KZ Lety: Grünes Licht für Ankauf

August 4th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio & TV

Schweinefarm auf dem KZ-Gelände von Lety(Foto: Romeo.cz)Ehemaliges Roma-KZ Lety in Tschechien: Grünes Licht für Auf­kauf des Mast­be­triebs auf KZ-Areal

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Der Fall ist inzwischen zum „Evergreen“ des politischen Diskurses in Tschechien ge­wor­den: In Lety bei Písek steht eine Schweine­mast. Genau an diesem Ort be­fand sich während der NS-Be­satzung je­doch ein KZ für Roma. Der Staat könnte den Betrieb nun tat­säch­lich bald auf­kaufen, denn der Eigner der Farm hat am Mon­tag grünes Licht für den Ver­kauf ge­geben.

Um diese Entscheidung wurde lange gerungen: Die Aktio­nä­re des Agrar­kon­zerns AGPI haben auf ihrer Voll­ver­samm­lung am Mon­tag dem Verkauf der Schweine­farm in Lety zu­gestimmt. Der Preis wurde nicht ge­nannt. Das Unter­nehmen ließ zudem eine Studie über die Kosten für einen mög­li­chen Neu­bau der Farm an an­de­rer Stelle aus­ar­bei­ten. Jan Čech ist Vize­vor­sitzender des Vor­stands der Agrar­firma: „Wir haben den Ver­tre­tern des Staats unsere Vor­stel­lun­gen mit­ge­teilt. Ich glaube, dass sie dabei sind, das An­gebot nur noch zu prä­zi­sie­ren und den Kauf dann ab­zu­schließen.“

Der für die Angelegenheit zuständige Kulturminister Daniel Herman (Christ­demokra­ten) er­klärte, er sehe kein Problem mehr auf der Sei­te der Eig­ner des Mast­betriebs. Daniel Herman: „Sie haben offen die Bereit­schaft dazu ge­zeigt, das ganze Gelände dem Staat zu ver­kaufen. Die Regie­rung ver­fügt über alle er­for­der­li­chen Unter­lagen und wird Ende August oder An­fang Septem­ber eine Ent­schei­dung treffen. Nach der Zu­stim­mung der Aktio­nä­re steht einem Kauf­ver­trag nichts mehr im Wege.“

Über den Preis wollte der Kulturminister nicht spre­chen. Er wolle die In­teres­sen des Handels­part­ners nicht ver­letzen, des­sen Ent­gegen­kom­men er schätze, sag­te Herman: „Sämtliche Einzel­heiten wer­den nach der Unter­zeichnung des Kauf­vertrags ver­öf­fent­licht. Ich kann jedoch bestä­ti­gen, dass es sich nicht um derart hohe Geld­sum­men han­delt, wie manche schon spe­ku­liert haben.“

Roma-Aktivisten haben zuvor kritisiert, dass über einen Kauf­preis von meh­re­ren hun­dert Mil­lio­nen Kro­nen für die Schweinemast in Lety spe­ku­liert wur­de. Sie erin­ner­ten daran, dass der vor­heri­ge Eig­ner den Betrieb für nur 3,5 Mil­lio­nen Kro­nen (130.000 Euro) vom Bezirks­amt ge­kauft hatte.

Der Kulturminister ist davon überzeugt, dass der Kauf der An­lage noch vor den Wah­len zum Ab­geord­ne­ten­haus über die Bühne ge­hen wird. „Die Ver­hand­lun­gen werden seit Mona­ten ge­führt. Und wir sind voll im Zeit­plan. Das Ka­binett wird sich nach der Sommer­pause mit dem Geschäft be­schäf­tigen. Ich glaube, dass zu Beginn des Schul­jahrs der Ver­trag ge­schlos­sen wer­den könn­te.“

Am Ort, wo heute noch die Schweinemast steht, soll Daniel Her­man zu­folge eine Gedenk­stätte er­rich­tet wer­den: „Diese wird daran erinnern, dass hier ein Arbeits- und später das so­ge­nann­te ,Zigeuner­lager‘ stand. Bis­her besteht nur am Ort der Grab­stät­ten ein Gedenk­stein. Meiner Meinung nach wäre es lo­gisch, wenn das Museum für Roma-Kultur in Brünn kün­ftig die Gedenkstätte be­treu­en wür­de, natür­lich auch in enger Zu­sammen­arbeit mit dem Komitee für die Ent­schä­di­gung der Opfer des Roma-Holocausts. Denn viele der Mit­glieder des Komitees sind Nach­kommen von Men­schen, die im Lager in Lety ein­ge­sperrt wa­ren oder dort starben.“

Zwischen August 1942 und Mai 1943 waren ins­gesamt 1.308 Roma im KZ Lety ein­gesperrt, 327 von ihnen sind dort ge­storben, mehr als 500 Roma wur­den von Lety nach Auschwitz ver­schleppt und in dem Ver­nich­tungs­lager um­gebracht.

(Text: Martina Schneibergová/Radio Praha)

Siehe auch:
Roma-KZ Lety: Protest gegen Schweinefarm, 25.6.2017
Roma-Diskriminierung: Europarat rügt Prag, 5.11.2016
KZ Lety: Regierung will Schweinemast kaufen, 9.9.2016
Tschechiens Vizepremier verharmlost Roma-Holocaust, 4.9.2016
goEast: Produktionspreis für „JOŽKA“, 3.5.2016
UNO zu Schweinefarm in Roma-KZ Lety, 27.7.2013

Der Holocaust an den tschechischen Roma, 21.3.2012

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