Ehrungen & Nachrufe

GfbV-Gründer Tilman Zülch hört auf

März 29th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Tilman Zülch zieht sich zurück (Foto: Werner Fuhrmann/GfbV.de)Ein Le­ben für die Men­schen­rech­te von Min­der­hei­ten welt­weit

Nach fast 50 Jahren beendet einer der pro­fi­lier­tes­ten Menschen­recht­ler Deutsch­lands, Tilman Zülch, sei­ne Tä­tig­keit als Ge­neral­sekre­tär der Gesell­schaft für bedrohte Völker (GfbV). Künf­tig wird der 77 Jah­re alte GfbV-Grün­der die GfbV-Kam­pagnen be­ratend beglei­ten. Die poli­ti­sche Leitung der Men­schen­rechts­organi­sa­tion über­nimmt der lan­gjährige GfbV-Asien- und Afrika-Ex­pe­rte Ulrich Delius.

In einer Dokumentation zum 50-jährigen Be­ste­hen der GfbV wird Tilman Zülch den kon­sequen­ten Kampf der GfbV gegen Völker­mord und Massen­ver­trei­bung ethni­scher sowie re­ligiö­ser Min­der­hei­ten und indi­gener Ge­mein­schaf­ten seit 1968 fest­halten. Die GfbV ging aus der von den da­ma­li­gen Ham­bur­ger Studen­ten Zülch und Klaus Guercke 1968 ge­grün­de­ten „Aktion Biafra-Hilfe“ her­vor. Mit Tilman Zülch an der Spitze ist die GfbV immer wieder gegen den Strom geschwom­men und hat sich nicht zu­letzt für Volks­gruppen ein­gesetzt, „von denen keiner spricht“, so der Titel eines der von Zülch heraus­ge­ge­be­nen Bücher.

1979 bis 1981 machte die GfbV den bis dahin tabui­sier­ten Holocaust an Sinti und Roma bekannt. Der von Zülch 1979 heraus­ge­ge­bene Band „In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt“ (mit einem Vor­wort des Phi­lo­sophen Ernst Tugendhat), ein ge­mein­sam mit dem Verband deutscher Sinti unter Romani Rose or­ga­ni­sier­ter Trauer­marsch zur KZ-Gedenk­stätte Bergen-Belsen (1979) mit der da­ma­li­gen Prä­si­den­tin des Europa­par­la­ments Simone Veil und Heinz Galinski, da­ma­li­ger Prä­sident des Zentral­rats der Juden in Deutschland, so­wie schließ­lich der Inter­na­tio­na­le Roma-Kongress (1981) in Göttingen unter Schirm­herr­schaft von Simon Wiesenthal und Indira Ghandi mit 400 Roma-De­le­gier­ten aus 26 Staaten und fünf Kon­tinen­ten brachten den Durch­bruch: Der Genozid wurde von der Bundes­regierung an­er­kannt. Staaten­lose Sinti er­hielten ihre deutsche Staats­bürger­schaft zurück, die Be­zeich­nung Sinti/Roma an­stelle von Zigeuner wur­de durch­gesetzt und die neu ent­stande­nen Insti­tu­tio­nen der Volks­gruppe wurden nun staat­lich ge­för­dert.

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Grimmepreis für „Nordstadtkinder: Lutwi“

März 11th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Jugend & Bildung, Radio & TV

Nordstadt-Reportage Lutwi (Foto: WDR)Grimmepreis 2017 für den Beitrag von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier (Re­dak­tion: Emanuela Penev) aus der WDR-Rei­he „Hier und Heute“

>>Beitrag ansehen (29 Min.)

„Ich bin immer auf der Straße. Egal, auch wenn es reg­net oder schneit.“ Für Lutwi ist es das Größte, wenn er mit seinen Freun­den zu­sam­men ist. Straßen­fußball, Was­ser­schlach­ten oder Hütten bauen: Seit vier Jahren nun ist die Dortmunder Nordstadt Lut­wis Zu­hause. Aber wie lange noch? Der Zwölf­jährige kommt bald auf die Gesamt­schule – und er will auch Abitur ma­chen. Seine Eltern, Roma aus dem Kosovo, sind rich­tig stolz auf ihn. Lutwi ist ein auf­ge­weck­ter Junge, den das Leben aber mit gro­ßer Wucht trifft: Ihm und seiner Familie droht die Abschiebung zu­rück in den Kosovo. Lut­wi ist es, der beim Rechts­anwalt über­setzen muss, er er­klärt seinen Eltern, was in den Brie­fen der Ausländer­behörde steht. Viel Ver­ant­wor­tung für einen Zwölf­jährigen. Der Film er­zählt kon­se­quent aus Lutwis Per­spek­tive. Was jedem Er­wach­se­nen den Boden unter den Füßen weg­ziehen würde, ver­sucht Lutwi auf seine Art und Weise zu meis­tern. Es ist die Ge­schichte eines Jungen, der hin- und her­geris­sen ist zwi­schen über­bor­den­dem Spiel und er­drücken­der Un­sicherheit.

