Recht & Gericht

Hassvideo: Staatsanwaltschaft will Auslieferung

September 9th, 2020  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Ausschnitt aus dem Facebook-Video aus Tulln (Filmstill via SOS Mitmensch)SOS Mitmensch: Auslieferung von Hermann für effek­ti­ven Kampf ge­gen Hass not­wen­dig. Poli­tik darf Ver­het­zungs-Tat­ver­däch­ti­gen nicht die Mau­er ma­chen

SOS Mitmensch begrüßt das Auslieferungsbegehren der Staats­anwalt­schaft Graz für den FPÖ-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Stefan Hermann auf­grund des Ver­dachts der Ver­hetzung. An den stei­ri­schen Landtag rich­tet die Men­schen­rechts­or­gani­sa­tion den ein­dring­li­chen Appell, der Aus­liefe­rung zu­zu­stimmen. Der Justiz müsse die Mög­lich­keit ge­geben werden, Er­mitt­lun­gen gegen Hermann auf­grund des von ihm in Umlauf ge­brach­ten Anti-Ro­ma-Hass­videos ein­zu­leiten. „Der Fall Hermann ist ein Lackmustest für die Politik, wie ernst sie den Kampf gegen Hass wirk­lich nimmt. Read the rest of this entry »

Polizeigewalt gegen Roma: Slowakei verurteilt

September 2nd, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (Foto: ECHR)Urteil des Menschenrechtsgerichtshofs in Straßburg: Slo­wa­kei ver­letzte Men­schen­rechte von Roma

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat am Diens­tag zu­gunsten der Opfer einer Polizei­razzia in der Slowakei ent­schie­den. Im Juni 2013 waren 63 Polizis­ten in einer Roma-Sied­lung in der ost­slowa­ki­schen Stadt Moldava nad Bodvou (Region Košice) im Ein­satz. Dabei wur­den unter dem Vor­wand einer Fahndungs­aktion rund 30 Be­wohner, ein­schließ­lich Frauen und Kinder, körper­lich an­gegrif­fen. Eines der Opfer reichte an­schlie­ßend eine Klage beim EGMR in Straßburg ein. Der Mann sei von den Polizis­ten ge­fesselt, aus seinem Haus ge­schleppt, getreten und mit Schlag­stöcken und Elektro­schocks an­gegrif­fen wor­den. Laut der Inspek­tion des Innen­minis­te­riums, die den Einsatz über­prüfte, seien die Beamten aller­dings im Ein­klang mit dem Gesetz vor­ge­gangen. Darüber hinaus klagte die Staatsanwaltschaft an­schlie­ßend sechs Roma an.

Nun beschloss der EGMR, dass bei dem Polizeieinsatz so­wie bei dessen Über­prüfung Men­schen­rechte verletzt wurden und sprach den Be­schwer­de­füh­renden einen Ersatz für im­materielle Schäden zu. Read the rest of this entry »

Roma: Aunsesinipe gejng i FPÖ schtacko

August 29th, 2020  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

"Unfassbar": Stefan Hermann, stv. Klubobmann der FPÖ im steiermärkischen Landtag, verbreitet das rassistische Video in den sozialen Medien (Screenshot: SOS Mitmensch)Fatretertscha le organi­sa­ci­jen­dar Lebens­zei­chen, Hango Roma, Newo Ziro taj Roma-Service le aun­sesini­pes­ke le SOS Mitmensch gejng o dujto sche­ros­kero „Klub­obmann“ la FPÖ-atar schtac­ko vasch fahet­ci­nipe aun pu­men phandle.

