Nach Fake News: Jagd auf Roma in Frankeich
März 27th, 2019 | Published in Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte
Die Mär von „Kinder stehlenden Zigeunern“ im Internetzeitalter: Fake News führt zu Gewaltserie im Großraum Paris
In Frankreich hat eine in den Sozialen Medien kursierende Falschmeldung, wonach Roma in einem weißen Lieferwagen in verschiedenen Orten der Ile-de-France, versucht hätten, Kinder bzw. junge Frauen zu entführen, um Organhandel zu betreiben, zu einer Gewaltserie gegen Roma geführt. Am 17. März wurden zwei Roma, die in einem weißen Wagen saßen, in Colombes im Großraum Paris aus ihrem Auto gezerrt und von einer Menschenmenge auf der Straße verprügelt. Schließlich konnten sie, panisch um Hilfe rufend, in ein Gebäude flüchten. Es kam zu Straßenschlachten mit der Polizei. Die beiden überfallenen Männer wurden leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. (Anm., 17:45 Uhr: Laut neueren Meldungen wurden die zwei Opfer von den Tätern fälschlich für Roma gehalten.)
In den letzten Tagen wurden dann in mehreren Städten, laut „FranceSoir“ in Bobigny, Clichy-sous-Bois, Aubervilliers, Bondy und Noisy-le-Sec, Roma angegriffen oder bedroht, zum Teil wurden ihre Fahrzeuge angezündet. So kam es am Montagabend bzw. in der Nacht zum Dienstag in Bobigny und in Clichy-sous-Bois unweit von Paris zu Gewalt; die Polizei spricht von „mehreren Schlägereien und Gewalttaten“. In Clichy-sous-Bois flüchteten sich über zwanzig Roma vor einem mit Stöcken bewaffneten Lynchmob ins Lager eines nahegelegenen Supermarkts. Die Polizei schritt ein, es kam zu Auseinandersetzungen mit der Tätergruppe, bestehend aus rund zwanzig Männern. Autos gingen in Flammen auf, zwei Polizisten wurden leicht verletzt. In Clichy-sous-Bois hatten schon 2005 – nach dem Unfalltod zweier Jugendlicher – die damaligen Unruhen in den französischen Banlieues ihren Ausgangspunkt.
Mittlerweile kam es zu zahlreichen Festnahmen. Die Polizei konnte 20 Verdächtige ermitteln. Read the rest of this entry »