Politik
April 21st, 2026 |
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Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Frauenrechte, Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
#ZARAbleibt! – Österreich braucht weiterhin Zivilcourage!
→Zur Petition auf mein.aufstehn.at
Sehr geehrte Bundesministerin Bauer,
sehr geehrte Bundesregierung und Entscheidungsträger!
ZARA ist seit Jahren eine unverzichtbare Anlaufstelle für Menschen, die in Österreich Rassismus, Diskriminierung und Hass erleben. Der Verein bietet Beratung, Dokumentation, Unterstützung und öffentliche Aufklärung genau dort, wo Betroffene sonst oft allein gelassen werden. Gerade in einer Zeit, in der rassistische, hasserfüllte Sprache wieder salonfähig gemacht wird, insbesondere im digitalen Raum, braucht es diese Arbeit mehr denn je. Die geplante Kürzung der Fördergelder, die das De-facto-Ende dieser wichtigen Aufklärungs- Unterstützungs- und Präventionsarbeit bedeuten, ist daher der falsche Schritt in einer Gesellschaft, die sich zunehmend polarisiert.
Deswegen sind gerade Sie, Familienministerin Bauer, aber auch die gesamte Bundesregierung und die Entscheidungsträger in Parlament und Verwaltung jetzt aufgefordert, Ihre Entscheidungen zu überdenken und sich klar für eine Erhaltung dieser so wichtigen Institution auszusprechen und einzusetzen!
Warum ist das wichtig?
Österreich hat in den letzten Jahren erlebt, wie sich gesellschaftliche Spannungen verschärfen, wie Debatten über Migration, Integration und Zugehörigkeit polarisiert werden und wie Hass im Netz und im Alltag normalisiert werden. ZARA leistet hier nicht nur Soforthilfe für Betroffene, sondern schafft auch wichtige Sichtbarkeit für Probleme, die viele lieber verdrängen würden. Dass allein 2025 mehr als 1.500 rassistische Vorfälle dokumentiert wurden, zeigt, dass es nicht um ein Randthema geht, sondern um eine reale Belastung für das gesellschaftliche Zusammenleben.
Gerade deshalb ist es unverständlich und politisch falsch, ausgerechnet in diesem Bereich zu sparen. Wer an Anti-Rassismus, Opferschutz und Prävention kürzt, spart nicht an „Verwaltung“, sondern an Sicherheit im Netz und demokratischer Stabilität. Read the rest of this entry »
April 20th, 2026 |
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Einrichtungen, Frauenrechte, Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Bundeskanzleramt streicht Förderung: Antidiskriminierungsstelle ZARA bietet für neue Fälle vorerst keine Beratungen mehr an
Aussendung von ZARA, 20.4.2026:
Die Streichung der Förderung für die Beratungsstelle #GegenHassimNetz unter der politischen Verantwortung von Bundesministerin Claudia Bauer bedroht die Existenz von ZARA akut. Ohne rasche Finanzierung droht das vollständige Aus bis Juni.
Seit acht Jahren erhält ZARA eine Förderung des Bundeskanzleramts in Höhe einer sechsstelligen Summe für den Betrieb der Beratungsstelle #GegenHassimNetz. Anfang April 2026 erreicht den Verein die Mitteilung, dass diese Förderung für das Jahr 2026 aufgrund von „Sparmaßnahmen“ vollständig gestrichen wurde. Die Entscheidung wurde unter der Verantwortung von Bundesministerin Claudia Bauer (ÖVP) getroffen.
ZARA zum Zeitpunkt der Streichung bereits in finanzieller Vorleistung
Zum Zeitpunkt der Mitteilung war ZARA bereits in finanzielle Vorleistung gegangen, um Betroffene von Hass im Netz weiterhin durchgehend unterstützen zu können. Unterstützung, die – das zeigen die aktuellen Debatten rund um digitale Gewalt an Frauen – für Betroffene dringend notwendig ist. Diese Vorfinanzierung erfolgte in der begründeten Annahme, dass die Förderung auch für das Jahr 2026 fortgeführt wird – auf Basis unserer langjährigen Expertise und unseres Alleinstellungsmerkmals als spezialisierte Beratungsstelle, die in Österreich allen Betroffenen von Hass im Netz kostenlos und niederschwellig offensteht. Unser Angebot unterschied sich damit von anderen bestehenden Einrichtungen, die sich an spezifische Zielgruppen, etwa Kinder und Jugendliche, richten.
Beratungsangebote derzeit massiv eingeschränkt
Das entstandene finanzielle Defizit zwingt den Verein nun dazu, die Beratungsangebote #GegenHassimNetz und !GegenRassismus massiv einzuschränken. Neue Fälle werden von ZARA ab sofort nur noch dokumentiert. Beratungsleistungen kann der Verein für neue Meldungen derzeit nicht mehr anbieten. Bestehende Fälle betreut ZARA vorerst weiter. Stellt die öffentliche Hand kurzfristig keine entsprechende Finanzierung sicher, muss ZARA seinen Betrieb samt aller Beratungsangebote bis Juni gänzlich einstellen.
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März 1st, 2026 |
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Facts & Figures, Politik
Die rumänische Roma-Partei Partida Romilor (PRPE) stellte von 1991 bis 2024 über 1600 Gemeinde- und Bezirksräte und in einigen Gemeinden auch den Bürgermeister.
