Recht & Gericht

47 Richter, 80.000 Fälle

April 28th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

ECHR - EGMRInfotext: Europäischer Gerichtshof für Men­schen­rechte

Die Europäische Men­schen­rechts­kon­ven­tion wurde 1950 – auf der Basis der All­ge­mei­nen Er­klä­rung der Men­schen­rechte der Verein­ten Natio­nen – ver­ab­schie­det. Um ihre Ein­hal­tung sicher­zu­stel­len, er­rich­te­ten die Mit­glied­staaten des Europarats 1959 den Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rechte (EGMR) in Straßburg.

Die Konvention garantiert insbeson­dere das Recht auf Leben, auf ein faires Ver­fahren, auf Achtung des Privat- und Fa­mi­lien­lebens, die Frei­heit der Mei­nungs­äußerung, die Ge­danken-, Ge­wis­sens- und Religions­frei­heit und den Schutz des Eigen­tums. Sie ver­bie­tet Folter und un­mensch­li­che oder er­niedri­gende Be­hand­lung, Zwangs­arbeit, will­kür­liche Frei­heits­ent­ziehung sowie Un­gleich­be­hand­lun­gen bei der Aus­übung der Rechte und Frei­hei­ten. Die nationalen Gerichte sind ver­pflich­tet, die Kon­vention an­zu­wen­den, andern­falls kann der EGMR den be­trof­fenen Mitglied­sstaat ver­urtei­len. Die Urteile sind für die Mit­glieds­staaten bin­dend, die Um­setzung wird vom Europarat über­prüft.

Infolge der Aufnahme neuer Mitgliedstaaten in den 1990er Jah­ren stieg die Zahl der Be­schwer­den stark an. Seit 1998 be­steht ein ständig tagen­der Gerichtshof, der es jeder Person er­mög­licht, sich direkt an den EGMR zu wen­den, sofern alle inner­staat­li­chen Rechtsmittel zuvor aus­ge­schöpft wur­den und die end­gült­ige innerstaatliche Entscheidung nicht länger als sechs Monate zurück­liegt. Die Beschwerden kön­nen sich aller­dings nur gegen Staaten rich­ten, die die Konvention ra­ti­fi­ziert haben. Die Zahl der Richter ent­spricht der Anzahl der Mitglied­staaten (der­zeit 47). Read the rest of this entry »

47 fischgaroschtscha, 80.000 periptscha

April 26th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Recht & Gericht

ECHR - EGMRO Europitiko Kris le Manuschengere Tschatschipenge

I Europitiki Manuschengeri Kon­ven­ci­jo­na 1950 – up­­ri basis le ar­phen­dostar le ma­nu­schen­gere tscha­tschi­pen­dar le Khe­tane Nacijo­nen­dar – kerdi uli. Kaj odo­la ande liker­de te on, o schtotscha le Euro­pi­tike Rotistar 1959 o Euro­pi­tiko Kris le Ma­nuschen­gere Tscha­tschi­penge (EGMR/ECHR) an­de Straßburg, kerde.

I konvencijona o tschatschipe upro dschivipe, upre jek ma­nu­schalo pana­si tschi­jipe, o dikipe upro pri­vati- taj fami­li­ja­kero dschi­vipe, o naphand­lipe le muani­ni­pes­tar, o gondi-, patscha­ji­pes­kero- taj religi­jo­na­kero naphand­lipe taj o arakipe tre ko­jendar, garan­ti­rinel. Oj fol­te­ri­nipe taj na manu­schalo taj tel dschu­mimo be­hand­lini­pe, mujsi­ni­pes­keri buti, and tscha­pi­nipe taj na glajchi be­hand­linipe uso and be­scha­ripe le tscha­tschi­pendar taj na­phand­li­pendar, fa­bija­tinel. O nacijo­nali kristscha i kon­ven­ci­jona iste nu­cinen, mint te na, akor dscha­nel o EGMR le schto­tiske, panasi te tschil. O panasi tschi­jiptscha le schto­tenge obli­gato­rischi hi, o prik bescha­ripe le Euro­pitike Rotistar aun diklo ol.

