Archive for März, 2019

Slowakei: Čaputová bedankt sich auf Romanes

März 31st, 2019  |  Published in Politik

Mit Zuzana Čaputová wurde erstmals eine Frau zum Staatsoberhaupt der Slowakei gewählt (Foto: CC Slavomír Frešo/Wikicommons)Die überragende Wahlsiegerin und neue slo­wa­ki­sche Staats­prä­si­den­tin, Zuzana Čaputová, be­dankt sich auf Ro­manes – ein No­vum in der Slowakei

Die Slowakei entschied sich bei der Stich­wahl am Sams­tag für eine sozial­liberale und pro­euro­päi­sche Staats­präsi­dentin: Die 45-jäh­rige Bürger­anwältin und Umwelt­aktivis­tin Zuza­na Ča­pu­tová, Vize­vor­sit­zende der neu­en Par­tei Progresívne Slovensko (Fort­schritt­liche Slowakei), setz­te sich mit rund 58,3 Pro­zent (Aus­zäh­lungs­grad 96,8 Prozent, das End­ergeb­nis wird erst im Laufe des Tages be­kannt ge­ge­ben) klar gegen ihren von der Regie­rungs­partei Smer – sociál­na demo­kracia (Smer-SD) un­ter­stützten Kon­kurren­ten, den partei­lo­sen Euro­pa­politi­ker und EU-Kom­mis­sar Maroš Šefčovič (41,7 Pro­zent), durch – uns setzt bereits neue Ak­zente: Wie schon nach ihrem über­raschend kla­ren Ergeb­nis nach dem ers­ten Wahl­gang am 16. März schick­te Čaputová auch in ihrer jetzi­gen Dankes­rede ein Signal an die gro­ßen Min­der­heiten des Landes. Sie dankte ihren Wäh­lerin­nen und Wählern auch auf Romanes und auf Unga­risch sowie auf Tsche­chisch. Diese Respekt­bezeu­gung gegen­über der Roma-Volks­gruppe ist ein Novum in der slo­waki­schen Politik. Mit die­ser Geste sig­nali­siert die neue Staats­prä­sidentin auch, dass sie an das Engage­ment ihres partei­losen Vor­gän­gers Andrej Kiska für die Volks­gruppe an­knüp­fen will. Erst vor eini­gen Tagen wurde Kiska für sein Ein­treten für die mar­ginali­sierte Minder­heit mit dem Europäischen Bürger­rechts­preis der Sinti und Roma 2019 aus­ge­zeich­net.

Zuzana Čaputovás Wahlsieg ist umso bemerkenswerter, als ihre Partei der­zeit nicht ein­mal im Parlament ver­treten ist. Den­noch konn­te Čapu­tová als völlige Außen­seiterin den ers­ten Wahlgang vor zwei Wo­chen über­legen mit 40,6 Pro­zent der ab­gege­be­nen Stim­men für sich ent­scheiden. Damit ver­wies „der neue Shootingstar der slo­waki­schen Po­litik“ (Der Standard) den Kan­di­da­ten der mäch­tigen Regie­rungs­partei Smer auf den zwei­ten Platz: Šefčovič konn­te nicht ein­mal halb so viele Stim­men (18,7 Pro­zent) er­zielen. Der rechts­extreme Kan­di­dat Marián Kotleba von der ĽSNS (wir berich­te­ten hier und hier), der sich seit Jahren mit rabia­ter Hetze gegen Roma zu pro­filie­ren ver­sucht, er­reichte 10,6 Pro­zent. Read the rest of this entry »

Expertenkommission Antiziganismus konstituiert

März 30th, 2019  |  Published in Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Expertenkommission Antiziganismus wurde konstituiert - hier die Mitglieder mit Minister Horst Seehofer und Romani Rose. (Foto: BMI/Bertrand)27. März 2019: Deutsche Bundes­regie­rung be­ruft die Mit­glie­der der Un­ab­hän­gi­gen Ex­per­ten­kom­mis­sion Anti­ziga­nis­mus. Das „RomArchive“ geht in die Trä­ger­schaft des Do­ku­men­ta­ti­ons- und Kul­tur­zentrums Deut­scher Sin­ti und Ro­ma über.

Am 27. März 2019 berief die deutsche Bundesregie­rung die Mit­glieder der im Koa­li­tions­vertrag ver­ein­barten Un­abhän­gigen Experten­kom­mission Anti­ziganis­mus. Der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma be­grüßt die schnelle Be­ru­fung durch den Bundes­minis­ter des In­nern, Horst Seehofer, nach­dem der Deut­sche Bundestag in der ver­gan­ge­nen Woche ent­spre­chen­de Ent­schlie­ßungs­anträge der Koali­tions­frak­tio­nen wie der Oppo­sitions­frak­tio­nen – mit Aus­nah­me der AfD – ver­han­delt hatte.

Minister Seehofer unter­strich die Bedeu­tung der Exper­ten­kom­mis­sion für die zukünf­tige politi­sche Aus­rich­tung bei der Be­kämp­fung des Anti­ziganis­mus. Es sei sein Wunsch und der Wunsch seines Minis­te­riums, dass die Kom­mission einen Abschluss­bericht mit subs­tan­tiel­lem Gehalt lie­fere, der Bundes­tag, Bundes­regierung und der Min­der­heit der Sinti und Roma glei­cher­ma­ßen Vor­gaben für einen respekt­vollen Um­gang lie­fern möge.

Der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sag­te in der kons­tituie­ren­den Sitzung heute: „Anti­ziganis­mus ist tief­ver­wurzelt in der deutschen und der eu­ro­päi­schen Gesell­schaft. Die Ächtung des Anti­ziganis­mus durch die Bundes­regierung und durch die Politik muss jetzt durch ent­spre­chende An­stren­gun­gen ins­be­son­dere in der politi­schen Bildung unter­mauert wer­den.“ Der Deutsche Bundestag hat­te wäh­rend der Debatte am ver­gan­ge­nen Freitag die Be­kämpfung des Anti­ziga­nis­mus als gemein­same Aufgabe von Politik und Gesell­schaft be­nannt, aber im dann ver­abschie­de­ten Ent­schlie­ßungs­antrag (PDF) der Koalition keine Selbst­ver­pflich­tung des Bun­des­tages hier­zu auf­ge­nommen.

