Kunst & Fotografie

„Es ist immer der gleiche Mist“

Juli 11th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Ausstellung am Baustellenzaun: Marika Schmiedt in Wien, Juli 2017 (Foto: Samuel Mago, via volksgruppen.orf.at)Die Ausstellung „Sprache kommt vor der Tat“ wandert von einer Galerie­werk­statt zu einem Bauzaun auf der Mariahilfer Straße.

Wiener Zeitung, 4.7.2017. Von Valentine Auer

Wien. „Roma Rauss“ zum Beispiel. Mit Doppel-S und auf einem Wahl­plakat über das Gesicht von Alexander Van der Bellen ge­schmiert. Oder ein Auf­kleber mit der öster­rei­chi­schen Flagge und der Auf­schrift „Zigeuner brin­gen Krimi­na­lität & Krank­heiten nach Österreich“. Es sind Bei­spiele von Rassismus, von Antiziganismus, die seit etwa einem Jahr zu­neh­mend im öf­fent­li­chen Raum von Wien sicht­bar sind. Es sind auch Bei­spiele, die zeigen wie Rassismus und Sprache zu­sam­men­hängen und wie Konstruk­tio­nen von Kultur, von Un­gleich­hei­ten bis heute fort­geschrie­ben wer­den. An einem dieser Schau­plätze rassis­ti­scher Schmierereien hängt seit Sams­tag die Ausstellung „Sprache kommt vor der Tat“ der Wiener Künst­lerin Marika Schmiedt, um auf eben­diese Kon­tinui­tä­ten auf­merk­sam zu machen.

Die Original-Ausstellung war relativ kurz in der Galerie­werk­statt NUU zu sehen. Von 19. Mai bis 1. Juni wurden die Recher­chen von Mari­ka Schmiedt der Öf­fent­lich­keit zugäng­lich ge­macht. Seit ver­gan­ge­nen Samstag sollen die Er­kennt­nis­se eine brei­tere Öffent­lich­keit er­rei­chen – an einem Bau­stellen­zaun an der Maria­hil­fer Straße 67.

Erkenntnisse, die darauf aufmerksam machen, wie ähn­lich sich rassis­ti­sche Diskurse vom Kaiser­reich bis heute sind. Als Romni wollte sich Schmiedt mit den eige­nen Wurzeln aus­einan­der­setzen, er­klärt sie gegen­über der „Wiener Zeitung“: „Als Betrof­fene habe ich mich inten­siv mit meiner eigenen Familien­geschichte aus­einander­ge­setzt und bin in meinen Recher­chen sehr weit zurück­ge­gangen. Wenn man sich – egal, in welcher Zeit – die Zeit­doku­mente durch­liest, merkt man, dass es immer die glei­chen Mecha­nis­men sind.”

Der Menschenfresser-Prozess von Kaschau

Ähnliche Mechanismen und wiederauftretende Kon­tinui­tä­ten, macht Schmiedt an histori­schen und gegen­wärtigen Bei­spielen be­greif­bar. So auch am so­ge­nann­ten „Men­schen­fres­ser-Pro­zess von Kaschau“, der von 1927 bis 1929 ge­dauert hat und in der Aus­stellung aus­führlich doku­men­tiert wird: „Viele Roma aus Košice, dem da­ma­li­gen Kaschau, wur­den ver­haftet und ge­quält, weil ein Gerücht im Um­lauf war, dass sie Men­schen ge­fressen haben. Geständ­nisse wurden unter Druck ab­gelegt“, so Schmiedt. Read the rest of this entry »

Berlin bekommt Europäisches Roma-Institut

Juni 8th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Kunst & Fotografie

Vor der Gründungsfeier des ERIAC in Berlin (Foto: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)Roma-Kultur bekommt Platz in der Mitte Europas: Gäste aus Kultur, Politik und Wirt­chaft feiern Gründung des Europäischen Roma-Insti­tuts für Kunst und Kultur (ERIAC) in Berlin