Kada ando 1990te berscha neve schtotscha upre lim ule, o gen­do le panasi tschi­ji­pestar utsche­der ulo. Sajt 1998 jek kris del, savo pe min­dig khetan be­scharel, taj savo sa­kone dsche­neske o schajipe del, pe direk­ti uso EGMR te mejdi­nel, te o cile andrut­ne schtot­lichi tscha­tschi­pes­kere koji imar putrim ule taj o kise­timo andrut­no schtot­lichi ent­schaj­di­nipe na dureder sar schov masek­tscha pal pa­schlol. O panasi tschi­jiptscha ham tschak gejng schtotscha schaj on, save i kon­ven­ci­jona rati­ficirinde. O gendo le fisch­garo­schen­dar, o gendo le schto­tendar, save use hi, sikal (akan 47). Read the rest of this entry »

„Österreich“ konstruiert „Bettelbande“

April 18th, 2017  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Als Herr Georgiev am 3. April die Zeitung „Österreich“ öffnete, traute er seinen Augen nicht: Der Bulgare wird als Mit­glied einer „rumä­ni­schen Bettlerbande“ dar­ge­stellt. „Nie­mand hat mit mir gespro­chen. Man hat mich heimlich von hin­ten fotogra­fiert.“ Herr Georgiev bat Straßen­sozial­arbeiter von „Wieder wohnen“ um Hilfe, die ihn an die Rechts­beratung der BettelLobbyWien ver­wiesen: „Ich kann es nicht zu­lassen, dass man mich hier dar­stellt, als würde ich für einen Boss ar­bei­ten. Ich bin alleine hier und habe immer nur für mich selbst ge­bettelt.“ Viele Men­schen in Florids­dorf wer­den ihn auf dem Foto erkennen, so seine Be­fürch­tung, denn er ist der ein­zige Bettler im Rollstuhl mit einer blauen Jacke. Herr Gevor­giev möch­te prüfen, ob er recht­lich gegen die Zeitung vor­gehen kann.

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Facts & Figures (161)

April 13th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Die Zahl der beim Eu­ro­pä­i­schen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te an­hän­gi­gen Be­schwer­den lag Ende 2016 bei 80.000.

(Quelle)

„Doppeltes Unrecht“

März 26th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Der BGH stellt sich seiner Geschichte: Broschüre "Doppeltes Unrecht" „Doppeltes Unrecht – ein späte Entschuldigung“

Gemeinsame Publikation des deutschen Bundes­ge­richts­hofs und des Zentral­rats Deut­­scher Sin­ti und Roma

Am 17. Februar 2016 fand das gemeinsame Symposium des Bun­des­gerichts­hofs und des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma zur Auf­arbei­tung der Ent­schä­di­gungs­recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aus den 1950er Jah­ren be­tref­fend die na­tionalsozialistische Ver­fol­gung von Sinti und Roma statt. Die Er­geb­nis­se des Sym­po­si­ums wur­den nun in einer ge­mein­sa­men Publi­ka­tion des Bundesgerichtshof und des Zentral­rats ver­öf­fent­licht. Die Broschüre ent­hält al­le Beiträge der Ver­anstal­tung – ein­schließ­lich der bei­den Vor­träge von Herrn Prof. Dr. Dr. Ingo Müller und Herrn Richter am Bun­des­ge­richts­hof a. D. Dr. Detlev Fischer – so­wie die Urteile des Bundesgerichtshofs vom 7. Ja­nuar 1956, die den Ge­gen­stand des Sym­po­si­ums bil­de­ten.