Gewinner des Grimme-Preises 2017 in der Kategorie Kinder & Jugend. Die Ver­lei­hung des Prei­ses fin­det am 31. März 2017 in Essen statt und wird von 3sat ab 19:00 Uhr im Live­stream über­tra­gen sowie zeit­ver­setzt ab 22:35 Uhr auf 3sat aus­ge­strahlt.

(Text: WDR)

Josef Horwath (1944–2017)

Januar 25th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Josef Horwath (1944-2017)

Am Sonntag ist Josef Horwath
aus Kleinbach­sel­ten im 73. Lebens­jahr verstorben.

Am Freitag ab 18 Uhr treffen wir uns zum gemeinsa­men Ge­bet in der Aufbahrungshalle Bach­selten.

Die Be­gräb­nis­feier be­ginnt am Sams­tag, den 28. Jänner, um 11 Uhr mit der Hei­li­gen Messe in der Auf­bah­rungs­halle. Ab­schlie­ßend be­glei­ten wir un­se­ren lie­ben Ver­stor­be­nen auf den Orts­frie­dhof Kleinbachselten zur letz­ten Ru­he­stätte.

Vor einigen Jahren stellte sich Josef Horwath als Interview­part­ner für un­se­re Roma-Zeit­zeu­gen-Edi­tion „Mri Historija“ zur Ver­fügung. Heft 11 der dROMa-Sonder­reihe ist seiner Le­bens­ge­schich­te ge­wid­met. Be­son­ders außer­ge­wöhn­lich war Josef Horwaths frühes Ein­tre­ten für die Volks­grup­pe der Roma. In den spä­ten 60er-Jah­ren, als die An­er­ken­nung und Insti­tu­tio­na­li­sie­rung der Volks­gruppe noch nicht ein­mal an­ge­dacht wa­ren, war Josef Horwath der Erste, der Roma-Bälle, da­mals noch „Zi­geu­ner­ball“ ge­nannt, or­ga­ni­sier­te. Und nach an­fäng­li­cher Skep­sis be­tei­lig­te er sich auch tat­kräftig als Kas­sier an der Vereins­arbeit des ers­ten Roma-Vereins („Verein Roma“): „Rom zu sein, bedeutet für mich, im Herzen Rom zu sein. Dazu zu stehen und es nicht zu verschweigen, das ist das Wichtigste.“

Unser aufrichtiges Mitgefühl und Beileid gilt seinen An­ge­hö­ri­gen und Freunden!

I barikani Romni Esma Redžepova muli

Dezember 13th, 2016  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Esma Redžepova (1943-2016) (Foto: Balkan Festival/www.stadt-wien.at)Esma Redžepova, jek igen baro hangoha ando muschi­kano them pal jek har­no pharo nas­va­lipe ande Skopje/Ma­ce­do­nija muli. Oj 73 ber­scha phurani uli.

Oj kurkeste muli, 11.12.2016, use pri familija. Oj ando 8. au­gust 1943 ande Skopje upro them ali. Lakeri daj tur­kitiki sina, taj la­kero dad ser­bitiko dschi­dov­tschen­gere Romane vurc­li­nen­ca. Oj imar ando 1950iger ber­scha te dschi­lal kes­dintscha taj oda dschi uso lejcti. I Redže­pova o han­go sina le en­semble­jistar la­kere Ro­mes­tar Stevo Teodosievski, sa­vo Ro­mani taj mace­do­nischi flogos­keri muschi­ka cidlahi. Ando bersch 2013 oj la Mace­do­nija uso „Euro­vision Song Co­ntest” fartr­etin­tscha. Avrut­non pra kari­je­ratar ojs dschi­lasch­kija i Esma Redže­pova te vodschi­kane ande bescha­ri­peske prin­dschardi li sina. Read the rest of this entry »

