Dokumente & Berichte
September 10th, 2026 |
Published in
Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Alarmierendes, aber medial und politisch kaum thematisiertes Detail aus der neuen Umfrage des Österreichischen Integrationsfonds: Etwas mehr als die Hälfte der Menschen in Österreich gibt an, es würde sie „stören“, wenn sie Roma oder Sinti als Nachbarn hätten. Damit sind Roma und Sinti – nach Asylwerbern – die in Österreich am stärksten abgelehnte Gruppe.
Am Dienstag präsentierte Integrationsministerin Claudia Bauer gemeinsam mit dem Sozialwissenschaftler Rudolf Bretschneider die Ergebnisse der neue Integrationsumfrage des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF), die nun unter dem Titel „Was denkt Österreich?“ als Bericht vorliegen. Die österreichweite Meinungsumfrage wurde bereits zum vierten Mal unter der inhaltlichen Leitung Rudolf Bretschneiders durchgeführt. Umgesetzt wurde die aktuelle Befragung vom Meinungsforscher Peter Hajek. Die Erhebung analysiert die Einstellungen der österreichischen Wohnbevölkerung zu den Themen gesellschaftlicher Zusammenhalt, Migration und Integration.
Wenn Sie folgende Nachbar/innen hätten …
Die Frage zu Abb. 20 im Bericht (siehe unten) lautete im genauen Wortlaut: „Wenn Sie folgende Nachbar/innen hätten [Anm. der dROMa-Red.: Asylwerber, Roma, Muslime, Langzeitsarbeitslose etc.] – würde Sie das sehr, eher schon, eher nicht oder gar nicht stören?“
![Roma und Sinti gehören zu den am stärksten abgelehnten Gruppen. Kritik erregten die suggestiv vorgegebenen Antwortoptionen. [Abb. 20 aus: Österreichischer Integrationsfonds (Hg.): ÖIF-Integrationsbefragung 2026. Was denkt Österreich? Einstellungen zu den Themen Integration, Zusammenhalt und Zugehörigkeit mit einem Kommentar von Prof. Dr. Rudolf Bretschneider, Wien 2026] ÖIF 2026, Abb. 20](http://www.roma-service.at/dromablog/wp-content/uploads/2026/09/OeIF-2026-Abb-20.png)
Die Akzeptanz gegenüber Nachbarinnen und Nachbarn variiert in der Bevölkerung stark je nach der jeweiligen Gruppe. Besonders Roma und Sinti stoßen dabei auf massive Vorbehalte: Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) würde sich durch sie in der Nachbarschaft „gestört“ fühlen (21 Prozent „sehr störend“ und 32 Prozent „eher störend“; 3,1 Prozent Schwankungsbreite). Damit gehört diese Gruppe zu den am stärksten abgelehnten Gruppen. Read the rest of this entry »
Juli 31st, 2026 |
Published in
Dokumente & Berichte
Bundeskanzleramt veröffentlicht „Leitfaden für Gemeinden in Kontakt mit durchreisenden Gruppen“ und „Informationen und Empfehlungen für durchreisende Gruppierungen“. Erstellt von der Arbeitsgruppe zum Thema durchreisende Gruppen (Mai 2026).
→Download: Leitfaden für Gemeinden (PDF)
→Download: Informationsblatt für durchreisende Gruppen (PDF)
→Download: Vorlage für eine Nutzungsvereinbarung für Aufenthalt (Word)
Aus dem Vorwort zum Leitfaden für Gemeinden:
Der vorliegende Leitfaden soll als Unterstützung und Hilfestellung für Gemeinden im Umgang mit durchreisenden Gruppen dienen. Viele durchreisende Gruppen gehören der Minderheit der Roma und Sinti an. Roma und Sinti stellen die größte Minderheit Europas dar. Es wird geschätzt, dass in etwa 10–12 Millionen Angehörige der Minderheit in Europa leben. Es handelt sich um eine Minderheit mit sehr großer sprachlicher und kultureller Vielfalt, die sich auch in unterschiedlichen Lebensweisen ausdrückt. Während viele Angehörige der Minderheit mittlerweile einen sesshaften Lebensstil pflegen, gibt es andere Gruppen, die einer fahrenden Lebenswelse nachgehen.
Im Jahr 2025 wurde durch die Nationale Roma-Kontaktstelle im Bundeskanzleramt eine Arbeitsgruppe zur Erarbeitung des vorliegenden Leitfadens ins Leben gerufen, welche aus Gemeindevertreterinnen und -vertretern und Angehörigen der Volksgruppe bestand. Im Rahmen der Arbeitsgruppe wurden Herausforderungen zwischen Gemeinden und durchreisenden Gruppen diskutiert und gemeinsame Lösungsvorschläge erarbeitet: Der vorliegende Leitfaden liefert einerseits historische und kulturelle Fakten und Hintergründe zur Volksgruppe und bietet andererseits mögliche Arbeits- und Prozessabläufe für Gemeinden und private Grundbesitzer und Grundbesitzerinnen an, welche potentiellen Spannungen vorbeugen sollen. Auf diese Weise soll ein bestmögliches Miteinander zwischen Gemeinden, der Gemeindebevölkerung und durchreisenden Gruppen durch gegenseitige Rücksichtnahme ermöglicht sowie gegenseitiger Respekt gefördert werden.
