Archive for August, 2017

Rassistischer Polizeivortrag in Berlin

August 31st, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Koschyk und Rose in Berlin (Foto: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma er­hebt schwe­re Vor­wür­fe: Polizei schürt am ‚Tag der of­fe­nen Tür‘ im deut­schen Bun­des­mi­nis­te­rium des In­nern Vor­ur­teile ge­gen Sinti und Roma

Als unerträglich und gleichzeitig als einen Spie­gel des noch im­mer tief ver­wur­zel­ten anti­ziga­nis­ti­schen Denkens in eini­gen deut­schen Polizei­be­hör­den be­zeich­net es der Vor­sitzende des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma, Romani Rose, dass im Bun­des­minis­te­rium des Innern wäh­rend des ‚Tags der of­fenen Tür‘ am 26. und 27. Au­gust dieses Jahres ein mas­siv anti­ziganis­ti­scher Vortrag di­rekt neben dem ge­mein­sa­men Stand des Min­der­heiten­rates statt­fand. Auf Ein­ladung des Be­auftrag­ten für die natio­na­len Min­der­heiten, Hartmut Koschyk, und des Bundes­innen­minis­te­riums hatte zu­vor Romani Rose ein zentra­les State­ment auf dem ‚Tag der of­fenen Tür‘ ab­ge­ge­ben. Dabei hatte Romani Rose aus­drück­lich auf die posi­tive Ent­wick­lung der Min­der­heiten­rechte in Deutschland hin­ge­wiesen.

Unter dem Titel „Vorsicht Langfinger! Wie Taschendiebe trick­sen und Sie Ihnen die kri­mi­nel­le Tour erfolg­reich ver­miesen kön­nen!“ wurde von der Berliner Di­rek­tion der Bundes­polizei durch Sven Lichtenberg vor­ge­tra­gen, dass Roma als „Ver­br­echer-Clans or­ga­ni­siert“ seien und als „kri­mi­nelle Groß­familien durch Europa zie­hen“. Der Ver­tre­ter der Bundes­polizei führte in seinen Aus­füh­run­gen außer­dem aus, dass jede Ethnie, Nord­afri­ka­ner oder Polen, „ihre eige­ne kri­mi­nelle Me­tho­de“ habe.

Ein derart rassistischer Vortrag im Bundesministerium des In­nern be­schä­di­ge nicht nur die Polizei in Deutsch­land, son­dern auch das An­sehen des Bun­des­minis­te­riums des In­nern als demo­kra­ti­scher Be­hör­de, die den Prin­zi­pien unseres Rechts­staats ver­pflich­tet sind, er­klär­te dazu heute Romani Rose.

„Es ist ein wirklich unglaublicher Vorgang, dass am Tag der of­fe­nen Tür im Bun­des­minis­te­rium des Innern, an dem viele Ini­tia­ti­ven gegen Extre­mis­mus und Rassismus auf­tre­ten und ins­beson­dere die natio­nalen Minder­heiten an einem ge­mein­sa­men Stand über die An­liegen und die Bei­träge der Minder­heiten zur deutschen und euro­päi­schen Werte­gemein­schaft infor­mie­ren, gleich­zeitig die Bundes­polizei im Stil längst ver­gangen ge­glaub­ter Zei­ten Kli­schees und Vorurteile pau­schal ge­gen Minder­heiten er­heben“, so Rose.

Dieser Vorgang stellt den Dialog zwischen den nationa­len Minder­heiten und der Mehrheits­gesell­schaft in Frage und unter­gräbt das Ver­trauen in den demo­kra­ti­schen Rechts­saat, so Rose. Der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma wen­det sich wegen dieser An­ge­le­gen­heit des­halb auch mit einem direk­ten Schrei­ben an Bundes­innen­minis­ter Thomas de Maizière.

