Politik

Antiziganismus-Resolution des Bundestags

März 24th, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland bekennt sich zum Schutz der Sinti und Roma: Plenarsitzung im Bundestag (Foto: Bndestag)Historische Debatte „Antiziganismus bekämpfen“ im Deut­schen Bundes­tag (Video): Exper­ten­kom­mis­sion Anti­ziga­nis­mus wird kon­sti­tu­iert, Bun­des­tag be­schließt Reso­lu­tion gegen Anti­ziga­nis­museine par­tei­po­li­ti­sche Gro­tes­ke der CDU/CSU ver­ei­tel­t ge­mein­sa­men Antrag al­ler Frak­tio­nen au­ßer der AfD.

Zentralrat, 23.3.2019: Vor der kommenden Konsti­tuie­rung der Unab­hän­gi­gen Exper­ten­kommis­sion Anti­ziganis­mus am 27. März 2019 im Bundes­minis­te­rium des Innern be­fasste sich der Deut­sche Bun­destag in seiner De­batte am 22. März mit dem zu­neh­mend mas­siven Anti­ziganis­mus in Deutschland und in Eu­ro­pa. Stu­dien des Bundes oder wie zu­letzt Um­fragen der Uni­ver­sität Leipzig (wir be­rich­te­ten) zei­gen, dass die Ab­lehnung von Sinti und Roma in der Bevöl­ke­rung extrem hoch ist. Hier sei es Auf­gabe ins­be­son­dere der Politik, für den not­wen­di­gen Zusam­men­halt in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft ge­rade auch durch den Schutz von Min­der­hei­ten zu sor­gen, er­klär­te Romani Rose vor der De­batte.

In einer ersten Reaktion bezeichnete der Vorsit­zende des Zentral­rates Deut­scher Sinti und Roma, Ro­mani Rose, die Tat­sache, dass sich der Deut­sche Bundestag end­lich mit dem Thema Anti­ziganis­mus be­fasst, als wich­ti­gen Schritt für die Minder­heit und eben­so für die demo­krati­sche Ver­fasst­heit unse­rer Gesell­schaft: „Es gibt in Deutsch­land und in Eu­ro­pa einen zu­neh­mend gewalt­berei­ten Anti­ziganis­mus, der sich vorder­grün­dig gegen die Minder­heit richtet, der aber im Kern auf unsere demo­krati­schen Werte zielt.  Es wäre wün­schens­wert ge­we­sen, wenn es einen gemein­sa­men Ent­schlie­ßungs­antrag aller demo­krati­schen Parteien im Deut­schen Bundes­tag ge­geben hätte, der die Ver­pflich­tung des Deut­schen Bundes­tages zum Schutz und zur För­de­rung der Minder­heit der Sinti und Roma klar zum Aus­druck ge­bracht hätte“, so Rose. Die Be­kämp­fung des Anti­ziganis­mus sei zu wich­tig, als dass partei­politi­schen Über­legun­gen die Ent­schlie­ßun­gen des Bundes­tages ab­schwä­chen dürf­ten, so Rose.

Alle Redner der demokratischen Parteien waren sich einig darin, dass die Be­kämp­fung des Anti­ziganis­mus eine Ver­pflich­tung des Deut­schen Bundes­tages sein müsse. Fünf Frak­tio­nen, alle außer der AfD, hat­ten im Vor­feld an dem Ent­schlie­ßungs­antrag „Anti­ziganis­mus be­kämp­fen“ mit­ge­wirkt. Redner aller demo­krati­schen Frak­tio­nen be­dauer­ten, dass ob­wohl es keine inhalt­lichen Dif­feren­zen gab, es den­noch zu kei­nem ge­mein­sa­men Antrag kam.

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Plovdiv: Kulturhauptstadt ohne Roma

März 7th, 2019  |  Published in Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

"Together": "Das Motto blieb. Die Projekte nicht" (Foto: Free Plovdiv Tour)Unerwünscht und rausgestrichen

„Am Anfang standen in Plovdiv Inklusions­ver­spre­chen. Als die Aus­schrei­bung durch war, blieb vom schö­nen Schein der Integra­tion nichts mehr übrig. Hinter den Kulis­sen wur­den Roma syste­ma­tisch benach­teiligt, bis heute sind wich­ti­ge Projekt­versprechen nicht ein­gelöst.“ Aus Bulgarien be­rich­tet Andreas Kunz für Ostpol.de über „eine Euro­päische Kultur­haupt­stadt, die einen Teil ihrer Bürger am liebs­ten ver­stecken möchte“. → Zum Artikel

Und auch Rayna Breuer berichtete in einem Beitrag für die Deutsche Welle an­läss­lich der Er­öffnungs­feier, dass viele Roma-Pro­jekte, mit denen Plovdiv bei der Bewer­bung als Kultur­haupt­stadt ge­punktet hatte, in­zwi­schen aus dem Programm ver­schwun­den sind:

Ein zentrales Thema der Bewerbung war der Fokus auf die ethni­schen Minder­heiten in Plovdiv, vor allem auf die Roma-Be­völ­ke­rung. Stolipinovo, ein Stadt­teil von Plovdiv und das größ­te Roma-Viertel auf dem Balkan, sollte eben­falls Teil des Kultur­programms im kom­men­den Jahr sein. „Wir glauben daran, dass die Kultur die Fähig­keit hat, soziale Ver­änderun­gen zu er­zeugen. Die meis­ten Jugend­lichen, die in Stoli­pi­novo leben, haben das Viertel nie ver­lassen, auf der ande­ren Seite haben die Be­woh­ner aus Plovdiv diesen Stadt­teil nie be­sucht“, sagt Manol Peykov (Anm.: inzwi­schen aus Protest zurück­getre­te­nes Mit­glied der Stiftung „Plovdiv 2019“). „Aber die Politi­ker sagten, dass wir un­se­ren Hinterhof vor dem aus­ländi­schen Publi­kum nicht zei­gen sollten. ‘Wieso die Roma‘, haben sie ge­sagt. ‘Wir haben doch auch andere Ethnien hier‘ – und so wurde un­sere Idee ab­ge­lehnt und Projekte ge­stoppt“. Unter dem Motto „Together“ soll­te auf die Lage der Roma und den schwieri­gen sozialen Zu­sam­men­halt hin­gewie­sen wer­den. Durch Kultur Kon­flikte über­win­den, das war das Thema, was die Jury über­zeugte und Plovdiv den Titel Euro­päische Kultur­hauptstadt 2019 ein­brachte. Das Motto blieb. Die Pro­jekte nicht.

