Rassismus & Menschenrechte
Februar 7th, 2019 |
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Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Neues Buch des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft beleuchtet Hasskriminalität aus unterschiedlichen Perspektiven
Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) – Thüringer Dokumentations- und Forschungsstelle gegen Menschenfeindlichkeit (Hrsg): Wissen schafft Demokratie. Gewalt gegen Minderheiten (=Schriftenreihe des Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft, Bd. 4), Amadeu Antonio Stiftung: Berlin 2018
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Wie kann vorurteilsgeleitete Gewalt erkannt und verhindert werden? Was berichten Betroffene? Welche internationalen Befunde zu Hasskriminalität gibt es? Wie können gesellschaftlich stigmatisierte und dadurch besonders gefährdete Gruppen gestärkt werden? Diskutiert wurden diese und weitere Fragen im September 2018 in Jena im Rahmen der Fachkonferenz „Gewalt gegen Minderheiten: Internationale Perspektiven und Strategien zum Umgang mit Hasskriminalität“. Um die Inhalte einem breiteren Publikum zur Verfügung zu stellen, sind im vorliegenden Konferenzband die Vorträge und Diskussionen dokumentiert und um weiterführende Informationen ergänzt.
„Gewalt gegen Minderheiten“ ist der Schwerpunkt dieses neuen Buches, welches das Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) im Januar veröffentlicht hat. Der Band versammelt 13 Artikel von deutschen, britischen und kanadischen Autorinnen und Autoren. Neben wissenschaftlichen Studienergebnissen werden auch der polizeiliche und zivilgesellschaftliche Umgang mit rechter Gewalt und Hasskriminalität diskutiert.
Unter anderem zeigt die Auswertung einer umfassenden Befragung von Kriminalitätsopfern durch die Kriminolog_innen Eva Gross, Arne Dreissigacker und Lars Riesner, dass Opfer von Vorurteilskriminalität ein deutlich minderes Sicherheitsgefühl, höhere Kriminalitätsfurcht und geringeres Vertrauen in die Polizei aufweisen als Personen, die ebenfalls zum Opfer von Kriminalität wurden, bei denen allerdings Vorurteile keine Rolle spielten.
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Februar 4th, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Bulgarisches Helsinki-Komitee bittet um Unterstützung im Kampf gegen Vertreibung von Roma-Famlien
Das Bulgarische Helsinki-Komitee (BHC) bittet um Unterstützung für 17 Roma-Familien aus dem Dorf Voyvodinovo (Wojwodinowo), die von Zwangsvertreibung bedroht sind und deren Häuser zerstört werden sollen. Nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung am 6. Januar 2019 zwischen zwei Roma und mehreren anderen Bulgaren (…), kam es zu nationalistischen Protesten in dem Dorf Voyvodinovo, an denen neben den Dorfbewohnern vor allem nationalistische Gruppen und Soldaten der bulgarischen Armee teilnahmen. In der Nachbarschaft gab es massive Drohungen gegen die Roma.
Aufgrund dieser Proteste zerstörte die Gemeinde Maritza drei der von Roma bewohnten Häuser, und zwar ohne Vorankündigung oder Einhaltung der gesetzlichen Verfahren (wir berichteten: Siedlungsabriss: Protest bulgarischer Roma). Den Bewohnern wurde nicht einmal die Möglichkeit gegeben, ihre am dringendsten benötigten Sachen aus den Häusern zu retten. Vertreter des Bulgarischen Helsinki-Komitees fanden mehrere Kinderwagen und Haushaltsgegenstände, die aus den abgerissenen Gebäuden zusammengetragen wurden, während die Kameras der bulgarischen Medien zeigten, wie die Bagger die Häuser der Familien niederrissen. An den Türen und Fenstern der verbleibenden Häuser wurden Beschlüsse der Gemeinde angebracht, die die Zerstörung der weiteren Gebäude ankündigen. Innerhalb einer Frist von sieben Tagen (..), kann dagegen Berufung eingelegt werden. Das BHC unterstützt die betroffenen Familien dabei, Widersprüche einzulegen.
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Februar 1st, 2019 |
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Film & Theater, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Fernsehfilm von Markus Mörth, D/A 2016, 105 Min.
