Diskriminierende Wahl­wer­bung verbieten!

August 30th, 2013  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht  |  1 Comment

NPD-Plakat 2013Deutschland: Zentralrat fordert ge­setzli­ches Ver­bot diskri­mi­nie­ren­der Wahl­wer­bung – Pflicht für Be­hör­den zum Ein­schrei­ten ge­gen NPD-Pla­ka­te ge­gen Roma

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, 29.8.2013: In einem Schrei­ben an Bun­des­jus­tizminis­terin Sabi­ne Leutheus­ser-Schnar­ren­ber­ger ver­langte heute der Vor­sit­zende des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma, Ro­ma­ni Rose, von der Bun­des­regie­rung gesetz­liche Schrit­te zum Verbot diskri­minie­ren­der Wahl­wer­bung. Es müsse im Bundes­wahl­ge­setz und den Wahl­ge­set­zen der Län­der eine aus­drück­liche Rechts­grund­lage dafür geben, dass künftig Wahl­werbe-Mit­tel wie Pla­kate, Flyer u.a., die sich ge­zielt ge­gen Min­der­heiten rich­ten und sie pau­schal aufgrund der Abstam­mung diskri­mi­nie­ren, auf Kosten der Betrei­ber unver­züg­lich aus dem Ver­kehr gezo­gen werden, for­dert der Zentral­rat.

Der Zentralratsvorsitzende hob in seinem Schrei­ben her­vor, dass in Anbe­tracht des hohen Gutes der Mei­nungs­frei­heit gerade in Wahl­kämp­fen klare Maß­nah­men vor­gese­hen werden müss­ten, wenn – wie hier – die Grenzen demo­kra­ti­scher und sach­licher Auseinan­der­setzungen über­schrit­ten werden. Es könne über 60 Jahre nach dem Holo­caust nicht mehr zugelas­sen werden, dass Ange­hörige einer Min­der­heit auf­grund ihrer bloßen Abstam­mung gesell­schaft­lich aus­ge­grenzt wer­den. Der Zentral­rats­vor­sitzende be­tonte, dass derart rechts­staats­feind­liche Par­teien und Prak­tiken in Deutsch­land keinen Platz mehr ha­ben dürften.

Sinti und Roma sähen sich bei den der­zeiti­gen Wahl­kämpfen in Bund und Ländern einer Hetz-Kam­pagne durch die NPD und ver­wandte Grup­pen („Pro NRW“) aus­ge­setzt, die es in diesem Aus­maß bisher nicht gab, schrieb Rose. Bun­des­weit würden Sinti und Roma tau­send­fach mit Pla­katen und Flug­blät­tern be­droht und dif­fa­miert („Geld für die Oma statt für Sinti und Roma“, „Zigeu­nerflut stop­pen!“ mit der Ab­bildung von Waf­fen, wie Pis­tole und Mes­ser). Der Zentral­rat habe in den letzten Tagen hun­derte von Anru­fen besorg­ter Sinti- und Roma-Fa­mi­lien aus ganz Deutsch­land erhal­ten, die wegen der ent­spre­chen­den NPD-Pla­kate, die auf den Schul­wegen ihrer Kinder gerade in den klei­ne­ren Orten mas­siv plaka­tiert sind, emo­tio­nal auf­ge­bracht und unmit­tel­bar betrof­fen sind. Diese öffent­liche Auf­het­zung durch die NPD  löse bei den älte­ren Men­schen, die den Holo­caust über­lebt haben,  wieder mas­sive Ängs­te aus, erklär­te der Zentral­rats­vor­sit­zende. Bis­her seien auch nach den vie­len er­statte­ten Straf­an­zeigen die Be­hör­den nur in einem ein­zi­gen Aus­nahme­fall tätig gewor­den, ansons­ten herrsche eher Hilf­losig­keit und Un­sicher­heit vor. Auf­grund des volks­ver­hetzen­den Cha­rak­ters dieser Wahl­wer­bung seien schon jetzt recht­liche Schritte zum Ein­schreiten mög­lich und erfor­der­lich, schrieb Rose an die Bun­des­justiz­minis­terin.

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Gießens Antwort auf NPD-Hetze says:

    September 15th, 2013 at 09:11 (#)

    [...] die jüngste NPD-Plakatpropaganda gegen die Volksgruppe der Sinti und Roma auf juristischem Weg zu stoppen, geht ein überparteiliches Bündnis von Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung in Gießen [...]