Archive for August, 2017

Rassistischer Polizeivortrag in Berlin

August 31st, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Koschyk und Rose in Berlin (Foto: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma er­hebt schwe­re Vor­wür­fe: Polizei schürt am ‚Tag der of­fe­nen Tür‘ im deut­schen Bun­des­mi­nis­te­rium des In­nern Vor­ur­teile ge­gen Sinti und Roma

Als unerträglich und gleichzeitig als einen Spie­gel des noch im­mer tief ver­wur­zel­ten anti­ziga­nis­ti­schen Denkens in eini­gen deut­schen Polizei­be­hör­den be­zeich­net es der Vor­sitzende des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma, Romani Rose, dass im Bun­des­minis­te­rium des Innern wäh­rend des ‚Tags der of­fenen Tür‘ am 26. und 27. Au­gust dieses Jahres ein mas­siv anti­ziganis­ti­scher Vortrag di­rekt neben dem ge­mein­sa­men Stand des Min­der­heiten­rates statt­fand. Auf Ein­ladung des Be­auftrag­ten für die natio­na­len Min­der­heiten, Hartmut Koschyk, und des Bundes­innen­minis­te­riums hatte zu­vor Romani Rose ein zentra­les State­ment auf dem ‚Tag der of­fenen Tür‘ ab­ge­ge­ben. Dabei hatte Romani Rose aus­drück­lich auf die posi­tive Ent­wick­lung der Min­der­heiten­rechte in Deutschland hin­ge­wiesen.

Unter dem Titel „Vorsicht Langfinger! Wie Taschendiebe trick­sen und Sie Ihnen die kri­mi­nel­le Tour erfolg­reich ver­miesen kön­nen!“ wurde von der Berliner Di­rek­tion der Bundes­polizei durch Sven Lichtenberg vor­ge­tra­gen, dass Roma als „Ver­br­echer-Clans or­ga­ni­siert“ seien und als „kri­mi­nelle Groß­familien durch Europa zie­hen“. Der Ver­tre­ter der Bundes­polizei führte in seinen Aus­füh­run­gen außer­dem aus, dass jede Ethnie, Nord­afri­ka­ner oder Polen, „ihre eige­ne kri­mi­nelle Me­tho­de“ habe.

Ein derart rassistischer Vortrag im Bundesministerium des In­nern be­schä­di­ge nicht nur die Polizei in Deutsch­land, son­dern auch das An­sehen des Bun­des­minis­te­riums des In­nern als demo­kra­ti­scher Be­hör­de, die den Prin­zi­pien unseres Rechts­staats ver­pflich­tet sind, er­klär­te dazu heute Romani Rose.

„Es ist ein wirklich unglaublicher Vorgang, dass am Tag der of­fe­nen Tür im Bun­des­minis­te­rium des Innern, an dem viele Ini­tia­ti­ven gegen Extre­mis­mus und Rassismus auf­tre­ten und ins­beson­dere die natio­nalen Minder­heiten an einem ge­mein­sa­men Stand über die An­liegen und die Bei­träge der Minder­heiten zur deutschen und euro­päi­schen Werte­gemein­schaft infor­mie­ren, gleich­zeitig die Bundes­polizei im Stil längst ver­gangen ge­glaub­ter Zei­ten Kli­schees und Vorurteile pau­schal ge­gen Minder­heiten er­heben“, so Rose.

Dieser Vorgang stellt den Dialog zwischen den nationa­len Minder­heiten und der Mehrheits­gesell­schaft in Frage und unter­gräbt das Ver­trauen in den demo­kra­ti­schen Rechts­saat, so Rose. Der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma wen­det sich wegen dieser An­ge­le­gen­heit des­halb auch mit einem direk­ten Schrei­ben an Bundes­innen­minis­ter Thomas de Maizière.

(Text: Pressemitteilung des Zentralrats)

Alles gut – Ankommen in Deutschland

August 30th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung

Neu in der Hamburger Schule: Djaner aus Mazedonien (Foto: ARD)Dokumentarfilm von Pia-Luisa Lenz
95 Min., Deutschland 2017
HEUTE: Das Erste, 30.8.2017, 23:15 Uhr

Im Spätsommer 2015 spalten drei Worte ein ganzes Land: Wir schaf­fen das. Mil­lio­nen Bun­des­bürger en­ga­gie­ren sich für Asyl­be­werber. Anders­wo brennen die Flücht­lings­heime, die Frem­den­feind­lich­keit nimmt zu und die Regie­rung strei­tet über Ober­grenzen und Sprach­kurse für Ge­flüch­tete. Will­kom­mens­kultur stand ges­tern im Mittel­punkt, nun geht es um Integration und die Fra­ge, wie sie ge­lin­gen kann. Der 95-minütige Dokumentarfilm „Alles gut – Ankommen in Deutschland“ er­zählt von zwei Kindern, die zu dieser Zeit mit ihren Fa­mi­lien nach Deutsch­land ka­men: Djaner, 7, aus Mazedonien und Ghofran, 11, aus Syrien. Ihre Flucht endete in Hamburg, im gut­bür­ger­li­chen Stadt­teil Othmarschen. Aber wie fin­den sich die bei­den in ih­rem neu­en Leben zu­recht?