ZDF/Das kleine Fernsehspiel, ARTE, ORF
Der künstlerisch hochbegabte 16-jährige Mikhail (Abdulkadir Tuncer) und seine zwei Jahre ältere Schwester Bebe (Ada Condeescu) leben in einem Waisenhaus auf dem Land in Moldawien. Die beiden haben eine sehr enge Beziehung. Sie helfen und schützen sich gegenseitig, doch als Roma sind sie in ihrer Heimat auf Dauer nicht sicher. Auf ihrer gefährlichen und illegalen Flucht über Rumänien und Serbien werden die beiden zu Gejagten, sie geraten in die Hände mafiöser Schlepperbanden, Menschenhändler und Bordellbetreiber. Die Sicherheit, die ihnen Deutschland als Zielland ihrer Flucht anfangs zu bieten scheint, wird schnell brüchig – zu viel ist auf der Reise passiert, zu lang ist der Arm derer, denen sie entkommen sind und die sich nun an den Flüchtlingen rächen wollen. Neben dem Versuch, Arbeit zu finden, neue Beziehungen zu knüpfen, die Sprache und mehr über die Kultur zu lernen, kämpfen die beiden mit traumatischen Erfahrungen, kriminellen Verstrickungen und der Schwierigkeit, Vertrauen in die Chance auf eine bessere Zukunft zu fassen.
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Januar 31st, 2019 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Düsseldorf: Hakenkreuz-Schmiererei auf Sinti-und-Roma-Geschäftsstelle während Holocaust-Gedenkstunde
Während am Sonntagabend anlässlich des Holocaust-Gedenktags im Düsseldorfer Maxhaus der NS-Opfer gedacht wurde, beschmierten unbekannte Täter das Außenschild am Haus des Landesverbandes der Sinti und Roma Nordrhein-Westfalen in der Kölner Straße mit einem großen Hakenkreuz. Der 1982 gegründete Landesverband hat dort auch seine Beratungsstelle. Der Angriff ereignete sich während der Gedenkveranstaltung, an der auch der Landesverband Deutscher Sinti und Roma als Kooperationspartner beteiligt war und wo auch der Verbandsvorsitzende Roman Franz eine Gedenkrede hielt. Der Landesverband hat Strafanzeige erstattet. Der Verband sieht den Vorfall als „volksverhetzenden Angriff auf Sinti und Roma und eine bewusste Verhöhnung der Opfer des nationalsozialistischen Völkermordverbrechens“, heißt es in einer Mitteilung. Read the rest of this entry »
Januar 29th, 2019 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Deutsche Bundesregierung beruft „Expertenkommission Antiziganismus“
Am 30. Januar 2019 beruft die Bundesregierung die Mitglieder der im Koalitionsvertrag vereinbarten unabhängigen „Expertenkommission Antiziganismus“. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt die schnelle Berufung durch den Bundesminister des Innern, Horst Seehofer. Der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, erklärte dazu heute: „Antiziganismus ist tiefverwurzelt in der deutschen und der europäischen Gesellschaft. Die Ächtung des Antiziganismus durch die Bundesregierung und durch die Politik muss jetzt durch entsprechende Anstrengungen insbesondere in der politischen Bildung untermauert werden. Der Zentralrat erwartet daher auch, dass der Deutsche Bundestag sich ausführlich mit der Bekämpfung des Antiziganismus befasst.”
Romani Rose trifft deshalb am gleichen Tag zu einem Spitzengespräch mit dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion, Ralph Brinkhaus, zusammen. Der Zentralrat erwartet von der Kommission neben einem Bericht zum Ende der Legislaturperiode konkrete Empfehlungen an die Bundesregierung, um die historische Dimension ebenso aufzuarbeiten wie den gegenwärtigen Antiziganismus zu bekämpfen. Hierzu gehöre vorrangig die Dokumentation antiziganistisch motivierter Straftaten ebenso wie die Beobachtung von Antiziganismus in den Medien und den Auswirkungen bei den Einstellungen in der Bevölkerung.
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Januar 23rd, 2019 |
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Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Religion
Spendenprojekt 2019 für Roma in Griechenland
Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) führt jedes Jahr ein besonderes Spendenprojekt durch: 2019 will der ÖRKÖ Roma-Kinder und -Jugendliche in Griechenland unterstützen. Vor allem geht es darum, den Kindern und Jugendlichen einen Schulabschluss und damit bessere Berufs- und Lebenschancen zu ermöglichen.
