August 31st, 2017 |
Published in
Rassismus & Menschenrechte
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erhebt schwere Vorwürfe: Polizei schürt am ‚Tag der offenen Tür‘ im deutschen Bundesministerium des Innern Vorurteile gegen Sinti und Roma
Als unerträglich und gleichzeitig als einen Spiegel des noch immer tief verwurzelten antiziganistischen Denkens in einigen deutschen Polizeibehörden bezeichnet es der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, dass im Bundesministerium des Innern während des ‚Tags der offenen Tür‘ am 26. und 27. August dieses Jahres ein massiv antiziganistischer Vortrag direkt neben dem gemeinsamen Stand des Minderheitenrates stattfand. Auf Einladung des Beauftragten für die nationalen Minderheiten, Hartmut Koschyk, und des Bundesinnenministeriums hatte zuvor Romani Rose ein zentrales Statement auf dem ‚Tag der offenen Tür‘ abgegeben. Dabei hatte Romani Rose ausdrücklich auf die positive Entwicklung der Minderheitenrechte in Deutschland hingewiesen.
Unter dem Titel „Vorsicht Langfinger! Wie Taschendiebe tricksen und Sie Ihnen die kriminelle Tour erfolgreich vermiesen können!“ wurde von der Berliner Direktion der Bundespolizei durch Sven Lichtenberg vorgetragen, dass Roma als „Verbrecher-Clans organisiert“ seien und als „kriminelle Großfamilien durch Europa ziehen“. Der Vertreter der Bundespolizei führte in seinen Ausführungen außerdem aus, dass jede Ethnie, Nordafrikaner oder Polen, „ihre eigene kriminelle Methode“ habe.
Ein derart rassistischer Vortrag im Bundesministerium des Innern beschädige nicht nur die Polizei in Deutschland, sondern auch das Ansehen des Bundesministeriums des Innern als demokratischer Behörde, die den Prinzipien unseres Rechtsstaats verpflichtet sind, erklärte dazu heute Romani Rose.
„Es ist ein wirklich unglaublicher Vorgang, dass am Tag der offenen Tür im Bundesministerium des Innern, an dem viele Initiativen gegen Extremismus und Rassismus auftreten und insbesondere die nationalen Minderheiten an einem gemeinsamen Stand über die Anliegen und die Beiträge der Minderheiten zur deutschen und europäischen Wertegemeinschaft informieren, gleichzeitig die Bundespolizei im Stil längst vergangen geglaubter Zeiten Klischees und Vorurteile pauschal gegen Minderheiten erheben“, so Rose.
Dieser Vorgang stellt den Dialog zwischen den nationalen Minderheiten und der Mehrheitsgesellschaft in Frage und untergräbt das Vertrauen in den demokratischen Rechtssaat, so Rose. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wendet sich wegen dieser Angelegenheit deshalb auch mit einem direkten Schreiben an Bundesinnenminister Thomas de Maizière.
(Text: Pressemitteilung des Zentralrats)
August 30th, 2017 |
Published in
Film & Theater, Jugend & Bildung
Dokumentarfilm von Pia-Luisa Lenz
95 Min., Deutschland 2017
HEUTE: Das Erste, 30.8.2017, 23:15 Uhr
Im Spätsommer 2015 spalten drei Worte ein ganzes Land: Wir schaffen das. Millionen Bundesbürger engagieren sich für Asylbewerber. Anderswo brennen die Flüchtlingsheime, die Fremdenfeindlichkeit nimmt zu und die Regierung streitet über Obergrenzen und Sprachkurse für Geflüchtete. Willkommenskultur stand gestern im Mittelpunkt, nun geht es um Integration und die Frage, wie sie gelingen kann. Der 95-minütige Dokumentarfilm „Alles gut – Ankommen in Deutschland“ erzählt von zwei Kindern, die zu dieser Zeit mit ihren Familien nach Deutschland kamen: Djaner, 7, aus Mazedonien und Ghofran, 11, aus Syrien. Ihre Flucht endete in Hamburg, im gutbürgerlichen Stadtteil Othmarschen. Aber wie finden sich die beiden in ihrem neuen Leben zurecht?
Zwischen Hoffnung und Unsicherheit
Djaner ist mit seinem Bruder Mahmud und seiner depressiven Mutter vor Armut und Diskriminierung davongelaufen. An seinem ersten Tag an einer deutschen Grundschule geht für den Roma-Jungen ein Traum in Erfüllung. In seiner Heimat bedeutete Schule für ihn Angst vor Schlägen. Hier will Djaner dazugehören, wie Hunderttausende andere Flüchtlingskinder, die in Deutschland plötzlich beschult werden.