ERIAC, 8.6.2017 (OTS) – Von Berlin aus soll zukünftig der kulturelle Auf­tritt der über 12 Mil­lio­nen euro­päi­schen Roma ge­stal­tet wer­den. Das ist der Auf­trag des Europäischen Roma-Instituts für Kunst und Kultur, des­sen Gründung heu­te mit einem Festakt im Licht­hof des Aus­wärti­gen Amts in Berlin ge­feiert wur­de. Das Insti­tut gibt die Deutungs­ho­heit über die Roma-Kultur und -Identität in die Hän­de der Roma und soll so die, oft falsche, Dar­stel­lung durch Drit­te be­enden.

Das Europäische Roma-Institut für Kunst und Kultur ist das Resultat einer breit an­ge­leg­ten Initiative von Roma-Aktivisten, -Akademikern und -Künstlern, die sich als Allianz für das Europäische Roma-Institut als Erste für des­sen Ein­rich­tung stark ge­macht haben. Die Allianz wur­de zu der trei­ben­den Kraft hinter der Um­setzung der Idee. Nach und nach gewann sie die Unter­stützung des Europarats so­wie die der Open Society Foundations und ihres Grün­ders, dem Phil­anthro­pen George Soros, der sich schon lan­ge tat­kräf­tig für Roma-Be­lange einsetzt. (Anm. der dROMa-Red.: Der Plan zur Schaffung eines Euro­päi­schen Roma-Instituts durch Europa­rat und Soros’ OSF wur­de an­läss­lich des Ro­ma-Gipfels am 4. April 2014 von EU-Kom­mis­sions­chef Barroso öf­fent­lich be­kannt ge­ge­ben. Die Al­lianz für das Euro­päi­sche Roma-Institut wur­de als neuer, dritter Partner erst 2015 be­gründet.)

Timea Junghaus, Geschäftsführerin des Instituts: „Das Europäische Roma-Institut für Kunst und Kultur wird ein Zentrum der Roma-Selbst­ent­fal­tung werden und lang ge­hegte Vorurteile heraus­for­dern. Wenn man be­denkt, dass nur eines von 10.000 Roma-Werken als Teil einer staat­li­chen Sammlung dauer­haft aus­ge­stellt wird, er­kennt man, wie drin­gend sich etwas än­dern muss.“

An der Gründungsfeier nahmen neben George Soros und Thorbjørn Jagland, Ge­ne­ral­sekre­tär des Europarats auch Michael Roth, Staats­minister für Europa im Aus­wärti­gen Amt und Hartmut Koschyk, Be­auftrag­ter der Bundesregierung für Aus­sied­ler­fra­gen und na­tio­na­le Minderheiten teil. Read the rest of this entry »

Kulturradio: Archiv für Roma-Kunst

Mai 3rd, 2017  |  Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Interview, Kunst & Fotografie, Radio & TV

RomArchive-Initiatorin Franziska Sauerbrey (Foto: Nihad Nino Pušija/RomArchive) Ein Gespräch mit Franziska Sauerbrey, Initiatorin und Projekt­leiterin von RomArchive

rbb/Kulturradio, Sendung vom 28.4.2017
>>Anhören / mp3 (6 Min., 3,5 MB)

Rund 12 Millionen Sinti und Roma gibt es in Europa. Ihre Jahr­hun­derte alte Kultur ist aber kaum sicht­bar. Das soll sich mit dem Auf­bau des RomArchive, eines digitalen Archivs für Kunst der Sinti und Roma, än­dern. Das Ar­chiv, das von der Kultur­stiftung des Bundes mit 3,75 Mil­lio­nen Euro ge­för­dert wird, soll ein in­ter­na­tio­nal zu­gäng­li­cher Ort wer­den, an dem Sinti und Roma ihre Kultur sicht­bar ma­chen und damit den bestän­di­gen Stereo­typen und Fremd­beschrei­bun­gen be­geg­nen.

Kulturradio spricht mit Franziska Sauerbrey vom RomArchive.