Um so wichtiger ist für den Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma jetzt die Arbeit der Exper­ten­kommis­sion, die neben einem Bericht zum Ende der Le­gis­latur­perio­de kon­krete Em­pfehlun­gen an die Bundes­regie­rung geben soll, um die histori­sche Dimen­sion ebenso auf­zu­arbeiten wie den gegen­wärti­gen Anti­ziganis­mus zu be­kämpfen. Hier­zu ge­höre vor­ran­gig die Dokumen­tation anti­ziganis­tisch moti­vier­ter Straf­taten wie die Beobach­tung von Anti­ziganis­mus in den Medien und den Aus­wirkun­gen bei den Ein­stel­lun­gen in der Be­völke­rung. Ins­beson­dere sollte die Kom­mis­sion ihr Augen­merk auf Schule und Bildung rich­ten, denn gerade in den Schulen gibt es kaum ver­läss­li­ches und gut auf­berei­tetes Bildungs­mate­rial zum The­ma Sinti und Roma, so Rose. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (217)

März 29th, 2019  |  Published in Facts & Figures, Politik

Mit dem deutschen Mu­si­ker, Ak­ti­vis­ten und Grü­nen-Po­li­ti­ker Ro­meo Franz ist seit 3. Ju­li 2018 erst­mals auch ein Sin­to im EU-Par­la­ment ver­tre­ten.

(Quelle)

Nach Fake News: Jagd auf Roma in Frankeich

März 27th, 2019  |  Published in Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte

Das Märchen von "kinderstehlenden Zigeunern" im Internetzeitalter: Fake News führt zu GewaltserieDie Mär von „Kinder stehlenden Zigeu­nern“ im Inter­net­zeit­alter: Fake News führt zu Gewalt­serie im Groß­raum Paris

In Frankreich hat eine in den Sozialen Medien kursierende Falsch­mel­dung, wo­nach Roma in einem weißen Liefer­wagen in ver­schie­de­nen Orten der Ile-de-France, ver­sucht hät­ten, Kinder bzw. jun­ge Frauen zu ent­führen, um Organ­handel zu be­treiben, zu einer Gewalt­serie ge­gen Roma ge­führt. Am 17. März wurden zwei Roma, die in einem weißen Wagen sa­ßen, in Colombes im Groß­raum Paris aus ihrem Auto ge­zerrt und von einer Men­schen­menge auf der Straße ver­prügelt. Schließ­lich konn­ten sie, pa­nisch um Hilfe rufend, in ein Ge­bäude flüchten. Es kam zu Straßen­schlach­ten mit der Polizei. Die bei­den über­fallenen Männer wur­den leicht ver­letzt ins Kranken­haus ge­bracht. (Anm., 17:45 Uhr: Laut neueren Mel­dun­gen wur­den die zwei Opfer von den Tätern fälsch­lich für Roma ge­hal­ten.)

In den letz­ten Tagen wur­den dann in meh­re­ren Städten, laut „FranceSoir“ in Bobigny, Clichy-sous-Bois, Aubervilliers, Bondy und Noisy-le-Sec, Roma an­ge­grif­fen oder be­droht, zum Teil wur­den ihre Fahr­zeuge an­gezündet. So kam es am Montag­abend bzw. in der Nacht zum Diens­tag in Bobigny und in Clichy-sous-Bois un­weit von Paris zu Gewalt; die Polizei spricht von „meh­reren Schlä­gereien und Gewalt­taten“. In Clichy-sous-Bois flüch­teten sich über zwan­zig Roma vor einem mit Stöcken be­waff­ne­ten Lynchmob ins Lager eines nahe­gele­genen Super­markts. Die Polizei schritt ein, es kam zu Aus­einander­set­zun­gen mit der Täter­gruppe, be­stehend aus rund zwan­zig Männern. Autos gingen in Flam­men auf, zwei Poli­zisten wurden leicht verletzt. In Cli­chy-sous-Bois hatten schon 2005 – nach dem Unfall­tod zweier Ju­gend­li­cher – die damaligen Unruhen in den fran­zö­si­schen Banlieues ihren Aus­gangs­punkt.

Mittlerweile kam es zu zahlreichen Fest­nahmen. Die Polizei konnte 20 Ver­dächtige er­mitteln. Read the rest of this entry »

Bürgerrechtspreis 2019 für Andrej Kiska

März 25th, 2019  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Präsident Kiska besuchte Roma-Jugend-Buchklub Palikerav (Foto: Andrej Kiska: Preisträger des Europäischen Bürger­rechts­prei­ses der Sinti und Roma 2019

Der Europäische Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma wird in die­sem Jahr an den Staats­prä­siden­ten der Slowakei, Andrej Kiska, ver­ge­ben. Die Ver­lei­hung fand am 19. März 2019 im Haus der Euro­päi­schen Ge­schichte in Brüssel statt. Der Preis wird ge­stiftet von der Man­fred-Lau­ten­schlä­ger-Stif­tung und ist mit 15.000 Euro do­tiert.

Der aktuelle Präsident der Slo­waki­schen Re­publik, Andrej Kiska, wird für sein gesell­schaft­li­ches Engage­ment, seine kriti­sche politische Hal­tung in der Öffent­lich­keit und seinen beharr­li­chen Ein­satz für die Be­lange der Roma in der Slowakei mit dem Euro­päi­schen Bürger­rechts­preis der Sinti und Roma aus­gezeich­net. Be­son­ders in einer Zeit, in der sich Sinti und Roma in Europa von rechts­extremen und na­tio­nalis­ti­schen Strö­mun­gen und Parteien zu­neh­mend bedroht se­hen, spricht sich der slowa­kische Prä­sident Andrej Kiska deut­lich für die gleich­berech­tigte Teil­habe der Roma in seinem Heimat­land aus. In Inter­views und Reden lenkt er den Blick der Öffent­lich­keit im­mer wieder auf die jahrelang ver­nach­läs­sigte und dis­krimi­nierte Min­der­heit und zeigt, dass die Zu­kunft Europas nur in einem demo­krati­schen und solida­ri­schen Mit­einander be­stehen kann, das die Rechte von Minder­heiten an­erkennt und schützt.

Die Preisverleihung fand am 19. März 2019 im Haus der Euro­päi­schen Ge­schichte in Brüssel statt. Die Lau­datio auf Prä­sident Kiska hielt Michael Roth (Staats­minis­ter für Euro­pa im Aus­wärti­gen Amt). Es re­deten au­ßer­dem unter ande­rem Romani Rose (Vor­sitzen­der des Zentralvrats deut­scher Sinti und Roma) und Soraya Post (Co-Prä­siden­tin der Euro­pean Parlia­ment Anti-Ra­cism and Diver­sity In­ter­group/ARDI.)

