Ehrungen & Nachrufe

Selim Sesler (1957-2014)

Juni 28th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Der große Klarinettist Selim Sesler ist tot. Der türkische Roma-Musiker ver­starb be­reits am 9. Mai in ei­nem Spi­tal in Istan­bul an ei­nem Herz­leiden.

Seslers außerordentliches musikalisches Wirken (hier ein Fes­tival­auf­tritt mit der US-Band Lamajamal 2010 in Chicago) wurde u.a. 2005 in Fatih Akins preis­gekrön­tem Film „Crossing the bridge – The sound of Istan­bul“ doku­men­tiert. Im Pressetext der Filmproduktion hieß es damals über den Ausnahmeklarinettisten:

Selim Sesler ist Rom und stammt aus Keşan, einer kargen Klein­stadt in Thrakien, dem Teil der Türkei auf dem euro­päi­schen Kon­ti­nent, etwa 250 Kilo­meter west­lich von Istanbul. Von hier aus hat er es bis zu einem respek­tier­ten Virtuosen gebracht, der die Musik seiner Hei­mat in die Welt trägt und auf Ton­trä­gern ver­ewigt. Als er vor 18 Jahren in die Stadt kam, spielte er in Res­tau­rants und Cafés für eine Hand­voll Lira, aber da sich die Ressen­ti­ments der Gesell­schaft ge­gen­über den Roma legten, nicht zuletzt, weil die Türken ihre Liebe zu deren Musik ent­deckten, wurde Selim Sesler von der Istan­buler Bohème ent­deckt und im wahrs­ten Sinne des Wor­tes salonfähig.

Bob Hoskins (1942-2014)

Mai 1st, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater

Bob Hoskins (Foto: "Passed Away", 1992)

Der britsche Schauspieler Bob Hoskins ist tot.

Der Filmstar verstarb am Dienstag mit 71 Jahren an einer Lungen­ent­zün­dung. Erst kürzlich hatte er seinen Beruf aus gesund­heit­lichen Gründen auf­gegeben.

Hoskins familiärer Hintergrund verband ihn mit den Roma: Seine Großmutter, heißt es im Nachruf des „Independent“, war eine aus Deutsch­land nach England aus­ge­wan­derte Romni. Diesen Roma-Hin­ter­grund habe Hoskins, schrieb der Roma-Gelehrte Ian Hancok einmal in einer Filmkritik, immer wieder öffent­lich zur Sprache gebracht. Bob Hoskins zufolge geht auch die Idee zu seinem ersten eige­nen Spielfilm auf Erzäh­lun­gen seiner Großmutter zurück: In „The Raggedy Rawney“ (1988) erzählt Hoskins von einem Deser­teur, der sich wäh­rend des Krieges mit einer Roma-Gruppe durch­schlägt – verkleidet als Roma-Frau. Hancock merkt weiters an, dass auch die Roma-Figuren im spä­teren Film „Last orders“ (2001) vermut­lich auf Hoskins’ Betreiben zurück­zuführen seien.

Farewell, Bob Hoskins!

Bürgerrechtspreis an Tilman Zülch

März 27th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen

Preisträger Tilman Zülch (Foto: Bürgerrechtspreis)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma verleiht Europäischen Bürgerrechts­preis der Sinti und Roma an den General­sekre­tär der Gesell­schaft für bedrohte Völker (GfbV) Tilman Zülch. Der Son­der­preis geht an Jugend-NGO Amaro Drom e.V.

Heute vergeben das Dokumentations- und Kulturzentrum und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sowie die Manfred-Lautenschläger-Stiftung zum vierten Mal den mit 15.000 Euro dotier­ten Europäischen Bür­ger­rechts­preis der Sinti und Roma im Aus­wärti­gen Amt in Berlin. Dies­jähri­ger Preisträger ist der Gründer und General­sekre­tär der Gesellschaft für bedrohte Völker Tilman Zülch, wie die inter­na­tio­nal besetzte Jury bei ihrer Sitzung in Hei­del­berg ein­stim­mig beschloss. Den mit 5.000 Euro dotier­ten Sonderpreis erhält die Ju­gend­or­ga­ni­sa­tion Amaro Drom e.V.

Tilman Zülch (geb. 1939) war bereits als Jugend­licher und Student in Hamburg poli­tisch enga­giert. Seit den 1970er Jahren setzte er sich für die Sinti und Roma ein und be­tei­ligte sich maß­geb­lich an den Aktio­nen der damals jun­gen Bürger­rechts­bewe­gung, die sich gegen anhal­tende Diskri­minie­rung und gesell­schaft­liche Aus­gren­zung rich­te­ten. Tilman Zülch tritt bis heute euro­pa­weit für die Rechte der Sinti und Roma ein und be­zieht ge­gen jede Form von Diskri­mi­nie­rung und Rassismus Stel­lung. Es ist Til­man Zülch mit zu ver­dan­ken, dass die Sinti und Roma heute eine der vier aner­kannten nationalen Minderheiten in Deutschland sind. Die Jury einig­te sich auf Til­man Zülch als Preis­träger, weil er sich seit der Grün­dung der Gesellschaft für bedrohte Völker welt­weit für die Rechte von Min­der­hei­ten stark gemacht habe und sich dabei nie­mals einer Ideo­logie ver­pflich­tet ge­fühlt habe, sondern immer die Mensch­lich­keit im Mittel­punkt seines Handelns stand.