→ Zum Artikel

Radio: „Möglichst freiwillig“

Februar 22nd, 2019  |  Published in Film & Theater, Interview, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Dreyeckland Radio Dreyeckland, 14.2.2019 (7:14 min)
→Anhören (mp3)

"Möglichst freiwillig" - Dokumentarfilm aus Deutschland (Filmplakat)Die Filmemacherin Allegra Schnei­der im Ge­spräch

Zijush war ein 13-jähriger Schüler in Bremerhaven, als seine Eltern sich ge­zwun­gen sahen, mit ihm und seiner Schwes­ter nach Maze­do­nien zu­rück­zu­gehen. Von Politik und Behör­den wird so etwas als „freiwillige Rückkehr“ beworben und als human be­zeich­net. Doch frei­willig war die Rück­kehr nicht, und für Zijush be­deu­tete sie unter ande­rem, dass er als Rom von einer Gruppe albani­scher Män­ner gewalt­sam an­gegrif­fen wurde. Seine Mutter hat seit­her täg­lich Angst, bis er heil aus der Schule zu­rück ist. Doch seine Bremer­have­ner Klasse will sich mit dem Ver­schwin­den ihres Freundes nicht ein­fach ab­finden. Zuerst lassen sie ihn per Smart­phone weiter am Unter­richt teil­haben, dann geben sie seiner Klassen­lehrerin eine Men­ge Fragen mit, die sie bei zwei Be­su­chen in Mazedonien zu be­ant­wor­ten ver­sucht. Beim zwei­ten Besuch ist auch Zijushs Schul­freund Rebal dabei …

Die Fotojournalistin Allegra Schneider und ihr Team waren mit dabei in Skopje und in der Bremer­have­ner Klasse. Ent­stan­den ist dabei ein Dokumentar­film, der keine Klischees zeigt, son­dern die Be­trof­fenen selbst aus­führ­lich zu Wort kom­men lässt und die Dis­kriminie­rung der Roma und Romnja in Mazedonien wie auch die Proble­ma­tik der „frei­wil­li­gen“ Ausreise viel­schich­tig be­leuch­tet. Read the rest of this entry »

„Roma Civil Monitor“-Berichte online

Februar 14th, 2019  |  Published in Dokumente & Berichte, Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Roma Civil MonitorDas Romano Centro in Wien macht auf die Ver­öf­fent­li­chung der Analy­sen der Zivil­gesell­schaft zu den Roma-Stra­tegien aus 27 EU-Län­dern auf der Web­site des CEU Center for Policy Studies auf­merk­sam. Die Berich­te wur­den seit 2017 im Rah­men des „Roma Civil Mo­ni­tor“-Pro­jek­tes er­stellt. Den Be­richt zu Österreich ha­ben die Kol­leginnen und Kol­le­gen von Ro­ma­no Centro ver­fasst. „Für alle, die sich mit Inklu­sions­politik und In­tegra­tion der Roma be­schäf­tigen, sind diese Berichte eine sehr wert­volle Infor­mations­quelle ab­seits offi­ziel­ler Regie­rungs­doku­mente“, so das Romano Centro.

Der Bericht zu Österreich:
Civil society monitoring report on implementation of the national Roma integration strategy in Austria. Focu­sing on struc­tural and hori­zon­tal pre­con­di­tions for success­ful im­ple­menta­tion of the stra­tegy (pre­pared by Roma­no Centro, Sep­tem­ber 2018) →PDF-Download

(dROMa)

Kemeten erinnert – aber gedenkt nicht

Februar 11th, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

"Geschichtsskulptur" statt Gedenkenort in Kemeten (Foto: Horst Horvath, RomaCajtung) RomaCajtung 1/2019: Vorgeschichte: seit vielen Jahren ver­sucht die Roma-Com­mu­nity die Gemein­de Kemeten (Süd­burgenland) dazu zu be­we­gen, sich ihrer histo­ri­schen Ver­ant­wor­tung gegen­über 200 Ver­trie­benen und zum Groß­teil ermor­deten frü­he­ren Ge­mein­de­be­woh­nerIn­nen be­wusst zu wer­den und eine beschei­dene Gedenk­stätte zu er­rich­ten. Über meh­rere Jahre wurden die Roma-Ver­treter mit der Aus­sage hin­gehalten und ver­tröstet, dass auf einer zu errich­ten­den Ge­schichts­skulptur ein ent­spre­chen­des Ele­ment an­gebracht ist.

Der so genannte „Geschichtskreis“ wur­de nun­mehr auf­ge­stellt.

Allerdings: Niemand von den Roma-Ver­tre­terIn­nen wurde zur Eröff­nung ein­geladen und außer einem sehr neutra­len Hinweis auf die ge­schicht­li­chen Fakten ist nichts zu fin­den, was ein Be­dauern oder ein Erin­nern oder ein Gedenken aus­löst.

Natürlich begrüßen die Roma-Vertre­terIn­nen es, wenn öffent­lich auf die Ver­bre­chen der NS-Diktatur hin­gewie­sen wird., Aber eine Gedenkstätte – oder ein Gedenkort – ist diese „Skulp­tur“ ein­deu­tig nicht. Wir hoffen sehr – und appel­lie­ren an die Ge­meinde­ver­tretung – einen be­schei­denen Gedenk­ort an­gesichts der enorm hohen Opfer­zahl (immer­hin wur­den mehr als 10 Pro­zent der dama­ligen Kemet­nerInnen ermordet) zu er­richten.

