Oktober 30th, 2018 |
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Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)
Terno dschend 2018
Bücherherbst | Kenvakero terno dschend
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Das mediale Interesse an Roma-Themen ist zwar merklich geschwunden – nicht jedoch bei Büchern. Im Gegenteil: Eine ganze Palette lesenswerter Neuerscheinungen gelangte in den letzten Monaten in den Buchhandel. Grund genug, uns einmal ausführlich dem Thema „Bücher“ zuzuwenden. Den Anfang macht Wolfgang Freitag, Redakteur der „Presse“-Feuilletonbeilage „Spectrum“. Er stellt in einem Gastbeitrag seine historische Recherche über einen tragischen Justizfall der Nachkriegsjahre vor („Der Fall Karl Horvath“). Michael Teichmann traf sich mit dem Ethnologen Michael Archan, der im Autorengespräch von seiner Studie „Der gute und der gläubige Gitano“ berichtet: Ein unsichtbarer Riss zieht sich demnach durch die katalanische Gitano-Gemeinschaft, in der Archan selbst monatelang gelebt hat. Roman Urbaner hat „Andere Akkorde“, den jüngsten Roman der bekannten jenischen Autorin Simone Schönett, gelesen, in dem es um die Vision einer friedfertigen Roma-Revolte geht, und hat dabei einige geschichtliche und literarische Vorläufer entdeckt. Und ein Hinweis auf eine liebevoll gestaltete Anthologie moderner Roma-Lyrik schließt diese Ausgabe ab: „Die Morgendämmerung der Worte“.
O medijali interesi upro Romengere- temtscha tschuleder ulo – ham na uso kenvi. Avrijal hi: But neve kenvi ando lejcti masektscha ando kenvakere boti te lakel hi. Jek koja, amen jefkar soraleder la temake „kenvi“ use te irinel. O kesdipe kerel o Wolfgang Freitag, pisimaschi le „Spectrumistar“, le use paschlime pisinipestar le diveseskere papruschane nevipestar „Presse“. Read the rest of this entry »
Oktober 29th, 2018 |
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Jugend & Bildung, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Deutschland: Über engagierte junge Roma und Sinti wird nicht berichtet
Stellungnahme von Amaro Foro e.V. anlässlich der Fachtagung „Antiziganismus in den Medien“
Erfolgreiche Durchführung des größten Zusammenkommens junger Roma und Sinti, doch die Medien ignorieren die Bundesjugendkonferenz 2018 und vergeben die Chance auf ein Zeichen gegen Rassismus und für Solidarität und Vielfalt.
Vom 28. 9. bis 1. 10. 2018 fand die diesjährige Bundesjugendkonferenz der Roma und Sinti in Berlin statt. Sie wurde von Amaro Drom e.V. und Amaro Foro e.V. organisiert und mit großer Unterstützung durch Terne Rroma Südniedersachsen e.V., die Roma-Jugend Initiative Northeim sowie Romano Sumnal e.V. aus Sachsen umgesetzt. Die Veranstaltung war auch dieses Jahr ein großer Erfolg. In den zweitägigen Workshops und dem teils öffentlichen Abendprogramm diskutierten die Teilnehmer*innen ihre Ziele und Visionen für eine solidarische Gesellschaft der Vielen und vernetzten sich, um dieser Vision gemeinsam näherzukommen.
