ERIAC: Selma Selman erhält Tajsa-Preis
Dezember 7th, 2025 | Published in Ehrungen & Nachrufe, Kunst & Fotografie
Die Künstlerin Selma Selman wurde mit dem „Tajsa Roma Cultural Heritage Prize 2025“ ausgezeichnet
Bukarest – Die bosnische Roma-Künstlerin Selma Selman ist mit dem „Tajsa Roma Cultural Heritage Prize 2025“ geehrt worden. Die Auszeichnung wurde vergangenes Wochenende im Rumänischen Athenäum in Bukarest im Rahmen der vierten Ausgabe der „Tajsa Award Ceremony & Gala“ verliehen. Der Preis würdigt eine Persönlichkeit, die das künstlerische Schaffen von Roma und Romnja stärkt und das kulturelle Erbe in Ausdrucksformen der Gegenwartskunst übersetzt.
Zu den diesjährigen Finalistinnen und Finalisten des Preises zählten neben Selman die Künstlerinnen und Künstler Coco Reyes, Noell Maggini, Riah Knight sowie Sead Kazanxhiu. Über die Vergabe entvschied eine hochkarätig besetzte internationale Jury, der Timea Junghaus, Dijana Pavlović, Colin Clark, Avni Mustafa und Patricia Caro Maya angehörten. Die Jury hob insbesondere Selmans eigenständige künstlerische Sprache sowie ihre enge Verbindung zu Roma-Gemeinschaften hervor.
Profil der Preisträgerin
Selma Selman stammt aus Bosnien und Herzegowina und arbeitet als Bild- und Performancekünstlerin. Ihre multidisziplinäre Praxis umfasst Performance, Video, Malerei und Installationen, die häufig auf autobiografischen Erfahrungen beruhen und Themen wie soziale Ungleichheit, geschlechtsspezifische Gewalt und strukturelle Diskriminierung behandeln. Selmans Arbeiten wurden in den vergangenen Jahren unter anderem bei Documenta fifteen, der Biennale von Venedig, der Autostrada Biennale, Manifesta 14, im Gropius Bau in Berlin, im Stedelijk Museum in Amsterdam, in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, bei MoMA PS1 in New York sowie auf der Istanbul Biennale gezeigt. Auch in Österreich war die Künstlerin bereits zu Gast. Diese internationale Resonanz unterstreicht Selmans Verdienst als wichtige Stimme einer zeitgenössischen Roma-Kunstszene.
Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit engagiert sich Selma Selman im Bildungsbereich. Mit der von ihr gegründeten Initiative „Marš u školu“ (Geh zur Schule) unterstützt sie insbesonvdere Roma-Mädchen in ihrer Heimatstadt Ružica in Bosnien und Herzegowina, die von Armut und Marginalisierung betroffen sind. Das Programm zielt darauf ab, Schulbesuch und Ausbildung zu ermöglichen und so darauf hinzuwirken, langfristig soziale Teilhabe zu stärken.
Der mit 10.000 Euro dotierte Tajsa-Preis würdigt damit nicht nur ein künstlerisches Gesamtwerk, sondern auch einen Beitrag zur gesellschaftlichen Öffnung und Selbstermächtigung von Roma-Gemeinschaften. Der Name Tajsa bedeutet „Morgen“ und verweist auf eine zukunftsorientierte Perspektive: Die Auszeichnung versteht sich so auch als Investition in kommende Generationen von Roma-Künstlerinnen und -Künstlern.
European Roma Institute for Arts and Culture
Das European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC) mit Sitz in Berlin wurde 2017 als gemeinsame Initiative des Europarats, der Roma-Stiftung für Europa (ehemals Open Society Foundations – Büro für Roma-Initiativen) und der Initiative of Romani Elders – der Allianz für das Europäische Roma-Institut für Kunst und Kultur gegründet. Das Institut hat den Auftrag, Roma-Kunst und -Kultur europaweit sichtbar zu machen und das Selbstbewusstsein der Roma-Communitys zu stärken. Darüber hinaus werden Vorurteile in der Mehrheitsgesellschaft, die der Teilhabe entgegenstehen, abgebaut. Das ERIAC arbeitet dabei als europaweites Netzwerk- und Kompetenzzentrum mit einem breiten Aufgabenspektrum. Letzeres umfasst, die Vernetzung von Kulturschaffende und die Organisation von Ausstellungen, Veranstaltungen und Programmen. Dabei sucht ERIAC den Dialog mit Politik und Öffentlichkeit. Mit dem „Tajsa Roma Cultural Heritage Prize“, der alle zwei Jahre vergeben wird, schafft das Institut ein wiederkehrendes Forum, das es ermöglicht, künstlerische Brillanz und kulturpolitische Anliegen zusammenzuführen.
(dROMa)