Tschechien: Verharmlosung von Roma-Genozid

Februar 10th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Tschechien: Parlamentsvizepräsident Tomio Okamura relativiert den Roma-Holocaust (Foto: Romez.cz)Okamura unter Druck wegen Äußerungen zu KZ Lety

Der Chef der Partei „Freiheit und direkte Demokratie“ hat die men­schen­ver­ach­ten­den Zu­stände im Roma-Kon­zentra­tions­lager Lety wäh­rend des Kriegs herun­ter­ge­spielt. Nun drän­gen Ab­ge­ord­nete da­rauf, Tomio Okamura als stell­ver­tre­ten­den Par­la­ments­vor­sitzen­den ab­zu­wählen.

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Radio Praha, Till Janker: Äußerungen von Politikern der Partei „Freiheit und direk­te Demo­kra­tie“ (SPD) haben zu einem Auf­schrei ge­führt. Al­len voran geht es um Aus­sagen des Vor­sit­zen­den Tomio Okamura. Dieser be­haup­tete, dass das Roma-KZ im süd­böh­mi­schen Lety nicht mit Stachel­draht um­geben ge­wesen wäre und sich die In­sassen dort frei hät­ten be­we­gen können. Doch damit wider­sprach er ein­deutig den Fakten.

In Lety be­stand ab 1939 zu­nächst ein so­genann­tes Arbeitslager, das die Re­gierung im Pro­tek­torat vor allem für Roma ein­ge­rich­tet hatte. Dann über­nah­men die Deutschen die Aufsicht und spra­chen von einem „Zigeunerlager“. Mehr als 300 Men­schen star­ben dort an den Fol­gen von Unter­er­näh­rung, kör­per­li­cher Schwerst­arbeit und Seuchen. Die an­de­ren wur­den in die Ver­nichtungs­lager de­por­tiert und dort um­ge­bracht. Die tsche­chi­sche Re­gie­rung möch­te in Lety nun eine Gedenk­stätte ein­richten und hat des­wegen eine Schweine­farm am Ort des Lagers auf­ge­kauft.

Ähnliche Aussagen wie Okamura hatte im vergangenen Jahr schon sein Partei­kol­lege Miloslav Rozner ge­trof­fen. Er nann­te Lety ein „nicht exis­ten­tes Pseudo-Kon­zentra­tions­lager“. Die Roma-Organisation Konexe hält all diese Thesen für eine Leug­nung des Völker­mords. Sie und das Museum für die Kultur der Roma ha­ben von Oka­mura da­her eine um­fas­sen­de öffent­liche Ent­schul­di­gung ge­for­dert. Auch Politi­ker sind em­pört. Denn der SPD-Chef ist stell­ver­tre­ten­der Vor­sitzen­der des tschechi­schen Ab­geord­neten­hauses.

Die Christdemokraten sagen nun: „Wir verurteilen die Äußerungen von SPD-Po­liti­kern über die jün­gere Geschichte, bei der his­to­ri­sche Wahr­heiten an­ge­zwei­felt wer­den – und eine solche ist der Holocaust. Als Re­aktion initi­ie­ren wir Ge­sprä­che darüber, Tomio Oka­mura von sei­nem Posten als stell­ver­tre­ten­der Vor­sitzen­der des Ab­geord­ne­ten­hauses ab­wählen zu lassen“, so Vize-Christ­demo­kra­ten­chef Jan Bartošek. In Er­wä­gung zie­hen dies zu­dem die Par­lamen­ta­rier der Bürger­demo­kraten und man­che Sozial­demo­kraten.

Der Polizei liegen bereits Anzeigen gegen Okamura und Rozner vor. Eine stammt vom Verein Konexe, wei­te­re von den Jungen Sozial­demo­kra­ten sowie dem Se­na­tor Tomáš Czernin von Top 09.

Lesen Sie bitte den hier gekürzt wiedergegebenen Artikel in voller Länge auf Radio.cz.


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