(Text: Kulturradio)

Link: blog.romarchive.eu

Siehe auch:
RomArchive: Ein Projekt sucht sein Logo, 28.1.2016
RomArchive: Startschuss für digitales Archiv, 2.7.2015

Ausstellung: Sprache kommt vor der Tat

April 29th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

web_plakat_sprache-kommt-vor-der-tatAusstellung von Marika Schmiedt in Wien:
Rassismus, die soziale Konstruktion natürli­cher Ungleichheit — Zusam­men­hang von Sprache, Ras­sis­mus, Öko­no­mie und Macht

Ausstellung 18. Mai bis 1. Juni 2017
Eröffnung: 18. Mai 2017, 19:00 Uhr
Lesung: Helga Gutwald, Der Menschenfresser-Prozess von Kaschau | Galerie­werk­statt NUU, Wil­helm-Exner-Gasse 15, 1090 Wien

„Tatsächlich ist die Sprache des Kolonialherrn, wenn er vom Ko­lo­ni­sier­ten spricht, eine zoo­logi­sche Sprache. Wenn der Ko­lo­nial­herr genau be­schrei­ben und das richtige Wort fin­den will, be­zieht er sich stän­dig auf das Tierreich.“ (Frantz Fanon)

Rasse als biologische Einheit oder als Konglomerat natürli­cher Eigen­schaf­ten, sozialer Zu­schrei­bungen und ideo­lo­gi­scher Wer­tungen, eine trübe Mi­xtur aus Aggres­sion und Vor­urteilen. Auch wenn der Rassismus mitt­ler­weile wissen­schaft­lich widerlegt ist, ist er weiter­hin im kollek­tiven Bewusst­sein tief ver­ankert. Dis­krimi­nie­run­gen auf­grund von Herkunft und Hautfarbe ge­hö­ren heute leider zum All­tag sehr vieler Men­schen. Neue For­men des Rassismus ar­gu­men­tie­ren kulturalistisch, in­dem sie unters­chied­liche kulturel­le Tra­di­tio­nen als mit­einan­der un­ver­einbar an­se­hen. Der Begriff „Kultur“ er­setzt da­bei den Begriff „Rasse“. Die An­de­ren werden ent­lang des Krite­riums kultu­relle Identität, er­kenn­bar an Merk­malen wie Haar- und Hautfarbe, Sprache, Kleidung und Auftreten, in verschiedene Kategorien unterteilt, denen eine schein­bar neutral bestimm­bare Dif­ferenz zur öster­rei­chi­schen und deutschen Kul­tur zu­ge­schrie­ben wird. Das Erklärungs­muster der Kultur­unterschiede ist fast im­mer das Erste, was auf der Hand zu lie­gen scheint. „Kul­tur“ scheint bei­nahe als Natur des Men­schen ge­dacht zu werden, als etwas, das einem an­haftet und das Handeln be­stimmt.

Die Ausstellung zeigt, wie ein Konzept des angeb­lich natur­wissen­schaftlich ge­sicher­ten Rassen­begriffs fort­ge­schrie­ben wird und wie stark Sprache durch rassistische Diskurse und Wis­sens­felder ge­prägt ist. Dabei wird deut­lich vor Augen geführt, dass die Bilder und der Um­gang damit vom Ausgang des Kaiser­reichs bis in unsere Tage keine prin­zi­piel­len Unter­schiede auf­weisen.

(Text: marikaschmiedt.wordpress.com)

Vernissage „Dičimos – Sichtbarkeit“

Februar 24th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Frauenrechte, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Ausstellung WienRomnja mitten in Wien
Romnja ando maškar le Bečesko foro

Ein Projekt von Vivaro – Viva Romnja in Zu­sam­men­ar­beit mit der Fo­togra­fin Jenny Olaya-Peickner

Vernissage mit kurzer Gesprächsrun­de der Por­trä­tier­ten am 4. März 2017, 18 Uhr, im Hotel Altstadt, Kir­cheng. 41, 1070 Wien. Die Aus­stel­lung kann auch am 5.3.2017 von 11:00 bis 18:00 Uhr be­sucht wer­den (weite­re Ter­mine wer­den auf der Home­page des Vereins be­kannt­gege­ben).