Der Euro­päi­sche Bür­ger­rechts­preis der Sinti und Roma wurde 2007 an­läss­lich des 10-jäh­ri­gen Be­stehens des Doku­menta­tions- und Kultur­zentrums Deut­scher Sinti und Roma, vom Doku­men­ta­tions­zentrum, dem Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma und der Man­fred-Lau­tenschlä­ger-Stif­tung ins Le­ben ge­rufen und ist mit 15.000 Euro do­tiertRead the rest of this entry »

Kritik: Bundestag ignoriert zugewanderte Roma

März 24th, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

"Antiziganismus bekämpfen" (Foto: zusammenhandeln.blogsport.eu)Beratung des Deutschen Bundestags über die An­träge zum Kampf gegen Anti­ziga­nis­mus: Ini­tia­toren des „Bünd­nis­ses für Soli­dari­tät mit den Sinti und Roma Euro­pas“ zei­gen sich ent­täuscht

Stellungnahme vom 22.3.2019: Anlässlich der Be­ra­tung des Deut­schen Bundes­tags über die An­träge zum Kampf gegen Anti­ziga­nis­mus (mehr hier) be­grü­ßen Uwe Neumärker (Di­rek­tor der Stiftung Denk­mal für die er­mor­de­ten Juden Euro­pas) und Hamze Bytyci (Vor­stands­vor­sit­zen­der des Roma­Trial e.V.), dass sich der Deut­sche Bundes­tag die­ses wich­ti­gen The­mas an­nimmt. Sie äu­ßern aller­dings Un­ver­ständ­nis darü­ber, dass zu­ge­wan­der­te Roma im Be­schluss­text keine Be­ach­tung fin­den. Uwe Neu­mär­ker er­klärt: »Anti­ziganis­mus rich­tet sich ge­gen alle Men­schen, die als Roma oder Sinti wahr­ge­nom­men wer­den. Dass der Deut­sche Bundes­tag vor­ran­gig die An­gehö­ri­gen der als natio­nale Minder­heit an­erkann­ten deut­schen Sinti und Roma als schutz­wür­dig be­nennt, be­dauvere ich.«

Natürlich ist die Sensibilisierung für die Hetero­genität unter den Sinti und Roma wich­tig. Doch anti­ziganis­tisch mo­ti­vier­te Haltun­gen und Hand­lun­gen vom vagen Vor­urteil über Aus­gren­zung und Be­nach­teili­gung bis hin zu of­fener Gewalt sind sie glei­cher­ma­ßen aus­ge­setzt.

Hamze Bytyci führt weiter aus: »Die Dauer der An­wesen­heit der Vorfah­ren eines von Anti­ziganis­mus be­trof­fe­nen Men­schen darf bei der Zu­rück­wei­sung die­ser Art des Rassismus kei­ne Rolle spie­len. Read the rest of this entry »

Antiziganismus-Resolution des Bundestags

März 24th, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland bekennt sich zum Schutz der Sinti und Roma: Plenarsitzung im Bundestag (Foto: Bndestag)Historische Debatte „Antiziganismus bekämpfen“ im Deut­schen Bundes­tag (Video): Exper­ten­kom­mis­sion Anti­ziga­nis­mus wird kon­sti­tu­iert, Bun­des­tag be­schließt Reso­lu­tion gegen Anti­ziga­nis­museine par­tei­po­li­ti­sche Gro­tes­ke der CDU/CSU ver­ei­tel­t ge­mein­sa­men Antrag al­ler Frak­tio­nen au­ßer der AfD.

Zentralrat, 23.3.2019: Vor der kommenden Konsti­tuie­rung der Unab­hän­gi­gen Exper­ten­kommis­sion Anti­ziganis­mus am 27. März 2019 im Bundes­minis­te­rium des Innern be­fasste sich der Deut­sche Bun­destag in seiner De­batte am 22. März mit dem zu­neh­mend mas­siven Anti­ziganis­mus in Deutschland und in Eu­ro­pa. Stu­dien des Bundes oder wie zu­letzt Um­fragen der Uni­ver­sität Leipzig (wir be­rich­te­ten) zei­gen, dass die Ab­lehnung von Sinti und Roma in der Bevöl­ke­rung extrem hoch ist. Hier sei es Auf­gabe ins­be­son­dere der Politik, für den not­wen­di­gen Zusam­men­halt in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft ge­rade auch durch den Schutz von Min­der­hei­ten zu sor­gen, er­klär­te Romani Rose vor der De­batte.

In einer ersten Reaktion bezeichnete der Vorsit­zende des Zentral­rates Deut­scher Sinti und Roma, Ro­mani Rose, die Tat­sache, dass sich der Deut­sche Bundestag end­lich mit dem Thema Anti­ziganis­mus be­fasst, als wich­ti­gen Schritt für die Minder­heit und eben­so für die demo­krati­sche Ver­fasst­heit unse­rer Gesell­schaft: „Es gibt in Deutsch­land und in Eu­ro­pa einen zu­neh­mend gewalt­berei­ten Anti­ziganis­mus, der sich vorder­grün­dig gegen die Minder­heit richtet, der aber im Kern auf unsere demo­krati­schen Werte zielt.  Es wäre wün­schens­wert ge­we­sen, wenn es einen gemein­sa­men Ent­schlie­ßungs­antrag aller demo­krati­schen Parteien im Deut­schen Bundes­tag ge­geben hätte, der die Ver­pflich­tung des Deut­schen Bundes­tages zum Schutz und zur För­de­rung der Minder­heit der Sinti und Roma klar zum Aus­druck ge­bracht hätte“, so Rose. Die Be­kämp­fung des Anti­ziganis­mus sei zu wich­tig, als dass partei­politi­schen Über­legun­gen die Ent­schlie­ßun­gen des Bundes­tages ab­schwä­chen dürf­ten, so Rose.

Alle Redner der demokratischen Parteien waren sich einig darin, dass die Be­kämp­fung des Anti­ziganis­mus eine Ver­pflich­tung des Deut­schen Bundes­tages sein müsse. Fünf Frak­tio­nen, alle außer der AfD, hat­ten im Vor­feld an dem Ent­schlie­ßungs­antrag „Anti­ziganis­mus be­kämp­fen“ mit­ge­wirkt. Redner aller demo­krati­schen Frak­tio­nen be­dauer­ten, dass ob­wohl es keine inhalt­lichen Dif­feren­zen gab, es den­noch zu kei­nem ge­mein­sa­men Antrag kam.

