März 31st, 2019 |
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Politik
Die überragende Wahlsiegerin und neue slowakische Staatspräsidentin, Zuzana Čaputová, bedankt sich auf Romanes – ein Novum in der Slowakei
Die Slowakei entschied sich bei der Stichwahl am Samstag für eine sozialliberale und proeuropäische Staatspräsidentin: Die 45-jährige Bürgeranwältin und Umweltaktivistin Zuzana Čaputová, Vizevorsitzende der neuen Partei Progresívne Slovensko (Fortschrittliche Slowakei), setzte sich mit rund 58,3 Prozent (Auszählungsgrad 96,8 Prozent, das Endergebnis wird erst im Laufe des Tages bekannt gegeben) klar gegen ihren von der Regierungspartei Smer – sociálna demokracia (Smer-SD) unterstützten Konkurrenten, den parteilosen Europapolitiker und EU-Kommissar Maroš Šefčovič (41,7 Prozent), durch – uns setzt bereits neue Akzente: Wie schon nach ihrem überraschend klaren Ergebnis nach dem ersten Wahlgang am 16. März schickte Čaputová auch in ihrer jetzigen Dankesrede ein Signal an die großen Minderheiten des Landes. Sie dankte ihren Wählerinnen und Wählern auch auf Romanes und auf Ungarisch sowie auf Tschechisch. Diese Respektbezeugung gegenüber der Roma-Volksgruppe ist ein Novum in der slowakischen Politik. Mit dieser Geste signalisiert die neue Staatspräsidentin auch, dass sie an das Engagement ihres parteilosen Vorgängers Andrej Kiska für die Volksgruppe anknüpfen will. Erst vor einigen Tagen wurde Kiska für sein Eintreten für die marginalisierte Minderheit mit dem Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma 2019 ausgezeichnet.
Zuzana Čaputovás Wahlsieg ist umso bemerkenswerter, als ihre Partei derzeit nicht einmal im Parlament vertreten ist. Dennoch konnte Čaputová als völlige Außenseiterin den ersten Wahlgang vor zwei Wochen überlegen mit 40,6 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich entscheiden. Damit verwies „der neue Shootingstar der slowakischen Politik“ (Der Standard) den Kandidaten der mächtigen Regierungspartei Smer auf den zweiten Platz: Šefčovič konnte nicht einmal halb so viele Stimmen (18,7 Prozent) erzielen. Der rechtsextreme Kandidat Marián Kotleba von der ĽSNS (wir berichteten hier und hier), der sich seit Jahren mit rabiater Hetze gegen Roma zu profilieren versucht, erreichte 10,6 Prozent. Read the rest of this entry »
März 30th, 2019 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
27. März 2019: Deutsche Bundesregierung beruft die Mitglieder der Unabhängigen Expertenkommission Antiziganismus. Das „RomArchive“ geht in die Trägerschaft des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma über.
Am 27. März 2019 berief die deutsche Bundesregierung die Mitglieder der im Koalitionsvertrag vereinbarten Unabhängigen Expertenkommission Antiziganismus. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt die schnelle Berufung durch den Bundesminister des Innern, Horst Seehofer, nachdem der Deutsche Bundestag in der vergangenen Woche entsprechende Entschließungsanträge der Koalitionsfraktionen wie der Oppositionsfraktionen – mit Ausnahme der AfD – verhandelt hatte.
Minister Seehofer unterstrich die Bedeutung der Expertenkommission für die zukünftige politische Ausrichtung bei der Bekämpfung des Antiziganismus. Es sei sein Wunsch und der Wunsch seines Ministeriums, dass die Kommission einen Abschlussbericht mit substantiellem Gehalt liefere, der Bundestag, Bundesregierung und der Minderheit der Sinti und Roma gleichermaßen Vorgaben für einen respektvollen Umgang liefern möge.
Der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sagte in der konstituierenden Sitzung heute: „Antiziganismus ist tiefverwurzelt in der deutschen und der europäischen Gesellschaft. Die Ächtung des Antiziganismus durch die Bundesregierung und durch die Politik muss jetzt durch entsprechende Anstrengungen insbesondere in der politischen Bildung untermauert werden.“ Der Deutsche Bundestag hatte während der Debatte am vergangenen Freitag die Bekämpfung des Antiziganismus als gemeinsame Aufgabe von Politik und Gesellschaft benannt, aber im dann verabschiedeten Entschließungsantrag (PDF) der Koalition keine Selbstverpflichtung des Bundestages hierzu aufgenommen.
