Fact & Figures (216)
Februar 27th, 2019 | Published in Facts & Figures, Romani
(Quelle)
Februar 27th, 2019 | Published in Facts & Figures, Romani
(Quelle)
Februar 26th, 2019 | Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Johanna Raphaela Blamberger (2018): „Alle sitzen wie Pilze nebeneinander und machen: Bitte, Madame, bitte, Herr!“ – Betteln als Performance und Humor als Strategie: kulturanthropologische RomNija-Begegnungen auf den Straßen von Graz
Masterarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie), 120 S.
Abstract (Link):
Die Arbeit beschäftigt sich mit Begegnungen mit jenen RomNija, die als BettlerInnen oder ZeitungsverkäuferInnen auf den Straßen von Graz anzutreffen sind. RomNija erscheinen durch stereotype Zuschreibungen und Verurteilungen hinsichtlich ihrer Identität im Zusammenspiel mit Narrativen, die in Bezug auf BettlerInnen existieren, als eine homogene Personengruppe mit spezifischen Eigenschaften wie Disziplinlosigkeit oder Arbeitsscheue. Die kulturanthropologische Forschungsarbeit will ebendieses Bild aufbrechen: Eine differenzierte, kontextualisierte Betrachtung von RomNija als Individuen mit spezifischen Lebensgeschichten, Intentionen und Gedanken sowie von der Tätigkeit des Bettelns und die Rolle der Mehrheitsgesellschaft werden hierbei thematisiert. Den theoretischen Hintergrund bildet dabei das Konzept des Antiziganismus, welches die Entstehung und Reproduktion rassistischer Strukturen in unserer Gesellschaft analysiert. Kulturwissenschaftlich wird die Ansicht verfolgt, dass Kultur als Ordnungsprinzip in unserer Gesellschaft an hoher Bedeutung gewonnen hat und dabei soziale, ökonomische und politische Aspekte, die zur Erklärung von Lebenssituationen dienen, in den Hintergrund gedrängt oder aber als kulturell bedingt dargestellt werden. Interviews und Begegnungen mit RomNija, Reflexionen über Begegnungen, historische Betrachtungen sowie die Einbeziehung von künstlerischen Auseinandersetzungen eröffnen einen Raum für ein differenziertes Verständnis: Read the rest of this entry »
Februar 25th, 2019 | Published in Frauenrechte, Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen
„Wie aus der ,Zigeunerin‘ eine ‚Sintezza‘ wurde – Frauengeschichten aus der Nachkriegszeit“: Ausstellungseröffnung mit der Jazz-Musikerin Dotschy Reinhardt im Rathaus in Gießen am am 25. Februar um 17 Uhr.
Für die Ausstellung „Wie aus der, Zigeunerin‘ eine ‚Sintezza‘ wurde – Frauengeschichten aus der Nachkriegszeit“ haben die in Gießen ansässigen Sinti-Familien Fischer und Eckstein ihre Fotoalben geöffnet. Dabei haben sie eindrucksvolle Aufnahmen aus dem Leben von Frauen entdeckt, die vom 25. Februar bis 8. März von 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr im Rathaus am Berliner Platz präsentiert werden.
Die Verfolgung und der Porajmos – das Wort bedeutet „Verschlingen“ und steht für den Völkermord an den Sinti und Roma – im Nationalsozialismus markieren eine schmerzhafte Zäsur, welche die Zerstörung der Jahrhunderte alten Kultur zum Ziel hatte. Die Ausstellung soll zeigen, dass es für die Überlebenden weiterging und dass dies zu einem großen Teil ein Verdienst der Frauen war.
Der Fokus der Ausstellung liegt – das verdeutlicht der Untertitel – auf „Frauengeschichten in der Nachkriegszeit“. Ergänzt wird die Schau durch Hintergrundinformationen zur Geschichte und zum Alltag der Sinti.