Read the rest of this entry »
August 29th, 2017 |
Published in
Musik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Radio RomaRespekt #1: Rap gegen Abschiebung – Kefaet, Selamet und Hikmet Prizreni
Sendung vom 7.11.2015: In der ersten Ausgabe von Radio RomaRespekt hört Ihr ein Interview und Musik von den drei Brüdern Kefaet, Selamet und Hikmet Prizreni. Die drei sind Hip-Hop-Artists und rappen gegen Rassismus. Sie sind in Deutschland aufgewachsen. Zwei von ihnen sind in den Kosovo abgeschoben worden und nach vier Jahren zurück nach Deutschland geflüchtet. Dem dritten, Hikmet, steht dieses Schicksal vermutlich bald bevor (wir berichteten). Ihr musikalisches Schaffen stellen sie immer wieder in den Zusammenhang zu Kämpfen von Roma und Romnja für Bleiberecht und gegen Abschiebungen. Weitere Informationen: Free Hikmet (Anm.: Stand Dez. 2015)
(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)
Update, dROMa-Red.:
Selami Prizreni wurde am 16. Mai 2017 neuerlich in den Kosovo abgeschoben. Nur wenige Tage später hätte der Roma-Aktivist (Selami hat die Initiative „Roma Art Action“ mitbegründet) beim NSU-Tribunal in Köln dabei sein sollen. Read the rest of this entry »
August 28th, 2017 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

»Every Day is Romaday!«
Konferenz zur Teilhabe von Roma und Sinti in Deutschland (Berlin, 22. November 2017)
Im Herbst 2017 jährt sich die Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas zum fünften Mal. Die deutsche Bundeskanzlerin unterstrich damals in ihrer Rede: »Sinti und Roma müssen auch heute um ihre Rechte kämpfen. Deshalb ist es eine deutsche und eine europäische Aufgabe, sie dabei zu unterstützen, wo auch immer und innerhalb welcher Staatsgrenzen auch immer sie leben.«
Antiziganistische Vorurteile sind in der deutschen Gesellschaft nach wie vor tief verankert: Zuletzt zeigte 2016 die Studie »Die enthemmte Mitte« der Universität Leipzig, dass 57,8% der Befragten ein Problem damit hätten, wenn Sinti und Roma in ihrer Nähe wohnen würden. Knapp 50% wollen Sinti und Roma aus den Innenstädten verbannen. Zur Überwindung dieser Diskriminierung wurde das Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas gegründet, das mit der Unterstützung des deutschen Bundesprogramms »Demokratie leben!« des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Mittwoch, den 22. November 2017, in Berlin eine Konferenz veranstaltet, um die in Deutschland bisher umgesetzten Antidiskriminierungsmaßnahmen aufzuzeigen.
Unter dem Titel »Every Day is Romaday! Dialog mit Politik, Behörden und Bildungseinrichtungen in Deutschland« werden Arbeitsergebnisse präsentiert und Handlungsempfehlungen für weiterhin notwendige Veränderungen entwickelt. Landesfachtage und Schulworkshops finden hierzu bereits ab Juli in den Bundesländern statt. Die Akteure und Akteurinnen in den Kommunen und Vereinen wollen eine Abschlusserklärung mit konkreten Forderungen zur Bekämpfung des Antiziganismus entwickeln und an die neue Bundesregierung übergeben.
Erwartet werden 300 Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet. Tagungsorte sind von 12.30 bis 20.00 Uhr die Parochialkirche und das Palais Podewil in Berlin-Mitte.
Read the rest of this entry »
August 27th, 2017 |
Published in
Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Interview, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Der Historiker Martin Arndt koordiniert beim Rostocker Verein Soziale Bildung e.V. das Projekt „Lichtenhagen im Gedächtnis“, ein von der Stadt Rostock finanziertes Archiv- und Vermittlungsprojekt zu den rassistischen Ausschreitungen vor dem „Sonnenblumenhaus“ vor 25 Jahren (mehr hier). Velten Schäfer (Neues Deutschland) sprach mit ihm über die Schwierigkeiten, die Gewaltausbrüche des Sommers 1992 zu rekonstruieren. Wir bringen im Folgenden einen Auszug; das ungekürzte Interview finden Sie hier.
