Ehrungen & Nachrufe

Wien bekommt Ceija-Stojka-Platz

September 11th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Ceija Stojka (Foto: Radiofabrik.at)Fest zur Namensgebung in Wien-Neubau

12. September 2014, um 17 Uhr
Ort: Ceija-Stojka-Platz, 7., Lerchenfelder Straße 111 (vor der Altlerchenfelder Kirche)

Am Freitag, dem 12. September 2014, lädt Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger zum großen Namensge­bungs­fest und zur feier­lichen Enthüllung der offi­ziel­len Namens­tafel des neuen Ceija-Stoj­ka-Platzes. Damit ehrt Neu­bau die heraus­ra­gende Künstlerin und Schriftstellerin Ceija Stojka, die lange in Neubau gelebt und gear­bei­tet hat. Neben dem feier­lichen Akt der Enthüllung und Platz­ein­seg­nung hat das Büro der „Lebendigen Lerchen­felder Straße“ ein schönes Rahmen­programm orga­ni­siert: Nuna Stojka liest aus dem Werk Ceija Stojkas und Hojda Stojka & Freunde werden das Fest musi­ka­lisch begleiten. Gemein­sam soll Leben und Werk der großen Neu­bauerin gewür­digt werden. Der Verein „All Inclusive“ bietet eine Aktion für Kinder und Jugend­liche an.

Zur Biografie Ceija Stojkas:

Die Sängerin, Autorin und Malerin arbeitete jahrzehn­te­lang dafür, die Verfolgungs­ge­schich­te der Sinti und Roma im Nationalsozialismus zu the­ma­ti­sieren und das ihnen wider­fah­rene Unrecht sichtbar zu machen. Als tief­gläubige Katholikin be­suchte sie die Altlerchen­felder Kirche regel­mäßig. Stojka kam 1933 zur Welt. 1938 wurde ihre Familie zur Sess­haftig­keit gezwun­gen. 1944 wurde sie mit ihrer Mutter und ihren Schwestern ins KZ Auschwitz, später ins KZ Ravensbrück und schließlich ins KZ Bergen-Belsen ver­schleppt. Von ihrer großen Familie über­lebten nur sie, ihre Mutter und vier Schwestern. Nach dem Krieg lebte sie bis zu ihrem Tod Anfang 2013 in Neubau.

(Text: wien.gv.at)

Peret, der König der Rumba, ist tot

August 28th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Peret, der „Vater“ der Rumba Catalana, ist tot. Geboren 1935 als Pedro Pubill Calaf in Mataró, Barcelona, galt Peret als ei­ner der heraus­ra­gendsten Ver­tre­ter dieser Musik­rich­tung, die sich in den 1950er und 1960er Jahren vor allem in den Gitano-Com­mu­nities von Barcelona heraus­ge­bildet hat: eine Mischung von Rumba, Flamenco, spa­ni­schem Schlager und Rock ’n’ Roll. Er erlag ges­tern in Bar­ce­lona seinem Krebsleiden.

Moltes gràcies, mestre, descansi en pau!

Selim Sesler (1957-2014)

Juni 28th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Der große Klarinettist Selim Sesler ist tot. Der türkische Roma-Musiker ver­starb be­reits am 9. Mai in ei­nem Spi­tal in Istan­bul an ei­nem Herz­leiden.

Seslers außerordentliches musikalisches Wirken (hier ein Fes­tival­auf­tritt mit der US-Band Lamajamal 2010 in Chicago) wurde u.a. 2005 in Fatih Akins preis­gekrön­tem Film „Crossing the bridge – The sound of Istan­bul“ doku­men­tiert. Im Pressetext der Filmproduktion hieß es damals über den Ausnahmeklarinettisten:

