Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz (Hg): Fahrende Roma in der Schweiz. Bedürfnisse, Herausforderungen und Perspektiven, Bericht v. Okt. 2017, 88 S.
Im Rahmen des Projektes «Fahrende Roma in der Schweiz » hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Zusammenarbeit mit dem Verband Sinti und Roma Schweiz einen Bericht erarbeitet, der Aufschluss über die Lage und Bedürfnisse der fahrenden Roma gibt sowie die Perspektive der Polizei reflektiert. Darüber hinaus will der Ende Oktober 2017 veröffentlichte Bericht einen Einblick in die Geschichte, Kultur und soziale Organisation der Roma verschaffen und setzt sich mit ihrer rechtlichen Situation in der Schweiz auseinander. Schließlich formuliert die GfbV konkrete Empfehlungen zur Verbesserung der gegenwärtigen Situation.
Rechtlicher Schutz und Platzsituation
Aus rechtlicher Perspektive haben nicht nur Schweizer, sondern auch ausländische fahrende Minderheiten Anspruch auf ein Halterecht in der Schweiz – dies unter anderem aufgrund des Diskriminierungsverbotes und des Minderheitenschutzes. Im neuen Bericht der GfbV werden daher detailliert die völker- und verfassungsrechtlichen Grundlagen beschrieben, unter deren Schutz die fahrenden Roma in der Schweiz stehen. Sind diese im Besitz einer Reisegewerbebewilligung, so ist ihnen die Erwerbstätigkeit in der Schweiz erlaubt. Die meisten Roma, welche die Schweiz durchreisen, stammen aus westeuropäischen Ländern und arbeiten jeweils mehrere Monate in der Schweiz. Gemäß Freizügigkeitsabkommen zwischen der EU und der Schweiz sollen sie bei Einreise, Ausreise und Arbeit gleichberechtigt gegenüber Schweizerinnen und Schweizern sein. Die Diskriminierung von fahrenden Roma auf Schweizer Halteplätzen zeigt jedoch auf, dass in der Realität das Gegenteil der Fall ist: In den letzten Jahren hat sich die Situation für die fahrenden Roma bezüglich Transit- und Durchgangsplätzen stark verschlechtert.
Viele Kantone haben begonnen, ihre Plätze nach «Schweizer Fahrende» und «ausländische Fahrenden» aufzuteilen. Laut Standbericht 2015 des Gutachtens «Fahrende und Raumplanung» sind mehr als die Hälfte der bestehenden Durchgangsplätze für «ausländische Fahrende» nicht mehr geöffnet. Read the rest of this entry »
Radio RomaRespekt #17:Die Geschichte von Rukeli Trollmann und was danach geschah, Kontinuitäten
Sendung vom 20.5.2017: Der Boxer und Sinto Rukeli Trollmann boxt sich in den 20er Jahren nach oben. Die Nazis zerstören seine Karriere und ermorden ihn im KZ Neuengamme. Seine Nachfahren halten das Gedenken an ihn wach und engagieren sich gegen Rassismus. Wolfgang Trollmann und Alfonso Ramo-Farina Dieckmann erzählen von damals und heute.
Playlist #17: Duo Z: Hätt ich doch Flügel / Kind im Ghetto / Lustig wär’ das Zigeunerleben
Radio RomaRespekt #16:Das Wissen dekolonisieren – die Kuratorin Tímea Junghaus
Sendung vom 6.4.2017: Die Kunstausstellung „(Re-)Conceptualizing Roma Resistance“ wurde von der ungarischen Kunsthistorikerin Tímea Junghaus kuratiert. Sie war im April 2016 im Festspielhaus Hellerau zu sehen und wurde eigens für diese Institution produziert. Tímea Junghaus gibt in dieser Ausgabe des Radio RomaRespekt Einblicke in ihre Arbeit als europäische Kuratorin in einem rassismuskritischen Kontext. Für sie als Romni ist das Ausstellen von Roma-Kunst eine Strategie, um die Anliegen und politischen Positionen der Roma bekannt zu machen. Sie möchte Zugänge zur Wissensproduktion der Roma schaffen und vermeintliches Wissen über Roma dekolonisieren, d.h. dessen Gültigkeit überprüfen und Korrekturen vornehmen. Die Sprachen dieser Sendung sind Englisch und Deutsch, d.h. die Antworten von Tímea Junghaus sind komplett in Englisch hörbar.
