Report: Antiziganismus online

Dezember 13th, 2018  |  Published in Dokumente & Berichte, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Report Antiziganismus onlineMassive Verbreitung von Antiziganismus im Inter­net: Hass ge­gen Sinti und Roma im Netz bes­ser er­ken­nen, syste­ma­tisch er­fassen und ef­fek­tiv be­kämpfen

Report: Antiziganismus online
Dezember 2018 (→Download/pdf)

Antiziganistischer Hass gehört in fast allen Online-For­ma­ten und auf vielen Web­seiten zum Alltag. Gegen­rede hin­gegen findet nur selten statt. Ins­be­son­dere rechtsextreme Grup­pen und Ak­teure sind erfolgreich darin, Anti­ziganis­mus im Netz zu pro­pa­gie­ren, Hass zu schüren und An­ge­hö­rige der Sinti-und-Ro­ma-Min­der­heit zu dif­fa­mie­ren. Dies zeigt ein ak­tuel­ler Recherche­bericht von Jugend­schutz.net, dem Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma und dem Doku­men­ta­tions- und Kultur­zentrum Deut­scher Sinti.

Im Rahmen eines Pilotprojektes waren dabei tausende anti­ziganis­tische Hass­inhalte im Internet unter­sucht sowie eine Viel­zahl an dis­kriminie­renden Stereotypen iden­tifi­ziert wor­den. Mehr als 400 jugend­schutz­recht­liche und oft auch straf­rechtlich rele­vante Ver­stöße wur­den hier­bei dokumen­tiert. Auf­fällig war zudem eine Steige­rungs­dynamik in Kom­mentar­berei­chen: Anti­ziganis­ti­sche Aussagen ver­stärken sich dabei wech­sel­seitig bis hin zu men­schen­ver­ach­ten­den Dar­stel­lun­gen und konkre­ten Gewalt­auf­rufen.

Das deutsche Bundesfamilienministerium för­dert Pro­jekte, die Bildungs- und Be­ratungs­arbeit leis­ten, die für Me­cha­nis­men der Aus­gren­zung sensi­bi­li­sie­ren und von Antiziganismus be­trof­fene Men­schen schützen. Bundes­familien­minis­te­rin Dr. Franziska Giffey be­tont: „Vor­urteile ge­gen Sinti und Roma, die über die Sozialen Medien im Netz ver­brei­tet werden, dürfen nicht ein­fach so stehen ge­lassen werden. Das schürt Hass und führt zu Dis­kriminie­rung und Aus­grenzung. Die Er­geb­nisse des Pilot­pro­jekts von Jugend­schutz.net und dem Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma zei­gen, wie alte Stereo­type von Rechts­extremen ver­stärkt wer­den und in neuen Medien eine neue Dyna­mik be­kom­men. Dage­gen wol­len wir mit konkre­ten Maß­nahmen, die wir fördern, vor­gehen.“ Minis­te­rin Giffey dankt allen, die sich gegen Hass, für die Demokra­tie und für ein vor­urteils­freies Zu­sam­men­leben ein­setzen.

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, zeigt sich tief be­sorgt über das Ausmaß der Hetze im Internet: „Es ist nicht hin­nehmbar, dass Hetze gegen Sinti und Roma im Netz zur Norm wird und un­beant­wor­tet bleibt. Das ist nicht nur eine große Gefahr für Kinder und Jugend­liche, die sich im Netz be­wegen, sondern be­schädigt auch den gesell­schaft­li­chen Frieden und Zu­sam­men­halt. Medien­anbieter und die Betreiber von Internet­platt­formen stehen in der Pflicht, anti­ziganis­tische Hetze und Gewalt­aufrufe ins­beson­dere in Kom­mentar­spalten zu über­prüfen und zu ent­fernen. Auch Relati­vie­run­gen und Leug­nung des Holocausts finden sich im Kontext anti­ziganis­ti­scher Hetze und müs­sen kon­sequent straf­rechtlich ge­ahndet wer­den.“

Der Zentralrat sieht es als eine Aufgabe der Un­ab­hän­gi­gen Experten­kom­mis­sion Antiziganismus, die An­fang 2019 im Auf­trag der Bundesr­egie­rung ihre Arbeit auf­neh­men soll, sich auch mit dem Antiziganismus im Netz tie­fer­gehend zu be­fassen und Hand­lungs­empfeh­lun­gen an Politik und Gesell­schaft zu er­arbeiten.