Andreas Lehner
Vorsitzender der Roma-Volkshochschule Burgenland

Aus: RomaCajtung, 1/2019, S. 5

Siehe auch:
Virtujeli gondolipeskero than Kemetate
, 21.9.2016
Virtueller Gedenkort für Kemeten, 11.9.2016
Kein Ort für Blumen und für Kerzen, 5.9.2011
Kemeten: „Eine Beleidigung für die Toten“, 29.11.2010
Kemeten: „Na anglo völinipe“, 1.4.2010
Die Schande von Kemeten, 31.3.2010


Hoffnung für bleivergiftete Kosovo-Roma

Februar 8th, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Jahrelang sahen die UN tatenlos zu: schwere Erkrankungen infolge der Bleiverseuchung der UN-Flüchtlingscamps in Mitrovica (Foto: GfbV)55 Europa-Abgeordnete fordern von UN Wieder­gut­ma­chung für er­krank­te Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter

In einem Schreiben an UN-Generalsekretär António Guterres haben 55 Euro­pa-Ab­ge­ord­ne­te Ent­schädi­gung für Roma, Asch­ka­li und Bal­kan-Ägyp­ter ge­for­dert, die nach dem Kosovo-Krieg 1999 von den Ver­ein­ten Nationen in blei­ver­seuch­ten Flücht­lings­lagern unter­gebracht wor­den waren und des­halb ernst­haft er­krankt sind. „Das Engage­ment der Par­lamen­tarier gibt den Opfern des un­ver­ant­wort­li­chen Um­gangs der UN mit diesen Flüchtlingen Hoff­nung auf Gerech­tig­keit und end­lich an­gemes­se­ne medizini­sche Hilfe“, sagte die Süd­ost­europa-Ex­pertin der Gesell­schaft für be­drohte Völker (GfbV), Jasna Causevic, in Göttingen.

Die Menschenrechtsorganisation setzt sich seit vielen Jahren für die Roma, Asch­kali und Bal­kan-Ägyp­ter ein. Schon früh hat die GfbV den Ver­dacht, dass die fünf Camps in Nord-Mitro­vi­cë/Mitrovica ganz in der Nähe einer Blei­schmelz­anlage extrem ver­seucht waren, öffent­lich ge­macht und eine Evakuie­rung der Lager ge­for­dert. Doch erst als ein Umwelt­medizi­ner im Auf­trag der GfbV Ende Okto­ber 2005 Vergiftungs­erschei­nun­gen bei den Flücht­lingen doku­men­tierte, lösten die UN die Camps all­mählich auf. Das letz­te Lager wurde erst 2013 ge­räumt. In einem 2018 ver­öffent­lich­ten Bericht hat die GfbV die de­primie­rende Lage der Erkrank­ten er­neut de­tail­liert doku­men­tiert. Stell­ver­tretend für die ins­gesamt rund 600 ehe­ma­li­gen Lager­insassen be­mühen sich 192 Roma, Aschkali und Bal­kan-Ägyp­ter auch mit Hilfe der US-amerika­ni­schen Anwältin Dianne Post seit 2008 um Wieder­gut­machung.

„Wir, Mitglieder des Europäischen Parlaments, appel­lieren drin­gend an Sie, die längst über­fälligen Schritte zu unter­nehmen, um zu gewähr­leisten, dass die Opfer der Blei­ver­giftung aus den ver­seuchten UN-Flüchtlings­lagern im Kosovo eine indi­vi­duelle Ent­schädi­gung, ent­spre­chende medi­zinische Ver­sorgung und Unter­stützung in der Bildung er­halten“, heißt es in dem Schreiben der EU-Ab­geord­neten, das die sozial­demokra­ti­schen EU-Ab­geordne­ten Kati Piri (Niederlande) und Soraya Post (Feminis­ti­sche Initia­ti­ve, Schweden) ini­ti­iert haben. Unter­zeich­net haben es auch die deut­schen EU-Ab­ge­ord­ne­ten Michael Detjen (SPD), Cornelia Ernst (Grü­ne), Rebecca Harms (Grü­ne), Knut Fleckenstein (SPD), Romeo Franz (Grü­ne), Barbara Lochbihler (Grü­ne), Norbert Neuser (SPD). [Anm. der dROMa-Red.: von den ös­ter­rei­chi­schen EU-Par­la­men­ta­ri­ern ha­ben fol­gen­de Ab­ge­ord­nete den Auf­ruf un­ter­zeich­net: Eugen Freund (SPÖ), Karoline Graswander-Hainz (SPÖ), Michel Reimon (Grüne), Monika Vana (Grüne), Thomas Waitz (Grü­ne) und Josef Weidenholzer (SPÖ).]

Bisher wollen die UN keine Wiedergutmachung zah­len, obwohl der Men­schen­rechts­ausschuss der UN-Mis­sion im Kosovo „Human Rights Ad­vi­sory Panel“ (HRAP) dies empfoh­len hatte. Die Flücht­linge führen auch eine Reihe von Todes­fällen auf Blei­ver­gif­tung zurück.

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„Expertenkommission Antiziganismus“

Januar 29th, 2019  |  Published in Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Eine neue Expertenkommission in Deutschland soll helfen, Romafeindlichkeit zu dokumentieren und zu bekämpfen. Hier: Romani Rose, Pressekonferenz des Zentralrats zum "Fall Maria", 2014 (Foto: Zentralrat)Deutsche Bundesregierung beruft „Ex­per­ten­kom­mis­sion Anti­ziga­nis­mus“

Am 30. Januar 2019 beruft die Bundesregierung die Mitglieder der im Koali­tions­ver­trag ver­ein­bar­ten un­ab­hän­gi­gen „Ex­per­ten­kom­mis­sion Anti­zi­ga­nis­mus“. Der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma be­grüßt die schnelle Beru­fung durch den Bun­des­minis­ter des In­nern, Horst Seehofer. Der Vor­sitzen­de des Zentral­rates Deut­scher Sinti und Roma, Romani Rose, er­klärte dazu heute: „Anti­ziga­nis­mus ist tief­ver­wurzelt in der deutschen und der euro­päi­schen Ge­sell­schaft. Die Ächtung des Anti­zi­ga­nis­mus durch die Bundes­regierung und durch die Politik muss jetzt durch ent­spre­chende An­stren­gun­gen ins­beson­dere in der politi­schen Bildung unter­mauert wer­den. Der Zentralrat er­war­tet daher auch, dass der Deutsche Bundestag sich aus­führ­lich mit der Be­kämp­fung des Anti­ziganis­mus be­fasst.”

Romani Rose trifft deshalb am gleichen Tag zu einem Spitzen­gespräch mit dem Vor­sitzen­den der CDU/CSU-Frak­tion, Ralph Brinkhaus, zu­sam­men. Der Zentral­rat erwartet von der Kom­mission neben einem Bericht zum Ende der Le­gis­la­tur­pe­rio­de konkrete Empfeh­lun­gen an die Bundes­regie­rung, um die histo­ri­sche Dimen­sion eben­so auf­zu­arbeiten wie den gegen­wär­tigen Anti­ziganismus zu be­kämpfen. Hier­zu gehöre vor­rangig die Doku­men­ta­tion anti­ziganis­tisch moti­vier­ter Straf­taten eben­so wie die Be­obach­tung von Anti­ziganis­mus in den Medien und den Aus­wirkun­gen bei den Ein­stel­lun­gen in der Be­völ­ke­rung.