[Foto: Der Künstler Damian Le Bas (li.) bei der Eröffnung seiner Ausstellung zum Roma Day 2016 in der Galerie Kai Dikhas in Berlin (die Dame auf dem Bild re. ist nicht Tímea Junghaus).]
„Abseits im eigenen Land“ – Sinti- und Roma-Sportler
Eine Ausstellung von Andrzej Bojarski
Zu sehen vom 1. Nov. bis 20. Dez. 2017 im DokuZ Sinti und Roma Berlin. Öffnungszeiten: Mo. und Mi. von 9.30 Uhr bis 16.00 Uhr sowie auf Anfrage (berlin@sintiundroma.de)
Eröffnung mit Podiumsdiskussion am 30.10.2017:
Thema „Diskriminierung und Sport“
19:00 Uhr, DokuZ, Prinzenstraße 84.2
Rassismus im Sport – ein wichtiges und sehr aktuelles Thema: Ob im Stadion, im Verein oder in der Berichterstattung, Rassismus und Antiziganismus zeigen sich immer wieder und in unterschiedlichen Dimensionen: Die Ausgrenzung reicht von der Verbalisierung weit verbreiteter Vorurteile, über neonazistische Hetzparolen (z.B. „Zick Zack Zigeunerpack“) bis hin zu gewalttätigen Übergriffen. In der Sportgeschichte gibt es zahlreiche Fälle von Diskriminierung und Ausschluss – besonders betroffen sind Minderheitenangehörige. Drei „vergessene Helden“ des Sports – Oswald Marschall, Walter Laubinger und Sergio Peter – werden in der Ausstellung „Abseits im eigenen Land“ präsentiert.
Die Ausstellung wird mit einem Podiumsgespräch zum Thema „Diskriminierung und Sport“ eröffnet. Es diskutieren:
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erneuert Vorwurf des Antiziganismus gegen den Film „Nellys Abenteuer“. SWR zeigt sich uneinsichtig gegen berechtigte Kritik
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erneuert seine Kritik gegen den Kinderfilm „Nellys Abenteuer“ (wir berichteten), den der SWR jetzt vorgezogen ausstrahlen will. Der Zentralrat hatte am 14. September 2017 ein Fachgespräch in Berlin veranstaltet, an dem Vertreter der Filmindustrie, der Filmförderung sowie Wissenschaftler und Journalisten teilgenommen hatten. Vertreter des SWR sowie die Autoren und Beteiligten der Filmproduktion waren der Einladung nicht gefolgt. Auf der Grundlage des vom Zentralrat in Auftrag gegebenen Gutachtens von Pavel Brunßen, Technische Universität Berlin, teilten die Teilnehmer der Gesprächsrunde im Wesentlichen die Vorwürfe des Zentralrates. Der Film gebe Anlass, sowohl in den Gremien der staatlichen Filmförderung als auch beiden Filmschaffenden selbst über die Ethik des Filmemachens über Sinti und Roma nachzudenken. Dass die Reproduktion von antiziganistischen Stereotypen, wie sie in Nellys Abenteuer erfolgt, auch noch mit nahezu einer Million Euro Steuergelder finanziert wurde und jetzt auch noch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wiederum finanziert aus öffentlichen Geldern, gesendet werden soll, sei kaum nachvollziehbar, resümierte Romani Rose für den Zentralrat.