Der Leiter des Bereichs politischer Extremismus bei Jugend­schutz.net, Patrick Frankenberger, be­tont: „Neben der ge­samt­gesell­schaft­li­chen Auf­gabe, Anti­ziganismus zu be­kämpfen, müs­sen ins­beson­dere Kinder und Jugend­liche dazu be­fä­higt wer­den, rechtsvextremen Falsch­meldungen und dis­krimi­nie­renden Hass­inhal­ten auch online kri­tisch und selbst­bestimmt be­geg­nen zu können. Die Nutzung von Social-Media-An­ge­bo­ten ge­hört für diese Alters­gruppe zum Alltag – ein Groß­teil ist darüber be­reits mit Hass im Netz in Be­rüh­rung ge­kom­men. Umso wich­ti­ger ist es, auf der Grund­lage fun­dier­ter Analy­sen extre­mis­ti­scher Online­propa­ganda nach­haltige päda­go­gische Kon­zepte zu ent­wickeln.“

Jugendschutz.net:
Jugendschutz.net ist das gemeinsame Kompetenz­zentrum von Bund und Län­dern für den Schutz von Kindern und Jugend­li­chen im Internet. Die Stel­le recher­chiert Gefahren und Risi­ken in jugend­affinen Diens­ten und drängt An­bieter und Be­trei­ber, ihre An­gebote so zu ge­stalten, dass Kinder und Jugend­liche sie un­be­schwert nutzen können. Sie nimmt über ihre Hotline Hin­weise auf Ver­stöße gegen den Jugend­medien­schutz ent­gegen und sorgt dafür, dass diese schnell be­sei­tigt werden. Im Fokus der Arbeit stehen ris­kante Kon­takte, Selbst­gefähr­dun­gen, politischer Extre­mis­mus und sexuelle Aus­beu­tung von Kindern. Die Arbeit im Bereich politischer Extremismus wird ge­fördert vom Bun­des­minis­teri­um für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rah­men des Bundes­pro­gramms „Demo­kra­tie leben!“. Problematische Inhalte im Netz können gemeldet wer­den un­ter: www.hass-im-netz.info/hass-im-netz-melden.

Kontakt: jugendschutz.net, Wallstraße 11, 55122 Mainz, Tel. 06131 / 328520, E-Mail: presse@jugendschutz.net, Web: www.jugendschutz.net

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma:
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ist die politische Interessen­vertretung der deut­schen Sinti und Roma mit Sitz in Heidel­berg. Als Dach­ver­band setzt sich der Zentral­rat auf natio­naler und inter­nationa­ler Ebene für eine gleich­berech­tigte Teil­habe von Sinti und Roma in Politik und Gesell­schaft sowie für die Aus­einander­setzung mit und Be­kämp­fung von Anti­ziganis­mus ein.

Kontakt: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Bremeneck­gasse 2, 69117 Heidelberg, Tel.: 06221 981101, E-Mail: zentralrat@sintiundroma.de, Web: http://zentralrat.sintiundroma.de

Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma:
Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma ist eine von der Minder­heit ge­tra­gene Fach­ein­rich­tung, die sich seit über 30 Jah­ren gegen Antiziganismus ein­setzt. Durch die kon­ti­nuier­liche Arbeit und die in­halt­li­che Kom­petenz er­langte das Zentrum als Fach­ein­rich­tung im In- und Aus­land große An­er­ken­nung. Neben der kultur­poli­ti­schen Arbeit ste­hen Men­schen­rechts­bildung, Anti­rassismus­arbeit sowie his­to­ri­sche Auf­klä­rung über die Ge­schichte der Min­der­heit im Fokus. Mit dem Berliner Projektbüro zeigt das Heidel­berger Doku­men­ta­tions- und Kultur­zentrum seit 2015 ver­stärkt in der Haupt­stadt Ge­sicht. Die Arbeit des Berliner Pro­jekt­büros wird im Rah­men des Bundes­pro­gramms „Demo­kratie leben!“ vom Bun­des­ministe­rium für Familie, Senio­ren, Frauen und Jugend ge­fördert.

(Text: zentralrat.sintiundroma.de)

Siehe auch:
Deutsche Au­to­ri­ta­ris­mus-Stu­die veröffentlicht
, 7.11.2018
„Diskriminierung sichtbar machen“
, 24.10.2018
Hassverbrechen richtig dokumentieren
, 8.8.2018

„Gegen Hass im Internet“
, 6.8.2018
Verhetzung: Was kann ich tun?
, 20.7.2018
Verhetzung: Was ist das?
, 19.7.2018
#GegenHassimNetz stellt sich vor, 20.4.2018
3. Antiziganismusbericht präsentiert, 14.12.2017
RespectWords: Hassrede in den Medien, 9.12.2017
HELP: E-Learning-Kurs für Rechtsberufe, 22.8.2017

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