Informationen für durchreisende Gruppen:
Das Informationsblatt dient als Orientierungshilfe für durchreisende Gruppen und bietet praktische Hinweise und grundlegende Informationen, um einen reibungslosen Aufenthalt sowie ein respektvolles Miteinander mit den Grundstückseigentümerinnen und -eigentümern zu gewährleisten. Das BKA stellt darüber hinaus eine unverbindliche Mustervorlage für eine Nutzungsvereinbarung eines Grundstücks für einen kurzfristigen Aufenthalt durchreisender Gruppen zur Verfügung (→Download). Read the rest of this entry »
Juni 10th, 2026 |
Published in
Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
MIA veröffentlicht 4. Jahresbericht zu antiziganistischen Vorfällen in Deutschland: 2.076 dokumentierte Fälle im Jahr 2025 – erneuter deutlicher Anstieg
→zum Jahresbericht 2025 (pdf)
→Kurzfassung (pdf)
Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA verzeichnet in ihrem 4. Jahresbericht für 2025 eine erneute dramatische Zunahme der erfassten antiziganistischen Vorfälle in Deutschland. In dem am 9. Juni 2026 veröffentlichten Bericht dokumentiert MIA bundesweit 2.076 antiziganistische Vorfälle. Im Vergleich zum Vorjahr (1.678 Vorfälle) entspricht dies einem Anstieg von 24 Prozent. Die Zahlen basieren auf der bundesweiten Arbeit der MIA-Bundesgeschäftsstelle sowie der sechs regionalen Meldestellen in Bayern, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein.
Dr. Guillermo Ruiz, Geschäftsführer von MIA e.V., erklärt: „Die von MIA dokumentierten Vorfälle sind weiterhin sehr besorgniserregend. Unsere Zahlen zeigen deutlich, dass Antiziganismus in Deutschland kein Randproblem ist, sondern alltägliche, gesellschaftliche Realität. Immer mehr Sinti, Roma und andere von Antiziganismus betroffene Menschen berichten über eine stetige Zunahme von Diskriminierung, Beleidigungen, Anfeindungen und Gewalt. Gerade in Zeiten zunehmender rechter Mobilisierung müssen demokratische Parteien und Institutionen klar Haltung zeigen.“
Besonders alarmierend ist, dass bei jedem dritten direkt adressierten Vorfall Kinder und Jugendliche betroffen sind. Read the rest of this entry »
Juni 2nd, 2026 |
Published in
Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Wissenschaft
Jugendstudie 2025: Ein Drittel der Jugendlichen kennt Angehörige einer Volksgruppe persönlich. Befragt wurden Jugendliche in Wien, Burgenland und Kärnten, also in den drei wichtigsten Bundesländern mit eigenen anerkannten Volksgruppen.
„Eine entscheidende Rolle für das Verständnis der Bedeutung von öffentlicher Präsenz spielt möglicherweise der persönliche Kontakt zu Minderheitenangehörigen. Etwa ein Drittel der Befragten stimmt der Aussage zu, dass sie persönlich eine:n Angehörige:n einer autochthonen Minderheit kennen, ein weiteres Drittel verneint sie und das verbleibende Drittel antwortet mit „vielleicht“. […] Die niedrigen Zustimmungswerte deuten darauf hin, dass autochthone Minderheiten in den Lebenswelten vieler Jugendlicher kaum thematisiert werden. Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass ihre Existenz Jugendlichen nicht bekannt ist. Andererseits äußern sich Personen, die einer autochthonen Minderheit angehören, unter Umständen nicht immer offen dazu.“
[aus: „Lebenswelten 2025“, S. 259f.]
Die Jugendstudie „Lebenswelten 2025“, ein Gemeinschaftsprojekt aller Pädagogischen Hochschulen Österreichs, ist eine umfassende empirische Untersuchung zu Einstellungen und Werten junger Menschen in Österreich. Die repräsentative Erhebung fand im März und April 2025 in Form einer standardisierten Onlinebefragung an Schulen statt. Insgesamt wurden österreichweit über 15.000 Jugendliche der 8. bis 12. Schulstufe befragt. Im Burgenland, in Kärnten und in Wien wurden den Jugendlichen zusätzliche Fragen zu Mehrsprachigkeit und Volksgruppen gestellt. Die Studie ist in Buchpublikation ist im Beltz Verlag erschienen. Online finden Sie die Studie hier.
Siehe auch:
Jugendstudie: Unwissen über Volksgruppen, 16.5.2026
Jugendstudie: Volksgruppen ein Teil Österreichs?, 19.5.2026
Jugendstudie: Mehr Sichtbarkeit für Sprachen?, 24.5.2026
.
Mai 24th, 2026 |
Published in
Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Romani, Wissenschaft
Jugendstudie 2025: Die Hälfte der Jugendlichen findet, die Volksgruppensprachen sollten im öffentlichen Raum präsenter sein, ebensoviele zeigen sich ablehnend. Befragt wurden Jugendliche in Wien, Burgenland und Kärnten, also in den drei wichtigsten Bundesländern mit eigenen anerkannten Volksgruppen.