„Den Ausgangspunkt bildeten kleine, private »Archive« von Bürgerinnen und Bürgern, die damals gesammelt haben, was ihnen in die Hände kam – das sind natürlich zunächst oft Mediendokumente, schwerpunktmäßig aus den lokalen Zeitungen. Die Flugblätter, die damals von den Rechten in Umlauf gebracht wurden und die von der Gegenseite. Wir haben alle Unterlagen aus dem damaligen Alternativen Jugendzentrum übernommen, darunter ist eine zeitgenössische Chronologie der Ereignisse. (…) Es gehört zu den Zielen unseres Projekts, die Perspektiven der Betroffenen rekonstruieren zu helfen. Dazu gibt es bereits Ansätze. Vor fünf Jahren hat etwa die Heinrich-Böll-Stiftung eine Reihe von Zeitzeugeninterviews aufgezeichnet, mit damaligen Bewohnern des Heims für vietnamesische Vertragsarbeiter (…) und mit Gegenaktivisten. Während viele vietnamesische Zeitzeugen noch in der Stadt sind und mit dem nach den Ereignissen gegründeten Verein Diên Hông auch eine Adresse haben, ist es sehr schwierig, Stimmen der damaligen Roma-Flüchtlinge zu finden, gegen die sich die rassistische Mobilmachung zuerst gerichtet hatte. Viele von diesen kamen aus Rumänien und wurden nach dem entsprechenden Abkommen vom September 1992 zurückgebracht. Ihre individuellen Blickwinkel sind bisher tatsächlich ein blinder Fleck. Immerhin spielen Roma als Gruppe inzwischen eine größere Rolle in der Erinnerung. Am Dienstagabend [nahm] mit Romani Rose vom Zentralrat der Sinti und Roma erstmals ein Vertreter der Roma an einer Gedenkveranstaltung [teil].
Read the rest of this entry »
August 26th, 2017 |
Published in
Facts & Figures
Die Lebenserwartung der Irish Travellers liegt ca. 15 (Männer) bzw. 12 Jahre (Frauen) unter jener der irischen Gesamtbevölkerung.
(Quelle)
August 25th, 2017 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Vor 25 Jahren tobte in Rostock-Lichtenhagen ein rassistischer Mob. Über Tage hinweg griffen im August 1992 hunderte Anwohner und Neonazis eine Asyleinrichtung und ein Ausländerwohnheim an, mehrere Gebäude gingen in Flammen auf. Begonnen hat all dies mit einer rassistischen Kampagne gegen Roma-Flüchtlinge aus Rumänien. Bei der Gedenkfeier in Rostock sprach auch Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Wir dokumentieren im Folgenden seine Rede.
Bei den Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen handelte es sich um die massivsten fremdenfeindlich motivierten Übergriffe der deutschen Nachkriegsgeschichte. Wir wissen heute, 25 Jahre danach, dass das Pogrom eben kein ,,aus dem Ruder gelaufener Protest“ war, wie damals behauptet wurde. Sondern hier sollte ein von Nazis lange vorbereitetes, mörderisches Signal gegen Flüchtlinge und Ausländer gegeben werden.
Das Pogrom von Lichtenhagen fiel in eine Zeit kurz nach der Auflösung der DDR, in der in Rostock sehr viele Menschen arbeitslos waren. Viele Einwohner hatten jede Zukunftsperspektive verloren. Gleichzeitig kamen 1992 hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland, um hier Asyl zu beantragen. Die Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge in Rostock-Lichtenhagen war wie viele andere in dieser Phase völlig überfordert.
Im August 1992 griffen dann hunderte Gewalttäter zuerst die Gebäude der Zentralen Aufnahmestelle, das sogenannte Sonnenblumenhaus, und dann den daneben stehende Wohnblock vietnamesischer Familien mit Steinen und Molotow-Cocktails an. Die Gewalt zog sich über mehrere Tage hinweg, begleitet von Fernsehen und Medien, während die Polizei tatenlos zuschaute.
Tausende Anwohner und Schaulustigen bejubelten die gewaltsamen Angriffe der Nazis. Mehr als 100 Menschen entgingen nur knapp dem Tod in den Flammen. Die Fernsehbilder mit den brennenden Wohngebäuden sind in unser kollektives Gedächtnis eingegangen. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass der Eskalation ein zunehmend aggressiver Rassismus in den Medien und in der Politik vorausging.
