„Heimat ist nicht gestern – Heimat ist morgen – Heimat ist, was wir draus machen!“ Das ist das Motto der Bundesjungendkonferenz, die Amaro Drom und das Roma-Büro vom 30. September bis 3. Oktober in Freiburg veranstalten. Amaro Drom ist eine bundesweite interkulturelle Organisation von jungen Roma und Nicht-Roma. Gegründet wurde sie 2005 in Freiburg. Die Konferenz umfasst auch öffentliche Veranstaltungen, von einer historischen Radrundfahrt über einen Film, Vorträge und Diskussionen bis hin zu einem Stadtfest am Seepark. Über das Motto „Heimat“, die aktuellen Herausforderungen für die Arbeit von Amaro Drom und über die Veranstaltungen der Konferenz – insbesondere den Programmpunkt „Zukunftsperspektiven von Romnja und Sintizze“ haben wir mit Silas Kropf, dem stellvertretenden Vorsitzenden von Amaro Drom (4:26), Dijana Celic und Tomas Wald vom Roma-Büro (4:08) und mit der Amaro-Drom-Mitarbeiterin Éva Ádám (3:55) gesprochen.
Verena Meier: Gutachten zum Forschungsstand zum Thema „Protestantismus und Antiziganismus“. Gutachten im Auftrag des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg 2017.
Die Rolle von Kirchen – insbesondere der evangelischen Kirchen und ihrer Vertreter und Vertreterinnen – stellt ein großes Desiderat in der Antiziganismusforschung und den Romani Studies dar. Dieses wissenschaftliche Gutachten gibt einen Überblick über bereits vorliegende Zugänge und Studien. Ergebnisse und weitere Forschungslücken werden dabei in Bezug auf „Protestantismus und Antiziganismus“ in Deutschland aufgezeigt. Der Überblick erfolgt in chronologischer Abfolge, beginnend mit der Reformation bis hin zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und dem erinnerungskulturellen Umgang mit der Vergangenheit. Derzeit fehlt es an übergreifenden und systematischen Studien. Dennoch geben die bereits vorliegenden Untersuchungen zu bestimmten geografischen und zeitlichen Kontexten bereits einen Eindruck von den übergreifenden Verflechtungen zwischen Vertretern der evangelischen Kirche und antiziganistischen Tendenzen.
Abstract: Research Report on the State of Research on the Topic of “Protestantism and Antigypsyism”
The role of churches – Protestant churches and their representatives in particular – in antigypsyist tendencies is a major desideratum in research on antigypsyism and Romani studies. The following research report gives an overview of existing research approaches and studies. Their findings and further research gaps are highlighted in relation to “Protestantism and Antigypsyism” in Germany. Read the rest of this entry »
Roma sam
Radijo Burgenland: 11.9.2017 | (on demand)
Andi aktujeli sendung Roma sam vakerel o Emmerich Gärtner-Horvath andar o farajn Roma-Service pedar o medijakero projekto „Tschibtscha“. Ada peske o cil dija, multiplikatortscha ando medijakero koja te sikavel. Jek but tschibtschengero, pradimo radijo- taj TV-weblog o produkto adale projektistar hi, rejalisirim duach o farajn Karika ando khetan butschalinipe le farajn Roma-Servicejiha.
Andar o septemberi dschi decemberi 2017 ando kurs „Tschibtscha“ 8 dschene sikade on, kaj i flogoskeri grupnengeri tschib Roman (Romanes) medijal buteder nucim te ol. O Emmerich Gärtner-Horvath phukal ando vakeripe la Susanne Horvathaha pedar o tschinipeskero than taj o upre lipeskero schtudijo, ando kher le farajn Roma-Service taj Karika Erbate, sar te pedar o planime duj tschibtschengero radijo taj TV-blogs.
