Plovdiv: Kulturhauptstadt ohne Roma
März 7th, 2019 | Published in Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Unerwünscht und rausgestrichen
„Am Anfang standen in Plovdiv Inklusionsversprechen. Als die Ausschreibung durch war, blieb vom schönen Schein der Integration nichts mehr übrig. Hinter den Kulissen wurden Roma systematisch benachteiligt, bis heute sind wichtige Projektversprechen nicht eingelöst.“ Aus Bulgarien berichtet Andreas Kunz für Ostpol.de über „eine Europäische Kulturhauptstadt, die einen Teil ihrer Bürger am liebsten verstecken möchte“. → Zum Artikel
Und auch Rayna Breuer berichtete in einem Beitrag für die Deutsche Welle anlässlich der Eröffnungsfeier, dass viele Roma-Projekte, mit denen Plovdiv bei der Bewerbung als Kulturhauptstadt gepunktet hatte, inzwischen aus dem Programm verschwunden sind:
Ein zentrales Thema der Bewerbung war der Fokus auf die ethnischen Minderheiten in Plovdiv, vor allem auf die Roma-Bevölkerung. Stolipinovo, ein Stadtteil von Plovdiv und das größte Roma-Viertel auf dem Balkan, sollte ebenfalls Teil des Kulturprogramms im kommenden Jahr sein. „Wir glauben daran, dass die Kultur die Fähigkeit hat, soziale Veränderungen zu erzeugen. Die meisten Jugendlichen, die in Stolipinovo leben, haben das Viertel nie verlassen, auf der anderen Seite haben die Bewohner aus Plovdiv diesen Stadtteil nie besucht“, sagt Manol Peykov (Anm.: inzwischen aus Protest zurückgetretenes Mitglied der Stiftung „Plovdiv 2019“). „Aber die Politiker sagten, dass wir unseren Hinterhof vor dem ausländischen Publikum nicht zeigen sollten. ‘Wieso die Roma‘, haben sie gesagt. ‘Wir haben doch auch andere Ethnien hier‘ – und so wurde unsere Idee abgelehnt und Projekte gestoppt“. Unter dem Motto „Together“ sollte auf die Lage der Roma und den schwierigen sozialen Zusammenhalt hingewiesen werden. Durch Kultur Konflikte überwinden, das war das Thema, was die Jury überzeugte und Plovdiv den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2019 einbrachte. Das Motto blieb. Die Projekte nicht.