Zwischen Hoffnung und Unsicherheit

Djaner ist mit seinem Bruder Mahmud und seiner depres­si­ven Mutter vor Armut und Dis­kri­mi­nie­rung davon­ge­lau­fen. An seinem ers­ten Tag an einer deut­schen Grund­schule geht für den Roma-Jungen ein Traum in Er­füllung. In seiner Heimat be­deu­tete Schule für ihn Angst vor Schlä­gen. Hier will Djaner dazu­ge­hören, wie Hun­dert­tau­sende an­de­re Flücht­lings­kinder, die in Deutsch­land plötz­lich be­schult wer­den.

Read the rest of this entry »

RomaRespekt #1: Rap gegen Abschiebung

August 29th, 2017  |  Published in Musik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #1: Rap gegen Abschiebung – Kefaet, Selamet und Hikmet Prizreni

Sendung vom 7.11.2015: In der ersten Aus­ga­be von Radio RomaRespekt hört Ihr ein Inter­view und Musik von den drei Brüdern Kefaet, Selamet und Hikmet Prizreni. Die drei sind Hip-Hop-Artists und rap­pen gegen Rassis­mus. Sie sind in Deutschland auf­ge­wach­sen. Zwei von ihnen sind in den Kosovo ab­ge­scho­ben wor­den und nach vier Jahren zurück nach Deutsch­land ge­flüch­tet. Dem drit­ten, Hikmet, steht dieses Schick­sal ver­mut­lich bald bevor (wir berichteten). Ihr musi­ka­li­sches Schaf­fen stel­len sie im­mer wieder in den Zu­sam­men­hang zu Kämpfen von Roma und Romnja für Bleiberecht und ge­gen Ab­schie­bun­gen. Wei­tere In­for­ma­tio­nen: Free Hikmet (Anm.: Stand Dez. 2015)

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Update, dROMa-Red.:
Selami Prizreni wurde am 16. Mai 2017 neuer­lich in den Kosovo ab­ge­scho­ben. Nur wenige Tage später hätte der Roma-Ak­ti­vist (Selami hat die Initia­tive „Roma Art Action“ mit­be­gründet) beim NSU-Tribunal in Köln dabei sein sol­len. Read the rest of this entry »

Fünf Jahre Denkmal in Berlin

August 28th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)

»Every Day is Romaday!«
Konferenz zur Teilhabe von Roma und Sinti in Deutsch­land (Berlin, 22. No­vem­ber 2017)

Im Herbst 2017 jährt sich die Einweihung des Denkmals für die im National­sozia­lis­mus er­mor­­de­­ten Sinti und Roma Europas zum fünf­ten Mal. Die deutsche Bun­des­­kanz­lerin unter­­strich da­mals in ihrer Rede: »Sinti und Roma müs­sen auch heute um ihre Rechte kämpfen. Des­halb ist es eine deutsche und eine euro­­päi­­sche Auf­gabe, sie dabei zu unter­­stützen, wo auch immer und inner­­halb wel­cher Staats­gren­zen auch immer sie leben.«

Antiziganistische Vorurteile sind in der deutschen Gesell­schaft nach wie vor tief ver­ankert: Zuletzt zeigte 2016 die Studie »Die ent­hemmte Mitte« der Uni­ver­si­tät Leipzig, dass 57,8% der Be­frag­ten ein Problem damit hätten, wenn Sinti und Roma in ihrer Nähe wohnen wür­den. Knapp 50% wol­len Sinti und Roma aus den Innen­städten ver­bannen. Zur Über­windung dieser Dis­krimi­nie­rung wurde das Bündnis für Soli­darität mit den Sinti und Roma Europas ge­grün­det, das mit der Unter­stützung des deut­schen Bun­des­pro­gramms »Demokratie leben!« des Bun­desministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Mitt­woch, den 22. No­vem­ber 2017, in Berlin eine Konferenz ver­an­staltet, um die in Deutschland bis­her um­ge­setz­ten Anti­dis­krimi­nie­rungs­maß­nahmen auf­zu­zeigen.

Unter dem Titel »Every Day is Romaday! Dialog mit Politik, Be­hör­den und Bildungs­ein­rich­tun­gen in Deutsch­land« wer­den Arbeits­ergeb­nisse prä­sen­tiert und Hand­lungs­empfeh­lun­gen für wei­ter­hin not­wen­dige Ver­än­de­run­gen ent­wickelt. Landes­fachtage und Schul­work­shops fin­den hierzu bereits ab Juli in den Bundes­ländern statt. Die Akteure und Akteu­rin­nen in den Kom­mu­nen und Vereinen wol­len eine Ab­schluss­er­klä­rung mit kon­kre­ten Forde­run­gen zur Bekämp­fung des Antiziganismus ent­wickeln und an die neue Bun­des­regie­rung über­geben.

Erwartet werden 300 Gäste aus dem gesamten Bundes­gebiet. Ta­gungs­orte sind von 12.30 bis 20.00 Uhr die Parochial­kirche und das Palais Podewil in Berlin-Mitte.

Read the rest of this entry »

Lichtenhagen: Die Roma, ein blinder Fleck

August 27th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Interview, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

"Lichtenhagen im Gedächtnis"Der Historiker Martin Arndt koordiniert beim Rostocker Verein Soziale Bildung e.V. das Projekt „Lichtenhagen im Gedächtnis“, ein von der Stadt Rostock finan­zier­tes Archiv- und Ver­mitt­lungs­projekt zu den ras­sis­ti­schen Aus­schrei­tun­gen vor dem „Sonnen­blumen­haus“ vor 25 Jahren (mehr hier). Velten Schäfer (Neu­es Deutschland) sprach mit ihm über die Schwie­rig­keiten, die Gewalt­aus­brüche des Som­mers 1992 zu re­konstru­ie­ren. Wir bringen im Fol­gen­den einen Aus­zug; das un­ge­kürzte Inter­view fin­den Sie hier.