In der gesellschaftlichen und medialen Wahrnehmung herr­schen oft­mals Vor­urteile, Stereo­type und Klischee­bilder über Roma-Frauen. Um dem ent­gegen­zu­steuern und Frauen in der Öf­fent­lich­keit sicht­bar zu ma­chen, prä­sen­tiert der neue Wiener Romnja-Verein „Vivaro – Viva Romnja“ auf sei­ner Web­site wö­chent­lich eine Romni. Das Ziel: Hetero­genität unter Frauen, aber auch als Rom­nja, auf­zu­zeigen und das klischee­hafte und roman­ti­sier­te Bild „der Roma-Frau“ ab­zu­bauen, zu be­kämpfen und realis­ti­sche Bilder dar­zu­bieten. Frauen ha­ben Stim­men, sind indi­vi­duell, hetero­gen und viel­fältig.

(www.vivaro.at)

Manolo Gómez Romero | Ceija Stojka

Februar 7th, 2017  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Kai DikhasManolo Gómez Romero – [kaʧeˈβaʧe] | Ceija Stojka und die Sammlung Kai Dikhas – Heute ist gestern

Bis 1. April 2017 in der Galerie Kai Dikhas in Berlin
Kuratiert von von Moritz Pankok
Eintritt frei! Mi. bis Sa., 12-18 Uhr u.n.V.
Aufbau-Haus am Moritzplatz, Prinzenstr. 84

Während die Galerie Kai Dikhas in Madrid mit „Akathe Te Beshen. Sasti­pen thaj Mesti­pen“ („Hier um zu blei­ben. Ge­sund­heit und Freiheit“) im Regie­rungs­gebäu­de Mad­rid, dem Centro.Centro, ih­re in Spanien viel­be­ach­te­te und bis­lang größ­te Aus­stel­lung prä­sen­tiert, zeigt sie in Berlin neue Wer­ke des Spa­niers Mano­lo Gó­mez Ro­me­ro. „Cachebache“ – sprich: [kaʧeˈβaʧe] – be­deu­tet „Dies und Das“ auf Caló, dem spa­ni­schen Ro­ma­nes. Gómez’ drit­te Aus­stel­lung in der Gale­rie Kai Dikhas zeigt die Sen­si­bi­li­tät eines Künst­lers, der mit der Ke­ra­mik ent­lie­he­nen Ober­flächen­struk­tu­ren mal zarte, mal kraft­volle abstrak­te Kunst schafft: seinen ein­zig­arti­gen Fla­men­co in Malerei. Im Zentrum dieser Aus­stel­lung stehen neben neuen ma­le­ri­schen Wer­ken neue Kerami­ken des Künst­lers, wo­mit sich der Kreis seiner Ar­beit in der Galerie erst­malig schließt. So um­fasst das „Dies und Das“ unter­schied­liche Medien wie auch eine fas­zi­nie­ren­de Viel­falt von Themen und Inspi­ra­tio­nen, die in Manolo Gó­mez Rome­ros For­men­sprache zu­sam­men­kommen.

In seiner Kindheit beobachtete Gómez fasziniert die Muster, die der auf den Boden fal­lende Kalk bil­dete, mit dem seine Mut­ter die Wände ihres Hau­ses jedes Jahr aufs Neue kälk­te. Er ver­lor sich in der Betrach­tung der un­zäh­li­gen For­men der Kleckse und Spritzer. Und es sind im­mer noch diese For­men, die den Maler heute in sei­ner Ar­beit be­schäf­ti­gen. Read the rest of this entry »

„Die Gitans von Perpignan“ in Hannover

Juli 19th, 2016  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Südfrankreichs katalanischsprachige Roma: Die Gitans von St. Jacques, Perpignan (Foto: Jesco Denzel)Fotografien von Jesco Denzel
Galerie für Fotografie in Hannover