Die bereits Tage vorher angekündigte Gewalt richtete sich zuerst gegen Roma-Flüchtlinge aus Rumänien, die tage- und wochenlang vor der Zentralen Aufnahmestelle unter menschenunwürdigen Bedingungen und ohne jede Versorgung im Freien kampieren mussten. Durch die beusst herbeigeführten unhygienischen Zustände sollte den Flüchtlingen die Würde und damit das Menschsein abgesprochen werden. Aus dieser unhaltbaren Situation entwickelte sich die aggressive Stimmung vor Ort fast zwangsläufig. Die Ostsee-Zeitung berichtete vier Tage vor dem Gewaltexzess über direkte Drohungen gegen Roma. In einem anonymen Anruf an die Zeitung hieß es (Zitat) ,,Die Roma werden aufgeklatscht“. Read the rest of this entry »
August 24th, 2017 |
Published in
Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
SOS Racisme testete französische Gemeindeämter. Tausende Roma-Kinder ohne Zugang zum Schulsystem.
Jede fünfte Gemeinde in Frankreich verweigert Roma-Kindern den Schulbesuch. Das ist das Ergebnis eines Experiments, das die französischen Menschenrechts-NGO SOS Racisme im Vorjahr durchführte. Mitarbeiter der Organisation hatten stichprobenartig bei zwanzig Gemeindeämtern angerufen und sich als Eltern eines Mädchens aus einer Roma-Behelfssiedlung ausgegeben, das in die örtliche Schule eingeschrieben werden soll. Man gab an, sich zu diesem Zweck über die nötigen Unterlagen erkundigen zu wollen.
Nur in acht der zwanzig kontaktierten Kommunen gaben die für Schulfragen zuständigen Gemeindemitarbeiter am Telefon korrekt Auskunft über die Möglichkeiten der Einschulung auch ohne amtliche Meldeadresse. Vier Gemeinden teilten den Anrufern jedoch mit, dass eine Einschulung des Mädchens ausgeschlossen sei, weil die Bewohner der Roma-Siedlung keine gültige Meldepapiere vorweisen könnten. Für SOS Racisme ein klarer Fall von Diskriminierung, gilt doch für alle in Frankreich lebenden Kinder von sechs bis sechzehn Jahren die gesetzliche Schulpflicht, und zwar unabhängig vom Vorliegen einer regulären Meldebescheinigung.
Acht weitere Gemeinden vertrösteten die Anrufer auf einen späteren Zeitpunkt. Die Angelegenheit müsse bei einer persönlichen Vorsprache im Gemeindeamt behandelt werden, man werde dann „sehen, was man tun kann“. In diesen Fällen könne, so SOS Racisme, eine spätere diskriminierende Falschauskunft bzw. eine rechtswidrige Abweisung des Mädchens, nicht ausgeschlossen werden. Read the rest of this entry »
August 23rd, 2017 |
Published in
Film & Theater, Geschichte & Gedenken
Teil 2: https://vimeo.com/63692450
Dokumentarfilm von Bob Entrop und Orhan Galjus, 85 Min.
Der Radioreporter Orhan Galjus, geboren im Kosovo, reist durch Deutschland, Polen und das Kosovo. Er will wissen, warum die Sinti und Roma so lange über den Holocaust geschwiegen haben. Orhan spricht mit deutschen Sinti, die Auschwitz überlebt haben, und reist zu wenig bekannten polnischen Gedenkstätten. Mit dem Fortgang der Geschichte entfaltet sich das innere Drama des Protagonisten: Er befürchtet, dass künftige Generationen von ihren Wurzeln entfremdet werden. Was müssen sie tun, um Gehör zu finden? Warum verleugnen viele ihre Herkunft? Sieht insbesondere die junge Generation die Parallelen zwischen der historischen Verfolgung und Ausgrenzung und Diskriminierung in der Gegenwart?
August 22nd, 2017 |
Published in
Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Aus- und Fortbildungskurs für Angehörige der Rechtsberufe auf dem Gebiet der Menschenrechtsnormen in der EU
>>HELP: www.coe.int/en/web/help/home
Das HELP-Programm ist das umfangreichste Trainingsprojekt zum Thema Grundrechte für Richter und Richterinnen, Staatsanwälte und Staatsanwältinnen und Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen aus den EU-Mitgliedsstaaten. Dieser Kurs wurde im Rahmen des Europäischen Programms zur Aus- und Fortbildung von Angehörigen der Rechtsberufe auf dem Gebiet der Menschenrechtsnormen in den 28 EU-Mitgliedsstaaten (European Programme on Human Rights Education for Legal Professionals: „HELP”) entwickelt. Es handelt sich dabei um ein Programm des Europarates, das von der Europäischen Union finanziert wird.