In Griechenland leben derzeit ca. 50.000 Roma. Innerhalb einer Studie der European Union Agency for Fundamental Rights (2014) gaben ca. 50 Prozent der befragten Roma über 16 Jahren in Griechenland an, Analphabeten zu sein. Fast 43 Prozent der Kinder im Schulalter gehen nicht zur Schule, womit Griechenland europaweit einen der höchsten Werte erreicht. Grund dafür ist insbesondere das frühe Verlassen der Schule, um zum Familieneinkommen beizutragen. Auch andere Faktoren wie Umzüge, Wohnverhältnisse, Gesundheit und Diskriminierung erschweren die regelmäßige Teilnahme am Unterricht. Zwar steigt die Anzahl der Schulbesuche von Kindern in den letzten Jahren stetig an, dennoch ist die Teilnahme am Bildungssystem vielfach noch nicht ausreichend, um qualifizierte Jobs auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen. Viele Haushalte hängen von den Einnahmen aus Saisonarbeit oder staatlichen Sozialleistungen ab, was für viele Familien ein Leben unterhalb der Armutsgrenze bedeutet. Vielfach führt dies zu einer Verschiebung auf den informellen Arbeitsmarkt ohne soziale Sicherung und finanzielle Stabilität.
„Demetrias“, ein Träger der griechisch-orthodoxen Kirche, bietet in Aliveri Nachhilfeunterricht für Roma an, damit die Kinder und Jugendlichen ihre verpassten Unterrichtsinhalte aufarbeiten können.
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Januar 19th, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte
Rassismus gegen Roma in Bulgarien und Protest in Brüssel
RAN, 16.1.2019: Am 9. Januar haben die Behörden den Abriss einer informellen Roma-Siedlung im südbulgarischen Dorf Wojwodinowo angeordnet. Der Abriss wurde nach einem Konflikt zwischen einem bulgarischen Soldaten und zwei Roma-Jungen des Dorfes drei Tage zuvor beschlossen. Der Soldat befand sich nicht im Dienst, als er durch Wojwodinowo fuhr. Die beiden Jungen befanden sich auf der Straße, woraufhin der Fahrer anhielt und es zu einer körperlichen Auseinandersetzung mit den Jungen kam, bei der der Mann verletzt wurde. Nach dem Vorfall wurden die beiden Jungen verhaftet, und es wurden Proteste aus Solidarität mit dem Verletzten organisiert. Begleitet wurden diese von rassistischen Äußerungen des bulgarischen Verteidigungsministers Krasimir Karakatschanow (Vorsitzender der Partei IMRO – Bulgarische Nationale Bewegung). Der anschließende Abriss ist als Kollektivbestrafung der Roma-Community für die Straftat einzelner zu werten.
Gegen diese Reaktion organisierten Roma-Organisationen eine Kundgebung vor dem Regierungsgebäude am 14. Januar in Sofia und forderten den Rücktritt des Verteidigungsministers. Zudem starteten sie eine Petition mit der Forderung, die dem Premierminister übergeben werden soll. Die Menschen, deren Behausungen abgerissen wurden, sind nun, mitten im Winter, obdachlos, sofern sie nicht bei Freunden oder Verwandten unterkommen konnten.
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Januar 17th, 2019 |
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Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Roma-Organisation und GfbV begrüßen Verurteilung der Jungen SVP Bern wegen Rassismus
Am Montag hat das Regionalgericht Bern-Mittelland die beiden Co-Präsidenten der Jungen SVP des Kantons Bern, Nils Fiechter und Adrian Spahr, wegen einem Verstoß gegen die Rassismus-Strafnorm verurteilt. Das Urteil zeigt, dass solch gravierende Fälle von Rassismus gegen Roma im Kanton Bern nicht toleriert werden.