Eröffnung: 27.7.2016, 19:00 Uhr
Ausstellung: 28.7. bis 4.9.2016

Die Arbeit des deutschen Fotografen Jesco Denzel zeigt das Leben der Gitans im Her­zen der histo­ri­schen Alt­stadt von Perpignan in Süd­frankreich. Mit rund 8.000 Bewohnern ist das Viertel St. Jacques eine der größ­ten Gitans-Ge­mein­den in Frankreich, und vor al­lem die einzige inner­städtische. Wäh­rend in allen ande­ren Städten größere Sied­lun­gen sess­haf­ter Gitans an die Stadt­ränder ge­drängt wur­den, ist in den engen Gas­sen von St. Jacques eine leben­dige Stadt in der Stadt ent­standen. Es sind vor allem die Nach­fahren spa­ni­scher Calé, die im Laufe des 19. Jahr­hun­derts ins fran­zö­si­sche Katalonien aus­wan­der­ten, die heute in St. Jacques leben, und sie haben noch immer starke Bin­dung an Spa­nien. Die Um­gangs­sprache in St. Jacques heißt schlicht ,Gitan’, ein etwas ab­ge­wan­del­tes Katalanisch. Fern­ab von roman­ti­schen Vor­stel­lun­gen, die man mit medi­ter­ra­nem „Zigeu­ner­leben“ ver­bin­den mag, orga­ni­sie­ren die Be­woh­ner von St. Jacques ihr Le­ben auf eine Art und Weise, die ihren ordent­lich-fran­zö­si­schen Nach­barn oft suspekt er­scheint: „Die arbei­ten alle nicht“, ist das gän­gi­ge Vor­urteil. „Wenn ich mich irgend­wo vor­stel­le und der Chef sieht, dass ich ,Zigeuner‘ bin, kann ich gleich wie­der gehen“, sagt ein Arbeits­lo­ser aus dem Viertel. Hier zäh­len Zusam­men­halt und Gemein­schafts­ge­fühl und vor allem die Fähig­keit, sich irgend­wie durch­schla­gen zu kön­nen. Denn Proble­me gibt es reich­lich – Arbeits­losig­keit, Drogen und Analpha­be­tis­mus machen das Leben in St. Jacques bis­wei­len nicht ein­fach.

Jesco Denzel, 1972 in Bremen geboren, hat seinen Magister in Politi­scher Wissen­schaft ge­macht, ehe er an der Hoch­schule Hannover Foto­jour­na­lis­mus stu­dierte. Seit 2010 ist er offi­ziel­ler Foto­graf der Bun­des­regierung.

Öffnungszeiten & Anschrift:
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„Wonderful“ in Barcelona

Juli 5th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Gitano-Mädchen in Barcelona; Foto: Lena Mucha Fotoausstellung von Lena Mucha im Rahmen des DOCfield>16 – Festi­val der Do­ku­men­tar­foto­grafie aus Bar­celona

Zu sehen noch bis 7. Juli 2016 im Goethe-Institut Barcelona (Roger de Flor, 224)

„Wonderful“ ist das Portrait von Roma-Jugend­li­chen (Gitanos) in den Vor­städten Barcelonas. 60% der Mit­glie­der dieser Ge­mein­schaft sind noch keine dreißig Jahre alt. Es sind Ju­gend­li­che, die früh viel Ver­ant­wor­tung über­nehmen und ent­schei­dende wirt­schaft­liche Rollen inner­halb ihrer Fa­mi­lie spie­len. Ihre Kraft und Reife stehen hier­bei im star­ken Kontrast zu ihrer Fragilität, ihren Hoff­nun­gen und dem Wunsch nach einer an­de­ren Kindheit und Jugend. Die Aus­stel­lung the­ma­ti­siert und zeigt Jugendliche in­mit­ten pat­riarcha­li­scher Struk­turen, Tra­di­tio­nen und kultu­rel­ler sowie sozialer Glo­ba­li­sie­rung in einer der äl­tes­ten eth­ni­schen Min­der­heiten Europas.