Ando ar le julistar o Stefan Hermann taj i FPÖ schtacko upro Facebook jek pra­sajipes­kero videjo gejng o Roma taj Sinti arbul­harde. „Amen igen holi hi, kaj austri­tike poli­ti­kertscha pra­sajipes­kere videjos gejng Roma taj Sinti arbul­haren. Ada keripe pra­saji­pestar bare hangi dscha­lan taj but Romenge taj Sinti­jenge andi Austrija phare gondi keren“, phenen o fatre­tertscha le Roma-or­ga­ni­saci­jendar andi Austrija. Amen ka­maha, kaj i „Staats­anwalt­schaft“ Gereci o aun­se­sinipe vascho fahe­cinipe godschi­kan peske aun te dikel taj hofinas, hot o aun­tradipe pra­saji­pestar afka ar kerdo te ol. Read the rest of this entry »

Hassvideo: Roma schließen sich Anzeige an

August 14th, 2020  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

"Unfassbar": Stefan Hermann, stv. Klubobmann der FPÖ im steiermärkischen Landtag, verbreitet das rassistische Video in den sozialen Medien (Screenshot: SOS Mitmensch)Roma-Vertreter/innen schlie­ßen sich Ver­het­zungs­anzeige ge­gen FPÖ Steier­mark an. An­ti-Ro­ma-Hass­video sorgt bei Roma-Or­ga­ni­sa­tio­nen für Ent­setzen

Vertreterinnen und Vertreter der Organisationen Lebenszeichen, Hango Roma, Newo Ziro und Roma-Service schließen sich der Anzeige von SOS Mitmensch gegen den stell­ver­tre­ten­den Klub­obmann der FPÖ Steiermark auf­grund des Verdachts der Verhetzung an. An­lass ist ein Ende Juli von Stefan Hermann und der FPÖ Steiermark auf Facebook ver­brei­te­tes Hass­video mit wüsten Be­schimp­fun­gen ge­gen Roma und Sinti (wir be­rich­te­ten).

„Wir sind zutiefst entsetzt darüber, dass österreichische Po­liti­ker Hassvideos gegen Roma und Sinti ver­brei­ten. Dieses Schüren von Hass hat große Wellen ge­schlagen und bei vielen Roma und Sinti in Öster­reich gro­ße Sorgen hervor­ge­ru­fen“, so die Ver­treter/in­nen nam­hafter Roma-Or­gani­sa­tio­nen in Österreich.

Wir wollen, dass die Staatsanwaltschaft Graz die Verhetzungsanzeige sorg­fäl­tig prüft und wir hoffen, dass dem An­sta­cheln von Hass Einhalt ge­bo­ten wird. Read the rest of this entry »

Segregation: Zentralrat zu Urteil in Ungarn

Mai 27th, 2020  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Romaschüler (Foto: Pester Lloyd)Zentralrat begrüßt Urteil von Un­garns Obers­tem Ge­richt zur schu­li­schen Segre­ga­tion von Ro­ma-Kin­dern

Ungarns Oberstes Gericht hat nun (Anm.: am 12. Mai 2020, wir berichte­ten) ein Urteil des Deb­recener Be­ru­fungs­gerichts be­stätigt, wel­ches den ungari­schen Staat bereits im Septem­ber 2019 zu Schaden­ersatz­zahlungen für die rechts­widrige segre­gier­te Beschulung von ca. 60 Roma-Kin­dern im ost­ungari­schen Ort Gyöngyöspata ver­urteilt hatte. Die staat­lichen Stellen hatten die Aus­zahlung des Geldes ver­weigert und Berufung ein­gelegt. Ungarns Oberstes Gericht hat nun die finan­ziel­le Entschädigungen der be­trof­fe­nen Familien in Höhe von 99 Mil­lio­nen Forint (280.000 Euro) an­geordnet.

„Das Urteil des Obersten Gerichtshofs ist ein wichti­ges Signal zur Durch­setzung einer gleich­berechtig­ten Bildungs­teil­habe für Roma in Ungarn“, so der Zentral­rats­vor­sit­zen­de Romani Rose. „Das Urteil zeigt un­miss­ver­ständ­lich, dass die geson­derte Beschulung von Kindern auf ethnischer Grund­lage nicht nur falsch ist, son­dern den Staat auch teuer zu ste­hen kommt. Das Urteil zeigt auch, dass es in Ungarn noch im­mer Gerichte gibt, die den rechts­staatli­chen Prinzipien ver­pflichtet sind. Dieser Ent­scheid ist auch ein Signal an die ungari­sche Gesell­schaft und die ungari­sche Regierung, dem zu­neh­menden Antiziganismus in Staat und Gesell­schaft deut­lich entgegenzutreten“, so Rose weiter. „Den betrof­fe­nen Kindern kön­nen die verlorenen Jahre nicht mehr zurück­gege­ben werden. Für sie ist ein bleiben­der Schaden im Hin­blick auf ihre Zukunfts­chancen entstanden. Es muss jetzt von den verantwortlichen Behörden erwartet werden, dass sie ihrer gesetz­lichen Ver­pflichtung, den gleichberechtigten Zugang zu Bildung für alle Kinder zu gewähr­leisten, auch tat­säch­lich nach­kommen“, so der Zentralrats­vor­sitzende.