Um so wichtiger ist für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma jetzt die Arbeit der Expertenkommission, die neben einem Bericht zum Ende der Legislaturperiode konkrete Empfehlungen an die Bundesregierung geben soll, um die historische Dimension ebenso aufzuarbeiten wie den gegenwärtigen Antiziganismus zu bekämpfen. Hierzu gehöre vorrangig die Dokumentation antiziganistisch motivierter Straftaten wie die Beobachtung von Antiziganismus in den Medien und den Auswirkungen bei den Einstellungen in der Bevölkerung. Insbesondere sollte die Kommission ihr Augenmerk auf Schule und Bildung richten, denn gerade in den Schulen gibt es kaum verlässliches und gut aufbereitetes Bildungsmaterial zum Thema Sinti und Roma, so Rose. Read the rest of this entry »
März 29th, 2019 |
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Facts & Figures, Politik
Mit dem deutschen Musiker, Aktivisten und Grünen-Politiker Romeo Franz ist seit 3. Juli 2018 erstmals auch ein Sinto im EU-Parlament vertreten.
(Quelle)
März 27th, 2019 |
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Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte
Die Mär von „Kinder stehlenden Zigeunern“ im Internetzeitalter: Fake News führt zu Gewaltserie im Großraum Paris
In Frankreich hat eine in den Sozialen Medien kursierende Falschmeldung, wonach Roma in einem weißen Lieferwagen in verschiedenen Orten der Ile-de-France, versucht hätten, Kinder bzw. junge Frauen zu entführen, um Organhandel zu betreiben, zu einer Gewaltserie gegen Roma geführt. Am 17. März wurden zwei Roma, die in einem weißen Wagen saßen, in Colombes im Großraum Paris aus ihrem Auto gezerrt und von einer Menschenmenge auf der Straße verprügelt. Schließlich konnten sie, panisch um Hilfe rufend, in ein Gebäude flüchten. Es kam zu Straßenschlachten mit der Polizei. Die beiden überfallenen Männer wurden leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. (Anm., 17:45 Uhr: Laut neueren Meldungen wurden die zwei Opfer von den Tätern fälschlich für Roma gehalten.)
In den letzten Tagen wurden dann in mehreren Städten, laut „FranceSoir“ in Bobigny, Clichy-sous-Bois, Aubervilliers, Bondy und Noisy-le-Sec, Roma angegriffen oder bedroht, zum Teil wurden ihre Fahrzeuge angezündet. So kam es am Montagabend bzw. in der Nacht zum Dienstag in Bobigny und in Clichy-sous-Bois unweit von Paris zu Gewalt; die Polizei spricht von „mehreren Schlägereien und Gewalttaten“. In Clichy-sous-Bois flüchteten sich über zwanzig Roma vor einem mit Stöcken bewaffneten Lynchmob ins Lager eines nahegelegenen Supermarkts. Die Polizei schritt ein, es kam zu Auseinandersetzungen mit der Tätergruppe, bestehend aus rund zwanzig Männern. Autos gingen in Flammen auf, zwei Polizisten wurden leicht verletzt. In Clichy-sous-Bois hatten schon 2005 – nach dem Unfalltod zweier Jugendlicher – die damaligen Unruhen in den französischen Banlieues ihren Ausgangspunkt.
Mittlerweile kam es zu zahlreichen Festnahmen. Die Polizei konnte 20 Verdächtige ermitteln. Read the rest of this entry »
März 25th, 2019 |
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Ehrungen & Nachrufe, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Andrej Kiska: Preisträger des Europäischen Bürgerrechtspreises der Sinti und Roma 2019
Der Europäische Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma wird in diesem Jahr an den Staatspräsidenten der Slowakei, Andrej Kiska, vergeben. Die Verleihung fand am 19. März 2019 im Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel statt. Der Preis wird gestiftet von der Manfred-Lautenschläger-Stiftung und ist mit 15.000 Euro dotiert.
Der aktuelle Präsident der Slowakischen Republik, Andrej Kiska, wird für sein gesellschaftliches Engagement, seine kritische politische Haltung in der Öffentlichkeit und seinen beharrlichen Einsatz für die Belange der Roma in der Slowakei mit dem Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma ausgezeichnet. Besonders in einer Zeit, in der sich Sinti und Roma in Europa von rechtsextremen und nationalistischen Strömungen und Parteien zunehmend bedroht sehen, spricht sich der slowakische Präsident Andrej Kiska deutlich für die gleichberechtigte Teilhabe der Roma in seinem Heimatland aus. In Interviews und Reden lenkt er den Blick der Öffentlichkeit immer wieder auf die jahrelang vernachlässigte und diskriminierte Minderheit und zeigt, dass die Zukunft Europas nur in einem demokratischen und solidarischen Miteinander bestehen kann, das die Rechte von Minderheiten anerkennt und schützt.
Die Preisverleihung fand am 19. März 2019 im Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel statt. Die Laudatio auf Präsident Kiska hielt Michael Roth (Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt). Es redeten außerdem unter anderem Romani Rose (Vorsitzender des Zentralvrats deutscher Sinti und Roma) und Soraya Post (Co-Präsidentin der European Parliament Anti-Racism and Diversity Intergroup/ARDI.)
