Film & Theater

„Roma Armee“ im Gorki-Theater

August 14th, 2017  |  Published in Film & Theater

GorkiMaxim Gorki Theater, Berlin:
Uraufführung am 14.9.2017
Weitere Termine: 15., 16., 17.9.2017 (Vorverkauf)

Die Geschichte der Roma ist eine der Verfolgung, Ausgrenzung und Dis­kri­mi­nie­rung. Die An­er­ken­nung des Völkermords wäh­rend des National­sozia­lis­mus er­folgte spät. Auch heute werden Roma Opfer von Hass­ver­bre­chen in Ungarn, Tschechien oder Deutschland. Anti­ziga­nis­ti­sche Bilder werden in den Medien re­pro­du­ziert und ein Diskurs über ver­meint­liche Armuts­migrant/in­nen schürt Ressen­ti­ments. Das Maxim Gorki Theater Berlin will in diese rassistischen Pro­jek­tio­nen der Mehr­heits­gesell­schaft inter­venie­ren und Roma in künst­le­ri­schen Werken sicht­barer ma­chen. „Roma Armee“ ist Manifest, Theaterstück, Selbst­ermäch­ti­gung und An­griff. Die Idee des Stücks geht auf die Schwestern Simonida und Sandra Selimović zu­rück. Die bei­den Romnija aus Serbien leben in Österreich und orien­tie­ren sich in ihren Aktio­nen an der Wiener Gruppe, sie arbei­ten situa­tio­nis­tisch und aktio­nis­tisch. Gemein­sam mit der israeli­schen Regis­seurin Yael Ronen sowie weite­ren Roma-Schau­spieler/in­nen ent­wickeln sie das Stück. Nach Recher­chen wie dem Besuch histori­scher Orte oder von Gerichts­sälen, in denen über die Abschiebung von Roma-Fa­milien be­funden wird, ent­steht im kollek­tiven Arbeits­prozess nach und nach die „Roma Armee“.

Künstlerische Leitung und Regie: Yael Ronen (IL)
Malerei / Artwork: Damian Le Bas, Delaine Le Bas
Mit Mehmet Ateşçi, Hamze Bytyci, Mihaela Drăgan, Riah May Knight, Lindy Larsson, Orit Nahmias, Sandra Selimović, Simonida Selimović

(Text: Kulturstiftung des Bundes)

In einer Gegenwart, in der Europa droht in Neofaschismen abzudriften, be­ansprucht eine Grup­pe von Schau­spieler*innen eine Roma-Armee zu Selbst­ver­tei­di­gungs­zwecken. Eine schnelle Eingreif­truppe zum Kampf gegen struk­turelle Dis­krimi­nie­rung, Ras­sis­mus und Antiziganismus, aber auch als Eman­zi­pa­tion aus einer inter­na­li­sier­ten Opfer­rolle. Read the rest of this entry »

„Großstadt-Zigeuner“ (1932)

Juli 28th, 2017  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Großstadt-Zigeuner, Stummfilm, D 1932
Regie/Kamera/Schnitt: László Moholy-Nagy (1895-1946)

„Als László Moholy-Nagy 1932 seinen knapp zwölf­minü­ti­gen Experi­mental­film in Berlin drehte, bestä­tig­te er zwar das ver­brei­tete Bild der Sinti und Roma, die sich als Wahr­sagerin­nen, Musiker und Bären­vor­führende be­tätig­ten; doch zeigte er sie gleich­zeitig als fröhliche und selbst­bewusste Gemein­schaft. Moholy-Nagy konnte nicht ahnen, dass Sinti und Roma schon weni­ge Jahre spä­ter eben­so wie die europäi­schen Juden im Faden­kreuz der NS-Ver­nich­tungs­politik stehen sollten.“ (Goethe-Institut)

