Förderstopp: Verein ZARA vor dem Aus

April 20th, 2026  |  Published in Einrichtungen, Frauenrechte, Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

ZARA vor dem Aus (Bild: Zara)Bundeskanzleramt streicht Förderung: Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stelle ZARA bietet für neue Fälle vor­erst keine Be­ra­tun­gen mehr an

Aussendung von ZARA, 20.4.2026:

Die Streichung der Förderung für die Be­ratungs­stelle #Gegen­Hass­im­Netz unter der politi­schen Ver­ant­wor­tung von Bundes­minis­terin Claudia Bauer be­droht die Existenz von ZARA akut. Ohne rasche Finan­zie­rung droht das voll­stän­dige Aus bis Juni.

Seit acht Jahren erhält ZARA eine Förderung des Bundes­kanzler­amts in Höhe einer sechs­stelli­gen Summe für den Betrieb der Be­ratungs­stelle #Gegen­Hass­imNetz. Anfang April 2026 erreicht den Verein die Mit­teilung, dass diese Förderung für das Jahr 2026 auf­grund von „Spar­maß­nahmen“ voll­ständig gestrichen wurde. Die Ent­scheidung wurde unter der Ver­antwor­tung von Bundes­minis­terin Claudia Bauer (ÖVP) getroffen.

ZARA zum Zeitpunkt der Streichung bereits in fi­nan­ziel­ler Vor­leis­tung

Zum Zeitpunkt der Mitteilung war ZARA bereits in finanzielle Vor­leistung ge­gangen, um Betrof­fene von Hass im Netz weiterhin durch­gehend unter­stützen zu können. Unter­stützung, die – das zeigen die aktu­ellen De­batten rund um digitale Gewalt an Frauen – für Betrof­fene dringend not­wendig ist. Diese Vor­finan­zierung erfolgte in der be­grün­deten Annahme, dass die Förderung auch für das Jahr 2026 fort­geführt wird – auf Basis unserer lang­jährigen Expertise und unseres Alleinstellungsmerkmals als spezialisier­te Be­ratungsstelle, die in Österreich allen Betrof­fenen von Hass im Netz kosten­los und nieder­schwellig offensteht. Unser Angebot unter­schied sich damit von anderen be­ste­henden Ein­richtun­gen, die sich an spezi­fische Ziel­gruppen, etwa Kinder und Jugend­liche, richten.

Beratungsangebote derzeit massiv ein­ge­schränkt

Das entstandene finanzielle Defizit zwingt den Verein nun dazu, die Be­ratungs­angebote #Gegen­Hass­imNetz und !Gegen­Rassismus massiv ein­zu­schränken. Neue Fälle werden von ZARA ab sofort nur noch doku­mentiert. Bera­tungs­leistun­gen kann der Verein für neue Meldungen derzeit nicht mehr an­bieten. Beste­hende Fälle betreut ZARA vorerst weiter. Stellt die öffent­liche Hand kurz­fristig keine ent­spre­chende Finan­zierung sicher, muss ZARA seinen Betrieb samt aller Bera­tungs­ange­bote bis Juni gänz­lich ein­stellen.

Mit einer solchen vollständigen Schließung der ZARA-Be­ratungs­stellen fällt für Betrof­fene von Rassismus und Hass im Netz ein zentrales Angebot für rechtliche und psycho­soziale Beratung weg. Gleich­zeitig geht not­wendige Expertise verloren, die ZARA-Mit­arbei­ter*in­nen über acht Jahre hinweg auf­ge­baut haben. ZARA war zudem die einzige Be­ratungs­stelle in Öster­reich, die Betrof­fenen von Hass im Netz durch das Angebot von psycho­sozialer Prozess­beglei­tung spezia­lisier­te Unter­stützung in gericht­lichen Ver­fahren bot. Der Verein ist derzeit auch die einzige als Trusted Flagger zer­tifi­zierte Stelle in Öster­reich, die im Bereich Cybergewalt gegen Erwach­sene – ins­besondere auch gegen Frauen – sowie bei illegaler Hassrede prio­risierte Löschun­gen be­antragen kann. Die Leid­tragen­den sind damit nicht nur die ZARA-Mit­arbei­ter*innen, die nun ihre Arbeits­plätze ver­lieren – son­dern vor allem auch jene Betrof­fene von Hass und Dis­kriminie­rung, die ohnehin mehr­fach belastet sind und für die Unter­stützungs­an­ge­bote oft schwer zu­gänglich sind.

Antidiskriminierungsarbeit strukturell unter­finan­ziert

Die derzeitige Entwicklung bei ZARA ist kein Einzelfall. Anti­dis­krimi­nierungs­arbeit ist in Österreich struktu­rell unter­finanziert und häufig nur auf kurz­fristiger Basis – etwa durch ein­jährige För­derungen – ab­ge­sichert. Auch die Bera­tungs­stelle !Gegen­Rassismus konnte trotz beste­hender Förderung durch die Stadt Wien nie voll­ständig kosten­deckend betrie­ben werden und war auf zu­sätz­liche private Spenden an­ge­wiesen. Klar ist auch, dass eine städtische För­derung allein keine bundesweit agierende Be­ratungs­stelle tragen kann.

Beratungsarbeit ist kein Projekt mit fixem Enddatum. Viele Betrof­fene benö­tigen lang­fristige Unter­stützung, etwa bei rechtlichen Verfahren oder psycho­sozialer Begleitung. Förder­zu­sagen, die nur für ein Jahr gelten, oder Ent­scheidun­gen über finan­zielle Mittel, die erst im lau­fenden Förderzeitraum getroffen werden, sind mit einem konti­nu­ierli­chen und profes­sio­nellen Betrieb nicht vereinbar und schaffen massive Planungs­un­si­cher­heit.

Appell an die Politik: Finanzierung jetzt sichern

ZARA appelliert daher an politische Entscheidungsträger*innen, um­gehend die not­wendigen finan­ziellen Mittel bereit­zu­stellen, damit der Verein die Beratungs­an­gebote nahtlos und im vollen Umfang wieder auf­nehmen kann. Der Schutz von Betrof­fenen und der Einsatz gegen Hass im Netz und Dis­krimi­nierung muss finan­ziert werden. Und zwar aus­reichend, lang­fristig und planbar.

[Hinweis: ZARA Training, die Tochtergesellschaft von ZARA, ist von der aktu­ellen Situation nicht be­troffen. Die gemein­nützige GmbH wirt­schaftet un­ab­hängig vom Verein und setzt ihre Arbeit un­ein­geschränkt fort.]

(Text: ZARA, 20.4.2026)

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