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Rassismus: Junge SVP Bern verurteilt

Januar 17th, 2019  |  Published in Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Dieses Bild wurde eingeklagt. (Bild: SVP)Roma-Organisation und GfbV begrüßen Verurteilung der Jungen SVP Bern wegen Rassismus

Am Montag hat das Regionalgericht Bern-Mit­tel­land die bei­den Co-Prä­si­den­ten der Jungen SVP des Kantons Bern, Nils Fiechter und Adrian Spahr, we­gen einem Ver­stoß gegen die Ras­sis­mus-Straf­norm ver­ur­teilt. Das Urteil zeigt, dass solch gra­vie­rende Fäl­le von Rassis­mus gegen Roma im Kanton Bern nicht to­le­riert werden.

„Es ist beruhigend, dass im Kanton Bern eine Partei wie die Junge SVP nicht un­gestraft Wahl­kampf auf Kos­ten von Min­der­heiten wie der Roma be­trei­ben darf“, sagt Stefan Heinichen vom Verband Sinti und Roma Schweiz (VSRS) zum heu­ti­gen Urteil der Gerichts­prä­siden­tin Bettina Bochsler. Der VSRS hatte eine Straf­anzeige wegen Ver­let­zung der Rassis­mus-Straf­norm ge­gen die Junge SVP des Kan­tons Bern ein­ge­reicht (wir berich­te­ten). Grund war ein Face­book-Post im Rah­men der JSVP-Wahl­kampagne, der die Min­der­heiten der Sinti und Roma auf pau­scha­li­sie­ren­de Weise herab­setz­te. Die Gesell­schaft für be­drohte Völker (GfbV) unter­stütz­te die Straf­anzeige. Die Berner Staats­anwalt­schaft teilte die Mei­nung des VSRS und der GfbV und ver­urteilte die beiden Co-Prä­sidenten mit­tels Straf­befehls wegen Rassen­dis­krimi­nie­rung. Weil sie die Strafe nicht ak­zeptier­ten, er­hoben sie Ein­sprache ge­gen den Straf­befehl. Ohne Erfolg: Die Strafe wur­de durch das Regional­gericht Bern-Mit­telland be­stä­tigt. „Wir sind be­frie­digt, dass in diesem Fall die Rassis­mus-Straf­norm an­ge­wen­det wird“, sagt Angela Mattli von der Ge­sell­schaft für bedrohte Völker. „Das Urteil zeigt, dass die Berner Justiz Anti­ziganismus ernst nimmt und ent­spre­chend sank­tio­niert.“

Zur Publikation

Die Junge SVP Kanton Bern veröffentlichte am 21. Februar 2018 auf ih­rer Facebook-Sei­te im Rah­men ihrer Wahl­kampagne für den Groß­rat einen Ein­trag, der als rassis­tisch zu wer­ten ist. Der Aufruf „JSVP-Kan­didaten wäh­len – Transit­platz für Zigeuner ver­hindern!“ mach­te deut­lich, dass ein Transitplatz für fah­rende Sinti und Roma ihrer Mei­nung nach „schäd­lich“ sei. Gleich­zeitig wurde mit ei­ner Illustration sug­ge­riert, dass „Zigeuner“ pau­schal schmutzig sind, zu Krimi­na­lität neigen, ihre Fäkalien über­all hin­ter­lassen und die öf­fent­liche Ord­nung nach­hal­tig stören.

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„Re: Die Sinti* von Saint-Jacques“

Januar 6th, 2019  |  Published in Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

„Angst vor der Abrissbirne“ (ZDF)
D 2019, 31 Min., auf Arte verfügbar bis 2.4.2019

ARTE: Im mittelalterlichen Stadtzentrum von Perpignan, Süd­frankreich, le­ben seit über 100 Jahren fran­zö­si­sche Sinti (Anm. d. Red.: tatsächlich handelt es sich um kata­la­nisch­spra­chi­ge Gita­nos, die bereits seit dem 18. Jh. hier an­säs­sig sind, siehe unt­en). Die­se in­ner­städtische Ge­mein­de ist in Westeuropa einzig­artig. Doch ein Bau­vorhaben der Stadt­ver­waltung droht, die Sinti von dort zu ver­drängen.
Nur wenige Schritte von der Fußgänger­zone Perpignans mit ihren hüb­schen Bou­tiquen und schicken Res­tau­rants ent­fernt, be­ginnt eine andere Welt. Im Stadt­teil Saint-Jac­ques le­ben die Sinti nach ihren eige­nen Regeln und Tra­ditio­nen. Die Stadt­ver­wal­tung will dem nun ein Ende set­zen. Nach Jahr­zehn­ten der Ver­nach­läs­si­gung haben die Be­hör­den damit be­gon­nen, ein mas­si­ves Sanie­rungs­programm durch­zu­führen. Der Bürger­meister spricht von einer ein­mali­gen Chance für das Viertel und seine Ein­woh­ner. Doch die Sinti be­fürch­ten, dass sie ver­trie­ben wer­den sol­len. Über 50 alte Häuser wur­den bereits ab­gerissen. Ihre Ein­woh­ner muss­ten Saint-Jacques größ­ten­teils ver­las­sen. Alain „Nounours“ Gimenez ist in dem Stadt­teil auf­ge­wach­sen. Zusam­men mit einer Gruppe Gleich­gesinn­ter hat er die Abriss­bagger im Sommer vor­erst aus dem Viertel ver­trie­ben. Seit­dem liegen die Arbeiten brach, die Sanie­rung wur­de zu einem natio­na­lem Politi­kum. Nounours und seine Mit­strei­ter haben sich Denk­mal­schützer und Ar­chitek­ten als Ver­bün­dete ge­sucht und den Kampf gegen die Umvbau­pläne auf­ge­nom­men. Kön­nen sie ihr Vier­tel vor dem Abriss be­wah­ren?