Lena Mucha machte 2011 ihren Abschluss in Sozial­anthro­po­lo­gie und Politik­wissen­schaf­ten an der Uni­ver­si­tät zu Köln. Sie lebt in Deutsch­land und Latein­amerika und be­schäf­tigt sich mit Gender sowie mit dem Thema der Migra­tion. Ihre foto­gra­fi­schen Arbeiten wur­den inter­na­tio­nal aus­gestellt und publi­ziert und mit ver­schie­de­nen Prei­sen aus­ge­zeichnet.

Diese Ausstellung ist Teil der Eixample Route DOCfield>16 Festi­val der Do­ku­men­tar­foto­grafie aus Bar­ce­lona. Hier fin­den Sie wei­tere Infor­ma­tionen.

(Text: www.goethe.de)

Siehe auch:
Gripping Photos Capture A Young Roma Generation On The Outskirts, Huf­fing­ton Post
El alumnado gitano en secundaria (FSG, 2013), Studie über die Schul­si­tua­tion in Spanien

„Millionaires of time“ – Ausstellung in Berlin

Juni 1st, 2016  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Ausstellung "Millionaires of Time" (Foto: Anja Schäfer)Eine audiovisuelle Ausstellung über Roma in Košice

Fotografien von Anja Schäfer | Audioporträts von Elisabeth Putz

Eröffnung am 2. Juni 2016, 19 Uhr
Haus am Kleistpark, Berlin (Einladung)

In dem audiovisuellen Ausstellungsprojekt „Millionaires of time …“ zeich­nen die Foto­gra­fin Anja Schäfer und die Hör­funk­auto­rin Elisabeth Putz jen­seits gän­gi­ger Fremd­zu­schrei­bun­gen ein viel­dimen­sio­na­les Bild der Roma, die nahe der ost­slo­wa­ki­schen Stadt Košice in Šaca bzw. Luník IX leben. Letz­te­res gilt als eines der größ­ten Ghet­tos von Roma in Eu­ropa.

Die atmosphärischen fotografischen und auditi­ven Porträts zei­gen die Men­schen in ihrer Indi­vi­dua­li­tät. Sie las­sen einen Mikro­kos­mos leben­dig wer­den, der auf über­geord­nete gesell­schafts­poli­ti­sche Struk­tu­ren ver­weist. In der Aus­stel­lungs­instal­la­tion aus Foto­gra­fien und mobi­len Hör­statio­nen ent­steht ein Raum, in dem das Publi­kum hö­rend, se­hend und as­so­ziie­rend ent­decken kann.

Rund 250.000 Roma leben in der Slowakei. (Anm. d. Red.: ande­re Schätzun­gen lie­gen weit hö­her; der Euro­pa­rat bei­spiels­wei­se geht von rund 500.000 Roma aus). „Wir können kom­men, wann im­mer wir wol­len“, sagt František, denn er sei „ein Mil­lio­när der Zeit“. Man hört oft, Roma seien aus der Zeit ge­fal­len, sie wüss­ten nicht, was Zeit be­deu­te, oder aber sie hätten alle Zeit der Welt. Und Fran­ti­šek, eine der porträ­tier­ten Per­so­nen, weiß von diesem Klischee­bild und spielt da­mit. Wer sind „DIE ROMA“? Ein Volk? Eine Nation ohne Land – aber mit Flag­ge und Hymne? Die Aus­stel­lung ist der Ver­such, hin­ter eine Mauer aus Kli­schees zu blicken, an der lan­ge und von vie­len Sei­ten ge­ar­bei­tet wurde.

