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Kemeten erinnert – aber gedenkt nicht

Februar 11th, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

"Geschichtsskulptur" statt Gedenkenort in Kemeten (Foto: Horst Horvath, RomaCajtung) RomaCajtung 1/2019: Vorgeschichte: seit vielen Jahren ver­sucht die Roma-Com­mu­nity die Gemein­de Kemeten (Süd­burgenland) dazu zu be­we­gen, sich ihrer histo­ri­schen Ver­ant­wor­tung gegen­über 200 Ver­trie­benen und zum Groß­teil ermor­deten frü­he­ren Ge­mein­de­be­woh­nerIn­nen be­wusst zu wer­den und eine beschei­dene Gedenk­stätte zu er­rich­ten. Über meh­rere Jahre wurden die Roma-Ver­treter mit der Aus­sage hin­gehalten und ver­tröstet, dass auf einer zu errich­ten­den Ge­schichts­skulptur ein ent­spre­chen­des Ele­ment an­gebracht ist.

Der so genannte „Geschichtskreis“ wur­de nun­mehr auf­ge­stellt.

Allerdings: Niemand von den Roma-Ver­tre­terIn­nen wurde zur Eröff­nung ein­geladen und außer einem sehr neutra­len Hinweis auf die ge­schicht­li­chen Fakten ist nichts zu fin­den, was ein Be­dauern oder ein Erin­nern oder ein Gedenken aus­löst.

Natürlich begrüßen die Roma-Vertre­terIn­nen es, wenn öffent­lich auf die Ver­bre­chen der NS-Diktatur hin­gewie­sen wird., Aber eine Gedenkstätte – oder ein Gedenkort – ist diese „Skulp­tur“ ein­deu­tig nicht. Wir hoffen sehr – und appel­lie­ren an die Ge­meinde­ver­tretung – einen be­schei­denen Gedenk­ort an­gesichts der enorm hohen Opfer­zahl (immer­hin wur­den mehr als 10 Pro­zent der dama­ligen Kemet­nerInnen ermordet) zu er­richten.

Andreas Lehner
Vorsitzender der Roma-Volkshochschule Burgenland

Aus: RomaCajtung, 1/2019, S. 5

Siehe auch:
Virtujeli gondolipeskero than Kemetate
, 21.9.2016
Virtueller Gedenkort für Kemeten, 11.9.2016
Kein Ort für Blumen und für Kerzen, 5.9.2011
Kemeten: „Eine Beleidigung für die Toten“, 29.11.2010
Kemeten: „Na anglo völinipe“, 1.4.2010
Die Schande von Kemeten, 31.3.2010