Trotz ihres gesetzlichen Verbots im Jahre 2003 ist die schulische Segregation von Roma-Kindern, die diese sys­tematisch vom Zugang zu quali­fi­zierter Bildung aus­schließt, nach wie vor weit ver­breitet. Read the rest of this entry »

„Unser ganzes Dorf ist ziemlich rechts“

Mai 20th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

JustitiaOffener Brief zu Prozess über Brand­an­schlag auf Roma in Deutschland

Am 11. Mai 2020 startete in Deutschland der Prozess gegen fünf Angeklagte wegen versuchten Mordes. Am späten Abend 24. Mai des Vor­jahres war in Erbach-Dell­men­sin­gen in Ba­den-Württem­berg ein Brand­anschlag auf eine französi­sche Roma-Familie ver­übt worden. Die Täter hatten aus einem Wagen eine bren­nen­de Fackel auf die Roma ge­schleu­dert, diese landete jedoch knapp vor dem Wohnwagen auf der Wiese (wir berichteten hier und hier). Der Verband Deut­scher Sinti und Roma, Lan­des­ver­band Baden-Württemberg, der den Prozess be­ob­ach­tet, richtet nun einen Offe­nen Brief an den Bürger­meister der Stadt Erbach. Der Lan­des­verband fragt sich, „ob der gesell­schaft­liche Druck und die anti­ziganisti­schen Ressen­timents der Dorf­gemein­schaft die An­geklagten zur Tat moti­viert haben“. Wir ge­ben das Schreiben im Fol­genden wieder:

Offener Brief an den Bürgermeister der Stadt Erbach be­züg­lich des anti­ziganisti­schen Brand­anschlags, der seit 11.5.2020 am Land­gericht Ulm ver­han­delt wird:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Gaus,

ich habe Ihre Pressekonferenz und den Artikel der SWP vom 19.5.20 zur Kennt­nis ge­nommen. Gerne würde ich das toleran­te und welt­offene Erbach-Dellmensingen, in dem rechtes Ge­danken­gut (k)einen Platz hat, be­suchen und das Ge­spräch mit Ihnen suchen.

Die Angeklagten sagten am 19.5.2020 aus, dass sie zum Tat­zeitpunkt ge­schätzt hätten, dass sich auf der Wiese 30 bis 40 Per­sonen auf­hielten. Zu­nächst mit Böllern, Schildern mit der Auf­schrift „55 [8155 Erbach] bleibt deutsch“ und einem toten Schwan wollten sie die Familien ver­treiben. Als ihnen das nicht gelang, warfen sie eine bren­nende Fackel auf einen Wohn­wagen, in dem eine Mutter mit ihrem neun Monate alten Baby schlief. Die An­geklag­ten gaben beim Prozess­auftakt an, dass sie „offen rechts“ seien, was in ihrem Dorf „normal“ sei. Am 19.5.2020 wurde im Prozess die Aus­wertung der Handys der Angeklag­ten the­matisiert. In einem Chat be­zichtigten mehrere Per­sonen die Roma-Fa­milien, die nach dem Anschlag bereits ver­trieben waren, in ein Sport­heim ein­gebrochen zu sein. Daraufhin schrieb der An­geklagte Robin D., man sollte ihnen „am bes­ten hinter­her­fahren und sie ausrotten, die Pest“.

