Recht & Gericht

Slowakei: Mandatsverlust nach Hassrede

September 4th, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Der neonazistsiche Politiker Mazurek bei einer moslemfeindlichen Kundgebung 2016 (Foto: tellmamauk.org)Gerichtsurteil: Milan Mazurek von Kot­lebas ĽSNS ver­liert nach Hetze gegen die Min­der­heit der Roma sein Par­la­ments­mandat

In der Slowakei wurde erstmals einem Politiker wegen ras­sis­ti­scher Hetze sein Parlaments­man­dat aberkannt. Am Diens­tag be­stätigte der Obers­te Gerichts­hof in Bratislava die Ver­urtei­lung des rechts­extre­men Ab­geord­ne­ten Milan Mazurek (mehr hier), weil dieser die Roma-Volks­gruppe im Privatradio­ pau­schal herab­gewür­digt hat­te. Darüber hinaus ver­schärfte das Höchst­gericht nun auch das Straf­maß des frühe­ren Urteils, ge­gen das der Politi­ker 2018 Beru­fung ein­gelegt und das er als „Polit­justiz“ titu­liert hatte. Mazurek verliert nicht nur sein Mandat, son­dern muss zu­dem eine Straf­zahlung in der Höhe von 10.000 Euro (statt 5.000 Euro) ent­richten. Mit diesem Urteil en­det jetzt das schon seit 2017 lau­fen­de Gerichts­verfahren in letz­ter Instanz.

Der heute 25-jährige Politiker hatte 2016 in einer Radio­sendung von einem an­geb­li­chen „Zigeu­ner-Terror ge­gen an­stän­dige Leute“ ge­spro­chen und Roma als asozia­le Schmarotzer be­schimpft, die „nichts für unser Volk tun und nichts zu unserem Staats­haushalt oder unserer Kultur bei­tragen, son­dern sich um­gekehrt ent­schie­den haben, ein asoziales Leben zu füh­ren und unser Sozialsystem aus­zu­saugen“.

Der stellvertretende Vorsiztende des National­rats, Andrej Hrnčiar (Most-Híd), begrüßt das das Urteil gegen Mazurek: End­lich hat die Gerech­tig­keit ge­siegt. Denn faschisti­sche und rassistische Äuße­run­gen werden in unse­rer Gesell­schaft bereits seit lan­gem über­mä­ßig toleriert. Nun wurde end­lich ein grund­sätz­li­cher Beschluss ge­fällt und ich bin davon über­zeugt, dass dies ein gu­tes Signal für die Zu­kunft sein kann.“

Mazurek war seit 2016 Abgeordneter der rechtsextremen Partei „Kotleba – Volkspartei Unsere Slowakei“ (Kot­le­ba – Ľudová strana Naše Slovensko – ĽSNS) und war be­reits wieder­holt mit extremis­ti­schen Aus­sagen und Auf­tritten auf­ge­fal­len. So leugne­te er unter ande­rem auf Face­book öf­fent­lich den Holocaust.

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Slowakei: Entschädigung nach 13 Jahren

August 18th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

JustitiaDas slowakische Verfassungsgericht ordnete an, vier Roma zu ent­schädigen, die 13 Jahre lang in einem Hürden­lauf durch die ver­schie­de­nen Instanzen ver­sucht hatten, sich gericht­lich gegen Diskriminierung zu wehren. Das Per­so­nal einer Gaststätte in Čaklov im Osten des Lan­des wollte sie wegen ihrer ethni­schen Her­kunft nicht bedienen.

Nun hat das Verfassungsgericht fest­ge­stellt, dass die Kreis- und Bezirks­gerichte sich falsch ver­halten haben. „Der Be­schluss des Ver­fas­sungs­gerichts zeigt, wie schwie­rig und zeit­auf­wendig es ist, auch 15 Jahre nach Ein­führung des Anti­dis­krimi­nie­rungs­gesetzes ein ge­rech­tes Urteil zu erreichen, insbesondere bei Fällen von Rassismus”, sagt die Rechts­anwältin Vanda Durbáková, die die Roma ver­tritt. Read the rest of this entry »

Erbach: Verhaftungen nach Brandanschlag

Juli 18th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Romafeindlicher Angriff in Erbach-Dellmensingen (Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg)Deutschland: Weil Unbekannte Ende Mai im Erba­cher Orts­teil Dell­men­sin­gen (Ba­­den-Württem­­berg) eine bren­nen­de Fackel ge­wor­fen hat­ten (wir be­rich­te­ten), durch­suchte die Polizei meh­rere Wohnun­gen in Erbach und Blaustein. Die Er­mitt­ler nah­men meh­rere Ver­däch­tige fest.

