Porträt der Kärntner Autorin und Aktivistin für die Rechte der Roma und Jenischen, Simone Schönett
Ein Ö1-Radiofeature von Alfred Koch Sendung vom 25. März 2013
7 Tage lang hier nachzuhören.
Es war wie Schutzmantel, den sie aufgeschnitten hätte, sagt Simone Schönett, als sie nun schon vor einigen Jahren das Schweigen brach und sich öffentlich dazu bekannte, eine Jenische zu sein, eine Angehörige jener in Österreich nur wenig bekannten Minderheit, die über Jahrzehnte als Musiker und Gaukler, Hausierer und Schausteller, als Kesselflicker und Messerschleifer ihren bescheidenen Lebensunterhalt auf der Straße, „unterwegs“, als Reisende und Fahrende, verdienten. (…)
Seit dem Tod des Tiroler Dichters Romed Mungenast gibt es wohl niemanden in Österreich, der sich so für die Rechte dieser Minderheit engagiert wie Simone Schönett. Für dieses fahrende Volk, das längst sesshaft geworden ist, und bei dem selbst viele Jenische nicht mehr wissen, dass sie welche sind. Read the rest of this entry »
Der 8. März ist Internationaler Frauentag. Aus diesem Anlass möchten wir Sie auf die großartige Initiative „I am a European Roma Woman“ (Romedia Foundation) und ihre inzwischen recht stattliche Serie von Videoporträts beeindruckender, national und international aktiver Romnija aufmerksam machen. (Das oben präsentierte Video „Ja sam Romkinja“ entstand als „regional campaign video“ begleitend zur Regionalkonferenz „Roma Women in the Decade“ im Frühjahr 2010 in Belgrad. Ein anderes Kampagnenvideo haben wir Ihnen bereits 2010 vorgestellt.)
Im Dezember wurde bekannt, dass die portugiesische Polizei Schulen per Fax dazu aufgefordert hatte, ihr Auskunft zu erteilen, welche Schüler der Ethnie der Roma angehören und ob diese mit „illegalen Praktiken“ in Verbindung stünden. Ein Schuldirektor in Almada hat die Polizeianfrage daraufhin publik gemacht. Bislang ungeklärt ist, ob und wie viele Schulverwaltungen der offenbar illegalen Anfrage tatsächlich Folge geleistet hatten. Wenige Tage darauf berichteten die Medien von einem Vorfall in Celeirós/Braga. Ein Kunde war dort unsanft aus einer Bank geworfen worden, als er einen Scheck einlösen wollte. Der Bankmanager rechtfertigte den Rauswurf damit, dass er angenommen hatte, dass es sich um einen Rom handle.
Radio dreyeckland sprach mit Ismail Küpeli, Politikwissenschaftler und Aktivist aus Porto (Blog), über diese beiden Vorfälle und über den Alltagsrassismus, den Roma in Portugal zu erleiden haben. Dass die erwähnten Fälle von den Medien überhaupt aufgegriffen und als Skandal wahrgenommen wurden, wertet Küpeli durchaus als Zeichen zunehmender Sensibilisierung für antiziganistische Ausgrenzung.
„Meine Jugend, nicht leicht, aber schön“ – Die burgenländische Romni Erika Horvath (62) im Gespräch mit „Roma sam“
Afka nana sar adi. Amen nana but, ham mro ternipe schukar sina, phenel i adi 62 berschengeri Romni, Erika Horvath. Mri daj i lek buteder cajt amenca korkore sina, mint mro dad muschikaschi sina taj oda bojd o cilo bersch te cidel sina. Amen but phrala taj phenja samahi, kaj o phureder le ternenge uso ischkolakere butja iste pomoschinahi, mint amari daj na dschanlahi te genel taj te pisinel. Pal lakero erschti ischkolakero bersch o nacijonalsocijalistscha o fabot ari dine taj vaschoda na tromtscha buter otscha te dschal. Kekaj odo afka sina, amaro dschivipe ando naschipe la cajtatar feder ulo, phenel i Horvath.