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„ROTA Roma-Musikfest“ in Wien

März 23rd, 2019  |  Published in Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Moša Šišic - demnächst beim ROTA-Roma-Musik-Fest 2019 im Wiener Theater Akzent (Foto: Svetlana Nenadovic)Theater Akzent & Volkshilfe: Benefiz­konzert zu­guns­ten des „ROTA Bil­dungs- und Not­hilfe­fonds“ der Volks­hilfe Ös­ter­reich

Am 29.3.2019, 19:30 Uhr, im Theater Akzent, The­resia­numg. 18, 1040 Wien

Anlässlich des Weltromatages am 8. April 2019 ver­anstal­tet das Theater Akzent am 29. März 2019 das „ROTA Roma-Musikfest 2019“ und bie­tet ein Pro­gramm, das die Viel­fältigkeit der Roma-Musik und -Kultur auf­zeigt. Aus­schließ­lich Roma- und Rom­nja-Künst­lerIn­nen, die in Österreich le­ben und schon viele Jahre Stars der Musik­szene der Com­munitys von Ein­wande­rern aus den Ländern Ex-Jugo­sla­wiens sind, tre­ten auf. Neben den Gebrü­dern Piller, Branko Jovanovic Bako, Moša Šišic, Erdzan Paunovic und Nancy Black wer­den folk­lo­ris­ti­sche Tanz­gruppen auf­treten. Eines wird dabei und be­son­ders zum Welt­roma­tag unter­strichen: dass Roma-Mu­sikerIn­nen sich Ein­flüsse der modernen Musik­welt gerne zu­eigen ma­chen, ohne den Be­zug zu ihren Traditio­nen zu ver­lieren. Der Rein­erlös kommt dem „ROTA Bildungs- und Nothilfe­fonds“ der Volkshilfe Öster­reich zu­gute.

Was ist der „ROTA Bildungs- und Nothilfefonds“?

Die Initiative THARA der Volkshilfe Österreich setzt sich seit 2005 für die An­liegen von Roma und Sinti am öster­reichi­schen Arbeits­markt ein. Sie steht für das Selbst­ver­ständnis, An­gehörige der Romani-Ge­mein­schaften als integra­len Bestand­teil der Gesell­schaft wahr­zu­nehmen und an­zu­erken­nen. Konkret unter­stützt der „ROTA Bil­dungs- und Not­hilfe­fonds“ Roma-Fa­milien mit schul­pflich­ti­gen Kindern, Roma, die selbst eine Aus- bzw. Weiter­bildung an­streben, und Men­schen, die sich in be­son­der­en Notlagen be­fin­den, beson­ders allein­erzie­hende Mütter und Fa­milien.

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„They must be removed“

März 21st, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

1683: Was der Terrorist von Christchurch auf seine Waffen geschrieben hat (Foto via Twitter/r_ckl_ss)Die „Manifeste“ der Rechts­ter­ro­ris­ten: Was der Christ­church-Mör­der und An­ders Brei­vik über Roma schreiben

Das Pamphlet des Christchurch-At­ten­tä­ters nimmt an einer Stelle auch ex­pli­zit Be­zug auf Roma. Schon der nor­we­gi­sche Rechts­ter­ro­rist Breivik hatte sich in sei­nem „Mani­fest“ 2011 mit Ro­ma be­fasst: Er woll­te sie nach Ost­ana­to­lien trans­fe­rie­ren. Und auch deut­sche und unga­ri­sche Terror­zellen nah­men in den letz­ten Jah­ren mehr­fach Roma ins Vi­sier.

Im sogenannten „Manifest“, der wir­ren, von An­spielun­gen durch­zo­ge­nen Hetz­schrift, die der Ter­rorist von Christ­church kurz vor seinem Blut­bad an Dutzen­den Mus­li­men in Um­lauf brach­te, kommt er in einer Pas­sage auch expli­zit auf Roma zu spre­chen. Unter der Kapitel­über­schrift „Europe for Euro­peans“, schreibt der Austra­lier in Neuseeland über die ver­meint­li­chen „Inva­soren“ auf der an­de­ren Seite des Globus:

The invaders must be removed from European soil, re­gard­less from where they came or when they came. Roma, African, Indian, Turkish, Semitic or other. If they are not of our people, but live in our lands, they must be re­moved. Where they are re­moved to is not our con­cern, or re­spon­si­bi­li­ty. Our lands are not their home, they can re­turn to their own lands or found their home­lands else­where. But they will not oc­cu­py our soil. How they are re­moved is ir­rele­vant, peace­ful­ly, forcefully, hap­pi­ly, violent­ly or diplo­ma­ti­cal­ly. They must be re­moved. (…) RE­MOVE THE IN­VA­DERS, RE­TAKE EUROPE. (S. 50)

„Die Es­senz des Rassismus“

In der Aufzählung der „zu ent­fer­nen­den“ Be­völ­ke­rungs­gruppen werden die Roma an erster Stelle ge­nannt. Wie and­ere „fremd­rassige“ Grup­pen sollen also auch die Roma, eine in Wirklichkeit seit 700 Jahren in Europa be­heima­tete Ethnie, aus Europa beseitigt werden – und zwar weil es sich um „Invasoren“ hand­le (nicht zu­fällig ein Be­griff für Migran­ten, der auch zum se­man­ti­schen Arse­nal der Neuen Rechten ge­hört). In der zitierten Pas­sage erblickt der deut­sche Publi­zist Sascha Lobo „die Es­senz des Rassismus“ (ab 14:30):

Das ist „White Supremacy“, und es ist eigent­lich so­gar noch eine Stu­fe über„White Supre­ma­cy“, weil es fak­tisch um Ver­nich­tungs­fanta­sien geht. Read the rest of this entry »

„… eine Figur der Ausgrenzung“ (2018)

März 20th, 2019  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Karl-Franzens-Universität GrazAnna-Kathrin Bartl (2018): Die politischen Dimensionen von Anti­ziga­nis­mus: eine kultur­analy­ti­sche Per­spek­tive auf Figurie­rungs­pro­zesse und Aus­schlie­ßungs­me­cha­nis­men

Masterarbeit, Karl-Fran­zens-Uni­ver­sität Graz (Institut für Kultur­anthropo­logie und Euro­päi­sche Ethno­logie), 117 S.