„Tschibtscha“ pomoschinel, kaj i presenc la Romani tschibtschatar buteder ando mediji te dikel taj te schunel te ol, phenel o schero le farajn Roma-Servicejistar Gärtner-Horvath. O programo na tschak usi flogoskeri grupn te dschal, ov te le avre dschenen aun te vakerel. Afka o projekto o pekamipe la dajakera tschibtschatar ando pradipe upre te sikal. Cil adale siklipestasr hi, jek fundirti cajtakero dschanipe te sikal taj kompentenctscha te trenirinel. O projektiskere dschene palo kisetinipe adale kursistar „multiplikatortscha ando medijakero koja“ schajipe upro butjakero foro te uschtiden taj pumaro dschanipe so siklile la flogoskera grupnake hasna te anel. Read the rest of this entry »
Radio RomaRespekt #10:Rumänien – Musik und Widerständigkeit von Roma/Romnja
Sendung vom 3.9.2016: Professionelles Musizieren ist und war für viele Roma/Romnja und Sinti/Sintezze eine der wenigen Tätigkeiten, für die sie von der Mehrheitsgesellschaft positive Aufmerksamkeit erfahren. Aber besonders im Feld der Musik werden Roma und Sinti exotisiert und stereotypisiert. „Wir können natürlich Noten lesen – aber wir brauchen keine, um zu spielen“, sagt der Musiker Nelutu Lunca. „Wir verlieren viel Zeit mit der Exotik“, sagt Vasile Ionescu, rumänischer Roma-Aktivist und langjähriger Kulturfunktionär. Antiromaismus ist in Rumänien wie auch anderen postsozialistischen Staaten des ehemaligen Ostblocks strukturell inhärent – auch im Bereich der Musik. Die international bekannten und geschätzte Roma-Band Taraf de Haidouks sind in Rumänien kaum bekannt. Ihr hört Folkstücke aus der sozialistischen Zeit von Gabi Luncă und Romica Puceanu, Proto-Manele aus dem Banat von Albatros din Bucureşti, Manele von Nicolae Guţa und Sorina, Ethno-Jazz von Lavinia Raducănu, modernen Folk von Taraf de Haïdouks und Fanfare Ciocărlia, Dub von Mahala Rai Banda und Hip-Hop von R.A.C.L.A. und Connect-R.
Playlist #10: Gabi Luncă & Ensemble Ion Onoriu: Fericit e omul pe lume | Romica Puceanu: Vantule, bataya ta | Albatros din Bucuresti: Hai vino neicuţa | Nicolae Guţa und Sorina: Aş renunţa | Lavinia Raducănu: Chaven Romane | Taraf de Haïdouks: Asturias | Fanfare Ciocărlia: Born To Be Wild | Mahala Rai Banda: Balkan Reggae (Mad Professor Mix) | R.A.C.L.A.: 1-2, 2-10 | Connect-R: Bani Cu Dobanda (feat. Cortes)
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma appelliert an KIKA und SWR: antiziganistischen Kinderfilm „Nellys Abenteuer“ nicht senden
Der Film enthält nach Auffassung des Zentralrats massive antiziganistische Klischees und Stereotype, die ihn völlig ungeeignet für die Zielgruppe von Kindern machen. Die pädagogische Altersempfehlung empfiehlt den Film für Kinder von neun Jahren an und für die dritten Schulklassen. Bei der Fachtagung „Antiziganismus und staatliche Filmförderung“ in Berlin am 14. September stellte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma das Gutachten von Pavel Brunßen, Technische Universität Berlin, vor. Im Ergebnis der detaillierten Filmanalyse heißt es:
