Slowakei: Čaputová bedankt sich auf Romanes
März 31st, 2019 | Published in Politik
Die überragende Wahlsiegerin und neue slowakische Staatspräsidentin, Zuzana Čaputová, bedankt sich auf Romanes – ein Novum in der Slowakei
Die Slowakei entschied sich bei der Stichwahl am Samstag für eine sozialliberale und proeuropäische Staatspräsidentin: Die 45-jährige Bürgeranwältin und Umweltaktivistin Zuzana Čaputová, Vizevorsitzende der neuen Partei Progresívne Slovensko (Fortschrittliche Slowakei), setzte sich mit rund 58,3 Prozent (Auszählungsgrad 96,8 Prozent, das Endergebnis wird erst im Laufe des Tages bekannt gegeben) klar gegen ihren von der Regierungspartei Smer – sociálna demokracia (Smer-SD) unterstützten Konkurrenten, den parteilosen Europapolitiker und EU-Kommissar Maroš Šefčovič (41,7 Prozent), durch – uns setzt bereits neue Akzente: Wie schon nach ihrem überraschend klaren Ergebnis nach dem ersten Wahlgang am 16. März schickte Čaputová auch in ihrer jetzigen Dankesrede ein Signal an die großen Minderheiten des Landes. Sie dankte ihren Wählerinnen und Wählern auch auf Romanes und auf Ungarisch sowie auf Tschechisch. Diese Respektbezeugung gegenüber der Roma-Volksgruppe ist ein Novum in der slowakischen Politik. Mit dieser Geste signalisiert die neue Staatspräsidentin auch, dass sie an das Engagement ihres parteilosen Vorgängers Andrej Kiska für die Volksgruppe anknüpfen will. Erst vor einigen Tagen wurde Kiska für sein Eintreten für die marginalisierte Minderheit mit dem Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma 2019 ausgezeichnet.
Zuzana Čaputovás Wahlsieg ist umso bemerkenswerter, als ihre Partei derzeit nicht einmal im Parlament vertreten ist. Dennoch konnte Čaputová als völlige Außenseiterin den ersten Wahlgang vor zwei Wochen überlegen mit 40,6 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich entscheiden. Damit verwies „der neue Shootingstar der slowakischen Politik“ (Der Standard) den Kandidaten der mächtigen Regierungspartei Smer auf den zweiten Platz: Šefčovič konnte nicht einmal halb so viele Stimmen (18,7 Prozent) erzielen. Der rechtsextreme Kandidat Marián Kotleba von der ĽSNS (wir berichteten hier und hier), der sich seit Jahren mit rabiater Hetze gegen Roma zu profilieren versucht, erreichte 10,6 Prozent. Insgesamt 4,4 Millionen Stimmberechtigte waren am Samstag zur Wahl ihres neuen Staatsoberhaupts für die kommenden fünf Jahre aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag mit nur 41 Prozent niedriger als beim ersten Wahlgang. Es war dies die fünfte Wahl seit der Einführung der Direktwahl des Staatsoberhaupts im Jahr 1999. Zuzana Čaputová wird am 15. Juni – als erste Frau in diesem Amt – als Staatspräsidentin angelobt werden.
(dROMa)