Rassistischer Polizeivortrag in Berlin

August 31st, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Koschyk und Rose in Berlin (Foto: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma er­hebt schwe­re Vor­wür­fe: Polizei schürt am ‚Tag der of­fe­nen Tür‘ im deut­schen Bun­des­mi­nis­te­rium des In­nern Vor­ur­teile ge­gen Sinti und Roma

Als unerträglich und gleichzeitig als einen Spie­gel des noch im­mer tief ver­wur­zel­ten anti­ziga­nis­ti­schen Denkens in eini­gen deut­schen Polizei­be­hör­den be­zeich­net es der Vor­sitzende des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma, Romani Rose, dass im Bun­des­minis­te­rium des Innern wäh­rend des ‚Tags der of­fenen Tür‘ am 26. und 27. Au­gust dieses Jahres ein mas­siv anti­ziganis­ti­scher Vortrag di­rekt neben dem ge­mein­sa­men Stand des Min­der­heiten­rates statt­fand. Auf Ein­ladung des Be­auftrag­ten für die natio­na­len Min­der­heiten, Hartmut Koschyk, und des Bundes­innen­minis­te­riums hatte zu­vor Romani Rose ein zentra­les State­ment auf dem ‚Tag der of­fenen Tür‘ ab­ge­ge­ben. Dabei hatte Romani Rose aus­drück­lich auf die posi­tive Ent­wick­lung der Min­der­heiten­rechte in Deutschland hin­ge­wiesen.

Unter dem Titel „Vorsicht Langfinger! Wie Taschendiebe trick­sen und Sie Ihnen die kri­mi­nel­le Tour erfolg­reich ver­miesen kön­nen!“ wurde von der Berliner Di­rek­tion der Bundes­polizei durch Sven Lichtenberg vor­ge­tra­gen, dass Roma als „Ver­br­echer-Clans or­ga­ni­siert“ seien und als „kri­mi­nelle Groß­familien durch Europa zie­hen“. Der Ver­tre­ter der Bundes­polizei führte in seinen Aus­füh­run­gen außer­dem aus, dass jede Ethnie, Nord­afri­ka­ner oder Polen, „ihre eige­ne kri­mi­nelle Me­tho­de“ habe.

Ein derart rassistischer Vortrag im Bundesministerium des In­nern be­schä­di­ge nicht nur die Polizei in Deutsch­land, son­dern auch das An­sehen des Bun­des­minis­te­riums des In­nern als demo­kra­ti­scher Be­hör­de, die den Prin­zi­pien unseres Rechts­staats ver­pflich­tet sind, er­klär­te dazu heute Romani Rose.

„Es ist ein wirklich unglaublicher Vorgang, dass am Tag der of­fe­nen Tür im Bun­des­minis­te­rium des Innern, an dem viele Ini­tia­ti­ven gegen Extre­mis­mus und Rassismus auf­tre­ten und ins­beson­dere die natio­nalen Minder­heiten an einem ge­mein­sa­men Stand über die An­liegen und die Bei­träge der Minder­heiten zur deutschen und euro­päi­schen Werte­gemein­schaft infor­mie­ren, gleich­zeitig die Bundes­polizei im Stil längst ver­gangen ge­glaub­ter Zei­ten Kli­schees und Vorurteile pau­schal ge­gen Minder­heiten er­heben“, so Rose.

Dieser Vorgang stellt den Dialog zwischen den nationa­len Minder­heiten und der Mehrheits­gesell­schaft in Frage und unter­gräbt das Ver­trauen in den demo­kra­ti­schen Rechts­saat, so Rose. Der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma wen­det sich wegen dieser An­ge­le­gen­heit des­halb auch mit einem direk­ten Schrei­ben an Bundes­innen­minis­ter Thomas de Maizière.

(Text: Pressemitteilung des Zentralrats)

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