In Nellys Abenteuer werden Roma durchgehend als fremd und anders dargestellt. Dies ist konzeptionelle Grundlage des Films: Es soll ein scharfer Kontrast zwischen den ‚eckig‘ denkenden Deutschen und den ‚freiheitsliebenden‘ Roma hergestellt werden. Die Handlungen und Eigenschaften der Roma im Film erfolgen entlang einschlägiger antiziganistischer Topoi: Roma erscheinen demnach als Kleinkriminelle, Trickbetrüger, Bettler, beim Aufführen ‚traditioneller‘ Tänze, als Kindesentführer usw. Roma in anderen Lebenssituationen, wie etwa in ‚regulären‘ Berufen oder als Studierende, werden im Film nicht gezeigt. […] Hängen bleibt jedoch das Bild von den kriminellen, unzivilisierten, disziplinlosen und triebgesteuerten Roma, die keine Moral kennen. Vor diesem Hintergrund ist es als besonders kritisch zu bewerten, dass der Film im Fernseh- oder Kinoprogramm aufgenommen wird und als Bildungsmaterial für Kinder und Jugendliche verwendet wervden soll. Die stereotypen Darstellungen des Films setzen sich im begleitenden Bildungsmaterial fort und provozieren pauschalisierende und essentialisierende Aussagen über Roma. (S. 19)
Prof. Urs Heftrich von der Universität Heidelberg konstatierte in seinen Anmerkungen zum Film, dass antiziganistische Klischees nicht aufgelöst, sondern im Gegenteil zementiert würden:
Nellys Abenteuer präsentieren die Roma, über ihre Charakterisierung als notorische Taschendiebe hinaus, als Handlanger zu einem Verbrechen, das nach § 239a StGB mit ‚Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft‘ wird: ‚Erpresserischer Menschenraub‘. Dass der Mastermind hinter diesem Plot kein Rom ist, dass dieser Mastermind (so Prof. Becker in seinem Statement) die Erwartung, Roma neigten zur Kindesentführung, in seinen Plot einkalkuliert und dass Nelly zuletzt mit Hilfe eines jungen Rom gerettet wird – all dies ändert nichts an der Tatsache, dass Roma (speziell Romamänner) im Film diejenigen sind, die das Verbrechen real durchführen. Read the rest of this entry »
Roma sam
Radio Burgenland: 11.9.2017 | (on demand)
In der aktuellen Sendung Roma sam spricht Emmerich Gärtner-Horvath vom Verein Roma-Service über das Medienprojekt „Tschibtscha“. Dieses hat es sich zum Ziel gemacht, Multiplikatoren und Multiplikatorinnen im Medienbereich auszubilden. Ein mehrsprachiger, offener Radio-und-TV-Weblog ist das Produkt dieses Projektes, realisiert durch den Verein KARIKA in Kooperation mit dem Verein Roma-Service.
Von September bis Dezember 2017 werden während des Kurses „Tschibtscha“ acht Teilnehmer/innen geschult, um die Volksgruppensprache Roman (Romanes) medial produktiv zu nutzen. Emmerich Gärtner-Horvath erzählt im Gespräch mit Susanne Horvath über den Schnittplatz und das Aufnahmestudio, eingerichtet in den Vereinsräumlichkeiten des Roma-Service und KARIKA in Oberwart, sowie über die geplanten zweisprachigen Radio- und TV-Blogs.
„Tschibtscha“ gewährleiste die Präsenz des Roman in zweifacher Hinsicht, so der Geschäftsführer des Vereins Roma-Service, Gärtner-Horvath. Das Programm richte sich nicht nur direkt an die Volksgruppe, sondern auch an die Mehrheitsbevölkerung. Read the rest of this entry »
Vor zehn Jahren 2.000 Mal (aus)verkauft. Jetzt online:
Semra Idic: Wenn nicht sogar sehr
Meine Geschichte unserer verhinderten Abschiebung
Vor zehn Jahren kam Semra Idic zu einem Praktikum in die Redaktion der Düsseldorfer Straßenzeitung fiftyfifty. Die junge Romni und ihre Familie sollten in ein Elendsdorf nach Südserbien abgeschoben werden. Dabei haben die 17-jährige Semra und ihre drei Geschwister dieses Dorf nie gesehen. Sie waren vorbildlich integrierte Kinder vorbildlicher Eltern. fiftyfifty hat zusammen mit einem breiten Bündnis die Abschiebung verhindert sowie die Flüchtlingshilfe „STAY!“ mitgegründet. Und Semra hat ein Buch geschrieben, das schnell vergriffen war und nun online zu lesen ist.