„Da die Sichtbarkeit [der Volksgruppensprachen] im öffentlichen Raum entscheidend für ihren langfristigen Erhalt ist, wurde erhoben, inwieweit Jugendliche die öffentliche Präsenz der Minderheitensprachen als bedeutsam wahrnehmen. […] Lediglich 14 % der Befragten stimmen der Aussage uneingeschränkt zu, dass autochthone Minderheitensprachen in der Öffentlichkeit stärker sichtbar sein sollten; weitere 36 % bejahen sie eher. 35 % lehnen die Aussage eher ab und 15 % verneinen sie vollständig. Insgesamt zeigt sich damit: Rund die Hälfte der Jugendlichen befürwortet eine stärkere Sichtbarkeit, während die andere Hälfte ablehnend reagiert.“
[aus: „Lebenswelten 2025“, S. 258f.]
Die Jugendstudie „Lebenswelten 2025“, ein Gemeinschaftsprojekt aller Pädagogischen Hochschulen Österreichs, ist eine umfassende empirische Untersuchung zu Einstellungen und Werten junger Menschen in Österreich. Die repräsentative Erhebung fand im März und April 2025 in Form einer standardisierten Onlinebefragung an Schulen statt. Insgesamt wurden österreichweit über 15.000 Jugendliche der 8. bis 12. Schulstufe befragt. Im Burgenland, in Kärnten und in Wien wurden den Jugendlichen zusätzliche Fragen zu Mehrsprachigkeit und Volksgruppen gestellt. Die Studie ist in Buchpublikation ist im Beltz Verlag erschienen. Online finden Sie die Studie hier.
Siehe auch:
Jugendstudie: Unwissen über Volksgruppen, 16.5.2026
Jugendstudie: Volksgruppen ein Teil Österreichs?, 19.5.2026
Jugendstudie: Kontakt zu Volksgruppen, 2.6.2026
.
Mai 19th, 2026 |
Published in
Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Autochthone Minderheiten als Teil der Gesellschaft? Ein Viertel der Jugendlichen findet nicht, dass die österreichischen Volksgruppen „zu Österreich gehören“. Befragt wurden Jugendliche in Wien, Burgenland und Kärnten, also in den drei wichtigsten Bundesländern mit eigenen anerkannten Volksgruppen.
„Der Aussage ‚Ich finde, die Volksgruppen gehören zu Österreich‘ stimmt lediglich ein knappes Drittel der befragten Jugendlichen völlig zu und weitere 43 % stimmen ihr eher zu. Etwa ein Fünftel der jungen Menschen stimmt eher nicht zu, während 7 % der Aussage gar nicht zustimmen. Daraus lässt sich schließen, dass etwa ein Viertel der Befragten offenbar nicht über die selbstverständliche Zugehörigkeit autochthoner Minderheiten in Österreich informiert ist.“
[aus: „Lebenswelten 2025“, S. 257f.]
Die Jugendstudie „Lebenswelten 2025“, ein Gemeinschaftsprojekt aller Pädagogischen Hochschulen Österreichs, ist eine umfassende empirische Untersuchung zu Einstellungen und Werten junger Menschen in Österreich. Die repräsentative Erhebung fand im März und April 2025 in Form einer standardisierten Onlinebefragung an Schulen statt. Insgesamt wurden österreichweit über 15.000 Jugendliche der 8. bis 12. Schulstufe befragt. Im Burgenland, in Kärnten und in Wien wurden den Jugendlichen zusätzliche Fragen zu Mehrsprachigkeit und Volksgruppen gestellt. Die Studie ist in Buchpublikation ist im Beltz Verlag erschienen. Online finden Sie die Studie hier.
Siehe auch:
Jugendstudie: Unwissen über Volksgruppen, 16.5.2026
Jugendstudie: Mehr Sichtbarkeit für Sprachen?, 24.5.2026
Jugendstudie: Kontakt zu Volksgruppen, 2.6.2026
Mai 16th, 2026 |
Published in
Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Wissenschaft
Jugendstudie 2025: Mehr als ein Drittel der Jugendlichen hat noch nie was von den österreichischen autochthonen Minderheiten gehört. Befragt wurden Jugendliche in Wien, Burgenland und Kärnten, also in den drei wichtigsten Bundesländern mit eigenen anerkannten Volksgruppen.
„Ein Erkenntnisinteresse galt der Frage, inwiefern Jugendliche über die Existenz autochthoner Minderheiten in Österreich informiert sind. Die Aussage, das erste Mal etwas über autochthone Minderheiten in Österreich zu hören, beantwortevten 36 % der Befragten mit „ja“ und 64 % mit „nein“. […] Diese Ergebnisse verdeutlichen einen erheblichen Handlungsbedarf in der schulischen Vervmittlung von Wissen über autochthone Minderheiten, da selbst in den betroffenen Bundesländern vielen Jugendlichen das Wissen über deren Existenz fehlt.“
[aus: „Lebenswelten 2025“, S. 256f.]