„Den Ausgangspunkt bildeten kleine, private »Archive« von Bür­gerin­nen und Bürgern, die damals ge­sam­melt haben, was ihnen in die Hände kam – das sind natür­lich zu­nächst oft Medien­dokumente, schwer­punkt­mäßig aus den loka­len Zeitungen. Die Flugblätter, die da­mals von den Rechten in Um­lauf ge­bracht wur­den und die von der Gegen­seite. Wir haben alle Unter­lagen aus dem da­mali­gen Alter­na­ti­ven Jugend­zentrum über­nom­men, darun­ter ist eine zeit­ge­nös­si­sche Chrono­lo­gie der Er­eig­nisse. (…) Es gehört zu den Zielen unseres Projekts, die Perspektiven der Betrof­fe­nen re­konstru­ie­ren zu helfen. Dazu gibt es bereits An­sätze. Vor fünf Jahren hat etwa die Hein­rich-Böll-Stif­tung eine Reihe von Zeitzeugen­interviews auf­ge­zeich­net, mit da­mali­gen Bewohnern des Heims für viet­name­si­sche Vertrags­arbeiter (…) und mit Gegen­aktivisten. Wäh­rend viele viet­name­sische Zeit­zeugen noch in der Stadt sind und mit dem nach den Ereig­nissen ge­grün­deten Verein Diên Hông auch eine Adresse haben, ist es sehr schwie­rig, Stim­men der dama­ligen Roma-Flücht­linge zu fin­den, gegen die sich die rassis­tische Mobil­ma­chung zuerst ge­rich­tet hatte. Viele von diesen kamen aus Rumänien und wur­den nach dem ent­spre­chen­den Ab­kom­men vom Sep­tem­ber 1992 zurück­gebracht. Ihre indi­vi­duel­len Blick­winkel sind bisher tat­säch­lich ein blinder Fleck. Immer­hin spielen Roma als Gruppe inzwi­schen eine größere Rolle in der Erinnerung. Am Diens­tag­abend [nahm] mit Romani Rose vom Zentral­rat der Sinti und Roma erst­mals ein Ver­tre­ter der Roma an einer Gedenk­ver­ans­tal­tung [teil].

Read the rest of this entry »

Facts & Figures (172)

August 26th, 2017  |  Published in Facts & Figures

Die Lebenserwartung der Irish Tra­vel­lers liegt ca. 15 (Män­ner) bzw. 12 Jah­re (Frau­en) un­ter je­ner der iri­schen Ge­samt­be­völ­ke­rung.

(Quelle)

25 Jahre Rostock-Lichtenhagen

August 25th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Deutschland im August 1992: Pogrom in Rostock-Lichtenhagen (Foto: Vor 25 Jahren tobte in Rostock-Lichtenhagen ein rassis­ti­scher Mob. Über Tage hin­weg griffen im August 1992 hun­derte An­wohner und Neonazis eine Asyl­ein­richtung und ein Aus­länder­wohn­heim an­, meh­rere Gebäude gin­gen in Flam­men auf. Begonnen hat all dies mit einer rassis­ti­schen Kam­pagne gegen Roma-Flücht­linge aus Ru­mä­nien. Bei der Gedenk­feier in Rostock sprach auch Romani Rose, Vor­sitzen­der des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma. Wir do­ku­men­tie­ren im Fol­gen­den seine Rede.

Bei den Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen han­delte es sich um die mas­sivsten fremden­feindlich moti­vier­ten Über­griffe der deut­schen Nach­kriegs­ge­schichte. Wir wis­sen heute, 25 Jahre danach, dass das Pogrom eben kein ,,aus dem Ruder ge­lau­fe­ner Protest“ war, wie damals be­haup­tet wurde. Son­dern hier sollte ein von Nazis lange vor­berei­te­tes, mör­de­ri­sches Signal gegen Flücht­linge und Aus­länder ge­ge­ben werden.

Das Pogrom von Lichtenhagen fiel in eine Zeit kurz nach der Auf­lö­sung der DDR, in der in Rostock sehr viele Men­schen arbeits­los waren. Viele Ein­wohner hatten jede Zukunfts­perspek­tive ver­loren. Gleich­zeitig kamen 1992 hundert­tau­sende Flücht­lin­ge nach Deutschland, um hier Asyl zu be­an­tra­gen. Die Zentrale Auf­nahme­stelle für Flücht­linge in Rostock-Lich­ten­hagen war wie viele an­dere in dieser Phase völ­lig über­fordert.

Im August 1992 griffen dann hunderte Gewalttäter zuerst die Ge­bäu­de der Zentralen Auf­nahme­stelle, das so­ge­nann­te Sonnen­blumen­haus, und dann den da­neben ste­hende Wohn­block viet­na­me­si­scher Fa­mi­lien mit Steinen und Molotow-Cock­tails an. Die Gewalt zog sich über meh­rere Tage hin­weg, be­gleitet von Fern­sehen und Medien, wäh­rend die Polizei taten­los zu­schaute.

