Presserat verurteilt „Zur Zeit“

April 3rd, 2014  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht  |  1 Comment


PresseratPresserat: Artikel über Roma und Sinti „ein schwer­wie­gen­der Ver­stoß“ ge­gen Eh­ren­ko­dex. „Der dis­kri­minie­ren­de Cha­rakter ist evident.“

Die vom FPÖ-Spitzenkandidaten Andreas Mölzer heraus­ge­ge­bene Wochen­zeit­schrift „Zur Zeit“ wurde ein­mal mehr vom Öster­rei­chi­schen Presse­rat ver­ur­teilt. Das Gremium rügte einen vor zwei Mona­ten erschie­ne­nen anti­ziga­nis­tischen Hetz­artikel (wir berichteten): „Die Volksgruppe der Roma und Sinti wurde durch diese Aus­sagen auf eine menschenverachtende Art und Weise pauschal verunglimpft und diskriminiert

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. Der diskri­mi­nie­rende Cha­rak­ter der (…) Behaup­tungen ist evident“, heißt es in der Begrün­dung. Erst vor we­nige Tagen hatte der Presse­rat das Medium wegen eines in der gleichen Aus­gabe erschie­ne­nen „Kristall­nacht“-Car­toons verurteilt.

„Zur Zeit“ erhielt in den Jahren 2011 bis 2013 148.127,60 Euro an Presseförderung. Die Sub­ven­tio­nie­rung durch öffent­liche Mittel ist in Öster­reich nach wie vor nicht an die Einhaltung presse­ethischer Mindest­standards geknüpft; selbst wieder­holte massive Ver­stöße wie jene im vorliegenden Fall stel­len keinen Aus­schließungs­grund dar.

Die Langfassung des aktuellen Entscheids finden Sie hier (PDF). Im Folgenden die Presseaussendung des Pres­se­rates: 

Wien (OTS) – Der Senat 1 des Presserats beschäf­tigte sich in seiner letzten Sitzung mit dem Arti­kel „Das nicht lus­tige Zigeuner­leben“, erschie­nen in der Ausgabe 5/2014 der Wochen­zeitschrift „Zur Zeit“. Die Zeit­schrift ist der Einla­dung zur Abgabe einer Stellung­nahme gegen­über dem Presserat nicht zeit­gerecht nach­ge­kommen.

Im dem Artikel beschreibt die Autorin das Leben der von ihr als „Zigeuner“ bezeich­neten Roma und Sinti, des ihrer Ansicht nach „unge­lieb­ten Volks in Europa”. Sie ver­tritt die Auf­fas­sung, dass diese „[w]enn man sie bettelnd auf der Straße [sehe], aber eher beschä­mend, fremd­artig [wirkten] und vielen ekelt es sogar vor ihnen“. Sie wür­den „alles an sich reißen, was nicht niet- und nagel­fest“ sei, und „wo sie hin­kamen, zerstör­ten sie die Infra­struktur“, sie „trinken und ver­prügeln ihre Frauen, weil diese eben­falls trinken“. Sie seien „Nomaden, die bildungs­fern, ohne Zeit-und Eigentums­empfin­den ihren Alltag leben”, deren „Kinder, von denen Zigeu­ner meist eine ganze Schar haben, nicht zur Schule gehen“. Ihre Welt sei „eine kalte, schmutzige und hoff­nungs­lose“.

Die Veröffentlichung dieser negativen Behauptungen allge­meiner Art sind laut Senat 1 ein schwer­wiegender Verstoß gegen Punkt 7 des Ehren­kodex (Schutz vor Diskri­minie­rungen). Die Volks­gruppe der Roma und Sinti wurde durch die Behaup­tungen auf eine menschen­verach­tende Art und Weise pauschal verun­glimpft und diskri­miniert. Der diskri­mi­nie­rende Cha­rakter des Arti­kels war nach Mei­nung des Senats evident.

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | „Bettlermafia“? Presserat rügt „Krone“ says:

    Mai 9th, 2014 at 08:19 (#)

    [...] die Wochenzeitung „Zur Zeit“ wegen ihrer rassistischen Berichterstattung über Roma gerügt (wir berichteten). Im Fol­gen­den das Dokument des Presserats im Wortlaut: DIE [...]