Ehrungen & Nachrufe

Damian Le Bas (1963–2017)

Dezember 11th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Kunst & Fotografie

Damian Le Bas (Foto: www.jawdikh.pl)Völlig unerwartet und viel zu früh verstarb der briti­sche Künstler Damian Le Bas am Mor­gen des 9. Dezember 2017 in sei­nem Haus in Worthing. Der künst­le­ri­sche Partner und Ehe­mann von Delaine Le Bas war eine der trei­ben­den Per­sön­lich­kei­ten der Bewe­gung der Künst­ler/in­nen der Minder­heit der Sinti und Roma in Europa.

Bekannt wurde er mit seinen einzigartigen Collagen und Be­arbei­tun­gen von Landkarten, mit denen er sich mit klarem politi­schen Profil für die Gleich­berech­ti­gung der Minder­heit und ein kulturell freies und vor allem grenzen­loses Europa ein­setzte.

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Preisverdächtig: „Schluchten – Neue Nachbarn“

November 22nd, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Schluchten: Ein theatraler Spaziergang (Foto: Christian Menkel/Nyx e.V.)Zum zweiten Mal wird dieses Jahr in Deutschland der Amadeu-Antonio-Preis für krea­ti­ves Engage­ment für Men­schen­rechte – ge­gen Rassis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung ver­liehen. Von der Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung und der Stadt Eberswalde ver­geben, wür­digt der Preis kreati­ves künst­le­ri­sches Engage­ment für Men­schen­rechte. Zugleich erin­nern wir mit dem Preis an den gewalt­sa­men Tod von Amadeu Antonio vor 27 Jah­ren und an die vielen weivteren Opfer rassis­ti­scher Gewalt seit­her. Ins­gesamt drei Preise wer­den am 28. No­vem­ber 2017 ver­geben. Aus 60 Ein­rei­chun­gen der ver­schie­dens­ten Genres wähl­te die un­abhän­gi­ge Jury nun die sie­ben Nomi­nier­ten. Unter diesen das Theaterprojekt „Schluchten – Neue Nachbarn“ (ent­stan­den in Ko­opera­tion von Nyx e.V. und dem Regional­verband deutscher Sinti und Roma Augsburg). Das Web­magazin Belltower.News stellt das no­mi­nierte Projekt vor:

„Es gehört bestimmt mehr Mut dazu, einem Frem­den zu ver­trauen, als seine Anders­artig­keit abzulehnen.“ In Dorothea Schroeders Thea­ter­pro­jekt „Schluchten – Neue Nachbarn“ geht es um Vor­urteile und Vor­behalte gegen Sinti und Roma. In den Jahren 2015 und 2016 wurde es von Nyx e.V. in Zusam­men­arbeit mit dem Regional­ver­band deutscher Sinti und Roma Augsburg um­gesetzt. Schau­spieler, Sinti und Roma er­zählten authen­tische Ge­schich­ten bei ihren Füh­run­gen durch das Augs­bur­ger Fischerholz. Alexander Adler, selbst Sinto, war einer von ihnen. Mit ihm sprach Fiona Katharina Flieder.

Wie ist das Projekt entstanden?

Alexander Adler: Ich vermute, dass anfangs das Ziel von Dorothea Schroeder war, einen Einblick in die ver­meint­lich ab­geschot­tete Welt der Sinti und Roma zu gewäh­ren. Ehe­ma­lige Wohn­orte, Camping­plätze soll­ten gezeigt, auf Miss­stände hin­ge­wie­sen werden. Es sollte beleuch­tet werden, woher das Miss­trauen auf bei­den Seiten kommt und wo die größ­ten Defizite sind. Eine Tra­gödie, für die beide Sei­ten nichts können. Nach und nach zeigte sich je­doch an­schei­nend, dass es so ein­fach nicht ist. Das Projekt ent­wickelte sich weiter. Read the rest of this entry »

Preis für TV-Doku „Jenische in Österreich“

November 9th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Radio & TV

Jenische in Österreich - Fremd im eigenen Land (Foto: Puls4)Alexandra Wachter mit „Prälat-Leopold-Ungar-JournalistInnen-An­er­ken­nungs­preis“ aus­ge­zeich­net