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Urteil in Ungarn: Entschädigung für Romakinder

Mai 13th, 2020  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Romaschüler (Foto: Pester Lloyd)Schuliche Segregtion: Ungarisches Höchst­gericht spricht dis­kri­mi­nier­ten Roma-Kin­dern Ent­schä­di­gung zu

Das ungarische Oberste Gericht hat den Familien von 60 Roma-Kindern eine finan­zielle Entschädigung zu­ge­spro­chen. Die Kinder waren in der Schule (Anm.: in der Ge­meinde Gyöngyöspata) jah­re­lang getrennt von den anderen unter­richtet worden und durften nicht am Schwimm­unterricht und an Aus­flügen teil­nehmen. Getrenn­ter Unterricht auf­grund von Herkunft ist in Ungarn illegal. Das Ge­richt bestätigte damit das Urteil der Vor­instanz, das Minister­prä­si­dent Orbán als „un­gerecht“ be­zeich­net hatte. Die Klage gegen die Grund­schule und die kom­munalen Behörden hatte eine Kinder­rechts­organisa­tion (Anm.: Chance for Children Foundation) im Namen der betrof­fenen Familien ge­führt. Ihnen steht nun eine Entschädigung von um­ge­rech­net knapp 300.000 Euro zu.

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Roma-Urteil: Orbán ignoriert Rechtsstaat

Februar 19th, 2020  |  Published in Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Viktor Orbán 2018 beim Treffen der Europäischen Volkspartei (EPP) in Brüssel (Foto: EPP/CC BY 2.0)Zentralrat: Aussagen Orbáns zum Debre­ce­ner Segre­ga­tions­ur­teil ne­gie­ren den Rechts­staat und sind eine Be­dro­hung für die Demo­kra­tie in Ungarn

Anlässlich der alljährlichen Pressekonferenz von Minister­prä­si­dent Viktor Orbán am 9. Ja­nuar 2020 stellte Orbán offen ein Urteil des Debre­cener Beru­fungs­gerichts in Frage, welches den ungari­schen Staat bereits im Sep­tember 2019 zu Schaden­ersatz­zahlun­gen für die rechts­widrige segre­gierte Beschulung von Roma-Kin­dern im ost­ungari­schen Ort Gyöngyöspata ver­urteilt hatte. Gegen diese Ent­scheidung des Gerichts ist die Stadt Gyöngyös­pata vor das Oberste Bundes­gericht in Ungarn ge­zogen. Orbán will als Minis­ter­präsident jetzt direkt Einfluss auf die Ent­scheidung des Obersten Gerichts­hofes nehmen, indem er in der Frage eine „Natio­na­le Konsultation“ an­kündigte, da das Urteil „das Rechts­empfinden der Bürger“ ver­letzen würde. Dabei sug­ge­rierte er in zynischer Ver­kehrung der Tat­sachen, dass nicht die Roma-Kinder die Ge­schädigten seien, son­dern viel­mehr die Bürger von Gyönygös­pata, die nicht ver­stehen würden, „dass eine ethnische Minder­heit (…) eine statt­liche Summe be­kommt, ohne irgend­wie dafür ge­arbeitet zu haben“. Die „Nationa­len Konsultationen“ der Regierung be­stehen aus Frage­bögen, die an alle Haushalte in Ungarn ver­schickt werden und suggestiv for­mu­lierte Fragen ent­halten, die auf die Bestä­tigung der Regierungs­politik ab­zielen.

