Interview

Radio LORA: Sinti und Roma in München

Januar 13th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Freies Radio LORA 92,4LORA München 92,4Auf Kante genäht
Gestaltung: mike_gh| 28.11.2016 | 58:25 min
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Aus Anlass der Ausstellung „Die Verfolgung der Sinti und Roma in München“ , noch zu sehen bis 29.1.2017 (mehr hier), gestaltete das freie Radio „LORA 92,4“ eine einstündige Sendung seiner Programm­reihe „Auf Kante ge­näht“ über Sinti und Roma in München, Bayern und Europa. Die The­men der Sendung:

  • Interviews mit Kurli, einem jungen Sinto, über seine Er­fah­run­gen im Um­gang mit Kun­den und in der Grund­schule
  • Überblick: Seit wann Sinti und Roma in Deutschland le­ben und wie sind be­han­delt wurden
  • Gespräch mit H. Burger, Sozialarbeiter bei DROM, einer Be­ra­tungs­stel­le im Hasenbergl
  • Was ist der Unterschied zwischen Integration und Teilhabe
  • Ausschnitte aus dem Vortrag „Sicht auf Europa und Deutsch­land“ von Herbert Heuss
  • Vertrauen – wen wundert es eigentlich, wenn sich Sinti und Roma auf die eige­ne Fa­mi­lie als Rück­zugs­ort ver­lassen?
  • Vorstellung zweier Studien zum Thema Antiziganismus
  • Dazu ein Interview mit Aloe Yalpi – er hat als heilpäda­go­gi­sche Unter­richts­hil­fe Er­fah­run­gen mit Sinti in Mün­chen ge­sam­melt

(Text: freie-radios.net)

SRF: Die Sprache der Roma

November 11th, 2016  |  Published in Interview, Radio & TV, Romani

C. Kruck und St. Laederich (Foto: M. Lehmann/SRF)Interview mit Cristina Kruck und Stéphane Laederich über die Sprache der Roma

Radio SRF 4 News, Sendung vom 4.11.2016
Moderation: Marc Lehmann
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In der Schweiz spricht man neben Romanisch auch Romani. Ro­ma­ni ist aber die Spra­che der Roma, der «Zi­geu­ner». Die 80-jäh­rige Cristina Kruck spricht sie und ihr Sohn Stéphane Laederich (Anm.: ein In­ter­view mit ihm fin­den Sie in dROMa 45/2015), der ein Buch darüber ge­schrie­ben hat. Beide sind Gast im «Tages­gespräch» bei Marc Leh­mann.

Die Unesco hat extra einen «Tag des Romani» ins Le­ben ge­ru­fen. Er findet am 5.11. statt. Roma­ni – oder Romanes, wie man im deutsch­spra­chi­gen Raum auch sagt – wird noch von Mil­lio­nen Men­schen in Europa ge­spro­chen. Nur weiss man das kaum. Über die Spra­che ist we­nig be­kannt – wie über­haupt von der Lebens­weise der Roma. (…) Der pro­mo­vierte Mathe­ma­tiker und Banker Stéphane Laederich ist Direk­tor der Rroma Foundation, einer von mehre­ren Schweizer Roma-Ver­bänden, und er hat ein Standard­werk über die Roma ge­schrie­ben. Seine Mutter Cristina Kruck war auf der ganzen Welt als IKRK-De­le­gierte tätig, spricht sie­ben Spra­chen fliessend und ist auch mit 80 noch im­mer Ak­ti­vistin.

(Text: SRF.ch. Wir danken Marc Lehmann für die freundliche Erlaubnis.)

„Eine wahnsinnig komplexe Angelegenheit“

Oktober 15th, 2016  |  Published in Film & Theater, Interview, Jugend & Bildung

Regisseur Stefan Ludwig (Foto: budapester.hu)Interview der Budapester Zeitung mit Stefan Ludwig, Regisseur des Dokumentarfilms „Der zornige Buddha“ (mehr hier und hier)

