 2025 – er­neu­ter deut­li­cher An­stieg

→zum Jahresbericht 2025 (pdf)
→Kurzfassung
(pdf)

Die Melde- und Informationsstelle Anti­zi­ga­nismus MIA verzeichnet in ihrem 4. Jahres­bericht für 2025 eine erneute dra­mati­sche Zunahme der er­fassten anti­ziganis­tischen Vor­fälle in Deutsch­land. In dem am 9. Juni 2026 ver­öffent­lichten Bericht doku­mentiert MIA bundes­weit 2.076 anti­ziganis­tische Vor­fälle. Im Ver­gleich zum Vorjahr (1.678 Vor­fälle) ent­spricht dies einem Anstieg von 24 Pro­zent. Die Zahlen basieren auf der bundes­weiten Arbeit der MIA-Bun­des­geschäfts­stelle sowie der sechs regio­nalen Melde­stellen in Bayern, Berlin, Hessen, Rhein­land-Pfalz, Sachsen und Schles­wig-Hol­stein.

Dr. Guillermo Ruiz, Geschäftsführer von MIA e.V., erklärt: „Die von MIA dokumentierten Vorfälle sind weiter­hin sehr be­sorgnis­erre­gend. Unsere Zahlen zeigen deutlich, dass Anti­ziganismus in Deutsch­land kein Rand­problem ist, sondern all­tägliche, gesell­schaft­liche Realität. Immer mehr Sinti, Roma und andere von Antiziganismus be­trof­fene Men­schen be­richten über eine stetige Zunahme von Dis­kriminie­rung, Beleidi­gungen, Anfein­dungen und Gewalt. Gerade in Zeiten zuneh­mender rechter Mobili­sierung müssen demo­kratische Parteien und Institu­tionen klar Haltung zeigen.“

Besonders alarmierend ist, dass bei jedem dritten direkt adressierten Vorfall Kinder und Jugend­liche betrof­fen sind. Read the rest of this entry »

Ruhrgebiet: Demütigung vor laufender Kamera

Juni 7th, 2026  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Demütigung vor laufender Kamera (Filmstill aus dem Social-Media-Video der AfD)Gelsenkirchen: AfD inszeniert „Putz­ein­satz“ von Roma


Ein Mitte April 2026 ver­öf­fent­lich­tes Social-Media-Video der AfD sorgt in Deutschland für Em­pö­rung. Die stig­mati­sierenden Auf­nahmen ent­stan­den in Gel­sen­kir­chen (Nord­rhein-West­falen) und zei­gen Roma-Ein­woh­ner des Stadt­teils Ücken­dorf. Diese wer­den vor lau­fen­der Ka­mera ge­maß­regelt und zum Putzen der Geh­steige an­ge­halten. Die Be­trof­fe­nen spre­chen von Ein­schüch­te­rung.

Das professionell gemachte Video beginnt mit einem Insert: „SIE MÜSSEN GEHEN“ steht da in Groß­buch­staben. Dazu ruft die Land­tags­ab­geord­nete der Alter­na­tive für Deut­schland (AfD) Enxhi Seli-Zacharias in die Kamera: „Diese Men­schen müssen unsere Stadt ver­lassen!“ Bedroh­liche Musik begleitet Auf­nahmen von Müll, Schmie­rerei­en und herun­ter­ge­kom­menen Ge­bäuden. Dann sieht man, wie meh­rere Personen, an­schei­nend Roma-Zu­wanderer aus Südost­europa, zum Putzen auf­ge­fordert werden.

Eine AfD-Gruppe, bestehend aus rund zehn, fast ausschließ­lich männ­lichen Personen, war „mit Kamera, Besen und Kehr­blech aus­ge­rüstet“ (WDR) in den Stadtteil Ückendorf ge­kommen, um Roma bzw. migrant­isch aus­sehende Per­sonen, die sie zufällig auf der Straße an­trafen, zu Putz­arbeiten an­zu­halten und die Szenen zu filmen. Einige folgten sichtlich ein­ge­schüch­tert der Auf­forderung, wäh­rend Kameras das Gesche­hen als ver­meintliche „Bürgeraktion“ fest­hielten. Die Auf­nahmen wurden von der AfD-Politi­kerin Seli-Za­charias mit dem Zusatz „Wir waren vor Ort in Gelsen­kirchen-Ücken­dorf und haben für Ordnung ge­sorgt“ ver­breitet. Sie selbst tritt im Video als An­führerin der Gruppe auf, die sie als „als so­ge­nannte Bür­gerwehr“ be­titelt. WDR be­richtet:

In dem Video zieht Seli-Zacharias mit rund zehn weiteren AfD-Politikern – darunter der stell­vertre­tende Bürger­meister Norbert Emmerich – und aus­ge­stattet mit Besen und Kehrblech durch den Stadtteil Ückendorf. Laut­stark fordert sie Anwohner mit Migra­tions­hinter­grund dazu auf, die Straße zu putzen. Betrof­fen sind vor allem Sinti und Roma.