Der Europäische Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma wurde 2007 anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, vom Dokumentationszentrum, dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und der Manfred-Lautenschläger-Stiftung ins Leben gerufen und ist mit 15.000 Euro dotiert. Read the rest of this entry »
März 24th, 2019 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Beratung des Deutschen Bundestags über die Anträge zum Kampf gegen Antiziganismus: Initiatoren des „Bündnisses für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas“ zeigen sich enttäuscht
Stellungnahme vom 22.3.2019: Anlässlich der Beratung des Deutschen Bundestags über die Anträge zum Kampf gegen Antiziganismus (mehr hier) begrüßen Uwe Neumärker (Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas) und Hamze Bytyci (Vorstandsvorsitzender des RomaTrial e.V.), dass sich der Deutsche Bundestag dieses wichtigen Themas annimmt. Sie äußern allerdings Unverständnis darüber, dass zugewanderte Roma im Beschlusstext keine Beachtung finden. Uwe Neumärker erklärt: »Antiziganismus richtet sich gegen alle Menschen, die als Roma oder Sinti wahrgenommen werden. Dass der Deutsche Bundestag vorrangig die Angehörigen der als nationale Minderheit anerkannten deutschen Sinti und Roma als schutzwürdig benennt, bedauvere ich.«
Natürlich ist die Sensibilisierung für die Heterogenität unter den Sinti und Roma wichtig. Doch antiziganistisch motivierte Haltungen und Handlungen vom vagen Vorurteil über Ausgrenzung und Benachteiligung bis hin zu offener Gewalt sind sie gleichermaßen ausgesetzt.
Hamze Bytyci führt weiter aus: »Die Dauer der Anwesenheit der Vorfahren eines von Antiziganismus betroffenen Menschen darf bei der Zurückweisung dieser Art des Rassismus keine Rolle spielen. Read the rest of this entry »
März 24th, 2019 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Historische Debatte „Antiziganismus bekämpfen“ im Deutschen Bundestag (Video): Expertenkommission Antiziganismus wird konstituiert, Bundestag beschließt Resolution gegen Antiziganismus – eine parteipolitische Groteske der CDU/CSU vereitelt gemeinsamen Antrag aller Fraktionen außer der AfD.
Zentralrat, 23.3.2019: Vor der kommenden Konstituierung der Unabhängigen Expertenkommission Antiziganismus am 27. März 2019 im Bundesministerium des Innern befasste sich der Deutsche Bundestag in seiner Debatte am 22. März mit dem zunehmend massiven Antiziganismus in Deutschland und in Europa. Studien des Bundes oder wie zuletzt Umfragen der Universität Leipzig (wir berichteten) zeigen, dass die Ablehnung von Sinti und Roma in der Bevölkerung extrem hoch ist. Hier sei es Aufgabe insbesondere der Politik, für den notwendigen Zusammenhalt in einer demokratischen Gesellschaft gerade auch durch den Schutz von Minderheiten zu sorgen, erklärte Romani Rose vor der Debatte.
In einer ersten Reaktion bezeichnete der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, die Tatsache, dass sich der Deutsche Bundestag endlich mit dem Thema Antiziganismus befasst, als wichtigen Schritt für die Minderheit und ebenso für die demokratische Verfasstheit unserer Gesellschaft: „Es gibt in Deutschland und in Europa einen zunehmend gewaltbereiten Antiziganismus, der sich vordergründig gegen die Minderheit richtet, der aber im Kern auf unsere demokratischen Werte zielt. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn es einen gemeinsamen Entschließungsantrag aller demokratischen Parteien im Deutschen Bundestag gegeben hätte, der die Verpflichtung des Deutschen Bundestages zum Schutz und zur Förderung der Minderheit der Sinti und Roma klar zum Ausdruck gebracht hätte“, so Rose. Die Bekämpfung des Antiziganismus sei zu wichtig, als dass parteipolitischen Überlegungen die Entschließungen des Bundestages abschwächen dürften, so Rose.
Alle Redner der demokratischen Parteien waren sich einig darin, dass die Bekämpfung des Antiziganismus eine Verpflichtung des Deutschen Bundestages sein müsse. Fünf Fraktionen, alle außer der AfD, hatten im Vorfeld an dem Entschließungsantrag „Antiziganismus bekämpfen“ mitgewirkt. Redner aller demokratischen Fraktionen bedauerten, dass obwohl es keine inhaltlichen Differenzen gab, es dennoch zu keinem gemeinsamen Antrag kam.
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März 23rd, 2019 |
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Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen
Theater Akzent & Volkshilfe: Benefizkonzert zugunsten des „ROTA Bildungs- und Nothilfefonds“ der Volkshilfe Österreich
Am 29.3.2019, 19:30 Uhr, im Theater Akzent, Theresianumg. 18, 1040 Wien
Anlässlich des Weltromatages am 8. April 2019 veranstaltet das Theater Akzent am 29. März 2019 das „ROTA Roma-Musikfest 2019“ und bietet ein Programm, das die Vielfältigkeit der Roma-Musik und -Kultur aufzeigt. Ausschließlich Roma- und Romnja-KünstlerInnen, die in Österreich leben und schon viele Jahre Stars der Musikszene der Communitys von Einwanderern aus den Ländern Ex-Jugoslawiens sind, treten auf. Neben den Gebrüdern Piller, Branko Jovanovic Bako, Moša Šišic, Erdzan Paunovic und Nancy Black werden folkloristische Tanzgruppen auftreten. Eines wird dabei und besonders zum Weltromatag unterstrichen: dass Roma-MusikerInnen sich Einflüsse der modernen Musikwelt gerne zueigen machen, ohne den Bezug zu ihren Traditionen zu verlieren. Der Reinerlös kommt dem „ROTA Bildungs- und Nothilfefonds“ der Volkshilfe Österreich zugute.
