Roma-Schüler in Tschechien benachteiligt
Juni 3rd, 2014 | Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Vielen Roma-Kindern in der Tschechischen Republik wird ihr Recht auf Bildung weiterhin verwehrt: Tausende Roma-Schüler werden in sogenannte „praxisorientierte Schulen“ abgeschoben, die eigentlich für Kinder mit leichter geistiger Beeinträchtigung gedacht sind.
Die statistische Wahrscheinlichkeit, in einer solchen Schule zu landen, ist bei Roma-Kindern dreimal so hoch wie bei anderen tschechischen Kindern. Laut einer neuen Untersuchung der Schulaufsicht, die vergangene Woche vom stellvertetenden Bildungsminister Jindřich Fryč in Prag präsentiert wurde, entfallen 28 Prozent der Schüler in Programmen für leicht geistig Behinderte auf Kinder aus Roma-Familien, obwohl sie nur rund 10 Prozent eines Jahrgangs stellen. Hier laufe offensichtlich im Schulsystem etwas falsch, kommentierte der tschechische Menschenrechts- und Gleichstellungs-Minister Jiří Dienstbier die unverändert alarmierenden Daten gegenüber der Agentur ČTK. Sollte man dafür keine Lösung finden, werde die soziale Benachteiligung an künftige Generationen weitergegeben.
Die Tschechische Republik war bereits 2007 wegen dieser diskriminierenden Praxis vom Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte verurteilt worden. Ende 2012 kam ein gemeinsamer Bericht von Amnesty International und dem European Roma Rights Centre (ERRC) zu dem Schluss, dass sich an der Situation für Roma-Schulkinder seither wenig geändert habe. Der Bericht verwies darauf, dass nicht nur Kinder, die aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit Sonderschulen zugeteilt werden, Diskriminierung erfahren. Andere Roma-Kinder werden nämlich häufig in reinen Roma-Schulen zusammengefasst, die in ihrer Bildungsqualität und Ausstattung nicht selten weit hinter den regulären Schulen zurückbleiben. „Das tschechische Bildungssystem lässt Roma-Kinder völlig im Stich. (…) Das hat dramatische Konsequenzen für ihre Zukunft: Roma haben nur selten die Chance auf höhere Bildung und somit extrem begrenzte Möglichkeiten einen Job zu finden“, so Dezideriu Gergely, Geschäftsführer des ERRC.
(dROMa-Red.)