→Download der UB Graz (pdf)

Zusammenfassung (Link):

Menschliches Zusammenleben trägt politi­sche Dimen­sio­nen in sich. Unter­teilun­gen in „Wir und Sie“, „Minder­heit und Mehr­heits­bevöl­ke­rung“, „Eigenes und Fremdes“ ent­hal­ten Hege­monie und Macht. Um das Eigene ab­zu­grenzen, wird ein konstru­ier­tes „Anderes“ be­nötigt. Anti­ziganis­mus ist ein soziales Phä­nomen, durch das Men­schen als Zigeu­ner stig­mati­siert wer­den; der Begriff Zigeuner ist eine dis­krimi­nie­ren­de Fremd­zu­schrei­bung, die historisch ge­sehen als Rassen­nomen­kla­tur und polizeili­cher Ordnungs­begriff zur Ver­folgung ge­nutzt wurde. Men­schen wer­den durch die Zuschrei­bung als Zi­geu­ner zum „An­deren“ und „Frem­den“ ge­macht.

Die Annahme dieser Arbeit ist, dass mit der Zigeu­ner-Kon­struk­tion eine Figur der Aus­grenzung ge­schaf­fen wur­de. Fi­guren dienen den Men­schen als Orien­tierungs­hilfe im poli­tischen und gesell­schaft­li­chen Wandel. Einer kultur­analyti­schen Per­spektive ent­spre­chend bietet das Figurativ als her­meneu­ti­scher For­schungs­begriff die Mög­lich­keit, Be­deu­tun­gen von Figuren für eine Gesell­schaft zu be­obach­ten und sie in ihrer Wechsel­wirkung zu be­trach­ten. Figuren sind dabei als dis­kursive Pro­dukte zu ver­stehen, die keiner realen Person ent­spre­chen. Die ent­haltene Sinn­struktur der Figur des Zigeu­ners legiti­miert Aus­grenzung und Ver­folgung je­nen Men­schen gegen­über, auf die jene Figurie­rung über­tragen wird. Wäh­rend die Zigeu­ner-Fi­gur Be­stand­teil eines kollekti­ven Ge­dächt­nis­ses ist, ist es die dem Zigeu­ner-Be­griff in­hären­te Dis­krimi­nie­rung kaum oder gar nicht. Read the rest of this entry »

„Wir sind keine Zootiere“ – Roma in Freiburg

März 19th, 2019  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Dreyeckland Radio Dreyeckland, 19.3.2019 (6:26 min)
→Anhören (mp3)

Tomas Wald (Foto: privat/Badische Zeitung)Präsentation der Studie „Dis­kri­mi­nie­rung von Sinti und Roma in und um Frei­burg 2018“

„Ein Jahr lang haben wir – eine Gruppe von Sinti und Roma – Vor­fälle und Er­fah­run­gen von Dis­kri­mi­nie­rung und Rassismus ge­sam­melt, be­spro­chen und ver­sucht zu ver­arbei­ten. Abstrak­te körper­lose und weiße Begriffs­akro­batik in­teres­siert uns al­ler­dings nicht, für uns ist das Ent­schei­dende: wie wir trotz erheb­li­chen Drucks den eigenen Weg fin­den und gehen kön­nen. Auf dieser Ver­anstaltung (Anm.: im Rah­men der Inter­natio­na­len Wochen ge­gen Ras­sis­mus 2019 in Freiburg, hier der Pro­gramm­flyer/pdf) stel­len wir un­sere ers­te Studie dazu vor.“ (aus der An­kün­di­gung)

Tomas Wald vom Roma-Büro in Freiburg spricht zu­erst über die be­reits ge­nann­te „Begriffs­akro­batik“, um die es heu­te Abend (19.3.2019, 19 Uhr im Roma-Büro, En­sis­hei­mer Str. 20) eben nicht ge­hen soll …

(Text: rdl.de/freie-radios.net)

Ausstellung „Jenische und Sinti“ in Bern

März 16th, 2019  |  Published in Veranstaltungen & Ausstellungen

Ausstellungsplakat "Jenische und Sinti" (Bild: Polit-Forum Bern)Doppelausstellung „Jenische und Sinti – anerkann­te na­tio­nale Min­der­hei­ten in der Schweiz“, zu se­hen bis 23. März 2019 im Polit-Fo­rum Bern

„Latscho diwes – Sinti, die unbekann­teste Minder­heit der Schweiz“  undDeine un­­be­kann­ten Nachbarn“

Polit-Forum Bern: Die Jenischen und die Sinti sind Minderheiten der Schweiz, an­erkannt im Rah­men des Rah­men­über­ein­­kom­mens des Europa­rats zum Schutz natio­naler Minder­heiten. Der Kultur beider Min­der­heiten, den Jenischen und den Sinti, ist eines ge­meinsam: der Drang nach Frei­heit und Un­ab­hängig­keit. Da­mit ver­bun­den für viele von ih­nen: die fahrende Le­bens­weise. Ihre Geschichte, ihre Kultur, ihre Tra­di­tio­nen – und als wich­tigs­ter Kultur­träger ihre Sprachen – unter­schei­den sich je­doch stark von­einander. Die bei­den Wander­aus­stellun­gen «Latscho diwes – Sinti, die un­bekann­teste Min­der­heit der Schweiz» des Vereins «Sinti Schweiz» und «Deine un­bekann­ten Nach­barn» der «Rad­genos­sen­schaft der Land­straße» zei­gen aber auch, wie viele An­liegen die Jeni­schen und die Sinti tei­len: die gene­relle Stär­kung der Minder­heiten, die Schaf­fung von Standplätzen (Winter­quar­tiere) und offiziel­len Durch­gangs­plätzen für die Mo­nate der som­mer­lichen Reise, die Pflege und Stär­kung der je eige­nen Kultur und Sprache.

Führungen durch die Ausstellung:
Am 9., 16. und 23. März um 14 Uhr finden öffentliche Führungen durch die Aus­stellung mit Hans Gemperle (Rad­genos­sen­schaft der Land­strasse) und Ver­tre­tern des Vereins «Sinti Schweiz» statt. Am 9. März war Fino Winter (Prä­si­dent des Vereins «Sinti Schweiz») an­wesend.