Die zahlreich eingeladene Presse blieb der Veranstaltung fern.* Schon in den vergangenen Jahren tat sich die Presse schwer damit, der größten bundesweiten Veranstaltung junger Roma und Sinti (gegendert Rom*nja und Sinti*zze) einen Nachrichtenwert abzugewinnen. Wenn in einer Presseeinladung von Rom*nja und Sinti*zze in Deutschland Schlagworte wie „Betteln“, „Kriminalität“, „Obdachlosigkeit“, „Horrorhaus“ oder „Diskriminierung“ fehlen, scheint es kein Interesse zu geben, egal wie aktuell und politisch relevant die Inhalte der Veranstaltung sein mögen. Rom*nja und Sinti*zze sind für deutsche Medien vor allem dann interessant, wenn sie als passive Opfer präsentiert oder als kriminell dargestellt werden können. Wollen sie jedoch selbst zu Wort kommen, um ihre Geschichten und politischen Ziele in die Öffentlichkeit zu tragen, passen sie nicht mehr in die Schablonen, die ihnen die Medien offenbar zuweisen – und werden ignoriert.**
Schon bei der Bundesjugendkonferenz 2015 in Niedersachsen wurde in lokalen Zeitungen zwar über das zeitgleich stattfindende Erntedankfest eines nahegelegenen 200-Seelen-Dorfes, nicht aber über das Treffen politisch engagierter Jugendlicher der größten Minderheit Europas berichtet. Read the rest of this entry »
Oktober 27th, 2018 |
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Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
„Wenn die anderen Zigeuner sagen, schäme ich mich!“
Eine Radiogeschichte über Sinti und Roma
KiRaKa: WDR-Kinderhörspiel | 22.10.18 | 50 Min.
Für Kinder ab 10 Jahren | →zur Sendung
Geta ist zwölf und kommt aus Rumänien. Seit vier Jahren wohnt sie in der Dortmunder Nordstadt. Sie findet Deutschland schön, geht gern zur Schule und träumt davon, einmal Ärztin zu werden. Nur eines mag sie gar nicht: Wenn andere Schüler sie „Zigeuner“ nennen. Geta gehört zu den Roma, einem Volk, das vor fast 1.000 Jahren nach Europa gekommen ist. Gegen keine andere Gruppe gibt es so viele Vorurteile. Die Bezeichnung „Zigeuner“ für Roma oder Sinti wurde oft als Schimpfwort gebraucht: Man meinte damit Leute, die fremd, kriminell und gefährlich waren. Wozu solche Feindbilder führen können, hat die Verfolgung der Minderheit im Nationalsozialismus gezeigt: Hunderttausende wurden ermordet. Auch heute noch fühlen sich sogar Sinti und Roma, deren Familien seit Generationen in Deutschland sind, wie Menschen zweiter Klasse.
In unserer Radiogeschichte geht es um alte und neue Vorurteile, die Geschichte dieses Volkes, seine Sprache und Kultur und darum, wie Sinti- und Roma-Kinder heute in Deutschland leben.
(Sendung: Christiane Kopka | Text: wdr.de)
Oktober 25th, 2018 |
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Interview, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Radio Corax | Sendung vom 23.10.2018
11:02 min | mp3 | 20 MB | →Anhören
Am 21. August letzten Jahres titelt das Hallesche Lokalblatt „Mitteldeutsche Zeitung“: „Brennpunkt Schlosserstraße – Anwohner klagen über Roma-Familien“. Die ersten Sätze des Artikels lauten „Es ist eher ruhig an diesem Abend in der Schlosserstraße. Roma-Frauen mit Kindern huschen auf dem Gehweg vorbei.“ Danach zitiert der Journalist unzählige Anwohnerinnen und Anwohner, die sich über die Zustände in dem Wohngebiet beschweren und die auch die Schuldigen für diese Situation kennen: Roma. Im Laufe des Artikels kommt keiner der als Roma bezeichneten Menschen zu Wort. Stattdessen werden ihnen fehlendes Ordnungsbewusstsein, Zuhälterei und Kindesmisshandlung vorgeworfen. Bilder, die die Mehrheitsgesellschaft hat, werden unkommentiert wiedergegeben und damit reproduziert. Solche Muster untersucht eine Tagung am 24. Oktober in Berlin stattfindet. Sie trägt den Titel „Antiziganismus in den Medien“ (wir berichteten). Mitorganisiert hat sie Andrea Wierich, die mit Radio Corax gesprochen hat.
(Text: freie-radios.net, CC BY-NC-SA 2.0 DE)
Oktober 24th, 2018 |
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Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
Welchen Beitrag können die großen, repräsentativen Wiederholungsbefragungen in Deutschland leisten, um Diskriminierung zu messen? Auf einer Fachkonferenz der Antidiskriminierungsstelle des Bundes wurde hierzu eine neue Expertise vorgestellt.
