Rassismus & Menschenrechte

„Gewalt gegen Minderheiten“

Februar 7th, 2019  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Wissen schafft DemokratieNeues Buch des Instituts für Demokratie und Zivil­ge­sell­schaft be­leuch­tet Hass­kri­mi­na­li­tät aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven

Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) – Thürin­ger Doku­men­ta­tions- und Forschungs­stelle gegen Men­schen­feind­lich­keit (Hrsg): Wissen schafft De­mokratie. Gewalt gegen Min­der­heiten (=Schrif­ten­reihe des Insti­tut für Demokratie und Zivil­gesell­schaft, Bd. 4), Amadeu Antonio Stif­tung: Berlin 2018

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Wie kann vorurteilsgeleitete Gewalt erkannt und ver­hindert wer­den? Was berich­ten Betrof­fene? Welche inter­natio­nalen Befunde zu Hass­kriminalität gibt es? Wie können gesell­schaft­lich stig­mati­sierte und dadurch beson­ders gefähr­dete Grup­pen ge­stärkt werden? Dis­kutiert wur­den diese und weite­re Fragen im Sep­tem­ber 2018 in Jena im Rahmen der Fach­kon­ferenz „Gewalt gegen Minder­heiten: Inter­natio­nale Per­spektiven und Strate­gien zum Um­gang mit Hass­krimina­lität“. Um die Inhalte einem brei­teren Pub­likum zur Ver­fügung zu stel­len, sind im vor­liegenden Konferenz­band die Vor­träge und Dis­kussio­nen doku­men­tiert und um weiter­führende Infor­ma­tio­nen er­gänzt.

„Gewalt gegen Minderheiten“ ist der Schwerpunkt dieses neuen Buches, wel­ches das Jenaer Insti­tut für Demo­kratie und Zivil­gesell­schaft (IDZ) im Januar ver­öffent­licht hat. Der Band ver­sam­melt 13 Artikel von deutschen, bri­tischen und kana­di­schen Autorin­nen und Autoren. Ne­ben wis­sen­schaft­li­chen Studien­ergeb­nissen wer­den auch der polizei­liche und zivil­gesell­schaft­liche Umgang mit rechter Gewalt und Hass­krimi­na­lität dis­kutiert.

Unter anderem zeigt die Auswertung einer um­fas­sen­den Befra­gung von Kriminali­täts­opfern durch die Krimi­no­log_in­nen Eva Gross, Arne Dreissigacker und Lars Riesner, dass Opfer von Vorurteils­krimina­li­tät ein deut­lich min­deres Sicherheits­gefühl, höhere Krimi­nalitäts­furcht und gerin­ge­res Vertrauen in die Polizei auf­weisen als Per­so­nen, die eben­falls zum Opfer von Krimina­lität wurden, bei denen aller­dings Vor­urteile keine Rolle spiel­ten.

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Bulgarien: Aufruf gegen Roma-Vertreibung

Februar 4th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Kinderwagen inmitten der Abrisstrümmer (Foto: BHC, 10.1.2019)Bulgarisches Helsinki-Komitee bittet um Unterstützung im Kampf gegen Vertreibung von Roma-Famlien

Das Bulgarische Helsinki-Komitee (BHC) bittet um Unter­stüt­zung für 17 Roma-Fa­mi­lien aus dem Dorf Voy­vo­di­novo (Woj­wodi­nowo), die von Zwangs­ver­treibung be­droht sind und deren Häuser zer­stört werden sollen. Nach einer gewalt­sa­men Ausei­nan­der­setzung am 6. Ja­nuar 2019 zwi­schen zwei Roma und meh­reren ande­ren Bulgaren (…), kam es zu natio­nalis­ti­schen Protes­ten in dem Dorf Voy­vodi­novo, an denen neben den Dorf­bewoh­nern vor allem natio­nalis­tische Gruppen und Sol­daten der bulga­rischen Armee teil­nah­men. In der Nachbar­schaft gab es massive Drohun­gen gegen die Roma.

Aufgrund dieser Proteste zerstörte die Gemeinde Maritza drei der von Roma be­wohn­ten Häuser, und zwar ohne Vor­ankün­di­gung oder Ein­haltung der gesetz­lichen Ver­fahren (wir be­rich­te­ten: Siedlungs­abriss: Pro­test bulga­rischer Roma). Den Be­wohnern wurde nicht einmal die Mög­lich­keit ge­geben, ihre am drin­gends­ten be­nötig­ten Sachen aus den Häusern zu ret­ten. Ver­treter des Bulgari­schen Helsinki-Ko­mi­tees fan­den meh­re­re Kinder­wagen und Haus­halts­gegen­stände, die aus den ab­geris­se­nen Gebäuden zu­sam­men­getra­gen wur­den, wäh­rend die Kameras der bul­gari­schen Medien zeig­ten, wie die Bagger die Häuser der Familien nieder­ris­sen. An den Türen und Fens­tern der ver­bleiben­den Häuser wurden Be­schlüs­se der Ge­meinde an­ge­bracht, die die Zer­stö­rung der weite­ren Gebäude an­kündi­gen. Inner­halb einer Frist von sieben Tagen (..), kann da­gegen Berufung ein­gelegt wer­den. Das BHC unter­stützt die betrof­fenen Familien dabei, Wider­sprüche ein­zu­legen.