*) Anm. der dROMa-Red.: Die katala­ni­schen Gitanos von Perpignan ka­men bereits gegen Ende des 18. Jh. aus Spanien nach Frankreich und spre­chen bis heute einen alter­tüm­li­chen katalanischen Dialekt (u.a. mit Caló- bzw. Romani-Ele­men­ten). Read the rest of this entry »

Von Hamburg in die Roma-Slums

Dezember 27th, 2018  |  Published in Film & Theater, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Ein Film von: Lisa Hagen, Alena Jabbering und Jonas Schreiijäg
Kamera: Lisa Hagen, Gunnar Krupp, Jan Littelmann
Schnitt: Jule Zeymer

Stell dir mal vor, du bist in Deutschland ge­bo­ren, in Deutsch­land auf­ge­wachsen und wirst mit 18 Jah­ren plötz­lich in ein Land ab­gescho­ben, in dem du noch nie­mals warst. Das ist Fahreta pas­siert, einem Roma-Mäd­chen aus Hamburg. Was macht sie in einem Land, in dem sie die Sprache nicht spricht und noch nicht ein­mal re­gist­riert ist? In Ham­burg ging sie zur Fri­seur-Schule, jetzt droht ihr ein Leben in den Slums von Montenegro. „STRG_F“-Re­por­ter Alena und Jonas haben Fahreta und ihre Familie ge­trof­fen und zeigen, was sonst kaum je­mand sieht: Die Ge­schich­te nach einer Abschiebung.

Mehr hier: www.alle-bleiben.info

(Text und Film: STRG_F)

„Möglichst freiwillig“ (Trailer)

Dezember 20th, 2018  |  Published in Film & Theater, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Nach dem Willen der Bundesregierung sollten Ausreise­pflich­ti­ge Deutsch­land ver­las­sen. Und zwar am besten: »Mög­lichst frei­willig«. Ein Film über Freund­schaft, Schule, Hoffnung, Ab­schie­bung, Migra­tion, Roma, Rassis­mus, Deutschland, Mazedonien.

45 Min. / Dokumentarfilm / D 2018
OF Deutsch (Englisch u. Romanes mit deut­schen Un­ter­titeln)

Vor dem Hintergrundthema der Ausgrenzung von Roma erzählt die Foto­journalistin Allegra Schneider mit einem wech­seln­dem Team von einer Familie, die die Bundes­republik frei­willig ver­lassen muss­te. Im Zentrum des Films steht die gene­ra­tionen­über­schat­tende Erfah­rung des Gehen-Müs­sens und der Tren­nun­gen. Der Film zeigt eine Klasse mit ihrer Leh­rerin, die das nicht ak­zep­tieren und dem ehe­mali­gen (Mit-)Schüler nach­reisen.

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Roma-Genozid: Deutschland sichert Gräber

Dezember 19th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Deutschland: Delgation des Zentralrates mit Ministerin Giffey im Bundesrat, 14.12.2018 (Foto: Bund-Länder-Vereinbarung zum dauer­haf­ten Erhalt der Grab­stät­ten NS-ver­folg­ter Sinti und Roma unter­zeich­net. Romani Rose: „Ein his­to­ri­scher Tag für die Min­der­heit.“

Am Freitag wurde im Rahmen eines feierli­chen Staats­aktes im Bundesrat an­läss­lich des jähr­li­chen Gedenkens an den NS-Völker­mord an den Sinti und Roma die „Bund-Länder-Ver­ein­ba­rung be­tref­fend den Erhalt der Gräber der unter der natio­nal­sozia­lis­ti­schen Gewalt­herr­schaft ver­folg­ten Sinti und Roma“ durch Bundes­minis­te­rin Dr. Giffey für die Bundes­regierung unter­zeich­net. Zuvor hatten am 5. De­zem­ber 2018 die Minister­prä­siden­tin­nen und Minis­ter­prä­si­den­ten der Länder wäh­rend der Minis­ter­präsi­den­ten­kon­fe­renz in Berlin die Ver­einba­rung ge­zeichnet. Mit dieser Ver­ein­barung wurde der am 8. De­zem­­ber 2016 durch die Bundes­kanz­lerin und die Regie­rungs­chefin­nen und -chefs der Länder ver­ab­schie­dete Be­schluss zum dauer­haf­ten Erhalt der Grab­stätten jetzt in eine bundes­ein­heit­liche Re­gelung um­ge­setzt, die mit der heu­ti­gen Unter­zeich­nung in Kraft tritt.

An der feierlichen Unterzeichnung der Bund-Länder-Ver­einbarung nah­men ne­ben Bundes­rats­prä­si­dent Daniel Günther, Bun­desministerin Dr. Giffey und dem Vor­sitzen­den des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, die Mi­nis­ter­prä­siden­tin­nen und Minister­präsi­denten der Länder, Ver­treter der beiden großen Kirchen und des Städtetags, die Vor­stände des Zentral­rats und seiner Landes­ver­bände sowie Über­le­bende des Holocaust teil.

„Nach den langen Verhandlungen des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma mit Bund, Ländern und Kom­mu­nen ist der heu­tige Tag für den Zentralrat und für die ge­sam­te Minder­heit ein histo­ri­sches Datum. Mit dieser Ver­einba­rung werden die Grabstätten von Über­le­ben­den des NS-Völker­mords in den Kom­munen und in den Städten als Fami­lien­gedächtnis­stätten und als öf­fent­liche Lern­orte für die nach­kom­men­den Genera­tionen dauer­haft er­halten. Read the rest of this entry »

Jubiläumsmatinee im Parlament

Dezember 18th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Manuela Horvath und Stefan Horvath mit Barbara Glück (Mitte) (Foto: Parlamentsdirektion)Matinee im Parlament anlässlich 25 Jahre An­er­ken­nung der Roma als Volks­gruppe

NR-Präsident Sobotka und BR-Präsi­den­tin Posch-Gruska unter­strei­chen Viel­falt und Ver­ant­wor­tung

Unter dem Motto „Vielfalt und Verantwortung“ fand am Sonn­tag im Plenar­saal des Par­la­ments eine Matinee aus An­lass des 25-jäh­ri­gen Jubi­läums der An­erken­nung der Roma als Volksgruppe statt. Die Roma und Sinti wur­den am 16. De­zem­ber 1993 als „Volks­gruppe der Roma“ an­erkannt. Bundes­rats­präsi­dentin Inge Posch-Gruska er­öff­nete die Matinee. Der Wis­sen­schaft­liche Leiter des Doku­men­tations­archivs des Öster­reichi­schen Wider­stands Gerhard Baumgartner hielt den Fest­vortrag, in dem er durch die jün­ge­re Geschichte der Volks­grup­pe führ­te. Barbara Glück, Direk­torin des Maut­hausen Memorials, führ­te ein Ge­spräch mit Manuela Horvath (33), An­ge­hö­rige der Volks­gruppe der Roma und Ge­meinde­rätin in Oberwart, und dem Roma-Schrift­stel­ler Stefan Horvath (69), in dem die per­sön­li­chen Er­fah­run­gen, aber auch das sich ge­änderte Bewusst­sein zur Sprache kamen. Nach An­sprachen von Emme­rich Gärtner-Horvath, dem Vor­sitzenden des Volks­gruppen­beirats der Roma, und Christian Klippl, Ob­mann des Kultur­vereins öster­reichi­scher Roma, sprach National­rats­präsi­dent Wolfgang Sobotka die Schluss­worte.