Die Jugendstudie „Lebenswelten 2025“, ein Gemeinschaftsprojekt aller Pädagogischen Hochschulen Österreichs, ist eine umfassende empirische Untersuchung zu Einstellungen und Werten junger Menschen in Österreich. Die repräsentative Erhebung fand im März und April 2025 in Form einer standardisierten Onlinebefragung an Schulen statt. Insgesamt wurden österreichweit über 15.000 Jugendliche der 8. bis 12. Schulstufe befragt. Im Burgenland, in Kärnten und in Wien wurden den Jugendlichen zusätzliche Fragen zu Mehrsprachigkeit und Volksgruppen gestellt. Die Studie ist in Buchpublikation ist im Beltz Verlag erschienen. Online finden Sie die Studie hier.
Siehe auch:
Jugendstudie: Volksgruppen ein Teil Österreichs?, 19.5.2026
Jugendstudie: Mehr Sichtbarkeit für Sprachen?, 24.5.2026
Jugendstudie: Kontakt zu Volksgruppen, 2.6.2026
.
April 29th, 2026 |
Published in
Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
DOSTA-Bericht 2025: 293 dokumentierte Vorfälle antiziganistischer Diskriminierung in Berlin – höchste je erfasste Fallzahl und besorgniserregende Entwicklungen
Die Dokumentationsstelle Antiziganismus (DOSTA/MIA Berlin) veröffentlichte gestern ihren Jahresbericht für 2025 (→Download). Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 293 Vorfälle antiziganistischer Diskriminierung in Berlin erfasst – die höchste je dokumentierte Fallzahl. Damit wird erneut das Niveau der bereits hohen Werte der Vorjahre übertroffen.
„Die konstant hohen und nun nochmals gestiegenen Fallzahlen zeigen, dass Antiziganismus ein strukturelles Problem bleibt. Gleichzeitig wissen wir, dass viele Betroffene Diskriminierung nicht melden – aus Angst vor Konsequenzen oder fehlendem Vertrauen in Institutionen“, sagt Projektleiterin Violeta Balog.
Die meisten dokumentierten Vorfälle ereigneten sich in den Lebensbereichen Alltag und öffentlicher Raum (66 Fälle), Bildung (60 Fälle) sowie Kontakt zu Behörden (42 Fälle). Besonders im Bildungsbereich verzeichnet DOSTA/MIA Berlin einen Anstieg antiziganistischen Mobbings gegenüber Schüler:innen, die Rom:nja sind. Gleichzeitig fehlt es weiterhin an ausreichender Aufklärung über Antiziganismus sowie an unabhängigen Beschwerdestrukturen an Schulen. Ein wiederkehrendes Problem stellt zudem die fortgesetzte Nutzung rassistischer Fremdbezeichnungen dar, die in verschiedenen Lebensbereichen – auch im schulischen Kontext – zunehmend normalisiert wird und weiterhin Teil alltäglicher Diskriminierung ist.
Read the rest of this entry »
April 21st, 2026 |
Published in
Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Frauenrechte, Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
#ZARAbleibt! – Österreich braucht weiterhin Zivilcourage!
→Zur Petition auf mein.aufstehn.at
Sehr geehrte Bundesministerin Bauer,
sehr geehrte Bundesregierung und Entscheidungsträger!
ZARA ist seit Jahren eine unverzichtbare Anlaufstelle für Menschen, die in Österreich Rassismus, Diskriminierung und Hass erleben. Der Verein bietet Beratung, Dokumentation, Unterstützung und öffentliche Aufklärung genau dort, wo Betroffene sonst oft allein gelassen werden. Gerade in einer Zeit, in der rassistische, hasserfüllte Sprache wieder salonfähig gemacht wird, insbesondere im digitalen Raum, braucht es diese Arbeit mehr denn je. Die geplante Kürzung der Fördergelder, die das De-facto-Ende dieser wichtigen Aufklärungs- Unterstützungs- und Präventionsarbeit bedeuten, ist daher der falsche Schritt in einer Gesellschaft, die sich zunehmend polarisiert.
Deswegen sind gerade Sie, Familienministerin Bauer, aber auch die gesamte Bundesregierung und die Entscheidungsträger in Parlament und Verwaltung jetzt aufgefordert, Ihre Entscheidungen zu überdenken und sich klar für eine Erhaltung dieser so wichtigen Institution auszusprechen und einzusetzen!
Warum ist das wichtig?
Österreich hat in den letzten Jahren erlebt, wie sich gesellschaftliche Spannungen verschärfen, wie Debatten über Migration, Integration und Zugehörigkeit polarisiert werden und wie Hass im Netz und im Alltag normalisiert werden. ZARA leistet hier nicht nur Soforthilfe für Betroffene, sondern schafft auch wichtige Sichtbarkeit für Probleme, die viele lieber verdrängen würden. Dass allein 2025 mehr als 1.500 rassistische Vorfälle dokumentiert wurden, zeigt, dass es nicht um ein Randthema geht, sondern um eine reale Belastung für das gesellschaftliche Zusammenleben.