Amaro Drom, Empfänger des mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreises, ist ein inter­kultu­rel­ler Jugendverband von Roma und Nicht-Roma mit dem Ziel, jun­gen Menschen durch Empowerment, Mo­bi­lisie­rung, Selbst­organi­sa­tion und Par­ti­zi­pa­tion Raum zu schaf­fen, um aktive Bür­gerinnen und Bürger zu werden. Read the rest of this entry »

Tschatschipengero dipe le Tilman Zülchiske

März 25th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen

Tilman Zülch (Foto: GfbV)Europotiko tschatschipen­gero dipe le Sintijen­dar taj Ro­men­dar le Til­man Zülchiske

O europitiko polgaren­gero tschatschi­pen­gero dipe le Sintijen­dar taj Romen­dar dschal ada bersch le kera­schis­ke taj gene­ral­sekre­tariske la Gesell­schaftake le Fogo­sime Polga­renge (GfbV), Tilman Zülch. Ada o Zentralrat Deutscher Sinti taj Roma hetvi­nate ande Heidelberg phentscha. Zülch (74) ando Göttingen i GfbV 1970 kertscha. I manu­schen­geri tschatschi­pen­geri organi­sacija gejng polga­ren­gero murda­ripe, tradipe taj rasismus hi. Oj pe ande bescha­rel le palaji­peske le tra­dime dsche­nen­dar taj i integ­racija politischi naschi­pa­schen­dar ande len­gere vilagi. O 15.000 euro dotirte dipe, savo imar o schtartovar fadim ol, ando 27. merc ando avrutno birov­tschago ando Berlin prik dim te ol.

(volksgruppen.orf.at)

Mongo Stojka (1929-2014)

März 18th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Mongo und Ceija Stojka bei der Einweihung des Barankaplatzes (Foto: Kulturraum 10 Favoriten)Muschikaschi taj pisimaschi Mongo Stojka mulo

Johann Mongo Stojka idsch andi rat pal dugo nas­va­lipe ando 84 bersch mulo, sar les­keri fa­milja adi phentscha. O dschi­la­schi, gita­risto taj pisi­ma­schi Stojka ando 20. maj 1929 ande Guntramsdorf upro them alo. Ov o lo­ge­ri Auschwitz-Bir­ke­nau, Buchenwald sar Dachau prik dschiv­tscha. Les­ke­ra fami­lja­tar andar o valami 200 dschene tschak schov o murda­ripe prik dschivde.

Tschak tschule prik dschivde — Le Mongo Stojka­sis­kera bara fami­ljiatar tschak ov, schtar phenja, phrala taj leskeri daj o logeri ter dschivde. „Tschak schov dschene mra fami­lja­tar kher ale“, phenel o Stojka butvar. Les­kero terno phral Osi ando Auschwitz mulo, les­kero dad ande Dachau mur­dar­do ulo. Kaj o avre 200 schel leskera fami­ljia­tar taj leskeri baba murdarde ule dschi adi ov meg na dscha­nel. But berscha ov nischta pedar ada so lenca kerdo ulo valaso phu­kav­lahi, pedar o manu­schen­gero hasinipe taj ada horror. Ande leskeri erschti kenva „Papierene Kinder“ kes­dintscha ov pedar pri familija te pisinel.

Barankapark, phendo sar upre leskeri baba Baranka Duach o keripe le Mongo Stojka­sis­keri palgon­do­lipes­keri buti butschol i Hellerwiese, dschi uso tel utscharipe „Belgrader Platz“ phenahi, akan oficijeli „Baranka­park-Hel­ler­wiese“. I Baran­ka, i kamli baba, saves­kero anav o Mongo Stojka use sako koja but kis­ta­vi­peha angle asdel, ando astaripe la NS-atar peli, sar o avre dschene la fami­lja­tar Stoj­ka up­ri Hellerwiese.

(volksgruppen.orf.at)

Mongo Stojka verstorben

März 18th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Mongo Stojka (Filmstill aus: "Vergessene Opfer")Musiker und Autor Mongo Stojka ist gestorben

Johann Mongo Stojka ist vorgestern in der Nacht nach ei­ner lan­gen Krank­heit im Alter von 84 Jah­ren gestor­ben, wie die Familie jetzt mit­teilte. Der Sänger, Gitar­rist und Autor Stoj­ka wurde am 20. Mai 1929 in Guntramsdorf ge­bo­ren. Er über­lebte die Kon­zentra­tions­lager Auschwitz-Bir­kenau, Bu­chen­wald so­­wie Dachau.