(Quelle)
Februar 26th, 2026 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Großer Rückschlag: Zentralrat kritisiert Ablehnung der Bundesratsinitiative zur Aufnahme der vier nationalen Minderheiten in das Grundgesetz durch die Bundesregierung
Mit Unverständnis reagiert der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, auf die Entscheidung der deutschen Bundesregierung, die Aufnahme der vier anerkannten nationalen Minderheiten in das Grundgesetz abzulehnen. „Die vier nationalen Minderheiten wurden 1998 durch das europäische Rahmenübereinkommen des Europarates in Deutschland anerkannt. Der Zentralrat begrüßte deshalb die Initiative der Bundesländer Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen, den Schutz der vier nationalen Minderheiten durch die Aufnahme in das Grundgesetz zum Staatziel unseres demokratischen Rechtsstaats zu verpflichten. Der Anstieg eines neuen Rechtsextremismus und Nationalismus, der sich gegenüber Sinti und Roma feindlich durch Übergriffe und Gewalt zeigt wie in München (2016) mit drei ermordeten Angehörigen unserer Minderheit, in Hanau (2020) mit drei Angehörigen und in Solingen (2024) mit einer Familie mit zwei kleinen Kindern empfinden wir vor der Erfahrung in der deutschen Geschichte als eine Gefahr für Sinti und Roma in diesem Land. Die Zunahme antiziganistischer Vorfälle von 1.233 im Jahr 2022 auf 1.678 im Jahr 2023, ein Anstieg von 40 %, belegt die erschreckende Entwicklung. Der Zentralrat bedauert die ablehnende Haltung des Bundesinnenministeriums in Kenntnis dieser beunruhigenden Gefahr.
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Februar 24th, 2026 |
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Ehrungen & Nachrufe, Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen
600-Jahr-Jubiläum in Spanien: Ein Festakt in Madrid beschließt das „Jahr der Gitanos“. Regierungschef Pedro Sánchez bekräftigt das Engagement der Regierung für „Respekt, Gleichheit und Anerkennung“ der Gitanos (spanische Roma).
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez leitete im Präsidentensitz La Moncloa in Madrid den offiziellen Festakt zum Abschluss des Jahres der Gitanos, das 2025 anlässlich des 600-Jahr-Jubiläums ihrer Ankunft in Spanien begangen wurde. In seiner Rede betonte der Regierungschef, dass „sechs Jahrhunderte später und nach einem ganzen Jahr des Gedenkens und der Anerkennung das Volk der Gitanos (pueblo gitano) weder Almosen noch Folklore verlangt. Es verlangt etwas viel Einfacheres: Respekt, Gleichheit und Anerkennung. Die spanische Regierung und ich selbst verpflichten uns, weiter daran zu arbeiten, dass dies Realität wird.“
Die Veranstaltung unter dem Titel „Gelem, Gelem“ brachte Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Wissenschaft und sozialem Engagement zusammen, um für die Gleichberechtigung der Gitanos und ihren kulturellen Reichtum einzutreten. Anwesend waren auch die Ministerin für Inklusion, soziale Sicherheit und Migration und Regierungssprecherin Elma Saiz sowie die Ministerinnen für Bildung und Gleichstellung, Milagros Tolón und Ana Redondo.
Pedro Sánchez hat diese sechs Jahrhunderte als 600 Jahre „gemeinsamer Geschichte“ beschrieben, da „das Volk der Gitanos kein separates Kapitel unserer Geschichte ist. Ihr seid ein wesentlicher Teil davon“, denn „Spanien ist ohne die prägenden Spur des Volks der Gitanos nicht zu verstehen“, betonte er.
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Januar 22nd, 2026 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Neue Strategie des Europarates legt den Schwerpunkt auf Verständnis, Gleichberechtigung und politische Teilhabe dieser Gemeinschaften
Das Ministerkomitee des Europarates hat gestern Mittwoch die neue Strategie zur Inklusion von Roma und Fahrenden (2026–2030) verabschiedet. Die Gesellschaft besser über Fragen zu diesen Gemeinschaften zu informieren und dafür zu sensibilisieren und gleichzeitig bei Roma und Fahrenden ein Gefühl des Stolzes auf ihre Identität zu fördern, Roma und Fahrenden gleiche Rechte, gleiche Würde und die Gleichstellung der Geschlechter zu garantieren sowie ihre aktive Teilhabe am öffentlichen und politischen Leben zu stärken – das sind die Prioritäten des Europarates und seiner Mitgliedsstaaten für die nächsten fünf Jahre.
Die Strategie zielt darauf ab, die verstreuten nationalen Bemühungen in eine kohärente europäische Antwort umzuwandeln. Der Europarat bekräftigt damit, dass der Schutz der größten Minderheit Europas nicht nur eine nationale Verantwortung ist, sondern auch eine gemeinsame europäische Verpflichtung, die für die Wahrung der Grundwerte und des sozialen Zusammenhalts des Kontinents von wesentlicher Bedeutung ist.