„Es ist beruhigend, dass im Kanton Bern eine Partei wie die Junge SVP nicht ungestraft Wahlkampf auf Kosten von Minderheiten wie der Roma betreiben darf“, sagt Stefan Heinichen vom Verband Sinti und Roma Schweiz (VSRS) zum heutigen Urteil der Gerichtspräsidentin Bettina Bochsler. Der VSRS hatte eine Strafanzeige wegen Verletzung der Rassismus-Strafnorm gegen die Junge SVP des Kantons Bern eingereicht (wir berichteten). Grund war ein Facebook-Post im Rahmen der JSVP-Wahlkampagne, der die Minderheiten der Sinti und Roma auf pauschalisierende Weise herabsetzte. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützte die Strafanzeige. Die Berner Staatsanwaltschaft teilte die Meinung des VSRS und der GfbV und verurteilte die beiden Co-Präsidenten mittels Strafbefehls wegen Rassendiskriminierung. Weil sie die Strafe nicht akzeptierten, erhoben sie Einsprache gegen den Strafbefehl. Ohne Erfolg: Die Strafe wurde durch das Regionalgericht Bern-Mittelland bestätigt. „Wir sind befriedigt, dass in diesem Fall die Rassismus-Strafnorm angewendet wird“, sagt Angela Mattli von der Gesellschaft für bedrohte Völker. „Das Urteil zeigt, dass die Berner Justiz Antiziganismus ernst nimmt und entsprechend sanktioniert.“
Zur Publikation
Die Junge SVP Kanton Bern veröffentlichte am 21. Februar 2018 auf ihrer Facebook-Seite im Rahmen ihrer Wahlkampagne für den Großrat einen Eintrag, der als rassistisch zu werten ist. Der Aufruf „JSVP-Kandidaten wählen – Transitplatz für Zigeuner verhindern!“ machte deutlich, dass ein Transitplatz für fahrende Sinti und Roma ihrer Meinung nach „schädlich“ sei. Gleichzeitig wurde mit einer Illustration suggeriert, dass „Zigeuner“ pauschal schmutzig sind, zu Kriminalität neigen, ihre Fäkalien überall hinterlassen und die öffentliche Ordnung nachhaltig stören.
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Januar 16th, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte
RAN, 15.1.2019: Wie das European Roma Rights Centre berichtet, goss ein bis dato unbekannter Mann am 2. Januar Benzin um zwei Wohnwagen und zündete es an. Anschließend schoss er mit einem Jagdgewehr auf einen 40-jährigen Sinto, als dieser aus den Flammen trat. Er wurde in die Schulter getroffen und liegt nun im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Taten ereigneten sich in der Nähe der norditalienischen Stadt Brescia. Die Sinti-Familie siedelte seit etwa zwei Monaten dort. Anwohner/innen hatten sich über die Anwesenheit der Familie beschwert. Die Schwester des Verwundeten äußerte sich gegenüber der Roma-Aktivistin Graziella Vitali:
Es war spät nachts, als es passierte. Ich wachte als Erste auf, weil ich meinen Bruder schreien hörte. Ich bemerkte, dass es brannte. Ich konnte die Flammen löschen, die sich im Wagen ausbreiteten. Der Wagen wurde gerettet, er verbrannte nicht. Ich kam gerade noch rechtzeitig. Als nächste wachten meine Eltern auf, aber ihr Wagen wurde mit all unseren Sachen darin zerstört. Fast nichts von dem, was wir hatten, konnten wir retten. Wir haben so gut wie alles verloren. Das Wichtigste ist, dass niemand gestorben ist. Das ist das Wichtigste.
Es ist nicht der erste Fall in Norditalien. Bereits letzten Mai wurde ein Wohnwagen (Anm.: in Beinasco nahe Turin) angezündet. In dem Wagen schliefen drei Erwachsene und vier Kinder. Die Roma konnten fliehen, bevor der Wagen abbrannte.
(Text: ran.eu.com)
Anm. der dROMa-Red.:
Es handelt sich auch nicht um den ersten derartigen Vorfall in Brescia selbst: Schon am 12. Februar 2018 wurden nachts vier Autos im Roma-Camp in der via Orzinuovi in Brescia durch Brandstiftung zerstört (siehe: Italien: Schüsse und Feuer in Roma-Camp). Read the rest of this entry »
Januar 15th, 2019 |
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Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Artikel auf „zurzeit.eu“ diskriminiert Roma und Sinti
Allein in den letzten fünf Jahren erhielt „Zur Zeit“ ca. 225.000 Euro an öffentlichen Fördermitteln (Vertriebsförderung).