Esma Redžepova (1943–2016)

Dezember 12th, 2016  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Die „Königin der Roma-Musik“ ist tot

Esma Redžepova, die „Königin der Roma-Musik“, ist ges­tern im Alter von 73 Jah­ren in Skopje nach kur­zer Krank­heit ge­stor­ben. Neben ihrer fünf Jahr­zehn­te an­dau­ern­den Karriere auf den Konzert­büh­nen der Welt machte sich die maze­do­ni­sche Künst­lerin auch durch ihr huma­ni­tä­res Engage­ment und ihr Ein­tre­ten für die Rechte der Roma ver­dient. Redže­pova adop­tier­te mit ihrem Ehe­mann 47 Roma-Kinder und er­öff­nete ein Heim für ob­dach­lose Kin­der in Mazedonien.

Siehe auch:
♫ Esma Redžepova & Gypsy Queens & Kings
Internationaler Roma-Tag: Djelem Djelem

Musejum andar i Maschkarutni Puja

Dezember 3rd, 2016  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Willi Horvath - Musejum ando Burgenland (Foto: volksgruppen.orf.at)Willi Horvath: Musejum le pal­gon­do­li­peske upre jek schukar cajt


Barikane dschene andar o cilo them schaj i Rose Marie Horvath andar i Masch­ka­rutni Puja upri rik pre imar mule Ro­mestar Willi Horvath (1934–2013) te prindscha­rel sik­lija. Le bari­kane Romen­gere muschi­ka­schiske jek pri­vati musejum ker­tscha.

TIP →Mri Historija: „Buena sera, Maestro!“ – Wilhelm Horvath im Gespräch, dROMa-Sonder­reihe 07/15 (pdf)

O Toni Curtis, i Gina Lollobrigida taj i Claudia Cardinale – ada tschak jek tikno falato le bari­kane dsche­nen­dar hi, saven i Rose Marie Horvath te prindscha­rel schaj sik­lija. But kipi, suve­nirs taj muschi­ka­kere instru­mentscha i 76-ber­schen­geri use jek kamlo privatiskero musejum andi ko­mora le khe­restar khe­tan ke­dija.

Te prindscharel siklija oj le muschikaschi ando 1950iger berscha ande jek moja­kero ande Frankfurt. „Kada ande ajom, taj ov man dikla, taj kada me le diklom – o mentscho ande tscha­latscha“, phu­kal i Rose Marie Hor­vath, pedar o ersch dikipe leha. I bari bast cidel pe sar jek lolo thav duach o dschi­vipe le dujen­dar. O Willi ojs Rom ando logeri Lackenbach ande tscha­pim sina. Kaj jek moja­kero andar Kleinwarasdorf (becirk Uprutni Puja) pe vasch leste ande beschar­tscha taj afka i cili fami­lija o naci re­schim schaj prik dschivde. Read the rest of this entry »

PEN-Literaturpreis an Samuel Mago

November 16th, 2016  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Literatur & Bücher

Samuel Mago bei der Preisvergabe in der Wiener Messehalle (Foto: WSNA/dROMa)Der „Roma-Literaturpreis des Österreichischen PEN – im Gedenken an Ceija Stojka“ wurde dieses Jahr an den noch jun­gen, erst zwan­zig­jäh­ri­gen Samuel Mago ver­lie­hen. Sein Talent ist ein Ver­spre­chen für die Zukunft: Er ist auf dem besten Wege, ein be­deu­ten­der Schrift­stel­ler, ein Roma-Schrift­stel­ler zu wer­den.

Begründung der Preisvergabe:

Samuel Mago, 1996 in Budapest geboren, in Wien aufge­wach­sen, drei­spra­chig (Ungarisch, Deutsch, Romanes), bil­dungs­hung­rig und für seine Volks­gruppe sowie überhaupt für alles Menschen­recht­liche höchst enga­giert, hat noch mit keinem großen, aus­gereif­ten und vom Leser rezi­pier­ten, reprä­sen­ta­ti­ven Gesamt­werk auf­zu­warten, aber er hat litera­ri­sche Spuren ge­legt und hinter­lassen, die zu ihm ge­führt haben und zu ihm führen kön­nen. Das war für mich 2015 der „exil-jugend-lite­ra­tur­preis“ für seine Kurz­ge­schich­te „Zeuge der Freiheit“, die mich auf­hor­chen ließ.