Zur Eröffnung am Montag, 25. Februar, kommt die deutsche Jazz-Musikerin und Autorin Dotschy Reinhardt nach Gießen. Ihre Musik untermalt die Eröffnung. Read the rest of this entry »
Februar 23rd, 2019 | Published in Facts & Figures
(Quelle)
Februar 22nd, 2019 | Published in Film & Theater, Interview, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Radio Dreyeckland, 14.2.2019 (7:14 min)
→Anhören (mp3)
Die Filmemacherin Allegra Schneider im Gespräch
Zijush war ein 13-jähriger Schüler in Bremerhaven, als seine Eltern sich gezwungen sahen, mit ihm und seiner Schwester nach Mazedonien zurückzugehen. Von Politik und Behörden wird so etwas als „freiwillige Rückkehr“ beworben und als human bezeichnet. Doch freiwillig war die Rückkehr nicht, und für Zijush bedeutete sie unter anderem, dass er als Rom von einer Gruppe albanischer Männer gewaltsam angegriffen wurde. Seine Mutter hat seither täglich Angst, bis er heil aus der Schule zurück ist. Doch seine Bremerhavener Klasse will sich mit dem Verschwinden ihres Freundes nicht einfach abfinden. Zuerst lassen sie ihn per Smartphone weiter am Unterricht teilhaben, dann geben sie seiner Klassenlehrerin eine Menge Fragen mit, die sie bei zwei Besuchen in Mazedonien zu beantworten versucht. Beim zweiten Besuch ist auch Zijushs Schulfreund Rebal dabei …
Die Fotojournalistin Allegra Schneider und ihr Team waren mit dabei in Skopje und in der Bremerhavener Klasse. Entstanden ist dabei ein Dokumentarfilm, der keine Klischees zeigt, sondern die Betroffenen selbst ausführlich zu Wort kommen lässt und die Diskriminierung der Roma und Romnja in Mazedonien wie auch die Problematik der „freiwilligen“ Ausreise vielschichtig beleuchtet. Read the rest of this entry »
Februar 21st, 2019 | Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen
Im Wiener Porgy & Bess wird am 21. Februar erstmals der „Ruzsa Nikolić-Lakatos-Preis“ verliehen – ein Abend mit einer geballten Ladung „Romani Music made in Austria“
2011 wurden die Lieder der Lovara-Roma als immaterielles Kulturgut der UNESCO national anerkannt. Die 1945 geborene Ruzsa Nikolić-Lakatos zählt zu den weltweit bekanntesten Sängerinnen der Lovara-Musik. Ruzsa Nikolić-Lakatos ist seit Jahren international eine „Botschafterin“ der Roma-Musik. Sie steht für mehr als Musik – nämlich für Vielfalt, Toleranz und Frauenpower.
Nun wird ihr für ihre Verdienste der „Rusza Nikolić-Lakatos-Preis“ gewidmet und verliehen. Der Preis soll in der Zukunft regelmäßig an Künstlerinnen und Künstler aus der Roma- und Sinti-Community vergeben werden, die sich besonders um den Erhalt der Sprache Romanes in ihrer Kunst bemühen. Durchgeführt wird diese Veranstaltung im Rahmen des „Ceija Stojka Art Project“, das an diesem Abend seinen Beginn feiert. Das Projekt bevschäftigt sich ein Jahr lang mit dem Erhalt und der Vermittlung von Kunst, Literatur und historischen Dokumenten der Roma-Community – im Speziellen jenen der Künstlerin Ceija Stojka.
Die „Rusza Nikolić-Lakatos Band“ feat. Christian Hinterhauser lässt die tanzbare Musik der Preisträgerin hochleben. „Amenza Ketane“ unterhält mit den vertonten Gedichten der Zeitzeugin Ceija Stojka. Die Band „Kalo Nipo“ präsentiert mit Sänger Samuel Mago große Balladen und zeitlosen Groove. Nancy Black präsentiert progressiven Rap aus ihrem gerade erschienenen Album „Love Revolution“, der zum mitwippen und mitdenken anregt.