Der Kurs behandelt auf interaktive Weise die wesentlichen Grundlagen des europäischen Systems zur Verhinderung von Diskriminierung. Ziel dieses Kurses ist, Angehörige von Rechtsberufen bei der Umsetzung der Europäischen Menschenrechtskonvention, der Europäischen Sozialcharta und er EU-Charta der Grundrechte sowie der EU-Antidiskriminierungsrichtlinien in der täglichen Praxis zu unterstützen. Sie werden weiters mit der eindrucksvollen Sammlung von Urteilen und Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) und mit den Entscheidungen und Schlussfolgerungen des Europäischen Ausschusses für soziale Rechte vertraut gemacht.
Der Kurs besteht aus zwei Hauptmodulen, einem über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und einem zweiten über Homophobie und Transphobie. Beide Themen behandeln die Themen Hassreden und Hassverbrechen.
Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind ein weitverbreitetes Problem im heutigen Europa. Unser Modul setzt sich mit den zugrunde liegenden Fragestellungen auseinander und beschäftigt sich auch mit der Bekämpfung von Verhetzung und Hassreden – ein Bereich, zu dem die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) eine richtungsweisende Empfehlung abgegeben hat. Der Kurs behandelt schwerpunktmäßig auch den Schutz der Roma, der größten ethnischen Minderheit in der EU.
Read the rest of this entry »
August 21st, 2017 |
Published in
Rassismus & Menschenrechte
Rund 50.000 Roma leben in der Ukraine. Der Konflikt im Donbas-Gebiet in Osten bzw. die russische Annexion der Krim machte viele von ihnen zu Flüchtlingen, die in anderen Landesteilen der Ukraine eine neue Heimat suchen. Vielerorts stoßen sie aber auf Ablehnung, viele Roma-Flüchtlinge leben auch noch Jahre nach ihrer Flucht, von humanitären Hilfsgütern. Ein Gastartikel von Anastasia Kanareva und Bogdan Kinashchuk (Hromadske) im Internetmagazin TOL schildert, wie schwer es ihnen die verbreitete Romafeindlichkeit macht, anderswo Fuß zu fassen. Laut einer Umfrage des Nationalen Soziologieinstituts der Ukraine rangieren die Roma in der Sympathieliste als unbeliebteste Minderheit auf dem letzten Platz. Immer wieder kommt es zu Vertreibungen und pogromartigen Vorfällen (mehr hier, hier, hier, hier, hier und hier). „Die Roma, die von der ATO („Anti-Terrorist Operation“ in Donezk und Luhansk) in andere Regionen geflohen sind, sind mit einem großen Ausmaß an Diskriminierung konfrontiert“, berichtet Zola Kondur, Rechtsanwalt und Mitarbeiter der Chirikli Foundation. „Für sie ist es viel schwieriger als für andere interne Flüchtlinge. Es ist schwieriger, eine Wohnung oder eine Arbeit zu finden, und 20 bis 30 Prozent von ihnen haben keine offiziellen Dokumente, was bedeutet, dass nicht alle den Ämtern gegenüber beweisen können, dass sie tatsächlich in der ATO-Zone gelebt haben. Viele humanitäre Organisationen, die mit versetzten („displaced“) Personen arbeiten, betrachten Roma aber dennoch nicht als eine spezifische Zielgruppe.“
>>Mehr hier.
(dROMa)
Siehe auch:
Angriff auf Roma-Siedlung in Kiew, 29.4.2017
Roma-Siedlung in Kiew niedergebrannt, 22.4.2017
Pogrom gegen Roma in der Ukraine, 29.8.2016
Ukraine: Gewalt gegen Roma eskaliert, 1.5.2014
Ukraine: Übergriffe auf Roma, 24.4.2014
Roma-Camp in Kiew niedergebrannt, 20.6.2012
August 19th, 2017 |
Published in
Politik
Die 27-jährige Juristin, Buchautorin und Menschenrechtsaktivistin Anina Ciuciu will bei den französischen Senatswahlen am 28. September im Wahlkreis Seine-Saint-Denis kandidieren. Hat sie Erfolg, wäre dies für Frankreichs Roma eine kleine Sensation: Die aus Rumänien stammende angehende Anwältin wäre die erste Romni im Senat.