„Mit diesen Aussagen schürt Viktor Orbán nicht nur in un­verant­wort­li­cher Weise Ressen­timents gegen die Minder­heit. Der Regie­rungs­chef recht­fertigt gleich­zeitig das staatliche Ver­sagen bei der Durch­setzung einer gleich­berech­tigten Bildungs­teilhabe für Roma in Ungarn“, so der Zentral­rats­vor­sit­zen­de Romani Rose heu­te. Trotz ihres gesetz­lichen Verbots im Jahre 2003 ist die schulische Segre­gation von Roma-Kindern in Ungarn nach wie vor weit ver­breitet. Wenn­gleich diese Praxis von ungari­schen Gerichten mehr­fach als ver­fassungs­widrig verurteilt und auch von der Europäi­schen Kom­mis­sion gerügt wurde, scheitert die gemein­same Beschulung häufig am Wider­stand der lokalen und nationalen staat­lichen Behörden sowie der Lehrer und Eltern aus der Mehr­heits­gesell­schaft. „Indem Orbán sich jetzt offen gegen das Urteil des Debrece­ner Berufungs­gerichts stellt, legiti­miert er diese rechts­widrige Praxis“, so Rose weiter. „Wenn ein Regie­rungs­ober­haupt Anwei­sung gibt, rechts­kräftige Gerichts­entschei­dungen nicht zu voll­strecken und gleich­zeitig an­kündigt, das Urteil der Obersten Gerichts­hofes durch eine Volks­befra­gung er­setzen zu wollen, dann setzt er damit den Rechts­staat außer Kraft. In einem Rechts­staat fällen Gerichte ihre Urteile auf der Basis von Gesetzen und nicht auf der Grund­lage eines von Rassisten auf­ge­putsch­ten Volks­empfindens“, so der Zentral­rats­vor­sitzende. Read the rest of this entry »

Deutschland: Rassismus in Strafverfahren

Januar 15th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

JustitiaZentralrat Deutscher Sinti und Roma kritisiert Dis­kri­mi­nie­rung in Straf­ver­fah­ren in Schles­wig-Hol­stein

Am Landgericht Itzehoe in Schleswig-Holstein wird ge­gen­wär­tig ge­gen meh­rere deut­sche und pol­ni­sche Staats­bürger wegen des Vor­wurfs ban­den­mä­ßi­gen Kfz-Ver­si­che­rungs­betrugs ver­han­delt. In­nen­mi­nis­ter Herbert Reul soll ras­sis­ti­schen Sprach­ge­brauch bei den Itzehoer Er­mitt­lungs­be­hör­den un­ter­suchen.

Von der Verteidigung der Angeklagten wurde der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma auf die pauscha­lie­ren­den und ras­sis­ti­schen Aus­sagen eines Zeugen, des Kriminal­haupt­kom­mis­sars E. von der Krimi­nal­inspek­tion Itzehoe auf­merk­sam ge­macht. In seinen Aus­führun­gen be­zeichnete der Kriminal­beamte die An­geklag­ten als „Zigeuner“, deren Fami­lien als „Stämme“, „Sippe“ und die Familien­mit­glie­der als „Stammes­angehörige“. Ein der­artiger Sprach­gebrauch nimmt die Sicht­weise des Natio­nal­sozia­lis­mus auf, wie sie in den bundes­deut­schen Polizei­behör­den auch nach 1945 noch über Jahr­zehnte ge­pflegt wurde und mit der durch die Kriminali­sie­rung der ge­sam­ten Minder­heit die Rehabilitierung der Täter be­trieben wurde.

Derart diskriminierende Aussagen eines Polizeibeamten sind in einem rechts­staatlichen Ver­fahren nicht hin­nehm­bar. Es muss hier auch Auf­gabe des Gerichts sein, sich gegen eine im Kern rassisti­sche Sprache zu wenden, die von der Itze­hoer Polizei ins Ver­fah­ren ein­gebracht wurde. Es besteht ins­beson­dere nach Kennt­nis des Zentral­rates keiner­lei sach­licher Bezug der von der Itzehoer Polizei vor­genom­me­nen ethnischen Kenn­zeich­nung der An­geklag­ten zu den vor­gewor­fe­nen Straftaten. Da­mit ver­stößt die Itzehoer Polizei be­wusst und ge­zielt gegen das Dis­krimi­nie­rungs­verbot des Grund­gesetzes.

Nachdem die Verteidigung den rassistischen Diffamierun­gen der An­geklagten deut­lich ent­gegen­getre­ten war, sind nach Auf­fas­sung des Zentral­rates Deut­scher Sinti und Roma jetzt Richter und Schöffen ge­fordert, eine klare Stellung­nahme zu diesen Aus­sagen zu for­mu­lieren.