Aus dem Vorwort:

„Eine späte Entschuldigung in symbo­li­scher Weise wie auch ganz expli­zit zum Aus­druck zu brin­gen, war der tra­gen­de Ge­dan­ke des Symposiums, das am 17. Februar 2016 in den Räu­men des Bundesgerichtshofs statt­ge­fun­den hat. Die Ent­schul­di­gung gilt den Sinti und Roma, de­nen durch die Ent­schä­di­gungs­recht­sprechung des Bun­des­ge­richts­hofs in den 50er Jahren wei­teres Unrecht wider­fah­ren war. Durch eine Rechtsprechung, die die ras­sis­ti­sche Moti­va­tion der Verfolgung der Sin­ti und Ro­ma durch die National­sozia­lis­ten ne­gier­te, die be­trof­fe­ne Be­völ­ke­rungs­gruppe er­neut pau­schal dis­kri­mi­nier­te und den recht­su­chen­den Opfern Entschädigung ver­sagte. Read the rest of this entry »

„… und gehört zur Volksgruppe der Roma“

Februar 12th, 2017  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

Cover der Deutschen Richterzeitung (Foto: via Zentralrat)Prof. Dr. Andreas Mosbacher/Romani Rose:
„…und gehört zur Volksgruppe der Roma…“

Artikel in der Deutschen Richterzeitung
DRiZ, Heft 2/2017 (Inhaltsverzeichnis)

In der neuesten Auflage der Deutschen Richterzeitung (DRIZ 2/2017) wurde ein ge­mein­schaft­li­cher Ar­ti­kel von Richter am Bun­des­gerichts­hof Prof. Dr. Andre­as Mos­bacher und dem Vor­sitzen­den des Zentral­rats Ro­mani Rose ver­öf­fent­licht. Ob­wohl in den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen im Ur­teil le­dig­lich Kri­te­rien wie, wann und wo der An­geklag­te ge­bo­ren, in wel­chen Ver­hält­nis­sen er auf­ge­wach­sen ist, seine schu­li­sche und beruf­li­che Bil­dung, sein Beruf und die fa­miliä­ren und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nisse zu nen­nen sind, ver­weisen eini­ge Ur­teile auf die Zu­ge­hö­rig­keit zu einer Volks­gruppe. Die Nen­nung der eth­ni­schen Zu­ge­hörig­keit ist, wie bes­timm­te an­dere In­for­ma­tio­nen über den An­geklag­ten, ein typi­sches Einfalls­tor für die Dis­kri­mi­nie­rung von Min­der­heiten und die Be­stäti­gung la­ten­ter Vor­urteile. Un­ter dem Titel „…und ge­hört zur Volks­gruppe der Roma“ wer­ben die Auto­ren für mehr Sen­si­bi­li­tät der Straf­justiz beim Um­gang mit Minder­heiten.

(Text: Zentralrat)

Deutschland: Abschiebung „unmenschlich“

Februar 4th, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Deutschland: Bescheid des Bundesamts widerspricht der Regierungsdoktrin der "sicheren Herkunftsstaaten". (Foto: MiG)Keine Abschiebung in vermeintlich „sicheren Herkunftsstaat“ Mazedonien. Bescheid des deut­schen Bun­des­amts für Migra­tion und Flücht­lin­ge: Ro­ma wer­den in den Bal­kan­staa­ten dis­kri­mi­niert und un­mensch­lich be­han­delt.

Flüchtlingsrat Niedersachsen, 3.2.2017: Das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat mit Bescheid vom 20.12.2016 – Az 6943812 – 144 einem im Jahr 2016 ge­bore­nen Roma-Mädchen Ab­schie­bungs­schutz nach §60 Abs. 5 AufenthG zu­ge­bil­ligt. Be­mer­kens­wert ist an die­sem Bescheid vor allem die ver­all­ge­mei­nernde Be­schrei­bung der Dis­kri­mi­nie­rung und Aus­gren­zung, der Roma nach Auf­fas­sung des BAMF in Mazedonien wie in den Balkan­staaten ins­ge­samt un­ter­liegen. Wört­lich heißt es in dem Be­scheid:

Nach Informationen des Bundesamts ist die Volks­gruppe der Roma, als ärmste ethni­sche Gruppe in der ohne­hin ärm­li­chen Gesamt­bevöl­ke­rung Ma­ze­do­niens in ihrem All­tag Vor­ur­tei­len bzw. Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­ge­setzt. Sie er­fah­ren häu­fig Be­nach­tei­li­gun­gen im Bil­dungs­wesen, beim Zu­gang zu Sozial­leis­tun­gen und bei Ein­stel­lun­gen öf­fent­li­cher und pri­va­ter Arbeit­geber. Zu­dem kommt es vor, dass An­ge­hö­ri­ge von Min­der­hei­ten öfter als andere von schi­ka­nö­sem Ver­hal­ten von Poli­zis­ten und ande­ren Ver­tre­tern der Ver­wal­tung be­trof­fen sind.

