Italien: Sinto angeschossen, Camper angezündet

Januar 16th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

BresciaRAN, 15.1.2019: Wie das European Roma Rights Centre berichtet, goss ein bis dato un­be­kann­ter Mann am 2. Janu­ar Benzin um zwei Wohn­wagen und zün­dete es an. An­schlie­ßend schoss er mit einem Jagd­gewehr auf einen 40-jäh­ri­gen Sinto, als dieser aus den Flam­men trat. Er wurde in die Schulter ge­trof­fen und liegt nun im Kran­ken­haus. Die Staats­anwalt­schaft hat die Ermitt­lungen auf­ge­nom­men. Die Taten er­eigne­ten sich in der Nähe der nord­italieni­schen Stadt Brescia. Die Sinti-Fa­mi­lie sie­delte seit etwa zwei Monaten dort. An­woh­ner/innen hat­ten sich über die An­wesen­heit der Fa­milie be­schwert. Die Schwes­ter des Ver­wun­deten äußerte sich gegen­über der Roma-Ak­tivis­tin Graziella Vitali:

Es war spät nachts, als es passier­te. Ich wachte als Erste auf, weil ich meinen Bruder schreien hörte. Ich be­merkte, dass es brannte. Ich konn­te die Flam­men löschen, die sich im Wagen aus­breite­ten. Der Wagen wurde ge­rettet, er ver­brannte nicht. Ich kam gerade noch recht­zeitig. Als nächste wach­ten meine Eltern auf, aber ihr Wagen wurde mit all unse­ren Sachen darin zer­stört. Fast nichts von dem, was wir hat­ten, konn­ten wir retten. Wir haben so gut wie alles ver­loren. Das Wich­tigs­te ist, dass nie­mand ge­storben ist. Das ist das Wich­tigste.

Es ist nicht der erste Fall in Norditalien. Bereits letz­ten Mai wurde ein Wohn­wagen (Anm.: in Beinasco nahe Turin) an­gezündet. In dem Wagen schlie­fen drei Erwach­sene und vier Kinder. Die Roma konnten flie­hen, bevor der Wagen ab­brannte.

(Text: ran.eu.com)

Anm. der dROMa-Red.:
Es handelt sich auch nicht um den ersten der­arti­gen Vor­fall in Brescia selbst: Schon am 12. Febru­ar 2018 wur­den nachts vier Autos im Roma-Camp in der via Orzinuovi in Brescia durch Brand­stiftung zerstört (siehe: Italien: Schüsse und Feuer in Roma-Camp). Zeugen be­rich­te­ten, auch Ex­plo­sio­nen oder Schüsse ge­hört zu haben. Die Unter­künfte mit den schlafen­den Be­woh­nern be­fan­den sich nur weni­ge Meter von den Fahr­zeu­gen ent­fernt. Die Roma des Camps be­fürch­teten, dass dieser An­griff der Beginn einer rassis­ti­schen An­schlags­serie sein könnte.

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