Herr Ludwig, wie kommt ein Dokumentarfilm­macher aus Deutsch­land, der in Öster­reich lebt, dazu, einen Film über eine buddhis­tische Schule für Roma in Ost­ungarn zu dre­hen? Wie sind Sie zu dem exo­ti­schen Thema ge­kommen?
St. L.: Ich finde es gar nicht exotisch. Ich denke, es ist ein uni­ver­sel­les Thema und die Situa­tion in Sajókaza steht bei­spiel­haft für jede Situa­tion, in der Men­schen von Bildung aus­ge­schlos­sen sind. Al­ler­dings hat­te ich mich zuvor nur wenig mit Ungarn be­schäf­tigt. 2011 wurde ich durch die Er­eig­nis­se in Gyöngyöspata auf die Si­tua­tion der un­ga­ri­schen Roma auf­merk­sam. Dort mar­schier­ten para­militä­rische Trup­pen in Roma­siedlun­gen auf und sorg­ten tage­lang für Angst. Ich habe mich damals ge­fragt: ‚Was ist da eigent­lich los?‘ und habe be­gon­nen, mich mit dem Thema aus­einan­der­zu­setzen. Ich bin dann auf einen Arti­kel von János Orsós ge­stoßen. Er be­schreibt darin, wie er als Rom seinen Weg zu Bildung ge­fun­den hat und dass er selbst nach dem Diplom noch das Gefühl hatte, sich be­wei­sen zu müs­sen. Er ist sein Leben lang auf der Suche und findet erst in Indien das Positiv­bei­spiel, das ihm die Hoff­nung gibt, dass auch seine eige­nen Leute ihre Lage ver­bes­sern können. Das fand ich eine große, span­nen­de Ge­schich­te. Ich habe mit ihm Kontakt auf­ge­nom­men und bin dann bald das erste Mal hin­ge­fah­ren, um zu re­cher­chieren.

Wie ging es dann weiter?
Ich durfte wochenlang bei ihnen Gast sein und hatte meine eige­ne Matratze im buddhisti­schen Gemeinde­zentrum, wo sie auch schla­fen. Man gab mir über­ra­schend viel Zu­gang zur Schule, ich konnte so­gar im Unterricht ein- und aus­gehen. Die Schüler sind nicht schüch­tern, wenn es darum geht, ins Gespräch zu kom­men – im Gegen­teil, sie fan­gen sogar schnell an, einen aufs Korn zu nehmen, sagen einem zum Bei­spiel un­anstän­dige Wörter und freuen sich, wenn man sie nach­spricht. Doch sie sind auch un­glaub­lich kamera­scheu und gerade, wenn es darum geht, ernst­haft zu werden und darüber zu reden, wer sie sind, was für Träu­me sie haben und was sie sich vom Leben er­war­ten, sind sie sehr zurück­hal­tend. Read the rest of this entry »

Warum die Wunde offen bleibt

Oktober 10th, 2016  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview

Marika Schmiedt: Warum die Wunde offen bleibtDokumentarfilm von Marika Schmiedt, AT 2016, 80 min.

Premiere in Anwesenheit der Regisseurin
Sa., 22. Oktober 2016, 17.30 Uhr
Top Kino, Rahlgasse 1, 1060 Wien

Marika Schmiedt untersucht und benennt die Wunde, ver­sucht sie zu begrei­fen, greift hinein, zerrt und wei­tet sie. Das ist ein inten­si­ver und schmerz­haf­ter Pro­zess und der dabei ent­stan­dene Doku­men­tar­film ist kein ein­fach zu kon­sumie­ren­der. Im Film wird viel gespro­chen, nach 78 Minu­ten wird klar, dass auch über das „Un­aus­sprech­li­che“ gespro­chen werden kann und muss. Über Struk­tu­ren der Diskri­mi­nie­rung, der Gewalt und über Kon­ti­nui­tä­ten. Marika Schmiedt und ihr Film spre­chen sich al­ler­dings gegen eine ver­harm­lo­sen­de, ober­fläch­li­che Heilung aus, viel­mehr wer­den Wege der Ver­tie­fung und des Wider­stands ge­zeigt.

„Warum die Wunde offen bleibt“ beschäftigt sich mit der Auf­arbei­tung des Holocausts an Roma und Sinti durch die so­ge­nannte „2.“ und „3. Gene­ra­tion“. Die histo­ri­schen Ver­trei­bun­gen, Ver­fol­gun­gen und Mas­sen­morde werden the­ma­ti­siert, auch per­sön­lich durch das bio­gra­fi­sche Erzählen der Pro­ta­gonistin­nen. Dabei ver­deut­licht gerade die Rela­tion zu aktu­el­len Dis­kri­mi­nie­run­gen und Ver­bre­chen gegen Roma und Sinti die Not­wen­dig­keit um­fas­sen­der Aus­einan­der­setzun­gen: ge­schicht­licher, fa­miliä­rer, psycho­ana­ly­ti­scher und nicht zu­letzt die Dring­lich­keit der poli­tischen.