Tausende Anwohner und Schaulustigen bejubelten die ge­walt­sa­men Angriffe der Nazis. Mehr als 100 Men­schen ent­gingen nur knapp dem Tod in den Flammen. Die Fernseh­bilder mit den bren­nen­den Wohn­gebäu­den sind in unser kol­lek­ti­ves Gedächt­nis ein­ge­gan­gen. Dabei gerät leicht in Ver­ges­sen­heit, dass der Es­ka­la­tion ein zu­neh­mend aggres­si­ver Rassismus in den Me­dien und in der Politik voraus­ging.

Die bereits Tage vorher angekündigte Gewalt rich­te­te sich zuerst ge­gen Roma-Flüchtlinge aus Rumänien, die tage- und wo­chen­lang vor der Zentra­len Auf­nahme­stelle unter men­schen­un­wür­di­gen Be­din­gun­gen und ohne jede Ver­sorgung im Freien kam­pieren muss­ten. Durch die be­usst herbei­geführten un­hygie­ni­schen Zu­stände sollte den Flücht­lingen die Würde und damit das Mensch­sein ab­gespro­chen werden. Aus dieser un­halt­baren Situa­tion ent­wickelte sich die aggres­sive Stim­mung vor Ort fast zwangs­läufig. Die Ostsee-Zeitung berichtete vier Tage vor dem Gewalt­exzess über direkte Drohungen gegen Roma. In einem anony­men Anruf an die Zeitung hieß es (Zitat) ,,Die Roma werden auf­ge­klatscht“. Read the rest of this entry »

Frankreich: Gemeinden verweigern Einschulung

August 24th, 2017  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

"Schule für alle!" - Kampagne für das Recht auf Bildung der Roma-Kinder (Foto: La Maison des Potes)SOS Racisme testete französische Gemeinde­äm­ter. Tau­­sen­de Ro­ma-Kin­der ohne Zu­gang zum Schul­sys­tem.

Jede fünfte Gemeinde in Frankreich ver­wei­gert Roma-Kindern den Schul­besuch. Das ist das Ergeb­nis eines Experi­ments, das die fran­zö­si­schen Men­schen­rechts-NGO SOS Racisme im Vorjahr durch­führte. Mit­arbei­ter der Organi­sa­tion hat­ten stich­proben­artig bei zwanzig Gemeinde­ämtern an­ge­rufen und sich als Eltern eines Mäd­chens aus einer Roma-Behelfs­sied­lung aus­ge­ge­ben, das in die ört­li­che Schule ein­geschrie­ben wer­den soll. Man gab an, sich zu diesem Zweck über die nöti­gen Unter­lagen er­kun­di­gen zu wollen.

Nur in acht der zwanzig kontaktierten Kom­mu­nen gaben die für Schul­fragen zu­stän­di­gen Gemeinde­mit­arbei­ter am Telefon kor­rekt Aus­kunft über die Mög­lich­kei­ten der Ein­schulung auch ohne amt­liche Melde­adresse. Vier Gemeinden teilten den Anrufern jedoch mit, dass eine Ein­schu­lung des Mädchens aus­ge­schlos­sen sei, weil die Be­woh­ner der Roma-Sied­lung keine gül­tige Melde­papiere vor­weisen könn­ten. Für SOS Racisme ein klarer Fall von Dis­kri­mi­nie­rung, gilt doch für alle in Frankreich le­ben­den Kinder von sechs bis sech­zehn Jahren die gesetz­li­che Schul­pflicht, und zwar un­ab­hän­gig vom Vor­liegen einer regu­lä­ren Melde­be­schei­ni­gung.

Acht weitere Gemeinden vertrösteten die Anru­fer auf einen spä­te­ren Zeit­punkt. Die An­ge­legen­heit müsse bei einer per­sön­li­chen Vor­sprache im Ge­meinde­amt be­han­delt wer­den, man werde dann „sehen, was man tun kann“. In diesen Fäl­len könne, so SOS Racisme, eine spä­tere diskri­mi­nie­rende Falsch­aus­kunft bzw. eine rechts­widri­ge Ab­wei­sung des Mäd­chens, nicht aus­ge­schlos­sen werden. Read the rest of this entry »

„Broken Silence“ (2013)

August 23rd, 2017  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Teil 2: https://vimeo.com/63692450

Dokumentarfilm von Bob Entrop und Orhan Galjus, 85 Min.

Der Radioreporter Orhan Galjus, geboren im Kosovo, reist durch Deutsch­land, Polen und das Kosovo. Er will wis­sen, warum die Sinti und Roma so lange über den Holocaust ge­schwie­gen haben. Orhan spricht mit deut­schen Sinti, die Auschwitz über­lebt haben, und reist zu wenig be­kannten pol­ni­schen Gedenk­stätten. Mit dem Fort­gang der Ge­schichte ent­faltet sich das innere Drama des Prota­gonis­ten: Er be­fürch­tet, dass künf­tige Ge­ne­ra­tio­nen von ihren Wurzeln ent­frem­det werden. Was müs­sen sie tun, um Gehör zu finden? Warum ver­leug­nen viele ihre Herkunft? Sieht ins­be­son­dere die junge Generation die Paral­le­len zwi­schen der histo­ri­schen Ver­folgung und Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung in der Gegen­wart?