Für die Dokumentation „Jenische in Österreich – Fremd im eigenen Land“ be­gab sich „PULS 4“-Jour­na­lis­tin Alexandra Wachter zwei Jahre lang auf Spuren­suche der „ver­ges­se­nen“ Volks­gruppe und sprach mit Betrof­fe­nen, Zeit­zeugen und Ex­perten. Am Mitt­woch wurde sie für die Doku­men­ta­tion mit dem „Prälat-Leo­pold-Ungar-Jour­na­listIn­nen-An­er­ken­nungs­preis“ in der Kate­gorie TV aus­ge­zeich­net.

Alexandra Wachter: „Ich bin dankbar und demütig, dass dieses Thema, das bisher so wenig Be­ach­tung ge­fun­den hat, durch den An­erken­nungs­preis in den Mit­tel­punkt rückt. Denn was den Mit­glie­dern dieser Volks­gruppe wider­fahren ist, wider­spricht jeg­li­cher Auf­fas­sung von Ge­rech­tig­keit. Eben dort­hin müs­sen wir als Jour­na­lis­tIn­nen blicken. Wir müs­sen auf Miss­stände hin­weisen und für Men­schen­rechte und Gleich­stellung ein­treten. Das ist der Grund, warum der Beruf der Jour­nalistin für mich eine Berufung ist.“

Begründung der Jury: In der 20-minütige Dokumentation zeigt Alexandra Wach­ter einen blin­den Fleck in der öster­rei­chi­schen Ge­schichte und auch in der Medien­bericht­erstat­tung: das Schick­sal der Jenischen, die seit Jahr­hun­derten dis­kri­mi­niert und bei uns bis heute nicht als Volks­gruppe an­erkannt sind.

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Rudolf-Sarközi-Hof Betschiste

Oktober 26th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Wien hat nun seinen Rudolf-Sarközi-Hof (Foto: KV Roma)Gemajndakero bauninipeskero akari­pe pa­lo Ru­dolf Sarközi

O kherengero bauninipeskero rot Michael Ludwig, o be­cir­kis­kero ang­le ter­tschar­do Adolf Tiller taj i ge­majn­da­keri rot­kija Barbara Novak het­vi­nate o ana­ves­kero dipe le ge­majn­da­kere bau­ni­ni­pestar andi Spring­siedel­gasse 32 ande Döbling an­do „Ru­dolf-Sar­közi-Hof“ ang­le line. Ande ada khe­res­ke­ro bau­ni­ni­pe o Sar­közi 52 ber­scha dur atsch­lahi.

O Rudolf Sarközi pe le aun prindscharipeske le Romenge taj Sintijenge ojs austritiki flo­gos­keri grupn ande beschar­tscha. Ov o erschti Rom sina, savo poli­tisch ande jek birov­tschago völim ulo. „Le Rudolf Sarköziskero dschi­vipe le ande bescha­ri­peske gejng o ar grani­ca­li­nipe, intole­ranc, taj rasis­mus sina. O histo­rischi upre butscha­li­nipe le geno­ci­distar upro euro­pi­tike Roma taj Sinti leske jek igen vodschi­kano aun­pasch­la­ripe sina“, phenel o Michael Ludwig. Buto nipo les­kera fami­ljiatar, telen­de leskeri bur­gen­lan­ditiki baba taj les­kero papu, ando loger­tscha mur­darde ule. Ando bersch 1993 jeke ala­veha o aun­prindscha­ripe ando par­la­ment le Romen­dar taj Sinti­jendar ojs austri­tiki flo­gos­keri grupn les­kere bare ande bescha­ri­peske schaj use pisim ol. Ov phur­takero keraschi la tole­ran­cake sina, phe­nel o Ludwig.

„Mindig loschanipe sina, le profesori Rudolf Sarköziha khe­tan te butscha­linel. Sar andi funk­ci­jona ojs becir­kis­kero rot, sar te ojs schero le kultu­ra­kere faraj­nistar, schaj but pro­jektscha khe­tan prik beshar­tscham. Les­kero manu­scha­nipe taj pomo­schago na tschajk an­de Döbling sina, upro cilo them lo prin­dschardo sina taj leske but pali­ke­ripe taj aun­prin­dscha­ripe antscha“, phe­nel o be­cirkis­kero angle ter­dscha­schi Adolf Tiller.