Während dieses Fachgesprächs wurde von den Teilnehmern bis in die Details der Kameraführung hinein aufgezeigt, wie die antiziganistischen Bilder umgesetzt wurden: z.B. dokumentarische Kamera / Handkamera, wenn Roma gezeigt werden, versus Spielfilmkamera / Stativkamera, wenn Nelly oder ihre Familie auftreten. Gerade die Behauptung der Filmemacher, es sei doch ein Spielfilm, der künstlerische Freiheit reklamieren könne, wird durch den gleichzeitigen Anspruch auf dokumentarische Authentizität konterkariert. Während die Figur der Nelly durchaus eine Entwicklung durchläuft, bleiben die Roma-Figuren statisch, auch am Ende des Films bleiben sie als Kriminelle stehen.
Nellys Abenteuer stigmatisiert Roma als Kriminelle und Diebe. Im „Pädagogischen Begleitmaterial“ für Schulen werden die beiden wichtigsten Roma-Figuren, Roxana und Tibi, jeweils als kriminell vorgestellt : „Roxana ist 15 Jahre alt … Sie verdient ihr Geld mit ihrem Bruder durch Taschendiebstahl. … In einem Jahr soll sie verheiratet werden – mit dem Sohn von Hokus.“ Read the rest of this entry »
O kherengero bauninipeskero rot Michael Ludwig, o becirkiskero angle tertschardo Adolf Tiller taj i gemajndakeri rotkija Barbara Novak hetvinate o anaveskero dipe le gemajndakere bauninipestar andi Springsiedelgasse 32 ande Döbling ando „Rudolf-Sarközi-Hof“ angle line. Ande ada khereskero bauninipe o Sarközi 52 berscha dur atschlahi.
O Rudolf Sarközi pe le aun prindscharipeske le Romenge taj Sintijenge ojs austritiki flogoskeri grupn ande beschartscha. Ov o erschti Rom sina, savo politisch ande jek birovtschago völim ulo. „Le Rudolf Sarköziskero dschivipe le ande bescharipeske gejng o ar granicalinipe, intoleranc, taj rasismus sina. O historischi upre butschalinipe le genocidistar upro europitike Roma taj Sinti leske jek igen vodschikano aunpaschlaripe sina“, phenel o Michael Ludwig. Buto nipo leskera familjiatar, telende leskeri burgenlanditiki baba taj leskero papu, ando logertscha murdarde ule. Ando bersch 1993 jeke alaveha o aunprindscharipe ando parlament le Romendar taj Sintijendar ojs austritiki flogoskeri grupn leskere bare ande bescharipeske schaj use pisim ol. Ov phurtakero keraschi la tolerancake sina, phenel o Ludwig.
„Mindig loschanipe sina, le profesori Rudolf Sarköziha khetan te butschalinel. Sar andi funkcijona ojs becirkiskero rot, sar te ojs schero le kulturakere farajnistar, schaj but projektscha khetan prik beshartscham. Leskero manuschanipe taj pomoschago na tschajk ande Döbling sina, upro cilo them lo prindschardo sina taj leske but palikeripe taj aunprindscharipe antscha“, phenel o becirkiskero angle terdschaschi Adolf Tiller.
Radio RomaRespekt #15:De La Negra – Romano-Hip-Hop in Tschechien
Sendung vom 4.3.2017: Die tschechische Romano-Hip-Hop-Band De La Negra war im April 2016 zu Gast im Festspielhaus Hellerau in Dresden. Neben einem Konzert war die Band zu einem Interview durch Dresdner Jugendliche eingeladen. Sie stellten ihnen Fragen, hinterfragten ihr Bild von den Roma, beschäftigten sich intensiv mit Antiromaismus. Dazu gibt es Hintergrundinformationen zur Band. Außerdem hört Ihr einige Tracks von dem Konzert, das De la Negra dort gegeben haben. (Bandfoto: ecoleusti.wordpress.com)
Antiziganismus gehört zu den am weitesten verbreiteten und gesellschaftlich am tiefsten verankerten Formen rassistischer Vorurteile in Deutschland. Sinti und Roma sind in besonderem Maße dem Risiko von Diskriminierungen ausgesetzt. Besondere Probleme bestehen im Bereich der Polizeiarbeit. „Racial Profiling“ durch Polizeibeamte/innen gehört zu den am häufigsten wiederkehrenden Diskriminierungserfahrungen für Angehörige der Minderheit. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat zu diesem Thema eine Studie mit dem Titel „Antiziganismus in der Polizei –Formen ethnischer Kategorisierung von Sinti und Roma durch Polizei und andere Exekutivbehörden des Bundes und der Länder“ in Auftrag gegeben. Gemeinsam mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat der Zentralrat am 17. Oktober 2017 in Berlin die Ergebnisse der von Dr. Markus End erstellten Expertise der Öffentlichkeit vorgestellt und über Lösungsstrategien diskutiert.