Sobotka: Vorurteile sind nachhaltig nur durch eine emotio­nale Heran­gehens­weise zu be­kämpfen

„Vorurteile sind nachhaltig nur durch eine emotio­na­le Heran­gehens­weise zu be­kämp­fen, und dabei spielt die Kultur eine wesent­liche Rolle“, be­ton­te National­rats­präsi­dent Wolfgang Sobotka als Re­sümee der Ma­tinee. Zur Integra­tion gebe es keine Al­ter­na­ti­ve, Integration heiße aber in kei­nem Fall Assi­mila­tion, stelle er mit Nach­druck fest.

Die heutige Festveranstaltung gelte jenen, die gelit­ten haben und ermordet wur­den, jenen, die Kon­se­quen­zen ge­zogen haben, jenen, die sich enga­giert und andere über­zeugt haben, und jenen, die die Arbeit fort­setzen, unter­strich der National­rats­präsident, der damit auch einen Auftrag an die Zukunft ver­bun­den sieht. Read the rest of this entry »

„Bei­spiel­gebend in Europa“

Dezember 17th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Emmerich Gärtner-Horvath (Foto: Parlamentsdirektion / Thomas Jantzen)Volksgruppenanerkennung der Roma vor 25 Jah­ren: ein Meilenstein österreichischer Rechtsgeschichte, Rudolf Sarközi als Mo­tor der An­er­ken­nung hervor­ge­ho­ben, öster­rei­chi­sche Roma-Po­li­tik bei­spiel­ge­bend

Bei der gestrigen Matinee aus Anlass des 25-jäh­ri­gen Jubi­läums der An­erken­nung der Roma als Volks­gruppe im Plenar­saal des Parlaments zog der wis­sen­schaft­li­che Leiter des Doku­men­ta­tions­archivs des Öster­reichischen Wider­stands, Gerhard Baumgartner, in sei­nem Fest­vortrag Bilanz über die jün­gere Ge­schich­te der Volksgruppe. Nach einer Ein­leitung durch Bundes­rats­prä­si­den­tin Inge Posch-Gruska und An­spra­chen von Em­merich Gärt­ner-Hor­vath, dem Vor­sitzenden des Volks­gruppen­beirats der Roma, und von Christian Klippl, Ob­mann des Kultur­vereins öster­rei­chi­scher Roma, hielt National­rats­prä­si­dent Wolfgang Sobotka die Schluss­worte.

Die österreichischen Roma- und Sinti-Gruppen wur­den am 16. De­zem­ber 1993 durch ein­stim­migen Beschluss im Haupt­aus­schuss des National­rates an­er­kannt. Die Be­zeich­nung „Volksgruppe der Roma“ gilt als Ober­begriff für die ver­schie­denen in Österreich le­ben­den autochtho­nen Unter­grup­pen. Ger­hard Baum­gart­ner er­innerte daran, dass am 16. De­zem­ber 2018 nicht nur der 25. Jah­res­tag der An­erken­nung der Volks­gruppe der Roma als sechste öster­reichische Minder­heit ge­feiert werde, son­dern am 10. De­zem­ber der 70. Jahres­tag der All­gemei­nen Er­klä­rung der Men­schen­rechte be­gan­gen wor­den ist.

Endpunkt einer mehrere hundert Jahre dauern­den Ver­fol­gungs­geschichte

Baumgartner bezeichnete die Anerkennung der Roma als „Meilen­stein in der öster­reichi­schen Rechts­ge­schich­te“, als End­punkt einer meh­rere hun­dert Jahre dauern­den Ver­fol­gungs­geschichte, als Höhe­punkt öster­reichi­scher Minder­heiten­politik und als Be­ginn einer „euro­päi­schen Erfolgs­geschichte öster­rei­chi­scher Roma-Po­litik“. Bis dahin hat­ten Ver­fassungs­juristen den Roma und Sinti die Anerkennung als Volksgruppe ver­wei­gert, weil es ihnen an einer „dauer­haf­ten Bindung an ein Ter­ri­to­rium der Republik Österreich mang­le“ und weil sie „keiner­lei Selbst­organi­sa­tion“ be­säßen. Das Blatt wendete sich, als Siedlungs­urkunden der bur­gen­­ländi­­schen Roma aus dem Jahr 1674 bei­gebracht wur­den und als am 15. Juli 1989 der „Verein Roma“ in Oberwart ge­grün­det wurde. Read the rest of this entry »

Tschechien: Politiker leugnet Roma-KZ

Dezember 12th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Recht & Gericht

Miloslav Rozner (Foto: Pirátská strana/Wikimedia CC)Holocaust-Leugnung: Tschechische Polizei er­mit­telt ge­gen SPD-Ab­ge­ord­ne­ten Rozner

Vor mehreren Monaten hatte der tschechische Par­la­men­ta­rier Miroslav Rozner (41) mit ne­gatio­nis­ti­schen Aus­sagen über den Roma-Holocaust für Schlag­zeilen ge­sorgt. So hatte der Ab­geord­nete der rechts­extre­men Partei „Svoboda a přímá demokracie“ (SPD, deutsch: „Frei­heit und direkte Demo­kratie“) bei einer Ver­anstal­tung im De­zem­ber 2017 unter ande­rem das süd­böh­mi­sche  Roma-KZ Lety als „nicht exis­ten­tes Pseudo-KZ“ be­zeich­net und das Leid und die Ver­brechen an der dort inter­nier­ten Roma-Be­völ­ke­rung ba­gatel­li­siert (wir berich­te­ten). Es waren darauf­hin meh­rere Straf­anzeigen gegen den Politiker er­stat­tet wor­den. Nun er­ging ein for­melles An­suchen an das Ab­geordneten­haus, die par­lamen­ta­rische Immu­nität des SPD-Ab­geord­neten auf­zu­heben. Rozner selbst ist Mit­glied des Immunitäts­aus­schus­ses der Ab­ge­ord­ne­ten­kammer.