Günter Grass, der sich mit einer eigenen Stiftung und einem Buch („Ohne Stimme – Reden zugunsten des Volkes des Roma“) zeitlebens sehr für Roma eingesetzt hat, steuerte das Vorwort zu Semras Buch bei – eine kleine Sensation, die half, den Titel 2.000-mal zu verkaufen.
Radio RomaRespekt #9:Swing, Jazz, Pop und Widerständigkeit von Roma/Romnja und Sinti/Sintezze
Sendung vom 6.7.2016: Im Feld der Musik werden Roma/Romnja und Sinti/Sintezze besonders exotisiert und stereotypisiert. Warum kann es dennoch wichtig sein, Musik explizit von Roma und Sinti zu spielen? Ihr hört eine kleine Geschichte moderner Musik von Roma, Sinti, Manouches und Lovara seit den 1930er Jahren und wie sie verwoben ist mit Diskriminierung vs. Roma-Aktivismus.
Playlist #9: Django Reinhardt: Dinah | Christian Escoudé Group: Dolores | Schnuckenack Reinhardt: Fuli Tschai | Café Noir: Lass Maro Tschatschepen | Kitty Winter & Gypsy Nova: My Family | Sinti Swing Berlin: Johnny, tu n’es pas un ange | Gypsy Love: Just a little Love | Karl Ratzer Group: New Waltz | Marianne Rosenberg: Ruf an! | Duo Z: Lustig wär’ das Z[…]leben | Martin Lubenov: Lovely Istanbul | New York Gypsy Allstars: Smiles | Dotschy Reinhardt: Django’s Theme
Spanien bekommt seinen ersten Lehrstuhl für Kultur der Gitanos (spanische Roma). Die neue Lehr- und Forschungsstelle wird an der Universität Alicante eingerichtet. Der Consell, die Regionalregierung von Valencia, hat eine diesbezügliche Kooperationsvereinbarung zwischen der Gleichbehandlungsbehörde und der Universität Alicante bewilligt. Der neue Lehrstuhl soll die akademische Ausbildung junger Roma fördern und die Lebensrealität der spanischen Roma-Population erforschen. Die Einrichtung des Lehrstuhls soll noch 2017 erfolgen, die Subvention durch die Regionalregierung beläuft sich auf maximal 30.000 Euro.
Insgesamt wird die Region Valencia 180.000 Euro für Projekte zur Inklusion der Gitanos in Valencia bereitstellen. Der Consell hat hierfür in seiner Sitzung am Freiitag auch ein Übereinkommen mit der Fundación Secretariado Gitano zur sozialen Integration und zur Bekämpfung von Armut und Diskriminierung beschlossen. Kofinanziert wird dieses Projekt vom Europäischen Sozialfonds.
Der Wunsch des valencianischen Gitano-Verbands (FAGA Comunidad Valenciana), bei der Planung und Einrichtung des Lehrstuhls als Berater oder Vertragspartnermiteinbezogen zu werden, wurde offenbar nicht berücksichtigt.
Wir öffnen unsere Pforten und informieren Sie über Geschichte und Kultur sowie über die aktuelle Situation der Roma im Arbeits- und Bildungsbereich! An unserem „Tag der offenen Tür“ haben Sie die Gelegenheit, unsere Teams kennenzulernen und sich gleichzeitig über interessante Themen zu informieren. | Amen amare vudartscha pravas taj informacija pedar i historija taj kultura, taj te pedar i aktujeli situacija le Romendar ando butjakero- taj sikadipeskero them, das! Use amaro „di le pradime vudaristar“ tumen o schajipe hi, amare dschenen te prindscharel te siklol taj informacija pedar interesanti temtscha te schunel!