Ciuciu hat sich ihren Weg hart erkämpft. 1990 im rumänischen Craoiva geboren kam sie mit ihren Eltern, einem ehemaligen Buchhalter und einer Krankenpflegerin, für die der Zusammenbruch des Kommunismus Arbeitslosigkeit und Armut bedeutete, nach Italien. Vorübergehend lebte die Familie in Roms bekanntem Roma-Camp „Casilino 900“. Als Siebenjährige gelangte Anina Ciuciu dann nach Frankreich. In Bourg-en-Bresse, nordöstlich von Lyon, lebte die Familie in Behelfsunterkünften. Ihre Mutter musste auf der Straße betteln, um die Familie über Wasser zu halten. „Es ist sehr erniedrigend zu betteln. Ich habe meine Mutter fast jede Nacht weinen gesehen. Das hat sich mir für immer eingebrannt. Sie hat das für meine Schwestern und mich gemacht.”
Mit Hilfe einer Lehrerin, die die Familie auf der Straße ansprach, fand die Familie schließlich den Weg aus dem Elend. „Ihr hatten wir es zu verdanken, dass wir die Schule besuchen konnten. Die Gemeinden verlangen für die Einschulung oft die Vorlage von Meldebestätigungen für die Wohnadresse, auch wenn das illegal ist. Die Lehrerin, Jacqueline De La Fontaine, hat uns eine solche gegeben.“ Die vier Kinder konnten so die Schule besuchen und die Familie ihren Aufenthaltsstatus legalisieren. „Es ändert alles, wenn man zur Präfektur geht und dabei von einer Person begleitet wird, die Französisch spricht. Aber der Zugang zu seinen Rechten sollte nicht davon abhängen, dass man einer solchen Person begegnet ist. Das ist Aufgabe der Institutionen.“
Anina war ein brillante Schülerin: „Ich war fest entschlossen zu zeigen, wozu Roma fähig sind. Anfangs war das unbewusst. Und dann hat mich der Spott meiner Schulkameraden weiter bestärkt.“ Nach dem Studium an der Sorbonne wurde Anina Ciuciu nun vor einem Jahr als Anwaltsanwärterin in die Rechtsanwaltskammer von Paris (Barreau de Paris) aufgenommen: „Zuerst wollte ich als Richterin arbeiten, aber deren Aufgabe ist es, das Gesetz durchzusetzen. Was ich hingegen wollte, war, die Schwachen zu verteidigen.“ Read the rest of this entry »
August 18th, 2017 |
Published in
Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Johanna Westermaier (2016): An den Grenzen der Hoffnung. Ethnographie eines Arbeitsmarktintegrationsprojektes für Roma/Romnija
Masterarbeit (MA), Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie), 95 S.
→Download der UB Graz (pdf)
Einleitung (S. 1-3):
Die Masterarbeit beschäftigt sich mit einem Arbeitsmarktintegrationsprojekt für Roma und Romnija in der Steiermark. Das Projekt, das von einer NGO in Kooperation mit anderen NGOs und Roma-Selbstvertretervereinen über einen Zeitraum von drei Jahren durchgeführt wird, (…) baut auf drei zentralen Säulen auf: Arbeitsmarktintegration, Empowerment und Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Ziel ist es, über Beratung und Betreuung, Deutsch- und Qualifizierungskurse sowie durch Vermittlung, die Chancen der teilnehmenden Roma/Romnija auf dem ersten Arbeitsmarkt in Österreich deutlich zu erhöhen. Mithilfe von Empowerment-Workshops und der Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Roma-Selbstvertretervereinen soll Diskriminierung entgegengewirkt werden. Über Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit sollen einerseits existierende Vorurteile in der Mehrheitsbevölkerung abgebaut und andererseits ein Netzwerk an UnterstützerInnen, auch in Form von potentiellen Arbeitgebern, aufgebaut werden.