(Text: Pressemitteilung des Zentralrats)

Alles gut – Ankommen in Deutschland

August 30th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung

Neu in der Hamburger Schule: Djaner aus Mazedonien (Foto: ARD)Dokumentarfilm von Pia-Luisa Lenz
95 Min., Deutschland 2017
HEUTE: Das Erste, 30.8.2017, 23:15 Uhr

Im Spätsommer 2015 spalten drei Worte ein ganzes Land: Wir schaf­fen das. Mil­lio­nen Bun­des­bürger en­ga­gie­ren sich für Asyl­be­werber. Anders­wo brennen die Flücht­lings­heime, die Frem­den­feind­lich­keit nimmt zu und die Regie­rung strei­tet über Ober­grenzen und Sprach­kurse für Ge­flüch­tete. Will­kom­mens­kultur stand ges­tern im Mittel­punkt, nun geht es um Integration und die Fra­ge, wie sie ge­lin­gen kann. Der 95-minütige Dokumentarfilm „Alles gut – Ankommen in Deutschland“ er­zählt von zwei Kindern, die zu dieser Zeit mit ihren Fa­mi­lien nach Deutsch­land ka­men: Djaner, 7, aus Mazedonien und Ghofran, 11, aus Syrien. Ihre Flucht endete in Hamburg, im gut­bür­ger­li­chen Stadt­teil Othmarschen. Aber wie fin­den sich die bei­den in ih­rem neu­en Leben zu­recht?

Zwischen Hoffnung und Unsicherheit

Djaner ist mit seinem Bruder Mahmud und seiner depres­si­ven Mutter vor Armut und Dis­kri­mi­nie­rung davon­ge­lau­fen. An seinem ers­ten Tag an einer deut­schen Grund­schule geht für den Roma-Jungen ein Traum in Er­füllung. In seiner Heimat be­deu­tete Schule für ihn Angst vor Schlä­gen. Hier will Djaner dazu­ge­hören, wie Hun­dert­tau­sende an­de­re Flücht­lings­kinder, die in Deutsch­land plötz­lich be­schult wer­den.

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RomaRespekt #1: Rap gegen Abschiebung

August 29th, 2017  |  Published in Musik, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #1: Rap gegen Abschiebung – Kefaet, Selamet und Hikmet Prizreni

Sendung vom 7.11.2015: In der ersten Aus­ga­be von Radio RomaRespekt hört Ihr ein Inter­view und Musik von den drei Brüdern Kefaet, Selamet und Hikmet Prizreni. Die drei sind Hip-Hop-Artists und rap­pen gegen Rassis­mus. Sie sind in Deutschland auf­ge­wach­sen. Zwei von ihnen sind in den Kosovo ab­ge­scho­ben wor­den und nach vier Jahren zurück nach Deutsch­land ge­flüch­tet. Dem drit­ten, Hikmet, steht dieses Schick­sal ver­mut­lich bald bevor (wir berichteten). Ihr musi­ka­li­sches Schaf­fen stel­len sie im­mer wieder in den Zu­sam­men­hang zu Kämpfen von Roma und Romnja für Bleiberecht und ge­gen Ab­schie­bun­gen. Wei­tere In­for­ma­tio­nen: Free Hikmet (Anm.: Stand Dez. 2015)

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Update, dROMa-Red.:
Selami Prizreni wurde am 16. Mai 2017 neuer­lich in den Kosovo ab­ge­scho­ben. Nur wenige Tage später hätte der Roma-Ak­ti­vist (Selami hat die Initia­tive „Roma Art Action“ mit­be­gründet) beim NSU-Tribunal in Köln dabei sein sol­len. Read the rest of this entry »

Fünf Jahre Denkmal in Berlin

August 28th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)

»Every Day is Romaday!«
Konferenz zur Teilhabe von Roma und Sinti in Deutsch­land (Berlin, 22. No­vem­ber 2017)

Im Herbst 2017 jährt sich die Einweihung des Denkmals für die im National­sozia­lis­mus er­mor­­de­­ten Sinti und Roma Europas zum fünf­ten Mal. Die deutsche Bun­des­­kanz­lerin unter­­strich da­mals in ihrer Rede: »Sinti und Roma müs­sen auch heute um ihre Rechte kämpfen. Des­halb ist es eine deutsche und eine euro­­päi­­sche Auf­gabe, sie dabei zu unter­­stützen, wo auch immer und inner­­halb wel­cher Staats­gren­zen auch immer sie leben.«