„In seinem Film ,Großstadtzigeuner‘ aus dem Jahr 1932 porträ­tiert der ungarische Künstler, Medien­theo­re­ti­ker und Filme­macher László Moholy-Nagy die Mit­glie­der einer Roma-Ge­mein­schaft in Berlin. Er zeigt Männer beim Karten­spiel, Mädchen, die einander die Haare käm­men, strei­tende Frauen, eksta­ti­sche Musiker, aus­gelassen tan­zende Zuhörer. Im­mer näher lässt der Filmemacher seine Kamera an diese Men­schen heran­gleiten, mehr und mehr bleibt sie dabei an Details hän­gen: an Händen, Füßen oder Ge­sich­tern. Sie greift den Rhyth­mus der Be­we­gun­gen auf, wird so zum Teil des Ge­sche­hens. Aus den selt­sams­ten Blick­winkeln hat Moho­ly-Nagy seine Pro­ta­gonis­ten ge­filmt, oft von unten oder von schräg oben. Mal be­wegen sie sich aus der Un­schärfe in die Schärfe, mal aus dem Licht in den Schat­ten und um­ge­kehrt. Read the rest of this entry »

Olympiamuseum Köln: „Zigeuner-Boxer“

Juli 21st, 2017  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Sport

Rukeli TrollmannRike Reinigers „Zigeuner-Boxer“ basiert auf der Lebens­ge­schich­te des sinto-deut­schen Boxers Johann „Rukeli“ Trollmann und zeigt auf ein­drucks­volle Weise, wie in Zeiten von Unter­drückung und Terror per­sön­li­cher Mut und ver­läss­li­che Freund­schaft zum Tra­gen kom­men kön­nen. Er­zählt wird das Schick­sal des Boxers aus Sicht seines Freun­des Hans, der vom Kölner Schau­spieler Andreas Kunz ge­spielt wird. Er er­in­nert sich an Ru­ke­lis spek­ta­ku­läre Auf­tritte und seine gro­ßen Er­folge. 1933 war er Deutscher Meister ge­wor­den, doch der Titel wurde ihm we­nige Tage später mit der Be­grün­dung ab­er­kannt, sein tän­zeln­der und aus­wei­chen­der Box­stil sei „un­deutsch“. Aus Protest färb­te sich Ru­keli vor seinem nächs­ten Kampf die Haare blond und kalk­te sich die Haut weiß. So stieg er als Kari­katur eines Ariers in den Ring, um die Schläge seines Geg­ners deckungs­los hin­zu­ne­hmen, bis er zu Boden ging. In Rück­blicken er­zählt Hans den letzt­lich aus­sichts­lo­sen Kampf seines Freun­des um seine Karriere und sein Leben (Anm. d. Red.: Troll­mann wurde 1944 in einem Außen­lager des KZ Neuengamme er­mordet),

Das speziell für ein jugendliches Publikum kon­zi­pier­te Theater­stück er­mög­licht einen sehr emotio­nal an­geleg­ten Zu­gang in die Zeit des Nationalsozialismus und zeigt an­hand einer historisch ver­brief­ten Lebens­geschichte, wie staat­li­cher Will­kür und Gewalt jedes Recht auf ein men­schen­wür­di­ges Da­sein zum Opfer fällt.

Das „Deutsche Sport- & Olympia-Museum“ bietet speziel­le Auf­füh­run­gen für Schul­klassen in gleich­sam authen­ti­schem Am­biente, näm­lich in seinem Box-Ring, an. Hier be­leuch­ten auch eini­ge aus­gewählte Ex­ponate die Ge­schich­te von Johann „Rukeli“ Trollmann.

Read the rest of this entry »

Roma: Bürger zweiter Klasse?

Juli 15th, 2017  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

"Roma: Büger zweiter Klasse?" ARTEARTE: Di., 18. Juli 2017, 21.45 Uhr
Online: 18. Juli bis 25. Juli 2017

Reportage von Samuel Lajus, 91 Min., F/2017

Das schlechte Image von Roma ist dominant in ganz Europa und exis­tiert seit Jahr­hun­der­ten. Warum be­geg­net die Mehr­heits­bevöl­ke­rung ge­ra­de die­ser Minderheit mit so viel Hass und Miss­trau­en? Die Filme­ma­cher ge­hen in ganz Europa der Fra­ge nach, wes­halb sich Kli­schees und Vor­ur­teile ge­gen Roma bis heute hart­näckig halten.