Über einen Zeitraum von sechs Monaten begleitete ich das Projekt in Form einer Feldforschung. (…). Ziel war es, einen kulturanthropologischen Blick auf die Rolle dieses Arbeitsmarktintegrationsprojektes vor dem Hintergrund kultureller Transformationsprozesse zu richten, die Innensicht der verschiedenen AkteurInnen zu erhalten und mithilfe ethnographischer Methoden zu erfassen und auszuwerten. Dabei galt es, die institutionellen, staatlichen, ideologischen und kulturellen Strukturen, in welche das Projekt unweigerlich eingebunden ist, im Hinblick auf deren einschränkende und ermöglichende Funktionen zu analysieren. Um diese Strukturen, die den Möglichkeiten des Projektes Grenzen setzen, ersichtlich zu machen, stelle ich die Perspektive der MitarbeiterInnen der der TeilnehmerInnen gegenüber. Read the rest of this entry »
August 16th, 2017 |
Published in
Facts & Figures
Laut einem Bericht der EU-Kommission ist das Armutsrisiko für Roma in Tschechien sechsmal so hoch wie für Nicht-Roma.
(Quelle)
August 14th, 2017 |
Published in
Film & Theater
Maxim Gorki Theater, Berlin:
Uraufführung am 14.9.2017
Weitere Termine: 15., 16., 17.9.2017 (Vorverkauf)
Die Geschichte der Roma ist eine der Verfolgung, Ausgrenzung und Diskriminierung. Die Anerkennung des Völkermords während des Nationalsozialismus erfolgte spät. Auch heute werden Roma Opfer von Hassverbrechen in Ungarn, Tschechien oder Deutschland. Antiziganistische Bilder werden in den Medien reproduziert und ein Diskurs über vermeintliche Armutsmigrant/innen schürt Ressentiments. Das Maxim Gorki Theater Berlin will in diese rassistischen Projektionen der Mehrheitsgesellschaft intervenieren und Roma in künstlerischen Werken sichtbarer machen. „Roma Armee“ ist Manifest, Theaterstück, Selbstermächtigung und Angriff. Die Idee des Stücks geht auf die Schwestern Simonida und Sandra Selimović zurück. Die beiden Romnija aus Serbien leben in Österreich und orientieren sich in ihren Aktionen an der Wiener Gruppe, sie arbeiten situationistisch und aktionistisch. Gemeinsam mit der israelischen Regisseurin Yael Ronen sowie weiteren Roma-Schauspieler/innen entwickeln sie das Stück. Nach Recherchen wie dem Besuch historischer Orte oder von Gerichtssälen, in denen über die Abschiebung von Roma-Familien befunden wird, entsteht im kollektiven Arbeitsprozess nach und nach die „Roma Armee“.
Künstlerische Leitung und Regie: Yael Ronen (IL)
Malerei / Artwork: Damian Le Bas, Delaine Le Bas
Mit Mehmet Ateşçi, Hamze Bytyci, Mihaela Drăgan, Riah May Knight, Lindy Larsson, Orit Nahmias, Sandra Selimović, Simonida Selimović
(Text: Kulturstiftung des Bundes)
In einer Gegenwart, in der Europa droht in Neofaschismen abzudriften, beansprucht eine Gruppe von Schauspieler*innen eine Roma-Armee zu Selbstverteidigungszwecken. Eine schnelle Eingreiftruppe zum Kampf gegen strukturelle Diskriminierung, Rassismus und Antiziganismus, aber auch als Emanzipation aus einer internalisierten Opferrolle. Read the rest of this entry »
August 11th, 2017 |
Published in
Religion, Veranstaltungen & Ausstellungen
Die traditionelle Roma-Wallfahrt nach Mariazell findet heuer zum 22. Mal statt. Weihbischof Franz Scharl leitet die heilige Messe. Unter anderem ist er auch Referatsbischof der Österreichischen Bischofskonferenz für Roma und Sinti. Roma-Seelsorger Matthias Platzer und Helmut Schüller sind die Mitzelebranten. Musikalisch wird die heilige Messe vom „David Samer Trio“ begleitet. Das Trio wird am Nachmittag bei einer kleinen Agape einen Einblick in die musikalische Kultur der Roma geben.
Eine Veranstaltung der Roma-Pastoral in Kooperation mit dem Verein Roma-Service und dem Kulturverein Österreichischer Roma.
Busabfahrtszeiten Burgenland:
6.00 Uhr: Oberwart (Roma-Siedlung)
Weitere Einstiegsmöglichkeiten:
Hauptplatz Oberwart
Gasthaus Neubauer Oberwart
(Bei Bedarf wird ein Bus von Wien organisiert.)