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„Geschwister“ (2016)

Februar 1st, 2019  |  Published in Film & Theater, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Fernsehfilm von Markus Mörth, D/A 2016, 105 Min.
ZDF/Das kleine Fernsehspiel, ARTE, ORF

Der künstlerisch hochbegabte 16-jährige Mikhail (Abdulkadir Tuncer) und sei­ne zwei Jah­re älte­re Schwes­ter Bebe (Ada Condeescu) le­ben in einem Waisen­haus auf dem Land in Moldawien. Die bei­den haben eine sehr enge Be­zie­hung. Sie hel­fen und schützen sich gegen­seitig, doch als Roma sind sie in ihrer Heimat auf Dauer nicht sicher. Auf ihrer gefähr­li­chen und illega­len Flucht über Rumänien und Serbien wer­den die beiden zu Ge­jagten, sie ge­ra­ten in die Hände mafiö­ser Schlepper­banden, Men­schen­händler und Bordell­betrei­ber. Die Sicher­heit, die ih­nen Deutschland als Ziel­land ihrer Flucht an­fangs zu bieten scheint, wird schnell brü­chig – zu viel ist auf der Reise pas­siert, zu lang ist der Arm derer, denen sie ent­kommen sind und die sich nun an den Flücht­lin­gen rächen wol­len. Neben dem Versuch, Arbeit zu finden, neue Be­ziehun­gen zu knüpfen, die Sprache und mehr über die Kultur zu ler­nen, kämpfen die beiden mit trauma­ti­schen Er­fah­run­gen, krimi­nel­len Ver­strickun­gen und der Schwierig­keit, Ver­trauen in die Chance auf eine bes­sere Zu­kunft zu fassen.

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Sinti-Büro mit Hakenkreuz beschmiert

Januar 31st, 2019  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Hakenkreuz während Gedenkstunde - Ermittlungen laufen (Foto: CC-BY-2.0, Wikipedia/Dirk Vorderstraße)Düsseldorf: Hakenkreuz-Schmie­re­rei auf Sinti-und-Ro­ma-Ge­schäfts­stelle wäh­rend Holocaust-Ge­denk­stunde

Während am Sonntagabend anläss­lich des Holocaust-Ge­denk­tags im Düsseldorfer Max­haus der NS-Opfer ge­dacht wur­de, be­schmier­ten un­be­kannte Täter das Außen­schild am Haus des Landes­ver­ban­des der Sinti und Roma Nord­rhein-West­falen in der Kölner Stra­ße mit einem großen Haken­kreuz. Der 1982 ge­grün­dete Landes­verband hat dort auch seine Bera­tungs­stelle. Der Angriff er­eignete sich wäh­rend der Gedenk­ver­anstal­tung, an der auch der Lan­des­ver­band Deutscher Sinti und Roma als Ko­opera­tions­partner betei­ligt war und wo auch der Ver­bands­vor­sitzende Roman Franz eine Gedenk­rede hielt. Der Landes­verband hat Straf­anzeige er­stattet. Der Ver­band sieht den Vorfall als „volks­verhetzen­den Angriff auf Sinti und Roma und eine be­wusste Ver­höhnung der Opfer des natio­nal­sozia­lis­ti­schen Völker­mord­ver­bre­chens“, heißt es in einer Mit­tei­lung. Read the rest of this entry »

„Expertenkommission Antiziganismus“

Januar 29th, 2019  |  Published in Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Eine neue Expertenkommission in Deutschland soll helfen, Romafeindlichkeit zu dokumentieren und zu bekämpfen. Hier: Romani Rose, Pressekonferenz des Zentralrats zum "Fall Maria", 2014 (Foto: Zentralrat)Deutsche Bundesregierung beruft „Ex­per­ten­kom­mis­sion Anti­ziga­nis­mus“

Am 30. Januar 2019 beruft die Bundesregierung die Mitglieder der im Koali­tions­ver­trag ver­ein­bar­ten un­ab­hän­gi­gen „Ex­per­ten­kom­mis­sion Anti­zi­ga­nis­mus“. Der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma be­grüßt die schnelle Beru­fung durch den Bun­des­minis­ter des In­nern, Horst Seehofer. Der Vor­sitzen­de des Zentral­rates Deut­scher Sinti und Roma, Romani Rose, er­klärte dazu heute: „Anti­ziga­nis­mus ist tief­ver­wurzelt in der deutschen und der euro­päi­schen Ge­sell­schaft. Die Ächtung des Anti­zi­ga­nis­mus durch die Bundes­regierung und durch die Politik muss jetzt durch ent­spre­chende An­stren­gun­gen ins­beson­dere in der politi­schen Bildung unter­mauert wer­den. Der Zentralrat er­war­tet daher auch, dass der Deutsche Bundestag sich aus­führ­lich mit der Be­kämp­fung des Anti­ziganis­mus be­fasst.”

Romani Rose trifft deshalb am gleichen Tag zu einem Spitzen­gespräch mit dem Vor­sitzen­den der CDU/CSU-Frak­tion, Ralph Brinkhaus, zu­sam­men. Der Zentral­rat erwartet von der Kom­mission neben einem Bericht zum Ende der Le­gis­la­tur­pe­rio­de konkrete Empfeh­lun­gen an die Bundes­regie­rung, um die histo­ri­sche Dimen­sion eben­so auf­zu­arbeiten wie den gegen­wär­tigen Anti­ziganismus zu be­kämpfen. Hier­zu gehöre vor­rangig die Doku­men­ta­tion anti­ziganis­tisch moti­vier­ter Straf­taten eben­so wie die Be­obach­tung von Anti­ziganis­mus in den Medien und den Aus­wirkun­gen bei den Ein­stel­lun­gen in der Be­völ­ke­rung.