Somit besteht eine beachtliche Gefahr für die Antrag­stel­le­rin, dass sie auf­grund ihrer Volks­zu­ge­hö­rig­keit zu den Roma erheb­li­chen Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­gesetzt sein könn­te, wenn sie in ihr Heimat­land zurück­kehren würde, was wie­derum einer un­mensch­li­chen Behand­lung gleich käme.

Durch die noch immer vorherrschende Diskrimi­nie­rung von Roma in den Balkan­staaten und die damit einher­ge­hende Aus­gren­zung an den sozia­len Errun­gen­schaf­ten des Landes wie Kinder­garten, Schule, Beruf oder Studium ist bei einer Ab­schie­bung der Antrag­stellerin mit hoher Wahr­schein­lich­keit davon aus­zu­gehen, dass ihre Frei­heit, mit­hin auch die Freiheit der Würde oder der freien Ent­faltung der Per­sön­lich­keit nicht gewähr­leistet wer­den kann.

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Zentralrat: NPD-Urteil eine „vertane Chance“

Januar 19th, 2017  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

NPD-Plakat 2013Deutsches Bundesverfassungsgericht ar­gu­men­tiert in­kon­se­quent. Ab­leh­nung des NPD-Verbots ist Heraus­for­de­rung für streit­bare De­mo­kratie.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ist über die Ab­leh­nung des NPD-Ver­bots durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­täuscht. Diese Ent­schei­dung stellt eine ver­tane Chance zur Un­ter­bin­dung rechts­extre­men Pro­pa­gan­da und Hetze, zu­gleich aber eine Heraus­for­de­rung der streit­ba­ren Demo­kra­tie dar. Be­grü­ßens­wert ist jedoch die Be­stä­ti­gung der Wesens­ver­wandt­schaft der NPD mit dem Natio­nal­sozia­lis­mus sowie deren anti­semi­ti­schen Grund­hal­tung durch das Gericht.

Zu der Entscheidung erklärte der Zentralratsvor­sitzen­de Romani Rose:

„Die NPD hat bei Landtagswahlen und bei der letzten Bundes­tags­wahl massiv gegen Sinti und Roma gehetzt. Das Bun­des­ver­fas­sungs­gericht ar­gu­men­tiert in­kon­se­quent, wenn einer­seits die NPD als ver­fas­sungs­feind­liche und rassis­ti­sche Partei be­nannt wird, dann aber wegen zu gerin­ger Wirk­sam­keit nicht ver­boten wer­den müsse. Sinti und Roma ge­hö­ren zum Feind­bild der NPD. Zur Stär­kung unseres demo­krati­schen Rechts­staates wäre eine Absage an die rechts­extreme Blut- und Boden­ideo­logie durch ein Ver­bot sehr wich­tig ge­wesen.“

Auch wenn das Gericht bei der NPD keine Aussicht sehe, künf­tig wieder poli­tisch erfolg­reicher und schlag­kräf­tiger zu wer­den, stelle sich an­ge­sichts der bevor­ste­hen­den Bundes­tags­wahlen die Frage, in­wie­weit die men­schen­ver­achtende Pro­pa­gan­da der NPD weiter aus Steuer­mit­teln fi­nan­ziert werde.