Programm:
Februar 19th, 2019 | Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Neue Flyerserie zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: eine Broschüre behandelt „Rassismus gegen Sinti und Roma“
Die deutsche Amadeu-Antonio-Stiftung hat eine mehrteilige Reihe von Flyern herausgegeben, in denen sie unterschiedliche Formen „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ (also der Abwertung bestimmter Gruppen in der Gesellschaft) erklärt. Die Themenflyer behandeln beispielsweise Antisemitismus, Rassismus und Sexismus. Die unterschiedlichen Flyer erklären jugendgerecht das jeweilige Phänomen, warum es uns alle betrifft und was man dagegen unternehmen kann. In der Broschüre „Die Theorie in der Praxis“ können die Entstehungsgeschichte und das den Flyern zugrundeliegende Konzept nachgelesen werden (S. 28-33). Die Broschüre finden Sie hier.
Eine der Broschüren befasst sich mit Romafeindlichkeit (Antiziganismus) und fragt: „Was ist Rassismus gegen Sinti und Roma?“, „Wie erkennen wir das?“ und „Was können wir tun?“
→Den Flyer gibt es hier zum Download (pdf).
Die Flyer können auch gegen eine Versandkostenpauschale von fünf Euro bei der Amadeu-Antonio-Stiftung (E-Mail) bezogen werden.
(dROMa)
Februar 18th, 2019 | Published in Musik, Rassismus & Menschenrechte
Die tschechische Romaband Bengas (hier die offensichtlich nicht mehr ganz aktuelle Website) protestiert in diesem neuen Musikvideo gegen die jüngsten Pogrome und rassistischen Angriffe auf die Roma-Minderheiten in Europa. In einem begleitenden Statement schreiben die Musiker der 2001 gegründeten Band (die in Tschechien u.a. auch schon als Vorgruppe der legendären „Gypsy Kings“ aufgetreten ist):
Wir appellieren an alle demokratischen Politiker in Europa, sich jeder Manifestation von Intoleranz gegenüber den Roma deutlich entgegenzustellen und alles in ihrer Macht Stehende zu tun, die Politiker in den betreffenden Staaten dazu zu bewegen, die Lage zu korrigieren. Wir rufen auch alle Roma dazu auf, sich am Aktivismus zu beteiligen: Roma masoven! Als Künstler müssen wir unsere Meinung über die aktuelle negative Politik, die sich in manchen Staaten Bahn bricht, gegenüber den Politikern laut und klar zum Ausdruck bringen. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, diesen Balkanfolk-Song aus unserem Repertoire aufzunehmen (…). Dieser Song ist auch eine Reaktion auf die Tatsache, dass eines unserer Bandmitglieder, Vladimír Demeter, die Tschechische Republik verlassen hat. Eines seiner Hauptmotive dafür war, die Sicherheit seiner Kinder zu garantieren und ihnen ein demokratisches Umfeld für ihre Erziehung zu ermöglichen. (…)
(via Romea.cz)
Februar 16th, 2019 | Published in Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV
Terne Rroma Südniedersachsen e.V. ist ein Jugendverein im Landkreis Northeim. Als Roma-Selbstorganisation vernetzt Terne Rroma junge Roma und Nichtroma. Empowerment, Antirassismusarbeit und Bildungsberatung gehören zu den Schwerpunkten – und nicht zuletzt Rap-Workshops, denen nun sogar eine CD-Veröffentlichung folgen soll.
Seit 2016 gibt es „Terne Rroma Südniedersachsen e.V.“, einen Jugendverein von Roma und Nichtroma in Northeim. „Terne Rroma“ versteht sich als „Migrant*innenselbstjugendorganisation“ und als „Plattform für Migrant*innen, Geflüchtete und Jugendliche aller Art“. Zu den Schwerpunkten gehört Antirassismusarbeit – das heißt vor allem auch, einen sicheren Raum für Jugendliche zu schaffen, die von Rassismus betroffen sind. Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf dem Bereich Kreativität. So bietet „Terne Rroma“ Theater- oder Rap-Seminare an. Y.W.B. (Young World Breaker) nennt sich die Rap-Crew von „Terne Rroma“, deren „gesellschaftskritische, emanzipatorische und politische Songs“ im Rahmen dieser Workshops entstehen. Zuletzt wurden Schreib- und Empowerment-Workshops organisiert. Für das Jahr 2019 hat sich der Verein vorgenommen, eine eigene „interkulturelle, politische CD herauszugeben, mit selbstproduzierten Songs zu selbstgewählten Themen“. Ein Dokumentarfilm soll das Projekt begleiten.