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ÖRKÖ hilft Schulprojekt in Griechenland

Januar 23rd, 2019  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Religion

Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich will 2019 gemeinsam orthodoxer Hilfsorganisation Roma-Kindern in Griechenland einen Schulabschluss ermöglichen (Foto: ÖRKÖ) Spendenprojekt 2019 für Roma in Grie­chen­land

Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) führt jedes Jahr ein be­son­de­res Spenden­pro­jekt durch: 2019 will der ÖRKÖ Roma-Kin­der und -Ju­gend­liche in Grie­­­chen­­land un­ter­stüt­zen. Vor al­lem geht es darum, den Kindern und Ju­gend­li­chen einen Schul­ab­schluss und damit bes­sere Berufs- und Lebens­chancen zu er­mög­li­chen.

In Griechenland leben derzeit ca. 50.000 Roma. Inner­halb einer Studie der European Union Agency for Fun­da­men­tal Rights (2014) gaben ca. 50 Pro­zent der be­frag­ten Roma über 16 Jah­ren in Grie­chen­land an, Analphabeten zu sein. Fast 43 Pro­zent der Kinder im Schul­alter gehen nicht zur Schule, wo­mit Grie­chen­land euro­pa­weit einen der höchs­ten Werte er­reicht. Grund da­für ist ins­be­son­dere das frühe Ver­lassen der Schule, um zum Fa­mi­lien­ein­kom­men bei­zu­tra­gen. Auch an­de­re Fak­toren wie Um­züge, Wohn­ver­hält­nis­se, Gesund­heit und Dis­krimi­nie­rung er­schwe­ren die regel­mäßi­ge Teil­nah­me am Unterricht. Zwar steigt die An­zahl der Schul­besu­che von Kindern in den letz­ten Jah­ren ste­tig an, den­noch ist die Teil­nahme am Bildungs­system viel­fach noch nicht aus­rei­chend, um qua­lif­i­zier­te Jobs auf dem Arbeits­markt zu be­kom­men. Viele Haus­halte hängen von den Ein­nah­men aus Saison­arbeit oder staat­li­chen Sozial­leistungen ab, was für viele Fa­mi­lien ein Leben unter­halb der Armuts­grenze be­deutet. Viel­fach führt dies zu einer Ver­schie­bung auf den infor­mel­len Arbeitsmarkt ohne sozia­le Sicherung und fi­nan­ziel­le Sta­bi­lität.

„Demetrias“, ein Träger der griechisch-orthodoxen Kirche, bie­tet in Aliveri Nach­hilfe­unterricht für Roma an, damit die Kinder und Jugend­lichen ihre ver­pass­ten Unter­richts­inhalte auf­ar­bei­ten können.

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Siedlungsabriss: Protest bulgarischer Roma

Januar 19th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Romaprotest in Bulgarien (Foto: RAN)Rassismus gegen Roma in Bulgarien und Protest in Brüssel

RAN, 16.1.2019: Am 9. Januar haben die Behörden den Abriss einer in­for­mel­len Roma-Sied­lung im süd­bul­ga­ri­schen Dorf Woj­wodi­nowo an­ge­ord­net. Der Abriss wurde nach einem Kon­flikt zwi­schen einem bul­gari­schen Sol­daten und zwei Roma-Jungen  des Dorfes drei Tage zuvor be­schlos­sen. Der Soldat be­fand sich nicht im Dienst, als er durch Wojwodinowo fuhr. Die bei­den Jun­gen be­fan­den sich auf der Straße, worauf­hin der Fahrer an­hielt und es zu einer kör­per­li­chen Aus­einan­der­set­zung mit den Jungen kam, bei der der Mann ver­letzt wurde. Nach dem Vor­fall wur­den die bei­den Jungen ver­haf­tet, und es wur­den Proteste aus Soli­da­ri­tät mit dem Ver­letz­ten orga­ni­siert. Be­glei­tet wur­den diese von rassis­ti­schen Äußerun­gen des bulga­ri­schen Ver­teidi­gungs­minis­ters Krasimir Karakatschanow (Vor­sit­zen­der der Partei IMRO – Bul­gari­sche Natio­nale Bewe­gung). Der an­schlie­ßende Abriss ist als Kol­lek­tiv­bestra­fung der Roma-Com­mu­nity für die Straftat ein­zel­ner zu wer­ten.

Gegen diese Reaktion organisierten Roma-Organisa­tio­nen eine Kund­ge­bung vor dem Regie­rungs­ge­bäude am 14. Januar in Sofia und for­der­ten den Rück­tritt des Ver­teidi­gungs­minis­ters. Zudem star­teten sie eine Petition mit der For­de­rung, die dem Premier­mi­nis­ter über­geben wer­den soll. Die Men­schen, deren Be­hau­sun­gen ab­geris­sen wurden, sind nun, mitten im Winter, ob­dach­los, sofern sie nicht bei Freun­den oder Ver­wandten unter­kom­men konnten.

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Rassismus: Junge SVP Bern verurteilt

Januar 17th, 2019  |  Published in Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Dieses Bild wurde eingeklagt. (Bild: SVP)Roma-Organisation und GfbV begrüßen Verurteilung der Jungen SVP Bern wegen Rassismus

Am Montag hat das Regionalgericht Bern-Mit­tel­land die bei­den Co-Prä­si­den­ten der Jungen SVP des Kantons Bern, Nils Fiechter und Adrian Spahr, we­gen einem Ver­stoß gegen die Ras­sis­mus-Straf­norm ver­ur­teilt. Das Urteil zeigt, dass solch gra­vie­rende Fäl­le von Rassis­mus gegen Roma im Kanton Bern nicht to­le­riert werden.