Auf Euer Kommen freuen sich
Verein Roma-Service & Verein KARIKA – Für Roma und Sinti
Upre tumaro ajipe loschanen pumen
Farajn Roma-Service taj Farajn KARIKA – Le Romenge taj Sintijenge
Radio RomaRespekt #8:Mindj Panther – feministischer Romani-Hip-Hop
Sendung vom 2.7.2016: Die Romnja Sandra Selimović und Simonida Selimović rappen unter dem Namen Mindj Panther. Beide wohnen in Wien und sind in der feministischen Gruppe IniRromnja aktiv. Als Performerinnengruppe „Roma Armee Fraktion“ gehen sie im öffentlichen Raum Wiens gegen Rassismus vor. In ihrem Video zum gleichnamigen Stück „Mindj Panther“ rappen sie gegen das Bettelverbot in Wien, für Umverteilung und knacken einen Bankautomaten. Sandra und Simonida Selimović arbeiten hauptsächlich als Schauspielerinnen und Regisseurinnen. In dieser Sendung hört ihr ein Interview mit Sandra Selimović und Simonida Selimović. Sie sprechen darüber, wie sie zum Rappen kamen, über ihren politischen Aktivismus, über das Rappen in Romanes, über ihre Perfomances gegen das antiromaistische Bettelverbot in Wien, über ihre feministische Position, über Empowerment. Sie äußern sich auch zu Fragen der „cultural appropriation“, also inwiefern sich Kultur und Ausdrucksformen angeeignet wurden, die von Roma und Romnja geschaffen wurden. Zwischendrin sind einige Mindj-Panther-Tracks zu hören.
Sendung vom 4.6.2016: Radio RomaRespekt #7 berichtet über eine Abschiebung von Menschen aus Riesa (Sachsen), danach gibt es ein Interview von Jugendlichen des sächsischen Roma-Vereins ‚Romano Sumnal‘ mit dem Leipziger Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning. Er wurde gefragt, wie die Stadt Leipzig Roma und Romnja unterstützten könnte, die von Abschiebung in „sichere Herkunftsländer“ bedroht sind.
Stellungnahme des Deutschen Instituts für Menschenrechte:
Rassistische Wahlplakate müssen abgehängt werden, NPD-Parole ist nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt.
Nach aktuellen Medienberichten hat die NPD in Ingolstadt – wie auch in anderen Städten – Wahlplakate mit der Parole „Geld für die Oma statt für Sinti und Roma“ aufgehängt. In den Kommunen wird nun diskutiert, ob die Plakate entfernt werden müssen. Das Institut hat in einer (…) Stellungnahme dargelegt, dass die örtlich zuständigen Behören die Wahlplakate unverzüglich abhängen müssen. Grund ist die grund- und menschenrechtliche Schutzpflicht des Staates vor rassistischen Angriffen; die NPD-Parole ist nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Zum gleichen Schluss kommt auch ein Rechtsgutachten zum Umgang mit rassistischen Wahlkampfplakaten vom Oktober 2015, dass das deutsche Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Auftrag gegeben hat.
Aussendung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma:
Zentralrat kritisiert Untätigkeit der Stadt Ingolstadt gegenüber rassistischer NPD-Wahlwerbung
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, wirft der Stadt Ingolstadt vor, mit ihrer Rechtsauffassung die Angehörigen der nationalen Minderheit von Sinti und Roma pauschal aus der deutschen Rechtsgemeinschaft auszugrenzen. Die Stadt Ingolstadt lässt aktuell NPD-Plakate mit der Parole „Geld für die Oma statt für Sinti und Roma“ entgegen den gesetzlichen Vorgaben hängen. In einem Artikel im Blickpunkt Ingolstadt in der Ausgabe vom 1./2. September 2017 begründen der Rechts- und Baureferent der Stadt dies damit, dass keine Möglichkeit zur Entfernung der Plakate bestünde, da dieses Wahlplakat bereits gerichtlich überprüft worden sei. Mit einer derartigen Argumentation und der zugrundeliegenden Logik wäre auch der Slogan „Kauft nicht bei Juden!“ wieder zulässig, so Rose, beide Slogans würden Personengruppen pauschal und mit der gleichen zugrundeliegenden Logik aus der Rechtsgemeinschaft ausgrenzen.
