Dikh He Na Bister! Schau und vergiss nicht!

Juli 30th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Dikh he na bister!2. August – Gedenktag an den Völkermord an Roma und Sinti

18:00 – 20:00 Uhr, Ceija-Stojka-Platz
Lerchenfelder Straße 103-109, 1070 Wien

Wien (OTS) – Schau und vergiss nicht! – unter diesem Motto wird am Mitt­woch, 2. August auf dem Wiener Ceija-Stojka-Platz einer hal­ben Mil­lion Men­schen ge­dacht, die vom Nazi-Regime als „Zigeuner“ ver­folgt und er­mordet wurden.

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden 2.897 Roma – Männer, Frauen und Kinder – in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau er­mor­det. Erst 2015, also 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Welt­kriegs wurde der Genozid an einer hal­ben Mil­lion Roma und Sinti vom Euro­päi­schen Par­la­ment an­erkannt. In der Resolu­tion vom April 2015 wurde dazu auf­ge­rufen der Dis­krimi­nie­rung von Roma ein Ende zu setzen. Das Euro­päi­sche Par­lament for­dert dazu auf, der Opfer des Völkermordes am 2. Au­gust – dem inter­na­tio­na­len Roma Genocide Memorial Day – zu ge­denken. Das EU-Parlament sei „sehr be­sorgt um den stei­gen­den Antiziganismus, der sich in Anti-Roma-Rhe­torik sowie in Über­griffen und Attacken gegen Roma in Europa ma­ni­fes­tiert. Anti­ziganis­mus ist un­ver­einbar mit den Normen und Werten der Euro­päischen Union und sollte in allen Mit­glieds­staaten be­kämpft werden“. Maß­gebend für die An­erkennung waren die Be­mühungen der Roma Genocide Remembrance Initiative und zahl­loser Roma-Or­ga­ni­sa­tio­nen in ganz Europa. Vor allem ju­gend­liche Ak­ti­vis­tinnen und Akti­vis­ten er­ho­ben dafür ihre Stimmen.

In Österreich ermordeten die Nationalsozialisten 90 % der Roma und Sinti. Bis heute ist das Trauma bei den Über­lebenden und den Nach­fahren der Opfer vor­han­den und wirk­sam. Ein Genozid, der lange ver­schwie­gen und ver­ges­sen wurde und heute ak­tuel­ler ist denn je.

Romano Centro organisiert in Kooperation mit der Roma Genocide Remembrance Initiative, Zentrum Exil und rom­blog.at die dritte Gedenk­ver­anstal­tung zum 2. August in Österreich. Eine Ge­denk­ver­ans­tal­tung, bei der Zeitzeugen und An­ge­hö­rige von Opfern zu Wort kom­men. Da es in Wien für diese Opfergruppe noch keinen eige­nen Gedenkort, kein Denkmal gibt, wurde der nach der Holo­caust-Über­leben­den Romni Ceija Stojka be­nann­te Platz im 7. Bezirk dafür aus­gewählt.

József Forgács ist ein 82-jähriger ungarischer Rom, der als 9-Jäh­ri­ger mit seiner Familie von den National­sozia­lis­ten aus Zalaegerszeg de­por­tiert wurde. In einer öster­rei­chi­schen Fabrik musste er Zwangsarbeit ver­richten. Viele Ver­wandte über­lebten den Völkermord nicht, darun­ter auch sein Vater. Seit 2014 be­sucht Forgács regel­mäßig Jugend­kon­feren­zen und er­zählt seine Geschichte. Dieses Jahr wer­den neben dem Zeit­zeugen József Forgács auch Simona Anozie (Enke­lin von Ceija Stojka), Nuna Stojka (Schwie­ger­tochter von Ceija Stojka), Manuela Horvath (Enkelin von Holocaust-Über­leben­den) und Benjamin Hess (Prä­sident der Jüdisch-Öster­rei­chi­schen Hoch­schü­lerInnen) bei der Ver­anstal­tung sprechen. Die Ver­anstal­ter freuen sich sehr, dass heuer auch die Staats­sekre­tä­rin Muna Duzdar an der Ver­anstal­tung teil­nehmen wird und damit die Bedeu­tung des Gedenk­tages unter­streicht. Der Völker­mord und das Ge­denken sollen einen hö­he­ren Stellen­wert in der öf­fent­li­chen Wahr­nehmung be­kom­men. Dazu fordern die Orga­ni­sa­toren auch einen eigenen, zentra­len Gedenkort in Wien.

In der Ausstellung „OPRE HEROES – the time is now“ werden im An­schluss Fotografien von jun­gen Roma-Akti­vis­tInnen ge­zeigt, die für die Rechte ihrer Volks­gruppe kämpfen.

Die Gedenkveranstaltung am 2. August, die bereits zum dritten Mal statt­findet, soll Be­wusst­sein schaf­fen, den Opfern der größ­ten euro­päi­schen Minder­heit Respekt er­weisen und gegen das Ver­gessen auf­rufen. Beginn: 18 Uhr.

(Text:Romano Centro/OTS)

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