Kein Ort für Blumen und für Kerzen

September 5th, 2011  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Medien & Presse, Politik

Kemeten 2006: J. Nussgraber und R. Sarközi präsentieren Denkmalentwurf (Foto: kv-roma.at)Standard: SPÖ-Bürgermeister von Kemeten verweigert rund 200 Holocaust-Opfern der Gemeinde weiterhin das Gedenken

Seit Jahren bemüht sich unser Verein Roma-Service gemeinsam mit anderen Roma-Repräsentanten, das Gedenken an die Tausenden vom NS-Regime ermordeten Roma in den verschiedenen Gemeinden des Burgenlands zu ermöglichen. Vielerorts mit Erfolg, wie die Errichtung von Gedenktafeln in Kleinpetersdorf, Neudörfl, Mattersburg und Kleinbachselten zeigt. Doch nicht überall ist die Erinnerung an die Opfer des Holocausts erwünscht. Ein kleiner südburgenländischer Ort verweigert sich stur dem Gedenken, schreibt heute der „Standard“. Die Schande von Kemeten, die Beleidigung der Toten, dauert an:

Rudolf Sarközi ist ein höflicher Mensch. Wenn der Chef des Kulturvereins der österreichischen Roma und Vorsitzender des Volksgruppenbeirats zum Standard sagt, er lasse sich vom Bürgermeister der kleinen südburgenländischen Gemeinde Kemeten „nicht weiter frotzeln, ich bin ja nicht sein Rotzbub“, so darf man von einem wohl gediehenen Grant ausgehen. Der Grant (…) wurzelt im Jahr 2006. Damals verkündeten er, der Kemeter SP-Bürgermeister Johann Nussgraber und Emmerich Gärtner-Horvath vom Oberwarter Verein Roma-Service gemeinsam einen „Kompromissvorschlag“.

Für die 200 in der Nazizeit vertriebenen und zu fast 100 Prozent ermordeten Kemeter Roma solle zwar keine eigene Gedenktafel aufgehängt, aber immerhin ein Teil der geplanten Ortsgeschichte-Skulptur reserviert werden. Auf dass, so Gärtner-Horvath, „unsere Leute einen Platz haben, wo sie Blumen und Kerzen hinstellen können“. Angeblich gibt es diese „Stahlskulptur“ schon. Allein: Aufgestellt ist sie jetzt, im Herbst 2011, da der Entstehung, des Werdens und auch der Verwerfungen des Burgenlandes gedacht wird, immer noch nicht. Und Rudolf Sarközi will sich auch „nicht weiter darum bemühen, es ist schade um die Luft, die ich beim Reden verbrauche“. (…)

Dem Standard verspricht der Bürgermeister, dass das Gedenk-Mal noch „irgendwann in diesem Herbst“ aufgestellt wird. „Jedenfalls vor der Gemeinderatswahl im nächsten Jahr.“ Aber, das möchte er ausdrücklich festgehalten wissen: „Entscheiden tun wir selber, von außen lassen wir uns das nicht sagen.“ Entschieden hat freilich schon 2006 der Gemeinderat: Es werde aufgestellt!

Sarközi hat, wenn man das so sagen will, die Nase voll. Dass noch heuer aufgestellt wird, glaubt er nicht. Zu oft hat er die Versicherungen des Bürgermeisters schon gehört. (…) Sarközi, der frühere rote Bezirksrat von Wien-Döbling, erzählt, dass er dem roten Kemeter Bürgermeister einmal in aller Höflichkeit gesagt habe: „Ich schäme mich dafür, dass du bei derselben Partei bist wie ich.“

Lesen Sie bitte den hier nur in Auszügen wiedergegebenen Artikel in voller Länge im Standard.

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