Wegen der damaligen Entscheidungen der Verwaltungsgerichte hatte das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz ein 2015 Rechtsgutachten über den ‚Umgang mit rassistischen Wahlkampfplakaten der NPD‘ in Auftrag gegeben, das von Prof. Dr. Stefanie Schmahl, LL.M. (E) an der Universität Würzburg erstellt wurde. Das Gutachten führt aus, dass für die Bundesrepublik Deutschland neben dem Grundgesetz und den einschlägigen Strafgesetzen vor allen Dingen die internationalen Vorschriften aus menschenrechtlichen Übereinkommen gelten und dass an diese Vorschriften die Staatsanwaltschaften und die Gerichte gebunden sind.
Im Gutachten wird der antiziganistische und rassistische Gehalt der NPD-Wahlplakate eindeutig festgestellt. Read the rest of this entry »
Financial Times: EU-Kommission hält brisanten Bericht über Italiens Roma-Politik seit über eineinhalb Jahren unter Verschluss
Laut einem Bericht der Financial Times empfiehlt das nicht veröffentlichte EU-Papier, Strafmaßnahmen gegen Italien zu ergreifen, um gegen die anhaltende systematische Diskriminierung der Roma-Minderheit vorzugehen. Die EU-Kommission habe aufgrund der angespannten Beziehungen zur italienischen Regierung jedoch die Veröffentlichung des Berichtes wiederholt verhindert, um einen „schädigenden öffentlichen Streit“ mit dem Mitgliedsstaat zu vermeiden. Schon 2014 hatte die EU-Kommission Italien in einem Schreiben ein Vertragsverletzungsverfahren wegen der (über Jahre auf Grundlage des sogenannten „Nomaden-Plans“ betriebenen) Politik der Segregation der Roma-Bevölkerung angedroht.
Der bereits seit Jahresbeginn 2016 zurückbehaltene Bericht befasst sich mit der Diskriminierung von Roma in der Wohnungspolitik. Tausende Roma leben in Italien in Container-Siedlungen und Behelfsunterkünften; immer wieder kommt es zu Zwangsräumungen, vielfach ohne die Betroffenen zu konsultieren und ihnen Ersatzunterkünfte anzubieten. Schon seit Langem fordert Amnesty International daher die Einleitung eines EU-Verfahrens gegen Italien wegen des Verstoßes gegen die Gleichbehandlungsrichtlinien. Read the rest of this entry »
Angebliches rassistisches E-Mail von AfD-Frontfrau Weidel aufgetaucht
Der deutsche Bundestagswahlkampf hat seinen Rassismusskandal. Die Spitzenkandidatin der nationalistischen Partei „Alternative für Deutschland“, Alice Weidel (38), soll in einem privaten E-Mail Araber und Sinti und Roma als „kulturfremde Völker“, von denen „wir“ „überschwemmt“ würden, bezeichnet haben. Zudem habe die AfD-Politikerin in dem Schreiben Angela Merkels Regierung als „Schweine“ und „Marionetten der Siegermächte“ des Zweiten Weltkriegs verunglimpft. Diese hätten „die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen“, heißt es im Originalwortlaut.
Publik gemacht hat das brisante E-Mail die Zeitung „Welt am Sonntag“, weil es „rassistische Bemerkungen und die Demokratie verachtende Thesen“ enthalte. Laut Angaben der Zeitung sei das Schreiben mit 24. Februar 2013 datiert und stamme dem ehemaligen Bekanntenkreis der nunmehrigen AfD-Politikerin in Frankfurt am Main. Das E-Mail sei somit zu einer Zeit verfasst worden, als sich Weidel für den AfD-Vorläufer „Wahlalternative 2013“ zu engagieren begann.