Wie hier berichtet, hatte sich eine Roma-Familie mit ihren Wohn­wagen auf einer Wiese in Erbacher Orts­teil Dellmensingen nieder­gelas­sen. Am spä­ten Abend des 24. Mai fuhr ein dunkler Klein­wagen an dem Wiesen­gelände vor­bei. Aus dem Fahr­zeug wurde von den In­sassen etwas ge­rufen und an­schlie­ßend eine brennen­de Fackel aus dem Bei­fahrer­fens­ter in Rich­tung der Wohnwagen ge­worfen. Die Fackel lan­dete un­mittel­bar neben einem Wohn­wagen, in dem ein Ehepaar mit ihrem 9 Mo­nate alten Kind schlief. Die Polizei hat sofort die Ermitt­lun­gen auf­ge­nom­men. Kri­minal­tech­ni­ker sicher­ten die Spuren der Tat. Auf­grund des Verdachts, dass es sich um eine politisch mo­ti­vier­te Straftat han­deln könn­te, über­nahm die Schwer­punkt­staats­anwalt­schaft Stuttgart die Er­mitt­lun­gen. Die Kriminalpolizei bil­dete eine Er­mitt­lungs­gruppe.

Die intensiven Ermittlungen der Polizei ergaben jetzt einen Tat­verdacht gegen acht Männer aus Erbach und Blau­stein. Die 16- bis 20-Jäh­rigen sollen an der Tat be­teiligt ge­wesen sein. Am Diens­tag durch­suchten mehre­re Beamte acht Wohnun­gen und ein Garten­grund­stück in Blau­stein und Er­bach. Read the rest of this entry »

Urteile nach Angriffswelle auf Roma bei Paris

Juli 17th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Justitia (Bild: Clipart ETC, FCIT)Urteile gegen sechs Männer wegen Angriffs­plänen ge­gen Roma in Frank­reich

Roma Antidiscrimination Network (RAN): Im Zusam­men­hang mit den An­griffen auf Roma in Pariser Banlieues im März 2019 (wir berichteten) sind nun sechs Männer ver­urteilt wor­den. Sie wurden schuldig ge­spro­chen, einen gewalt­täti­gen Angriff auf Roma ge­plant zu haben. Vier Männer wur­den zu fünf bis sechs Mona­ten Ge­fäng­nis ver­urteilt, die beiden an­deren zu einer fünf­mona­ti­gen Be­wäh­rungs­strafe.

Nachdem online Fake News verbrei­tet wor­den waren, Roma wür­den Kinder ent­führen, kam es im März diesen Jahres zu Hetzjagden ge­gen Roma. Die Polizei hat an­schei­nend erst von der An­gele­gen­heit er­fahren, als sie in der Nacht vom 25. auf den 26. März einen Anruf er­halten hat, dass die Bidonvilles (Ar­men­sied­lun­gen) in Bobigny an­gegrif­fen wür­den. Die Gerüchte et­waiger Kindes­entfüh­run­gen wur­den von der Polizei ent­kräftet.

Frankreich plant der­weil ein Gesetz gegen Hate Speech im Internet, dem­zu­folge Platt­form­betrei­ber inner­halb 24 Stunden ent­spre­chen­den Content löschen müs­sen.

(Text: RAN)

Anm. der dROMa-Red.: Bereits im im April waren drei weitere junge Män­ner im Zusam­men­hang mit den­sel­ben An­grif­fen auf Roma zu mehr­mona­ti­gen Haft­strafen ver­ur­teilt wor­den.