„Es ist beruhigend, dass im Kanton Bern eine Partei wie die Junge SVP nicht un­gestraft Wahl­kampf auf Kos­ten von Min­der­heiten wie der Roma be­trei­ben darf“, sagt Stefan Heinichen vom Verband Sinti und Roma Schweiz (VSRS) zum heu­ti­gen Urteil der Gerichts­prä­siden­tin Bettina Bochsler. Der VSRS hatte eine Straf­anzeige wegen Ver­let­zung der Rassis­mus-Straf­norm ge­gen die Junge SVP des Kan­tons Bern ein­ge­reicht (wir berich­te­ten). Grund war ein Face­book-Post im Rah­men der JSVP-Wahl­kampagne, der die Min­der­heiten der Sinti und Roma auf pau­scha­li­sie­ren­de Weise herab­setz­te. Die Gesell­schaft für be­drohte Völker (GfbV) unter­stütz­te die Straf­anzeige. Die Berner Staats­anwalt­schaft teilte die Mei­nung des VSRS und der GfbV und ver­urteilte die beiden Co-Prä­sidenten mit­tels Straf­befehls wegen Rassen­dis­krimi­nie­rung. Weil sie die Strafe nicht ak­zeptier­ten, er­hoben sie Ein­sprache ge­gen den Straf­befehl. Ohne Erfolg: Die Strafe wur­de durch das Regional­gericht Bern-Mit­telland be­stä­tigt. „Wir sind be­frie­digt, dass in diesem Fall die Rassis­mus-Straf­norm an­ge­wen­det wird“, sagt Angela Mattli von der Ge­sell­schaft für bedrohte Völker. „Das Urteil zeigt, dass die Berner Justiz Anti­ziganismus ernst nimmt und ent­spre­chend sank­tio­niert.“

Zur Publikation

Die Junge SVP Kanton Bern veröffentlichte am 21. Februar 2018 auf ih­rer Facebook-Sei­te im Rah­men ihrer Wahl­kampagne für den Groß­rat einen Ein­trag, der als rassis­tisch zu wer­ten ist. Der Aufruf „JSVP-Kan­didaten wäh­len – Transit­platz für Zigeuner ver­hindern!“ mach­te deut­lich, dass ein Transitplatz für fah­rende Sinti und Roma ihrer Mei­nung nach „schäd­lich“ sei. Gleich­zeitig wurde mit ei­ner Illustration sug­ge­riert, dass „Zigeuner“ pau­schal schmutzig sind, zu Krimi­na­lität neigen, ihre Fäkalien über­all hin­ter­lassen und die öf­fent­liche Ord­nung nach­hal­tig stören.

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Italien: Sinto angeschossen, Camper angezündet

Januar 16th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

BresciaRAN, 15.1.2019: Wie das European Roma Rights Centre berichtet, goss ein bis dato un­be­kann­ter Mann am 2. Janu­ar Benzin um zwei Wohn­wagen und zün­dete es an. An­schlie­ßend schoss er mit einem Jagd­gewehr auf einen 40-jäh­ri­gen Sinto, als dieser aus den Flam­men trat. Er wurde in die Schulter ge­trof­fen und liegt nun im Kran­ken­haus. Die Staats­anwalt­schaft hat die Ermitt­lungen auf­ge­nom­men. Die Taten er­eigne­ten sich in der Nähe der nord­italieni­schen Stadt Brescia. Die Sinti-Fa­mi­lie sie­delte seit etwa zwei Monaten dort. An­woh­ner/innen hat­ten sich über die An­wesen­heit der Fa­milie be­schwert. Die Schwes­ter des Ver­wun­deten äußerte sich gegen­über der Roma-Ak­tivis­tin Graziella Vitali:

Es war spät nachts, als es passier­te. Ich wachte als Erste auf, weil ich meinen Bruder schreien hörte. Ich be­merkte, dass es brannte. Ich konn­te die Flam­men löschen, die sich im Wagen aus­breite­ten. Der Wagen wurde ge­rettet, er ver­brannte nicht. Ich kam gerade noch recht­zeitig. Als nächste wach­ten meine Eltern auf, aber ihr Wagen wurde mit all unse­ren Sachen darin zer­stört. Fast nichts von dem, was wir hat­ten, konn­ten wir retten. Wir haben so gut wie alles ver­loren. Das Wich­tigs­te ist, dass nie­mand ge­storben ist. Das ist das Wich­tigste.

Es ist nicht der erste Fall in Norditalien. Bereits letz­ten Mai wurde ein Wohn­wagen (Anm.: in Beinasco nahe Turin) an­gezündet. In dem Wagen schlie­fen drei Erwach­sene und vier Kinder. Die Roma konnten flie­hen, bevor der Wagen ab­brannte.

(Text: ran.eu.com)

Anm. der dROMa-Red.:
Es handelt sich auch nicht um den ersten der­arti­gen Vor­fall in Brescia selbst: Schon am 12. Febru­ar 2018 wur­den nachts vier Autos im Roma-Camp in der via Orzinuovi in Brescia durch Brand­stiftung zerstört (
siehe: Italien: Schüsse und Feuer in Roma-Camp). Read the rest of this entry »

Presserat verurteilt „zurzeit.eu“

Januar 15th, 2019  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Artikel auf „zurzeit.eu“ diskriminiert Roma und SintiPresserat

Allein in den letzten fünf Jahren er­hielt „Zur Zeit“ ca. 225.000 Euro an öffent­li­chen Förder­mit­teln (Ver­triebs­för­de­rung).