Sind die vorhandenen Erhebungsinstrumente geeignet, um Personengruppen mit hohem Diskriminierungsrisiko entlang aller im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) genannten Merkmale statistisch sichtbar zu machen? Und welche Grundsätze müssen bei der Erhebung von Antidiskriminierungsdaten aus Sicht der Zivilgesellschaft beachtet werden? Diesen und weiteren Fragen sind Dr. Anne-Luise Baumann, Vera Egenberger und Dr. Linda Supik in ihrer Expertise „Erhebung von Antidiskriminierungsdaten in repräsentativen Wiederholungsbefragungen – Bestandsaufnahme und Entwicklungsmöglichkeiten“ nachgegangen.
Die Expertise liefert einen systematischen Überblick, welche diskriminierungsrelevanten Inhalte in insgesamt 20 bundesweit repräsentativen Wiederholungsbefragungen (u.a. Mikrozensus, Sozio-oekonomisches Panel, Deutscher Alterssurvey, Erhebungen aus dem Bereich des Gesundheitsmonitorings) enthalten sind. Darauf aufbauend werden Datenlücken aufgezeigt und Vorschläge präsentiert, welche Weiterentwicklungen für eine Diskriminierungsberichterstattung, die dem Schutzanspruch des AGG entspricht, notwendig wären.
Die Autorinnen stellen unter anderem fest, dass bisher im Rahmen dieser Erhebungen nicht systematisch das Ziel verfolgt wurde, Daten für eine umfassende Diskriminierungsberichterstattung, die dem Schutzanspruch des AGG entspricht, zu liefern. Read the rest of this entry »
Oktober 23rd, 2018 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen
Teateriskero projekto | Theaterprojekt:
Talkshow 1933 – Und welche Augenfarbe haben Sie?
Do., 8.11.2018, 20:00 Uhr – Premiere
Offenes Haus Oberwart, Lisztg. 12
Eine Talkshow im Jahr 1933. Die Fernsehmoderatorin diskutiert mit ihren Studiogästen die Frage: Was tun mit einer im Land unerwünschten Minderheit? Politiker bieten Lösungsvorschläge an: Entzug der Bürgerrechte, Zwangsarbeit, Inselinternierung. Inhaltliche und sprachliche Parallelen zu heute werden sichtbar. Die Geschichte wird zur Gegenwart. Historische und textliche Grundlage bildet die „Verhandlungsschrift über die am 15. Jänner 1933 in Oberwart abgehaltene Tagung zur Zigeunerfrage im Burgenland“. An dieser Konferenz nahmen namhafte Politiker und hochrangige Beamte teil. Ziel war es, Lösungen für das so genannte Zigeunerproblem auszuarbeiten.
Text: Petra Piuk; Regie: Angelika Messner
Eine Produktion der ThIB – Theaterinitiative Burgenland, Offenes Haus Oberwart und der Roma-Volkshochschule Burgenland
Weitere Termine:
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Oktober 20th, 2018 |
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Rassismus & Menschenrechte
RAN: Der 17-jährige Goszko sammelte am 9. Oktober mit seinem Großvater in Montana, Bulgarien, Heu, als ein Mann mehrere Male auf den Jungen schoss. Kurz danach erlag er seinen Wunden. Der Großvater erkannte den mutmaßlichen Täter. Er hatte die beiden und eine weitere Person bereits einmal bedroht. Ein 38-jähriger Mann wurde verhaftet. Er ist Eigentümer eines Grundstücks, auf dem der Junge und sein Großvater Feuerholz sammelten. In seinem Besitz wurden mehrere illegale Waffen gefunden.