Nur wenige überlebt — Von Mongo Stojkas Großfamilie haben nur er, vier Ges­chwis­ter und seine Mutter die Kon­zentra­tions­la­ger über­lebt. „Nur sechs Personen meiner Familie kamen zurück nach Hause“, wie­der­hol­te Stojka sehr oft. Sein jüngs­ter Bruder Osi starb in Auschwitz, sein Vater wur­de in Dachau er­mor­det. Wo die ursprüng­lich 200 Familien­mit­glie­der und seine Groß­mut­ter ermor­det wur­den, wusste er bis heute nicht. Jahr­zehn­te­lang schwieg Stojka über seine Ver­gan­gen­heit, über den blan­ken Men­schen­hass und den Horror. Erst in seinem ersten Buch „Papierene Kinder“ be­gann er über seine aus­ge­lösch­te Fami­lie zu schrei­ben.

Barankapark, benannt nach seiner Großmutter Baranka — Durch Mongo Stoj­kas un­er­müd­liche Erinnerungs­arbeit heißt die Hellerwiese in Wien, bis­her Belgrader Platz genannt, nun offi­ziell „Baran­ka­park-Hel­ler­wiese“. Die Baranka, die geliebte Groß­mut­ter, deren Namen Mongo Stojka stets mit viel Bewun­de­rung erwähnte, geriet in die Fänge der Natio­nal­sozia­lis­ten, wie die ande­ren Mit­glieder der Stojka-Fa­mi­lie auf der Hellerwiese. Am 4. Juni 2004 wurde auf der Hel­ler­wiese die neue Erin­ne­rungs­tafel anstelle der von Van­dalen verwüs­teten alten Gedenk­stätte feier­lich ent­hüllt. Für die Errich­tung die­ser Gedenktafel hat sich Mongo Stojka stark ein­ge­setzt. 1999 pflanzte J. Mon­go Stojka zu Eh­ren von Baranka einen Kastanienbaum.

(volksgruppen.orf.at)

Paco de Lucía (1947-2014)

Februar 26th, 2014  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Gestern starb der andalusische Star­gitarrist Paco de Lucía 66-jährig in Mexiko. Er war einer der ganz Großen des zeit­ge­nös­si­schen Flamenco – hier zu sehen bei einem Auf­tritt 1976 mit ei­nem ande­ren ganz Großen, sei­nem Freund Camarón de la Isla, dem Jimi Hendrix der spanischen Gitanos.

Mri Historija: Karl Horvath

November 21st, 2013  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Interview

Karl Horvath, verstorben am 16. November 2013, war einer der Inter­view­part­ner unse­res Roma-Zeitzeugen-Pro­jekts Mri Historija. Hier sehen Sie einige Aus­züge aus dem Interview. Karl Hor­vaths Lebensgeschichte ist Heft 16 der Edition ge­widmet (mehr hier).

„Me cajt te schejnkinel kama …“

November 20th, 2013  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Karl Horvath: HändeKarl Horvath (1950-2013)

O kovatschi taj kinstleri Karl Horvath, dscheno la flogoskera grupnatar le burgenlanditike Romendar, suboton ando 16. novemberi pal pharo sastipe, mulo.

O Karl Horvath ando 16.3.1950 upro them alo taj Mattersburg upre bartschino. Ov kovatschi siklino taj usar o bersch 1972 ojs kovatschiskero moasteri tikni firma le sina, butvar dschi 12 dschenenca. Pal pharo nasvalipe ando 80te berscha leskeri buti mindig buteder use leskeri mangli buti uli taj te jek mangipe alo, leskere kinstlerischi ardschumipeskere schajiptscha socijali keripeha, khetan te phandel. Sakoni, leskere skulpturendar, jek hori gondo sikal. Use projekti ande andrutne- taj avrutne vilagi, khetan terne manuschenca kovatschiskeri buti kerlahi, kaj len jek falato lengere dschivipeskere dromestar schaj vodinlahi.

So avre ojs pisimaschtscha vaj kipenca ardschuminen, probalinav me la kovatschiskere butjaha te sikal. Mint moleri na ojav, te pisimaschi na, me kovatschiskeri buti kerav. Oja buti siklijom.

(volksgruppen.orf.at)

Karl Horvath (1950-2013)

November 19th, 2013  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

„Ich möchte Zeit schenken …“

Der Schmied und Künstler Karl Horvath, Angehöriger der Volksgruppe der burgenländischen Roma, verstarb am Samstag, 16. November, nach schwerer Krankheit.

Karl Horvath wurde am 16.3.1950 geboren und wuchs in Mattersburg auf. Er lernte das Handwerk des Schmiedens und leitete ab 1972 als Schmiedemeister einen kleinen Betrieb, der bis zu zwölf Angestellte hatte. Nach schwerer Krankheit in den 80er Jahren wurde ihm sein Beruf immer mehr zur Berufung und es entstand das Bedürfnis, seine künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten mit sozialem Engagement zu verknüpfen. Jede seiner Skulpturen verweist auf eine tiefere Bedeutung. Bei Projekten im In- und Ausland schmiedete er gemeinsam mit jungen Menschen, um sie ein Stück ihres Lebensweges zu begleiten.

Was andere als Schriftsteller oder mit Bildern ausdrücken, probiere ich mit dem Schmieden auszudrücken. Denn Maler werde ich keiner, Schriftsteller auch nicht, also schmiede ich. Das habe ich gelernt.

(volksgruppen.orf.at)