OTS/Presserat, 15.1.2919: Der Senat 1 des Presserats beschäftigte sich aufgrund einer Mitteilung eines Vertreters eines Roma-Vereins (Anm. der dROMa-Red.: Romano Centro hat auf unseren Hinweis hin den Presserat eingeschaltet) mit dem Artikel „Gruppenvergewaltigung von dreizehnjähriger Deutscher“, erschienen am 15.06.2018 auf „zurzeit.eu“. Nach Meinung des Senats verstößt dieser Artikel gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse. (Siehe auch: Presserat verurteilt „Zur Zeit“, 3.4.2014)
Im Artikel (Anm.: verfasst von Harald Winter) wird berichtet, dass in der Stadt Velbert in Deutschland ein dreizehnjähriges Mädchen von acht Jugendlichen brutal vergewaltigt worden sei. Die Täter sollen die Tat sogar mit dem Handy gefilmt haben. Erst durch das Einschreiten einer Passantin sollen die Jugendlichen von ihrem Opfer abgelassen haben. Den Hauptteil des Artikels bildet die folgende Passage:
Mittlerweile ist bekannt, dass es sich bei der Bande um 14- bis 16-jährige ‚Bulgaren‘ handeln soll. Wobei man deshalb nicht gleich unbedingt auch an ethnische Bulgaren denken muss. Immerhin sind laut Europarat rund zwölf Prozent der Bevölkerung Bulgariens den sogenannten Sinti und Roma zuzuordnen. Viele von ihnen sind arbeitslos, weil oft auch gar nicht arbeitswillig, und wurden von den Sozialleistungen Deutschlands angezogen. Es wäre also interessant, ob auch die Abstammung der Täter bekannt wird, oder ob man sich – wie so oft – auch bei uns hinter der Staatsbürgerschaft versteckt und aus Tschetschenen Russen oder aus Zigeunern Ungarn macht. Bei österreichischen oder deutschen Straftätern weist man ja auch sofort darauf hin, wenn sie das auch abstammungsmäßig sind.
Die Medieninhaberin hat von der Möglichkeit, am Verfahren eine schriftliche Stellungnahme abzugeben oder an der Verhandlung vor dem Senat teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht.
Der Senat hielt fest, dass sich aus der Formulierung „Es wäre also interessant, ob auch die Abstammung der Täter bekannt wird, […]“ klar ergibt, dass deren ethnische Abstammung dem Autor zum Zeitpunkt des Verfassens des Artikels nicht bekannt gewesen war. Im Artikel wurde somit die Volksgruppe der Roma und Sinti ohne konkrete Belege mit der Vergewaltigung einer dreizehnjährigen Deutschen in Verbindung gebracht. Read the rest of this entry »
Januar 12th, 2019 |
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Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
ARD – Echtes Leben: Jenny und die vergessenen Roma-Kinder
13.1.2019 | 17:30 Uhr | Das Erste
15.1.2019 | 21:32 Uhr | tagesschau24
19.1.2019 | 07:15 Uhr | tagesschau24
19.1.2019 | 11:00 Uhr | ARD-alpha
Film von Antje Schneider, 30 Min., D 2018
Jennys Geschichte beginnt mit einem Zufall. Im Winter 2007 entdeckt sie während einer Rumänienreise einen Slum in der Nähe von Sibiu / Hermannstadt. Die Kinder sind unterernährt. Viele Babys schweben in Lebensgefahr. Es gibt keinen Strom, kein Wasser, nur Hütten und Dreck. Jenny Rasche, damals 23 Jahre, ist erschüttert. „Diese Begegnung hat mich nicht mehr losgelassen. Mitten in Europa solch ein Elend. Ich habe die Bilder dieser verhungerten Kinder nicht mehr aus dem Kopf bekommen.“
Zurück in Deutschland gründet sie eine Hilfsorganisation und zieht kurz darauf mit ihrem Mann und ihren drei kleinen Kindern nach Rumänien. Jenny möchte vor Ort helfen. Sie beginnt mit dem Elementarsten und versorgt die Roma mit Essen und warmer Kleidung. Und sie übernimmt Verantwortung für die 40 Kinder im Slum. Mit Spendengeldern aus Deutschland und der Schweiz gründet sie ein Tageszentrum mit einer angegliederten Schule für Analphabeten.
Die ersten Jahre sind schwierig. Die Kinder, die bisher ein elendes Bettlerleben führten, sind traumatisiert. Und dennoch: Mit der Zeit fassen die Kinder Vertrauen zu Jenny. Mittlerweile besuchen viele der Kinder weiterführende Schulen oder erlernen einen Beruf. Read the rest of this entry »
Januar 6th, 2019 |
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Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
„Angst vor der Abrissbirne“ (ZDF)
D 2019, 31 Min., auf Arte verfügbar bis 2.4.2019
ARTE: Im mittelalterlichen Stadtzentrum von Perpignan, Südfrankreich, leben seit über 100 Jahren französische Sinti (Anm. d. Red.: tatsächlich handelt es sich um katalanischsprachige Gitanos, die bereits seit dem 18. Jh. hier ansässig sind, siehe unten). Diese innerstädtische Gemeinde ist in Westeuropa einzigartig. Doch ein Bauvorhaben der Stadtverwaltung droht, die Sinti von dort zu verdrängen.