Gerade deshalb ist es unverständlich und politisch falsch, ausgerechnet in diesem Bereich zu sparen. Wer an Anti-Rassismus, Opferschutz und Prävention kürzt, spart nicht an „Verwaltung“, sondern an Sicherheit im Netz und demokratischer Stabilität. Read the rest of this entry »
Januar 23rd, 2026 |
Published in
Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) hat am 22. Jänner den neuen Rechtsextremismusbericht präsentiert. Er versammelt auf 220 Seiten Daten und Analysen zu rechtsextremen Aktionen und Ideologien in Österreich im Jahr 2024.
→Download: Rechtsextremismus in Österreich 2024 (pdf)
Unter den zehn Kapiteln finden sich Einordnungen zur Geschichte und rechtlichen Aspekten zum Rechtsextremismus ebenso wie statistische Erhebungen von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Stellen, den größten Teil macht eine detaillierte Beschreibung unterschiedlichster rechtsextremer Akteur*innen aus. Darin werden deutschnationale Verbindungen und neonazistische Aktivisten ebenso behandelt wie Vertreter*innen der „Neuen Rechten“ wie die Identitäre Bewegung. Das Spektrum der beobachteten Gruppen reicht von migrantischen Rechtsextremen wie den „Grauen Wölfen“ bis zu „Alternativmedien“ wie AUF1. Der Bericht endet mit einer Darstellung der wichtigsten aktuellen Trends und einer Prognose künftiger Entwicklungen.

Das DÖW hat 2023 von den Bundesministerien für Inneres und Justiz den Auftrag erhalten, jährlich einen wissenschaftlichen Bericht über den österreichischen Rechtsextremismus zu verfassen. Die Ausgabe zum Jahr 2024 ist nun schon der zweite vom DÖW erstellte Bericht.
(Text: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands/DÖW)
.
November 29th, 2025 |
Published in
Dokumente & Berichte, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Der Verein „ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit“ präsentierte seinen 8. „#GegenHassimNetz“-Bericht. Der diesjährige Bericht (→PDF-Download) widmet sich dem Thema „Lawful but Awful“.
Der Bericht zeigt, wie sehr auch rechtlich zulässige Inhalte im Netz Menschen verletzen, zum Schweigen bringen und insgesamt einen fairen, demokratischen Diskurs verhindern.
Seit der Gründung der Beratungsstelle „#GegenHassimNetz“ im Jahr 2017 wurden insgesamt 15.113 Fälle von Online-Hass dokumentiert, davon 1.716 im aktuellen Beratungsjahr. Ein Großteil der Meldungen ist vorurteilsmotiviert, besonders häufig geht es um rassistische und sexistische Angriffe – oft treffen sie Menschen, die von mehreren Diskriminierungsformen betroffen sind. „Ob Hass im Netz strafbar ist, hängt jedoch nicht primär davon ab, aus welchem Grund ein Mensch Hass verbreitet. Sowohl ideologisch als auch nicht-ideologisch motivierte Inhalte können rechtswidrig sein – oder eben legal. Ihnen gemeinsam ist, dass sie verletzen“, erklärt Fiorentina Azizi-Hacker, Leiterin der ZARA-Beratungsstellen. Die ZARA-Berater*innen prüfen daher genau, welche rechtlichen Schritte oder anderen Maßnahmen möglich und sinnvoll sind, um Betroffene in ihrem individuellen Fall bestmöglich zu unterstützen.
Der Bericht verdeutlicht, dass Hass im Netz ein breites, gesamtgesellschaftliches Problem ist: Er reicht von strafbaren Drohungen und Verhetzung über sexualisierte Gewalt und Cybermobbing bis zu „lawful but awful“-Inhalten, die zwar nicht gegen Gesetze verstoßen, aber dennoch massiv schaden. Etwas mehr als die Hälfte (54 %) der bei ZARA gemeldeten Hass-Inhalte bewertete die ZARA-Beratungsstelle #GegenHassimNetz als nicht-rechtlich relevant.
„Legaler Online-Hass prägt den Alltag vieler Menschen und macht sichtbar, wo der Rechtsstaat an seine Grenzen stößt, wenn es um den Schutz der Menschenwürde geht. Genau an dieser Schnittstelle beginnt die Arbeit von ZARA: Wir hören zu, beraten und handeln, wo andere Systeme nicht greifen“, so ZARA-Geschäftsführerin Rita Isiba.
Der Bericht bietet neben aktuellen Zahlen und Analysen auch konkrete Handlungsempfehlungen: Read the rest of this entry »
Oktober 3rd, 2025 |
Published in
Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Grundrechteagentur FRA legt neuen Bericht über Roma und Traveller in der EU vor: mehr Erwerbstätige, aber Diskriminierung bleibt bestehen
European Union Agency for Fundamental Rights (FRA): Rights of Roma and Travellers in 13 European Countries. Perspectives from the Roma Survey 2024, Vienna 2025 (2.10.2025) | →Zum Download
Roma und Traveller in der EU sind nun erwerbstätig, und auch ihre Wohnverhältnisse haben sich verbessert. Jedoch sind Armut, Diskriminierung und Segregation nach wie vor weit verbreitet. Dies geht aus einer neuen Erhebung der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) hervor. Die FRA betont nachdrücklich, dass zwischen den EU-Zielen zur Inklusion der Roma und den gelebten Erfahrungen der Roma- und Traveller-Gemeinschaften nach wie vor erhebliche Lücken bestehen. Es ist unwahrscheinlich, dass die EU-Staaten die Ziele bis 2030 erreichen werden.
