Dragoljub Acković (1952–2025)
Juli 3rd, 2025 | Published in Ehrungen & Nachrufe

Dr. Dragoljub Acković, einer der bedeutendsten Intellektuellen, Historiker und Chronisten der Roma in Serbien und Europa, ist vergangene Woche im Alter von 72 Jahren verstorben. Mit seinem Tod am 27. Juni 2025 verliert die Welt nicht einen herausragenden Wissenschaftler, sondern auch einen unermüdlichen Kämpfer für kulturelle Anerkennung und gesellschaftliche Teilhabe der Roma.
Dr. Acković wurde am 23. November 1952 im serbischen Dorf Osipaonica bei Smederevo in Jugoslawien geboren. Er studierte Politikwissenschaften und Ethnologie an der Universität Belgrad, setzte seine Studien anschließend an der juristischen Fakultät fort und promovierte schließlich an der Friedens-Universität der Vereinten Nationen. Mit seiner beeindruckenden akademischen Laufbahn legte er das Fundament für eine lebenslange Auseinandersetzung mit der Geschichte, Kultur und Identität der Roma. Acković war Autor zahlreicher Bücher und Mitglied des serbischen Schriftstellerverbands. Er war Gründer und Leiter des Museums der Romakultur in Belgrad (Muzej romske kulture u Beogradu)) und befasste sich innerhalb der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste mit der Erforschung der Roma-Kultur.
Als einer der ersten serbischen Roma bekleidete Acković bedeutende Positionen in staatlichen Institutionen – so etwa 2020 bis 2024 als Abgeordneter (für die „Serbische Fortschrittspartei“/SNS bzw. die Liste „Aleksandar Vučić“) in der serbischen Nationalversammlung, wo er als stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Menschen- und Minderheitenrechte sowie als Vorsitzender des Unterausschusses für Roma-Fragen fungierte. Seit 2012 war er stellvertretender Direktor des Büros für Menschen- und Minderheitenrechte der Regierung der Republik Serbien. Acković war Mitglied des Nationalkomitees für immaterielles Kulturerbe beim Kulturministerium. Er war der erste Präsident der Roma-Kongresspartei und engagierte sich darüber hinaus auch in zahlreichen internationalen Gremien. Er war eine europaweit geachtete, einflussreiche Persönlichkeit der Roma-Bewegung, für die er sich schon seit 1981 einsetzte. 2013 wurde er zum Präsidenten des Welt-Roma-Parlaments gewählt. Zudem gehörte er als Vizepräsident der 2011 in Belgrad begründeten Internationalen Roma-Akademie der Wissenschaften und Künste an.
Mit seinen Veröffentlichungen, in erster Linie den wegweisenden Büchern „Stradanje Roma u Jasenovcu“ („Das Leiden der Roma in Jasenovac“, 1994) und „Ubili su istinu o nama“ („Sie töteten die Wahrheit über uns“ 2001), war er einer der Ersten, die das Ausmaß des Völkermords an den Roma im Zweiten Weltkrieg wissenschaftlich dokumentierten und öffentlich thematisierten. Für dieses Anliegen stetzte er sich auch als langjähriges Mitglied von Gremien zur Aufarbeitung der Roma-Verfolgung ein. So war er seit 2007 Mitglied der Internationalen Wahrheitskommission für Jasenovac und seit 2010 Vorsitzender des Dr.-Milan-Bulajić-Fonds für die Erforschung des Genozids.
Neben seiner wissenschaftlichen und politischen Tätigkeit gehörte Ackovićs Augenmerk insbesondere auch der Medienarbeit, um den Roma und dem Romanes zu größerer medialer Sichtbarkeit zu verhelfen. Er gründete mehrere Zeitungen und die unabhängige Roma-Sendeanstalt „Khrlo e Romengo“. Rund zwanzig Jahre lang gestaltete er außerdem die Roma-Sendung im ersten Programm von Radio Belgrad.
In einer Aussendung würdigt das ERIAC Dragoljub Acković mit folgenden Worten: „Er verstarb im 73. Lebensjahr und hinterließ ein umfangreiches Vermächtnis an Wissen und unermüdlichem Einsatz für das Volk der Roma. Er dokumentierte nicht nur die Erfahrungen der Roma in Serbien, in der Region und in der Welt – er gestaltete sie, lebte sie und gab sie weiter, indem er unermüdlich darauf bestand, dass die Geschichte und Kultur der Roma zu einem integralen Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses der Gesellschaft wird. Acković wird als einer der produktivsten Roma-Autoren der Region in Erinnerung bleiben. Seine Werke waren nicht nur akademisch – sie waren politisch, kulturell und zutiefst menschlich. [...] Er war eine Brücke zwischen einer Welt, die die Roma jahrzehntelang ignoriert hatte, und einer Welt, in der die Roma für sich selbst sprechen. Dank des Lebens von Dragoljub Acković, des öffentlichen Dienstes, den er unermüdlich leistete, und des Wissens, das er uns vermachte, haben wir alle ein tieferes Verständnis dafür, wer wir sind – als Gesellschaft und als Gemeinschaft.“
(Text: RU/dROMa)