Nur wenige Schritte von der Fußgängerzone Perpignans mit ihren hübschen Boutiquen und schicken Restaurants entfernt, beginnt eine andere Welt. Im Stadtteil Saint-Jacques leben die Sinti nach ihren eigenen Regeln und Traditionen. Die Stadtverwaltung will dem nun ein Ende setzen. Nach Jahrzehnten der Vernachlässigung haben die Behörden damit begonnen, ein massives Sanierungsprogramm durchzuführen. Der Bürgermeister spricht von einer einmaligen Chance für das Viertel und seine Einwohner. Doch die Sinti befürchten, dass sie vertrieben werden sollen. Über 50 alte Häuser wurden bereits abgerissen. Ihre Einwohner mussten Saint-Jacques größtenteils verlassen. Alain „Nounours“ Gimenez ist in dem Stadtteil aufgewachsen. Zusammen mit einer Gruppe Gleichgesinnter hat er die Abrissbagger im Sommer vorerst aus dem Viertel vertrieben. Seitdem liegen die Arbeiten brach, die Sanierung wurde zu einem nationalem Politikum. Nounours und seine Mitstreiter haben sich Denkmalschützer und Architekten als Verbündete gesucht und den Kampf gegen die Umvbaupläne aufgenommen. Können sie ihr Viertel vor dem Abriss bewahren?
*) Anm. der dROMa-Red.: Die katalanischen Gitanos von Perpignan kamen bereits gegen Ende des 18. Jh. aus Spanien nach Frankreich und sprechen bis heute einen altertümlichen katalanischen Dialekt (u.a. mit Caló- bzw. Romani-Elementen). Read the rest of this entry »
Januar 2nd, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Vor einem Jahr brannte ein Roma-Wohnhaus in Plauen (Deutschland). Passanten behinderten die Rettungsmaßnahmen und riefen: „Lasst sie brennen!“ Nun wurden zwei Neonazis verurteilt: Ein 20-Jähriger muss zur Strafe einen kurzen Aufsatz schreiben, sein Vater kommt mit einer Spende davon. Dabei befanden sich im brennenden Haus über 40 Personen, mehrere wurden teils lebensgefährlich verletzt, unter ihnen auch Kinder. Bei nichtdeutschen Tätern zeigt der Strafrichter hingegen weniger Milde. Die „Bild“-Zeitung feiert ihn sogar als „neuen Knallhart-Richter“.
In der Kleinstadt Plauen in Sachsen brannten vor rund einem Jahr hintereinander zwei Häuser desselben Eigentümers, in denen Roma aus Osteuropa wohnen: Am 29. Dezember 2017 in der Trockentalstraße und am 5. Februar 2018 in der Dürerstraße. Beim ersten Brand wurden über 40 Menschen evakuiert, rund 20 von ihnen wurden – zum Teil lebensbedrohlich – verletzt, unter ihnen auch acht Kinder. Beim zweiten Brand kamen zwei deutsche Nichtroma ums Leben, vier weitere Bewohner, darunter Roma, wurden verletzt. In beiden Fällen handelte es sich um Brandstiftung. Vom zweiten Brand betroffen waren u.a. auch Roma, die nach dem Brand in der Trockentalstraße in der Dürerstraße untergekommen waren.
„Lasst sie brennen“
Beim großen Brand in der Trockentalstraße riefen Neonazis Hassparolen, beschimpften die Polizisten und behinderten die Feuerwehr bzw. die Rettungskräfte. „Lasst sie brennen“, „endlich brennen die Molukken“, „Scheißkanaken“ und „anzünden muss man die“ sollen die Männer laut Zeugenaussagen gebrüllt haben.
