Sport

„Ich werde nur mehr Weiße aufnehmen“

Juli 21st, 2010  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Sport

Gewichtheber Zaremba (Foto: Sedmička)Wirbel um tschechischen Ex-Olympiasieger Ota Zaremba

Der frühere tschechoslowakische Olympiasieger im Gewichtheben bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau Ota Zaremba (53) schloss alle Roma aus seinem Gewichtheber-Klub aus. Als Grund gab er an, dass ihm ein Rom, der Mitglied des Klubs war, 5.000 Kronen (196 Euro) gestohlen habe. „Kürzlich habe ich sie alle (Roma) gefeuert. Mit den Zigeunern habe ich für immer Schluss gemacht. In den Klub werde ich jetzt nur mehr Weiße aufnehmen“, sagte Zaremba gegenüber der Online-Ausgabe der tschechischen Wochenzeitschrift „Tyden“.

Ota Zaremba ist gleichzeitig der außerparlamentarischen rechtsextremen „Arbeiterpartei der sozialen Gerechtigkeit“ (DSSS) beigetreten und möchte bei den Kommunalwahlen im Oktober auf der DSSS-Liste kandidieren. DSSS ist eine Nachfolgepartei der 2010 vom Gericht aufgelösten rechtsextremen Arbeiterpartei (DS). Die verbotene Vorgängerpartei DS war 2008 und 2009 durch mehrere Aktionen wie Protestmärsche gegen die Roma-Minderheit in Nordböhmen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Read the rest of this entry »

Sieg gegen die Schweizergarde

Juni 11th, 2010  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Sport

Ungarn: Roma-Fußballstar István PisontDamit auch wir den richtigen Zeitpunkt erwischen, um ein bisschen auf der Fußball-WM-Welle mitzusurfen, haben wir heute folgenden Artikel aus der Süddeutschen Zeitung für Sie vorbereitet, der aus Anlass eines Vorbereitungsspiels der deutschen Nationalmannschaft in Budapest über das schwere Los von Roma-Spielern in Ungarn und eine vorbildhafte Solidaritätsaktion des DFB berichtet. Eine Abordnung der Mannschaft hat nämlich vor dem Länderspiel gegen Ungarn die Ortschaft Tatárszentgyörgy besucht, wo im Februar 2009 zwei Angehörige der Roma-Minderheit ermordet wurden. Das Nationalteam will den Wiederaufbau des Hauses unterstützen, das bei dem Mordanschlag niedergebrannt wurde. Hier also Auszüge aus dem Artikel von Ronny Blaschke, erschienen in der SZ vom 29.5.2010:

István Pisont erinnert sich kaum an seine Anfänge als Profifußballer, doch eines wird er nie vergessen: bei den gegnerischen Fans hatte er keinen Namen – sie nannten ihn nur Cigány, den Zigeuner. Immer und immer wieder Cigány, laut und verletzend. Pisont war gerade volljährig geworden, als er 1988 bei Honved Budapest begann. Auswärts zitterte er am ganzen Körper, Gegenspieler lachten ihm ins Gesicht. „Die wollten mich fertig machen“, sagt er. Pisont war der letzte Profi, der sich in Ungarn zu den Roma bekannt hatte. Lange her. Doch István Pisont, 40, ist kein Exot, er gehört zur größten Minderheit seines Landes. (…) „Viele verbergen ihre Wurzeln, sie wollen sich nicht wie Aussätzige fühlen. Auch im Fußball.“ Pisont stieg trotzdem zum Nationalspieler auf (31 Länderspiele); er kickte erfolgreich im Ausland, in Belgien, Israel, Ende der neunziger Jahre auch für eine Saison bei Eintracht Frankfurt. Prominenz war sein Schutzschild.

Der Antiziganismus, die Zigeunerfeindlichkeit, grassiert: Elf Roma wurden seit 2008 in Ungarn ermordet. (…) Im Fußball tritt Antiziganismus wie unter einem Brennglas auf. Hassgesänge wie „Zick, zack, Zigeunerpack“ hallen Woche für Woche durch deutsche Stadien. Deshalb wollen der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und der DFB das Spiel der Nationalelf am Samstag in Ungarn zur Bewusstseinsbildung nutzen. Seit 2006 pflegen Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats, und DFB-Präsident Theo Zwanziger ihren Schriftverkehr, Rose wurde zudem Mitglied der Kulturstiftung des Verbandes. In Budapest soll eine Podiumsdiskussion stattfinden, ein Benefizspiel, ein Besuch bei Opfern eines Mordanschlags. Read the rest of this entry »

Denkmal für Boxmeister Rukeli Trollmann

Juni 8th, 2010  |  Published in Geschichte & Gedenken, Sport

Trollmann-DenkmalBerlin — Am 9. Juni 2010, genau 77 Jahre nach dem Meisterschaftssieg Johann „Rukeli“ Trollmanns im Halbschwergewicht, wird das temporäre Denkmal zu Ehren des 1944 im KZ Neuengamme erschlagenen Profiboxers im Viktoriapark in Berlin-Kreuzberg eingeweiht (siehe zu Trollmann auch unseren Artikel in dROMa 15/2007, PDF). Bereits in den 1920er galt der Boxer Trollmann, der aus einer alteingesessenen Hannoveraner Sinti-Familie stammte, in seiner Klasse als Ausnahmetalent. Er feierte unter tosendem Beifall seine sportlichen Erfolge und avancierte schon zu Beginn seiner Karriere zum Publikumsliebling. Aufgrund seiner ethnischen Herkunft wurde Trollmann in der Zeit des Nationalsozialismus rassisch verfolgt. Sein Titel als „Deutscher Meister im Halbschwergewicht“ wurde ihm acht Tage nach seinem Sieg aberkannt, sein Kampfstil von den nationalsozialistischen Sportfunktionären als „unarisch“ diffamiert. Schritt für Schritt wurde dem ehemals gefeierten Sportler seine Existenzgrundlage entzogen. Schließlich wurde er 1942 im KZ Neuengamme inhaftiert und musste, nicht zuletzt wegen seines Bekanntheitsgrades, schlimmste Misshandlungen und Demütigungen über sich ergehen lassen. 1944 wurde Johann „Rukeli“ Trollmann im Alter von 36 Jahren in Wittenberge, einem Außenlager des KZs Neuengamme, erschlagen. Sein Schicksal steht beispielhaft für den Völkermord an den Sinti und Roma, der lange Zeit im öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs vernachlässigt wurde.

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