Was ist der „ROTA Bildungs- und Nothilfefonds“?
Die Initiative THARA der Volkshilfe Österreich setzt sich seit 2005 für die Anliegen von Roma und Sinti am österreichischen Arbeitsmarkt ein. Sie steht für das Selbstverständnis, Angehörige der Romani-Gemeinschaften als integralen Bestandteil der Gesellschaft wahrzunehmen und anzuerkennen. Konkret unterstützt der „ROTA Bildungs- und Nothilfefonds“ Roma-Familien mit schulpflichtigen Kindern, Roma, die selbst eine Aus- bzw. Weiterbildung anstreben, und Menschen, die sich in besonderen Notlagen befinden, besonders alleinerziehende Mütter und Familien.
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März 21st, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte
Die „Manifeste“ der Rechtsterroristen: Was der Christchurch-Mörder und Anders Breivik über Roma schreiben
Das Pamphlet des Christchurch-Attentäters nimmt an einer Stelle auch explizit Bezug auf Roma. Schon der norwegische Rechtsterrorist Breivik hatte sich in seinem „Manifest“ 2011 mit Roma befasst: Er wollte sie nach Ostanatolien transferieren. Und auch deutsche und ungarische Terrorzellen nahmen in den letzten Jahren mehrfach Roma ins Visier.
Im sogenannten „Manifest“, der wirren, von Anspielungen durchzogenen Hetzschrift, die der Terrorist von Christchurch kurz vor seinem Blutbad an Dutzenden Muslimen in Umlauf brachte, kommt er in einer Passage auch explizit auf Roma zu sprechen. Unter der Kapitelüberschrift „Europe for Europeans“, schreibt der Australier in Neuseeland über die vermeintlichen „Invasoren“ auf der anderen Seite des Globus:
The invaders must be removed from European soil, regardless from where they came or when they came. Roma, African, Indian, Turkish, Semitic or other. If they are not of our people, but live in our lands, they must be removed. Where they are removed to is not our concern, or responsibility. Our lands are not their home, they can return to their own lands or found their homelands elsewhere. But they will not occupy our soil. How they are removed is irrelevant, peacefully, forcefully, happily, violently or diplomatically. They must be removed. (…) REMOVE THE INVADERS, RETAKE EUROPE. (S. 50)
„Die Essenz des Rassismus“
In der Aufzählung der „zu entfernenden“ Bevölkerungsgruppen werden die Roma an erster Stelle genannt. Wie andere „fremdrassige“ Gruppen sollen also auch die Roma, eine in Wirklichkeit seit 700 Jahren in Europa beheimatete Ethnie, aus Europa beseitigt werden – und zwar weil es sich um „Invasoren“ handle (nicht zufällig ein Begriff für Migranten, der auch zum semantischen Arsenal der Neuen Rechten gehört). In der zitierten Passage erblickt der deutsche Publizist Sascha Lobo „die Essenz des Rassismus“ (ab 14:30):
Das ist „White Supremacy“, und es ist eigentlich sogar noch eine Stufe über„White Supremacy“, weil es faktisch um Vernichtungsfantasien geht. Read the rest of this entry »
März 20th, 2019 |
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Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Anna-Kathrin Bartl (2018): Die politischen Dimensionen von Antiziganismus: eine kulturanalytische Perspektive auf Figurierungsprozesse und Ausschließungsmechanismen
Masterarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie), 117 S.
→Download der UB Graz (pdf)
Zusammenfassung (Link):
Menschliches Zusammenleben trägt politische Dimensionen in sich. Unterteilungen in „Wir und Sie“, „Minderheit und Mehrheitsbevölkerung“, „Eigenes und Fremdes“ enthalten Hegemonie und Macht. Um das Eigene abzugrenzen, wird ein konstruiertes „Anderes“ benötigt. Antiziganismus ist ein soziales Phänomen, durch das Menschen als Zigeuner stigmatisiert werden; der Begriff Zigeuner ist eine diskriminierende Fremdzuschreibung, die historisch gesehen als Rassennomenklatur und polizeilicher Ordnungsbegriff zur Verfolgung genutzt wurde. Menschen werden durch die Zuschreibung als Zigeuner zum „Anderen“ und „Fremden“ gemacht.
