Interview

„Die vergessene Geschichte der Sinti und Roma“

April 20th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV

Fast vergessen: Podcast der Hessischen Landeszentrale für poli­ti­sche Bil­dung, Sep­tember 2023

In Hessen leben aktuell zwischen 7.000 bis 10.000 Sinti und Roma. Sie sind die größ­te in Deutschland an­er­kannte natio­nale Minder­heit. Ihre Geschichte ist geprägt von Vor­ur­teilen, Hass und Hetze. Die Ver­folgung gipfelte in der Er­mordung einer halben Mil­lion Sinti und Roma wäh­rend des Nazi-Re­gimes. Die Aus­grenzung und Ab­wertung der Volksgruppe nahm jedoch schon vor 600 Jahren ihren Lauf. Über die ver­ges­sene Geschichte der Sinti und Roma erzählt in dieser Folge Rinaldo Strauß, stell­vertretender Geschäfts­führer des Hessi­schen Landes­verbandes der Sinti und Roma. Neben seinen Erfah­rungen als Sinto, erzählt er auch über seinen Wunsch nach mehr Auf­klärung über Antiziganismus.

(Text und Sendung: Fast vergessen)

Arnold Fortuin. Die Verfolgung der Sinti und Roma im Saarland

April 4th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Religion, Wissenschaft

Buchcover: Arnold FortuinFranz Josef Schäfer: Arnold Fortuin. Die Verfolgung der Sinti und Roma im Saarland, Saarbrücken 2022 [→Blattlaus-Verlag]

Der Illinger Historiker Franz Josef Schäfer legt erst­ma­lig die Ge­schichte der saarländischen Sinti und Roma vor, einer weit­gehend ver­gesse­nen NS-Opfer­gruppe.

Pfarrer Arnold Fortuin war der erste Seelsorger der deutschen Sinti und Roma. Bereits seit den Zwanzige­rjahren des 20. Jh. be­treute der dama­lige Saarbrücker Kaplan an der Michaels­kirche in Saarbrücken St. Johann die Außen­seiter und erteilte ihnen Unterricht. In der NS-Zeit gab er ihnen Trost. Nach dem Krieg war er ihr Anwalt und Berater in Ent­schädi­gungs­fragen. Seit 1955 findet all­jährlich eine Wallfahrt von Sinti und Roma statt zur Illinger Bergkapelle.

Die Monografie würdigt ausgiebig zum ersten Mal den Men­schen und Seelsorger Fortuin, der viele Jahre nach seinem Tod mit dem Bau des Fortuin-Hauses in Berlin sowie der Be­nen­nung einer Straße und einer Schule in Illingen eine späte An­er­kennung ge­funden hat. Neben einem histori­schen Abriss der Minder­heit stellt der Autor ihren Verfolgungs­weg auf quellen­kund­­li­cher Basis dar am Beispiel aus­ge­wählter Familien. Wie die Be­völ­kerungs­gruppe in belletris­ti­schen Werken saarländischer A­uto­rin­nen und Autoren ge­sehen wurde, ist eben­falls vor­zu­finden.

(Text: Blattlaus-Verlag)

Das Buch von Franz Josef Schäfer, thematisiert in der ausführ­li­chen Dar­stellung der Vita des katholi­schen Geist­lichen den Wider­spruch von indivi­dueller mensch­licher Hilfe und politischer Igno­ranz der Amtskirche. Schäfer be­trachtet einer­seits Fortuins Loyalität gegen­über dem Dienst­herrn und schildert anderer­seits, akribisch recher­chiert und mit großer Empathie, das per­sönliche Auf­be­gehren des Priesters, sein un­ge­broche­nes Engage­ment für die Minder­heit, sein Eintreten gegen die Unter­lassun­gen und Ignoranz der Mehrheit. Der Autor bewahrt sich den­noch die not­wendige Distanz. Der Zivil­courage Fortuins, die riskante Unter­stützung der Roma und Sinti in der NS-Zeit und der kon­tinuier­liche Einsatz für die Rechte der Roma und Sinti nach 1945, steht pointiert die Kritik an den Äußerun­gen des Kirchen­mannes gegen­über, nämlich der Kol­portage des üblichen Klischees, den ver­brämten Genera­lisie­rungen, die seit Jahr­hun­derten Grundlage der Dis­kriminie­rung sind. Read the rest of this entry »

Anders über Sinti und Roma berichten

März 25th, 2024  |  Published in Interview, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte


BR24 Medien, 23.3.2024, 31:40 Min.
Podcastfolge: Warum müssen wir anders über Sinti und Roma be­rich­ten?