Mit Projekten wie „Drei Bausteine“ (hier ein Interview im Stadtradio Göttingen) fördert „Terne Rroma“ Jugendliche, indem Beratungen zum Thema Schule und Beruf angeboten werden.
Zu „Terne Rroma“ gehört auch die bereits seit 2013 bestehende „Roma-Jugend Initiative Northeim“, eine „interkulturelle Jugendinitiative von jungen Rom*nja und deren Freund*innen, die hauptsächlich im Landkreis Northeim und in Göttingen aktiv ist“. Read the rest of this entry »
Februar 14th, 2019 | Published in Dokumente & Berichte, Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Das Romano Centro in Wien macht auf die Veröffentlichung der Analysen der Zivilgesellschaft zu den Roma-Strategien aus 27 EU-Ländern auf der Website des CEU Center for Policy Studies aufmerksam. Die Berichte wurden seit 2017 im Rahmen des „Roma Civil Monitor“-Projektes erstellt. Den Bericht zu Österreich haben die Kolleginnen und Kollegen von Romano Centro verfasst. „Für alle, die sich mit Inklusionspolitik und Integration der Roma beschäftigen, sind diese Berichte eine sehr wertvolle Informationsquelle abseits offizieller Regierungsdokumente“, so das Romano Centro.
Der Bericht zu Österreich:
Civil society monitoring report on implementation of the national Roma integration strategy in Austria. Focusing on structural and horizontal preconditions for successful implementation of the strategy (prepared by Romano Centro, September 2018) →PDF-Download
(dROMa)
Februar 13th, 2019 | Published in Facts & Figures, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte
Februar 11th, 2019 | Published in Geschichte & Gedenken, Politik
RomaCajtung 1/2019: Vorgeschichte: seit vielen Jahren versucht die Roma-Community die Gemeinde Kemeten (Südburgenland) dazu zu bewegen, sich ihrer historischen Verantwortung gegenüber 200 Vertriebenen und zum Großteil ermordeten früheren GemeindebewohnerInnen bewusst zu werden und eine bescheidene Gedenkstätte zu errichten. Über mehrere Jahre wurden die Roma-Vertreter mit der Aussage hingehalten und vertröstet, dass auf einer zu errichtenden Geschichtsskulptur ein entsprechendes Element angebracht ist.
Der so genannte „Geschichtskreis“ wurde nunmehr aufgestellt.
Allerdings: Niemand von den Roma-VertreterInnen wurde zur Eröffnung eingeladen und außer einem sehr neutralen Hinweis auf die geschichtlichen Fakten ist nichts zu finden, was ein Bedauern oder ein Erinnern oder ein Gedenken auslöst.
Natürlich begrüßen die Roma-VertreterInnen es, wenn öffentlich auf die Verbrechen der NS-Diktatur hingewiesen wird., Aber eine Gedenkstätte – oder ein Gedenkort – ist diese „Skulptur“ eindeutig nicht. Wir hoffen sehr – und appellieren an die Gemeindevertretung – einen bescheidenen Gedenkort angesichts der enorm hohen Opferzahl (immerhin wurden mehr als 10 Prozent der damaligen KemetnerInnen ermordet) zu errichten.
Andreas Lehner
Vorsitzender der Roma-Volkshochschule Burgenland
Aus: RomaCajtung, 1/2019, S. 5
Siehe auch:
Virtujeli gondolipeskero than Kemetate, 21.9.2016
Virtueller Gedenkort für Kemeten, 11.9.2016
Kein Ort für Blumen und für Kerzen, 5.9.2011
Kemeten: „Eine Beleidigung für die Toten“, 29.11.2010
Kemeten: „Na anglo völinipe“, 1.4.2010
Die Schande von Kemeten, 31.3.2010
Februar 9th, 2019 | Published in Veranstaltungen & Ausstellungen
Unter dem Motto „Benefiz für das Waldhüttl – eine Herberge für Menschen in Not“ findet am 2. März 2019 im Innsbrucker Kolpinghaus wieder der Romaball statt.