„But avrijal ulo“ — Kada o erschti Romengero farajn kerdo ulo, but avrijal ulo, phenel i Erika Horvath. O tschave ando siklipe feder ule. But tschave uso kesdipe use sina, saven adi latschi buti hi, poar save matura vaj muguli jek schtudijum kisetinde, afka i Horvath bajder. Ham te i integracija le Romendar ando khetanipe feder ulo. Use ada, te o akor kerdo lobdakero klub 1. AS Roma but use ledschija. O Romengere lobdaschtscha upre but mindenfelitike lobdakere khelipeskere thana merescht dikle sina. Igen barikan ham sina, kaj amari dajakeri tschib tel pisim uli. Afka o tschave taj o terne papal kesdinde, Romanes te siklol taj te vakerel. Buteder pedar, schunen tumen andi sendung Roma sam upro Radijo Burgenland. (volksgruppen.orf.at)
„Es war nicht so wie heute. Wir hatten nicht sehr viel, aber trotzdem war meine Jugendzeit schön“, sagt die heute 62-jährige Romni Erika Horvath. „Meine Mutter war die meiste Zeit mit uns alleine, denn mein Vater war Musiker und war fast das ganze Jahr über auf Saison.“ Sie sind viele Geschwister, wo die älteren den jüngeren bei den Schularbeiten helfen mussten, denn ihre Mutter konnte nicht lesen und schreiben. Ihr war der Schulbesuch nach dem ersten Schuljahr durch die Nationalsozialisten verboten worden. Read the rest of this entry »
Ein Autoritätsbeweis des Innenministers: Räumungen von Roma-Lagern in Frankreich Interview mit Bernard Schmid
RDL-täglich/Focus Europa, 30.8.2012: Wer gedacht hat, dass sich mit der Abwahl von Sarkozy und der Wahl des Sozialisten Hollande die Behandlung zum Beispiel von Roma, als wohl diskrminierteste Minderheit, grundlegend zum Besseren verändert, der oder die sieht sich nun mit Meldungen über die Räumung und Zerstörung von Roma-Lagern konfrontiert. Erst am 30. August wurde nahe Paris wieder ein Lager geräumt. (Anm. der dROMa-Red.: Am 12. September wurden abermals knapp 900 Roma in Sucy-en-Brie südöstlich von Paris und in Lyon vertrieben; weitere Zwangsräumungen, etwa im Elsass, stehen bevor.) Über die Politik gegenüber Roma, die Räumungen einerseits und den Wegfall von Arbeitsmarktbeschränkungen andererseits, auch im Vergleich zur Politik unter Sarkozy sprachen wir mit Bernard Schmid, Jurist und freier Journalist aus Paris.
Dschivipeskere historiji 20 murschendar taj dschuvlendar vodschikane ande dikiptscha andi historija le Burgenlandistar den. Duj dschene, savenca vakerdo ulo, 1925 taj 1928 upro them ale. Ando phukajiptscha o bibastalo keripe esbe lim ol, ham te vodschikanipe taj patijaripe. Pali erschti dokumentacija „Mri Historija / Meine Geschichte“ (dROMa TV), dschivipeskere historijenca burgenlanditike Romendar, paschlol akan la DVDaha taj jeka kenvaha o khetano projekto „Amari Historija / Unsere Geschichte“ le farajnistar Roma-Service taj le ORF-Burgenlandistar angle, savo falati la burgenlanditika historijatar sikal.
Lebensgeschichten von 20 Männern und Frauen geben bewegende Einblicke in die Geschichte des Burgenlandes. Die beiden ältesten interviewten Personen sind Jahrgang 1925 und 1928. In den Erzählungen wird erlebtes Unrecht spürbar, aber auch Erfahrungen wechselseitiger Solidarität und Wertschätzung. Nach der ersten Dokumentation „Mri Historija / Meine Geschichte“ (dROMa TV) mit Biografien burgenländischer Roma liegt jetzt mit der DVD und der Ausgabe in Buchform das Ergebnis des vom Verein Roma-Service gemeinsam mit dem ORF Burgenland durchgeführten Folgeprojekts „Amari Historija / Unsere Geschichte“ – ein Mosaik burgenländischer Geschichte – vor.