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Aufruf nach Angriff in Berliner U-Bahn

Mai 2nd, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Deutschland: Angriff in U-Bahn in Berlin (Foto: Wikimedia/Jivee Blau)Das Roma Center Berlin hat einen Aufruf zur Unter­stüt­zung einer Romni ver­öffent­licht, die mit ihrem Mann und Schwa­ger vor einem Monat in Berlin von einer Frau in der U-Bahn – laut Ro­ma-Cen­ter aus rassis­ti­schen Motiven – attackiert und ver­letzt wur­den. Der Vor­fall fand in den Medien offen­bar keinen brei­ten Nieder­schlag. Auch in den Presse­aus­sen­dun­gen der Polizei Berlin konn­ten wir keine dies­bezüg­liche Mel­dung fin­den.

Im Fol­gen­den geben wir das Rund­schreiben des Roma Cen­ters Berlin, das uns über das Roma Anti­discri­mi­na­tion Network er­reicht hat, im Wort­laut wieder:

Roma-Frau klagt gegen rassistische Straf­tä­terin

Am 29. März waren M., ihr Mann und ihr Schwager in einer Berli­ner U-Bahn unter­wegs, als sie von einer Frau mit einem Messer at­tackiert wur­den. Die Frau hat dem Schwager in den Bauch ge­stochen und nur um 2cm die Leber ver­fehlt. Als sie M.s Mann an­grei­fen wollte, konnte dieser aus­wei­chen. Darauf­hin hat sie es noch­mal ver­sucht und M. hat sie ge­sto­ßen, damit sie das Gleich­gewicht ver­liert. M. ge­lang es nicht, die An­greife­rin zu Boden zu stoßen, und diese schnitt M. tief in den Nacken. Als M. ver­sucht hat, der Frau das Messer weg­zu­neh­men, hat die Frau sie hart in die Hand ge­bissen. Die gan­ze Zeit hat M. ge­rufen: „Bitte Hilfe!“, aber nie­mand im Wagen hat sich be­wegt. Als der Zug in der nächs­te Station ge­halten hat, haben M., ihr Mann und ihr Schwager – ob­wohl alle Blut über­strömt und tief ver­letzt waren – es end­lich ge­schafft, die Frau am Boden fest­zu­halten. Erst dann hat ein Mann, der die ganze Szene im Zug ge­sehen hat, sich ein­gemischt und die Hand der Frau fest­ge­halten.

Die Polizei verhaftete die Frau. M. und ihre Familie muss­ten im Kranken­haus statio­när be­han­delt wer­den. M.s Mann ist schwer krank und hatte kürz­lich eine Operation. In­zwi­schen ist er wie­der im Kranken­haus.

Die Kriminalpolizei hat M. darüber informiert, dass die An­greife­rin eine deutsche Frau ist und dass es eine rassistisch mo­ti­vier­te Straftat war. Die Frau wird straf­rechtlich ver­folgt. Die Polizei hat M. je­doch auch geraten, die Frau auf Schaden­ersatz zu verklagen. Sie em­pfahl ihr, sich hierfür an­waltlich be­raten und ver­treten zu lassen.

Wir möchten, dass der Fall öffentlich bekannt wird. Selten wird über rassistisch mo­ti­vier­te Straftaten be­rich­tet. Read the rest of this entry »

Ukraine: Gefälschter DNA-Beweis?

April 11th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Ukraine VertreibungMassive Unregelmäßigkeiten im Mordprozess gegen Rom in der Ukraine

In der Oblast Odessa ist vor zwei­ein­halb Jah­ren ein klei­nes Mäd­chen ver­ge­wal­tigt und er­mor­det wor­den. Als mut­maß­li­cher Täter wurde ein junger Rom ver­haf­tet. An­schlie­ßend ver­wüs­tete ein auf­ge­brach­ter Mob die Häuser von Roma, wäh­rend die Polizei ta­ten­los zu­sah, und die ge­sam­te Roma-Com­mu­ni­ty wur­de ge­räumt (wir be­rich­te­ten, mehr le­sen). Nun sind berechtigte Zweifel an der Schuld des Mannes aufgekommen und ein Gericht hat geurteilt, dass die Räumung rechtswidrig war.

Anscheinend waren „Beweismittel“, die einen jungen Rom mit einem er­mor­deten Kind in Ver­bin­dung ge­bracht hat­ten, ge­fälscht. Seine Ver­haf­tung hatte zu gewalt­täti­gen An­grif­fen ge­gen Roma in der Oblast Odessa ge­führt.

