„Hoch lebe die Republik Europa!“

November 12th, 2018  |  Published in Politik, Romani

Susanne Horvath verliest das Manifest auf Roman (Foto: Clemens Prinz) In Kemeten wurde die Republik Europa ausgerufen – auch auf Burgenland-Romani

„Wenn einmal in vielen Vorgärten die Euro­pa­fahne weht, wird kei­ner mehr Angst ha­ben müs­sen …“

Hundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs und acht­zig Jahre nach der Reichs­pogrom­nacht, in der Synago­gen und jüdische Ge­schäfte in Österreich und Deutsch­land zer­stört wur­den, rief man heuer euro­pa­weit die Republik Europa aus. Die­ses Pro­jekt war eine Idee der Politik­wis­sen­schaft­le­rin Ulrike Guérot und des Schrift­stel­lers Robert Menasse, der von seinem „Balkon­projekt“ vor drei Wo­chen auch im OHO Oberwart er­zählte. Im Burgenland fand dieser Auf­bruch in ein neues Europa nur an zwei Or­ten, in Ober­pullen­dorf und in Kemeten statt. Ein kleine Grup­pe leiden­schaft­li­cher Euro­päer traf sich in der Rosen­gasse zur vier­sprachi­gen Ver­lesung des Mani­fests zur Grün­dung der Republik Europa. Die Ver­anstal­ter des Events leben einen drei­sprachi­gen Alltag, des­wegen war für sie die Mehr­sprachig­keit der Ver­anstal­tung selbst­ver­ständ­lich. Die Gast­gebe­rin Timea Türk erklärte: „Heute leben fast acht Mil­liar­den Men­schen auf der Welt und mehr als die Hälfte ver­wendet zwei oder mehr Sprachen je­den Tag und jede Stunde. Nach­dem das auch bei uns zu­hause so ist, und das Burgen­land in seiner eth­ni­schen Viel­falt im Klei­nen ist, was Europa im Gro­ßen ist, war es für uns selbst­ver­ständ­lich, mehr­spra­chig zu denken.“

Verlesen wurde das Manifest in den Minderheitensprachen des Burgen­lands und auf Deutsch. Susanne Horvath ließ die Euro­päi­sche Republik auf Roman, der Sprache der Bur­genlän­di­schen Roma, Timea Türk auf Ungarisch, Sigi Hajszán auf Bur­gen­land­kroatisch und Clemens Prinz auf Deutsch er­stehen. Nach der Ver­lesung wurde noch zu den Klängen der Europa­hymne die Europa­fahne vom jüngsten Teil­neh­mer der Ver­anstal­tung, Matthias Prinz, ge­hisst. Auch nach sei­nen Motiven be­fragt, meinte der 11-Jäh­rige: „Ich werde noch min­destens 80 Jahre auf diesem Kon­tinent leben und will das in Frieden tun und ohne Hass. Nie­mand ist besser oder schlech­ter, weil er zu­fällig irgend­wo ge­boren wur­de oder die eine oder an­de­re Sprache spricht.“

Auch der in Kemeten ansässige Profil-Mitbegründer und lang­jäh­rige Standard-Mit­arbei­ter Erhard Stackl lab­te sich nach dem Fest­akt am Kessel­gulasch. Seine Teil­nahme be­grün­dete er mit den Wor­ten: „In einer Zeit, in der uns die Natio­nalis­ten im­mer vehe­men­ter die fal­sche Lösung ein­reden wol­len, dass unsere Zukunft in Isola­tion, Ab­schot­tung und ras­sistischem Über­legen­heits­denken gegen­über ande­ren Men­schen liegt, ist die EU-weite Kunst­aktion, mit der die Re­publik Europa aus­geru­fen wird, ein schönes und posi­tives Signal dafür, wohin die Reise eigent­lich ge­hen soll­te: Hin zu einem gemein­sa­men, demokra­ti­schen, sozialen und rechts­staat­lichen Europa für alle Men­schen, die hier leben. Mit der Pro­kla­ma­tion dieser Idee in al­len im Burgenland gän­gigen Sprachen haben wir in Kemeten un­seren eigen­ständigen Bei­trag dazu ge­leistet.“

Die Europäische Republik ist kein Staat der Konzerne und der In­tegra­tion von Natio­nal­staaten. Sie ist eine Ge­mein­schaft der Men­schen, un­ab­hän­gig von Her­kunft und Sprache. Sie ist Eigen­verantwortung, denn unser Schick­sal liegt al­leine in unse­ren eige­nen Händen.

(Text: Clemens Prinz | www.meinbezirk.at)

Comments are closed.