Das Projekt „Waldhüttl“ des Stifts Wilten und der Tiroler Vinzenzgemeinschaften, ein revitalisierter alter Bauernhof mit Gemeinschaftsgarten, bietet obdachlosen Roma in Innsbruck eine Unterkunft. Eröffnet wurde das „Waldhüttl“ am Mentlberg als Wohnprojekt für „Menschen ohne Heimat“ schon im November 2012 – die Bewohner sind vor allem notreisende Roma aus der Ostslowakei, viele von ihnen Verkäufer der Innsbrucker Straßenzeitung „20er“.
2.3.2019, Kolpinghaus Innsbruck
Viktor-Franz-Hess-Straße 7
Beginn 20:00 Uhr, Einlass ab 19:30 Uhr
Februar 8th, 2019 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte
55 Europa-Abgeordnete fordern von UN Wiedergutmachung für erkrankte Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter
In einem Schreiben an UN-Generalsekretär António Guterres haben 55 Europa-Abgeordnete Entschädigung für Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter gefordert, die nach dem Kosovo-Krieg 1999 von den Vereinten Nationen in bleiverseuchten Flüchtlingslagern untergebracht worden waren und deshalb ernsthaft erkrankt sind. „Das Engagement der Parlamentarier gibt den Opfern des unverantwortlichen Umgangs der UN mit diesen Flüchtlingen Hoffnung auf Gerechtigkeit und endlich angemessene medizinische Hilfe“, sagte die Südosteuropa-Expertin der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Jasna Causevic, in Göttingen.
Die Menschenrechtsorganisation setzt sich seit vielen Jahren für die Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter ein. Schon früh hat die GfbV den Verdacht, dass die fünf Camps in Nord-Mitrovicë/Mitrovica ganz in der Nähe einer Bleischmelzanlage extrem verseucht waren, öffentlich gemacht und eine Evakuierung der Lager gefordert. Doch erst als ein Umweltmediziner im Auftrag der GfbV Ende Oktober 2005 Vergiftungserscheinungen bei den Flüchtlingen dokumentierte, lösten die UN die Camps allmählich auf. Das letzte Lager wurde erst 2013 geräumt. In einem 2018 veröffentlichten Bericht hat die GfbV die deprimierende Lage der Erkrankten erneut detailliert dokumentiert. Stellvertretend für die insgesamt rund 600 ehemaligen Lagerinsassen bemühen sich 192 Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter auch mit Hilfe der US-amerikanischen Anwältin Dianne Post seit 2008 um Wiedergutmachung.
„Wir, Mitglieder des Europäischen Parlaments, appellieren dringend an Sie, die längst überfälligen Schritte zu unternehmen, um zu gewährleisten, dass die Opfer der Bleivergiftung aus den verseuchten UN-Flüchtlingslagern im Kosovo eine individuelle Entschädigung, entsprechende medizinische Versorgung und Unterstützung in der Bildung erhalten“, heißt es in dem Schreiben der EU-Abgeordneten, das die sozialdemokratischen EU-Abgeordneten Kati Piri (Niederlande) und Soraya Post (Feministische Initiative, Schweden) initiiert haben. Unterzeichnet haben es auch die deutschen EU-Abgeordneten Michael Detjen (SPD), Cornelia Ernst (Grüne), Rebecca Harms (Grüne), Knut Fleckenstein (SPD), Romeo Franz (Grüne), Barbara Lochbihler (Grüne), Norbert Neuser (SPD). [Anm. der dROMa-Red.: von den österreichischen EU-Parlamentariern haben folgende Abgeordnete den Aufruf unterzeichnet: Eugen Freund (SPÖ), Karoline Graswander-Hainz (SPÖ), Michel Reimon (Grüne), Monika Vana (Grüne), Thomas Waitz (Grüne) und Josef Weidenholzer (SPÖ).]