Das ist nicht das erste Mal, dass Proble­me im Ver­fahren gegen den jungen Mann auf­treten, der sich seit zwei­ein­halb Jahren in Arrest be­findet und sich dort wohl eine Tuber­ku­lose zu­ge­zogen hat. Nun gibt es je­doch Hin­weise auf eine vor­sätz­liche Fäl­schung von Be­weis­mitteln.

Kurz nachdem die achtjährige Angelina in der Nähe ihres Zu­hau­ses in Loschtschyniwka tot auf­ge­fun­den wor­den war, ist der da­mals 21-jäh­ri­ge Mychajl Ch. ver­haftet wor­den. Der junge Mann hatte sein ganzes Leben in dieser Gegend ver­bracht. Je­doch wurde nun die Tat­sache, dass er Rom ist, von An­woh­nern zum An­lass für Aus­schrei­tun­gen ge­nom­men. Dabei wur­den Häuser von Roma zer­stört und Be­wohner ge­zwun­gen zu fliehen. Die Angriffe gin­gen um die Welt – auch da die Be­hör­den auf Sei­ten der An­greifer stan­den und die Roma-Fami­lien „über­zeug­ten“, die Ge­gend zu ver­las­sen.

Der Prozess gegen Ch. begann im November 2017 in Odessa. Bisher wur­den sechs Zeugin­nen und Zeugen auf­ge­rufen, wäh­rend 44 weitere sowie acht Expertinnen und Experten noch gehört werden müssen. Am 14. Februar hat das Gericht Ch.s Haft weiter ver­län­gert, nach­dem ein Zeuge ihm an­schei­nend ein Alibi ge­geben hatte. Am sel­ben Tag, als der Be­scheid kam, gab es eine Zeugen­aus­sage, die ent­schei­den­de Beweise ge­gen ihn in Frage stellt.

Bei Letzterer handelt es sich um die Befragung Ihor Manzoruks, der in dem Fall DNA-Pro­ben unter­sucht hatte. Hier wur­den im Prozess nun mas­sive Un­regel­mäßig­keiten fest­ge­stellt (detail­liert im unten ver­linkten Artikel nach­zu­lesen). Zudem gibt es weite­re Proble­me mit der Anklage gegen Ch. Read the rest of this entry »

Ermittlungen nach Hetze auf KZ-Gelände

März 9th, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Screenshot der Website, auf der die Täter Fotos hochgeladen hatten, um mit der Schändung der Gedenkstätte zu prahlen (Foto: Romez.cz)Tschechien: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen rassistischer Plakate in Lety

Radio Praha, 8.3.2019: Die tschechischen Behörden er­mit­teln gegen zwei Männer, die nahe dem ehe­ma­li­gen Roma-KZ in Lety Plakate mit ras­sis­ti­schen Texten auf­ge­stellt hatten (wir berichteten). Ihnen droh­ten bis zu drei Jahre Haft, teilte der zu­stän­dige Staats­anwalt mit. Laut dem Nach­rich­ten­server Romea.cz sollen beide Männer einer rechts­nationalen Ver­eini­gung an­ge­hören. (Anm. der dROMa-Red.: Es han­delt sich um die Grup­pierung „My proti všem“, übersetzt: „Wir gegen alle“). Die Plakate wa­ren im Mai und Juni ver­gan­ge­nen Jahres auf dem Ge­lände der Gedenk­stätte für den Roma-Ho­lo­caust auf­ge­taucht (mehr hier).

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Bulgarien: Aufruf gegen Roma-Vertreibung

Februar 4th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Kinderwagen inmitten der Abrisstrümmer (Foto: BHC, 10.1.2019)Bulgarisches Helsinki-Komitee bittet um Unterstützung im Kampf gegen Vertreibung von Roma-Famlien

Das Bulgarische Helsinki-Komitee (BHC) bittet um Unter­stüt­zung für 17 Roma-Fa­mi­lien aus dem Dorf Voy­vo­di­novo (Woj­wodi­nowo), die von Zwangs­ver­treibung be­droht sind und deren Häuser zer­stört werden sollen. Nach einer gewalt­sa­men Ausei­nan­der­setzung am 6. Ja­nuar 2019 zwi­schen zwei Roma und meh­reren ande­ren Bulgaren (…), kam es zu natio­nalis­ti­schen Protes­ten in dem Dorf Voy­vodi­novo, an denen neben den Dorf­bewoh­nern vor allem natio­nalis­tische Gruppen und Sol­daten der bulga­rischen Armee teil­nah­men. In der Nachbar­schaft gab es massive Drohun­gen gegen die Roma.