HELP: E-Learning-Kurs für Rechtsberufe

August 22nd, 2017  |  Published in Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

HELPAus- und Fortbildungskurs für Angehörige der Rechts­berufe auf dem Ge­biet der Mensche­nrechts­nor­men in der EU

>>HELP: www.coe.int/en/web/help/home

Das HELP-Programm ist das umfangreichste Trainings­pro­jekt zum Thema Grundrechte für Richter und Rich­terin­nen, Staats­anwälte und Staats­an­wäl­tin­nen und Rechtsanwälte und Rechts­an­wäl­tin­nen aus den EU-Mit­glieds­staa­ten. Die­ser Kurs wur­de im Rah­men des Euro­päi­schen Pro­gramms zur Aus- und Fort­bildung von An­gehö­ri­gen der Rechts­berufe auf dem Gebiet der Menschen­rechts­normen in den 28 EU-Mit­glieds­staaten (European Pro­gramme on Human Rights Education for Legal Pro­fes­sio­nals: „HELP”) ent­wickelt. Es han­delt sich dabei um ein Pro­gramm des Europa­rates, das von der Euro­päi­schen Union finan­ziert wird.

Der Kurs behandelt auf interaktive Weise die wesent­lichen Grund­lagen des euro­päi­schen Sys­tems zur Ver­hin­de­rung von Dis­kri­mi­nie­rung. Ziel dieses Kurses ist, An­ge­hö­ri­ge von Rechts­berufen bei der Um­setzung der Euro­päi­schen Menschen­rechts­konvention, der Euro­päi­schen Sozial­charta und er EU-Charta der Grund­rechte sowie der EU-Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­richt­linien in der täg­li­chen Praxis zu unter­stützen. Sie werden wei­ters mit der ein­drucks­vollen Samm­lung von Urteilen und Ent­schei­dungen des Euro­päischen Gerichts­hofs für Menschen­rechte (EGMR) und mit den Ent­schei­dun­gen und Schluss­fol­gerun­gen des Euro­päischen Aus­schus­ses für soziale Rechte ver­traut ge­macht.

Der Kurs besteht aus zwei Haupt­modulen, einem über Rassismus und Fremden­feind­lich­keit und einem zwei­ten über Homophobie und Trans­phobie. Beide The­men be­han­deln die Themen Hass­reden und Hass­verbrechen.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind ein weit­ver­brei­tetes Problem im heuti­gen Europa. Unser Modul setzt sich mit den zu­grun­de lie­genden Frage­stel­lun­gen auseinan­der und be­schäf­tigt sich auch mit der Be­kämpfung von Verhetzung und Hass­reden – ein Be­reich, zu dem die Euro­päi­sche Kom­mis­sion gegen Ras­sismus und In­tole­ranz (ECRI) eine richtungs­wei­sende Em­pfeh­lung ab­ge­ge­ben hat. Der Kurs behandelt schwerpunktmäßig auch den Schutz der Roma, der größten eth­ni­schen Min­der­heit in der EU.

Read the rest of this entry »

Roma-Binnenflüchtlinge in der Ukraine

August 21st, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Ukraine: Zerstörtes Wohnhaus in der Donbass-Region (Foto: Ліонкінг/Wikimedia)Rund 50.000 Roma leben in der Ukraine. Der Konflikt im Donbas-Ge­biet in Osten bzw. die rus­si­sche An­nexion der Krim machte viele von ihnen zu Flüchtlingen, die in ande­ren Landes­teilen der Ukraine eine neue Hei­mat suchen. Vieler­orts stoßen sie aber auf Ab­leh­nung, viele Roma-Flücht­linge leben auch noch Jahre nach ihrer Flucht, von humani­tä­ren Hilfs­gütern. Ein Gast­artikel von Anastasia Kanareva und Bogdan Kinashchuk (Hromadske) im Internet­ma­ga­zin TOL schil­dert, wie schwer es ihnen die ver­brei­tete Roma­feind­lich­keit macht, anders­wo Fuß zu fassen. Laut einer Umfrage des Nationalen Soziologie­insti­tuts der Ukraine ran­gie­ren die Roma in der Sym­pathie­liste als un­be­lieb­teste Minder­heit auf dem letzten Platz. Immer wieder kommt es zu Ver­trei­bun­gen und pogrom­ar­ti­gen Vor­fällen (mehr hier, hierhier, hierhier und hier). „Die Roma, die von der ATO („Anti-Terrorist Ope­ra­tion“ in Donezk und Luhansk) in andere Re­gio­nen geflo­hen sind, sind mit einem großen Aus­maß an Dis­kri­mi­nie­rung kon­fron­tiert“, be­rich­tet Zola Kondur, Rechts­anwalt und Mit­arbei­ter der Chirikli Foun­da­tion. „Für sie ist es viel schwie­ri­ger als für an­dere inter­ne Flücht­linge. Es ist schwie­ri­ger, eine Wohnung oder eine Arbeit zu fin­den, und 20 bis 30 Pro­zent von ihnen haben keine offiziel­len Do­ku­mente, was be­deutet, dass nicht alle den Ämtern gegen­über be­wei­sen können, dass sie tat­säch­lich in der ATO-Zone ge­lebt ha­ben. Viele huma­ni­tä­re Or­ga­ni­sa­tio­nen, die mit ver­setz­ten („displaced“) Per­sonen arbei­ten, betrach­ten Roma aber den­noch nicht als eine spe­zi­fi­sche Ziel­gruppe.“
>>Mehr hier.