Bisher wollen die UN keine Wiedergutmachung zahlen, obwohl der Menschenrechtsausschuss der UN-Mission im Kosovo „Human Rights Advisory Panel“ (HRAP) dies empfohlen hatte. Die Flüchtlinge führen auch eine Reihe von Todesfällen auf Bleivergiftung zurück.
Februar 7th, 2019 | Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Neues Buch des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft beleuchtet Hasskriminalität aus unterschiedlichen Perspektiven
Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) – Thüringer Dokumentations- und Forschungsstelle gegen Menschenfeindlichkeit (Hrsg): Wissen schafft Demokratie. Gewalt gegen Minderheiten (=Schriftenreihe des Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft, Bd. 4), Amadeu Antonio Stiftung: Berlin 2018
→Download (pdf) | →zum Inhaltsverzeichnis
Wie kann vorurteilsgeleitete Gewalt erkannt und verhindert werden? Was berichten Betroffene? Welche internationalen Befunde zu Hasskriminalität gibt es? Wie können gesellschaftlich stigmatisierte und dadurch besonders gefährdete Gruppen gestärkt werden? Diskutiert wurden diese und weitere Fragen im September 2018 in Jena im Rahmen der Fachkonferenz „Gewalt gegen Minderheiten: Internationale Perspektiven und Strategien zum Umgang mit Hasskriminalität“. Um die Inhalte einem breiteren Publikum zur Verfügung zu stellen, sind im vorliegenden Konferenzband die Vorträge und Diskussionen dokumentiert und um weiterführende Informationen ergänzt.
„Gewalt gegen Minderheiten“ ist der Schwerpunkt dieses neuen Buches, welches das Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) im Januar veröffentlicht hat. Der Band versammelt 13 Artikel von deutschen, britischen und kanadischen Autorinnen und Autoren. Neben wissenschaftlichen Studienergebnissen werden auch der polizeiliche und zivilgesellschaftliche Umgang mit rechter Gewalt und Hasskriminalität diskutiert.
Unter anderem zeigt die Auswertung einer umfassenden Befragung von Kriminalitätsopfern durch die Kriminolog_innen Eva Gross, Arne Dreissigacker und Lars Riesner, dass Opfer von Vorurteilskriminalität ein deutlich minderes Sicherheitsgefühl, höhere Kriminalitätsfurcht und geringeres Vertrauen in die Polizei aufweisen als Personen, die ebenfalls zum Opfer von Kriminalität wurden, bei denen allerdings Vorurteile keine Rolle spielten.
Februar 6th, 2019 | Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek
Video-Präsentation des vor einigen Tagen online gegangenen RomArchive auf Romani, untertitelt auf Deutsch und Englisch.
Our cultures, our identities
Unsere Kulturen, unsere Identitäten
Amare kulture, amare identitetora
Siehe auch:
RomArchive: „This is why we do it!“, 24.1.2019
RomArchive: Kesdipe ando Berlin, 18.1.2019
RomArchive: Startschuss in Berlin, 11.1.2019
Februar 5th, 2019 | Published in Facts & Figures
Februar 4th, 2019 | Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Religion, Veranstaltungen & Ausstellungen
Radijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Anlässlich des 24. Jahrestags des Rohrbombenattentats vom 4. Februar 1995, bei dem vier Volksgruppenangehörige der Roma ermordet wurden, lud die Roma-Pastoral am Sonntag, 3. Februar 2019, um 14.30 Uhr in Oberwart bei der Gedenkstätte „Am Anger“ zum jährlichen Gedenken ein. Erstmals nahm auch der Diözesanbischof von Szombathely teil.