Die Situation am Tatort bzw. die Behinderung ihres Einsatzes am 29. Dezember 2017 schilderten die Polizisten beim Prozess wie folgt: »„Das war einer der größten Einsätze, die wir hatten“, sagt ein Beamter. Er fuhr mit seinem Kollegen Streife, als aus der Haustür Rauch quoll. Sie sahen Männer, die Kleinkinder an den Handgelenken aus dem Fenster hielten. Im Treppenhaus war es so heiß, dass die Plastikmülltonnen schmolzen. Der Polizist, 49: „Die beiden haben uns unglaublich behindert. Wir hatten zu wenige Leute vor Ort und alle Hände voll zu tun (…).“ Das permanente Stören habe fast dazu geführt, dass der Einsatz außer Kontrolle gerät.«
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Dezember 27th, 2018 |
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Film & Theater, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Ein Film von: Lisa Hagen, Alena Jabbering und Jonas Schreiijäg
Kamera: Lisa Hagen, Gunnar Krupp, Jan Littelmann
Schnitt: Jule Zeymer
Stell dir mal vor, du bist in Deutschland geboren, in Deutschland aufgewachsen und wirst mit 18 Jahren plötzlich in ein Land abgeschoben, in dem du noch niemals warst. Das ist Fahreta passiert, einem Roma-Mädchen aus Hamburg. Was macht sie in einem Land, in dem sie die Sprache nicht spricht und noch nicht einmal registriert ist? In Hamburg ging sie zur Friseur-Schule, jetzt droht ihr ein Leben in den Slums von Montenegro. „STRG_F“-Reporter Alena und Jonas haben Fahreta und ihre Familie getroffen und zeigen, was sonst kaum jemand sieht: Die Geschichte nach einer Abschiebung.
Mehr hier: www.alle-bleiben.info
(Text und Film: STRG_F)
Dezember 20th, 2018 |
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Film & Theater, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Nach dem Willen der Bundesregierung sollten Ausreisepflichtige Deutschland verlassen. Und zwar am besten: »Möglichst freiwillig«. Ein Film über Freundschaft, Schule, Hoffnung, Abschiebung, Migration, Roma, Rassismus, Deutschland, Mazedonien.
45 Min. / Dokumentarfilm / D 2018
OF Deutsch (Englisch u. Romanes mit deutschen Untertiteln)
Vor dem Hintergrundthema der Ausgrenzung von Roma erzählt die Fotojournalistin Allegra Schneider mit einem wechselndem Team von einer Familie, die die Bundesrepublik freiwillig verlassen musste. Im Zentrum des Films steht die generationenüberschattende Erfahrung des Gehen-Müssens und der Trennungen. Der Film zeigt eine Klasse mit ihrer Lehrerin, die das nicht akzeptieren und dem ehemaligen (Mit-)Schüler nachreisen.
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Dezember 13th, 2018 |
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Dokumente & Berichte, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Massive Verbreitung von Antiziganismus im Internet: Hass gegen Sinti und Roma im Netz besser erkennen, systematisch erfassen und effektiv bekämpfen
Report: Antiziganismus online
Dezember 2018 (→Download/pdf)
Antiziganistischer Hass gehört in fast allen Online-Formaten und auf vielen Webseiten zum Alltag. Gegenrede hingegen findet nur selten statt. Insbesondere rechtsextreme Gruppen und Akteure sind erfolgreich darin, Antiziganismus im Netz zu propagieren, Hass zu schüren und Angehörige der Sinti-und-Roma-Minderheit zu diffamieren. Dies zeigt ein aktueller Recherchebericht von Jugendschutz.net, dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti.
Im Rahmen eines Pilotprojektes waren dabei tausende antiziganistische Hassinhalte im Internet untersucht sowie eine Vielzahl an diskriminierenden Stereotypen identifiziert worden. Mehr als 400 jugendschutzrechtliche und oft auch strafrechtlich relevante Verstöße wurden hierbei dokumentiert. Auffällig war zudem eine Steigerungsdynamik in Kommentarbereichen: Antiziganistische Aussagen verstärken sich dabei wechselseitig bis hin zu menschenverachtenden Darstellungen und konkreten Gewaltaufrufen.
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Dezember 10th, 2018 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Heute vor 70 Jahren, am 10. Dezember 1948, verabschiedeten die Vereinten Nationen die Resolution 217 A (III): die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (hier).

Dezember 10th, 2018 |
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Film & Theater, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Radio Dreyeckland, 3.12.2018, 5:13 Min.