Aufgrund dieser Proteste zerstörte die Gemeinde Maritza drei der von Roma be­wohn­ten Häuser, und zwar ohne Vor­ankün­di­gung oder Ein­haltung der gesetz­lichen Ver­fahren (wir be­rich­te­ten: Siedlungs­abriss: Pro­test bulga­rischer Roma). Den Be­wohnern wurde nicht einmal die Mög­lich­keit ge­geben, ihre am drin­gends­ten be­nötig­ten Sachen aus den Häusern zu ret­ten. Ver­treter des Bulgari­schen Helsinki-Ko­mi­tees fan­den meh­re­re Kinder­wagen und Haus­halts­gegen­stände, die aus den ab­geris­se­nen Gebäuden zu­sam­men­getra­gen wur­den, wäh­rend die Kameras der bul­gari­schen Medien zeig­ten, wie die Bagger die Häuser der Familien nieder­ris­sen. An den Türen und Fens­tern der ver­bleiben­den Häuser wurden Be­schlüs­se der Ge­meinde an­ge­bracht, die die Zer­stö­rung der weite­ren Gebäude an­kündi­gen. Inner­halb einer Frist von sieben Tagen (..), kann da­gegen Berufung ein­gelegt wer­den. Das BHC unter­stützt die betrof­fenen Familien dabei, Wider­sprüche ein­zu­legen.

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Rassismus: Junge SVP Bern verurteilt

Januar 17th, 2019  |  Published in Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Dieses Bild wurde eingeklagt. (Bild: SVP)Roma-Organisation und GfbV begrüßen Verurteilung der Jungen SVP Bern wegen Rassismus

Am Montag hat das Regionalgericht Bern-Mit­tel­land die bei­den Co-Prä­si­den­ten der Jungen SVP des Kantons Bern, Nils Fiechter und Adrian Spahr, we­gen einem Ver­stoß gegen die Ras­sis­mus-Straf­norm ver­ur­teilt. Das Urteil zeigt, dass solch gra­vie­rende Fäl­le von Rassis­mus gegen Roma im Kanton Bern nicht to­le­riert werden.

„Es ist beruhigend, dass im Kanton Bern eine Partei wie die Junge SVP nicht un­gestraft Wahl­kampf auf Kos­ten von Min­der­heiten wie der Roma be­trei­ben darf“, sagt Stefan Heinichen vom Verband Sinti und Roma Schweiz (VSRS) zum heu­ti­gen Urteil der Gerichts­prä­siden­tin Bettina Bochsler. Der VSRS hatte eine Straf­anzeige wegen Ver­let­zung der Rassis­mus-Straf­norm ge­gen die Junge SVP des Kan­tons Bern ein­ge­reicht (wir berich­te­ten). Grund war ein Face­book-Post im Rah­men der JSVP-Wahl­kampagne, der die Min­der­heiten der Sinti und Roma auf pau­scha­li­sie­ren­de Weise herab­setz­te. Die Gesell­schaft für be­drohte Völker (GfbV) unter­stütz­te die Straf­anzeige. Die Berner Staats­anwalt­schaft teilte die Mei­nung des VSRS und der GfbV und ver­urteilte die beiden Co-Prä­sidenten mit­tels Straf­befehls wegen Rassen­dis­krimi­nie­rung. Weil sie die Strafe nicht ak­zeptier­ten, er­hoben sie Ein­sprache ge­gen den Straf­befehl. Ohne Erfolg: Die Strafe wur­de durch das Regional­gericht Bern-Mit­telland be­stä­tigt. „Wir sind be­frie­digt, dass in diesem Fall die Rassis­mus-Straf­norm an­ge­wen­det wird“, sagt Angela Mattli von der Ge­sell­schaft für bedrohte Völker. „Das Urteil zeigt, dass die Berner Justiz Anti­ziganismus ernst nimmt und ent­spre­chend sank­tio­niert.“