Roma und Fahrende scheinen in der Politik unsichtbar zu sein
Ohne eine aktive Beteiligung der Roma und Fahrenden am öffentlichen und politischen Leben bleiben die Möglichkeiten, ihnen bessere sozioökonomische Perspektiven zu bieten, begrenzt. Die weitgehende Unsichtbarkeit der Roma und Fahrenden auf der politischen Bühne kann zur Isolation dieser Gemeinschaften führen, die dann leicht zum Ziel von Praktiken wie Stimmenkauf, Alibipolitik, Ausbeutung oder Vernachlässigung werden.
Die Strategie betont, wie wichtig es ist, dass die Mitglieder dieser Gemeinschaften und die Gesellschaft insgesamt das Potenzial der Roma und Fahrenden für sozialen und politischen Wandel erkennen. Read the rest of this entry »
Januar 14th, 2026 |
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Politik, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Veranstaltungen & Ausstellungen
Radijo Erba & TV Erba
Tschibtscha | 13.1.2026 | 7:52 min
Ausstellung „Wir sind Demokratie“: Sichtbarmachung autochthoner Volksgruppen im Parlament
Le pradipeha le artschijipestar „Amen sam demokracija“ ando parlamento jek barikani joma hi uso soralipeskero keripe le autochtoni flogoskere grupnendar andi Austrija. Pantschvar desch berscha flogoskero grupnengero tschatschipe jek jubilejum ojs upredipe la cukunftake. O kärntner taj schatcke Slovenitike, o burgenlanditike Horvacke, o burgenlanditike Ungrike, o betschitike Tschechitike taj Slovatitike taj o Roma o aunprindscharde schov flogoskere grupn andi Austrija hi. Amen sam demokracija o artschijipe ando parlamento pedar o schov flogoskere grupn ando auditorium i kultura, tschibtscha, sikadipe, i khetani historja taj o flogoskere tschatschiptscha upre sikal. Ando bersch dujeseri bisch taj schov o parlamento intesivi la novelirungaha le flogoskere grupnengere tschatschipeha, savo ada bersch pantschvar desch berscha mulatinel, pe donde bescharla.
Mit der feierlichen Eröffnung der Ausstellung „Wir sind Demokratie“ im Parlament ist ein bedeutender Schritt zur verstärkten Sichtbarmachung der autochthonen Volksgruppen Österreichs gelungen. Die Veranstaltung, getragen von Walter Rosenkranz, Präsident des Nationalrates, Markus Stotter, Präsident des Bundesrates, Peter Haubner, Zweiter Präsident des Nationalrates, und Doris Bures, Dritte Präsidentin des Nationalrates, setzt ein starkes öffentliches Signal. Das Jahr 2026 steht ganz im Zeichen eines historischen Meilensteins: Vor 50 Jahren, am 7. Juli 1976, wurde das Volksgruppengesetz beschlossen. Read the rest of this entry »
Januar 7th, 2026 |
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Einrichtungen, Politik, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Radijo Erba & TV Erba
Tschibtscha | 7.1.2026 | 9:21 min
1. internacijonali konferenca butjakeri politischi platforma la inklusijonake le Romenge ando Donauraum
O bundakero ministerijum la butjake, sastipeske, pfleginipeske taj konsumentakere arakapiske ando 16. dschi 17. oktober 2025 i erschti internacijonali konferenca la butjakera politischi platformake la inklusijonake le Romenge ando Donauraum Betsch telikertscha. I konferenca telal o anav „Roma/Romnja empowerment le butjakere foroske – 20 berscha barikano prikbescharipe ando Donauraum“ terdschini taj jek falato la EU-akere strategijatar le Donauraumistar sina. I konferenca ando keripe la EU-akera strategijatar le Donauraumiske (EUSDR) organisirim taj o 20-berscheskere barikano prikbescharipe le projektendar usi butjakeri foroskeri inklusijona le Romendar terdschini. O fokus paschlino upro empowerment taj integracija le Romendar, lek feder upro dikipe taj armangipe upro Donaraum. Tel likerdo uli i konferenca ando khera le bundakere ministerijumistar la butjake, socijalake, sastipeske taj konsumentakere arakipeske la republika Austrijatar.
Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz veranstaltete am 16. und 17. Oktober 2025 die erste Internationale Konferenz der arbeitsmarktpolitischen Plattform für die Inklusion von Roma/Romnja im Donauraum in Wien. Die Konferenz fand unter dem Motto „Roma/Romnja-Empowerment für den Arbeitsmarkt – 20 Jahre erfolgreiche Projektumsetzung im Donauraum“ statt und war Teil der EU-Strategie für den Donauraum. Die Konferenz wurde im Rahmen der EU-Strategie für den Donauraum (EUSDR) organisiert und beleuchtet die 20-jährige Arbeitsmarktinklusion von Roma. Read the rest of this entry »
November 24th, 2025 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Das slowenische Parlament hat vergangene Woche ein Gesetz verabschiedet, das der Polizei weitreichende Ausnahmebefugnisse in sogenannten „Sicherheitsrisikogebieten“ einräumt – Zonen, die, wie Kritiker befürchten, besonders die Roma-Gemeinschaften betreffen. Damit werde die gesamte Roma-Minderheit als Sicherheitsbedrohung behandelt. Das „Gesetz über Notstandsmaßnahmen zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit“, bekannt als „Šutar-Gesetz“, war nach einer Gewalttat in Novo Mesto innerhalb weniger Wochen durchgepeitscht worden. In der südslowenischen Stadt war im Oktober ein 48-jähriger Mann, Aleš Šutar, bei einer Auseinandersetzung vor einem Nachtklub von einem jungen Rom tödlich verletzt worden. Die Tat löste rassistisch aufgeheizte Proteste, Polizeieinsätze in Roma-Siedlungen und den Rücktritt des Justiz- und des Innenministers aus.