OTS/Presserat, 15.1.2919: Der Senat 1 des Presserats be­schäf­tig­te sich auf­grund einer Mit­­tei­­lung eines Ver­­tre­­ters eines Roma-Vereins (Anm. der dROMa-Red.: Romano Centro hat auf un­se­ren Hin­weis hin den Presse­rat ein­ge­schal­tet) mit dem Ar­ti­kel „Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gung von drei­zehn­jähri­ger Deutscher“, er­schie­nen am 15.06.2018 auf „zurzeit.eu“. Nach Mei­nung des Senats ver­stößt dieser Artikel ge­gen den Ehren­kodex für die öster­rei­chi­sche Presse. (Siehe auch: Presserat verurteilt „Zur Zeit“, 3.4.2014)

Im Artikel (Anm.: verfasst von Harald Winter) wird berichtet, dass in der Stadt Velbert in Deutschland ein drei­zehn­jähri­ges Mädchen von acht Jugend­li­chen brutal ver­gewal­tigt wor­den sei. Die Täter sollen die Tat sogar mit dem Handy ge­filmt haben. Erst durch das Ein­schre­iten einer Pas­santin sollen die Jugend­lichen von ihrem Opfer ab­gelas­sen haben. Den Haupt­teil des Artikels bil­det die fol­gen­de Passage:

Mittlerweile ist bekannt, dass es sich bei der Bande um 14- bis 16-jäh­ri­ge ‚Bulgaren‘ han­deln soll. Wobei man des­halb nicht gleich un­bedingt auch an ethni­sche Bul­garen den­ken muss. Immer­hin sind laut Europarat rund zwölf Pro­zent der Be­völke­rung Bulgariens den so­genann­ten Sinti und Roma zu­zu­ord­nen. Viele von ihnen sind arbeits­los, weil oft auch gar nicht arbeits­willig, und wurden von den Sozial­leis­tun­gen Deutschlands an­ge­zogen. Es wäre also in­teres­sant, ob auch die Ab­stam­mung der Täter be­kannt wird, oder ob man sich – wie so oft – auch bei uns hin­ter der Staats­bürger­schaft ver­steckt und aus Tsche­tsche­nen Russen oder aus Zigeunern Un­garn macht. Bei öster­rei­chi­schen oder deutschen Straf­tätern weist man ja auch so­fort darauf hin, wenn sie das auch ab­stam­mungs­mäßig sind.

Die Medieninhaberin hat von der Möglichkeit, am Ver­fahren eine schrift­li­che Stellung­nahme ab­zugeben oder an der Ver­handlung vor dem Senat teil­zu­nehmen, kei­nen Ge­brauch ge­macht.

Der Senat hielt fest, dass sich aus der Formulierung „Es wäre also interes­sant, ob auch die Ab­stam­mung der Täter be­kannt wird, […]“ klar er­gibt, dass deren ethnische Ab­stammung dem Autor zum Zeit­punkt des Ver­fassens des Artikels nicht be­kannt ge­we­sen war. Im Artikel wurde somit die Volks­gruppe der Roma und Sinti ohne konkrete Be­lege mit der Ver­gewal­ti­gung einer drei­zehn­jähri­gen Deutschen in Ver­bin­dung ge­bracht. Read the rest of this entry »

Jenny und die Kinder

Januar 12th, 2019  |  Published in Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

JennyARD – Echtes Leben: Jenny und die vergessenen Roma-Kinder

13.1.2019 | 17:30 Uhr | Das Erste
15.1.2019 | 21:32 Uhr | tagesschau24
19.1.2019 | 07:15 Uhr | tagesschau24
19.1.2019 | 11:00 Uhr | ARD-alpha

Film von Antje Schneider, 30 Min., D 2018

Jennys Geschichte beginnt mit einem Zufall. Im Win­ter 2007 ent­deckt sie wäh­rend einer Rumänien­reise einen Slum in der Nähe von Sibiu / Hermannstadt. Die Kin­der sind unter­er­nährt. Viele Babys schwe­ben in Le­bens­gefahr. Es gibt kei­nen Strom, kein Was­ser, nur Hütten und Dreck. Jenny Rasche, da­mals 23 Jahre, ist er­schüt­tert. „Diese Be­geg­nung hat mich nicht mehr los­ge­las­sen. Mit­ten in Europa solch ein Elend. Ich habe die Bilder dieser ver­hun­ger­ten Kinder nicht mehr aus dem Kopf be­kom­men.“

Zurück in Deutschland gründet sie eine Hilfs­organi­sa­tion und zieht kurz darauf mit ihrem Mann und ihren drei klei­nen Kin­dern nach Rumänien. Jen­ny möch­te vor Ort helfen. Sie be­ginnt mit dem Ele­men­tars­ten und ver­sorgt die Roma mit Essen und warmer Kleidung. Und sie über­nimmt Ver­ant­wor­tung für die 40 Kinder im Slum. Mit Spenden­gel­dern aus Deutschland und der Schweiz grün­det sie ein Tages­zentrum mit einer an­geg­lie­der­ten Schule für An­alpha­beten.