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Thementage „Roma in Berlin“

Mai 10th, 2016  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

"Unsere neuen Nachbarn": Programmübersicht "Roma in Berlin" (PDF)„Herkommen. Ankommen. Willkommen. Unsere neuen Nachbarn“

Das Wohnbauunternehmen Gesobau, ver­ant­wort­lich für das erste de­zentra­le Ber­li­ner Wohn­pro­jekt für Roma­fami­lien, ver­anstal­tet eine zwei­wö­chi­ge Ver­anstal­tungs­reihe: „Roma in Berlin“. Die Aus­stel­lung „Roma in Europa – Enfances Tsiganes“ der fran­zö­si­schen Foto­gra­fin Jeannette Gregori ist eine der ins­ge­samt neun Ver­anstal­tungen.

In den Diskussionen um die Zuwanderung wird nie­man­dem mit so vielen ne­ga­ti­ven Vor­ur­tei­len be­geg­net wie den Roma. Vor­ur­tei­le und diskri­mi­nie­ren­des Ver­hal­ten ste­hen oft in en­gem Zu­sam­men­hang. Die GESOBAU möch­te ge­mein­sam mit star­ken Part­nern und der neuen Ver­anstal­tungs­reihe „Her­kom­men. An­kom­men. Will­kom­men. Unsere neuen Nach­barn“ dem ent­gegen­steuern und die ver­meint­lich so ver­schie­de­nen Lebens­welten von Roma und Deut­schen mit­einan­der in Be­zug setzen. Den Auf­takt bil­den die Themen­tage „Roma in Berlin“.

Eröffnet wurde die Veranstaltungsreihe von Barbara Loth, Staats­sekre­tä­rin für Integra­tion und Frauen in der Senats­ver­wal­tung für Arbeit, Integra­tion und Frauen, und Jörg Franzen, Vor­stands­vor­sitzen­der der GESOBAU AG. Im Mit­tel­punkt des Pres­se­gesprächs stand das erste de­zentra­le Wohn­pro­jekt Berlins „Woh­nen und Leben im Mär­ki­schen Vier­tel – ein integra­ti­ves Wohn­kon­zept für Roma­fami­lien“. Das Wohn­pro­jekt wird seit 2015 im Rei­nicken­dor­fer Stadt­teil Mär­ki­sches Vier­tel um­ge­setzt. In einem Par­tner­schafts­ver­trag haben sich die Senats­ver­wal­tung für Arbeit, In­tegra­tion und Frauen, das Be­zirks­amt Rei­nicken­dorf, die GESOBAU AG und die Trä­ger Phinove e.V. und Aufwind e.V. zur Um­setzung des Wohn­pro­jekts ver­pflich­tet. Bis Ende 2016 wer­den zehn Roma­fa­mi­lien, die aus Süd­ost­euro­pa zu­ge­wan­dert sind, mit an­ge­mes­se­nem, be­zahl­ba­rem Wohn­raum ver­sorgt und bei der Integra­tion un­ter­stützt. Die dezentrale Wohnraumversorgung im Märki­schen Vier­tel ist eine Beson­der­heit unter den bis­lang um­gesetz­ten Wohn­pro­jek­ten für Roma in Ber­lin.

Thementage „Roma in Berlin“

Gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Arbeit, In­tegra­tion und Frauen, dem Bezirks­amt Rei­nicken­dorf, den Trä­gern Hori­zonte gGmbH, Auf­wind e.V., Phinove e.V. und unter­stützt durch den KLAK Verlag wid­met sich die GESOBAU vom 3. bis 18. Mai 2016 Euro­pas größ­ter Minder­heit und lädt In­teres­sier­te ein. Das viel­fäl­tige Programm rich­tet sich an Nach­barn in und um Rei­nicken­dorf, Stadt­teil­akteure, Schulen, Kinder­gärten und Ver­treter aus Woh­nungs­wirt­schaft und Politik sowie Interes­sen­ge­mein­schaf­ten in Berlin.

Informationen zu allen Veranstaltungen der Thementage „Roma in Berlin“ vom 3. bis 18. Mai im Mär­ki­schen Viertel fin­den Sie hier. Die Teil­nahme an allen The­men­tagen­ver­an­stal­tun­gen ist kos­ten­frei.

Zur Ausstellung „Roma in Europa – Enfances Tsiganes“: Read the rest of this entry »