„Die Lage der Roma in den EU-Staaten ist heute schlim­mer als im Kom­munis­mus“, er­klärt Georges Soros, US-ame­ri­ka­ni­scher Mil­liar­där un­ga­ri­scher Her­kunft. Trotz der Mil­liar­den­inves­ti­tio­nen der EU in Ein­glie­de­rungs­maß­nah­men hat sich also nichts ge­än­dert. Im Gegen­teil: Seit dem Mauer­fall scheint sich die Situa­tion ste­tig zu ver­schärfen. Wie konn­ten die euro­päi­schen Ins­ti­tu­tio­nen so kläg­lich schei­tern? Warum ver­ließen nach dem Sturz von Nicolae Ceausescu über 15 Pro­zent aller Ru­mä­nen ihre Heimat? 2014 streng­te die EU-Kom­mis­sion ein Ver­fahren gegen die Tsche­chi­sche Re­publik an, um Roma-Kin­dern bes­se­ren Zu­gang zu Bildung zu ver­schaf­fen. Warum be­sucht dort ein Vier­tel aller Roma-Kinder Schulen für Men­schen mit geis­ti­gen Be­hin­de­run­gen, was zu ihrer sozia­len Aus­gren­zung führt? Im un­gari­schen Miskolc ge­wann die Par­tei Fidesz – Unga­ri­scher Bür­ger­bund, der Pre­mier­minis­ter Viktor Orbán vor­steht, die Wähler mit dem klaren Ver­spre­chen, „das Roma-Ghetto auf­zu­lösen, um die Stadt lebens­werter zu ma­chen“. Doch die Roma wur­den nicht um­ge­sie­delt, son­dern ein­fach ver­jagt. Der zweifel­hafte Um­gang mit der Roma-Min­der­heit ist kein ost­europäi­sches Phä­no­men. Auch in Italien, Frankreich und Schweden sind Räu­mun­gen von Roma-Lagern, Dis­krimi­nie­rung und Aus­grenzung an der Tages­ordnung. Nur in Berlin, wo die Roma so zahl­reich sind wie in ganz Frank­reich, scheinen sie ihren gesell­schaft­li­chen Platz ge­fun­den zu ha­ben. Was lief hier anders als bei den euro­päi­schen Nach­barn?

(Programmankündigung ARTE)

Mit dem Mop ins Rampenlicht

Juni 26th, 2017  |  Published in Film & Theater

Seit 17 Jahren arbeitet Rabie Peric-Jasar im echten Leben als Muttersprachenlehrerin. (© Solmaz Khorsand)In der Komödie „Die Migrantigen“ setzt Rabie Peric-Jasar den Putz­frau­en ein Denk­mal. Eine Wür­digung.

Wiener Zeitung, 25.6.2017. Von Solmaz Khorsand

Wien. Der Besen. Damit hat Rabie Peric-Jasars Mutter immer ge­droht. Er ge­hörte zum Horror­szena­rio, das sie be­schwo­ren hat, wenn ihre Kin­der nicht ge­horcht haben: „Wenn du nicht lernst, wirst du Putzfrau. So wie ich.“ Bis zu ihrer Pen­sion hat sie Büros in Skopje ge­putzt. Sie, die An­alpha­be­tin, deren Vater sie nicht zur Schule schicken woll­te. Sie, die Roma-Frau, die prompt zur Di­rek­to­rin mar­schier­te, wenn eines ihrer fünf Kin­der von der Lehre­rin dis­kri­mi­niert wurde. Sie, die Mutter, die ihre Toch­ter durch das Sport­gymna­sium drillte, damit sie sich nicht eines Ta­ges durch das Le­ben ande­rer keh­ren muss.

Rabie Peric-Jasar lächelt. Ausgerechnet als Putzfrau macht die 58-Jährige nun Kar­riere. Und zwar auf der großen Lein­wand. In Arman T. Riahis Spielfilm­debüt „Die Migran­ti­gen“ rund um zwei Wiener, die für eine TV-Serie „echte Aus­länder“ mimen sol­len, spielt sie das Migran­ten­kli­schee schlecht­hin.