Die ersten Jahre sind schwierig. Die Kinder, die bisher ein elen­des Bettler­leben führ­ten, sind trauma­ti­siert. Und den­noch: Mit der Zeit fas­sen die Kinder Ver­trauen zu Jenny. Mitt­ler­weile be­suchen viele der Kinder weiter­füh­rende Schulen oder er­ler­nen einen Beruf. Read the rest of this entry »

„Re: Die Sinti* von Saint-Jacques“

Januar 6th, 2019  |  Published in Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

„Angst vor der Abrissbirne“ (ZDF)
D 2019, 31 Min., auf Arte verfügbar bis 2.4.2019

ARTE: Im mittelalterlichen Stadtzentrum von Perpignan, Süd­frankreich, le­ben seit über 100 Jahren fran­zö­si­sche Sinti (Anm. d. Red.: tatsächlich handelt es sich um kata­la­nisch­spra­chi­ge Gita­nos, die bereits seit dem 18. Jh. hier an­säs­sig sind, siehe unt­en). Die­se in­ner­städtische Ge­mein­de ist in Westeuropa einzig­artig. Doch ein Bau­vorhaben der Stadt­ver­waltung droht, die Sinti von dort zu ver­drängen.
Nur wenige Schritte von der Fußgänger­zone Perpignans mit ihren hüb­schen Bou­tiquen und schicken Res­tau­rants ent­fernt, be­ginnt eine andere Welt. Im Stadt­teil Saint-Jac­ques le­ben die Sinti nach ihren eige­nen Regeln und Tra­ditio­nen. Die Stadt­ver­wal­tung will dem nun ein Ende set­zen. Nach Jahr­zehn­ten der Ver­nach­läs­si­gung haben die Be­hör­den damit be­gon­nen, ein mas­si­ves Sanie­rungs­programm durch­zu­führen. Der Bürger­meister spricht von einer ein­mali­gen Chance für das Viertel und seine Ein­woh­ner. Doch die Sinti be­fürch­ten, dass sie ver­trie­ben wer­den sol­len. Über 50 alte Häuser wur­den bereits ab­gerissen. Ihre Ein­woh­ner muss­ten Saint-Jacques größ­ten­teils ver­las­sen. Alain „Nounours“ Gimenez ist in dem Stadt­teil auf­ge­wach­sen. Zusam­men mit einer Gruppe Gleich­gesinn­ter hat er die Abriss­bagger im Sommer vor­erst aus dem Viertel ver­trie­ben. Seit­dem liegen die Arbeiten brach, die Sanie­rung wur­de zu einem natio­na­lem Politi­kum. Nounours und seine Mit­strei­ter haben sich Denk­mal­schützer und Ar­chitek­ten als Ver­bün­dete ge­sucht und den Kampf gegen die Umvbau­pläne auf­ge­nom­men. Kön­nen sie ihr Vier­tel vor dem Abriss be­wah­ren?

*) Anm. der dROMa-Red.: Die katala­ni­schen Gitanos von Perpignan ka­men bereits gegen Ende des 18. Jh. aus Spanien nach Frankreich und spre­chen bis heute einen alter­tüm­li­chen katalanischen Dialekt (u.a. mit Caló- bzw. Romani-Ele­men­ten). Read the rest of this entry »

Urteil: Neonazi muss Aufsatz schreiben

Januar 2nd, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Deutschland: Wieder brannte das Haus der Roma-Familien in Plauen (Foto: Romano Sumnal)Vor einem Jahr brannte ein Roma-Wohn­haus in Plauen (Deutschland). Pas­san­ten be­hin­der­ten die Ret­tungs­maß­nah­men und rie­fen: „Lasst sie bren­nen!“ Nun wurden zwei Neonazis ver­ur­teilt: Ein 20-Jähri­ger muss zur Strafe einen kur­zen Auf­satz schrei­ben, sein Vater kommt mit einer Spende da­von. Dabei be­fan­den sich im bren­nen­den Haus über 40 Per­so­nen, meh­rere wurden teils lebens­ge­fähr­lich ver­letzt, unter ihnen auch Kinder. Bei nicht­deut­schen Tätern zeigt der Straf­rich­ter hin­ge­gen weni­ger Milde. Die „Bild“-Zei­tung fei­ert ihn sogar als „neuen Knall­hart-Rich­ter“.

In der Kleinstadt Plauen in Sachsen brann­ten vor rund einem Jahr hinter­einan­der zwei Häuser des­sel­ben Eigen­tümers, in denen Roma aus Ost­europa woh­nen: Am 29. Dezember 2017 in der Trocken­tal­straße und am 5. Februar 2018 in der Dürer­straße. Beim ersten Brand wurden über 40 Men­schen evakuiert, rund 20 von ihnen wurden – zum Teil lebens­bedroh­lich – verletzt, un­ter ihnen auch acht Kinder. Beim zwei­ten Brand kamen zwei deutsche Nicht­roma ums Leben, vier wei­tere Bewoh­ner, darun­ter Roma, wur­den ver­letzt. In beiden Fällen han­delte es sich um Brand­stiftung. Vom zwei­ten Brand be­trof­fen waren u.a. auch Roma, die nach dem Brand in der Trockental­straße in der Dürer­straße unter­ge­kom­men waren.

„Lasst sie brennen“

Beim großen Brand in der Trockentalstraße riefen Neonazis Hassparolen, be­schimpf­ten die Poli­zis­ten und be­hin­der­ten die Feuerwehr bzw. die Ret­tungs­kräfte. „Lasst sie brennen“, „end­lich bren­nen die Molukken“, „Scheiß­kanaken“ und „anzünden muss man die“ sollen die Männer laut Zeugen­aus­sagen ge­brüllt haben.