Lakis Jordanopoulos präsentiert das ORF-Magazin „Heimat Fremde Heimat“ am Sonntag, dem 22. Oktober 2017, um 13.30 Uhr in ORF. Weitere Beiträge: Zertifikatskurs für Lehrkräfte mit Fluchthintergrund und Wiens Tibet-Restaurant „Songtsen Gampo“ feiert 20-Jahr-Jubiläum.
Romafrauen – Kampf gegen Klischees
Frauen aus den Reihen der Roma und Jenischen lehnen sich aktuell gegen Klischees und Stereotypen auf. Schon lange entspräche das Bild von der im Wohnwagen herumziehenden, hausierenden und wahrsagenden Romafrau nicht mehr der Realität. Dieser Wandel ihrer Lebenssituation wird jedoch von der Mehrheitsbevölkerung meistens nicht wahrgenommen. Deshalb entschlossen sich der Verein Vivaro und die jenische Schriftstellerin Simone Schönett, die heutige Realität mit entsprechenden Bildern und Erzählungen abzubilden.
Radio RomaRespekt #14: Journey/Drom – Das Theater ist der Raum, den man sich nimmt
Sendung vom 7.1.2017: Das Stück „Journey/Drom“ (wir berichteten) funktioniert wie eine Fernsehshow, die unter Anwesenheit des Publikums aufgezeichnet wird. Es enthält Mixed-media-Elemente und ist in Englisch. Es wurde kollaborativ von allen Beteiligten produziert, die aus unterschiedlichen Ländern kommen. Wie in jeder Fernsehshow gibt es auch in Journey/Drom eine Showmasterin. Auf dieser Ebene führt die Showmasterin Brina Stinehelfer inszenierte Interviews mit den Schauspieler/innen, die den Umgang von Journalisten/innen mit Roma und Romnja in den Medien karikieren. Weitere Elemente der Show sind die True Stories – Schauspielszenen, in denen die Schauspieler/innen Akte einer fortlaufenden Geschichte spielen. Es geht um die Flucht einer Roma-Familie aus Serbien nach Deutschland, um die Abschiebung des Vaters, um seine Ankunft in Serbien, um Überlebensstrategien von Mutter und Kind in Deutschland und um die Rückkehr des Vaters nach Deutschland. Es handelt sich dabei um Geschichten, die unterschiedlichen realen Personen tatsächlich so passiert sind. Diese werden im Stück zu einer stringenten Geschichte verknüpft. Die Musik in der Sendung stammt von der ungarischen Band M&M, die auch in Journey/Drom live spielt, mit Ausnahme des „Pregnancy Rap“, der ist von Kristof Horvat und Mihaela Dragan.
Radio RomaRespekt #13: zur Situation der Roma und Romnja in Tschechien
Sendung vom 3.12.2016: In dieser Sendung hört Ihr mehrere Beiträge, die im April und Mai 2014 entstanden sind. Sie beschreiben die Situation der Roma und Romnja in Tschechien innerhalb etwa der letzten 15 Jahre. Diese Situation hat sich seit 2014 leider nicht wesentlich geändert. Ihr hört einiges zur Diskriminierung der Roma in Tschechien: Alltagsdiskriminierung, strukturelle Diskriminierung und institutionellen Rassismus, zur Diskriminierung speziell im Bildungssystem, zur medialen Berichterstattung über Roma und Romnja in Tschechien, zu den Aktivitäten rechtsradikaler Mobs und wie sie den Rassismus der Mehrheitstschechen/innen gegenüber Roma befeuern, zur schwierigen Wohnsituation und zur Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Aber es gibt auch ein Interview zum Roma-Aktivismus und zur Emanzipation der tschechischen Roma und Romnja.