Read the rest of this entry »

Sido spielt Hauptrolle in Roma-Film

April 25th, 2017  |  Published in Film & Theater, Radio & TV

Sido dreht Fernsehfilm, hier mit seinen Schauspielerkollegen (Foto: RBB)rbb/Presseaussendung – In Berlin haben die Dreharbeiten zu „Eine Braut kommt selten allein“ unter der Regie von Buket Alakus („Ein­mal Hans mit scharfer Soße“) nach einem Drehbuch von Laila Steiler („Die Opfer – Ver­gesst mich nicht“, 2. Teil der NSU-Tri­logie im Ersten) be­gon­nen. Es ist der erste deutsche Fern­seh­film, in dem die Lebens­wirk­lich­keit der Roma im Mittel­punkt steht. Un­ver­stellt, wert­frei und ohne Scheu vor un­an­geneh­men Wahr­heiten erzählt der Film, wie die Romni Sophia (Michelle Barthel) dem vom Leben ent­täusch­ten Johnny (Paul „Sido“ Würdig) zuerst den Kopf ver­dreht und dann ihre 16-köpfi­ge Groß­familie bei ihm ein­quartiert.

Zum Inhalt:
Eines Tages sitzt sie vor seiner Tür. In ihrem roten Hochzeitskleid und den ab­ge­latsch­ten Turn­schuhen. Sie spricht nicht seine Sprache, sie ist ihm eigent­lich zu jung, sie ent­stammt einer voll­kommen ande­ren Welt, sie liebt auch anders als er – und doch wer­den die beiden ein Paar. Johnny, ge­scheiter­ter Club­be­sitzer, und Sophia, die Romni. Ob sie wirk­lich von ihrer Hochzeit ab­ge­hauen ist, tat­säch­lich direkt aus Belgrad kommt, ihn wahr­haftig so liebt, wie sie be­haup­tet? Johnny weiß es nicht. Und ir­gend­wann ist es ihm auch egal. Er ist sogar bereit, ihre Eltern ein­zuladen, als Sophia Heim­weh hat. Aber damit gerät sein ohne­hin kompli­zier­tes Leben völlig aus den Fugen, denn es kom­men nicht nur Mama und Papa zu Besuch … In einer Mischung aus Märchen und Reportage nimmt die Ko­mödie Klischees und Vorurteile aufs Korn, er­zählt von Lüge, Wahrheit, Über­for­de­rung und der Kraft der Liebe.

Über die Produktion:
„Eine Braut kommt selten allein“ ist eine Produktion von Bavaria Fernseh­pro­duk­tion Berlin im Auf­trag des Rund­funk Berlin-Branden­burg für Das Erste. Das Dreh­buch stammt von Laila Stieler. Die Bild­gestal­tung über­nimmt Andreas Höfer. Die Re­daktion ver­ant­wor­tet Cooky Ziesche. Für Hauptdarsteller Paul „Sido“ Würdig ist es auf­grund seiner Sinti-Wurzeln (mehr hier und hier) eine Herzens­ange­legen­heit, bei diesem Film mit­zu­wirken. Read the rest of this entry »

„Valentina“ (Trailer)

April 3rd, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung

Valentina (D 2016, 51 min.)
Dokumentarfilm von Maximilian Feldmann & Luise Schröder

(mehr hier)

„Valentina“

März 28th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung

Die Protagonistin beim Betteln auf der Brücke - Filmstill aus dem Dokumentarfilm "Valentina"Dokumentarfilm von Maximilian Feldmann & Luise Schröder (D 2016, S/W, 51 min.)

Eine Armensiedlung im Roma-Viertel. Die 10-jäh­ri­ge Va­lentina lädt uns zu ihrer Familie ein. Skur­ri­le Anek­do­ten, Tag­träu­me und do­ku­men­ta­rische Be­obach­tun­gen. Ein Film, so lebens­prall wie seine streu­nen­de Heldin.

„Soll ich euch eine Geschichte erzählen?“, fragt Valentina – Armee­hose, Trai­nings­jacke, wilde Haare mit einer win­zi­gen Spange. Sie ver­traut uns an, warum sie nicht als Junge ge­bo­ren wur­de, so wie es hätte sein müssen. Über­haupt kennt Va­len­tina jedes Detail ihrer Fa­mi­lien­ge­schich­te: Wie ihr Vater mit Saft und einer Schach­tel Zi­garet­ten das Herz ihrer Mutter er­obert hat, warum ihre Schwes­ter von den Schwie­ger­eltern mit einer Pis­to­le be­droht wurde und wo ihre Ge­schwis­ter hin­gebracht wur­den, nach­dem man sie beim Betteln er­wischt hat. Valen­tina lebt mit ihrer 12-köpfi­gen Familie in einer bau­fäl­li­gen Ein­zimmer­hüt­te im Roma-Viertel Shutka, in Skopje, Mazedonien. All­tags­beob­ach­tun­gen mi­schen sich mit per­sön­li­cher Er­zäh­lung, Träume mit wah­ren Be­geben­heiten. Am Ende wird klar, dass alles Ge­schich­ten­erzählen nur eine Übung für Va­len­tinas großen Traum ist.