Die Situation am Tatort bzw. die Behinderung ihres Einsatzes am 29. Dezem­ber 2017 schil­der­ten die Poli­zis­ten beim Pro­zess wie folgt: »„Das war einer der größ­ten Ein­sätze, die wir hat­ten“, sagt ein Be­amter. Er fuhr mit sei­nem Kol­le­gen Streife, als aus der Haus­tür Rauch quoll. Sie sahen Männer, die Klein­kinder an den Hand­gelen­ken aus dem Fens­ter hiel­ten. Im Trep­pen­haus war es so heiß, dass die Plastik­müll­ton­nen schmol­zen. Der Polizist, 49: „Die bei­den haben uns unglaub­lich be­hin­dert. Wir hatten zu weni­ge Leute vor Ort und alle Hände voll zu tun (…).“ Das per­ma­nen­te Stören habe fast dazu ge­führt, dass der Ein­satz außer Kontrol­le ge­rät.«

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Von Hamburg in die Roma-Slums

Dezember 27th, 2018  |  Published in Film & Theater, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Ein Film von: Lisa Hagen, Alena Jabbering und Jonas Schreiijäg
Kamera: Lisa Hagen, Gunnar Krupp, Jan Littelmann
Schnitt: Jule Zeymer

Stell dir mal vor, du bist in Deutschland ge­bo­ren, in Deutsch­land auf­ge­wachsen und wirst mit 18 Jah­ren plötz­lich in ein Land ab­gescho­ben, in dem du noch nie­mals warst. Das ist Fahreta pas­siert, einem Roma-Mäd­chen aus Hamburg. Was macht sie in einem Land, in dem sie die Sprache nicht spricht und noch nicht ein­mal re­gist­riert ist? In Ham­burg ging sie zur Fri­seur-Schule, jetzt droht ihr ein Leben in den Slums von Montenegro. „STRG_F“-Re­por­ter Alena und Jonas haben Fahreta und ihre Familie ge­trof­fen und zeigen, was sonst kaum je­mand sieht: Die Ge­schich­te nach einer Abschiebung.

Mehr hier: www.alle-bleiben.info

(Text und Film: STRG_F)

„Möglichst freiwillig“ (Trailer)

Dezember 20th, 2018  |  Published in Film & Theater, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Nach dem Willen der Bundesregierung sollten Ausreise­pflich­ti­ge Deutsch­land ver­las­sen. Und zwar am besten: »Mög­lichst frei­willig«. Ein Film über Freund­schaft, Schule, Hoffnung, Ab­schie­bung, Migra­tion, Roma, Rassis­mus, Deutschland, Mazedonien.

45 Min. / Dokumentarfilm / D 2018
OF Deutsch (Englisch u. Romanes mit deut­schen Un­ter­titeln)

Vor dem Hintergrundthema der Ausgrenzung von Roma erzählt die Foto­journalistin Allegra Schneider mit einem wech­seln­dem Team von einer Familie, die die Bundes­republik frei­willig ver­lassen muss­te. Im Zentrum des Films steht die gene­ra­tionen­über­schat­tende Erfah­rung des Gehen-Müs­sens und der Tren­nun­gen. Der Film zeigt eine Klasse mit ihrer Leh­rerin, die das nicht ak­zep­tieren und dem ehe­mali­gen (Mit-)Schüler nach­reisen.

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Report: Antiziganismus online

Dezember 13th, 2018  |  Published in Dokumente & Berichte, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Report Antiziganismus onlineMassive Verbreitung von Antiziganismus im Inter­net: Hass ge­gen Sinti und Roma im Netz bes­ser er­ken­nen, syste­ma­tisch er­fassen und ef­fek­tiv be­kämpfen

Report: Antiziganismus online
Dezember 2018 (→Download/pdf)

Antiziganistischer Hass gehört in fast allen Online-For­ma­ten und auf vielen Web­seiten zum Alltag. Gegen­rede hin­gegen findet nur selten statt. Ins­be­son­dere rechtsextreme Grup­pen und Ak­teure sind erfolgreich darin, Anti­ziganis­mus im Netz zu pro­pa­gie­ren, Hass zu schüren und An­ge­hö­rige der Sinti-und-Ro­ma-Min­der­heit zu dif­fa­mie­ren. Dies zeigt ein ak­tuel­ler Recherche­bericht von Jugend­schutz.net, dem Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma und dem Doku­men­ta­tions- und Kultur­zentrum Deut­scher Sinti.

Im Rahmen eines Pilotprojektes waren dabei tausende anti­ziganis­tische Hass­inhalte im Internet unter­sucht sowie eine Viel­zahl an dis­kriminie­renden Stereotypen iden­tifi­ziert wor­den. Mehr als 400 jugend­schutz­recht­liche und oft auch straf­rechtlich rele­vante Ver­stöße wur­den hier­bei dokumen­tiert. Auf­fällig war zudem eine Steige­rungs­dynamik in Kom­mentar­berei­chen: Anti­ziganis­ti­sche Aussagen ver­stärken sich dabei wech­sel­seitig bis hin zu men­schen­ver­ach­ten­den Dar­stel­lun­gen und konkre­ten Gewalt­auf­rufen.