Antiziganistische Vorurteile sind in der deutschen Gesell­schaft nach wie vor tief ver­ankert: Zuletzt zeigte 2016 die Studie »Die ent­hemmte Mitte« der Uni­ver­si­tät Leipzig, dass 57,8% der Be­frag­ten ein Problem damit hätten, wenn Sinti und Roma in ihrer Nähe wohnen wür­den. Knapp 50% wol­len Sinti und Roma aus den Innen­städten ver­bannen. Zur Über­windung dieser Dis­krimi­nie­rung wurde das Bündnis für Soli­darität mit den Sinti und Roma Europas ge­grün­det, das mit der Unter­stützung des deut­schen Bun­des­pro­gramms »Demokratie leben!« des Bun­desministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Mitt­woch, den 22. No­vem­ber 2017, in Berlin eine Konferenz ver­an­staltet, um die in Deutschland bis­her um­ge­setz­ten Anti­dis­krimi­nie­rungs­maß­nahmen auf­zu­zeigen.

Unter dem Titel »Every Day is Romaday! Dialog mit Politik, Be­hör­den und Bildungs­ein­rich­tun­gen in Deutsch­land« wer­den Arbeits­ergeb­nisse prä­sen­tiert und Hand­lungs­empfeh­lun­gen für wei­ter­hin not­wen­dige Ver­än­de­run­gen ent­wickelt. Landes­fachtage und Schul­work­shops fin­den hierzu bereits ab Juli in den Bundes­ländern statt. Die Akteure und Akteu­rin­nen in den Kom­mu­nen und Vereinen wol­len eine Ab­schluss­er­klä­rung mit kon­kre­ten Forde­run­gen zur Bekämp­fung des Antiziganismus ent­wickeln und an die neue Bun­des­regie­rung über­geben.

Erwartet werden 300 Gäste aus dem gesamten Bundes­gebiet. Ta­gungs­orte sind von 12.30 bis 20.00 Uhr die Parochial­kirche und das Palais Podewil in Berlin-Mitte.

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Lichtenhagen: Die Roma, ein blinder Fleck

August 27th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Interview, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

"Lichtenhagen im Gedächtnis"Der Historiker Martin Arndt koordiniert beim Rostocker Verein Soziale Bildung e.V. das Projekt „Lichtenhagen im Gedächtnis“, ein von der Stadt Rostock finan­zier­tes Archiv- und Ver­mitt­lungs­projekt zu den ras­sis­ti­schen Aus­schrei­tun­gen vor dem „Sonnen­blumen­haus“ vor 25 Jahren (mehr hier). Velten Schäfer (Neu­es Deutschland) sprach mit ihm über die Schwie­rig­keiten, die Gewalt­aus­brüche des Som­mers 1992 zu re­konstru­ie­ren. Wir bringen im Fol­gen­den einen Aus­zug; das un­ge­kürzte Inter­view fin­den Sie hier.