Trotz des Boykotts linker Parteien, die das Gesetz als repressiv bezeichneten, wurde es mit breiter Mehrheit verabschiedet. Umfragen zeigen, dass rund 60 Prozent der Bevölkerung das Gesetz befürworten. Menschenrechts- und Roma-Organisationen sowie europäische Institutionen kritisieren das Gesetz jedoch scharf. Die EU-Kommission warnte Slowenien davor, das Gesetz unverhältnismäßig gegen ethnische Minderheiten anzuwenden und EU-Normen zu verletzen.
Im Folgenden geben wir eine Aussendung der Roma Foundation for Europe wieder:
Die slowenische Nationalversammlung hat gestern Abend über das sogenannte „Šutar-Gesetz“ abgestimmt, das das Betreten von Wohnungen ohne richterliche Anordnung, erweiterte Überwachungsbefugnisse und den Einsatz des Militärs bei der inneren Sicherheit ermöglicht. Die Roma Foundation for Europe hat vor der Verabschiedung des sogenannten „Šutar-Gesetzes“ durch die slowenische Nationalversammlung gewarnt.
Mensur Haliti, Vizepräsident der Roma Foundation for Europe, sagte: „Dieses Gesetz macht ganze Stadtviertel zu Sicherheitszonen und ihre Bewohner zu Sicherheitskategorien. Es senkt die politischen Kosten, diejenigen ins Visier zu nehmen, die bereits von einer freien und fairen politischen Teilhabe ausgeschlossen sind, um daraus politischen Gewinn zu erzielen. Slowenien hat etwas getan, was Europa selten zugibt: Es hat ein Gesetz verabschiedet, das eine ganze Minderheit als Sicherheitsrisiko behandelt. Read the rest of this entry »
November 16th, 2025 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Deutschland: Amaro Foro e.V. und MIA-Bund verurteilen antiziganistische Äußerungen von CDU-Abgeordnetem und Berliner Antisemitismus-Beauftragtem Timur Husein
Amaro Foro e.V. und die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA zeigen sich zutiefst empört über die jüngsten Äußerungen des Berliner CDU-Abgeordneten und Antisemitismusbeauftragten der Berliner CDU-Fraktion, Dr. Timur Husein, in sozialen Medien. In einem öffentlichen Beitrag auf Instagram und X bezog sich Husein auf die Kandidatur Elif Eralps für die Berliner Bürgermeister*innenwahl 2026 und sprach in diesem Zusammenhang von „illegalen Sinti & Roma (Zigeuner) aus dem Ausland“. Diese Formulierung ist in mehrfacher Hinsicht inakzeptabel: Sie stellt einen unzulässigen Zusammenhang zwischen der Minderheit der Sinti und Roma und vermeintlich „illegaler Einwanderung“ her und reproduziert damit jahrhundertealte antiziganistische Stereotype.
Darüber hinaus ist die Verwendung des Wortes eine rassistische und tief verletzende Fremdbezeichnung. Unter dieser Bezeichnung wurden Sinti und Roma während der nationalsozialistischen Verfolgung stigmatisiert, verfolgt und ermordet. Ihnen wurde in den Konzentrationslagern der Buchstabe „Z“ in die Haut tätowiert – als Zeichen der Entmenschlichung und Vernichtung. Durch das NS-Regime wurden 500.000 Sinti und Roma ermordet. Die Verwendung dieses Begriffs ist daher retraumatisierend und abwertend. Dass ein deutscher Abgeordneter diesen Begriff heute öffentlich nutzt, stellt eine unerträgliche Verhöhnung der Opfer des nationalsozialistischen Völkermords dar.
Im Übrigen weisen Amaro Foro e.V. und MIA darauf hin, dass Eralp in den Aussagen, auf die sich Husein bezieht, explizit die historische Verantwortung Deutschlands gegenüber Sinti und Roma als Opfer des NS-Genozids betont hat und sich daher für ein Bleiberecht für Angehörige dieser Minderheit einsetzt. Genau diese Forderung wurde auch von der Unabhängigen Kommission Antiziganismus in ihren Empfehlungen ausgesprochen. Ein verantwortungsvoller demokratischer Politiker sollte sich mit diesen Forderungen ernsthaft auseinandersetzen, anstatt sie für populistische Polemik zu instrumentalisieren.
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November 12th, 2025 |
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Geschichte & Gedenken, Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen
Ein Festakt im Parlament würdigte das 30-jährige Bestehen des Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus
Mit der Einrichtung des Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus setzte Österreich 1995, 50 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur, ein klares und dauerhaftes Zeichen der Übernahme von historischer Verantwortung. Ein Festakt im Parlament blickte am 10. November auf drei Jahrzehnte der tätigen Verantwortung des Nationalfonds gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus und für die Stärkung der österreichischen Erinnerungskultur zurück. Neben dem Rückblick auf das Geleistete standen die gegenwärtigen und künftigen Aufgaben des Nationalfonds im Mittelpunkt der Veranstaltung.