Antiziganismus, also Rassismus gegenüber Sinti und Roma, ist immer noch weit ver­breitet in unser Gesell­schaft. Und Medien tragen dazu bei. Das pas­siert zum Teil ohne Absicht, aber trotz­dem mit proble­mati­schen Folgen. Welche Muster gibt es da und wie ent­stehen sie? Was passiert zum Bei­spiel beim „Othering“? Und wel­che Ansätze gibt es, um die Bericht­er­stattung zu ver­bessern? Linus Lüring spricht mit Carmen Glink Buján und Georgi Ivanov von „Amaro Foro“. Der Verein bietet Trainings für Medien­schaf­fende zu Anti­ziganismus an und be­obach­tet gezielt die Bericht­erstattung über Sinti und Roma. Auch Markus End, Wissen­schaft­ler am Zentrum für Anti­semi­tis­mus-For­schung an der TU Berlin, unter­sucht das Bild von Sinti und Roma in den Medien. Im Interview er­klärt er vier zentra­le Dar­stellungs­muster, die er kritisch sieht.

(Beitrag und Text: BR24 Medien)

Podcast: Kultur und Werte der Sinti und Roma

März 13th, 2024  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Esther Reinhardt-Bendel im Gespräch
Alles Menschen, Podcast-Folge 48, Okt. 2022

In dieser Podcast-Folge stellt „Alles Menschen“ Esther Reinhardt-Bendel vor, deutsche Sinteza und Aktivistin. Host Veit Lindau spricht mit ihr über die ehr­würdige Kultur der Sinti und Roma; die Lage der Sinti und Roma in Deutschland und Anti­ziganis­mus; Privile­gien und ihre so wich­tige Arbeit als Akti­vistin und wie wir Sinti und Roma unter­stützen können.

→ Sinti-Roma-Pride auf Instagram und Facebook
→ Esther Reinhardt-Bendel auf Instagram

Siehe auch:
Rassismus in Social Media und Kinderfilmen, 7.12.2021

Rassismus im Gesundheitswesen

Januar 17th, 2024  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Podcast BBQ von COSMO, 14.12.2023

Eine gute ärztliche Versorgung ist wichtig. Doch leider kommt es auch in medi­zini­schen Praxen zu Rassismus, also dort, wo Men­schen sich sicher und ge­borgen fühlen müssen. Über dieses Thema sprechen Dominik Djialeu und Zuher Jazmati in dieser Ausgabe von „BBQ – der Black­Brown­Queere Podcast“ von COSMO.

Gerade in Zeiten, in denen gute ärztliche Versorgung von unschätz­barem Wert ist, sei es bei Erkäl­tungen, Grippe oder sogar Corona, er­fahren viele Men­schen, wie wichtig medizi­nische Unter­stützung ist. Das gilt auch für chronische Er­kran­kungen oder akute Notfälle. Doch immer wieder berich­ten Ras­sismus­betrof­fene von negativen Er­fahrun­gen: Sie erhalten keine Termine, ihre medizi­nischen Sorgen werden nicht ernst­ge­nom­men oder sie müssen sich rassis­tische Aus­sagen an­hören. Dr. Cihan Sinanoğlu hat gemein­sam mit einem Team dazu geforscht. Read the rest of this entry »

Rassismus gegen Sinti & Roma: Antiziganismus

Januar 5th, 2024  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

detektor.fm, Podcast Zurück zum Thema, 21.11.2023

Antiziganismus: Was tun gegen die Diskriminierung von Sinti und Roma?

Angehörige der Sinti und Roma leben seit Jahrhunderten in vielen Ländern Europas. In ihren jewei­ligen Heimat­ländern bilden sie historisch ge­wachsene Minder­heiten und erfahren oft Dis­krimi­nie­run­gen. Diese fallen unter den Begriff Antiziganismus. „Der Begriff Anti­zigani­smus ist inter­national und national sehr etabliert und über Jahr­zehnte auch von Selbst­organi­sation etabliert worden. Er be­inhaltet die Fremd­bezeich­nung, wes­halb ich per­sönlich diesen Begriff auch nicht mehr nutze, sondern zum Bei­spiel ‚historisch spezi­fischer Rassismus gegen­über Sinti und Roma’“, sagt Kelly Laubinger.

detektor.fm-Moderator Gottfried Haufe fragt in dieser Folge von „Zurück zum Thema“, was gegen Anti­ziganismus getan werden muss. Welche Organi­sationen setzen sich für die Minder­heit ein? Antworten darauf geben der MIA-Ge­schäfts­führer Guillermo Ruiz Torres sowie die Co-Vor­sitzen­de der Bundes­ver­eini­gung der Sinti und Roma Kelly Laubinger.

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„Antiziganismus“: vom Verharren in Vorurteilen

November 11th, 2023  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Antiziganismus in der Schweiz: Vom Rassismus gegen Jenische, Sinti*zze und Rom*nja

Podcast: Reden wir! 20 Stimmen zu Rassismus, Febr. 2022 (51.03 Min.)