Radio RomaRespekt #12: Giuvlipen – feministisches Roma-Theater aus Bukarest
Sendung vom 4.11.2016: Die feministische Theatergruppe Giuvlipen aus Bukarest hinterfragt rassistische, antiromaistische Stereotype. Ihre Stücke erzählen aber besonders von Erfahrungen mit Sexismus – egal, ob diese von Roma kommen oder aus der Mehrheitsgesellschaft. Mit ihren Stücken gehen sie in die Roma-Communities und regen Diskussionen an. Gleichzeitig richten sich ihre Stücke an Nicht-Roma/-Romnja, die mehr über Roma und Romnja wissen wollen. Giuvlipen produzieren Roma-Kultur ohne Kulturalismus.
Playlist: Ion din Dorobanți: Bambina / Fata de pe plaia / Regina tristetii Bogdan Artistu: Sunt femeie libere
Vom 19. bis zum 22. Oktober 2017 findet das erste Roma-Filmfestival AKE DIKHEA? in Berlin statt. Die Festivalfilme fokussieren sich auf das Leben von Roma in Europa – und setzen sich dabei kritisch mit der europäischen Gesellschaft auseinander.
Der Name ist Programm: Das Festival stellt die Frage „Ake dikhea?“ – übersetzt: „Na, siehst Du?“ Dabei wird gegen die Blindheit gegenüber der vielfältigen, komplexen Realität angekämpft, die den weit verbreiteten, stereotypen Vorstellungen über Roma und Sinti nicht entspricht. Die Schirmherrschaft der ersten Edition übernimmt Dr. Klaus Lederer, Senator für Europa und Kultur des Landes Berlin.
AKE DIKHEA? hebt Filme hervor, die antiziganistische Klischees kritisch reflektieren und bewusst dekonstruieren. Die in erster Reihe von Menschen handeln, und erst in zweiter Reihe von Roma. Damit setzt das Festival Maßstäbe.(Dr. Klaus Lederer)
Das Filmfestival, welches anlässlich des fünften Jahrestages der Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Deutschlands stattfindet, stellt an die ausgewählten Filme drei Ansprüche: Authentizität, Individualität und gesellschaftliche Relevanz. Hamze Bytyci, künstlerischer Leiter des Festivals, betont, dass sich in der Filmlandschaft endlich eine neue, authentische Bildersprache durchsetzen müsse. Aus diesem Grund wurden Vorschläge für Festivalfilme von Roma aus ganz Europa angenommen, auch die Festivaljury wurde mehrheitlich mit Roma-Filmemacher/innen besetzt.
Radijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Marcel Horvath
Boza o kiposinaschiskero kinstleri
Julius ,,Boza“ Horvath erzählt von seiner Laufbahn als Fotokünstler. Er ist ein Roma-Aktivist und fotografiert bei verschiedenen Veranstaltungen, wobei er auch Ausstellungen in Zusammenarbeit mit Vereinen macht. Julius hatte schon als Jugendlicher sehr großes Interesse, das Fotografieren zu erlernen. Doch die ärmlichen Verhältnisse ließen seinen Wunsch nicht sofort in Erfüllung gehen. Seine erste Kamera konnte sich „Boza“ erst mit zehn Jahren kaufen und seitdem ist er seinem Hobby treu geblieben.
Julius ,,Boza“ Horvath phukal pedar pri buti ojs kiposinaschiskero kinstleri. Ov Romengero-aktivisto hi taj use mindenfelitike mulatintschage kipi kerel, taj andi khetani buti le farajnenca te artschijiptscha. Le Julius imar ojs terno tschau baro interesi sina, o kiposinipe te siklol. Ham i tschori dschivipeskeri situacija na mukla leskero kivanipe tschatscho te ol. Read the rest of this entry »
Mein Leben: ein Tanz (La Chana)
Dokumentarfilm von Lucija Stojevic, Spanien 2016, 83 Min.