Regiekommentar:

„Armut ist ein großer Glanz aus Innen“. Diese Zeile aus einem Rilke-Gedicht be­schäf­tig­te mich seit Jah­ren. Wir – Regie, Kamera, Ton – such­ten nach einem Beleg dafür im Roma-Vier­tel Shutka. Well­blech­hütten zwi­schen Mehr­stock­häu­sern, Pferde­kut­schen ne­ben Merce­des-Li­mou­si­nen, Muezzin-Ge­sänge und Balkan­pop und an jeder Ecke ir­gend­je­mand, der Deutsch spricht. Aber wir finden keine Pro­ta­go­nis­ten, fünf Wo­chen lang. „Wem nützt denn euer Film?“, fra­gen die Be­woh­ner und ver­lan­gen hohe Gagen. – Wir ha­ben zu wenig Geld, um hier dre­hen zu kön­nen.

Dann erbettelt ein kleines Mädchen Hambur­ger von uns. Ihr Vater war Schau­spie­ler in ei­nem Emir-Kusturica-Film. Wir schlie­ßen einen Ver­trag, mit Auf­wands­ent­schädi­gung und Cate­ring für die Familie und be­ginnen unser ge­mein­sa­mes Film­pro­jekt: ein Familienporträt. Read the rest of this entry »

A Hole in the Head (Diera v hlave)

März 19th, 2017  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Dokumentarfilm von Robert Kirchhoff
SK, CZ 2016, 92 Min. (Website)

Eine kleine Kunstgalerie irgendwo in Serbien, in der aus­schließ­lich Werke von Roma aus­ge­stellt wer­den. Ist Clinton nicht auch ein Rom? Da ist sich die Galeris­tin nicht so sicher. Aber Antonio Banderas sei Rom, auch Yul Brynner. Sie wag­ten es nur nicht, sich öffent­lich dazu zu be­kennen. Diese rühren­de Szene kultu­rel­ler Selbst­vergewisserung ist Teil einer Er­zäh­lung über den Holocaust an den Roma, der weit­ge­hend aus dem euro­päi­schen Gedächtnis g­etilgt ist und des­sen Spuren der Regis­seur akri­bisch nach­geht. Ein Film ge­gen das Vergessen.

Wir lernen Menschen aus Frankreich, Serbien, Deutschland, Tschechien und Polen kennen, die als Kinder in die Fän­ge der Mordmaschine der Nazis ge­rieten. Rita war keine drei Wo­chen alt, als SS-Ärzte in einem Würzburger Krankenhaus grau­en­hafte Experi­mente an ihr vor­nah­men. Ihre Zwillings­schwester starb, sie über­lebte mit einem „Loch im Kopf“. Raymond, ein 90-jäh­riger, extrem wacher Rom, er­innert daran, dass es die französische Gen­dar­merie war, die sie da­mals zu­sam­men­trieb, nicht die Deutschen. Heute dringt die glei­che Polizei ohne Durch­suchungs­be­schluss in seinen Wohn­wagen ein und ver­haftet drei seiner Söhne, weil sie ihm zu Hilfe ka­men (mehr hier). Was hat sich also geändert? Read the rest of this entry »

The Gipsy Marionettist

März 15th, 2017  |  Published in Film & Theater

„The Gipsy Marionettist“ Rasid Nicolic lebt als Straßen­künst­ler in Turin. Seine Her­kunft als bos­nisch-ser­bi­scher Rom, der mit seiner Fa­milie vor dem Bosnien­krieg flüch­ten muss­te, war Gegenstand einer preis­­gekrönt­en italie­ni­schen TV-Reise­reporta­ge. Dem­nächst ist Rasid als einer der Pro­tago­nis­ten eines über Crowd­funding fi­nan­zier­ten Roma-Do­ku­­men­­tar­­films („Opre Roma!“ von Paolo Bonfanti) zu se­hen.

(dROMa)

Link: www.thegipsymarionettist.com