In einem von mir erbetenen und mir dann übermittel­ten Manuskript mit Kurz­geschichten bin ich dann den Weg zu ihm weiter ge­gangen, habe mich in seine Litera­tur hinein­be­ge­ben und mich darin ver­tieft. Und da bin ich auf et­was Seltenes und Selt­sames ge­stoßen. Das waren nicht ge­wohnte und ge­wöhn­li­che Erzählungen mit ge­wohn­ten Er­eig­nis­sen und Men­schen, denen ich da be­geg­net bin, son­dern es handelt sich stets um Außer­gewöhn­li­ches, dem man da be­gegnet. Nicht das Ge­wohnte, das Banale des All­tags oder des Lebens über­haupt wird zum Vor­schein gebracht und lite­ra­risch auf­berei­tet, son­dern es han­delt sich gerade um das Nicht-Augen­schein­li­che, um das nicht auf den ersten Blick Er­sicht­li­che und offen­sicht­lich Begreif­bare, das da ab­läuft, ge­schil­dert wird und uns be­gegnet.

Immer und immer wieder geht es um das anscheinend Neben­sächliche, in dem das Haupt­säch­li­che so neben­bei zum Vor­schein kommt, sich selbst zum Vor­schein bringt, sich ent­birgt; im Gewöhn­li­chen, im Gewohn­ten, im Alltäg­li­chen, im Bana­len. Das Beson­dere und somit Wesent­li­che liegt nicht so sehr im sicht­baren und leicht ver­folg­baren Ab­lauf der Ereig­nis­se, der Dinge und Men­schen, son­dern dieses Beson­dere ereig­net sich im Ver­bor­ge­nen, liegt so­zu­sa­gen sub­kutan, „unter der Haut“. So könn­te auch der Titel des ersten Prosa­bandes mit sol­chen Geschich­ten sein, an dem Samuel Mago ar­beitet und der in der Edition Exil bei Christa Stippinger heraus­kom­men wird. Read the rest of this entry »

So long, Leonard!

November 13th, 2016  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Als 15-Jähriger erhielt Leonard Cohen in Montreal sei­ne ers­ten, prä­gen­den Gitarre­stun­den von einem jungen Gita­no aus Spanien, den er in einem Park an­gespro­chen hat­te und der nur wenige Tage darauf tra­gisch verstarb. „Diese sechs Ak­kor­de und diese Klang­farbe der Gitar­re waren die Basis für all meine Lieder und meine ge­sam­te Musik. Alles, was Sie an Gutem in meinen Lie­dern und in meiner Lyrik finden, ist in­spi­riert von diesem Land“, er­zählte Cohen 2011 bei einer An­sprache in Madrid. Nicht von un­gefähr stand Leonard Cohen zeitlebens unter dem Ein­druck des anda­lu­si­schen Dich­ters Federico García Lorca, dessen Werk sich so sehr der Kultur der Gitanos (spa­nische Roma) ver­schrie­ben hatte. Read the rest of this entry »

Wien bekommt Ilija-Jovanović-Park

Oktober 19th, 2016  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen

Wien: Ilija-Jovanovic-Platz (Foto: wien.gv.at)

Wiener Park wird nach dem Lyriker Ilija Jovanović benannt – Feier zur Benennung am 22. Oktober 2016, 14 Uhr

Der Park am Wildgansplatz wird nach dem Lyriker Ilija Jovanović be­nannt. Ilija Jova­no­vić war einer der Grün­der des Vereins Romano Centro, der sei­nen Sitz direkt am Park hat und sich seit 25 Jah­ren für Roma ein­setzt. Ro­ma­no Centro hat die Be­nen­nung an­ge­regt, um seinen lang­jähri­gen Obmann zu ehren und um die Leis­tun­gen von Roma und Romnja in der Öf­fent­lich­keit sicht­bar zu ma­chen. Bezirk und Stadt haben die Be­nen­nung be­für­wor­tet und am Sams­tag, 22. Okto­ber 2016 ist es end­lich so­weit: Die Namens-Tafel wird feier­lich ent­hüllt.