(dROMa)

Siehe auch:
Angriff auf Roma-Siedlung in Kiew, 29.4.2017
Roma-Siedlung in Kiew niedergebrannt, 22.4.2017
Pogrom gegen Roma in der Ukraine, 29.8.2016
Ukraine: Gewalt gegen Roma eskaliert, 1.5.2014
Ukraine: Übergriffe auf Roma, 24.4.2014
Roma-Camp in Kiew niedergebrannt, 20.6.2012

Romni will in den französischen Senat

August 19th, 2017  |  Published in Politik

Anina Ciuciu, Senatorin in spe (Foto: J.-C. Meyer)Die 27-jährige Juristin, Buchautorin und Menschen­rechts­akti­vis­tin Anina Ciuciu will bei den fran­zö­si­schen Senats­wahlen am 28. September im Wahl­kreis Seine-Saint-Denis kandidieren. Hat sie Erfolg, wäre dies für Frank­reichs Roma eine kleine Sen­sa­tion: Die aus Rumä­nien stam­men­de angehende Anwältin wäre die ers­te Romni im Senat.

Ciuciu hat sich ihren Weg hart erkämpft. 1990 im rumänischen Craoiva ge­boren kam sie mit ihren Eltern, einem ehema­li­gen Buch­halter und einer Kranken­pflegerin, für die der Zusammen­bruch des Kom­mu­nis­mus Arbeits­losigkeit und Armut be­deu­tete, nach Italien. Vorübergehend lebte die Familie in Roms bekanntem Roma-Camp „Casilino 900“. Als Sieben­jährige gelangte Anina Ciuciu dann nach Frankreich. In Bourg-en-Bresse, nord­öst­lich von Lyon, lebte die Familie in Behelfs­unter­künf­ten. Ihre Mutter muss­te auf der Straße betteln, um die Familie über Wasser zu hal­ten. „Es ist sehr er­niedri­gend zu bet­teln. Ich habe meine Mutter fast jede Nacht weinen ge­sehen. Das hat sich mir für immer ein­ge­brannt. Sie hat das für meine Schwes­tern und mich gemacht.”

Mit Hilfe einer Lehrerin, die die Familie auf der Straße an­sprach, fand die Familie schließ­lich den Weg aus dem Elend. „Ihr hat­ten wir es zu ver­danken, dass wir die Schule be­suchen konnten. Die Ge­meinden ver­langen für die Einschulung oft die Vor­lage von Melde­bestä­ti­gun­gen für die Wohn­adresse, auch wenn das illegal ist. Die Leh­re­rin, Jacqueline De La Fontaine, hat uns eine solche ge­ge­ben.“ Die vier Kinder konn­ten so die Schule be­suchen und die Familie ihren Auf­ent­halts­status legali­sieren. „Es ändert alles, wenn man zur Prä­fektur geht und dabei von einer Person be­gle­itet wird, die Fran­zösisch spricht. Aber der Zu­gang zu seinen Rechten sollte nicht davon ab­hän­gen, dass man einer sol­chen Person be­geg­net ist. Das ist Auf­gabe der Insti­tu­tionen.“

Anina war ein brillante Schülerin: „Ich war fest ent­schlossen zu zeigen, wozu Roma fähig sind. Anfangs war das un­bewusst. Und dann hat mich der Spott meiner Schul­kamera­den weiter be­stärkt.“ Nach dem Studium an der Sorbonne wur­de Anina Ciuciu nun vor einem Jahr als Anwalts­an­wär­te­rin in die Rechts­anwalts­kammer von Paris (Barreau de Paris) auf­genommen: „Zuerst wollte ich als Richterin arbeiten, aber deren Aufgabe ist es, das Gesetz durch­zu­setzen. Was ich hin­gegen wollte, war, die Schwa­chen zu ver­teidigen.“ Read the rest of this entry »

„An den Grenzen der Hoffnung“ (2016)

August 18th, 2017  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Karl-Franzens-Universität GrazJohanna Westermaier (2016): An den Grenzen der Hoffnung. Ethnographie eines Arbeits­markt­in­te­gra­­tions­pro­jek­tes für Roma/Romnija

Masterarbeit (MA), Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Volkskunde und Kultur­anthro­­pologie), 95 S.

→Download der UB Graz (pdf)

Einleitung (S. 1-3):

Die Masterarbeit beschäftigt sich mit einem Arbeits­markt­integra­tions­pro­jekt für Roma und Romnija in der Steiermark. Das Pro­jekt, das von einer NGO in Ko­ope­ra­tion mit an­de­ren NGOs und Roma-Selbst­vertreter­vereinen über einen Zeit­raum von drei Jahren durch­geführt wird, (…) baut auf drei zentra­len Säulen auf: Arbeits­markt­integra­tion, Empower­ment und Öf­fent­lich­keits- und Bildungs­arbeit. Ziel ist es, über Bera­tung und Betreu­ung, Deutsch- und Qua­li­fi­zie­rungs­kurse sowie durch Ver­mitt­lung, die Chancen der teil­neh­men­den Roma/Rom­nija auf dem ers­ten Arbeitsmarkt in Österreich deut­lich zu er­hö­hen. Mit­hilfe von Empower­ment-Work­shops und der Zusammen­arbeit mit bereits beste­hen­den Ro­ma-Selbst­ver­tre­ter­vereinen soll Dis­kri­mi­nie­rung ent­gegen­gewirkt wer­den. Über Öf­fent­lich­keits- und Netzwerk­arbeit sol­len einer­seits existie­rende Vor­urteile in der Mehr­heits­bevöl­kerung ab­ge­baut und andererseits ein Netz­werk an Unter­stützerIn­nen, auch in Form von po­ten­tiel­len Arbeit­gebern, auf­ge­baut werden.