→Anhören (mp3)
AKE DIKHEA? – schaust du? So nennt sich das Roma-Filmfestival, das ab Donnerstag in Berlin stattfand. Zum zweiten Mal wurden dort an vier Festivaltagen insgesamt 25 Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt. Alle, so der Anspruch des Festivals, sollen die unterschiedlichen Lebensrealitäten und Identitäten von Sinti und Roma in ihrer Bandbreite zeigen. Gerade im Film bleiben nämlich Angehörige der größten europäischen Minderheit oft als Stereotyp im Gedächtnis. Als Boxer, Musiker/innen, Bettler/innen zum Beispiel. Zuletzt wurde darüber im Zusammenhang mit dem Kinderfilm „Nellys Abenteuer“ diskutiert, der unter anderem vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma scharf kritisiert wurde (wir berichteten: hier und hier). Im Zentrum der Filmauswahl für das Festival stand deshalb die Frage: Welche Geschichten erzählen Sinti und Roma über sich selbst?
Radio Dreyeckland mit dem künstlerischen Leiter von AKE DIKHEA?, Hamze Bytyçi, gesprochen.
(www.freie-radios.net)
Siehe auch:
„Halbe Katoffl“: Hamze Bytyçi, 1.12.2018
Festival „Ake dikhea?“ sucht Filme, 5.10.2018
„Antiziganismus und Film“, 10.1.2018
Zentralrat erneuert Kritik an Kinderfilm, 27.10.2017
Roma-Fimfestival „Ake dikhea?“, 16.10.2017
Rassismus im Kinderkanal, 24.9.2017
Dezember 8th, 2018 |
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Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Der Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg konkretisiert die Regeln für Hyperlinks. Anlassfall war ein Urteil der ungarischen Justiz, das die Berichterstattung über Rassismus gegen Roma beanstandet hatte.
Auf heise.de berichtet Martin Holland über ein neues Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, das einmal mehr klarstellt, dass Verlinkungen in Onlinemedien rechtlich zulässig sind, wenn dadurch die journalistische Sorgfaltspflicht nicht – etwa durch unbegründete Affirmation der dortigen Inhalte – verletzt wurde. Im Sinne der Informationsfreiheit sind Journalisten also nur eingeschränkt für von ihnen gesetzte Hyperlinks haftbar.
Mit der Entscheidung wurden mehrere ungarische Urteile korrigiert, weil dort das Recht auf Meinungsfreiheit nicht angemessen gewürdigt worden sei. Hintergrund des Rechtsstreits war ein Vorfall im September 2013, als eine Gruppe von Fußballfans vor einer Schule, die hauptsächlich von Roma besucht wird, rassistisch grölte. In einem Artikel auf 444.hu zu den Geschehnissen war danach auch ein Link zu einem Youtube-Video enthalten, das ein Interview mit einem Vertreter der örtlichen Roma zeigte. Der hatte darin erklärt, dass die Täter Mitglieder der rechtsextremen Jobbik-Partei gewesen seien. Read the rest of this entry »
Dezember 7th, 2018 |
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Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Kritik an Ausreiseaufforderungen für mittellose EU-Bürger: Laut Sozialeinrichtungen werden Roma und osteuropäische Bettler in Wien verstärkt von Fremdenpolizei überprüft
Der Standard, 7.12.2018: Die Berichte kommen, unabhängig voneinander, aus verschiedenen Sozialeinrichtungen (…). Im Auftrag des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl (BFA) überprüfe die Polizei in Wien Menschen aus osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten, die dem Anschein nach mittellos sind, zunehmend engmaschig – und fordere sie zur Ausreise auf – heißt es bei der NGO Bettellobby und der Straßenzeitung Augustin. Auch bei Obdach Wien, einer Tochtergesellschaft des Fonds Soziales Wien (FSW), die in der Bundeshauptstadt 24 Sozialeinrichtungen betreibt, bestätigt ein Sprecher „diese Wahrnehmung“.
„Das geht zum Beispiel so: Eine Polizeistreife hält einen Augustin-Straßenverkäufer an, fordert ihn auf, sich auszuweisen, und überprüft die Person. Liegt gegen diese eine rechtskräftige Ausweisung vor, drückt sie ihr eine Information über die ‘Verpflichtung zur Ausreise‘ in die Hand”“, schildert Bernhard Wernitznig, Sozial- und Vertriebsmitarbeiter beim Augustin. Vielfach seien Roma aus der Slowakei, Ungarn, Bulgarien oder Rumänien (…) von diesen Amtshandlungen betroffen. (…) Read the rest of this entry »