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Gemeindebau nach Rudolf Sarközi benannt

Oktober 11th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Wien hat nun seinen Rudolf-Sarközi-Hof (Foto: KV Roma)Wien: Die städtische Wohnhausanlage Spring­sie­del­gasse 32 trägt nun den Na­men des Grün­ders des Kul­tur­vereins ös­ter­rei­chi­scher Roma

Rudolf Sarközi setzte sich federführend für die An­er­ken­nung der Roma und Sinti als öster­reichi­sche Volks­gruppen ein. Er war der erste Rom, der in Öster­reich in ein politi­sches Amt gewählt wurde. Zwi­schen 2001 und 2010 war er Bezirks­rat in Wien-Döb­ling, wo er seit Jahr­zehnten wohnte. Wohnbau­stadt­rat Michael Ludwig, Bezirks­vor­ste­her Adolf Tiller und Ge­meinde­rätin Barbara Novak nah­men am Mon­tag die Namens­gebung des Ge­meinde­Baus Spring­siedel­gasse 32 in Döbling in „Rudolf-Sarközi-Hof“ vor. In dieser Wohn­haus­anlage leb­te Sarközi 52 Jah­re lang.

Der Rudolf-Sarközi-Hof

Die in Hanglage von 1952 bis 1954 errichtete Siedlung um­fasst 15 Baublöcke mit ins­ge­samt 19 Stiegen auf die sich 181 Wohnun­gen ver­tei­len. Zwi­schen den Blöcken liegt eine groß­zügige Grün­raum­fläche mit Durch­gangs­möglich­keiten zu den einzel­nen Stiegen. Geplant wurde die An­lage von den Architek­ten Heinrich Vana (1889–1967) und Norbert Schlesinger (1908–1980).

Rudolf Sarközi

Rudolf Sarközi wurde am 11. November 1944 im Konzentrationslager Lackenbach ge­bo­ren und wuchs im süd­li­chen Burgenland auf. Als Rom dis­kri­mi­niert, blieb ihm ein Lehr­platz ver­wehrt, wes­wegen er als Hilfs­arbeiter tätig war. 1964 wurde Wien sein Lebens- und Arbeits­mit­tel­punkt, wo er 1980 als Kraft­fahrer in den Dienst der Stadt Wien trat. Sarközi en­ga­gierte sich schon früh für die An­erken­nung seiner Volks­gruppe. 1991 grün­dete er den Kultur­verein öster­rei­chi­scher Roma, dem er als Ob­mann vor­stand. Er war außer­dem feder­führend an der Vor­berei­tung des National­rats­beschlus­ses be­teiligt, der die Roma und Sinti als öster­rei­chi­sche Volks­gruppe an­erkann­te. Read the rest of this entry »

Barikani Romni andar i Tschechija muli

Juli 22nd, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken

Emilie Machalkova90 berschenca jek le lejcti prik dschivde holocaust Ro­men­dar andar i Tsche­chi­ja Emílie Machálková muli. Oj na ande loger­tscha ledschim uli, lake o biro andar i ge­majn­di Nesovice, sa­ves­ke oj buti kerlahi, po­mo­schin­tscha. Ov le nimtschke „Gestapo“ schaj prik va­ker­tscha taj af­ka odoj schaj atschi­ni. Pedar lake­ro mu­lipe o tsche­chi­ti­ko radijo CRo phu­katscha. „Sako di, kada me la srastunaha upri buti la­dahi, o nimtsch­ke haren­gere odoj sina“, phen­tscha oj jef­kar uso pro­jekto „Gedächt­nis der Nation“. „Taj sa­kovar man phutschle, sos­ke me telal o nipo som, sar oda al, soske me na ande logeri som.“ Bute­der sar 30 dschene latar ando naci­jo­nal­so­ci­ja­lis­ti­schi rajipe mur­dar­de ule. Palo ha­buri i Machálková ojs dschi­lasch­kija tra­di­ci­jo­neli Ro­mane dschi­la­schen­ca peske anav kertscha. Pa­loda vake­rip­tscha liker­lahi terne dsche­nenge pe­dar la­keri his­tori­ja la­kere ni­postar. Oj andar bari­kani fa­mili­ja al: La­kero batschi ando masch­karutno ha­buri la Tsche­cho­slo­vaki­jatar o ersch­ti fisch­ga­ro­schi andar o Ro­men­gero tschu­lipe sina. Read the rest of this entry »