Haubner und Van der Bellen
Die Begrüßungsworte zum Festakt sprach Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner. Er erinnerte an die Gründung des Nationalfonds als historischen Schritt, mit dem Österreich sich dazu bekannt habe, dass das vom NS-Terrorregime verursachte Leid niemals vergessen, relativiert, verdrängt oder verharmlost werden dürfe. [...] In seiner Festrede würdigte Bundespräsident Alexander Van der Bellen die „tätige Verantwortung“ des Nationalfonds. Er dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Nationalfonds, die durch „beständigen Brückenbau“ dazu beigetragen haben, dass Überlebende der NS-Verbrechen und ihre Nachkommen sich wieder als Teil Österreichs fühlen konnten. Die Erinnerung an die Ermordeten sei ein nie abgeschlossener Prozess. Erinnerung bedeute auch Anerkennung. Daher hoffe er auf eine würdige Gedenkstätte für alle Opfergruppen der NS-Verbrechen. [...] Über die Hintergründe der Entstehung des Fonds und die Bedeutung dieses Schrittes sprachen Nationalratspräsident a. D. Andreas Khol und Bundeskanzler a. D. Franz Vranitzky mit Nationalfonds-Vorständin Hannah Lessing.
Dritte Generation: Sarah Gärtner-Horvath und Yuval Yaary
Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Lesung der Nachkommen der dritten Generation Sarah Gärtner-Horvath und Yuval Yaary. Sarah Gärtner-Horvath las aus Erinnerungen ihres Vaters Emmerich Gärtner-Horvath. Er berichtet darin, was ihn bewegte, 2005 am Interviewprojekt zur Geschichte der Burgenland-Roma „Mri Historija“ (Meine Geschichte) teilzunehmen und Zeitzeuginnen und Zeitzeugen über ihre Erlebnisse während der NS-Zeit zu befragen. Read the rest of this entry »
Oktober 8th, 2025 |
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Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Ö1 Europa-Journal, 3.10.2025
Roma und Sinti: Der Umgang mit der größten europäischen Minderheit
Mehr als zwei Drittel der in Europa lebenden Roma und Angehörigen verwandter Minderheiten leiden unter Armut. Das zeigt der aktuelle Bericht der EU-Agentur für Grundrechte mit Sitz in Wien (wir berichteten). Viele Roma-Familien leben nach wie vor in völlig desolaten und illegalen Siedlungen am Rande der Gesellschaft. In Frankreich, Italien und Bulgarien wurden in den letzten Jahren Roma-Camps teils mit Gewalt geräumt und die Menschen abgesiedelt – zum Schutz der Anrainer, aber auch zum Schutz der Roma selbst, heißt es in offiziellen Begründungen. Wie kann das Zusammenleben der Minderheit mit der Mehrheitsbevölkerung in Europa funktionieren? Und welche Handhabe hat die Europäische Union wenn es um den Schutz der Roma geht? Dazu ein Interview mit dem Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O’Flaherty.
Roma-Frauen in Spanien: Die Emanzipation der „Gitanas“
Auch in Spanien hat die Minderheit der Roma mit Vorurteilen zu kämpfen. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, sind die „Gitanos“, wie sie in Spanien genannt werden, besser in die Gesellschaft eingebunden. Die spanische Regierung hat sich jahrelang aktiv um die Integration gekümmert. Die Gitanos prägen die spanische Kultur bis heute maßgeblich – sie sind auch Erfinder des Flamenco-Tanzes. Die Frauen – die „Gitanas“ – waren innerhalb der Volksgruppe bisher jedoch besonders benachteiligt, Aktivistinnen wollen das nun ändern. Josef Manola mit einer Reportage aus Madrid.
Moderation: Miriam Beller
(Sendung und Text: Ö1/ORF)
September 30th, 2025 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Bundesrat beschließt: Deutschlands nationale Minderheiten sollen Verfassungsrang erhalten
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt die vom Bundesrat auf Initiative der Länder Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen am Freitag, dem 26. September, verabschiedete Entschließung, in der die Bundesregierung aufgefordert wird, die nationalen Minderheiten der deutschen Sinti und Roma, Dänen, Friesen und Sorben durch die Aufnahme in das Grundgesetz zu schützen.
In einer Zeit des Umbruchs in Europa, in der nationalistische und rechte Parteien mit Hetze wie Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus Minderheiten wieder zu Sündenböcken machen, wäre dies ein Zeichen der historischen Verantwortung. Eine wehrhafte Demokratie muss sich diesen menschenfeindlichen Bestrebungen entschlossen entgegenstellen. Eine solche Initiative gegenüber den nationalen Minderheiten wäre ein sichtbares Zeichen der Bundesrepublik Deutschland, die Erfahrungen aus der deutschen Geschichte als Verpflichtung unseres demokratischen Rechtsstaates zu verstehen. Bereits mehrere Länder wie Schleswig-Holstein und Brandenburg haben diesen Schutz in ihre Landesverfassungen aufgenommen.