Die AfD bestreitet die Vorwürfe und bezeichnet das Schreiben als „Fälschung“. Laut „Welt am Sonntag“ versuchte Weidel, die Veröffentlichung des rassistischen E-Mails zu stoppen, und schaltete ihre Anwälte ein.
Radio RomaRespekt #6:Gedenken in Lety u Pisku (Tschechien)
Sendung vom 7.5.2016: Lety u Písku ist ein Ort in der Mitte der Tschechischen Republik mit einer riesigen industriellen Schweinemastanlage aus den 70er Jahren. Und die steht auf dem Gelände eines ehemaligen Konzentrationslagers, in dem während der Besetzung Tschechiens durch die deutschen Nationalsozialisten gezielt Roma und Sinti gefangen gehalten und teils ermordet wurden. Die jahrzehntelange Existenz der Schweinemastanlage empfinden Roma-Vertreter/innen und Menschen mit Empathie als ungeheuerliche Pietätlosigkeit. Am 16. Mai 2015 trafen sich dort Aktivisten/innen, Roma und Nicht-Roma von den Organisationen Konexe, Free Lety u.a. Sie setzen sich seit 1994 für würdevolle Gedenkformen an den Porajmos an diesem Ort ein. In dem Radio-Feature sind O-Töne des alternativen Gedenkens zu hören: Der Historiker Markus Pape erzählt von der Geschichte des KZ Lety und des Gedenkens, Zeitzeugen/innen sprechen, eine Gedenkminute wird abgehalten, es wird gesungen, es wird demonstriert, bis die Polizei lautstark zureift, es wird skandiert und bis in das Nachbardorf Mirovice marschiert, um dann auf dem dortigen Friedhof der Ermordeten des KZ zu gedenken. Das Kopfbild dieser Sendung zeigt das von Roma und Romnja selbst aufgestellte Denkmal für die Toten des KZ Lety, die in Mirovice auf dem Friedhof begraben sind.
Update, dROMa-Red.:
Nach jahrelangen leeren Versprechungen scheint es nun mit dem Aufkauf des Mastbetriebs durch den tschechischen Staat tatsächlich ernst zu werden: KZ Lety: Grünes Licht für Ankauf, 4.8.2017
Radio RomaRespekt #5:Die Mehrheitsgesellschaft muss vor sich selbst erschrecken – Antiromaismus in den Medien und mediales Empowerment von Romnja und Roma
Sendung vom 5.3.2016: Wie werden Roma/Romnja und Sinti/Sintezze in Medien dargestellt? Inwiefern haben Roma und Sinti Zugang zu Arbeit in Medien? Die Sendung thematisiert Roma/Romnja-Aktivismus und mediales Engagement in den 1990er Jahren mit der vom Rom e.V. herausgegebenen Zeitschrift „Jekh Chib“ sowie eine Diskussion von Gilda Horvath (Journalistin und Redakteurin der ORF-Volksgruppenredaktion), Markus End (Politologe), Breschkai Ferhad (Neue Deutsche Medienmacher) und Lutz Tillmanns (Geschäftsführer des Deutschen Presserats) zu Antiromaismus in den Medien vom 20. September 2015 im Festspielhaus Hellerau. Mit dabei sind kurze O-Töne von Frank Reuter vom Dokumentationszentrum für Deutsche Roma und Sinti und das Lied „Soske“ von Mustafa Zekirov.
Das Kopfbild dieser Sendung zeigt den Umschlag der 1. Ausgabe der „Jekh Chib“ vom November 1993 zum Thema „Die Konstruktion der Roma – Presse und Rassismus“, herausgegeben und archiviert vom Rom e.V. in Köln.