Roma-Genozid: Deutschland sichert Gräber

Dezember 19th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Deutschland: Delgation des Zentralrates mit Ministerin Giffey im Bundesrat, 14.12.2018 (Foto: Bund-Länder-Vereinbarung zum dauer­haf­ten Erhalt der Grab­stät­ten NS-ver­folg­ter Sinti und Roma unter­zeich­net. Romani Rose: „Ein his­to­ri­scher Tag für die Min­der­heit.“

Am Freitag wurde im Rahmen eines feierli­chen Staats­aktes im Bundesrat an­läss­lich des jähr­li­chen Gedenkens an den NS-Völker­mord an den Sinti und Roma die „Bund-Länder-Ver­ein­ba­rung be­tref­fend den Erhalt der Gräber der unter der natio­nal­sozia­lis­ti­schen Gewalt­herr­schaft ver­folg­ten Sinti und Roma“ durch Bundes­minis­te­rin Dr. Giffey für die Bundes­regierung unter­zeich­net. Zuvor hatten am 5. De­zem­ber 2018 die Minister­prä­siden­tin­nen und Minis­ter­prä­si­den­ten der Länder wäh­rend der Minis­ter­präsi­den­ten­kon­fe­renz in Berlin die Ver­einba­rung ge­zeichnet. Mit dieser Ver­ein­barung wurde der am 8. De­zem­­ber 2016 durch die Bundes­kanz­lerin und die Regie­rungs­chefin­nen und -chefs der Länder ver­ab­schie­dete Be­schluss zum dauer­haf­ten Erhalt der Grab­stätten jetzt in eine bundes­ein­heit­liche Re­gelung um­ge­setzt, die mit der heu­ti­gen Unter­zeich­nung in Kraft tritt.

An der feierlichen Unterzeichnung der Bund-Länder-Ver­einbarung nah­men ne­ben Bundes­rats­prä­si­dent Daniel Günther, Bun­desministerin Dr. Giffey und dem Vor­sitzen­den des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, die Mi­nis­ter­prä­siden­tin­nen und Minister­präsi­denten der Länder, Ver­treter der beiden großen Kirchen und des Städtetags, die Vor­stände des Zentral­rats und seiner Landes­ver­bände sowie Über­le­bende des Holocaust teil.

„Nach den langen Verhandlungen des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma mit Bund, Ländern und Kom­mu­nen ist der heu­tige Tag für den Zentralrat und für die ge­sam­te Minder­heit ein histo­ri­sches Datum. Mit dieser Ver­einba­rung werden die Grabstätten von Über­le­ben­den des NS-Völker­mords in den Kom­munen und in den Städten als Fami­lien­gedächtnis­stätten und als öf­fent­liche Lern­orte für die nach­kom­men­den Genera­tionen dauer­haft er­halten. Mit dem Erhalt der Grab­stätten wird das ehren­de Gedenken an un­sere Men­schen, die im National­sozia­lis­mus ver­folgt und er­mordet wor­den sind, ge­wahrt und an das schlimme Schick­sal unserer Minder­heit im Holocaust er­innert“, so der Vor­sit­zende des Zentral­rats, Romani Rose, heu­te im Bundesrat.

„Mein Dank gilt der Bundeskanzlerin und allen Minister­präsiden­tin­nen und Minister­präsiden­ten der Länder und ins­be­son­dere dem Deutschen Städtetag so­wie den bei­den gro­ßen Kirchen, die uns bei diesem wich­tigen An­liegen ge­schlos­sen unter­stützt haben. Beson­derer Dank gilt Bundes­minis­terin Giffey und den Mit­arbei­tern ihres Hauses, die die komple­xen Ver­hand­lun­gen zu diesem guten Er­gebnis ge­führt haben“, so Rose weiter.

Für die Familien der Sinti und Roma ist der dauer­hafte Erhalt der Grab­stätten als Familien­gedächt­nis­stätten und als ge­schütz­te Gedenkorte von gro­ßer Be­deu­tung, auch weil es für die meis­ten ihrer im Natio­nal­sozialis­mus ermor­deten An­gehö­rig­en nir­gend­wo eine Grabstelle gibt. Gleich­zeitig sind diese Grab­stätten Plätze von histo­ri­scher Be­deu­tung und, auf­grund ihrer beson­de­ren Ge­schichte, öffent­liche Lernorte vor al­lem dort, wo mit beson­de­ren Grab­inschriften und -tafeln auf das Schick­sal der Bestat­teten hin­ge­wie­sen wird. Ihr Erhalt liegt in­sofern nicht nur im In­teresse der be­trof­fe­nen Familien, son­dern ist ein grund­legen­der Beitrag für die politi­sche Bildungs­arbeit und die deutsche Erinnerungs­kultur.

„Unsere Gräber sind die letzten Spuren derer, die die Schrecken des Holocaust über­lebt haben. Sie sind die Zeugen des Völkermords an den Sinti und Roma und als sol­che ein Ver­mächt­nis für unsere Demo­kratie und unse­ren Rechtsstaat“, so der Zentral­rats­vor­sitzende.

Die Kosten für den Erhalt der Gräber werden von Bund und den Ländern hälf­tig ge­teilt. Die admi­nistra­tive Um­setzung ge­währ­leistet der Bund durch das Bundes­amt für zentrale Dienste und offene Ver­mögens­fragen (BADV).

(Text: Jara Kehl/Zentralrat)

Siehe auch:
Gemeinsame Erklärung in Thüringen, 4.5.2017
Deutschland: Erhalt von Roma-Gräbern, 21.12.2016
Dauerhafter Erhalt der Grabstätten, 12.10.2016
Sinti- und Roma-Gräber erhalten!, 12.7.2014

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