Hintergrund der geschichtsrevisionistischen Provoka­tio­nen Rozners war die Ent­schei­dung der Prager Re­gie­rung, eine Gedenk­stätte im ehe­maligen natio­nal­sozialis­ti­schen „Zi­geu­ner­lager“ Lety zu er­rich­ten. Ähn­liche fal­sche Aus­­sagen tätig­te auch der SPD-Grün­der und -Vor­­sit­­zen­­de Tomio Okamura, als er ent­gegen den histo­ri­schen Fakten be­haup­tete, dass das Lager in Lety nicht mit Stachel­­draht um­­geben ge­­wesen wäre. Die In­­sassen hät­ten sich dort sogar frei be­wegen können. In Wirk­lich­keit kamen in dem Zwangs­lager Hun­derte Roma ums Leben, Hun­derte Häft­lin­ge wurd­en von dort wei­ter nach Auschwitz-Bir­kenau de­por­tiert.

Die erst 2015 neu gegründete Partei hatte bei ihrem ersten Antreten bei nationalen Wahlen auf An­hieb 10,64 Pro­zent (22 Man­date) er­zielt. Read the rest of this entry »

Polizei geht gegen mit­tel­lo­se EU-Bür­ger vor

Dezember 7th, 2018  |  Published in Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Dieses Schreiben wurde einem "Augustin"-Verkäufer ausgehändigt – laut einem Rechtsberater ein "Einschüchterungsversuch" (Foto: derStandard.at)Kritik an Ausreiseaufforderungen für mit­tel­lo­se EU-Bür­ger: Laut Sozial­ein­rich­tun­gen wer­den Roma und ost­euro­päi­sche Bettler in Wien ver­stärkt von Frem­den­po­li­zei über­prüft

Der Standard, 7.12.2018: Die Berichte kommen, un­ab­hän­gig von­einander, aus ver­schie­denen Sozial­ein­rich­tungen (…). Im Auf­trag des Bundes­amts für Fremden­wesen und Asyl (BFA) über­prüfe die Polizei in Wien Men­schen aus ost­europäi­schen EU-Mit­glied­staaten, die dem An­schein nach mittel­los sind, zu­neh­mend eng­maschig – und for­dere sie zur Aus­reise auf – heißt es bei der NGO Bettel­lobby und der Straßen­zei­tung Augustin. Auch bei Obdach Wien, einer Toch­ter­gesell­schaft des Fonds Soziales Wien (FSW), die in der Bun­des­haupt­stadt 24 Sozial­ein­rich­tun­gen be­treibt, be­stätigt ein Spre­cher „diese Wahr­nehmung“.

„Das geht zum Beispiel so: Eine Polizeistreife hält einen Augus­tin-Stra­ßen­ver­käufer an, for­dert ihn auf, sich aus­zu­weisen, und über­prüft die Per­son. Liegt gegen diese eine rechts­kräf­tige Aus­wei­sung vor, drückt sie ihr eine In­for­ma­tion über die ‘Ver­pflich­tung zur Ausreise‘ in die Hand”“, schil­dert Bernhard Wernitznig, So­zial- und Ver­triebs­mit­arbei­ter beim Augus­tin. Viel­fach seien Roma aus der Slowakei, Ungarn, Bulgarien oder Rumänien (…) von diesen Amts­hand­lungen be­trof­fen. (…) Read the rest of this entry »

Schweden diskriminiert Armutsmigranten

November 23rd, 2018  |  Published in Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Amnesty kritisiert Schwedens Umgang mit osteuropäischen Armutsmigranten (Foto: Romea)Amnesty International kritisiert Diskriminierung gegen obdachlose europäische Zuwanderer in Schweden

Radio Dreyeckland/Focus Europa, 23.11.2918

Schwedische Behörden verweigern obdachlosen Zu­wan­de­rern/in­nen aus ande­ren EU-Staa­ten ab­sicht­lich den Zu­gang zu grund­legen­der Ver­sor­gung. Das kritisiert die Men­schen­rechts­organi­sa­tion Am­nes­ty Inter­natio­nal heute in einem neuen Be­richt. Unter den schät­zungs­wei­se rund 5.000 Be­trof­fenen seien vor allem An­gehörige der Roma-Min­derheit. Der Bericht stützt sich auf Inter­views mit Be­trof­fe­nen, die alle­samt Rumänen und mehr­heit­lich Roma sind. Amnesty Inter­natio­nal kriti­siert be­son­ders die Be­lästi­gung und Diskri­mi­nie­rung obdach­loser Zu­wan­derer durch die schwe­dische Polizei. Es gebe weiterhin anti­ziganis­ti­sche Vorurtei­le und Rassismus.

In vielen Städten fehle es obdachlosen Men­schen an Unter­künften, Wasser, Sanitär­anlagen und Ge­sund­heits­ver­sor­gung. Das habe schwer­wie­gende Folgen für ihre Gesund­heit und ihr Leben. Ohne Unter­kunft und da­mit ohne feste Adresse seien Men­schen fak­tisch vom Zugang zu Arbeit aus­ge­schlos­sen und zum Betteln ge­zwungen. Read the rest of this entry »

Stuttgart: Land verlängert Staatsvertrag

November 21st, 2018  |  Published in Politik

Staatsvertrag 2018: Staatsministerin Theresa Schopper (l.) und Daniel Strauß (r.), Vorsitzender des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma (Bild: Staatsministerium Baden-Württemberg)Baden-Württemberg verlängert Staatsvertrag mit Sinti und Roma

Die Landesregierung hat den Staatsvertrag mit dem Landes­ver­band der Deut­schen Sinti und Roma un­ter­zeich­net. Der Vertrag ist ein Be­kennt­nis zur his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung des Lan­des und der ge­mein­sa­men Zu­kunft. Die Lauf­zeit des Ver­trags wur­de auf 15 Jah­re ver­län­gert.

„Es ist mir wichtig, dass wir die gute und ver­trauens­volle Zusam­men­arbeit mit dem Landes­verband der Deutschen Sinti und Roma mit einem wei­te­ren Staats­vertrag auf rechts­ver­bind­li­cher Grund­lage fort­set­zen. Der heu­tige Staatsvertrag ist ein Bekennt­nis einer­seits zur his­tori­schen Ver­ant­wor­tung unseres Landes, aber an­derer­seits auch zu unse­rer ge­mein­sa­men Zukunft“, sag­te Staats­minis­te­rin Theresa Schopper an­läss­lich der Vertrags­unter­zeich­nung.