Im Mittelpunkt des Films stehen lange Interviews bzw. Gesprä­che mit drei be­ein­drucken­den Frauen: Read the rest of this entry »

„Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth (2012)

Oktober 9th, 2016  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Interview, Literatur & Bücher, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

Universität WienMartina Schedl (2012): „Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth. Über die Bedeutung von Anerkennung und Missachtung in 15 Le­bens­ge­schich­ten bur­gen­län­di­scher Roma

Diplomarbeit, Universität Wien (Fakultät für Phi­lo­sophie und Bil­dungs­wis­sen­schaft), 127 S.

>>>Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Innerhalb der hier vorliegenden Arbeit wird die Zeitzeugen­dokumentation „Mri Historija (Meine Geschichte) – Lebensgeschichten burgenländischer Roma“, erstellt vom Verein Roma-Service, aus an­er­ken­nungs­theo­re­tisch fun­dier­ter Per­spek­tive be­trach­tet. Dabei bil­det das An­er­ken­nungs­mo­dell des deut­schen Sozial­philo­sophen Axel Hon­neth das theo­re­ti­sche Fun­da­ment der Un­ter­suchung. Honneth dif­fe­ren­ziert zwi­schen drei An­erken­nungs­mus­tern – Liebe, Recht und Solidarität –, denen er drei Miss­ach­tungs­for­men – Miss­handlung, Ent­rechtung, Ent­würdigung – ent­ge­gen­stellt. Diese Unter­schei­dung trifft er auf­grund ihrer je­wei­li­gen Be­deu­tung für For­men des Selbst­be­zugs – Selbst­vertrauen, Selbst­achtung und Selbst­schätzung. Mit Hilfe einer qua­li­ta­ti­ven Inhalts­analyse nach Mayring wurde „Mri Historija“ nach der Be­deu­tung von Anerkennungs- bzw. Miss­ach­tungs­­er­fah­­run­­gen für Handl­ungs­freiheit und Selbst­wert der 15 er­zäh­len­den Burgenland-Roma be­trach­tet.

„Mri Histo­rija“ ist nicht nur als Bei­trag zur öster­rei­chi­schen Erin­nerungs­kultur zu se­hen, son­dern gleich­zeitig als kri­tische Thema­ti­sie­rung von sozialen Aus­schließungs­pro­zes­sen, die eine selbst­bestimm­te Lebens­praxis be­hin­dern und sich nega­tiv auf den Selbst­wert der Indi­vi­duen aus­wirken kön­nen. In „Mri Historija“ wer­den je­doch Ent­wick­lun­gen sicht­bar, die auf ein wach­sen­des Selbst­be­wusst­sein der Burgenland-Roma ver­weisen. (M. Schedl, S. 120)

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Interview zu The Érpatak Model

April 30th, 2016  |  Published in Film & Theater, Interview, Politik, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio FROInterview mit Regisseur Benny Brenner (engl.)

Kino für die Ohren – Crossing Europe 2016 | Radio FRO 105,0
Sendung vom 22. April 2016 | Redaktion: Julia Krikler

Ungarn: Der Regisseur Benny Brunner hat einen Film über ein unga­ri­sches Dorf ge­dreht, des­sen Bürgermeister vor Ort ein fa­schis­ti­sches Re­gime etabliert hat. Die Men­schen in Érpatak müs­sen sich seiner dik­ta­to­ri­schen Ord­nung beu­gen, wenn sie nicht Gefahr lau­fen wol­len, empfind­lich sanktio­niert zu wer­den. Der Bür­ger­meis­ter und seine An­hän­ger feiern die Waf­fen-SS, ver­brei­ten Un­wahr­hei­ten über den 2. Welt­krieg, unter­drücken die eige­ne Be­völ­ke­rung und viel mehr noch die an­säs­si­gen Roma-Fa­mi­lien, de­nen schon mal ein­fach die Kinder weg­ge­nom­men wer­den. Das al­les pas­siert vor den Augen des un­ga­ri­schen Staates, der die­ses Vor­ge­hen gut­zu­heißen scheint. Ein Doku­men­tar­film, der Angst vor dem zu­künf­ti­gen Euro­pa macht!