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70 Jahre Menschenrechte

Dezember 10th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Heute vor 70 Jahren, am 10. De­zem­ber 1948, ver­ab­schie­de­ten die Ver­ein­ten Na­tio­nen die Re­so­lu­tion 217 A (III): die All­ge­meine Er­klä­rung der Men­schen­rechte (hier).
Menschenrechte

Filme nicht über, sondern von Roma

Dezember 10th, 2018  |  Published in Film & Theater, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

DreyecklandRadio Dreyeckland, 3.12.2018, 5:13 Min.
→Anhören (mp3)

AKE DIKHEA? – schaust du? So nennt sich das Roma-Film­fes­ti­val, das ab Donners­tag in Berlin statt­fand. Zum zwei­ten Mal wur­den dort an vier Festival­tagen ins­gesamt 25 Spiel- und Dokumen­tar­filme ge­zeigt. Alle, so der An­spruch des Festivals, sol­len die unter­schied­li­chen Lebens­reali­tä­ten und Identi­tä­ten von Sinti und Roma in ihrer Band­breite zei­gen. Gera­de im Film bleiben näm­lich An­gehö­rige der größ­ten euro­päi­schen Minder­heit oft als Stereotyp im Ge­dächt­nis. Als Boxer, Musi­ker/in­nen, Bettler/in­nen zum Bei­spiel. Zu­letzt wur­de darüber im Zu­sam­men­hang mit dem Kinder­film „Nellys Abenteuer“ dis­kutiert, der unter an­derem vom Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma scharf kriti­siert wurde (wir be­rich­te­ten: hier und hier). Im Zentrum der Film­auswahl für das Festival stand des­halb die Frage: Welche Geschich­ten er­zählen Sinti und Roma über sich selbst?

Radio Dreyeckland mit dem künstlerischen Leiter von AKE DIKHEA?, Hamze Bytyçi, ge­spro­chen.

(www.freie-radios.net)

Siehe auch:
„Halbe Katoffl“: Hamze Bytyçi, 1.12.2018

Festival „Ake dikhea?“ sucht Filme, 5.10.2018
„Antiziganismus und Film“, 10.1.2018
Zentralrat erneuert Kritik an Kinderfilm, 27.10.2017
Roma-Fimfestival „Ake dikhea?“, 16.10.2017
Rassismus im Kinderkanal, 24.9.2017

EGMR verurteilt Ungarn

Dezember 8th, 2018  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (Foto: ECHR)Der Menschenrechtsgerichtshof in Straß­burg konkreti­siert die Re­geln für Hyper­links. Anlass­fall war ein Urteil der unga­ri­schen Justiz, das die Be­richt­er­stat­tung über Rassis­mus ge­­gen Roma be­an­stan­det hatte.

Auf heise.de berich­tet Martin Holland über ein neues Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rechte in Straß­burg, das ein­mal mehr klar­stellt, dass Ver­linkun­gen in Online­medien recht­lich zu­läs­sig sind, wenn da­durch die jour­na­lis­ti­sche Sorg­falts­pflicht nicht – etwa durch un­be­grün­dete Affir­ma­tion der dor­tigen In­halte – ver­letzt wurde. Im Sinne der Infor­mations­frei­heit sind Jour­nalis­ten also nur ein­ge­schränkt für von ihnen ge­setzte Hyper­links haft­bar.

Mit der Entscheidung wurden mehrere unga­ri­sche Urteile kor­rigiert, weil dort das Recht auf Mei­nungs­freiheit nicht an­ge­mes­sen ge­wür­digt wor­den sei. Hinter­grund des Rechts­streits war ein Vor­fall im Sep­tem­ber 2013, als eine Gruppe von Fuß­ball­fans vor einer Schule, die haupt­säch­lich von Roma be­sucht wird, ras­sis­tisch grölte. In einem Arti­kel auf 444.hu zu den Gescheh­nis­sen war da­nach auch ein Link zu einem You­tube-Video ent­hal­ten, das ein Inter­view mit einem Ver­treter der örtli­chen Roma zeig­te. Der hatte darin er­klärt, dass die Täter Mit­glieder der rechts­extre­men Jobbik-Par­tei ge­wesen seien. Read the rest of this entry »

Polizei geht gegen mit­tel­lo­se EU-Bür­ger vor

Dezember 7th, 2018  |  Published in Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Dieses Schreiben wurde einem "Augustin"-Verkäufer ausgehändigt – laut einem Rechtsberater ein "Einschüchterungsversuch" (Foto: derStandard.at)Kritik an Ausreiseaufforderungen für mit­tel­lo­se EU-Bür­ger: Laut Sozial­ein­rich­tun­gen wer­den Roma und ost­euro­päi­sche Bettler in Wien ver­stärkt von Frem­den­po­li­zei über­prüft

Der Standard, 7.12.2018: Die Berichte kommen, un­ab­hän­gig von­einander, aus ver­schie­denen Sozial­ein­rich­tungen (…). Im Auf­trag des Bundes­amts für Fremden­wesen und Asyl (BFA) über­prüfe die Polizei in Wien Men­schen aus ost­europäi­schen EU-Mit­glied­staaten, die dem An­schein nach mittel­los sind, zu­neh­mend eng­maschig – und for­dere sie zur Aus­reise auf – heißt es bei der NGO Bettel­lobby und der Straßen­zei­tung Augustin. Auch bei Obdach Wien, einer Toch­ter­gesell­schaft des Fonds Soziales Wien (FSW), die in der Bun­des­haupt­stadt 24 Sozial­ein­rich­tun­gen be­treibt, be­stätigt ein Spre­cher „diese Wahr­nehmung“.

„Das geht zum Beispiel so: Eine Polizeistreife hält einen Augus­tin-Stra­ßen­ver­käufer an, for­dert ihn auf, sich aus­zu­weisen, und über­prüft die Per­son. Liegt gegen diese eine rechts­kräf­tige Aus­wei­sung vor, drückt sie ihr eine In­for­ma­tion über die ‘Ver­pflich­tung zur Ausreise‘ in die Hand”“, schil­dert Bernhard Wernitznig, So­zial- und Ver­triebs­mit­arbei­ter beim Augus­tin. Viel­fach seien Roma aus der Slowakei, Ungarn, Bulgarien oder Rumänien (…) von diesen Amts­hand­lungen be­trof­fen. (…) Read the rest of this entry »