Selim Sesler ist Rom und stammt aus Keşan, einer kargen Klein­stadt in Thrakien, dem Teil der Türkei auf dem euro­päi­schen Kon­ti­nent, etwa 250 Kilo­meter west­lich von Istanbul. Von hier aus hat er es bis zu einem respek­tier­ten Virtuosen gebracht, der die Musik seiner Hei­mat in die Welt trägt und auf Ton­trä­gern ver­ewigt. Als er vor 18 Jahren in die Stadt kam, spielte er in Res­tau­rants und Cafés für eine Hand­voll Lira, aber da sich die Ressen­ti­ments der Gesell­schaft ge­gen­über den Roma legten, nicht zuletzt, weil die Türken ihre Liebe zu deren Musik ent­deckten, wurde Selim Sesler von der Istan­buler Bohème ent­deckt und im wahrs­ten Sinne des Wor­tes salonfähig.

Bob Hoskins (1942-2014)

Mai 1st, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater

Bob Hoskins (Foto: "Passed Away", 1992)

Der britsche Schauspieler Bob Hoskins ist tot.

Der Filmstar verstarb am Dienstag mit 71 Jahren an einer Lungen­ent­zün­dung. Erst kürzlich hatte er seinen Beruf aus gesund­heit­lichen Gründen auf­gegeben.

Hoskins familiärer Hintergrund verband ihn mit den Roma: Seine Großmutter, heißt es im Nachruf des „Independent“, war eine aus Deutsch­land nach England aus­ge­wan­derte Romni. Diesen Roma-Hin­ter­grund habe Hoskins, schrieb der Roma-Gelehrte Ian Hancok einmal in einer Filmkritik, immer wieder öffent­lich zur Sprache gebracht. Bob Hoskins zufolge geht auch die Idee zu seinem ersten eige­nen Spielfilm auf Erzäh­lun­gen seiner Großmutter zurück: In „The Raggedy Rawney“ (1988) erzählt Hoskins von einem Deser­teur, der sich wäh­rend des Krieges mit einer Roma-Gruppe durch­schlägt – verkleidet als Roma-Frau. Hancock merkt weiters an, dass auch die Roma-Figuren im spä­teren Film „Last orders“ (2001) vermut­lich auf Hoskins’ Betreiben zurück­zuführen seien.

Farewell, Bob Hoskins!

Bürgerrechtspreis an Tilman Zülch

März 27th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen

Preisträger Tilman Zülch (Foto: Bürgerrechtspreis)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma verleiht Europäischen Bürgerrechts­preis der Sinti und Roma an den General­sekre­tär der Gesell­schaft für bedrohte Völker (GfbV) Tilman Zülch. Der Son­der­preis geht an Jugend-NGO Amaro Drom e.V.

Heute vergeben das Dokumentations- und Kulturzentrum und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sowie die Manfred-Lautenschläger-Stiftung zum vierten Mal den mit 15.000 Euro dotier­ten Europäischen Bür­ger­rechts­preis der Sinti und Roma im Aus­wärti­gen Amt in Berlin. Dies­jähri­ger Preisträger ist der Gründer und General­sekre­tär der Gesellschaft für bedrohte Völker Tilman Zülch, wie die inter­na­tio­nal besetzte Jury bei ihrer Sitzung in Hei­del­berg ein­stim­mig beschloss. Den mit 5.000 Euro dotier­ten Sonderpreis erhält die Ju­gend­or­ga­ni­sa­tion Amaro Drom e.V.

Tilman Zülch (geb. 1939) war bereits als Jugend­licher und Student in Hamburg poli­tisch enga­giert. Seit den 1970er Jahren setzte er sich für die Sinti und Roma ein und be­tei­ligte sich maß­geb­lich an den Aktio­nen der damals jun­gen Bürger­rechts­bewe­gung, die sich gegen anhal­tende Diskri­minie­rung und gesell­schaft­liche Aus­gren­zung rich­te­ten. Tilman Zülch tritt bis heute euro­pa­weit für die Rechte der Sinti und Roma ein und be­zieht ge­gen jede Form von Diskri­mi­nie­rung und Rassismus Stel­lung. Es ist Til­man Zülch mit zu ver­dan­ken, dass die Sinti und Roma heute eine der vier aner­kannten nationalen Minderheiten in Deutschland sind. Die Jury einig­te sich auf Til­man Zülch als Preis­träger, weil er sich seit der Grün­dung der Gesellschaft für bedrohte Völker welt­weit für die Rechte von Min­der­hei­ten stark gemacht habe und sich dabei nie­mals einer Ideo­logie ver­pflich­tet ge­fühlt habe, sondern immer die Mensch­lich­keit im Mittel­punkt seines Handelns stand.