Die Annahme dieser Arbeit ist, dass mit der Zigeuner-Konstruktion eine Figur der Ausgrenzung geschaffen wurde. Figuren dienen den Menschen als Orientierungshilfe im politischen und gesellschaftlichen Wandel. Einer kulturanalytischen Perspektive entsprechend bietet das Figurativ als hermeneutischer Forschungsbegriff die Möglichkeit, Bedeutungen von Figuren für eine Gesellschaft zu beobachten und sie in ihrer Wechselwirkung zu betrachten. Figuren sind dabei als diskursive Produkte zu verstehen, die keiner realen Person entsprechen. Die enthaltene Sinnstruktur der Figur des Zigeuners legitimiert Ausgrenzung und Verfolgung jenen Menschen gegenüber, auf die jene Figurierung übertragen wird. Während die Zigeuner-Figur Bestandteil eines kollektiven Gedächtnisses ist, ist es die dem Zigeuner-Begriff inhärente Diskriminierung kaum oder gar nicht. Read the rest of this entry »
März 19th, 2019 |
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Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Radio Dreyeckland, 19.3.2019 (6:26 min)
→Anhören (mp3)
Präsentation der Studie „Diskriminierung von Sinti und Roma in und um Freiburg 2018“
„Ein Jahr lang haben wir – eine Gruppe von Sinti und Roma – Vorfälle und Erfahrungen von Diskriminierung und Rassismus gesammelt, besprochen und versucht zu verarbeiten. Abstrakte körperlose und weiße Begriffsakrobatik interessiert uns allerdings nicht, für uns ist das Entscheidende: wie wir trotz erheblichen Drucks den eigenen Weg finden und gehen können. Auf dieser Veranstaltung (Anm.: im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2019 in Freiburg, hier der Programmflyer/pdf) stellen wir unsere erste Studie dazu vor.“ (aus der Ankündigung)
Tomas Wald vom Roma-Büro in Freiburg spricht zuerst über die bereits genannte „Begriffsakrobatik“, um die es heute Abend (19.3.2019, 19 Uhr im Roma-Büro, Ensisheimer Str. 20) eben nicht gehen soll …
(Text: rdl.de/freie-radios.net)
März 16th, 2019 |
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Veranstaltungen & Ausstellungen
Doppelausstellung „Jenische und Sinti – anerkannte nationale Minderheiten in der Schweiz“, zu sehen bis 23. März 2019 im Polit-Forum Bern
„Latscho diwes – Sinti, die unbekannteste Minderheit der Schweiz“ und „Deine unbekannten Nachbarn“
Polit-Forum Bern: Die Jenischen und die Sinti sind Minderheiten der Schweiz, anerkannt im Rahmen des Rahmenübereinkommens des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten. Der Kultur beider Minderheiten, den Jenischen und den Sinti, ist eines gemeinsam: der Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit. Damit verbunden für viele von ihnen: die fahrende Lebensweise. Ihre Geschichte, ihre Kultur, ihre Traditionen – und als wichtigster Kulturträger ihre Sprachen – unterscheiden sich jedoch stark voneinander. Die beiden Wanderausstellungen «Latscho diwes – Sinti, die unbekannteste Minderheit der Schweiz» des Vereins «Sinti Schweiz» und «Deine unbekannten Nachbarn» der «Radgenossenschaft der Landstraße» zeigen aber auch, wie viele Anliegen die Jenischen und die Sinti teilen: die generelle Stärkung der Minderheiten, die Schaffung von Standplätzen (Winterquartiere) und offiziellen Durchgangsplätzen für die Monate der sommerlichen Reise, die Pflege und Stärkung der je eigenen Kultur und Sprache.
Führungen durch die Ausstellung:
Am 9., 16. und 23. März um 14 Uhr finden öffentliche Führungen durch die Ausstellung mit Hans Gemperle (Radgenossenschaft der Landstrasse) und Vertretern des Vereins «Sinti Schweiz» statt. Am 9. März war Fino Winter (Präsident des Vereins «Sinti Schweiz») anwesend.
Anmeldungen online:
→ 16. März 2019 | → 23. März 2019
Didaktisches Material zur Ausstellung:
Das didaktische Material kann von Schulklassen zur Vorbereitung sowie während des Besuchs der Ausstellung genutzt werden. → Download (PDF) (194.8 KB)
(Text: Polit-Forum Bern)
Siehe auch:
Schweiz: Roma keine „nationale Minderheit“, 2.6.2018
Wanderausstellung der Schweizer Sinti, 4.9.2018
Aus unserem Archiv:
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März 15th, 2019 |
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Internet & Blogothek, Radio, Podcast & TV
Neues ORF-TVthek-Videoarchiv „Volksgruppen in Österreich“ ist ab jetzt online verfügbar
Seit gestern Donnerstag, dem 14. März 2019, steht auf der ORF-TVthek (TVthek.ORF.at) das neue zeit- und kulturhistorische Videoarchiv „Volksgruppen in Österreich“ zur Verfügung. Die insgesamt 87 Videobeiträge des auf Anregung des ORF-Publikumsrates entstandenen Archivs widmen sich den sechs Volksgruppen der Burgenlandkroaten, Roma, Slowaken, Slowenen, Tschechen und Ungarn in Österreich und vervollständigen das bereits bestehende, alle aktuellen Volksgruppen-Sendungen des ORF-Fernsehens umfassende ORF-TVthek-Angebot.
ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: „Umfassende, aktuelle und regelmäßige Programmangebote für und über die sechs autochthonen Volksgruppen in Österreich sind ein wichtiger und nicht wegzudenkender Bestandteil aller ORF-Medien – ob Fernsehen, Radio oder Internet. Mit dem neuen ORF-TVthek-Videoarchiv zu den ‚Volksgruppen in Österreich‘ wird nunmehr das breitgefächerte, von der Plattform volksgruppen.ORF.at bis zu Live- und On-Demand-Streams aller Volksgruppen-Sendungen reichende Onlineangebot weiter ausgebaut.“
Thomas Prantner, stv. Direktor für Technik, Online und neue Medien: „Die ORF-TVthek bildet mit ihrem umfangreichen Angebot nicht nur die gesamte Bandbreite des aktuellen ORF-TV-Programms inklusive aller Volksgruppensendungen ab, sondern leistet mit ihren zeit- und kulturhistorischen Videoarchiven und der Aktion ‚ORF-TVthek goes school‘ einen essenziellen Beitrag zur Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrags im Bereich der neuen Medien. Dieses wichtige Onlineangebot wird nun mit dem neuen Videoarchiv ‚Volksgruppen in Österreich‘ erfolgreich erweitert.“
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März 14th, 2019 |
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Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen
Ausstellung „Schwarz & Weiß“
Eröffnung in Berlin am 14.3.2019
19–21 Uhr, Eintritt frei
Zu sehen bis 28. April 2019 (Mi. bis Sa., 14–18 Uhr u. n. V.) in der Galerie Kai Dikhas / Kunstraum Dikhas Dur im Aufbau-Haus am Moritzplatz, Prinzenstr. 84 I, Aufgang 2, 10969 Berlin
Der französisch-spanische Künstler Gabi Jiménez ist bekannt für seine farbkräftigen Gemälde, die er in einem eigenen, der Comic-Zeichnung entliehenen Malstil entwirft. Unter seinen Arbeiten sind aber auch viele monochrome Schwarz-Weiß-Arbeiten, die besonders pointiert die Bildideen des Künstlers festhalten. Die Ausstellung SCHWARZ & WEISS widmet sich diesen Werken: Grafiken, Comics, aber auch Arbeiten auf Leinwand. Die Reduktion der Farbe lässt den grafischen Einfallsreichtum des Künstlers noch deutlicher zu Tage treten. So ist sein SCHWARZ & WEISS keinesfalls eintönig oder gar das Schwarz-Weiß des heutigen politischen Diskurses.
Augenzwinkernd meint das SCHWARZ & WEISS des Gabi Jiménez auch das leider oftmals mit Schwierigkeiten und Gewalt verbundene Aufeinandertreffen von Roma mit Nicht-Roma, das Aufeinandertreffen der „Schwarzen“, der Kalé, mit den „Weißen“, den Gadje. Dem begegnet Gabi Jiménez mit den Mitteln des Dadaismus – wie sein verstorbener Bruder in der Kunst, Damian Le Bas, dem wir diese Ausstellung widmen. Der Gypsy DaDa war ein neuer Begriff, den die beiden Künstler während ihrer denkwürdigen gemeinsamen Ausstellung Gypsyland in der Galerie Kai Dikhas im Januar 2012 prägten und auch direkt in einem großen gemeinsamen Werk manifestierten. Es ist ein bissiger und eben auch entwaffnender Humor, der dem Ernst von Unterdrückung und Rassismus entgegentritt.
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März 13th, 2019 |
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Radio, Podcast & TV
Servus | Szia | Zdravo | Del tuha
ORF 2 Burgenland, 10. Februar 2018
>>On Demand
Gedenkfeier in Oberwart — Das Südburgenland war geschichtlich oft Zeuge vieler trauriger Ereignisse. In der Nacht auf den 5. Februar 1995 starben Josef Simon, Peter Sarközi, Karl Horvath und Erwin Horvath aus der Oberwarter Roma-Siedlung, als sie eine Tafel mit der rassistischen Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ entfernen wollten. Dahinter hatte sich eine heimtückische Sprengfalle des rechtsextremen Briefbombenbauers Franz Fuchs verborgen. Mit einer Gedenkfeier wurde in der burgenländischen Gemeinde der Opfer gedacht.
Jugend — Die Volksgruppe der Roma ist ein prägender Teil der österreichischen Gesellschaft. Vor allem in der jungen Generation finden sich zahlreiche Talente, die große Erfolge verzeichnen, Pionierarbeit leisten und ihre Stimmen erheben. In der neuen Serie „Der (un)sichtbare Ton trägt die Identität“ geben wir Ihnen kurze Einblicke in die Arbeit dieser jungen Roma und Romnja. Den Auftakt machen hierbei Vesna Niklolić, Audio Content Director, und der Rapper Marvin Horvath aus Floridsdorf.