Anmeldungen online:
→ 16. März 2019 | → 23. März 2019

Didaktisches Material zur Ausstellung:
Das didaktische Material kann von Schulklassen zur Vor­berei­tung so­wie wäh­rend des Besuchs der Aus­stel­lung ge­nutzt wer­den. → Download (PDF) (194.8 KB)

(Text: Polit-Forum Bern)

Siehe auch:
Schweiz: Roma keine „nationale Minderheit“
, 2.6.2018

Wanderausstellung der Schweizer Sinti
, 4.9.2018

Aus unserem Archiv:

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ORF startet „Volksgruppen“-Videoarchiv

März 15th, 2019  |  Published in Internet & Blogothek, Radio, Podcast & TV

Neues ORF-Videoarchiv: darunter auch ein TV-Beitrag über den Künstler Robert GabrisNeues ORF-TVthek-Videoarchiv „Volksgruppen in Öster­reich“ ist ab jetzt online ver­fügbar

Seit gestern Donnerstag, dem 14. März 2019, steht auf der ORF-TVthek (TVthek.ORF.at) das neue zeit- und kul­tur­histo­ri­sche Video­archiv „Volks­grup­pen in Österreich“ zur Ver­fü­gung. Die ins­ge­samt 87 Video­bei­träge des auf An­re­gung des ORF-Pub­li­kums­rates ent­stan­de­nen Archivs wid­men sich den sechs Volks­gruppen der Burgenland­kro­aten, Roma, Slowaken, Slowenen, Tschechen und Ungarn in Ös­ter­reich und ver­voll­stän­digen das bereits be­ste­hende, alle ak­tuel­len Volks­grup­pen-Sen­dun­gen des ORF-Fern­se­hens um­fas­sen­de ORF-TV­thek-An­ge­bot.

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: „Umfas­sende, aktu­elle und regel­mä­ßi­ge Programm­an­ge­bote für und über die sechs autoch­tho­nen Volks­grup­pen in Öster­reich sind ein wich­tiger und nicht weg­zu­den­ken­der Bestand­teil aller ORF-Me­dien – ob Fern­sehen, Radio oder Internet. Mit dem neu­en ORF-TVthek-Vi­deo­archiv zu den ‚Volks­gruppen in Öster­reich‘ wird nun­mehr das breit­ge­fä­cher­te, von der Platt­form volksgruppen.ORF.at bis zu Live- und On-De­mand-Streams al­ler Volks­grup­pen-Sen­dun­gen rei­chende Online­angebot wei­ter aus­ge­baut.“

Thomas Prantner, stv. Direktor für Technik, Online und neue Medien: „Die ORF-TV­thek bil­det mit ihrem um­fang­reichen An­gebot nicht nur die ge­sam­te Band­breite des ak­tuel­len ORF-TV-Pro­gramms in­klu­sive aller Volks­gruppen­sendun­gen ab, son­dern leistet mit ihren zeit- und kultur­histori­schen Video­archi­ven und der Ak­tion ‚ORF-TV­thek goes school‘ einen es­sen­ziel­len Bei­trag zur Er­fül­lung des öffent­lich-recht­lichen Bil­dungs­auf­trags im Be­reich der neuen Medien. Die­ses wich­tige Online­ange­bot wird nun mit dem neu­en Videoarchiv ‚Volks­grup­pen in Öster­reich‘ er­folg­reich er­wei­tert.“

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„Die Farbe ist weg“: Gabi Jiménez in Berlin

März 14th, 2019  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Gabi Jiménez, La fin du monde, 2018. 29,7 x 42 cm. Tinte auf Papier/Collage (Foto: Galerie Kai Dikhias)Ausstellung „Schwarz & Weiß“
Eröffnung in Berlin am 14.3.2019
19–21 Uhr, Eintritt frei

Zu sehen bis 28. April 2019 (Mi. bis Sa., 14–18 Uhr u. n. V.) in der Galerie Kai Dikhas / Kunst­raum Dikhas Dur im Auf­bau-Haus am Moritz­platz, Prin­zen­str. 84 I, Auf­gang 2, 10969 Berlin

Der französisch-spanische Künstler Gabi Jiménez ist be­kannt für seine farb­kräfti­gen Ge­mälde, die er in einem eige­nen, der Comic-Zeich­nung ent­lie­he­nen Malstil ent­wirft. Unter sei­nen Arbei­ten sind aber auch viele mono­chro­me Schwarz-Weiß-Ar­beiten, die be­son­ders poin­tiert die Bild­ideen des Künst­lers fest­halten. Die Aus­stel­lung SCHWARZ & WEISS wid­met sich die­sen Wer­ken: Grafiken, Comics, aber auch Ar­bei­ten auf Leinwand. Die Re­duk­tion der Farbe lässt den grafi­schen Einfalls­reich­tum des Künstlers noch deut­li­cher zu Tage tre­ten. So ist sein SCHWARZ & WEISS kei­nes­falls ein­tönig oder gar das Schwarz-Weiß des heu­tigen po­liti­schen Dis­kurses.

Augenzwinkernd meint das SCHWARZ & WEISS des Gabi Jiménez auch das leider oft­mals mit Schwie­rig­keiten und Gewalt ver­bun­dene Auf­einan­der­tref­fen von Roma mit Nicht-Roma, das Auf­einan­der­tref­fen der „Schwar­zen“, der Kalé, mit den „Weißen“, den Gadje. Dem be­geg­net Gabi Jiménez mit den Mit­teln des Dadaismus – wie sein ver­storbe­ner Bruder in der Kunst, Damian Le Bas, dem wir diese Aus­stellung wid­men. Der Gypsy DaDa war ein neuer Be­griff, den die bei­den Künstler wäh­rend ihrer denk­würdi­gen gemein­sa­men Aus­stel­lung Gypsyland in der Galerie Kai Dikhas im Ja­nuar 2012 präg­ten und auch direkt in einem gro­ßen gemein­samen Werk mani­fes­tier­ten. Es ist ein bissiger und eben auch ent­waffnen­der Humor, der dem Ernst von Unter­drückung und Rassismus ent­ge­gen­tritt.

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Servus Del tuha (Februar 2019)

März 13th, 2019  |  Published in Radio, Podcast & TV

ORF 2 Burgenland - Volksgruppenmagazin Servus Del tuhaServus | Szia | Zdravo | Del tuha
ORF 2 Burgenland, 10. Februar 2018
>>On Demand

Gedenkfeier in Oberwart Das Südburgenland war geschichtlich oft Zeuge vieler trauriger Ereignisse. In der Nacht auf den 5. Februar 1995 starben Josef Simon, Peter Sarközi, Karl Horvath und Erwin Horvath aus der Oberwarter Roma-Siedlung, als sie eine Tafel mit der rassistischen Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ entfernen wollten. Dahinter hatte sich eine heimtückische Sprengfalle des rechtsextremen Briefbombenbauers Franz Fuchs verborgen. Mit einer Gedenkfeier wurde in der burgenländischen Gemeinde der Opfer gedacht.