Österreichischer Kinostart: 6. Okt. 2017
Musik, Leidenschaft, Tanz – das ist Flamenco. Die Kastagnetten, der unverwechselbare Beat, der Hüftschwung: „La Chana“ alias Antonia Santiago Amador inkorporiert all das, sie IST Flamenco. In den 1960er- und 1970er-Jahren war La Chana der Star des Flamenco, der Ruf eilte ihr bis nach Hollywood voraus. Doch dann, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, verschwand sie plötzlich von der Bühne. Was war geschehen? Über Archivmaterial und die mitreißenden Erzählungen der Tänzerin, die zum Drehzeitpunkt Ende 60 war, rekonstruiert LA CHANA ein Leben mit Höhen und Tiefen – und gibt, zuallererst, einer unglaublich charismatischen Frau die Bühne, die sie verdient. Ihre Füße sind heute noch die schnellsten auf dem Pakett – „La Chana“ lässt die Leinwand vibrierren. (Julia Teichmann)
Radijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Jennifer Papai
Khelipe khetan phandel
Erika Horvath, 61-jährige Romni aus Unterwart, erzählt im Interview, wie sie zum Tanzen und Schauspielern gekommen ist. Angefangen hat alles im Offenen Haus Oberwart (OHO). Schon immer bewunderte sie die alljährlich stattfindenden Tanztage, die von der bekannten Choreografin Liz King veranstaltet werden. Eines Tages nahm Erika ihren ganzen Mut zusammen und meldete sich für die Tanztage an. Dort präsentierte sie, gemeinsam mit anderen Roma-Tänzer/innen, in einer eigens dafür zusammengestellten Show die Kultur der Roma.
Erika Horvath, 61 berschengeri Romni Tenuerbatar, phukal ando vakeripe, sar oj uso khelipe taj uso schauschpil ali. Sa ando Pradimo Kher Erba (OHO) kesdintscha. Lake imar mindig o sako berscheskere khelipeskere divesa tecinahai, save la prindscharda korejografkijatar Liz King, kerde on. Read the rest of this entry »
Wien: Die städtische Wohnhausanlage Springsiedelgasse 32 trägt nun den Namen des Gründers des Kulturvereins österreichischer Roma
Rudolf Sarközi setzte sich federführend für die Anerkennung der Roma und Sinti als österreichische Volksgruppen ein. Er war der erste Rom, der in Österreich in ein politisches Amt gewählt wurde. Zwischen 2001 und 2010 war er Bezirksrat in Wien-Döbling, wo er seit Jahrzehnten wohnte. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, Bezirksvorsteher Adolf Tiller und Gemeinderätin Barbara Novak nahmen am Montag die Namensgebung des GemeindeBaus Springsiedelgasse 32 in Döbling in „Rudolf-Sarközi-Hof“ vor. In dieser Wohnhausanlage lebte Sarközi 52 Jahre lang.
Der Rudolf-Sarközi-Hof
Die in Hanglage von 1952 bis 1954 errichtete Siedlung umfasst 15 Baublöcke mit insgesamt 19 Stiegen auf die sich 181 Wohnungen verteilen. Zwischen den Blöcken liegt eine großzügige Grünraumfläche mit Durchgangsmöglichkeiten zu den einzelnen Stiegen. Geplant wurde die Anlage von den Architekten Heinrich Vana (1889–1967) und Norbert Schlesinger (1908–1980).