„Blutsauger unseres Sozialstaates“

Dass hier gezielt die Minderheit der Roma rassistisch stigmati­siert werden soll, macht Seli-Zacha­rias’ Begleit­text auf Insta­gram deutlich: „Die Roma [müssen] ihren Dreck selber weg­machen. Dafür habe ich persön­lich gesorgt. Und das wird jetzt regel­mäßig pas­sieren.“ Read the rest of this entry »

Graz: Notschlafstelle VinziNest in neuem Glanz

Mai 30th, 2026  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

FeierlicheWiedereroeffnung_VinziNest_0073VinziNest: Zuflucht für Schutzlose in Graz: Wiedereröffnung der größten Notschlafstelle in der Steiermark


Drei Jahre nach Projektbeginn hat das Vinzi­Nest seine Tore am alten Stand­ort in der Gra­zer Maria-Strom­ber­ger-Gasse 14 wieder ge­öff­net. Für die Vinzi­Werke findet damit eines der heraus­for­dernds­ten Pro­jekte seit dem Be­ste­hen der Or­gani­sa­tion einen Abs­chluss. An­lässlich der Wieder­er­öff­nung wurden alle Unter­stützer*in­nen, die die General­sanie­rung er­mög­licht haben, zu einer klein­en Feier ein­ge­laden. Nun gilt es, die Vinzi­Werke lang­fristig ab­zu­sichern.

Als Notschlafstelle für Armutsmigranten stellt das VinziNest seit 1992 eine Institu­tion der Grazer Woh­nungs­losen­hilfe dar. Zusam­men mit dem VinziSchutz, dem Pen­dent für Frauen, kann es im Winter bis zu 120 Men­schen täglich be­her­ber­gen. So kommen die Ein­richtun­gen zusam­men auf 16.000 bis 18.000 Näch­tigun­gen im Jahr. Hinter den Zahlen stecken oft tra­gische mensch­liche Schicksale, die von gesund­heit­lichen und psychi­schen Erkran­kun­gen, Dis­kriminie­rung und ver­erbter Armut ge­prägt sind.

Langjährige Planung
Im Laufe der Jahre wurde die Bausubstanz der Gebäude stark in Mitleidenschaft gezogen. Noch unter der Feder­führung von VinziWerke-Gründer Pfarrer Wolfgang Pucher trafen die VinziWerke 2022 die Ent­schei­dung, die Ein­richtung einer Ge­neral­sanie­rung zu unter­ziehen. Denn die Schlaf­plätze werden nach wie vor drin­gend ge­braucht. Das Projekt wurde in den Jahren 2024 bis 2026 durch­geführt, die reinen Bau­arbeiten dauerten rund 1,5 Jahre. In dieser Zeit zogen das VinziNest und VinziSchutz in ein Über­gangs­quar­tier in Liebenau.

Dringend notwendig
„In über 30 Jahren Betrieb wurden nur kleinere und notwendige Renovierungs­maß­nahmen in den Not­schlaf­stellen vor­ge­nommen. Dass eine Kern­sanie­rung dringend not­wendig war um die Gebäude vor dem Verfall zu bewahren, war un­um­stritten. Die VinziWerke hat dieses um­fas­sende Projekt den­noch an den Rand der Kapa­zitäten gebracht. Ohne der signi­fikan­ten Beiträge von Land Steiermark, Stadt Graz, der Diözese Graz-Seckau sowie unse­rer Spon­sor*in­nen hätten wir diese Maß­nahmen nicht unter­nehmen können. Im Namen aller Men­schen, die auch künftig einen sicheren und warmen Schlafplatz e­rhalten werden, möchte ich allen Beteilig­ten von Herzen danken“, unter­streicht Vinzi­Werke-Obfrau Martina Schröck.  Read the rest of this entry »