Das Roma-Festival Romale! (hier der Programm-Folder: PDF) eröffnete gestern in der Steiermark u. a. mit der Präsentation unserer Zeitzeugeneditionen Mri Historija und Amari Historija. Der Standard berichtet in der heutigen Ausgabe. (Die Wiedergabe des Artikels erfolgt mit der dankenswerten Erlaubnis der Autorin – der man übrigens auch auf Twitter folgen kann: @ColetteMSchmidt.)
Die Geschichten vieler Leben
Die Grazer „Romale!“, eines der wichtigsten Roma-Festivals Europas, pflegt wieder den künstlerischen und politischen Diskurs zwischen Roma und Nicht-Roma. Heuer wurde auch stark mit Slowenien kooperiert.
Colette M. Schmidt, Der Standard: Kitsch, Folklore und Klischees haben keinen Platz beim biennal stattfindenden Festival Romale! in Graz. 2008 entstand das Festival als Gegenbewegung zu Ressentiments gegen bettelnde Roma in Graz und die Diskriminierung der größten Minderheit Europas ganz allgemein. Die Akademie Graz, Roma-Projekte, Roma-Vereine aus der Steiermark, dem Burgenland und Slowenien, die Uni Graz sowie einzelne Sozialinitiativen arbeiten durch die Romale! an einem kulturellen und politischen Austausch zwischen Roma und Sinti in der ganzen Welt. Aber auch am Dialog zwischen der Minderheit, die in einzelnen Ländern Europas gerade in den letzten Jahren wieder schlimmsten Verfolgungen ausgesetzt ist, und der Mehrheit.
Eröffnet wurde das Mehrsparten-Festival am Freitag mit der Präsentation der beiden Zeitzeugenprojekte des Vereins Roma-Service, Mri Historija und Amari Historija, im Pavelhaus in Laafeld. Die 20 – zum Teil sehr berührenden – Biografien aus dem Burgenland liegen jetzt als DVD und Buch vor. Gleichzeitig wurde die Wanderausstellung Roma in Bewegung über die Geschichte und Gegenwart der Minderheit eröffnet und das zweisprachige Märchenbuch Lang ist der Tag, kurz die Nacht (Deutsch und Romani) vorgestellt. Read the rest of this entry »
Versorgerin #93:Marika Schmiedt ist Aktivistin, Filmemacherin, bildende Künstlerin und lebt in Wien (Website). Die Auseinandersetzung mit der Situation der Roma und Sinti vor und nach 1945 bildet einen Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit. Luis Liendo Espinoza befragt sie zu ihrem neuen Film und zur dramatischen gegenwärtigen Lage.
Du hast heuer einen neuen Film herausgebracht: „Roma Memento. Zukunft ungewiss?“
Mein erster Film (Eine lästige Gesellschaft) war eine Spurensuche nach dem Schicksal meiner Großmutter. In Roma Memento kommt nun meine Mutter zu Wort. Der Film handelt von den Auswirkungen des Verlustes, den die Ermordung meiner Großmutter mit sich gebracht hatte. Ihre Kindheit hat meine Mutter bis an ihr Lebensende geprägt. Sie erzählt im Film, wie schlimm es für sie war, als Kind mit stetigen Anfeindungen zu leben. Es ging nicht allein um ihre Herkunft, sondern auch um das Nicht-Wissen ihrer Herkunft. Sie wurde gehänselt, in der Schule wurde sie „Papua-Neger“ gerufen. Doch sie wusste lange Zeit nicht, weshalb sie überhaupt angefeindet wurde – dass sie eine Romni ist. Ein weiterer Teil des Films thematisiert die gegenwärtige Situation der Roma.
Du hast dafür in einem Roma-Slum in Belgrad gedreht. Was war Dein Eindruck von den Lebensbedingungen der Bewohner?