Die jüngste Roma-Erhebung bewertet, ob die Roma und Traveller durch die Inklusionsmaßnahmen der EU und ihrer Mitgliedstaaten besseren Zugang zu ihren Grundrechten haben. Verglichen mit Ergebnissen aus früheren Erhebungen der FRA zeigen sich zwar in einigen Bereichen Fortschritte, jedoch bestehen nach wie vor große Unterschiede zwischen den Roma und der Allgemeinbevölkerung: Read the rest of this entry »
Mai 29th, 2025 |
Published in
Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Kommission zur Bekämpfung von Rassismus und Intoleranz (ECRI): Segregation von Roma-Schülern gehört zu den wichtigsten Herausforderungen
In ihrem Jahresbericht 2024 nennt das Europaratsorgan für die Bekämpfung von Rassismus, die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI), vier zentrale politische Herausforderungen für die europäischen Staaten: die Bekämpfung des Einsatzes von rassistischer Profilerstellung durch die Strafverfolgungsbehörden, die Bekämpfung der Segregation von Roma-Kindern in der Schule, die Gewährleistung gleicher Rechte und Würde für Transgender-Personen und Intersexuelle und die Stärkung der nationalen Gleichbehandlungsstellen. Positive politische Entwicklungen werden in dem Bericht ebenfalls hervorgehoben. [...]
In mehreren Mitgliedstaaten des Europarats wurde weiterhin ein hohes Maß an schulischer Segregation von Roma-Kindern beobachtet, was zu einer geringeren Qualität der Bildung führt. ECRI stellt fest, dass die hohe Konzentration von Roma-Kindern in bestimmten Schulen offenbar das Ergebnis der Wohnsegregation ist, aber auch der anhaltenden Praxis der Schulbehörden, Roma-Kinder in getrennten Klassen oder Gebäuden zu unterrichten. Trotz der von vielen Mitgliedstaaten ergriffenen Maßnahmen – einschließlich der Anerkennung der schulischen Segregation als ernsthafte Form der Diskriminierung, ihres ausdrücklichen Verbots und der Unterstützung von Roma-Kindern durch spezielle Schulassistenten – wurden nur langsame Fortschritte bei der Aufhebung der faktischen Segregation erzielt. Read the rest of this entry »
Mai 14th, 2025 |
Published in
Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Deutschland: Gemeinsame Empfehlung zum Umgang mit Antiziganismus in der Schule – Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und Bildungsministerkonferenz einig: unverzichtbarer Teil der Lehrpläne!
Die Bildungsministerkonferenz und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma haben im März 2025 erstmals gemeinsame Empfehlungen zur Prävention und gezielten Bekämpfung von Antiziganismus in Schulen beschlossen und vorgestellt.
„Schulen müssen antiziganismuskritische und antiziganismusfreie Lernräume sein und dadurch auch Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen gewähren“, heißt es in den Empfehlungen. Kinder und Jugendliche sollten ein Bewusstsein entwickeln und dafür eintreten, Sinti und Roma in der Gesellschaft vor Diskriminierung zu schützen.
Die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Ministerin Simone Oldenburg, betont: „Die Bekämpfung von Antiziganismus ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die im Elternhaus beginnt und sich in unseren Schulen fortsetzt. Wir müssen feststellen: Antiziganismus kommt in allen Lebensbereichen vor. Leider begegnet uns in Schulen gesellschaftlich tradierter Antiziganismus bis heute in unterschiedlichsten Formen. Unsere Schulen sollen hingegen Orte der Vielfalt und des Respekts sein, in denen jede und jeder Einzelne frei von Vorurteilen lernen und sich entwickeln kann. Read the rest of this entry »
Mai 9th, 2025 |
Published in
Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken
Informationsbroschüre zur Bund-Länder-Vereinbarung betreffend den Erhalt der Gräber von NS-verfolgten Sinti und Roma
Das ehrende Gedenken an die während des Holocaust ermordeten und verfolgten Sinti und Roma ist ein zentraler Bestandteil der kulturellen Identität unserer Minderheit. Mit der Bund-Länder-Vereinbarung vom 5. Dezember 2018 betreffend den Erhalt der Gräber der unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgten Sinti und Roma (BLV) haben Bund und Länder gemeinsam beschlossen, dieses Gedenken zu würdigen und den dauerhaften sowie würdevollen Erhalt dieser Grabstätten zu gewährleisten. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Initiator dieser Vereinbarung, möchte mit der vorliegenden Informationsbroschüre zur BLV sowohl der Minderheit als auch der Öffentlichkeit mehr Klarheit und Transparenz in Bezug auf die Umsetzung der Vereinbarung bieten. Die Broschüre richtet sich zudem an Friedhofsverwaltungen sowie an alle, die Verantwortung für den Erhalt dieser Grabstätten tragen. Sie bietet einen umfassenden Einblick in die Thematik, beantwortet zentrale Fragen und plädiert für einen sensiblen und respektvollen Umgang – insbesondere im Hinblick auf die Bedeutung dieser Gräber für die Angehörigen der Verstorbenen.