Rudolf Sarközi
Rudolf Sarközi wurde am 11. November 1944 im Konzentrationslager Lackenbach geboren und wuchs im südlichen Burgenland auf. Als Rom diskriminiert, blieb ihm ein Lehrplatz verwehrt, weswegen er als Hilfsarbeiter tätig war. 1964 wurde Wien sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt, wo er 1980 als Kraftfahrer in den Dienst der Stadt Wien trat. Sarközi engagierte sich schon früh für die Anerkennung seiner Volksgruppe. 1991 gründete er den Kulturverein österreichischer Roma, dem er als Obmann vorstand. Er war außerdem federführend an der Vorbereitung des Nationalratsbeschlusses beteiligt, der die Roma und Sinti als österreichische Volksgruppe anerkannte. Read the rest of this entry »
Radijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Josef Horvath
O dschivipe le Erich „Coco“ Bergeristar
Erich Berger, ein aus Kleinbachselten (Bez. Oberwart) stammender 64-jähriger Rom, gibt Einblick in seine bewegte Lebensgeschichte. Erich „Coco“ Berger hatte, trotz Armut und dem stetigen Kampf mit Vorurteilen, eine schöne Kindheit. Mit seinen acht Geschwistern wuchs er wohlbehütet in der Umgebung seiner Familie auf. Obwohl er kurz nach dem Krieg auf die Welt kam und in jungen Jahren stets Diskriminierung ausgesetzt war, hat „Coco“ nie der Mut verlassen. Er ging seinen Weg! Eines Tages fand er seine große Liebe Susanne. Sie schenkte ihm einen prächtigen, gesunden Sohn. Mehr als drei Jahrzehnte lebten sie glücklich als Familie zusammen. Vor vor Jahren verlor „Coco“ seine große Liebe. Seitdem meistern Erich und sein Sohn das Leben alleine.
Erich Berger, jek 64 berschengero Rom Tikni Boslinatar, and dikipe ande pri micindi dschivipeskeri historija del. Kekaj o Erich „Coco“ Berger tschoripe taj diskriminacija terdschivtscha, le schukar tschavoripe sina. Pre ofto phenjenca taj phralenca, ande jek latschi familija upre bartschino. O „Coco“ ande nisaj cajt na naschatscha pro vodschikanipe, kekaj ov na dur pal o haburi upro them alo taj ando ternipe, mindig la diskriminacijake ar beschardo sina. Ov pro drom gelo! Jeke diveseske pro baro kamipe, la Susanne, lakla. Read the rest of this entry »
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma (Hg.): 45 Jahre Bürgerrechtsarbeit deutscher Sinti und Roma/45 years of civil rights work of German Sinti and Roma, Katalog zur Ausstellung, Heidelberg 2017, 92 S.
Der Katalog kann online heruntergeladen oder aber über das Büro des Zentralrats bestellt werden.
Bereits in den 1950er Jahren versuchte eine Gruppe deutscher Sinti, die Hauptverantwortlichen des Völkermordes an Sinti und Roma in Europa vor Gericht zu bringen – leider erfolglos. Es gab im Nachkriegsdeutschland keine einzige gesellschaftliche oder politische Institution, die Sinti und Roma nach dem Holocaust unterstützt hätte. Heute, im Jahr 2017, ist der Völkermord anerkannt. In Berlin steht das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas direkt neben Reichstag und Brandenburger Tor. Sinti und Roma sind als nationale Minderheit anerkannt.
Jeder einzelne Erfolg der Bürgerrechtsarbeit musste gegen massive Widerstände in Politik, Verwaltung und Gesellschaft in zum Teil jahrzehntelanger Auseinandersetzung durchgesetzt werden. Ohne die Unterstützung vieler einzelner Persönlichkeiten, ohne die Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Organisationen und insbesondere der Medien wäre der Erfolg der Bürgerrechtsarbeit nicht möglich gewesen.
Unsere Ausstellung ist deshalb all den Sinti und Roma gewidmet, die sich nach dem Ende des NS-Regimes in Deutschland und in Europa für die Rechte unserer Minderheit eingesetzt haben und ebenso all den Freunden und Unterstützern, ohne die unsere Bürgerrechtsarbeit nicht die Anerkennung gefunden hätte, die heute erreicht worden ist. Diese Ausstellung ist ebenso den jungen Menschen gewidmet, die diesen Weg, der noch lange nicht abgeschlossen ist, weiter gehen werden.