Jasmina Tumbas war als Dolmetscherin tätig, über eine weitere Bekannte bekam ich Kontakt zu einer Familie. Ich wollte mit eigenen Augen sehen, wie Roma heute leben. Es ist unglaublich, ich habe fast keine Worte dafür. Die Menschen leben zum Teil ohne Wasser, ohne Kanalisation und ohne Strom. Read the rest of this entry »
Roma in der Schweiz — Fast zwei Monate nach dem romafeindlichen Weltwoche-Cover herrscht unter Schweizer Roma weiter Angst. Sie fürchteten negative Folgen, wenn sie sich in der Öffentlichkeit zeigen, sagt Cristina Kruck. Auch die Leiterin der „Rroma Foundation“ wollte aus diesem Grund nicht fotografiert werden. Interview von Maria Sterkl (derStandard.at) mit Cristina Kruck:
„Die Roma kommen“, titelte das Schweizer Wochenmagazin „Weltwoche“ am 6. April. Das reißerische Cover und der tendenziöse Text, der die Roma und Sinti in der Schweiz pauschal als kriminell verunglimpfte, sorgte über die Schweizer Grenzen hinweg für Aufregung. (Anm.: Wir berichteten hier, hier und hier.) Neben dem Zentralrat deutscher Sinti und Roma brachte auch der österreichische Journalist Klaus Kamolz eine Anzeige wegen Verhetzung ein. Fast zwei Monate später hat sich die Aufregung gelegt – aber die Angst, sich als Angehörige der Roma-Minderheit zu outen, sei größer denn je, sagt Cristina Kruck, Gründerin der Rroma Foundation in Zürich.
derStandard.at: Der Protest gegen das Weltwoche-Cover ist abgeebbt – aber wie ist die Stimmung bei den Schweizer Roma-Communities?
Kruck: Kurz nach dem Artikel haben sie zu mir gesagt: „Bitte, mach nichts, protestiere nicht, sonst wird es noch schlimmer.“ Das ist die Angst von allen – dass man noch stärker diskriminierter wird. Es gibt in der Schweiz die Minderheit der Jenischen, die zum Teil fahrende Leute sind – und die wurden sofort attackiert. Aber auch die Roma müssen darunter leiden. Das Cover suggeriert ja, dass alle Roma Verbrecher sind. Das wären dann also 12 Millionen Verbrecher in Europa. Das ist absolut inaktzeptabel. Was mich aber am allermeisten erschüttert hat, waren die Reaktionen der Bevölkerung. Von 153 Postings unter einem Tagesschau-Bericht über das Weltwoche-Cover waren 150 Postings pro Weltwoche, nur drei Kommentare waren halbwegs kritisch. Ich hätte ehrlich nicht gedacht, dass diese latente Haltung so extrem ist. Read the rest of this entry »
Vom 21.5.2012 bis zum 29.5.2012 veranstalten die oberösterreichische Kulturplattform KUPF und der Verein Ketani eine Schwerpunktwoche zur Situation der Roma und Sinti in Österreich. Sarah Praschak hat Gitta Martl, die Gründerin des Vereins Ketani, zu der Ausstellung „Typisch Zigeuner“, die am 21. Mai 2012 startet, interviewt:
Info zur Ausstellung: „Zigeunersauce“ heißt ein Produkt, das ein internationaler Lebensmittelkonzern neben Barbecue- und Chilisauce im Sortiment führt. „Scharf und rassig“, das sind offenbar die am häufigsten mit „Zigeunern“ assoziierten Wörter. Dazu kommen Bilder der schönen, dunklen Carmen, von Wahrsagerinnen und Taschendieben. Wie die Wirklichkeit der Sinti und Roma aussieht, zeigt die Ausstellung „Typisch Zigeuner“. Teil der Ausstellung sind die Ergebnisse der ersten umfassenden Studie zur Bildungssituation der deutschen Sinti und Roma: 14 Sinti und Roma befragten 261 Sinti und Roma, nach ihren Erfahrungen mit Behörden, ihrem Familienleben, vor allem nach ihrem Bildungsweg.
Eröffnung der Ausstellung „Typisch Zigeuner“ in Linz
Start: 21 Mai 2012, 19:00 Uhr im Alten Rathaus, Foyer
Zeit: Montag, den 21. Mai 2012 bis Mittwoch, den 30. Mai 2012
Öffnungszeiten: 7:00 bis 22.00 Uhr