Es wäre ein klares Bekenntnis zum Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates und zu den Verpflichtungen aus der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Read the rest of this entry »
September 17th, 2025 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
„Fatales Signal an die Betroffenen“: Thüringen verzichtet auf neuen Antiziganismus-Beauftragten – Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) verurteilt diese Entscheidung aufs Schärfste
Mit großem Entsetzen und tiefem Bedauern nimmt die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA e.V.) die Entscheidung der Thüringer Landesregierung zur Kenntnis, die Stelle des/der Antiziganismus-Beauftragten nicht neu zu besetzen. Diese Entscheidung sendet ein fatales Signal – an die Sinti und Roma in Thüringen und darüber hinaus. Die Bekämpfung von Antiziganismus ist keine abstrakte Verwaltungsaufgabe, die beliebig in ressortübergreifende Strukturen ausgelagert werden kann. Die Einrichtung eines/einer Beauftragten war ein wichtiges Zeichen der Anerkennung und des politischen Willens, antiziganistisch motivierte, systematische Diskriminierung wirksam zu bekämpfen. „Wer glaubt, Antiziganismus ließe sich ohne klare Zuständigkeiten und politische Verantwortung bekämpfen, verkennt die Tiefe und Tragweite des Problems“, warnt Dr. Guillermo Ruiz, Geschäftsführer von MIA e.V. „Diese Entscheidung sendet ein fatales Signal an die Betroffenen.“
Antiziganismus ist tief in der Gesellschaft verankert. Seine Bekämpfung erfordert entschlossenes politisches Handeln, verbindliche Maßnahmen und klar benannte Zuständigkeiten – keine vagen Absichtserklärungen. Während MIA im vergangenen Jahr bundesweit fast 1.700 antiziganistische Vorfälle dokumentierte – ein besorgniserregender Anstieg um 400 im Vergleich zu 2023 – entzieht sich Thüringen dieser Verantwortung. Hinzu kommt die historische Verpflichtung Deutschlands gegenüber der Minderheit der Sinti und Roma, die im Nationalsozialismus systematisch verfolgt und ermordet wurde. Dass die Landesregierung nun einen institutionellen Rückschritt vollzieht, zeugt von historischem Unverständnis und politischer Verantwortungslosigkeit.
MIA e.V. fordert die Thüringer Landesregierung mit Nachdruck auf, diese Entscheidung zu revidieren und die Stelle des/der Antiziganismus-Beauftragten unverzüglich neu zu besetzen. Read the rest of this entry »
August 2nd, 2025 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Der 2. August erinnert an die ermordeten Roma und Sinti im Nationalsozialismus. Bundesratspräsident Peter Samt und Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner legten im Gedenken Kränze nieder.
Rund 500.000 Roma und Sinti wurden Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau über 4.000 Angehörige der Volksgruppe ermordet. Seit 2015 gilt der 2. August in Europa als Gedenktag für Roma und Sinti – in Österreich seit vergangenem Jahr.
Kranzniederlegung im Gedenken an hunderttausende Opfer
Bundesratspräsident Peter Samt und Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner legten im Namen der Parlamentsspitze Kränze nieder. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Volksgruppenbeirats der Roma, Emmerich Gärtner-Horvath und dessen Stellvertreter Andreas Sarközi, gedachten sie der Opfer.
Es sei ihm wichtig, dass Volksgruppen in Österreich nicht gegeneinander, nicht nebeneinander, sondern miteinander leben und dass die kulturellen Wurzeln, die Verschiedenartigkeit und das Gemeinsame geschätzt werden, erklärt der Vorsitzende der Länderkammer Peter Samt. „Was einst mit Vorurteilen begann, endete in Lagern und Gräbern“, betont Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner. „Wer heute noch schweigt, wenn Roma und Sinti oder andere Minderheiten angefeindet werden, hat aus der Geschichte nichts gelernt. Am Gedenktag hören wir hin, erinnern uns und geloben, niemals zu schweigen.“
Im Rahmen der Veranstaltung wurde von dem Schauspieler Serge Falck ein Text aus dem Interviewprojekt „Mri Historija“ des Vereins Roma-Service vorgetragen. Geschildert wird dabei die Lebensgeschichte von Anton Müller, einem Überlebenden der Konzentrationslager Auschwitz und Mauthausen. Read the rest of this entry »
Juni 29th, 2025 |
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Politik
Erstmals in der Geschichte Rumäniens übernimmt ein Politiker aus der Roma-Minderheit ein Ministeramt: Petre-Florin Manole, 41, Menschenrechtsaktivist und Abgeordneter der Sozialdemokraten (PSD), wurde zum Minister für Arbeit und soziale Solidarität ernannt.
Damit übernimmt Manole, der zuletzt auch als PSD-Sprecher fungierte, eines der Schlüsselressorts im neuen Kabinett von Premierminister Ilie Bolojan. Sein politischer Werdegang ist eng mit seinem Engagement für die Roma-Minderheit verbunden. Manole war an diversen Gesetzesinitiativen beteiligt, die auf die Verbesserung der Lebensbedingungen und die Bekämpfung der Diskriminierung der Roma abzielten.