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Der Dieb und der „Abschaum“

Dezember 6th, 2016  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

JustitiaVerhetzungsprozess: Ein 73-jähriger mehr­fach Vor­be­straf­ter hat per Mail ge­gen Roma ge­hetzt. Der Mann be­reut das nur aus Angst vor einer neu­er­li­chen Haft

Michael Möseneder/Der Standard: Wien – Ferdinand P. hat eine ziem­lich klare Mei­nung zur eth­ni­schen Min­der­heit der Roma. Die seien „der Ab­schaum der Mensch­heit“, „asia­ti­sche Parasiten“ und über­haupt alles Diebe. Blöd nur, dass der 73-Jäh­rige selbst elf Vor­strafen hat – wegen Eigen­tums­delik­ten. Vor Richter Gerald Wagner sitzt er aller­dings wegen Verhetzung, hat der Min­dest­pen­sio­nist doch seine Mei­nung per Mail an diver­se Empfän­ger ver­schickt. Es zeigt sich, dass bei der ers­ten Ver­hand­lung so­wohl Polizei als auch Staats­anwalt­schaft und Richter ziem­lich schleißig agiert ha­ben. Da­mals fragte nie­mand nach, an wie viele Per­so­nen die Nach­richt über­haupt ver­schickt wurde. Da im Akt nur von einer Adres­se die Rede ge­we­sen ist, wurde P. frei­gespro­chen, das Ober­landes­gericht hob das Urteil auf.

Emotionen nach abgebrannten Zelten

Wagner geht nun also gründlicher vor. „Warum haben Sie das ge­macht?“, will er wis­sen. Der An­ge­klag­te er­zählt, er habe in einem Artikel ge­lesen, dass Zelte von Roma bei Linz ab­ge­brannt sind. „Das hat Emo­tio­nen hervor­ge­bracht!“, sagt er. „Ich bin bei einem rumä­ni­schen Eisen­bahn­klub. Und dieses Volk hat ein­mal 700 Meter Schienen ge­stoh­len“, em­pört P. sich. „Jetzt sind Sie selbst mehrfach vorbestraft. Sind Sie Wiener?“, fragt der Rich­ter. „Ja“, hört er. „Wenn ich jetzt sage, alle Wiener sind Diebe – stim­men Sie mir dann zu?“ – „Nein.“ – „Aber die Roma schon?“ – „Nicht alle.“

Wie Wagner herausarbeitet, hat der Angeklagte seine kruden An­sich­ten an das Land Ober­öster­reich, den Bürger­meis­ter von Linz und zwei weite­re Stellen der Landes­haupt­stadt ver­schickt. Zusätz­lich be­ka­men 13 Tages­zeitungen den Erguss. Read the rest of this entry »

20 Jahre Roma Rights Journal

Oktober 13th, 2016  |  Published in Einrichtungen, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

ERRC (Foto errc.org)Genau vor zwanzig Jahren veröffentlichte das European Roma Rights Centre (ERRC) die allererste Ausgabe seines „Roma Rights Journal“, eines Magazins, das sich – über lan­ge Zeit als eines von nur sehr we­ni­gen aka­demi­schen Pub­li­ka­tions­medien – mit der Min­der­heit der Roma be­fass­te. Im Rückblick auf die Anfän­ge ihres Mediums lässt die in Budapest an­säs­sige inter­natio­na­le Men­schen­rechts-NGO heute durchaus Opti­mis­mus er­ken­nen: „Es ist er­mu­ti­gend zu sehen, wie weit wir in den letz­ten zwan­zig Jahren ge­kom­men sind.“ So man­cher Miss­stand, der das Leben der Roma-Gemein­schaft vor zwanzig Jahren ge­prägt hat­te, hät­te heute, 54 Aus­ga­ben spä­ter (sie­ben davon waren Dop­pel­nummern), einiges an Bri­sanz ver­loren:

In 1996, the state of Roma rights in Europe was very dif­fe­rent to the situa­tion we see today. Looking back at the issues that are men­tioned in this first edition, it is encouraging to note that many of these atro­ci­ties are no lon­ger a constant pre­sence in the lives of Roma in Europe. No matter how dis­heartening the fight for Roma Rights can be, it is em­bol­dening to see how far we have come in the last twen­ty years. Read the rest of this entry »