Der bisher geltende Staatsvertrag mit einer Laufzeit von fünf Jah­ren laufe Ende des Jah­res aus. Staats­minis­te­rin There­sa Schopper: „Mit dem Staats­vertrag von 2014 kam Ba­den-Württem­berg erst­mals um­fas­send der Auf­gabe nach, Kultur, Tradi­tion und Sprache der Min­der­heit zu schützen und zu fördern. In der Um­set­zung haben wir sehr posi­tive Er­fah­run­gen ge­macht und uns ent­schieden, die wesent­lichen Ziel­setzun­gen in den Berei­chen Bildung, Kultur, So­zia­les und Gedenken so­wie die Unter­stüt­zung der In­tegra­tion blei­be­be­rech­tigter, nicht­deut­scher Sinti und Roma im neu­en Vertrag fort­zu­führen.“ Auch die be­währte Form der Zu­sam­men­arbeit im „Rat für die An­gelegen­hei­ten deutscher Sinti und Roma in Baden-Württemberg“ blei­be er­hal­ten.

Verlängerung der Vertragslaufzeit auf 15 Jahre

„Die Erfahrung der letzten fünf Jahre hat aber auch ge­zeigt: Wir müs­sen noch eine Schippe drauf­legen, um nach­haltige Ver­bes­serun­gen zu er­zielen. Wir haben Ver­trauen in­einan­der gewon­nen. Das ist un­bezahl­bar. Und die­ses Vertrauen wol­len wir weiter stär­ken“, sagte Schop­per. Die Lauf­zeit des Ver­trags wer­de auf 15 Jahre ver­längert, um bei­den Seiten mehr Pla­nungs­sicher­heit zu geben. Read the rest of this entry »

Festakt „25 Jahre Anerkennung“

November 17th, 2018  |  Published in Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Palais Epstein (Foto: BKA, Regina Aigner)„25 Jahre Anerkennung der Roma als 6. österreichische Volksgruppe“

Festakt im Palais Epstein in Wien
20. November 2018, 18.00 Uhr

Anlässlich des 25. Jubiläums der Anerkennung der Roma als sechs­te öster­rei­chi­sche Volks­grup­pe lädt die Zweite Natio­nal­rats­prä­si­den­tin Doris Bures ge­mein­sam mit dem Kultur­verein öster­reichi­scher Roma am 20. No­vem­ber um 18 Uhr zum einem Festakt ins Palais Epstein. „Die Ge­schichte der Roma ist seit 400 Jahren eng mit der Ge­schichte Öster­reichs ver­bun­den. Vor 25 Jahren wur­den sie als sechste öster­reichi­sche Volks­gruppe an­er­kannt. Ich freue mich, dieses histo­ri­sche Jubiläum ge­mein­sam mit dem Kultur­verein öster­reichi­scher Roma im Parlament be­gehen zu kön­nen“, be­tont Bures.

Nach der Begrüßung der Gäste durch die Zweite National­rats­präsi­dentin und Christian Klippl, Ob­mann des Kultur­vereins öster­reichi­scher Roma, liest Schau­spie­le­rin Mercedes Echerer aus dem Buch „ROMA – Öster­reichi­sche Volks­gruppe: Von der Ver­fol­gung bis zur An­erken­nung“ von Rudolf Sarközi. Im An­schluss gibt es eine Dis­kus­sions­runde mit Gerhard Baumgartner (wis­sen­schaft­li­cher Leiter des DÖW), Em­merich Gärt­ner-Hor­vath (Vor­sitzen­der des Volks­gruppen­beirats der Roma) und Hannah Lessing (Ge­ne­ral­sekre­tärin des National­fonds der Re­publik Österreich). Die Mo­dera­tion über­nimmt Serdar Erdost, für die musi­ka­lische Um­rah­mung sorgt Ondrej Janoska.

(Text: Pressedienst der Parlamentsdirektion)

„Hoch lebe die Republik Europa!“

November 12th, 2018  |  Published in Politik, Romani

Susanne Horvath verliest das Manifest auf Roman (Foto: Clemens Prinz) In Kemeten wurde die Republik Europa ausgerufen – auch auf Burgenland-Romani

„Wenn einmal in vielen Vorgärten die Euro­pa­fahne weht, wird kei­ner mehr Angst ha­ben müs­sen …“

Hundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs und acht­zig Jahre nach der Reichs­pogrom­nacht, in der Synago­gen und jüdische Ge­schäfte in Österreich und Deutsch­land zer­stört wur­den, rief man heuer euro­pa­weit die Republik Europa aus. Die­ses Pro­jekt war eine Idee der Politik­wis­sen­schaft­le­rin Ulrike Guérot und des Schrift­stel­lers Robert Menasse, der von seinem „Balkon­projekt“ vor drei Wo­chen auch im OHO Oberwart er­zählte. Im Burgenland fand dieser Auf­bruch in ein neues Europa nur an zwei Or­ten, in Ober­pullen­dorf und in Kemeten statt. Ein kleine Grup­pe leiden­schaft­li­cher Euro­päer traf sich in der Rosen­gasse zur vier­sprachi­gen Ver­lesung des Mani­fests zur Grün­dung der Republik Europa. Die Ver­anstal­ter des Events leben einen drei­sprachi­gen Alltag, des­wegen war für sie die Mehr­sprachig­keit der Ver­anstal­tung selbst­ver­ständ­lich. Die Gast­gebe­rin Timea Türk erklärte: „Heute leben fast acht Mil­liar­den Men­schen auf der Welt und mehr als die Hälfte ver­wendet zwei oder mehr Sprachen je­den Tag und jede Stunde. Nach­dem das auch bei uns zu­hause so ist, und das Burgen­land in seiner eth­ni­schen Viel­falt im Klei­nen ist, was Europa im Gro­ßen ist, war es für uns selbst­ver­ständ­lich, mehr­spra­chig zu denken.“

Verlesen wurde das Manifest in den Minderheitensprachen des Burgen­lands und auf Deutsch. Susanne Horvath ließ die Euro­päi­sche Republik auf Roman, der Sprache der Bur­genlän­di­schen Roma, Timea Türk auf Ungarisch, Sigi Hajszán auf Bur­gen­land­kroatisch und Clemens Prinz auf Deutsch er­stehen. Nach der Ver­lesung wurde noch zu den Klängen der Europa­hymne die Europa­fahne vom jüngsten Teil­neh­mer der Ver­anstal­tung, Matthias Prinz, ge­hisst. Read the rest of this entry »