Jugend Die Volksgruppe der Roma ist ein prägender Teil der österreichi­schen Ge­sell­schaft. Vor allem in der jungen Generation finden sich zahlreiche Talente, die große Erfolge verzeichnen, Pionierarbeit leisten und ihre Stimmen erheben. In der neuen Serie „Der (un)sichtbare Ton trägt die Identität“ geben wir Ihnen kurze Einblicke in die Arbeit dieser jungen Roma und Romnja. Den Auftakt machen hierbei Vesna Niklolić, Audio Content Director, und der Rapper Marvin Horvath aus Floridsdorf.

Roma-Ball 2019 und die Historie Mitte Jänner fand der traditionelle Roma-Ball in Unterwart statt, ein jährlicher kultureller Fixpunkt, und dies seit nun beinahe 30 Jahren. Schon seit 1990, noch vor der Anerkennung der Roma als Volksgruppe, begann man damit, den Roma-Ball, wie man in heute kennt, zu organisieren. Ein Blick in die Vergangenheit, die diesjährige feierliche Nacht begleitend.

Projekt ROMABIZ gestartet Anfang September wurde das grenzüberschreitende Projekt „ROMABIZ – Österreich, Ungarn“ gestartet. Das Interreg-Projekt soll die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen von Roma und Sinti steigern und somit ihr wirtschaftliches Überleben sichern. Read the rest of this entry »

Servus Del tuha (feberi 2019)

März 13th, 2019  |  Published in Radio, Podcast & TV

ORF 2 Burgenland - Volksgruppenmagazin Servus Del tuhaServus | Szia | Zdravo | Del tuha
ORF 2 Burgenland, 10. feberi 2019
>>On Demand

Gondolipe andi Erba O suditiko Burgenland imar but bibas­tale keri­pen­dar ceug­nis sina. Sar an­do rat upro 5. feberi 1995 o kada o Josef Simon, Peter Sarközi, Karl Horvath taj o Erwin Horvath mur­dar­de ule. On kam­nahi i tab­lina le upre pisi­ni­peha „Roma zu­rück nach Indien“ bejg te tschil. Pal oja tab­lina jek bomba ga­rudi sina, savi o rechts­ekstre­mi lilen­gere bom­bakero kera­schi Franz Fuchs otscha tschi­tscha. Jeke gon­doli­pes­kere mula­tin­tscha­goha andi burgen­lan­ditiki ge­majndi le opferen­ge gon­do­lim ulo.

Terne: „Der (un)sicht­bare Ton trägt die Iden­ti­tät“ I flogos­ke­ri grupn le Ro­men­dar jek pre­gendi falato le austri­tike khe­ta­ni­pestar hi. But ando khe­ta­nipe, bare talentscha le ter­nendar del, save imar but bari­ka­nipe si­kade. Andi nevi serija „Der (un)sicht­bare Ton trägt die Identität“, kaj amen tu­men ande diki­pe andi buti terne Romen­dar das. O kes­dipe ke­rel i Vesna Niklolić, audi­jo con­tent direc­tori taj o rap­pe­ri Marvin Horvath an­dar Floridsdorf.

Roma-Ball 2019 taj lakeri historija Ando maschkarutno jeneri o tradi­ci­jo­neli Roma-Ball Tenu Erbate sina, jek sa­ko­bersches­kero phari­pes­kero punkto taj oda imar bojd tranda berscha. Imar sajt 1990, imar anglo aun­prin­dscha­ripe le Romen­dar ojs flogos­keri grupn, la organi­saci­jaha le mula­tintscha­goske Roma-Ball kes­dim ulo. Jek dikipe andi palut­ni cajt ande aja rat le Ro­ma-Balliha vo­dim ol.

Projekto ROMABIZ kesdintscha Ando kesdipe le sep­tem­beristar o grani­ca­kero pri­kas­ta­ri­pes­kero projekto „ROMABIZ – Austrija, Ungriko“ kes­dintscha. Read the rest of this entry »

Věra Bílá (1954–2019)

März 12th, 2019  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Věra BíláDie große tschechische Roma-Sängerin Věra Bílá ist heute im Alter von 64 Jah­ren ge­storben

Im Alter von 64 Jahren ist am Dienstag die renom­mierte Sängerin Věra Bílá ge­storben. Am Mon­tag wurde sie im kriti­schen Zu­stand in die Uni-Klinik in Pilsen ein­ge­liefert, wo sie einen Tag später ge­stor­ben ist. Die Infor­ma­tion ver­öffent­lichte der Nach­rich­ten­server idnes.cz. Die Sängerin hat­te Jahre lang gesund­heit­li­che Proble­me und war zucker­krank.

Die bekannteste Roma-Sängerin Tschechiens, Věra Bílá, stamm­te aus dem west­böh­mi­schen Rokycany. Sie ist in sehr armen Ver­hält­nissen auf­gewachsen. Die be­gabte Musikerin trat mit der Band Kale auf und brach­te eini­ge CDs heraus. Sie stell­te sich in der aus­ver­kauf­ten Pariser Olympia vor und hat auch für US-Prä­si­dent Bill Clinton im Weißen Haus ge­sun­gen. Nach zwei Fami­lien­tragö­dien zog sich die Sängerin für eini­ge Jahre zu­rück. In den letz­ten Jahren be­mühte sie sich um ein Comeback (Anm.: hier ein gerade erst vor wenigen Tagen publiziertes Musikvideo, mehr hier). Ein Doku­mentar­film über ihre Be­mü­hun­gen auf die inter­natio­nale Musik­szene zurück­zu­kehren wur­de im De­zember ver­gan­genen Jahres vom Tsche­chi­schen Fernsehen ge­sendet. Darin sagte die Sän­ge­rin, in der Musik sei sie nicht krank, ohne Musik ster­be sie vor Wehmut.

(Radio Praha, 12.3.2019)

Siehe auch:
♫ Věra Bílá (International Gypsy FEST 2009)

Illustrierte Wochenpost, 3. März 1939

März 11th, 2019  |  Published in Fundstücke, Geschichte & Gedenken, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Artikel 1939Vom Wort zur Tat: Von der Medien­hetze ge­gen „Zigeu­ner“ war es nur noch ein klei­­ner Schritt zum Roma-Ho­lo­caust.