Ilija Jovanović (1950-2010)

Ilija Jovanović, wurde 1950 in einer Romasiedlung in Rumska (Serbien) ge­bo­ren. Trotz der schwie­ri­gen Lebens­bedin­gun­gen ge­lang es dem Vater, Ilija schon früh für Literatur zu be­geis­tern. 1970 kam Ilija Jova­no­vić nach Österreich, er fass­te in Wien Fuß und be­gann neben seiner Arbeit im AKH zu schrei­ben, zu­nächst in Serbisch, spä­ter in Deutsch und in seiner Mutter­spra­che Romanes. Er en­ga­gier­te sich in meh­reren zivil­gesell­schaft­li­chen Or­gani­sa­tio­nen, vor allem im Romano Centro, das er 1991 ge­mein­sam mit ande­ren be­grün­dete und des­sen Obmann er viele Jahre war. Die Lern­hilfe für Roma, die der Verein seit über 20 Jahren durch­führt und die Hun­der­ten von Kindern zu schu­li­schem Erfolg ver­holfen hat, geht auf seine Ini­tia­tive zu­rück.

Ilija Jovanović hat seine Gedichte in drei eigenen Lyrik­bänden und zahl­rei­chen Antho­logien ver­öffent­licht. Er er­hielt meh­rere Aus­zeich­nun­gen, u.a. den Theodor-Körner-Preis 1999 und den Exil-Lyrik-Preis 2010. Im Jahr 2008 wurde ihm das Bundes-Ehren­zeichen für Ver­dienste um den inter­kultu­rel­len Dialog ver­liehen. Eine beson­dere Aus­zeich­nung für ihn war, dass die Litera­tur­nobel­preis­trä­gerin Elfriede Jelinek das Nach­wort zu sei­nem letz­ten Buch ver­fasst hat. Read the rest of this entry »

Deutsches Verdienstkreuz an Riccardo Sahiti

Oktober 11th, 2016  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Riccardo M. Sahiti (Foto: Slovo21, via Radio Prag)Dirigent Riccardo M. Sahiti mit dem Verdienst­orden der Bun­des­re­publik Deutsch­land aus­ge­zeichnet

Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit er­hielt der Dirigent der „Roma und Sinti Phil­har­mo­niker“, Ric­cardo M. Sahiti, für sein künst­le­ri­sches Schaf­fen das Verdienstkreuz am Bande durch Bun­des­präsident Joachim Gauck. Der Vor­sitzende des Zentralrats Deut­scher Sinti und Roma, Romani Rose, nahm an der Ver­lei­hung teil und sagte über Sa­hi­tis künst­le­ri­sches Schaf­fen: „An­stelle einer in weiten Teilen der Gesell­schaft vor­herr­schen­den stig­ma­ti­sie­ren­den und zu­meist mit nega­tiven Vor­urteilen be­las­te­ten Sicht auf die Minder­heit lenken die Dar­stellung und Ver­mitt­lung des kul­tu­rellen Bei­trags von Sinti und Roma den Blick auf ihre Verdienste und ihre eige­nen An­stren­gun­gen als gleich­berech­tigte und aktive Bür­ger Deutsch­lands und Europas.“

Mit viel Idealismus hat der Dirigent Riccardo M. Sahiti im Jahr 2002 die „Roma und Sinti Philharmoniker“ ge­grün­det. Dem international einmaligen Orchester ge­hören über­wiegend Musi­kerin­nen und Musi­ker der Sinti- und Roma-Min­der­heit an. Sie kommen aus Symphonie­orchestern ganz Euro­pas zu­sam­men, um Werke auf­zu­führen, die in der Kultur der Roma und Sinti ver­wurzelt oder durch sie inspi­riert sind. Dazu ge­hören so­wohl das klas­si­sche Reper­toire von Brahms, Liszt oder Bizet als auch neue Kom­po­si­tio­nen von Roma und Sinti. Mit dem von dem Orchester ur­auf­ge­führ­ten „Requiem für Auschwitz“ des Sinto Roger Moreno Rathgeb hat Riccardo M. Sahiti auch dazu bei­getra­gen, die leid­volle Ge­schich­te der Sinti und Roma wach­zu­halten. Sein Wirken zeigt eindrucks­voll, wie be­deu­tend das künst­le­ri­sche Schaffen von Minder­heiten für die deutsche und eu­ro­päi­sche Kul­tur war und ist und be­wahrt deren kul­turel­les Erbe.

Zum Werdegang des Künstlers:

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