Der überwiegende Teil lebt sesshaft, sie sind Schweizer Bürger*innen, bezahlen Steuern. Den­noch werden Jenische, Sinti*zze und Rom*nja mit rassis­ti­schen Vor­urteilen dis­krimi­niert und aus­gegrenzt, und sie ringen nach wie vor um An­erken­nung. Warum das so ist, woher die dis­krimi­nie­ren­den Haltun­gen kommen, und warum sie so be­harrlich fort­beste­hen, er­klären Mo Diener, künst­le­rische Leite­rin der «Roma Jam Session» und Venanz Nobel, Vize­prä­sident des Vereins «schäft qwant» im Ge­spräch mit Mandy Abou Shoak und Christoph Keller.

Zum Podcast:
Seit 20 Jahren gestaltet, fördert und koordiniert die Fach­stelle für Ras­sis­mus­be­kämpfung (FRB) im Eid­ge­nös­si­schen Departe­ment des Innern Ak­tivi­täten zur Prä­vention von Rassismus und rassis­tischer Dis­kriminie­rung. In diesen zwan­zig Jahren haben sich die gesell­schaft­liche Positio­nie­rung des Themas und der Akteure maß­geb­lich ver­ändert. Der von der FRB lan­cierte Podcast bietet Gelegen­heit, um mit Ex­pertin­nen und Ex­perten ins Gespräch zu kommen über alte und neue Heraus­for­derun­gen der Rassis­mus­be­kämpfung.

(Text und Beitrag: Reden wir!)

„Wankostättn“ eröffnet Duisburger Filmwoche

Oktober 18th, 2023  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview

"Wankostättn" (Filmstill: Karin Berger/Navigator-Film)Good News aus Deutschland: Am 6. No­vember eröffnet die 47. Duisburger Film­woche mit der Deutsch­land-Pre­mie­re von Wanko­stättn (AT 2023, 37 Min.) von Karin Berger.

[Anm. d. Red.: Ein ausführliches Interview mit der Filmemache­rin finden Sie in der ak­tuel­len Aus­gabe von dROMa.]

„Nichts ist da, was erinnern könnte. Wenn ich dann wieder weggehe, bin ich ganz leer“, sagt Karl Stojka, auf einer Straße im 11. Wiener Bezirk ste­hend. Im Gehen er­zählt Karl Stojka von diesem Ort, von seiner Kindheit auf der „Wanko­stättn“ in Wien, wo sich ein großer Wohn- und Lager­platz der Rom:nja und Sin­ti:zze befand. Nach dem An­schluss Öster­reichs an Nazi-Deutsch­land wurde der Platz zu­nächst ab­ge­grenzt, dann 1941 ge­räumt und die Be­woh­ner:in­nen de­portiert.

Karin Berger fügt für Wankostättn zwei Gespräche zusam­men, die sie bereits 1997 mit Karl Stojka führte. Zwi­schen der Filme­macherin und den Ge­schwistern Karl und Ceija Stojka be­stand eine enge Ver­bun­den­heit und lange Zu­sam­men­arbeit.

Während Stojka den veränderten Erinnerungsort durchwandert, wird die Diskrepanz zwi­schen der erzählten Erinnerung und der be­bauten Gegen­wart erfahr­bar. „Wanko­stättn zeigt in der rohen Form und Un­mittel­barkeit seines Materials die Kraft münd­licher Er­innerungs­kultur und das Potential des Doku­men­tari­schen. In einer Gegen­wart, in der die Auf­arbeitung der rassisti­schen Verbrechen an Rom:nja und Sin­ti:zze an­dauert, bewahrt Wanko­stättn nicht nur Zeugen­schaft, sondern macht sie lebendig. Ein Film über Erin­nerung und über die Arbeit an ihr. Read the rest of this entry »

Podcast: Rassismus- und Antirassismustheorien

Oktober 16th, 2023  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Keine Meinung – Philosophie-Podcast, 12.11.2022 [84 min]

„Keine Meinung“ spricht mit den Herausgeberinnen und Co-Autorin­nen von „Diver­sität der Aus­beutung – Zur Kritik des herr­schen­den Anti­rassis­mus“ (er­schie­nen 2022 im Dietz Berlin-Ver­lag) Bafta Sarbo und Eleonora Roldán Mendívil über die Be­ziehung von Rassis­mus und Kapitalis­mus sowie die liberale contra mar­xis­tische Rassismus- und Anti­rassis­mus­theorie.

(Text und Sendung: Keine Meinung)

Podcast: Was tun gegen Antiziganismus?

Oktober 6th, 2023  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Wie wir andere Bilder schaffen über Sinti und Roma
Rady von RomAnity im Gespräch

DiversityFM #33, Podcast-Folge, 3.7.2022

In dieser Folge spricht DiversityFM mit Rady vom Verein RomAnity (München). Wir ha­ben über Sinti und Roma, das Thema Anti­ziga­nis­mus und auch die neuen Aus­wir­kun­gen durch den Ukrai­ne-Krieg ge­sprochen.

(Text und Beitrag: DiversityFM)