Wie das European Roma Rights Centre (ERRC) berichtet, ist es nicht das erste Mal, dass Roma beim Sammeln von Holz oder Heu getötet wurden. Letztes Jahr ist in Rumänien ein Rom von Polizisten beim Sammeln von Feuerholz erschossen worden. Ebenfalls letztes Jahr wurde ein Rom von der Polizei getötet, der sich laut Polizei seiner Verhaftung widersetzte. Read the rest of this entry »
Oktober 18th, 2018 |
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Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen
Bilder vernachlässigter Europäer
Galerie im Körnerpark: bis 9.1.2019
Schierker Str. 8, 12051 Berlin
(tgl. 10 bis 20 Uhr, Eintritt frei)
Seit über 20 Jahren lenkt der Fotograf Nihad Nino Pušija den Blick auf die Lebensrealitäten der über ganz Europa verstreut lebenden Roma. In der Ausstellung, die zum Europäischen Monat der Fotografie eröffnet wird, zeigt Pušija vor allem neue Serien, in denen der Fokus auf kreativen Menschen liegt, die zwischen den Kulturen pendeln. Ob es sich dabei um die Mitglieder einer Band in Brünn handelt, die im Alltag als Polizisten arbeiten, um mehrfach von der Abschiebung bedrohte Rapper und Aktivisten in Essen, um einen alten Flamenco-Tänzer, der in Sevilla ein leerstehendes Kulturhaus belebt – stets geht es Pušija nicht um „die Geflüchteten“, „die Migranten“, sondern um Individuen jenseits der üblichen Stereotype.
In seinen Fotografien setzt sich Pušija mit antiziganistischen Vorurteilen und politischen Herausforderung wie Abschiebung und Integration auseinander. Dabei hebt er jedoch nie den moralischen Zeigefinger, sondern bettet diese Themen – oft durchaus humorvoll – in Kontexte des alltäglichen Lebens ein.
Pušijas Porträts von Kindern und Jugendlichen gehen sensibel mit deren Suche nach Identität um. Seine Fotografien regen zur kritischen Reflexion darüber an, welche Rolle Eigen- und Fremdbilder für das Selbstverständnis der Menschen in Europa spielen.
Kuratiert von Dorothee Bienert und Isabelle Stamm
Parallel zur Ausstellung erscheint bei Peperoni Books die Monografie „Nihad Nino Pušija: Down There Were The Spirit Meets The Bone“, hrsg. von Lith Bahlmann und Matthias Reichelt (mehr hier).
Begleitprogramm:
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Oktober 16th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Aus Anlass der österreichischen Ratspräsidentschaft veranstaltet Romano Centro gemeinsam mit ERGO Network (European Roma Grassroots Organisations) und dem Haus der Europäischen Union in Wien eine Podiumsdiskussion:
Diversität in der Europäischen Union – Testfall Roma in Europa
Do., 8.11 2018, 18.30 Uhr
im Haus der Europäischen Union
Wipplingerstraße 35, 1010 Wien
Roma sind die größte Minderheit Europas. Infolge des jahrhundertealten Antiziganismus der Mehrheitsgesellschaften sind Roma überproportional von Armut und sozialem Ausschluss betroffen. Um die Lebenssituation der Romabevölkerung zu verbessern und gleiche Rechte und Möglichkeiten für alle EU-Bürger_innen sicherzustellen, hat die EU-Kommission 2011 eine Rahmenstrategie zur Inklusion der Roma bis 2020 beschlossen. Darin wurden alle Mitgliedsländer verpflichtet, eigene Strategien zur Inklusion von Roma und Romnja zu entwickeln und umzusetzen. Die Verpflichtung umfasst u.a. die Definition von nationalen Zielen, die Bereitstellung der erforderlichen Mittel und die Einrichtung geeigneter Monitoringmaßnahmen. Die Kommission definierte die Bereiche Bildung, Beschäftigung, Gesundheit und Wohnen als zentral.