Über einen Zeitraum von sechs Monaten begleitete ich das Pro­jekt in Form einer Feld­forschung. (…). Ziel war es, einen kultur­anthro­po­lo­gi­schen Blick auf die Rolle dieses Arbeits­markt­integra­tions­pro­jek­tes vor dem Hinter­grund kultu­rel­ler Trans­for­ma­tions­pro­zesse zu rich­ten, die Innen­sicht der ver­schie­de­nen AkteurIn­nen zu er­hal­ten und mit­hilfe ethno­graphi­scher Metho­den zu er­fas­sen und aus­zu­wer­ten. Dabei galt es, die insti­tu­tio­nel­len, staat­lichen, ideo­lo­gi­schen und kultu­rel­len Struk­turen, in welche das Projekt un­wei­gerlich ein­ge­bunden ist, im Hin­blick auf deren ein­schrän­kende und er­mög­li­chende Funk­tio­nen zu analy­sieren. Um diese Strukturen, die den Mög­lich­kei­ten des Pro­jektes Gren­zen setzen, er­sicht­lich zu ma­chen, stelle ich die Perspek­tive der Mit­arbei­terIn­nen der der Teil­neh­merIn­nen gegen­über. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (171)

August 16th, 2017  |  Published in Facts & Figures

Laut einem Be­richt der EU-Kom­mis­sion ist das Ar­muts­ri­si­ko für Ro­ma in Tsche­chien sechs­mal so hoch wie für Nicht-Ro­ma.

(Quelle)

„Roma Armee“ im Gorki-Theater

August 14th, 2017  |  Published in Film & Theater

GorkiMaxim Gorki Theater, Berlin:
Uraufführung am 14.9.2017
Weitere Termine: 15., 16., 17.9.2017 (Vorverkauf)

Die Geschichte der Roma ist eine der Verfolgung, Ausgrenzung und Dis­kri­mi­nie­rung. Die An­er­ken­nung des Völkermords wäh­rend des National­sozia­lis­mus er­folgte spät. Auch heute werden Roma Opfer von Hass­ver­bre­chen in Ungarn, Tschechien oder Deutschland. Anti­ziga­nis­ti­sche Bilder werden in den Medien re­pro­du­ziert und ein Diskurs über ver­meint­liche Armuts­migrant/in­nen schürt Ressen­ti­ments. Das Maxim Gorki Theater Berlin will in diese rassistischen Pro­jek­tio­nen der Mehr­heits­gesell­schaft inter­venie­ren und Roma in künst­le­ri­schen Werken sicht­barer ma­chen. „Roma Armee“ ist Manifest, Theaterstück, Selbst­ermäch­ti­gung und An­griff. Die Idee des Stücks geht auf die Schwestern Simonida und Sandra Selimović zu­rück. Die bei­den Romnija aus Serbien leben in Österreich und orien­tie­ren sich in ihren Aktio­nen an der Wiener Gruppe, sie arbei­ten situa­tio­nis­tisch und aktio­nis­tisch. Gemein­sam mit der israeli­schen Regis­seurin Yael Ronen sowie weite­ren Roma-Schau­spieler/in­nen ent­wickeln sie das Stück. Nach Recher­chen wie dem Besuch histori­scher Orte oder von Gerichts­sälen, in denen über die Abschiebung von Roma-Fa­milien be­funden wird, ent­steht im kollek­tiven Arbeits­prozess nach und nach die „Roma Armee“.

Künstlerische Leitung und Regie: Yael Ronen (IL)
Malerei / Artwork: Damian Le Bas, Delaine Le Bas
Mit Mehmet Ateşçi, Hamze Bytyci, Mihaela Drăgan, Riah May Knight, Lindy Larsson, Orit Nahmias, Sandra Selimović, Simonida Selimović

(Text: Kulturstiftung des Bundes)

In einer Gegenwart, in der Europa droht in Neofaschismen abzudriften, be­ansprucht eine Grup­pe von Schau­spieler*innen eine Roma-Armee zu Selbst­ver­tei­di­gungs­zwecken. Eine schnelle Eingreif­truppe zum Kampf gegen struk­turelle Dis­krimi­nie­rung, Ras­sis­mus und Antiziganismus, aber auch als Eman­zi­pa­tion aus einer inter­na­li­sier­ten Opfer­rolle. Read the rest of this entry »

13. August: Roma-Wallfahrt nach Mariazell

August 11th, 2017  |  Published in Religion, Veranstaltungen & Ausstellungen

MariazellDie traditionelle Roma-Wallfahrt nach Maria­zell fin­det heuer zum 22. Mal statt. Weih­bischof Franz Scharl lei­tet die hei­li­ge Messe. Unter an­de­rem ist er auch Re­ferats­bischof der Ös­ter­rei­chi­schen Bischofs­kon­fe­renz für Roma und Sinti. Roma-Seel­sorger Matthias Platzer und Helmut Schüller sind die Mit­zelebran­ten. Musi­ka­lisch wird die hei­lige Messe vom „David Samer Trio“ be­glei­tet. Das Trio wird am Nach­mit­tag bei einer klei­nen Agape einen Ein­blick in die musi­ka­li­sche Kultur der Roma ge­ben.

Eine Veranstaltung der Roma-Pastoral in Ko­ope­ra­tion mit dem Verein Roma-Service und dem Kultur­verein Öster­rei­chi­scher Roma.

Busabfahrtszeiten Burgenland:
6.00 Uhr: Oberwart (Roma-Siedlung)
Weitere Einstiegsmöglichkeiten:
Hauptplatz Oberwart
Gasthaus Neubauer Oberwart
(Bei Bedarf wird ein Bus von Wien organisiert.)

