Roma-Fimfestival „Ake dikhea?“
Oktober 16th, 2017 | Published in Film & Theater, Veranstaltungen & Ausstellungen
Vom 19. bis zum 22. Oktober 2017 findet das erste Roma-Filmfestival AKE DIKHEA? in Berlin statt. Die Festivalfilme fokussieren sich auf das Leben von Roma in Europa – und setzen sich dabei kritisch mit der europäischen Gesellschaft auseinander.
Der Name ist Programm: Das Festival stellt die Frage „Ake dikhea?“ – übersetzt: „Na, siehst Du?“ Dabei wird gegen die Blindheit gegenüber der vielfältigen, komplexen Realität angekämpft, die den weit verbreiteten, stereotypen Vorstellungen über Roma und Sinti nicht entspricht. Die Schirmherrschaft der ersten Edition übernimmt Dr. Klaus Lederer, Senator für Europa und Kultur des Landes Berlin.
AKE DIKHEA? hebt Filme hervor, die antiziganistische Klischees kritisch reflektieren und bewusst dekonstruieren. Die in erster Reihe von Menschen handeln, und erst in zweiter Reihe von Roma. Damit setzt das Festival Maßstäbe. (Dr. Klaus Lederer)
Das Filmfestival, welches anlässlich des fünften Jahrestages der Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Deutschlands stattfindet, stellt an die ausgewählten Filme drei Ansprüche: Authentizität, Individualität und gesellschaftliche Relevanz. Hamze Bytyci, künstlerischer Leiter des Festivals, betont, dass sich in der Filmlandschaft endlich eine neue, authentische Bildersprache durchsetzen müsse. Aus diesem Grund wurden Vorschläge für Festivalfilme von Roma aus ganz Europa angenommen, auch die Festivaljury wurde mehrheitlich mit Roma-Filmemacher/innen besetzt.
Die internationale Jury hat einen besonderen Wert auf die Individualität der Filmprotagonist/innen und deren Geschichten gelegt. So handelt der Eröffnungsfilm DJANGO etwa nicht rein von der „Roma- oder Sinti-Musik“, sondern auch von der persönlichen Geschichte des Manouche-Jazzgitarristen Django Reinhardt, der trotz seines Ruhms der NS-Verfolgung nicht entkommt. Die Eröffnung findet in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie zu Berlin und dem Landesrat der Roma und Sinti, RomnoKher Berlin-Brandenburg, am Donnerstag, den 19. Oktober statt.
Auch der Film GYPSY SPIRIT porträtiert nicht nur die Suche eines Roma-Musikers nach den erahnten indischen Wurzeln seiner Musik – sondern auch einen waschechten Wiener in einem fremden, für ihn exotischen Land.
Vor allem aber wurden Filme ausgesucht, die eine hohe Aktualität und Relevanz für unsere heutige Gesellschaft haben. Eszter Hajdú, ungarische Filmregisseurin und Jurymitglied, hebt den Film TSCHECHEN GEGEN TSCHECHEN hervor. Dieser gehe grundlegenden Fragen unserer Zeit nach und spreche Probleme wie Rechtsextremismus, Neonationalismus und strukturellen Rassismus an – die spätestens mit dem Einzug der AfD in den Bundestag auch in Deutschland an erneuter Brisanz gewinnen.
Es sind aber auch andere aktuelle Debatten, zu denen das Festival beiträgt. Der Film MEN WITH BALLS zeigt die Skurrilität und die Eigenlogik der EU-Bürokratie: Der Bürgermeister eines kleinen ungarischen Dorfes, in dem die meisten Bewohner arbeitslos sind, baute einen neuen Tennisspielplatz, da es dafür eine Förderung gab. Die Tatsache, dass es ganz anderer Dinge in seiner Gemeinde brauche, wird in den Hintergrund gedrängt.
GEHEIMGEHALTENE BRIEFE beschäftigt sich wiederum mit der Zwangsassimilation von Roma-Kindern in der Nachkriegs-Tschechoslowakei – und wirft damit ethisch-moralische Fragen auf, die auch für die heutige Integrationspolitik interessant sind.
Neben wichtigen Filmen umfasst das Festivalprogramm unter anderem eine Podiumsdiskussion und einen Workshop zur Darstellung von Roma im Film, es werden Aufführungen für Schulen sowie ein Filmworkshop für Jugendliche angeboten, in dem der Film als Selbstermächtigungsmittel vorgestellt wird. Es dürfen natürlich Diskussionen mit den Filmemacher/innen nicht fehlen, die bei den meisten Aufführungen anwesend sein werden. Eine Möglichkeit der Begegnung mit den Festivalgästen stellt dann der abschließende Galaabend dar, bei dem der Jury- sowie Publikumspreis übergeben werden:
Galaabend AKE DIKHEA?
22. Oktober, 18.30 Uhr
Lounge im Moviemento,
Kottbusser Damm 22 10967 Berlin
Veranstaltet wird das Festival von der Berliner Roma-Selbstorganisation RomaTrial in Zusammenarbeit mit dem ältesten Kino Deutschlands, dem Moviemento, der Agentur Journey 2 Creation, der selbstorganisierten Filmschule filmArche, der Schwarzkopf Stiftung Junges Europe sowie der Evangelischen Akademie zu Berlin. ROMADAY, das breite gesamtgesellschaftliche Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas, sowie der Landesrat der Roma und Sinti, RomnoKher Berlin-Brandenburg, bieten freundliche Unterstützung. Gefördert wird das Projekt durch den International Visegrad Fund, Medienpartner ist taz. die tageszeitung.
Alle Informationen sowie das Programm finden sich auf der offiziellen Website unter http://roma-filmfestival.com.