→Informationsbeschüre (PDF)
(Text: Zentralrat)
April 21st, 2025 |
Published in
Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
In einem Bericht verurteilen Amnesty International Slowakei und ERRC die „weit verbreitete und zunehmende rassistische Spaltung im Bildungswesen“ und fordern die slowakische Regierung auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um die Segregation in ihren Schulen zu beenden.
Der Bericht mit dem Titel „Separate and Unequal: School Segregation Persists for Roma in Slovakia“ analysiert die gesetzgeberischen und politischen Reaktionen auf die Verweisung der Slowakei an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) im April 2023. Die Ergebnisse zeigen, dass beschlossene Maßnahmen nicht ausreichen, um die tief verankerten Praktiken der Segregation von Rom*nja wirksam zu bekämpfen. Gesetzesreformen – darunter Änderungen am Schulgesetz – mangelt es an Klarheit und Durchsetzbarkeit, um verfestigte Ungleichheiten zu beseitigen.
Zehn Jahre nach dem Beginn des EU-Verfahrens zeigt der neue Bericht, dass das slowakische Bildungssystem Rom*nja weiterhin den Zugang zu integrativer, hochwertiger Bildung verweigert. Ursache dafür sind unzureichende Kontrollen, strukturelle und infrastrukturelle Ungleichheiten sowie diskriminierende Praktiken. Amnesty International und das ERRC fordern die Europäische Kommission auf, die Umsetzung der Gleichbehandlungsrichttlinie durch die Slowakei weiterhin genau zu überwachen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu ergreifen.
„Unsere Untersuchung zeigt klar, dass es sich hier nicht um zufällige Ungleichheiten handelt. Was wir Jahr für Jahr beobachten, ist der schleichende Versuch, ein Zwei-Klassen-Bildungssystem zu legitimieren – eines für Kinder mit uneingeschränktem Zugang zum Recht auf Bildung, und eines für jene, denen von Anfang an segregierte und minderwertige Schulbildung zugemutet wird“, so Rado Sloboda, Direktor von Amnesty International Slowakei. Read the rest of this entry »
Januar 29th, 2025 |
Published in
Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
2023 beauftragten Innen- und Justizministerium das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) in Wien mit der Erstellung eines jährlichen Rechtsextremismus-Berichts. Die Ergebnisse des ersten umfangreichen Berichts wurden nun präsentiert (→zum Download). Wir haben nachgeschaut, inwieweit darin auch auf Rassismus gegen Roma und Sinti (Antiziganismus, Antiromaismus, Romafeindlichkeit) Bezug genommen wird. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die betreffenden Passagen:
Auf S. 64/65 verweist der Bericht auf die Internet-Agitation der neonazistischen Gruppe Unwiderstehlich. Diese sei unter anderem von romafeindlicher Hetze durchzogen:
Die sich als Internetprojekt verstehende Neonazi-Gruppe Unwiderstehlich (UW) wurde 2015 als ein konspirativ agierendes Nachfolgeprojekt der 2011 zerschlagenen Alpen-Donau-Gruppe gegründet. In ähnlicher (täglicher) Frequenz wie diese […] kommentiert man auf Facebook (rund 1300 Follower) v. a. aktuelle Ereignisse und Meldungen. Der Agitation […] dient auch ein Blog, der im März 2021 neugestaltet wurde. Der gleichzeitig eröffnete Telegram-Kanal verzeichnet etwas über 600 Abonnent*innen (Stand Ende August 2024). […] Neben Antisemitismus ist die UW-Agitation von Hetze gegen Rom*nja und Sinti*zze durchzogen – von der systematischen Verwendung des Z-Wortes bis hin zur Ablehnung der Erinnerung an die NS-Vernichtungspolitik bzw. den Porajmos. So zeige die Zerstörung der Gedenkstätte in Salzburg-Leopoldskron im August 2022, dass diese Erinnerung „vielen Einheimischen ein Dorn im Auge“ sei und man lieber in „eine Zukunft ohne Schuld und Scham“ schauen wolle.
Auf S. 70 führt der Chronikteil die neuerliche Mahnmalschändung in Salzburg-Leopoldskron 2023 an (wir berichteten): Read the rest of this entry »
Juli 3rd, 2024 |
Published in
Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Medien & Presse
Deutschland: Das vom Dokumentations- und Kulturzentrum gemeinsam mit dem Zentralrat herausgegebene Magazin „Newess“ erscheint im jährlichen Rhythmus. Der „Newess 2023“ (was auf Romanes „Neuigkeiten“ bedeutet) informiert in der Form eines Jahresrückblicks über die Arbeitsschwerpunkte beider Institutionen.