Roma-Ball 2019 und die Historie — Mitte Jänner fand der traditionelle Roma-Ball in Unterwart statt, ein jährlicher kultureller Fixpunkt, und dies seit nun beinahe 30 Jahren. Schon seit 1990, noch vor der Anerkennung der Roma als Volksgruppe, begann man damit, den Roma-Ball, wie man in heute kennt, zu organisieren. Ein Blick in die Vergangenheit, die diesjährige feierliche Nacht begleitend.
Projekt ROMABIZ gestartet — Anfang September wurde das grenzüberschreitende Projekt „ROMABIZ – Österreich, Ungarn“ gestartet. Das Interreg-Projekt soll die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen von Roma und Sinti steigern und somit ihr wirtschaftliches Überleben sichern. Read the rest of this entry »
März 13th, 2019 |
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Radio, Podcast & TV
Servus | Szia | Zdravo | Del tuha
ORF 2 Burgenland, 10. feberi 2019
>>On Demand
Gondolipe andi Erba — O suditiko Burgenland imar but bibastale keripendar ceugnis sina. Sar ando rat upro 5. feberi 1995 o kada o Josef Simon, Peter Sarközi, Karl Horvath taj o Erwin Horvath murdarde ule. On kamnahi i tablina le upre pisinipeha „Roma zurück nach Indien“ bejg te tschil. Pal oja tablina jek bomba garudi sina, savi o rechtsekstremi lilengere bombakero keraschi Franz Fuchs otscha tschitscha. Jeke gondolipeskere mulatintschagoha andi burgenlanditiki gemajndi le opferenge gondolim ulo.
Terne: „Der (un)sichtbare Ton trägt die Identität“ — I flogoskeri grupn le Romendar jek pregendi falato le austritike khetanipestar hi. But ando khetanipe, bare talentscha le ternendar del, save imar but barikanipe sikade. Andi nevi serija „Der (un)sichtbare Ton trägt die Identität“, kaj amen tumen ande dikipe andi buti terne Romendar das. O kesdipe kerel i Vesna Niklolić, audijo content directori taj o rapperi Marvin Horvath andar Floridsdorf.
Roma-Ball 2019 taj lakeri historija — Ando maschkarutno jeneri o tradicijoneli Roma-Ball Tenu Erbate sina, jek sakoberscheskero pharipeskero punkto taj oda imar bojd tranda berscha. Imar sajt 1990, imar anglo aunprindscharipe le Romendar ojs flogoskeri grupn, la organisacijaha le mulatintschagoske Roma-Ball kesdim ulo. Jek dikipe andi palutni cajt ande aja rat le Roma-Balliha vodim ol.
Projekto ROMABIZ kesdintscha — Ando kesdipe le septemberistar o granicakero prikastaripeskero projekto „ROMABIZ – Austrija, Ungriko“ kesdintscha. Read the rest of this entry »
März 12th, 2019 |
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Ehrungen & Nachrufe, Musik
Die große tschechische Roma-Sängerin Věra Bílá ist heute im Alter von 64 Jahren gestorben
Im Alter von 64 Jahren ist am Dienstag die renommierte Sängerin Věra Bílá gestorben. Am Montag wurde sie im kritischen Zustand in die Uni-Klinik in Pilsen eingeliefert, wo sie einen Tag später gestorben ist. Die Information veröffentlichte der Nachrichtenserver idnes.cz. Die Sängerin hatte Jahre lang gesundheitliche Probleme und war zuckerkrank.
Die bekannteste Roma-Sängerin Tschechiens, Věra Bílá, stammte aus dem westböhmischen Rokycany. Sie ist in sehr armen Verhältnissen aufgewachsen. Die begabte Musikerin trat mit der Band Kale auf und brachte einige CDs heraus. Sie stellte sich in der ausverkauften Pariser Olympia vor und hat auch für US-Präsident Bill Clinton im Weißen Haus gesungen. Nach zwei Familientragödien zog sich die Sängerin für einige Jahre zurück. In den letzten Jahren bemühte sie sich um ein Comeback (Anm.: hier ein gerade erst vor wenigen Tagen publiziertes Musikvideo, mehr hier). Ein Dokumentarfilm über ihre Bemühungen auf die internationale Musikszene zurückzukehren wurde im Dezember vergangenen Jahres vom Tschechischen Fernsehen gesendet. Darin sagte die Sängerin, in der Musik sei sie nicht krank, ohne Musik sterbe sie vor Wehmut.
(Radio Praha, 12.3.2019)
Siehe auch:
♫ Věra Bílá (International Gypsy FEST 2009)
März 11th, 2019 |
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Fundstücke, Geschichte & Gedenken, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Vom Wort zur Tat: Von der Medienhetze gegen „Zigeuner“ war es nur noch ein kleiner Schritt zum Roma-Holocaust.