Emílie Machálková (1926–2017)

Juli 19th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken

Emílie Machálková (Foto: Roma Museum Brünn)Letzte Überlebende des Völker­mords an tsche­chi­schen Roma ge­stor­ben

Die letzte Überlebende des Völkermords an den tsche­chi­schen Roma, Emílie Machálková, ist tot. Sie starb im Alter von 90 Jah­ren, be­rich­te­te der Tsche­chi­sche Rund­funk in seinen Inlands­sen­dungen am Mon­tag. Die Natio­nal­sozia­lis­ten woll­ten auch die Fa­mi­lie von Machálková in ein Ver­nich­tungs­lager brin­gen. Der Bürger­meister ihres Heimat­ortes konnte aber bei der Gestapo in Brno / Brünn eine Aus­nah­me aus­han­deln. Wähvrend des Zwei­ten Weltkriegs haben die Deutschen 90 Pro­zent der tsche­chi­schen Roma er­mor­det. Nur 600 der ins­gesamt 6000 An­ge­hö­ri­gen über­lebten den Porajmos, den Völkermord an den euro­päi­schen Roma.

(Text: Radio Praha)

Rosa Taikon (1926–2017)

Juni 5th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Rosa TaikonDie schwedische Silberschmiedin, Künstlerin und Roma-Aktivistin Rosa Taikon ist tot.

Rosa Taikon kam am 30. Juli 1926 in einem Wohnwagen in der schwe­di­schen Stadt Tibro zur Welt. Sie ent­stammte einer über Russ­land nach Schweden ge­lang­ten Fa­mi­lie von Kalderaš-Roma. Rosa Tai­kon, älte­re Schwester der Autorin Katarina Taikon (1932–1995), war nicht nur für ihren be­son­de­ren Schmuck und ihre Silber­arbeiten be­kannt, mit denen sie an alte Kunst­tra­di­tio­nen der Roma an­knüpf­te und die heute zu den Expona­ten von Nationalmuseum und Röhsska Museum ge­hö­ren, son­dern auch für ihren lebens­lan­gen Kampf für die Rechte der Roma in Schweden. 2013 wur­de sie mit dem Olof Palme-Preis für Men­schen­rechte aus­ge­zeich­net.

Am 1. Juni 2017 verstarb Rosa Taikon im 91. Lebens­jahr in ihrem mittel­schwe­di­schen Heimatort Ytterhogdal (Härjedalen).

(dROMa)

Mehr hier: Rosa Taikon, Rombase (2002)

Roma-Seelsorger Werner Klawatsch verstorben

Mai 15th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Religion

Werner Klawatsch

Österreichs erster Roma-Seelsorger Ehrenkons.Rat Mag. Werner Klawatsch ist am 10. Mai nach längerer Krank­heit in Wiesen verstorben.

Werner Klawatsch wurde am 14. April 1939 in Wiener Neustadt geboren und wuchs in seiner Heimtat­pfarre Wiesen auf. 1962 wurde er im Eisen­städter Dom zum Priester geweiht. Bis zu seinem Ruhe­stand im Jahr 2009 betreute Werner Klawatsch die drei Pfarr­gemeinden Neutal, Markt St. Martin, wo er auch seinen Wohn­sitz fand, und Landsee. Von 1998 bis 2008 leitete er als Dechand das Dekanat Ober­pullen­dorf, dazu kam seine Mitarbeit in ver­schie­denen wich­tigen diöze­sanen Gremien.