Historiker, Roma-Aktivist, Politiker
Petre-Florin Manole, 1983 geboren im südostrumänischen Slobozia, studierte Geschichte an der Universität Bukarest und absolvierte anschließend ein US-Programm zu Außenpolitik und Menschenrechten. 2012 trat er in die Politik ein – zunächst als Gemeinderat in Bukarest, später als Berater im Arbeitsministerium. 2016 wurde Manole schließlich Abgeordneter der Sozialdemokraten (PSD) im Parlament; inzwischen befindet er sich bereits in seiner dritten Legislaturperiode. Von 2022 bis 2023 war er zudem Staatssekretär im Büro des stellvertretenden Premierministers.
Schon vor seiner politischen Laufbahn engagierte sich Manole in der Zivilgesellschaft. Er arbeitete in Roma-Organisationen (Centrul Romilor pentru Politici Publice – Aven Amentza und Agenția Împreună), war im Vorstand des Nationalen Antidiskriminierungsrats (CNCD) und kurzzeitig Berater der Weltbank. Zudem war er für den Roma Education Fund România und als Referent am Elie-Wiesel-Institut für die Erforschung des Holocausts in Rumänien tätig.
„Historische Bedeutung“
Roma-Vertreter begrüßen die erstmalige Ernennung eines Roma-Politikers und sprechen von einer Schritt von historischer Tragweite. So etwa Mensur Haliti, Vizepräsident der Roma Foundation for Europe: Read the rest of this entry »
Juni 21st, 2025 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Nach Protesten: Das Amt des deutschen Antiziganismus-Beauftragten wird nun doch neu besetzt. Michael Brand (CDU) folgt dem bisherigen Beauftragten Mehmet Daimagüler nach.
Die erst kürzlich bekannt gewordene Entscheidung, diese erst im Mai 2022 neu geschaffene Stelle nach dem Rücktritt von Mehmet Daimagüler nicht fortzuführen, hatte energische Reaktionen aus den Organisationen und Verbänden der Sinti und Roma zur Folge. Kelly Laubinger von der Sinti-Union Schleswig-Holstein etwa sprach von „Unsichtbarmachung“ und „politischem Skandal“, Petra Rosenberg vom Landesverband Berlin-Brandenburg von einem „fatalen Signal“. Und Romani Rose vom Zentralverband Deutscher Sinti und Roma zeigte sich von den Plänen der Bundesregierung irritiert und versprach, bei der Bundesregierung zu intervenieren.
Auch in einer spontan gestarteten Petition an Kanzler Merz und Familienministerin Prien (wir berichteten) forderten Roma-Aktivisten die Beibehaltung der Stelle: „Besetzen Sie die Stelle des Beauftragten neu! Es war ein wichtiges Zeichen, dass sie geschaffen wurde. Es ist ein verheerendes Zeichen, dass sie nun einfach entfällt – obwohl Antiziganismus weiterhin Alltag ist. Obwohl wir endlich mehr Sichtbarkeit brauchen. Obwohl wir ein Teil dieser Gesellschaft sind. Diese Entscheidung muss rückgängig gemacht werden. Ein Beauftragter für die Belange von Sinti und Roma ist kein verzichtbarer Luxus – sondern eine Notwendigkeit.”
Nun hat das Bundeskabinett Michael Brand (MdB, CDU) zum Beauftragten der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutschland berufen. Die Ernennung erfolgte am 18. Juni auf Vorschlag von Bundesministerin Karin Prien für die Dauer der 21. Wahlperiode. Michael Brand ist derzeit Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).
Zur Person des neuen Antiziganismusbeauftragten informiert die Website des Ministeriums: „Michael Brand ist studierter Politikwissenschaftler und seit vielen Jahren im Bereich Menschenrechte aktiv, unter anderem als Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses im Deutschen Bundestag sowie als Sprecher für Menschenrechte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Read the rest of this entry »
Juni 10th, 2025 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Die neue deutsche Bundesregierung will auf die Nachbesetzung der Stelle des Antiziganismus-Beauftragten verzichten. Die Abschaffung dieses erst 2022 geschaffenen Amtes bedeutet einen „Schlag ins Gesicht für die Sinti und Roma“. Im Folgenden geben wir, insbesondere für unsere Leserinnen und Leser in Deutschland, den Text einer Online-Petition wieder:
Petition: Antiziganismus bekämpfen – Beauftragtenstelle für Sinti und Roma wieder besetzen!
Gestartet von Gjulner Sejdi
→Zum Unterzeichnen
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz,
sehr geehrte Frau Ministerin Prien,
wir sind Sinti und Roma*) – Bürgerinnen und Bürger dieses Landes. Deutschland hat uns unter dem NS-Regime verfolgt, deportiert, ermordet. Über 500.000 Menschen. Der Völkermord an unserer Minderheit ist noch immer nicht vollständig aufgearbeitet. Und auch heute erleben wir täglich Ausgrenzung, Hass, Diskriminierung – Antiziganismus. Und der nimmt zu. Umso unverständlicher ist es für uns, dass die Bundesregierung die Stelle des Beauftragten für die Belange von Sinti und Roma und gegen Antiziganismus einfach gestrichen hat – still und leise, ohne Begründung, ohne neue Perspektive.