Am 4. Februar 1995 wurde eines der schlimmsten rassistischen Verbrechen in der Zweiten Republik begangen: Vier Angehörige der Roma, Peter Sarközi, Josef Simon, Karl und Erwin Horvath, wurden in Oberwart durch eine Rohrbombe getötet. Auf der Bombe war ein Schild mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ angebracht. Bei dem Versuch, dieses Schild zu entfernen, explodierte die Sprengfalle, die Teil einer rassistisch und völkisch motivierten Anschlagserie des Attentäters Franz Fuchs war. János Székely, Diözesanbischof der Diözese Szombathely und Roma-Pastoral-Beauftragter der Ungarischen Bischofskonferenz, hat die Gedenkfeier mitzelebriert. Kinder und Jugendliche aus der Volksgruppe sowie die Musikgruppe Romano Rath haben die Gedenkfeier mitgestaltet.
Februar 4th, 2019 | Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Bulgarisches Helsinki-Komitee bittet um Unterstützung im Kampf gegen Vertreibung von Roma-Famlien
Das Bulgarische Helsinki-Komitee (BHC) bittet um Unterstützung für 17 Roma-Familien aus dem Dorf Voyvodinovo (Wojwodinowo), die von Zwangsvertreibung bedroht sind und deren Häuser zerstört werden sollen. Nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung am 6. Januar 2019 zwischen zwei Roma und mehreren anderen Bulgaren (…), kam es zu nationalistischen Protesten in dem Dorf Voyvodinovo, an denen neben den Dorfbewohnern vor allem nationalistische Gruppen und Soldaten der bulgarischen Armee teilnahmen. In der Nachbarschaft gab es massive Drohungen gegen die Roma.
Aufgrund dieser Proteste zerstörte die Gemeinde Maritza drei der von Roma bewohnten Häuser, und zwar ohne Vorankündigung oder Einhaltung der gesetzlichen Verfahren (wir berichteten: Siedlungsabriss: Protest bulgarischer Roma). Den Bewohnern wurde nicht einmal die Möglichkeit gegeben, ihre am dringendsten benötigten Sachen aus den Häusern zu retten. Vertreter des Bulgarischen Helsinki-Komitees fanden mehrere Kinderwagen und Haushaltsgegenstände, die aus den abgerissenen Gebäuden zusammengetragen wurden, während die Kameras der bulgarischen Medien zeigten, wie die Bagger die Häuser der Familien niederrissen. An den Türen und Fenstern der verbleibenden Häuser wurden Beschlüsse der Gemeinde angebracht, die die Zerstörung der weiteren Gebäude ankündigen. Innerhalb einer Frist von sieben Tagen (..), kann dagegen Berufung eingelegt werden. Das BHC unterstützt die betroffenen Familien dabei, Widersprüche einzulegen.
Februar 1st, 2019 | Published in Film & Theater, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Fernsehfilm von Markus Mörth, D/A 2016, 105 Min.
ZDF/Das kleine Fernsehspiel, ARTE, ORF
Der künstlerisch hochbegabte 16-jährige Mikhail (Abdulkadir Tuncer) und seine zwei Jahre ältere Schwester Bebe (Ada Condeescu) leben in einem Waisenhaus auf dem Land in Moldawien. Die beiden haben eine sehr enge Beziehung. Sie helfen und schützen sich gegenseitig, doch als Roma sind sie in ihrer Heimat auf Dauer nicht sicher. Auf ihrer gefährlichen und illegalen Flucht über Rumänien und Serbien werden die beiden zu Gejagten, sie geraten in die Hände mafiöser Schlepperbanden, Menschenhändler und Bordellbetreiber. Die Sicherheit, die ihnen Deutschland als Zielland ihrer Flucht anfangs zu bieten scheint, wird schnell brüchig – zu viel ist auf der Reise passiert, zu lang ist der Arm derer, denen sie entkommen sind und die sich nun an den Flüchtlingen rächen wollen. Neben dem Versuch, Arbeit zu finden, neue Beziehungen zu knüpfen, die Sprache und mehr über die Kultur zu lernen, kämpfen die beiden mit traumatischen Erfahrungen, kriminellen Verstrickungen und der Schwierigkeit, Vertrauen in die Chance auf eine bessere Zukunft zu fassen.