„Den Ausgangspunkt bildeten kleine, private »Archive« von Bür­gerin­nen und Bürgern, die damals ge­sam­melt haben, was ihnen in die Hände kam – das sind natür­lich zu­nächst oft Medien­dokumente, schwer­punkt­mäßig aus den loka­len Zeitungen. Die Flugblätter, die da­mals von den Rechten in Um­lauf ge­bracht wur­den und die von der Gegen­seite. Wir haben alle Unter­lagen aus dem da­mali­gen Alter­na­ti­ven Jugend­zentrum über­nom­men, darun­ter ist eine zeit­ge­nös­si­sche Chrono­lo­gie der Er­eig­nisse. (…) Es gehört zu den Zielen unseres Projekts, die Perspektiven der Betrof­fe­nen re­konstru­ie­ren zu helfen. Dazu gibt es bereits An­sätze. Vor fünf Jahren hat etwa die Hein­rich-Böll-Stif­tung eine Reihe von Zeitzeugen­interviews auf­ge­zeich­net, mit da­mali­gen Bewohnern des Heims für viet­name­si­sche Vertrags­arbeiter (…) und mit Gegen­aktivisten. Wäh­rend viele viet­name­sische Zeit­zeugen noch in der Stadt sind und mit dem nach den Ereig­nissen ge­grün­deten Verein Diên Hông auch eine Adresse haben, ist es sehr schwie­rig, Stim­men der dama­ligen Roma-Flücht­linge zu fin­den, gegen die sich die rassis­tische Mobil­ma­chung zuerst ge­rich­tet hatte. Viele von diesen kamen aus Rumänien und wur­den nach dem ent­spre­chen­den Ab­kom­men vom Sep­tem­ber 1992 zurück­gebracht. Ihre indi­vi­duel­len Blick­winkel sind bisher tat­säch­lich ein blinder Fleck. Immer­hin spielen Roma als Gruppe inzwi­schen eine größere Rolle in der Erinnerung. Am Diens­tag­abend [nahm] mit Romani Rose vom Zentral­rat der Sinti und Roma erst­mals ein Ver­tre­ter der Roma an einer Gedenk­ver­ans­tal­tung [teil].

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Facts & Figures (172)

August 26th, 2017  |  Published in Facts & Figures

Die Lebenserwartung der Irish Tra­vel­lers liegt ca. 15 (Män­ner) bzw. 12 Jah­re (Frau­en) un­ter je­ner der iri­schen Ge­samt­be­völ­ke­rung.

(Quelle)

25 Jahre Rostock-Lichtenhagen

August 25th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Deutschland im August 1992: Pogrom in Rostock-Lichtenhagen (Foto: Vor 25 Jahren tobte in Rostock-Lichtenhagen ein rassis­ti­scher Mob. Über Tage hin­weg griffen im August 1992 hun­derte An­wohner und Neonazis eine Asyl­ein­richtung und ein Aus­länder­wohn­heim an­, meh­rere Gebäude gin­gen in Flam­men auf. Begonnen hat all dies mit einer rassis­ti­schen Kam­pagne gegen Roma-Flücht­linge aus Ru­mä­nien. Bei der Gedenk­feier in Rostock sprach auch Romani Rose, Vor­sitzen­der des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma. Wir do­ku­men­tie­ren im Fol­gen­den seine Rede.

Bei den Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen han­delte es sich um die mas­sivsten fremden­feindlich moti­vier­ten Über­griffe der deut­schen Nach­kriegs­ge­schichte. Wir wis­sen heute, 25 Jahre danach, dass das Pogrom eben kein ,,aus dem Ruder ge­lau­fe­ner Protest“ war, wie damals be­haup­tet wurde. Son­dern hier sollte ein von Nazis lange vor­berei­te­tes, mör­de­ri­sches Signal gegen Flücht­linge und Aus­länder ge­ge­ben werden.

Das Pogrom von Lichtenhagen fiel in eine Zeit kurz nach der Auf­lö­sung der DDR, in der in Rostock sehr viele Men­schen arbeits­los waren. Viele Ein­wohner hatten jede Zukunfts­perspek­tive ver­loren. Gleich­zeitig kamen 1992 hundert­tau­sende Flücht­lin­ge nach Deutschland, um hier Asyl zu be­an­tra­gen. Die Zentrale Auf­nahme­stelle für Flücht­linge in Rostock-Lich­ten­hagen war wie viele an­dere in dieser Phase völ­lig über­fordert.

Im August 1992 griffen dann hunderte Gewalttäter zuerst die Ge­bäu­de der Zentralen Auf­nahme­stelle, das so­ge­nann­te Sonnen­blumen­haus, und dann den da­neben ste­hende Wohn­block viet­na­me­si­scher Fa­mi­lien mit Steinen und Molotow-Cock­tails an. Die Gewalt zog sich über meh­rere Tage hin­weg, be­gleitet von Fern­sehen und Medien, wäh­rend die Polizei taten­los zu­schaute.