Amaro Drom, Empfänger des mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreises, ist ein inter­kultu­rel­ler Jugendverband von Roma und Nicht-Roma mit dem Ziel, jun­gen Menschen durch Empowerment, Mo­bi­lisie­rung, Selbst­organi­sa­tion und Par­ti­zi­pa­tion Raum zu schaf­fen, um aktive Bür­gerinnen und Bürger zu werden. Read the rest of this entry »

Tschatschipengero dipe le Tilman Zülchiske

März 25th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen

Tilman Zülch (Foto: GfbV)Europotiko tschatschipen­gero dipe le Sintijen­dar taj Ro­men­dar le Til­man Zülchiske

O europitiko polgaren­gero tschatschi­pen­gero dipe le Sintijen­dar taj Romen­dar dschal ada bersch le kera­schis­ke taj gene­ral­sekre­tariske la Gesell­schaftake le Fogo­sime Polga­renge (GfbV), Tilman Zülch. Ada o Zentralrat Deutscher Sinti taj Roma hetvi­nate ande Heidelberg phentscha. Zülch (74) ando Göttingen i GfbV 1970 kertscha. I manu­schen­geri tschatschi­pen­geri organi­sacija gejng polga­ren­gero murda­ripe, tradipe taj rasismus hi. Oj pe ande bescha­rel le palaji­peske le tra­dime dsche­nen­dar taj i integ­racija politischi naschi­pa­schen­dar ande len­gere vilagi. O 15.000 euro dotirte dipe, savo imar o schtartovar fadim ol, ando 27. merc ando avrutno birov­tschago ando Berlin prik dim te ol.

(volksgruppen.orf.at)

Mongo Stojka (1929-2014)

März 18th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Mongo und Ceija Stojka bei der Einweihung des Barankaplatzes (Foto: Kulturraum 10 Favoriten)Muschikaschi taj pisimaschi Mongo Stojka mulo

Johann Mongo Stojka idsch andi rat pal dugo nas­va­lipe ando 84 bersch mulo, sar les­keri fa­milja adi phentscha. O dschi­la­schi, gita­risto taj pisi­ma­schi Stojka ando 20. maj 1929 ande Guntramsdorf upro them alo. Ov o lo­ge­ri Auschwitz-Bir­ke­nau, Buchenwald sar Dachau prik dschiv­tscha. Les­ke­ra fami­lja­tar andar o valami 200 dschene tschak schov o murda­ripe prik dschivde.

Tschak tschule prik dschivde — Le Mongo Stojka­sis­kera bara fami­ljiatar tschak ov, schtar phenja, phrala taj leskeri daj o logeri ter dschivde. „Tschak schov dschene mra fami­lja­tar kher ale“, phenel o Stojka butvar. Les­kero terno phral Osi ando Auschwitz mulo, les­kero dad ande Dachau mur­dar­do ulo. Kaj o avre 200 schel leskera fami­ljia­tar taj leskeri baba murdarde ule dschi adi ov meg na dscha­nel. But berscha ov nischta pedar ada so lenca kerdo ulo valaso phu­kav­lahi, pedar o manu­schen­gero hasinipe taj ada horror. Ande leskeri erschti kenva „Papierene Kinder“ kes­dintscha ov pedar pri familija te pisinel.