(Text: cba.fro.at)

Nedjo: „Schule ist ein Stück Normalität“

November 18th, 2015  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

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„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil V)

GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 ge­schätzt. Um Platz für sie zu schaf­fen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo ab­ge­scho­ben wer­den. Darun­ter Hun­derte Kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen sind. Doch was be­deu­tet das für die Flüchtlings­kinder? Wir las­sen fünf von ihnen zu Wort kom­men:

Nedjo*: „Schule ist ein Stück Normalität“


Ich bin vor 16 Jahren im Kosovo geboren. Zu­sam­men mit mei­nen Eltern bin ich 1999 von dort aus nach Göttingen ge­flo­hen. Daran kann ich mich aber nicht mehr erin­nern, ich war ja noch ein Baby. Manch­mal er­zäh­len mir meine Eltern von die­ser Flucht, aber nie sehr viel. Es war sehr schreck­lich und trau­ma­tisch für sie.

Ich gehe in die 10. Klasse einer Sonder­schule und wer­de in einem Jahr mei­ne Schule be­en­den. Ich habe ein we­nig Prob­le­me mit dem Deut­schen, weil meine Eltern mir nicht so gut beim Lernen hel­fen können. Aber eigent­lich schickt man jedes Kind, des­sen Eltern nicht Deutsche sind, auf diese Sonder­schule. Ich meine, ich bin doch genau so klug wie ein Kind deut­scher Eltern! Am besten bin ich in Mathe. Vor allem Geo­metrie mag ich richtig gern. Nach meiner Schule möchte ich gern eine Aus­bil­dung zum KFZ-Mecha­ni­ker machen. Ich stelle es mir schön vor, diesen Beruf aus­zu­üben, mein eigenes Geld zu ver­die­nen und eine Be­schäf­ti­gung zu haben, die mir Spaß ma­chen wird.

Manchmal fragen mich die Men­schen, ob ich mich gut in Deutschland ein­ge­lebt habe. Das finde ich merk­wür­dig. Schließ­lich bin ich ja hier auf­ge­wach­sen. In was sollte ich mich da ein­leben?

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Rahim: „Kosovo fühlt sich nicht wie Heimat an“

November 14th, 2015  |  Published in Allgemeines, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

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„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil IV)

GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 ge­schätzt. Um Platz für sie zu schaf­fen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo ab­ge­scho­ben wer­den. Darun­ter Hun­derte Kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen sind. Doch was be­deu­tet das für die Flüchtlings­kinder? Wir las­sen fünf von ihnen zu Wort kom­men. Rahim, heute 22, erinnert sich:

Rahim*: „Kosovo fühlt sich nicht wie Heimat an“


Ich bin vor 22 Jahren im Kosovo geboren. Zusam­men mit meinen Eltern bin ich von dort aus nach Deutschland geflo­hen. Damals war ich noch ein Klein­kind, wes­halb ich mich nicht an die Flucht erin­nere. Aber meine Eltern haben mir er­zählt, dass wir mit dem Auto zuerst über die deut­sche Gren­ze bis nach Olden­burg ge­kom­men sind. Dort wurden wir zu unserer Flucht und un­se­ren Grün­den, warum wir nun in Deutschland sind, be­fragt. Danach ging es für uns nach Nord­horn in Nieder­sachsen. Hier lebe ich nun schon sehr lange mit meiner Fa­milie. Mein Vater ist mittler­weile lei­der gestor­ben, wes­halb meine Mutter für uns Kin­der allein auf­kom­men muss. Ich wür­de mir wün­schen, dass ich end­lich einen Job fin­de, um meine Mutter fi­nan­ziell zu unter­stützen. Die Arbeits­suche wäre leich­ter mit einem Auf­ent­halts­titel. Denn seit unse­rer An­kunft in Deutsch­land haben wir alle nur eine Dul­dung.

