Tschechien: Politiker leugnet Roma-KZ
Dezember 12th, 2018 | Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Recht & Gericht
Holocaust-Leugnung: Tschechische Polizei ermittelt gegen SPD-Abgeordneten Rozner
Vor mehreren Monaten hatte der tschechische Parlamentarier Miroslav Rozner (41) mit negationistischen Aussagen über den Roma-Holocaust für Schlagzeilen gesorgt. So hatte der Abgeordnete der rechtsextremen Partei „Svoboda a přímá demokracie“ (SPD, deutsch: „Freiheit und direkte Demokratie“) bei einer Veranstaltung im Dezember 2017 unter anderem das südböhmische Roma-KZ Lety als „nicht existentes Pseudo-KZ“ bezeichnet und das Leid und die Verbrechen an der dort internierten Roma-Bevölkerung bagatellisiert (wir berichteten). Es waren daraufhin mehrere Strafanzeigen gegen den Politiker erstattet worden. Nun erging ein formelles Ansuchen an das Abgeordnetenhaus, die parlamentarische Immunität des SPD-Abgeordneten aufzuheben. Rozner selbst ist Mitglied des Immunitätsausschusses der Abgeordnetenkammer.
Hintergrund der geschichtsrevisionistischen Provokationen Rozners war die Entscheidung der Prager Regierung, eine Gedenkstätte im ehemaligen nationalsozialistischen „Zigeunerlager“ Lety zu errichten. Ähnliche falsche Aussagen tätigte auch der SPD-Gründer und -Vorsitzende Tomio Okamura, als er entgegen den historischen Fakten behauptete, dass das Lager in Lety nicht mit Stacheldraht umgeben gewesen wäre. Die Insassen hätten sich dort sogar frei bewegen können. In Wirklichkeit kamen in dem Zwangslager Hunderte Roma ums Leben, Hunderte Häftlinge wurden von dort weiter nach Auschwitz-Birkenau deportiert.
Die erst 2015 neu gegründete Partei hatte bei ihrem ersten Antreten bei nationalen Wahlen auf Anhieb 10,64 Prozent (22 Mandate) erzielt. Sie gehört wie die österreichische Schwesterpartei FPÖ der „Bewegung für ein Europa der Nationen und der Freiheit“ (MENL) an.
(dROMa)