Infos und Anmeldung:
Manuela Horvath
Roma-Pastoral
Wiener Straße 6/1
7400 Oberwart
Tel.: 0676 / 880 701 721
August 10th, 2017 |
Published in
Religion, Veranstaltungen & Ausstellungen
O tradicijoneli „Ladipe le Romendar Cejiste“ ada bersch, imar o 22to-var kerdo ol. O sentelimo baro raschaj Franz Scharl i dschelni mischa likerel. Ov te o referatiskero baro raschaj la austritika bara raschajengera konferencatar le Romenge taj Sintijenge hi. O Romengero selsorgeri Matthias Platzer taj o Helmut Schüller leha i mischa vodinen. I muschika usi dschelni mischa kerel o „David Samer Trijo“. I banda, paloplane use jek tikno habe, and dikipe andi muschikakeri kultura le Romendar dela.
Jek mulatintschago la Romengera pastoralatar andi khetani buti le farajniha Roma-Service taj le Kulturakere Farajniha le Austritike Romendar.
Bejg ladipeskere cajtscha andar o Burgenland:
6.00 orenge: Erbatar (Romengeri sidlung)
Avre and uschtajipeskere schajiptscha:
Scheroskero than Erba
Mojakero Neubauer Erba
(Te ulo, te Betschistar jek bus organisirim schaj ol.)
Informacija taj aunmejdinipe:
Manuela Horvath
Romengeri pastoral
Wiener Straße 6/1, 7400 Erba
Har.: 0676 / 880 701 721
August 7th, 2017 |
Published in
Facts & Figures
Ab 1913 wurden alle in der Schweiz aufgegriffenen ausländischen „Zigeuner“ interniert: Männer kamen in die Zwangsarbeitsanstalt Witzwil, Frauen und Kinder in Heime.
(Quelle)
August 4th, 2017 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Ehemaliges Roma-KZ Lety in Tschechien: Grünes Licht für Aufkauf des Mastbetriebs auf KZ-Areal
>>Anhören: MP3
Der Fall ist inzwischen zum „Evergreen“ des politischen Diskurses in Tschechien geworden: In Lety bei Písek steht eine Schweinemast. Genau an diesem Ort befand sich während der NS-Besatzung jedoch ein KZ für Roma. Der Staat könnte den Betrieb nun tatsächlich bald aufkaufen, denn der Eigner der Farm hat am Montag grünes Licht für den Verkauf gegeben.
Um diese Entscheidung wurde lange gerungen: Die Aktionäre des Agrarkonzerns AGPI haben auf ihrer Vollversammlung am Montag dem Verkauf der Schweinefarm in Lety zugestimmt. Der Preis wurde nicht genannt. Das Unternehmen ließ zudem eine Studie über die Kosten für einen möglichen Neubau der Farm an anderer Stelle ausarbeiten. Jan Čech ist Vizevorsitzender des Vorstands der Agrarfirma: „Wir haben den Vertretern des Staats unsere Vorstellungen mitgeteilt. Ich glaube, dass sie dabei sind, das Angebot nur noch zu präzisieren und den Kauf dann abzuschließen.“
Der für die Angelegenheit zuständige Kulturminister Daniel Herman (Christdemokraten) erklärte, er sehe kein Problem mehr auf der Seite der Eigner des Mastbetriebs. Daniel Herman: „Sie haben offen die Bereitschaft dazu gezeigt, das ganze Gelände dem Staat zu verkaufen. Die Regierung verfügt über alle erforderlichen Unterlagen und wird Ende August oder Anfang September eine Entscheidung treffen. Nach der Zustimmung der Aktionäre steht einem Kaufvertrag nichts mehr im Wege.“
Über den Preis wollte der Kulturminister nicht sprechen. Er wolle die Interessen des Handelspartners nicht verletzen, dessen Entgegenkommen er schätze, sagte Herman: „Sämtliche Einzelheiten werden nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags veröffentlicht. Ich kann jedoch bestätigen, dass es sich nicht um derart hohe Geldsummen handelt, wie manche schon spekuliert haben.“
Roma-Aktivisten haben zuvor kritisiert, dass über einen Kaufpreis von mehreren hundert Millionen Kronen für die Schweinemast in Lety spekuliert wurde. Sie erinnerten daran, dass der vorherige Eigner den Betrieb für nur 3,5 Millionen Kronen (130.000 Euro) vom Bezirksamt gekauft hatte. Read the rest of this entry »