Barankapark, phendo sar upre leskeri baba Baranka Duach o keripe le Mongo Stojka­sis­keri palgon­do­lipes­keri buti butschol i Hellerwiese, dschi uso tel utscharipe „Belgrader Platz“ phenahi, akan oficijeli „Baranka­park-Hel­ler­wiese“. I Baran­ka, i kamli baba, saves­kero anav o Mongo Stojka use sako koja but kis­ta­vi­peha angle asdel, ando astaripe la NS-atar peli, sar o avre dschene la fami­lja­tar Stoj­ka up­ri Hellerwiese.

(volksgruppen.orf.at)

Mongo Stojka verstorben

März 18th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Mongo Stojka (Filmstill aus: "Vergessene Opfer")Musiker und Autor Mongo Stojka ist gestorben

Johann Mongo Stojka ist vorgestern in der Nacht nach ei­ner lan­gen Krank­heit im Alter von 84 Jah­ren gestor­ben, wie die Familie jetzt mit­teilte. Der Sänger, Gitar­rist und Autor Stoj­ka wurde am 20. Mai 1929 in Guntramsdorf ge­bo­ren. Er über­lebte die Kon­zentra­tions­lager Auschwitz-Bir­kenau, Bu­chen­wald so­­wie Dachau.

Nur wenige überlebt — Von Mongo Stojkas Großfamilie haben nur er, vier Ges­chwis­ter und seine Mutter die Kon­zentra­tions­la­ger über­lebt. „Nur sechs Personen meiner Familie kamen zurück nach Hause“, wie­der­hol­te Stojka sehr oft. Sein jüngs­ter Bruder Osi starb in Auschwitz, sein Vater wur­de in Dachau er­mor­det. Wo die ursprüng­lich 200 Familien­mit­glie­der und seine Groß­mut­ter ermor­det wur­den, wusste er bis heute nicht. Jahr­zehn­te­lang schwieg Stojka über seine Ver­gan­gen­heit, über den blan­ken Men­schen­hass und den Horror. Erst in seinem ersten Buch „Papierene Kinder“ be­gann er über seine aus­ge­lösch­te Fami­lie zu schrei­ben.

Barankapark, benannt nach seiner Großmutter Baranka — Durch Mongo Stoj­kas un­er­müd­liche Erinnerungs­arbeit heißt die Hellerwiese in Wien, bis­her Belgrader Platz genannt, nun offi­ziell „Baran­ka­park-Hel­ler­wiese“. Die Baranka, die geliebte Groß­mut­ter, deren Namen Mongo Stojka stets mit viel Bewun­de­rung erwähnte, geriet in die Fänge der Natio­nal­sozia­lis­ten, wie die ande­ren Mit­glieder der Stojka-Fa­mi­lie auf der Hellerwiese. Am 4. Juni 2004 wurde auf der Hel­ler­wiese die neue Erin­ne­rungs­tafel anstelle der von Van­dalen verwüs­teten alten Gedenk­stätte feier­lich ent­hüllt. Für die Errich­tung die­ser Gedenktafel hat sich Mongo Stojka stark ein­ge­setzt. 1999 pflanzte J. Mon­go Stojka zu Eh­ren von Baranka einen Kastanienbaum.

(volksgruppen.orf.at)

Paco de Lucía (1947-2014)

Februar 26th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Gestern starb der andalusische Star­gitarrist Paco de Lucía 66-jährig in Mexiko. Er war einer der ganz Großen des zeit­ge­nös­si­schen Flamenco – hier zu sehen bei einem Auf­tritt 1976 mit ei­nem ande­ren ganz Großen, sei­nem Freund Camarón de la Isla, dem Jimi Hendrix der spanischen Gitanos.

Mri Historija: Karl Horvath

November 21st, 2013  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Interview

Karl Horvath, verstorben am 16. November 2013, war einer der Inter­view­part­ner unse­res Roma-Zeitzeugen-Pro­jekts Mri Historija. Hier sehen Sie einige Aus­züge aus dem Interview. Karl Hor­vaths Lebensgeschichte ist Heft 16 der Edition ge­widmet (mehr hier).