„Es ist Aufgabe der Polizei, Kriminalität zu verfolgen und zwar ohne An­sehen der Person. Die Gerichte müs­sen beim Nach­weis von Krimina­lität ent­spre­chend unseren Gesetzen ihr Urteil spre­chen. Die Abstammung von Be­schul­dig­ten darf weder von der Polizei noch von den Gerichten als Maß­stab für ihr Handeln ge­nom­men werden, das ist die zentrale Lehre aus unse­rer deutschen Ge­schichte und des­halb grund­legen­des Prinzip unse­rer Demokra­tie und unse­res Rechts­staates. Read the rest of this entry »

Innsbruck hebt Bettelverbotszonen auf

Dezember 13th, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Nicht mehr länger "Hauptsstadt der Verbote": Innsbruck hebt Bettelverbot auf (Bild: Innsbruck informiert)Innsbruck hebt Bettelverbot bei „Gelegenheitsmärkten“ auf. Bet­tel­lob­by for­dert Ab­schaf­fung wei­te­rer Ver­bote: Für einen so­li­da­ri­schen Um­gang mit Ar­muts­betrof­fe­nen und einen öf­fent­li­chen Raum, wel­cher für al­le nutz­bar und zu­gäng­lich ist

Die Bettellobby Tirol begrüßt die Aufhebung des Bettelverbots bei „Gele­gen­heits­märkten“ in Innsbruck. Die Tiro­ler Lan­des­haupt­stadt setzt damit ein Zeichen für ein soli­dari­sches Zu­sammen­leben und einen öffent­li­chen Raum, in dem sich unter­schied­liche Men­schen und Grup­pen mit- und neben­einander auf­halten kön­nen. Innsbruck soll nicht län­ger eine Vorzeige­stadt der Verbote sein. Mit Bettelverboten werden Men­schen bestraft und aus dem öffentlichen Raum ver­trie­ben, weil sie Armut sichtbar ma­chen. Es ist an der Zeit, ande­re Wege zu gehen und sich von einer Politik der Verbote und einer Kriminalisierung Ar­muts­betrof­fe­ner zu ver­ab­schieden. Verbote und Bestra­fung ver­schlim­mern die Not­lagen der Betrof­fenen und füh­ren zu weite­rer Aus­grenzung. Statt­dessen braucht es mehr Angebote, die den Betrof­fenen zugute­kommen und Alter­nati­ven zum Betteln ermöglichen.

Für die Bekämpfung von Armut sowie eine Verbesserung der sozia­len und öko­nomi­schen Hand­lungs­mög­lich­keiten armuts­betrof­fener Men­schen

Es gilt, gemeinsam Kräfte zu bündeln, um verstärkt an den Struk­turen, die Armut be­din­gen, zu ar­bei­ten und die Ursachen von Armut statt Armuts­betrof­fene zu be­kämpfen. Dazu be­darf es der Aufhebung wei­te­rer Verbotszonen in Innsbruck (Nächti­gungs- und Alkoholverbot), die eben­falls darauf ab­zie­len, armuts­betrof­fe­ne Men­schen aus dem Blick der Öffentlichkeit zu ver­bannen. Ge­fragt ist je­doch auch der Tiroler Landtag, die ge­setzli­chen Bestim­mun­gen auf Landes­ebene zu über­denken, welche die Grund­lage für das Bettel­ver­bot bei Gelegenheits­märkten in Inns­bruck boten und das vom Öster­reichi­schen Ver­fas­sungs­gerichts­hof ein­geräumte Recht auf „stilles“ Betteln aus­höh­len.

Für ein Ende der Kriminalisierung von Armutsbetroffenen und eine Politik, die sich ge­gen Verbote, Hetze, sozia­le Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung richtet

Die aktuelle Debatte um das Bettelverbot bei „Gelegenheitsmärkten“ in Inns­bruck zeigt, dass es Be­für­worten­den im Gemeinderat nicht um eine sach­liche und dif­fe­ren­zierte Aus­ein­ander­setzung geht. Man be­dient sich rassisti­scher Vorurteile und Unter­stel­lun­gen wie der Rede von „organsierten Bettlerbanden“, um Stim­mung gegen Armuts­betrof­fene zu ma­chen und Menschen gegen­einander aus­zu­spielen. Read the rest of this entry »