→Download Newess 2023 (PDF)
Schwerpunkt des „Newess 2023“ ist der Neubau des Dokumentations- und Kulturzentrums sowie die Neukonzeptionierung und Erweiterung unserer Dauerausstellung. Als am 16. März 1997 das Dokumentations- und Kulturzentrum in Heidelberg eröffnet wurde, war dies ein stolzer Moment für die gesamte Minderheit. Bis heute ist die Dauerausstellung über den nationalsozialistischen Holocaust an 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa in ihrem Umfang einzigartig und trägt auf mehr als 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche zur historischen Bewusstseinsbildung über dieses Menschheitsverbrechen bei.
In Zukunft werden die 600-jährige Geschichte der Sinti und Roma in Europa und ihre Beiträge zur Kulturgeschichte ihrer Heimatländer stärker im Fokus stehen. Der Schwerpunkt beleuchtet die Neubaupläne, von der architektonischen Planung durch ein renommiertes Stuttgarter Büro über die Elemente der neuen Dauerausstellung bis zum Aufbau einer Sammlung von Objekten und Zeugnissen, die die Geschichte unserer Minderheit erzählen.
Read the rest of this entry »
Juni 28th, 2024 |
Published in
Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
Die deutsche Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) veröffentlicht ihren zweiten Jahresbericht zu antiziganistischen Vorfällen in Deutschland. Die Vorfallzahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr beinahe verdoppelt.
Am 17. Juni 2024 wurde der Jahresbericht der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA zu antiziganistischen Vorfällen in Deutschland aus dem Jahr 2023 auf der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt. Für 2023 hat MIA insgesamt 1.233 antiziganistische Vorfälle erfasst. Dies ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr (621 Vorfälle). Die höheren Zahlen stehen im Zusammenhang mit dem Rechtsruck in Deutschland und sind auch durch den wachsenden Bekanntheitsgrad von MIA zu erklären. Es ist nach wie vor von einem großen Dunkelfeld antiziganistischer Vorfälle auszugehen, das erst in den kommenden Jahren schrittweise erhellt werden kann.
Reem Alabali-Radovan, Beauftragte der deutschen Bundesregierung für Antirassismus, würdigte das Engagement: „Was MIA in den letzten Jahren aufgebaut hat, ist beeindruckend. Hier wird deutlich, wie wichtig solche Meldestellen für die Communitys sind. Sie sind es, die die Situation der Betroffenen am besten kennen und wissen, was gebraucht wird. Wichtig ist mir auch: Wenn wir über Zahlen und Daten des 2. Jahresberichts der Meldestelle sprechen, dürfen wir nicht vergessen, dass hinter jeder dieser Zahlen ein Mensch steht, der Gewalt, der Hass, der Unrecht erlebt hat.“
Bei den Vorfällen stechen drei Aspekte ins Auge: Die erste, alarmierende Erkenntnis ist die eindeutige Zunahme extremer Gewalt. Nach einem Vorfall im Jahr 2022 hat MIA im aktuellen Bericht 10 Fälle extremer Gewalt dokumentiert. Read the rest of this entry »
April 27th, 2024 |
Published in
Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Institutioneller Antiziganismus auf kommunaler Ebene – Einführung und Praxisperspektiven aus der Bildungsarbeit mit Behördenmitarbeitenden
Eine Handreichung des Bildungsforums gegen Antiziganismus für Multiplikator*innen aus Verwaltung, Sozialer Arbeit und Bildungsarbeit, Berlin/Heidelberg 2023 (36 S.)
→Hier bestellen (E-Mail) | →Download (pdf)
Antiziganismus äußert sich nicht nur durch individuelle Einstellungen, Haltungen und daraus resultierende Handlungen. Rassismus gegen Sinti* und Roma* vollzieht sich häufig auch auf der Ebene von gesellschaftlichen Institutionen und Organisationen, die mehr sind als die bloße Summe individueller Handlungen. Bei institutionellen Formen des Antiziganismus kommen unter anderem Handlungsroutinen, Verfahrensregelungen und Arbeitskulturen zum Tragen, die zu einer Praxis der systematischen Ungleichbehandlung von Sinti* und Roma* führen.
Die Existenz von institutionellem Antiziganismus bestätigte sich jüngst erneut durch den erstmals veröffentlichten Jahresbericht der bundesweiten Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA). Ein zentrales Ergebnis des Berichts ist, „dass bei etwa einem Drittel der Fälle die Verantwortlichen für den Antiziganismus nicht als Privatpersonen handelten, sondern sich in einer bestimmten Rolle oder Funktion befanden – z.B. Polizist*innen, Sachbearbeiter*innen von Jobcentern oder Jugendämtern, Personen in politischen Ämtern wie Bürgermeister*innen oder Mandatsträger*innen“.
Mit der vorliegenden Handreichung, die in Zusammenarbeit des Bildungsforums gegen Antiziganismus des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma mit dem Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt und dem Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin entstanden ist, wird ein Schwerpunkt auf institutionellen Antiziganismus auf der kommunalen Ebene gelegt. Die Broschüre der Autor*innen Tobias Neuburger, Georgi Ivanov und Sara Pasquali richtet sich insbesondere an Multiplikator*innen aus der Verwaltung, der Sozialen Arbeit sowie dem Bereich Bildung. Read the rest of this entry »