Vor (fast) exakt 80 Jahren, am 3. März 1939, ver­öffent­lich­te die Wiener Wo­chen­zei­tung „Il­lustrierte Wochen­post“, Nr. 9, S. 8, unter dem Ti­tel „Zigeuner – die große Landplage“ einen ganz­seiti­gen Artikel über die öster­rei­chi­schen Roma. Von dieser ras­sisti­schen Hetze, die an einen jahr­zehnte­lan­gen me­dia­len Diskurs an­knüpf­te, war es jetzt nur mehr ein klei­ner Schritt zum Holocaust. Etwa neun Zehn­tel der Roma des Bur­gen­landes wurden kurz darauf depor­tiert und er­mordet.

„Die Zigeunerfrage, die bisher im Altreich eine rela­tiv un­bedeu­tende Rolle ge­spielt hat, ist in der Ostmark ein bren­nen­des Problem“, heißt es in dem Artikel. „Und zwar ein Problem der Rassen­mi­schung so­wohl wie der Krimi­nali­tät.“ Dem Re­por­ter G. Ebert, der an­geb­lich vor Ort im Bur­gen­land recher­chier­te, habe sich „der nach­hal­ti­ge Ein­druck einer kultu­rel­len Ver­kommen­heit und De­gene­ra­tion, die ekel­erre­gend ist“, er­geben – die Tonali­tät des ge­samten Artikels zielt auf Ent­mensch­li­chung ab.

Im Rah­men des Artikels ab­gedruckt ist auch ein Schrei­ben des Bürger­meis­ters von Sankt Margarethen (Be­zirk Ei­sen­stadt-Um­ge­bung). Bürger­meis­ter Unger war offen­bar einer jener zahl­­rei­­chen Scharf­macher auf loka­ler Ebene, wel­che die national­sozia­lis­ti­schen Be­­hör­den zu im­mer radi­ka­le­ren Verfolgungs­maß­nah­men dräng­ten und deren Ver­nichtungs­willen erst so richtig be­feuer­ten. Als Vor­wand dien­ten ein­mal mehr die an­geb­lich hor­renden Fürsorge­kosten, welche die ver­armte Roma­bevöl­ke­rung für die Kom­munen be­deu­­te­te. So gip­felt auch die­ser Arti­kel mit einem ab­schlie­ßenden Ruf nach dras­ti­schen Maß­­nahmen gegen das „arbeits­scheue Parasiten­volk“, das man da „groß­ge­zo­gen“ habe, „nie­man­den (sic!) zu­nutze und al­len zum Scha­den“. „Die Ge­meinden, die Zigeuner be­herber­gen müs­sen, ru­fen nach Lösung der Zigeuner­frage (…)“.

Als dieser Artikel erschien, war bereits die ers­te De­porta­tions­welle an­ge­rollt: Schon 1938 waren 232 öster­rei­chi­sche Roma und Sinti in­haftiert und in Kon­zentra­tions­lager eingewiesen worden. Read the rest of this entry »

Ermittlungen nach Hetze auf KZ-Gelände

März 9th, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Screenshot der Website, auf der die Täter Fotos hochgeladen hatten, um mit der Schändung der Gedenkstätte zu prahlen (Foto: Romez.cz)Tschechien: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen rassistischer Plakate in Lety

Radio Praha, 8.3.2019: Die tschechischen Behörden er­mit­teln gegen zwei Männer, die nahe dem ehe­ma­li­gen Roma-KZ in Lety Plakate mit ras­sis­ti­schen Texten auf­ge­stellt hatten (wir berichteten). Ihnen droh­ten bis zu drei Jahre Haft, teilte der zu­stän­dige Staats­anwalt mit. Laut dem Nach­rich­ten­server Romea.cz sollen beide Männer einer rechts­nationalen Ver­eini­gung an­ge­hören. (Anm. der dROMa-Red.: Es han­delt sich um die Grup­pierung „My proti všem“, übersetzt: „Wir gegen alle“). Die Plakate wa­ren im Mai und Juni ver­gan­ge­nen Jahres auf dem Ge­lände der Gedenk­stätte für den Roma-Ho­lo­caust auf­ge­taucht (mehr hier).

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„Phral mende – Wir über uns“

März 8th, 2019  |  Published in Film & Theater, Frauenrechte, Interview, Radio, Podcast & TV

Phral mendeRadio Corax | Sendung vom 13.3.2018
14:01 min | 32 MB | →Anhören (mp3)

Feministische Romnja-Perspek­ti­ven stär­ken, das hat sich das Rromnja-Ar­chiv RomaniPhen aus Berlin zur Auf­gabe ge­macht. Der­zeit ver­anstaltet es den Romnja Power Month. Einen Mo­nat lang wid­met sich das feminis­ti­sche Rrom­nja-Ar­chiv Sicht­weisen von Sinti und Roma. Eini­ge dieser eige­nen Sicht­weisen sind in dem Film „Phral mende – Wir über uns“ zu­sam­men­ge­fasst. Die Regis­seu­rin Tayo Awo­su­si-Onu­tor legt mit ihrem Film ein viel­stim­miges Selbst­porträt vor – dazu führ­te sie bio­gra­fi­sche Interviews mit Per­sön­lich­kei­ten wie Anita Awosusi, Fatima Hartmann oder Ilona Lagrene. Aus ih­ren Perspek­ti­ven und indi­vi­duel­len Er­fah­run­gen ent­steht in „Phral mende – Wir über uns“ ein leben­di­ges Bild von Sinti und Roma in Deutschland, das sich stereo­typen Sicht­weisen wide­rsetzt. Radio Corax hat sich mit der Re­gis­seu­rin Tayo Awo­su­si-Onu­tor über ihren Film und über femi­nis­ti­sche Romnja-Per­spek­ti­ven un­ter­halten.

(Text: www.freie-radios.net)

Tayo Awosusi-Onutor ist Sängerin, Autorin, Regisseurin, poli­ti­sche Aktivis­tin und Mut­ter. Sie lebt in Berlin. Sie de­fi­niert sich als Afro-Sintezza. Sie singt auf Deutsch, Eng­lisch und Romanes und ar­bei­tet auch als Synchron­spre­che­rin und -sän­ge­rin. Sie stu­diert deutsche Sprache und Litera­tur sowie Multi­media. Sie ist Vor­stands­mit­glied des feminis­ti­schen Roma-Ar­chivs Ro­ma­niPhen e.V., wo sie für die PR ver­ant­wort­lich ist, und Mit­glied der Ro­ma-Frauen­initia­tive IniRrom­nja.

(Text: roma-filmfestival.com)