Nane Oda Lavutaris / Who Will Play for Me?

Oktober 8th, 2022  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

05_who-will-play-for-me_v2Die in der Slowakei geborene Künst­le­rin Emília Rigová be­schäf­tigt sich in ihrer Aus­stel­lung Nane Oda La­vu­ta­ris/ Who Will Play for Me? mit der Ge­schich­te so­wie den Gegen­warts­er­fah­run­gen der Roma.

MUMOK, Wien | 8. Okt. 2022 bis 5. März 2023

Emília Rigová befasst sich in ihrem medial breit aufgefächer­ten OEuvre vor ihrem eigenen bio­grafi­schen Hinter­grund mit aktuel­len Fragen zur Identität und gesell­schaft­lichen Rolle der Roma sowie mit deren geschicht­lichen Grund­lagen. Ihre Arbeiten, die auf um­fang­reichen Re­cherchen auf­bauen, richten sich gegen gesell­schaft­liche Polari­sierung und Aus­grenzung. Sie unter­suchen und akzen­tuieren die symbio­ti­schen Aspekte im Verhältnis von Roma und Nicht-Roma, ohne dabei historische und gegen­wärtige Konflikt­felder zu ver­drängen. Dies kommt auch darin zum Ausdruck, dass sich die Künstle­rin seit 2012 „Bári Raklóri“ nennt und damit ein Alter Ego an­nimmt, das unter­schied­liche Iden­titäten in sich vereint.

Die Ausstellung Nane Oda Lavutaris / Who Will Play for Me? verweist auf das musikalische Erbe der Roma als Aus­drucks­form einer gesell­schaftli­chen Identität, die integra­ler Teil europäi­scher Kultur und wider­ständigen Lebens zu­gleich ist. Emília Rigová hat Noten alter Roma-Lieder aus der ganzen Welt ge­sammelt, in den Nachbar­ländern ethno­musiko­lo­gi­sche Archive besucht und so ein eige­nes Archiv zu­sammen­getragen. Daraus ver­wendet sie drei Lieder, die zwar in unter­schied­lichen Gegenden der Slowakei ge­funden wurden, letztlich aber trans­nationaler Natur sind. Sie wurden meist von ver­schiede­nen ethnischen Unter­gruppen in unter­schiedli­chen Dialekten ge­sungen. Da sie sich auf be­stimmte Er­eignisse be­ziehen, wie zum Beispiel den Porrajmos, den Völkermord an den Roma und Sinti im National­sozialis­mus, schaffen sie in der Ausstellung einen nach wie vor bri­san­ten histori­schen Kontext.

Das während der Eröffnung im Rahmen einer Performance in Stein ge­meißel­te walachische Volks­lied „Či čorav či drábara“ („Ich stehle nicht, und ich betreibe keine Wahrsagerei“) bleibt als Monu­ment gegen die Ver­flüch­tigung von Geschichte in der Aus­stellung präsent. Da die Roma selbst über keine schrift­liche Auf­zeichnung ihrer Geschichte ver­fügen, leistet Emília Rigovás Arbeit eine Art Geschichts- und Tra­ditions­ver­mitt­lung, die gegen das Vergessen und Ver­drängen ge­richtet ist. Denn so einfach die Texte dieser Lieder auch er­scheinen mögen, so sind die Notenblätter mit den Roma-Texten oft die einzi­gen histori­schen Quellen, aus denen sich etwas über spezifi­sche Roma-Dialekte einer be­stimmten Region er­fahren lässt.

Betritt man die Ausstellung, so begibt man sich in ein Ambiente aus Klavieren und Pflanzen. Be­wegungs­melder lösen die prä­parier­ten Klavieren aus, sobald man sich den Instrumen­ten nähert – Melodie­frag­mente erklingen. Die Pflanzen, die zur Familie der Epiphyten zählen, ent­stammen den Hervkunftsvländern der Roma und er­mögli­chen es, deren Migrations­routen in einer imaginä­ren Skizze nach­zu­zeichnen. Als Pflanzen, denen der „Wirt“ nur als Verankerung dient, signalisieren die Epiphyten ein symbiotisches und synergetisches Verhältnis gegen jegliche Vor­stellungen des Parasitären, Exoti­schen und Wilden, die als stereotype Vorurteile nach wie vor zur Aus­grenzung und Stigmati­sie­rung der Roma dienen.

Emília Rigová (geb. 1980 in Trnava, Slowakei) studierte Skulptur an der Kunst­akademie in Banská Bystri­ca (Depart­ment of Sculpture at the Academy of Arts in Banská Bystrica). Sie lehrt Skulptur, Multi­media und Inter­media an der Matej-Bel-Uni­ver­sität Bans­ká Bystrica. Einzel­aus­stel­lunvgen u. a. 2020 in der Kunst­halle Bratislava (Čohaňi z Koni Ajlend) und 2018 im Museums­Quartier Wien (Lost Identity), Teil­nah­me an der Biennale di Venezia 2019 (FUTUROMA), 2018 ge­wann Rigová, die auch als Kurato­rin und Autorin ar­beitet, den Oskár Čepan Award.

Kuratiert von Rainer Fuchs.

Katalog:
Emília Rigová: Nane Oda Lavutaris / Who Will Play for Me?
Hrsg. von: Rainer Fuchs, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
Texte von: Karola Kraus (Vor­wort), Inter­view: Rainer Fuchs mit Emília Rigová, Essays: Nina Gažovičová, Nina Vrbanová

136 Seiten, ca. 88 Farbab­bil­dun­gen, Sprache: deutsch/eng­lisch
Verlag der Buch­hand­lung Walther und Franz König: Köln 2022
ISBN: (mumok) 978-3-903446-02-1 | ISBN: (König) 978-3-7533-0334-5

(Text: www.mumok.at)

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