Tausende Anwohner und Schaulustigen bejubelten die ge­walt­sa­men Angriffe der Nazis. Mehr als 100 Men­schen ent­gingen nur knapp dem Tod in den Flammen. Die Fernseh­bilder mit den bren­nen­den Wohn­gebäu­den sind in unser kol­lek­ti­ves Gedächt­nis ein­ge­gan­gen. Dabei gerät leicht in Ver­ges­sen­heit, dass der Es­ka­la­tion ein zu­neh­mend aggres­si­ver Rassismus in den Me­dien und in der Politik voraus­ging.

Die bereits Tage vorher angekündigte Gewalt rich­te­te sich zuerst ge­gen Roma-Flüchtlinge aus Rumänien, die tage- und wo­chen­lang vor der Zentra­len Auf­nahme­stelle unter men­schen­un­wür­di­gen Be­din­gun­gen und ohne jede Ver­sorgung im Freien kam­pieren muss­ten. Durch die be­usst herbei­geführten un­hygie­ni­schen Zu­stände sollte den Flücht­lingen die Würde und damit das Mensch­sein ab­gespro­chen werden. Aus dieser un­halt­baren Situa­tion ent­wickelte sich die aggres­sive Stim­mung vor Ort fast zwangs­läufig. Die Ostsee-Zeitung berichtete vier Tage vor dem Gewalt­exzess über direkte Drohungen gegen Roma. In einem anony­men Anruf an die Zeitung hieß es (Zitat) ,,Die Roma werden auf­ge­klatscht“. Read the rest of this entry »

Frankreich: Gemeinden verweigern Einschulung

August 24th, 2017  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

"Schule für alle!" - Kampagne für das Recht auf Bildung der Roma-Kinder (Foto: La Maison des Potes)SOS Racisme testete französische Gemeinde­äm­ter. Tau­­sen­de Ro­ma-Kin­der ohne Zu­gang zum Schul­sys­tem.

Jede fünfte Gemeinde in Frankreich ver­wei­gert Roma-Kindern den Schul­besuch. Das ist das Ergeb­nis eines Experi­ments, das die fran­zö­si­schen Men­schen­rechts-NGO SOS Racisme im Vorjahr durch­führte. Mit­arbei­ter der Organi­sa­tion hat­ten stich­proben­artig bei zwanzig Gemeinde­ämtern an­ge­rufen und sich als Eltern eines Mäd­chens aus einer Roma-Behelfs­sied­lung aus­ge­ge­ben, das in die ört­li­che Schule ein­geschrie­ben wer­den soll. Man gab an, sich zu diesem Zweck über die nöti­gen Unter­lagen er­kun­di­gen zu wollen.

Nur in acht der zwanzig kontaktierten Kom­mu­nen gaben die für Schul­fragen zu­stän­di­gen Gemeinde­mit­arbei­ter am Telefon kor­rekt Aus­kunft über die Mög­lich­kei­ten der Ein­schulung auch ohne amt­liche Melde­adresse. Vier Gemeinden teilten den Anrufern jedoch mit, dass eine Ein­schu­lung des Mädchens aus­ge­schlos­sen sei, weil die Be­woh­ner der Roma-Sied­lung keine gül­tige Melde­papiere vor­weisen könn­ten. Für SOS Racisme ein klarer Fall von Dis­kri­mi­nie­rung, gilt doch für alle in Frankreich le­ben­den Kinder von sechs bis sech­zehn Jahren die gesetz­li­che Schul­pflicht, und zwar un­ab­hän­gig vom Vor­liegen einer regu­lä­ren Melde­be­schei­ni­gung.

Acht weitere Gemeinden vertrösteten die Anru­fer auf einen spä­te­ren Zeit­punkt. Die An­ge­legen­heit müsse bei einer per­sön­li­chen Vor­sprache im Ge­meinde­amt be­han­delt wer­den, man werde dann „sehen, was man tun kann“. In diesen Fäl­len könne, so SOS Racisme, eine spä­tere diskri­mi­nie­rende Falsch­aus­kunft bzw. eine rechts­widri­ge Ab­wei­sung des Mäd­chens, nicht aus­ge­schlos­sen werden. Read the rest of this entry »

„Broken Silence“ (2013)

August 23rd, 2017  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Teil 2: https://vimeo.com/63692450

Dokumentarfilm von Bob Entrop und Orhan Galjus, 85 Min.