Einen großen Dienst erwies er der Diözese Eisenstadt und vor allem der Volks­gruppe der Roma durch die Wahr­nehmung der Leitung des Referates für die Pastoral an Ange­hö­rigen ethnischer Gruppen – und damit als erster Seel­sorger für die Ange­hö­rigen der Roma in der Diözese Eisenstadt – von 1995 bis 2002. Mit den Aufgaben des Seel­sorgers für die Roma und Sinti in Öster­reich betraute ihn während dieser Zeit auch die Öster­rei­chische Bischofs­konferenz. Er nahm auch diese seel­sor­ge­rische Aufgabe mit großem Einsatz und Einfühlungs­vermögen wahr.

Die Begräbnisfeier für den verstorbenen Priester beginnt am Dienstag, dem 16. Mai 2017, um 15 Uhr mit der hl. Messe in der Pfarr­kirche zum Heiligen Geist in Wiesen, anschlie­ßend erfolgt die Beisetzung im Priester­grab der Pfarre Wiesen.

GfbV-Gründer Tilman Zülch hört auf

März 29th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Tilman Zülch zieht sich zurück (Foto: Werner Fuhrmann/GfbV.de)Ein Le­ben für die Men­schen­rech­te von Min­der­hei­ten welt­weit

Nach fast 50 Jahren beendet einer der pro­fi­lier­tes­ten Menschen­recht­ler Deutsch­lands, Tilman Zülch, sei­ne Tä­tig­keit als Ge­neral­sekre­tär der Gesell­schaft für bedrohte Völker (GfbV). Künf­tig wird der 77 Jah­re alte GfbV-Grün­der die GfbV-Kam­pagnen be­ratend beglei­ten. Die poli­ti­sche Leitung der Men­schen­rechts­organi­sa­tion über­nimmt der lan­gjährige GfbV-Asien- und Afrika-Ex­pe­rte Ulrich Delius.

In einer Dokumentation zum 50-jährigen Be­ste­hen der GfbV wird Tilman Zülch den kon­sequen­ten Kampf der GfbV gegen Völker­mord und Massen­ver­trei­bung ethni­scher sowie re­ligiö­ser Min­der­hei­ten und indi­gener Ge­mein­schaf­ten seit 1968 fest­halten. Die GfbV ging aus der von den da­ma­li­gen Ham­bur­ger Studen­ten Zülch und Klaus Guercke 1968 ge­grün­de­ten „Aktion Biafra-Hilfe“ her­vor. Mit Tilman Zülch an der Spitze ist die GfbV immer wieder gegen den Strom geschwom­men und hat sich nicht zu­letzt für Volks­gruppen ein­gesetzt, „von denen keiner spricht“, so der Titel eines der von Zülch heraus­ge­ge­be­nen Bücher.

1979 bis 1981 machte die GfbV den bis dahin tabui­sier­ten Holocaust an Sinti und Roma bekannt. Der von Zülch 1979 heraus­ge­ge­bene Band „In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt“ (mit einem Vor­wort des Phi­lo­sophen Ernst Tugendhat), ein ge­mein­sam mit dem Verband deutscher Sinti unter Romani Rose or­ga­ni­sier­ter Trauer­marsch zur KZ-Gedenk­stätte Bergen-Belsen (1979) mit der da­ma­li­gen Prä­si­den­tin des Europa­par­la­ments Simone Veil und Heinz Galinski, da­ma­li­ger Prä­sident des Zentral­rats der Juden in Deutschland, so­wie schließ­lich der Inter­na­tio­na­le Roma-Kongress (1981) in Göttingen unter Schirm­herr­schaft von Simon Wiesenthal und Indira Ghandi mit 400 Roma-De­le­gier­ten aus 26 Staaten und fünf Kon­tinen­ten brachten den Durch­bruch: Der Genozid wurde von der Bundes­regierung an­er­kannt. Staaten­lose Sinti er­hielten ihre deutsche Staats­bürger­schaft zurück, die Be­zeich­nung Sinti/Roma an­stelle von Zigeuner wur­de durch­gesetzt und die neu ent­stande­nen Insti­tu­tio­nen der Volks­gruppe wurden nun staat­lich ge­för­dert.

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