Zur Publikation

Die Junge SVP Kanton Bern veröffentlichte am 21. Februar 2018 auf ih­rer Facebook-Sei­te im Rah­men ihrer Wahl­kampagne für den Groß­rat einen Ein­trag, der als rassis­tisch zu wer­ten ist. Der Aufruf „JSVP-Kan­didaten wäh­len – Transit­platz für Zigeuner ver­hindern!“ mach­te deut­lich, dass ein Transitplatz für fah­rende Sinti und Roma ihrer Mei­nung nach „schäd­lich“ sei. Gleich­zeitig wurde mit ei­ner Illustration sug­ge­riert, dass „Zigeuner“ pau­schal schmutzig sind, zu Krimi­na­lität neigen, ihre Fäkalien über­all hin­ter­lassen und die öf­fent­liche Ord­nung nach­hal­tig stören.

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Urteil: Neonazi muss Aufsatz schreiben

Januar 2nd, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Deutschland: Wieder brannte das Haus der Roma-Familien in Plauen (Foto: Romano Sumnal)Vor einem Jahr brannte ein Roma-Wohn­haus in Plauen (Deutschland). Pas­san­ten be­hin­der­ten die Ret­tungs­maß­nah­men und rie­fen: „Lasst sie bren­nen!“ Nun wurden zwei Neonazis ver­ur­teilt: Ein 20-Jähri­ger muss zur Strafe einen kur­zen Auf­satz schrei­ben, sein Vater kommt mit einer Spende da­von. Dabei be­fan­den sich im bren­nen­den Haus über 40 Per­so­nen, meh­rere wurden teils lebens­ge­fähr­lich ver­letzt, unter ihnen auch Kinder. Bei nicht­deut­schen Tätern zeigt der Straf­rich­ter hin­ge­gen weni­ger Milde. Die „Bild“-Zei­tung fei­ert ihn sogar als „neuen Knall­hart-Rich­ter“.

In der Kleinstadt Plauen in Sachsen brann­ten vor rund einem Jahr hinter­einan­der zwei Häuser des­sel­ben Eigen­tümers, in denen Roma aus Ost­europa woh­nen: Am 29. Dezember 2017 in der Trocken­tal­straße und am 5. Februar 2018 in der Dürer­straße. Beim ersten Brand wurden über 40 Men­schen evakuiert, rund 20 von ihnen wurden – zum Teil lebens­bedroh­lich – verletzt, un­ter ihnen auch acht Kinder. Beim zwei­ten Brand kamen zwei deutsche Nicht­roma ums Leben, vier wei­tere Bewoh­ner, darun­ter Roma, wur­den ver­letzt. In beiden Fällen han­delte es sich um Brand­stiftung. Vom zwei­ten Brand be­trof­fen waren u.a. auch Roma, die nach dem Brand in der Trockental­straße in der Dürer­straße unter­ge­kom­men waren.

„Lasst sie brennen“

Beim großen Brand in der Trockentalstraße riefen Neonazis Hassparolen, be­schimpf­ten die Poli­zis­ten und be­hin­der­ten die Feuerwehr bzw. die Ret­tungs­kräfte. „Lasst sie brennen“, „end­lich bren­nen die Molukken“, „Scheiß­kanaken“ und „anzünden muss man die“ sollen die Männer laut Zeugen­aus­sagen ge­brüllt haben.

Die Situation am Tatort bzw. die Behinderung ihres Einsatzes am 29. Dezem­ber 2017 schil­der­ten die Poli­zis­ten beim Pro­zess wie folgt: »„Das war einer der größ­ten Ein­sätze, die wir hat­ten“, sagt ein Be­amter. Er fuhr mit sei­nem Kol­le­gen Streife, als aus der Haus­tür Rauch quoll. Sie sahen Männer, die Klein­kinder an den Hand­gelen­ken aus dem Fens­ter hiel­ten. Im Trep­pen­haus war es so heiß, dass die Plastik­müll­ton­nen schmol­zen. Der Polizist, 49: „Die bei­den haben uns unglaub­lich be­hin­dert. Wir hatten zu weni­ge Leute vor Ort und alle Hände voll zu tun (…).“ Das per­ma­nen­te Stören habe fast dazu ge­führt, dass der Ein­satz außer Kontrol­le ge­rät.«

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