Bulgarien: Aufruf gegen Roma-Vertreibung

Februar 4th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Kinderwagen inmitten der Abrisstrümmer (Foto: BHC, 10.1.2019)Bulgarisches Helsinki-Komitee bittet um Unterstützung im Kampf gegen Vertreibung von Roma-Famlien

Das Bulgarische Helsinki-Komitee (BHC) bittet um Unter­stüt­zung für 17 Roma-Fa­mi­lien aus dem Dorf Voy­vo­di­novo (Woj­wodi­nowo), die von Zwangs­ver­treibung be­droht sind und deren Häuser zer­stört werden sollen. Nach einer gewalt­sa­men Ausei­nan­der­setzung am 6. Ja­nuar 2019 zwi­schen zwei Roma und meh­reren ande­ren Bulgaren (…), kam es zu natio­nalis­ti­schen Protes­ten in dem Dorf Voy­vodi­novo, an denen neben den Dorf­bewoh­nern vor allem natio­nalis­tische Gruppen und Sol­daten der bulga­rischen Armee teil­nah­men. In der Nachbar­schaft gab es massive Drohun­gen gegen die Roma.

Aufgrund dieser Proteste zerstörte die Gemeinde Maritza drei der von Roma be­wohn­ten Häuser, und zwar ohne Vor­ankün­di­gung oder Ein­haltung der gesetz­lichen Ver­fahren (wir be­rich­te­ten: Siedlungs­abriss: Pro­test bulga­rischer Roma). Den Be­wohnern wurde nicht einmal die Mög­lich­keit ge­geben, ihre am drin­gends­ten be­nötig­ten Sachen aus den Häusern zu ret­ten. Ver­treter des Bulgari­schen Helsinki-Ko­mi­tees fan­den meh­re­re Kinder­wagen und Haus­halts­gegen­stände, die aus den ab­geris­se­nen Gebäuden zu­sam­men­getra­gen wur­den, wäh­rend die Kameras der bul­gari­schen Medien zeig­ten, wie die Bagger die Häuser der Familien nieder­ris­sen. An den Türen und Fens­tern der ver­bleiben­den Häuser wurden Be­schlüs­se der Ge­meinde an­ge­bracht, die die Zer­stö­rung der weite­ren Gebäude an­kündi­gen. Inner­halb einer Frist von sieben Tagen (..), kann da­gegen Berufung ein­gelegt wer­den. Das BHC unter­stützt die betrof­fenen Familien dabei, Wider­sprüche ein­zu­legen.

Niemand hat den Bewohnern zu irgend­einem Zeit­punkt mit­ten im Winter eine alter­na­tive Unter­kunft an­ge­boten, sagt die Men­schen­rechts­organi­sation. Der­zeit leben Fami­lien zu­sammen mit ihren Kindern bei ihren Ver­wandten in Plovdiv und in meh­reren ab­gele­genen Dörfern in extre­mem Elend. Eini­ge von ihnen haben auf­gehört zu ar­beiten und ihre Kinder be­suchen die Schule in Voy­vodi­novo nicht mehr.

Hier ein Auszug aus dem Brief des Bulgarian Helsinki Com­mittee (BHC):

„Derzeit bietet das BHC allen 17 Familien, die von der Zer­störung ihrer Häuser be­droht sind, Rechtsschutz. Für die erste Phase eines Gerichts­ver­fahrens in Plovdiv be­nötigen wir min­des­tens 10.400 BGN [=5.200 €], ein­schließ­lich Anwalts­ge­büh­ren, Gerichts­gebüh­ren und Gut­achten – Mittel, über die die Or­gani­sation der­zeit nicht verfügt. Wir bitten um Ihre Unter­stützung, um das Zu­hause von Men­schen zu er­halten, die nur auf­grund ihrer ethni­schen Zu­gehörig­keit verfolgt wer­den! Sie kön­nen Spenden auf das BHC-Konto mit Ein­zah­lungs­recht senden:

Bank: Unicredit Bulbank
IBAN: BG47 UNCR 7630 1005 0868 16
BIC: UNCRBGSF
Übertragungsgrund: „VOYVODINOVO“
Empfänger: Bulgarian Helsinki Committee Association

Die eingegangenen Beträge werden am Ende jeder Woche ge­zählt, bis der Ziel­betrag auf 10.400 BGN an­ge­ho­ben wird. Dann wird die Kampagne be­en­det.“

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma unter­stützt den Aufruf des BHC und for­dert die bulga­ri­sche Regierung auf, die Politik der Zwangs­ver­treibung von Roma sofort zu stop­pen und den be­trof­fe­nen Familien in Voy­vodi­nova sofort an­gemes­senen Wohn­raum zur Ver­fügung zu stellen. In einem Schrei­ben an den bul­garischen Bot­schafter in Deutschland bit­tet der Vor­sitzen­de des Zentralrates, Romani Rose, um Aus­kunft, in wel­cher Weise die bulga­rische Re­gie­rung ge­denkt, den in den Mit­glieds­staaten gel­tenden Min­derhei­ten­schutz in Bulgarien tat­säch­lich ein­zu­halten und zu ga­ran­tieren.

(Aussendung des Zentralrats)

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