Infos und Anmeldung:
Manuela Horvath
Roma-Pastoral
Wiener Straße 6/1
7400 Oberwart
Tel.: 0676 / 880 701 721

13to august: 22to Ladipe Cejiste

August 10th, 2017  |  Published in Religion, Veranstaltungen & Ausstellungen

MariazellO tradicijoneli „Ladipe le Romendar Cejiste“ ada bersch, imar o 22to-var kerdo ol. O sen­te­li­mo baro raschaj Franz Scharl i dschel­ni mischa like­rel. Ov te o refe­ra­tis­kero baro raschaj la austri­tika bara rascha­jen­gera kon­fe­ren­ca­tar le Romen­ge taj Sinti­jen­ge hi. O Romen­gero selsor­ge­ri Matthias Platzer taj o Helmut Schüller leha i mischa vo­di­nen. I muschi­ka usi dschel­ni mischa ke­rel o „David Samer Trijo“. I banda, pa­loplane use jek tikno habe, and diki­pe andi muschi­ka­keri kultura le Romen­dar dela.

Jek mulatintschago la Romengera pastora­la­tar andi khe­tani buti le faraj­niha Roma-Service taj le Kultu­ra­kere Fa­raj­­niha le Austri­tike Ro­mendar.

Bejg ladipeskere cajtscha andar o Burgenland:
6.00 orenge: Erbatar (Romengeri sidlung)
Avre and uschtajipeskere schajiptscha:
Scheroskero than Erba
Mojakero Neubauer Erba
(Te ulo, te Betschistar jek bus organisirim schaj ol.)

Informacija taj aun­mej­dinipe:
Manuela Horvath
Romengeri pastoral
Wiener Straße 6/1, 7400 Erba
Har.: 0676 / 880 701 721

Facts & Figures (170)

August 7th, 2017  |  Published in Facts & Figures

Ab 1913 wurden alle in der Schweiz auf­ge­grif­fe­nen aus­län­di­schen „Zi­geu­ner“ in­ter­niert: Män­ner ka­men in die Zwangs­ar­beits­an­stalt Witz­wil, Frau­en und Kin­der in Hei­me.

(Quelle)

KZ Lety: Grünes Licht für Ankauf

August 4th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV

Schweinefarm auf dem KZ-Gelände von Lety(Foto: Romeo.cz)Ehemaliges Roma-KZ Lety in Tschechien: Grünes Licht für Auf­kauf des Mast­be­triebs auf KZ-Areal

>>Anhören: MP3

Der Fall ist inzwischen zum „Evergreen“ des politischen Diskurses in Tschechien ge­wor­den: In Lety bei Písek steht eine Schweine­mast. Genau an diesem Ort be­fand sich während der NS-Be­satzung je­doch ein KZ für Roma. Der Staat könnte den Betrieb nun tat­säch­lich bald auf­kaufen, denn der Eigner der Farm hat am Mon­tag grünes Licht für den Ver­kauf ge­geben.

Um diese Entscheidung wurde lange gerungen: Die Aktio­nä­re des Agrar­kon­zerns AGPI haben auf ihrer Voll­ver­samm­lung am Mon­tag dem Verkauf der Schweine­farm in Lety zu­gestimmt. Der Preis wurde nicht ge­nannt. Das Unter­nehmen ließ zudem eine Studie über die Kosten für einen mög­li­chen Neu­bau der Farm an an­de­rer Stelle aus­ar­bei­ten. Jan Čech ist Vize­vor­sitzender des Vor­stands der Agrar­firma: „Wir haben den Ver­tre­tern des Staats unsere Vor­stel­lun­gen mit­ge­teilt. Ich glaube, dass sie dabei sind, das An­gebot nur noch zu prä­zi­sie­ren und den Kauf dann ab­zu­schließen.“

Der für die Angelegenheit zuständige Kulturminister Daniel Herman (Christ­demokra­ten) er­klärte, er sehe kein Problem mehr auf der Sei­te der Eig­ner des Mast­betriebs. Daniel Herman: „Sie haben offen die Bereit­schaft dazu ge­zeigt, das ganze Gelände dem Staat zu ver­kaufen. Die Regie­rung ver­fügt über alle er­for­der­li­chen Unter­lagen und wird Ende August oder An­fang Septem­ber eine Ent­schei­dung treffen. Nach der Zu­stim­mung der Aktio­nä­re steht einem Kauf­ver­trag nichts mehr im Wege.“

Über den Preis wollte der Kulturminister nicht spre­chen. Er wolle die In­teres­sen des Handels­part­ners nicht ver­letzen, des­sen Ent­gegen­kom­men er schätze, sag­te Herman: „Sämtliche Einzel­heiten wer­den nach der Unter­zeichnung des Kauf­vertrags ver­öf­fent­licht. Ich kann jedoch bestä­ti­gen, dass es sich nicht um derart hohe Geld­sum­men han­delt, wie manche schon spe­ku­liert haben.“

Roma-Aktivisten haben zuvor kritisiert, dass über einen Kauf­preis von meh­re­ren hun­dert Mil­lio­nen Kro­nen für die Schweinemast in Lety spe­ku­liert wur­de. Sie erin­ner­ten daran, dass der vor­heri­ge Eig­ner den Betrieb für nur 3,5 Mil­lio­nen Kro­nen (130.000 Euro) vom Bezirks­amt ge­kauft hatte. Read the rest of this entry »