SozialMarie 2023: „Career Path“ (Ungarn)

Dezember 8th, 2023  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Jugend & Bildung

Sozialmarie 2023: Career Path (Foto: Van Helyed via SozialMarie)SozialMarie ist ein Preis für soziale Innovation. Viele der aus­ge­zeich­ne­ten Pro­jekte be­fas­sen sich mit Roma. Wir stel­len Ihnen eini­ge dieser Ini­tia­tiven vor:

Eines der Siegerprojekte der SozialMarie 2023 ist das unga­rische Bildungs- und In­tegra­tions­projekt „Ca­reer Path as Opposed to an In­escap­able Life Path“ („Karriere­weg im Gegen­satz zu un­aus­weich­li­chem Lebens­weg“), das Roma-Kin­dern aus aus­ge­grenz­ten Ge­mein­schaf­ten zu einem Schul­ab­schluss und einem Beruf ver­hilft.

Projektträger: Van Helyed Alapítvány (You Belong Foundation)

Herausforderung: Die wachsende Zahl nicht aus­gebil­deter Men­schen ist ein globales Problem, das den Klimaschutz, das Wirt­schafts­wachs­tum und Aspekte eines menschen­würdigen Lebens ge­fährdet. In Ungarn gibt es 1200 Slums, in denen vor allem Roma-Kinder in Segre­gation leben und eine minder­wertige Bildung er­halten. Bis 2050 wird die Zahl der ab­hän­gigen An­gehö­rigen pro 100 Per­sonen im erwerbs­fähigen Alter auf 60 ansteigen.

Idee: Das Projekt „Karriereweg im Gegensatz zu un­aus­weich­lichem Lebensweg“ hat ein proto­typisches System geschaffen, das einen Ausweg aus dem Elend garantiert. Es ermöglicht einen gleich­berech­tigten Zugang zu Bildung, Wissen und Wohlstand während des gesam­ten Lebens­weges. Die Stiftung „You Belong“ bietet einen Weg zu einem Beruf und einem Ab­schluss.

Akteur*innen: Die Hauptakteure sind benach­tei­ligte Roma-Kinder, die mit ihren Familien und Ge­mein­schaften in einem ge­schlos­senen System auf­wachsen. Das Projekt umfasst außer­dem 120 Personen, die in den „You Belong“-Ein­rich­tungen von Ózd/Bu­dapest intensiv betreut werden, sowie 1.000 Teil­nehmer und ihre Familien aus segre­gierten Gemein­schaften.

Wirkung: Im „You Belong“-System schließen 100 % der geför­derten Per­sonen die Grund­schule ab (im Gegen­satz zu 70 % der be­nach­teilig­ten Per­sonen auf natio­naler Ebene), 100 % setzen die Schule nach der Grundschule fort (im Gegen­satz zum regionalen Index von 2 %), 95 % schließen die weiter­füh­rende Schule ab (im Gegen­satz zum regio­nalen Index von 30 %), und 50 % besuchen eine Hochschule (im Gegen­satz zum natio­nalen Index von 1,4 %).

Transfer: Der Prototyp Ózd/Budapest wurde so konstru­iert, dass er auf jede Region oder jedes Land (in der Nähe einer aus­gegrenz­ten Gemein­schaft, eines Ghettos oder eines Flücht­lings­lagers) über­tragbar ist, und zwar als Franchise, die den lokalen Bedürf­nissen ent­spricht, und gleich­zeitig erweitert werden kann, wenn die Zahlen es er­fordern.

Würdigung der Jury: Das Projekt überzeugt durch seinen ganzheit­lichen Ansatz zur Integration der Roma in die Gesell­schaft. Ob Bildung, Gesund­heits­ver­sor­gung oder Arbeitsmarkt, das Projekt erfasst die Bedürf­nisse der Zielgruppe und ent­wickelt einen systemi­schen Ansatz, um die Projekt­teil­nehmer über ihren gesam­ten Lebensweg zu begleiten. Die Ergeb­nisse bei der Armuts­be­kämpfung, den Bildungs­resul­taten und ins­gesamt bei der Eman­zi­pation der Roma sprechen für sich: Das Projekt bietet wirksame Unter­stützung, um den Kreislauf der Armut zu durch­brechen. Ein hervor­ra­gendes Beispiel für erfolg­reiche soziale Innovation!

(Text: SozialMarie [engl.])

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