Der Radioreporter Orhan Galjus, geboren im Kosovo, reist durch Deutsch­land, Polen und das Kosovo. Er will wis­sen, warum die Sinti und Roma so lange über den Holocaust ge­schwie­gen haben. Orhan spricht mit deut­schen Sinti, die Auschwitz über­lebt haben, und reist zu wenig be­kannten pol­ni­schen Gedenk­stätten. Mit dem Fort­gang der Ge­schichte ent­faltet sich das innere Drama des Prota­gonis­ten: Er be­fürch­tet, dass künf­tige Ge­ne­ra­tio­nen von ihren Wurzeln ent­frem­det werden. Was müs­sen sie tun, um Gehör zu finden? Warum ver­leug­nen viele ihre Herkunft? Sieht ins­be­son­dere die junge Generation die Paral­le­len zwi­schen der histo­ri­schen Ver­folgung und Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung in der Gegen­wart?

HELP: E-Learning-Kurs für Rechtsberufe

August 22nd, 2017  |  Published in Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

HELPAus- und Fortbildungskurs für Angehörige der Rechts­berufe auf dem Ge­biet der Mensche­nrechts­nor­men in der EU

>>HELP: www.coe.int/en/web/help/home

Das HELP-Programm ist das umfangreichste Trainings­pro­jekt zum Thema Grundrechte für Richter und Rich­terin­nen, Staats­anwälte und Staats­an­wäl­tin­nen und Rechtsanwälte und Rechts­an­wäl­tin­nen aus den EU-Mit­glieds­staa­ten. Die­ser Kurs wur­de im Rah­men des Euro­päi­schen Pro­gramms zur Aus- und Fort­bildung von An­gehö­ri­gen der Rechts­berufe auf dem Gebiet der Menschen­rechts­normen in den 28 EU-Mit­glieds­staaten (European Pro­gramme on Human Rights Education for Legal Pro­fes­sio­nals: „HELP”) ent­wickelt. Es han­delt sich dabei um ein Pro­gramm des Europa­rates, das von der Euro­päi­schen Union finan­ziert wird.

Der Kurs behandelt auf interaktive Weise die wesent­lichen Grund­lagen des euro­päi­schen Sys­tems zur Ver­hin­de­rung von Dis­kri­mi­nie­rung. Ziel dieses Kurses ist, An­ge­hö­ri­ge von Rechts­berufen bei der Um­setzung der Euro­päi­schen Menschen­rechts­konvention, der Euro­päi­schen Sozial­charta und er EU-Charta der Grund­rechte sowie der EU-Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­richt­linien in der täg­li­chen Praxis zu unter­stützen. Sie werden wei­ters mit der ein­drucks­vollen Samm­lung von Urteilen und Ent­schei­dungen des Euro­päischen Gerichts­hofs für Menschen­rechte (EGMR) und mit den Ent­schei­dun­gen und Schluss­fol­gerun­gen des Euro­päischen Aus­schus­ses für soziale Rechte ver­traut ge­macht.

Der Kurs besteht aus zwei Haupt­modulen, einem über Rassismus und Fremden­feind­lich­keit und einem zwei­ten über Homophobie und Trans­phobie. Beide The­men be­han­deln die Themen Hass­reden und Hass­verbrechen.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind ein weit­ver­brei­tetes Problem im heuti­gen Europa. Unser Modul setzt sich mit den zu­grun­de lie­genden Frage­stel­lun­gen auseinan­der und be­schäf­tigt sich auch mit der Be­kämpfung von Verhetzung und Hass­reden – ein Be­reich, zu dem die Euro­päi­sche Kom­mis­sion gegen Ras­sismus und In­tole­ranz (ECRI) eine richtungs­wei­sende Em­pfeh­lung ab­ge­ge­ben hat. Der Kurs behandelt schwerpunktmäßig auch den Schutz der Roma, der größten eth­ni­schen Min­der­heit in der EU.

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