Der bisherige Beauftragte Mehmet Daimagüler hat Mut bewiesen, klar gesprochen und gehandelt – im Namen der Bundesregierung. Drei Beispiele zeigen, wie wichtig seine Rolle war: Read the rest of this entry »
Juni 4th, 2025 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Rund 200 Roma und Romnja in Sofia sind nach der Zerstörung ihrer Häuser durch die lokalen Behörden obdachlos geworden. Die Polizei führte die Zwangsräumungen ohne ordnungsgemäßes Verfahren, ohne angemessene Vorankündigung und ohne Prüfung alternativer Lösungen durch. Das Vorgehen der Behörden ist eine direkte Verletzung eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) vom 11. April. Dieser hatte die Regierung angewiesen, bis zur Klärung eines Rechtsstreits den Abriss der Häuser einzustellen. Die betroffenen Familien, darunter Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Menschen mit Behinderungen, sind nun ohne Unterkunft, Wasser und Strom.
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Die Lage der geräumten Rom*nja-Familien des Stadtteils Zaharna Fabrika in Sofia ist nach wie vor katastrophal. Seit dem 15. April hat die Bezirksverwaltung von Ilinden in Sofia Dutzende von Häusern in Zaharna Fabrika abreißen lassen, wodurch fast 200 Rom*nja – darunter Kinder, ältere Menschen und Schwangere – obdachlos wurden. Die meisten Familien sind ohne Unterkunft und haben keinen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Wasser, Strom, Gesundheitsversorgung und Bildung. Seit dem Abriss haben die Behörden nur wenigen Familien eine alternative Unterkunft zur Verfügung gestellt. Die meisten von ihnen leben unter äußerst prekären Bedingungen, schlafen in Zelten oder sind auf Behelfsunterkünfte angewiesen.
Die Zerstörung der Häuser erfolgte ohne ein angemessenes Verfahren, ohne Vorankündigung und ohne echte Konsultation zur Auslotung von Alternativlösungen. Damit wurde ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) vom 11. April missachtet, das die bulgarischen Behörden angewiesen hatte, die Räumungen so lange auszusetzen, bis alternative Unterkunftsmöglichkeiten vorliegen. Mit der Missachtung dieses Urteils haben die bulgarischen Behörden gegen ihre internationalen und regionalen Menschenrechtsverpflichtungen verstoßen, einschließlich der Gewährleistung des Rechts auf angemessenen Wohnraum. Danach sind Zwangsräumungen nur als letztes Mittel zulässig, und zwar nach einer echten Konsultation, bei der alle Alternativen zu einer Räumung geprüft werden, nach der Bereitstellung einer angemessenen Alternativunterkunft und nach der Umsetzung von Schutzmaßnahmen zum Schutz der Würde und der Rechte der Betroffenen. Amnesty International ist der Ansicht, dass die Räumungen angesichts des Fehlens von Verfahrensgarantien und der daraus resultierenden Obdachlosigkeit der meisten Betroffenen Zwangsräumungen gleichkommen – einer Praxis, die nach den internationalen und regionalen Menschenrechtsverpflichtungen Bulgariens verboten ist. Read the rest of this entry »
Mai 30th, 2025 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Neue deutsche Bundesregierung verzichtet auf Antiziganismus-Beauftragten
Vor drei Jahren schuf die deutsche Bundesregierung das Amt des „Beauftragten der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutschland“. Die im Mai 2022 neu geschaffene Stelle wurde mit dem Rechtsanwalt und Publizisten Mehmet Daimagüler betraut. Zugeordnet war die Stelle dem Familienministerium. Die Bundesregierung konnte somit auf die Expertise eines Antisemitismus-, eines Antirassismus- und eines Antiziganismusbeauftragten zurückgreifen.
Nun soll die Stelle jedoch wieder abgeschafft werden. Daimagüler hatte erst kürzlich seinen Rücktritt aus persönlichen Gründen bekannt gegeben. Wie am Mittwoch publik wurde, will die Bundesregierung die vakante Stelle nicht mehr nachbesetzen. „Eine Abschaffung des Amts wäre ein Schlag ins Gesicht für die Sinti und Roma in Deutschland“, zitiert die „taz“ den bisherigen Amtsinhaber.
Auch der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma reagiert brüskiert auf Presseberichte zur Abschaffung des Beauftragten: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bundesregierung einen solchen Schritt gehen würde, ohne dies mit dem Zentralrat abzusprechen. Und das ist nicht geschehen“, zitiert die Agentur KNA den Vorsitzenden des Zentralrats Romani Rose. Er habe die Bundesregierung in einem Schreiben aufgefordert, die Stelle des Beauftragten beizubehalten und für Klarheit zu sorgen. „Und nach den nun aufgetauchten Berichten über eine vermeintliche Streichung werde ich mich nochmals an die Bundesregierung wenden.“
„Unsichtbarmachung“
Kelly Laubinger, Leiterin der Sinti-Union Schleswig-Holstein, spricht von „Unsichtbarmachung“ und „politischem Skandal“: „Gemeinsam mit der Nicht-Erwähnung der historischen Verantwortung der Sinti und Roma und der Unsichtbarmachung der strukturellen Gewalt an Sinti und Roma im aktuellen Koalitionsvertrag reiht sich dieser politische Skandal in den politischen Offenbarungseid der aktuellen Bundesregierung ein: Sinti und Roma werden bewusst politisch marginalisiert. Read the rest of this entry »