Im Widerspruch zu diesen Ansätzen steht der Aufstieg populistischer und rechter Gruppierungen in Europa innerhalb und außerhalb der EU. In der öffentlichen Diskussion werden Migrant_innen, geflüchtete Personen, Angehörige bestimmter Religionen oder Minderheiten wie Roma von rechten politischen Parteien zu Sündenböcken erklärt. Sie werden für soziale Probleme verantwortlich gemacht und zum Ziel verhetzender Reden und rassistischer Gewalt. Die aktuellen gewalttätigen Übergriffe auf Roma in der Ukraine, bei denen ein Mann erstochen wurde, die Ermordung eines Roma-Mädchens in Griechenland im Juni, die rassistische Prügelattacke gegen einen Rom in der Slowakei, oder die romafeindlichen Aussagen des italienischen Innenministers Salvini, der die Zählung und Deportation von Roma ankündigte, sind nur ein paar Beispiele für diese Entwicklung.
Zwei Jahre vor Abschluss der Roma-Strategie 2020, während der Vorbereitungen für die nächste Programm-Periode 2020-2027, nehmen wir die österreichische Ratspräsidentschaft zum Anlass, die bisherigen Ergebnisse der Strategie einer Bewertung zu unterziehen. Dabei gehen wir auch der Frage nach, wie der weit verbreitete Antiziganismus den Zugang zu gleichen Rechten und Chancen für Roma in Europa behindert.
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Oktober 15th, 2018 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Politik
1990 gewann die Romapartei ROI als Teil des Bürgerforums bei den ersten freien Parlamentswahlen in der Tschechoslowakei nach 1945 acht Mandate.
(Quelle/pdf)
Oktober 14th, 2018 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Brandenburg unterzeichnet gemeinsame Vereinbarung mit dem Verband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg
Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch und Petra Rosenberg, Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg, haben in Potsdam am 1. Oktober eine Vereinbarung zur Aufarbeitung, zum Gedenken und zur Zusammenarbeit unterzeichnet. Die Vereinbarung setzt den Antrag ‘Sinti und Roma – Gedenken und Handeln gegen Diskriminierung‘ der Fraktionen von SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen um, der im September 2017 einstimmig im Landtag Brandenburg beschlossen wurde. Kulturministerin Martina Münch:
„Vor dem Hintergrund der jahrhundertelangen Verfolgung und insbesondere des NS-Völkermordes an Sinti und Roma hat das Land Brandenburg eine besondere Verantwortung im Umgang mit dieser Minderheit. Im ‘Dritten Reich‘ wurden rund 500.000 Sinti und Roma aus ganz Europa in Gaskammern ermordet, durch Schwerstarbeit umgebracht oder bei Menschenversuchen zu Tode gequält – weniger als 5.000 überlebten die Gräuel in den Ghettos und Konzentrationslagern. Wir erinnern an diese Geschichte und bekennen uns zu unserer Verantwortung, daraus Lehren zu ziehen. Mit der Aufnahme einer Antirassismus-Klausel in die Landesverfassung hat das Land 2013 bereits ein deutliches Signal gegen die Diskriminierung von bestimmten Gruppen in der Bevölkerung, darunter auch den Sinti und Roma, gesetzt. Mit der neuen Vereinbarung wollen wir die Aufarbeitung von Verfolgung und Verbrechen gegenüber dieser Minderheit in der Vergangenheit verbessern, das Verständnis für ihre Identität und Kultur weiter fördern sowie ihren Schutz und ihre Teilhabe in der heutigen Gesellschaft stärken.
Landesverbandsvorsitzende Petra Rosenberg begrüßt die Unterzeichnung der Vereinbarung:
Ich freue mich sehr, dass wir im Rahmen der Vereinbarung die Kontakte zum Land Brandenburg intensivieren und auf eine verlässliche Basis stellen können. Die Vereinbarung ist ein wichtiger Beitrag für die Aufarbeitung der Geschichte der Verfolgung der Sinti und Roma in Deutschland aber auch der Aufklärung über unsere Kultur und Identität. Ich hoffe, dass sie dazu beiträgt, Vorurteile und Klischees auszuräumen, Diskriminierung entgegen zu wirken, das Miteinander zwischen Mehrheit und Minderheit in unserem Land zu befördern – und den Sinti und Roma Mut macht, sich künftig verstärkt und selbstbewusst in gesellschaftliche Prozesse einzubringen.
