Hoffnung für bleivergiftete Kosovo-Roma

Februar 8th, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Jahrelang sahen die UN tatenlos zu: schwere Erkrankungen infolge der Bleiverseuchung der UN-Flüchtlingscamps in Mitrovica (Foto: GfbV)55 Europa-Abgeordnete fordern von UN Wieder­gut­ma­chung für er­krank­te Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter

In einem Schreiben an UN-Generalsekretär António Guterres haben 55 Euro­pa-Ab­ge­ord­ne­te Ent­schädi­gung für Roma, Asch­ka­li und Bal­kan-Ägyp­ter ge­for­dert, die nach dem Kosovo-Krieg 1999 von den Ver­ein­ten Nationen in blei­ver­seuch­ten Flücht­lings­lagern unter­gebracht wor­den waren und des­halb ernst­haft er­krankt sind. „Das Engage­ment der Par­lamen­tarier gibt den Opfern des un­ver­ant­wort­li­chen Um­gangs der UN mit diesen Flüchtlingen Hoff­nung auf Gerech­tig­keit und end­lich an­gemes­se­ne medizini­sche Hilfe“, sagte die Süd­ost­europa-Ex­pertin der Gesell­schaft für be­drohte Völker (GfbV), Jasna Causevic, in Göttingen.

Die Menschenrechtsorganisation setzt sich seit vielen Jahren für die Roma, Asch­kali und Bal­kan-Ägyp­ter ein. Schon früh hat die GfbV den Ver­dacht, dass die fünf Camps in Nord-Mitro­vi­cë/Mitrovica ganz in der Nähe einer Blei­schmelz­anlage extrem ver­seucht waren, öffent­lich ge­macht und eine Evakuie­rung der Lager ge­for­dert. Doch erst als ein Umwelt­medizi­ner im Auf­trag der GfbV Ende Okto­ber 2005 Vergiftungs­erschei­nun­gen bei den Flücht­lingen doku­men­tierte, lösten die UN die Camps all­mählich auf. Das letz­te Lager wurde erst 2013 ge­räumt. In einem 2018 ver­öffent­lich­ten Bericht hat die GfbV die de­primie­rende Lage der Erkrank­ten er­neut de­tail­liert doku­men­tiert. Stell­ver­tretend für die ins­gesamt rund 600 ehe­ma­li­gen Lager­insassen be­mühen sich 192 Roma, Aschkali und Bal­kan-Ägyp­ter auch mit Hilfe der US-amerika­ni­schen Anwältin Dianne Post seit 2008 um Wieder­gut­machung.

„Wir, Mitglieder des Europäischen Parlaments, appel­lieren drin­gend an Sie, die längst über­fälligen Schritte zu unter­nehmen, um zu gewähr­leisten, dass die Opfer der Blei­ver­giftung aus den ver­seuchten UN-Flüchtlings­lagern im Kosovo eine indi­vi­duelle Ent­schädi­gung, ent­spre­chende medi­zinische Ver­sorgung und Unter­stützung in der Bildung er­halten“, heißt es in dem Schreiben der EU-Ab­geord­neten, das die sozial­demokra­ti­schen EU-Ab­geordne­ten Kati Piri (Niederlande) und Soraya Post (Feminis­ti­sche Initia­ti­ve, Schweden) ini­ti­iert haben. Unter­zeich­net haben es auch die deut­schen EU-Ab­ge­ord­ne­ten Michael Detjen (SPD), Cornelia Ernst (Grü­ne), Rebecca Harms (Grü­ne), Knut Fleckenstein (SPD), Romeo Franz (Grü­ne), Barbara Lochbihler (Grü­ne), Norbert Neuser (SPD). [Anm. der dROMa-Red.: von den ös­ter­rei­chi­schen EU-Par­la­men­ta­ri­ern ha­ben fol­gen­de Ab­ge­ord­nete den Auf­ruf un­ter­zeich­net: Eugen Freund (SPÖ), Karoline Graswander-Hainz (SPÖ), Michel Reimon (Grüne), Monika Vana (Grüne), Thomas Waitz (Grü­ne) und Josef Weidenholzer (SPÖ).]

Bisher wollen die UN keine Wiedergutmachung zah­len, obwohl der Men­schen­rechts­ausschuss der UN-Mis­sion im Kosovo „Human Rights Ad­vi­sory Panel“ (HRAP) dies empfoh­len hatte. Die Flücht­linge führen auch eine Reihe von Todes­fällen auf Blei­ver­gif­tung zurück.

„Die UN-Reaktion war unzurei­chend“, kriti­sier­ten die Europa-Ab­geord­neten. „Sie haben 2017 einen frei­willi­gen Treuhand­fonds der Ver­einten Nationen ein­gerich­tet, der keine indivi­duelle Ent­schädigung an­bietet und nicht spe­ziell auf die von Blei­vergiftung Be­trof­fenen ab­zielt (…).“ Zudem seien bisher alle Roma, Aschkali und Bal­kan-Ägypter leer aus­ge­gan­gen, denn selbst in diesen Fonds habe kein Staat ein­gezahlt, sagte Causevic. Schon Ende No­vem­ber hatte das Euro­päivsche Parla­ment die Ver­ein­ten Nationen auf­ge­fordert, den Opfern der Blei­vergiftung rasch die not­wen­dige Unter­stützung zu­kom­men zu lassen.

Hier können Sie das Schreiben der Abgeordneten an UN-Generalsekretär Guterres als pdf herunterladen.

(Text: GfbV)

Siehe auch:
Petition für Roma in verseuchten UN-Lagern
, 19.9.2016

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