Vor (fast) exakt 80 Jahren, am 3. März 1939, veröffentlichte die Wiener Wochenzeitung „Illustrierte Wochenpost“, Nr. 9, S. 8, unter dem Titel „Zigeuner – die große Landplage“ einen ganzseitigen Artikel über die österreichischen Roma. Von dieser rassistischen Hetze, die an einen jahrzehntelangen medialen Diskurs anknüpfte, war es jetzt nur mehr ein kleiner Schritt zum Holocaust. Etwa neun Zehntel der Roma des Burgenlandes wurden kurz darauf deportiert und ermordet.
„Die Zigeunerfrage, die bisher im Altreich eine relativ unbedeutende Rolle gespielt hat, ist in der Ostmark ein brennendes Problem“, heißt es in dem Artikel. „Und zwar ein Problem der Rassenmischung sowohl wie der Kriminalität.“ Dem Reporter G. Ebert, der angeblich vor Ort im Burgenland recherchierte, habe sich „der nachhaltige Eindruck einer kulturellen Verkommenheit und Degeneration, die ekelerregend ist“, ergeben – die Tonalität des gesamten Artikels zielt auf Entmenschlichung ab.
Im Rahmen des Artikels abgedruckt ist auch ein Schreiben des Bürgermeisters von Sankt Margarethen (Bezirk Eisenstadt-Umgebung). Bürgermeister Unger war offenbar einer jener zahlreichen Scharfmacher auf lokaler Ebene, welche die nationalsozialistischen Behörden zu immer radikaleren Verfolgungsmaßnahmen drängten und deren Vernichtungswillen erst so richtig befeuerten. Als Vorwand dienten einmal mehr die angeblich horrenden Fürsorgekosten, welche die verarmte Romabevölkerung für die Kommunen bedeutete. So gipfelt auch dieser Artikel mit einem abschließenden Ruf nach drastischen Maßnahmen gegen das „arbeitsscheue Parasitenvolk“, das man da „großgezogen“ habe, „niemanden (sic!) zunutze und allen zum Schaden“. „Die Gemeinden, die Zigeuner beherbergen müssen, rufen nach Lösung der Zigeunerfrage (…)“.
Als dieser Artikel erschien, war bereits die erste Deportationswelle angerollt: Schon 1938 waren 232 österreichische Roma und Sinti inhaftiert und in Konzentrationslager eingewiesen worden. Read the rest of this entry »
März 9th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Tschechien: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen rassistischer Plakate in Lety
Radio Praha, 8.3.2019: Die tschechischen Behörden ermitteln gegen zwei Männer, die nahe dem ehemaligen Roma-KZ in Lety Plakate mit rassistischen Texten aufgestellt hatten (wir berichteten). Ihnen drohten bis zu drei Jahre Haft, teilte der zuständige Staatsanwalt mit. Laut dem Nachrichtenserver Romea.cz sollen beide Männer einer rechtsnationalen Vereinigung angehören. (Anm. der dROMa-Red.: Es handelt sich um die Gruppierung „My proti všem“, übersetzt: „Wir gegen alle“). Die Plakate waren im Mai und Juni vergangenen Jahres auf dem Gelände der Gedenkstätte für den Roma-Holocaust aufgetaucht (mehr hier).
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März 8th, 2019 |
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Film & Theater, Frauenrechte, Interview, Radio, Podcast & TV
Radio Corax | Sendung vom 13.3.2018
14:01 min | 32 MB | →Anhören (mp3)
Feministische Romnja-Perspektiven stärken, das hat sich das Rromnja-Archiv RomaniPhen aus Berlin zur Aufgabe gemacht. Derzeit veranstaltet es den Romnja Power Month. Einen Monat lang widmet sich das feministische Rromnja-Archiv Sichtweisen von Sinti und Roma. Einige dieser eigenen Sichtweisen sind in dem Film „Phral mende – Wir über uns“ zusammengefasst. Die Regisseurin Tayo Awosusi-Onutor legt mit ihrem Film ein vielstimmiges Selbstporträt vor – dazu führte sie biografische Interviews mit Persönlichkeiten wie Anita Awosusi, Fatima Hartmann oder Ilona Lagrene. Aus ihren Perspektiven und individuellen Erfahrungen entsteht in „Phral mende – Wir über uns“ ein lebendiges Bild von Sinti und Roma in Deutschland, das sich stereotypen Sichtweisen widersetzt. Radio Corax hat sich mit der Regisseurin Tayo Awosusi-Onutor über ihren Film und über feministische Romnja-Perspektiven unterhalten.
(Text: www.freie-radios.net)
Tayo Awosusi-Onutor ist Sängerin, Autorin, Regisseurin, politische Aktivistin und Mutter. Sie lebt in Berlin. Sie definiert sich als Afro-Sintezza. Sie singt auf Deutsch, Englisch und Romanes und arbeitet auch als Synchronsprecherin und -sängerin. Sie studiert deutsche Sprache und Literatur sowie Multimedia. Sie ist Vorstandsmitglied des feministischen Roma-Archivs RomaniPhen e.V., wo sie für die PR verantwortlich ist, und Mitglied der Roma-Fraueninitiative IniRromnja.
(Text: roma-filmfestival.com)