Ich habe mir seit unserer Flucht natür­lich ein Leben in Deutsch­land auf­ge­baut. Das Koso­vo fühlt sich nicht wie meine Hei­mat an, nur weil ich dort ge­boren wurde. Ich bin in Deutsch­land zu Hau­se. Read the rest of this entry »

Jelena: „An einem seidenen Faden“

November 11th, 2015  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

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„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil III)

GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 ge­schätzt. Um Platz für sie zu schaf­fen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo ab­ge­scho­ben wer­den. Darun­ter Hun­derte Kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen sind. Doch was be­deu­tet das für die Flüchtlings­kinder? Wir las­sen fünf von ihnen zu Wort kom­men:

Jelena*: „Unsere Zukunft hängt an einem seidenen Faden“


Unsere Großfamilie, unsere Groß­eltern, Eltern und Geschwis­ter so­wie unsere zwei Onkel mit deren Ehe­frauen ka­men 1999 aus dem Koso­vo nach Deutschland. Wir leben nun schon seit 15 Jah­ren in Göttingen. Un­ser Groß­vater erzählte oft, dass wir in Lipljan ein schö­nes Haus hatten. Nie­mand hätte geahnt, dass es zum Krieg kom­men würde. Doch der Krieg brach aus und unsere Groß­fami­lie kam nach Deutsch­land. Inzwi­schen sind wir drei Ehe­paare und 19 Kin­der. Unsere Oma wohnt bei uns. Der Groß­vater ist letz­tes Jahr gestor­ben. Meine Schwes­ter war noch Baby, als unsere Familie flüch­tete. Wir ande­ren Kinder sind in Deutsch­land gebo­ren. Auf­ge­wach­sen sind wir alle hier. Deutsch ist unsere Mutter­sprache. Wir spre­chen zu Hau­se auch Romanes, aber unter­einan­der und mit un­se­ren Freun­den re­den wir auf Deutsch.

Wir sind dankbar, dass wir hier leben dürfen. Wir sind in Verei­nen und machen bei Theater­pro­jek­ten mit. Unsere Eltern haben es leider schwer, eine Arbeit zu fin­den. Ihnen fehlt die richtige Qua­li­fi­zie­rung. Nach vie­len Ableh­nun­gen sind sie depri­miert und unglück­lich. Unser seit Jah­ren ungelös­ter recht­licher Status macht un­se­re Eltern und uns auch kaputt. Read the rest of this entry »

Zeko: „Deutschland ist unsere Heimat“

November 9th, 2015  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

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„Das haben wir nicht verdient“: Die Angst der Roma-Flüchtlingskinder vor Abschiebung (Teil II)

GfbV Berlin: Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland wird für dieses Jahr auf 800.000 ge­schätzt. Um Platz für sie zu schaf­fen, sollen vor allem Roma aus dem Kosovo ab­ge­scho­ben wer­den. Darun­ter Hun­derte Kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­­ge­wach­sen sind. Doch was be­deu­tet das für die Flüchtlings­kinder? Wir las­sen fünf von ihnen zu Wort kom­men. Auf Šaban folgt Zeko:

Zeko*: „Deutschland ist unsere Heimat“


Ich bin 8 Jahre alt und komme aus Göttingen. Hier bin ich auch geboren. Meine Eltern stam­men aus dem Kosovo, wo auch mein ältes­ter Bruder ge­bo­ren wurde. Sie leben nun schon seit 15 Jah­ren in Deutsch­land. Ich selbst war noch nie im Koso­vo und meine Eltern re­den auch nicht so viel darü­ber, wie es im Ko­sovo ist. Ich weiß nur, dass es schlimm für sie war, dass sie flie­hen muss­ten. Und ich weiß auch, dass man im Kosovo Alba­nisch und Ser­bisch redet. Aber das kann ich nicht spre­chen. Ich spreche zu Hause mit mei­nen Eltern Romanes und mit allen an­de­ren, also mit meinen Geschwis­tern und mit meinen Freun­den, Deutsch. In Deutschland habe ich al­le mei­ne Freun­de. Ein paar an der Schule und ganz viele auch in unserer Nach­bar­schaft. Mit den Nach­bars­kin­dern spie­le ich nach der Schule oft draußen oder wir gehen Fuß­ball spielen.

Ich denke, es wäre schlimm für mich und meine Fa­mi­lie, wenn wir in das Ko­so­vo gehen müss­ten. Wir ken­nen dort ja nie­man­den. Und wie soll ich dort reden und mich ver­stän­di­gen? Read the rest of this entry »