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Oktober 13th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Grundsätzlich spricht nichts gegen vorgegebene Anordnungen, wenn sie klare Orientierung bieten und damit Handlungsspielräume erweitern. Dies ist mit den aktuellen Bettelverboten nicht der Fall, da sie teilweise willkürlich interpretiert werden, sodass bettelnde Menschen nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, um nicht bestraft zu werden.
Augustin 10/2018: Es scheint, als können sie sich gar nicht richtig verhalten, weil aktuell eine ganz bestimmte Vertreibungspolitik herrscht, die sich über das Thema «Sicherheit im öffentlichen Raum» legitimiert.
Rechtlich ist das «stille Betteln» in Österreich erlaubt. Praktisch drohen aktuell vermehrt bettelnden Menschen, die ebenso EU-Bürger_innen sind, Ausweisungen und Aufenthaltsverbote, weil sie um einen Notgroschen betteln. So zum Beispiel Gabor (Name von der Redaktion geändert), der in Wien bettelte und dem nach einer Polizeikontrolle der Personalausweis abgenommen wurde. Er konnte diesen nur wieder zurückbekommen, nachdem er ein Rückfahrticket nach Ungarn vorzeigte. Laut dem Europäischen Gerichtshof muss für eine Ausweisung jedoch eine «tatsächliche und hinreichend schwere Gefährdung» vorliegen, die «ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt». In dem Fall scheint diese Praxis unverhältnismäßig und menschenverachtend.
Dies trifft auch auf die Geldsumme oder die Ersatzfreiheitsstrafe zu, die über Strafverfügungen eingefordert wird. «Pappbecher unter die Nase gehalten»: 800 Euro oder acht Tage Ersatzfreiheitsstrafe. Dabei sind die meisten dieser Strafen rechtswidrig. Read the rest of this entry »
Oktober 10th, 2018 |
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Ehrungen & Nachrufe
Heute treffen sich alle Preisträgerinnen und Preisträger des Europäischen Bürgerpreises zu einer gemeinsamen Verleihungszeremonie in Brüssel. Unter ihnen der deutsche Sinto Matthäus Weiß.
Bereits am 24. September 2018 wurde in einer öffentlichen Verleihungszeremonie im Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Berlin Matthäus Weiß vom Verband Deutscher Sinti und Roma in Schleswig-Holstein mit dem Europäischen Bürgerpreis 2018 ausgezeichnet.
In der Beschreibung zum Preis heißt es: Der Verband Deutscher Sinti und Roma des Landes Schleswig-Holstein mit seinem Vorsitzenden Matthäus Weiß hat durch herausragendes Engagement eine stärkere Integration der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein erreicht. Dies wurde durch zahlreiche Kultur- und Bildungsprojekte erreicht, die auch zu einem besseren gegenseitigen Verständnis verhalfen. Der Landesverband und sein Vorsitzender arbeiten ebenfalls eng mit der dänischen Minderheit im Landesteil Schleswig, der deutschen Minderheit in Süddänemark sowie der friesischen Volksgruppe zusammen.
In ihrer Laudation sagte Ulrike Rodust, Mitglied des Europäischen Parlaments: „Ich habe Matthäus Weiß und seinen Landesverband Deutscher Sinti und Roma für den Europäischen Bürgerpreis vorgeschlagen, weil diese Minderheit kaum eine Lobby hat. Dabei legen Sie, lieber Herr Weiß, in Schleswig-Holstein ein großartiges Engagement an den Tag, um das Zusammenleben zwischen den 6.000 deutschen Sinti und Roma in Schleswig-Holstein und der Mehrheitsgesellschaft deutlich zu verbessern. (…) Besonders wichtig ist mir, dass der Landesverband, der 2012 die Aufnahme der Sinti und Roma in die Landesverfassung erreichen konnte, eng mit den anderen Minderheiten im deutsch/dänischen Grenzland zusammenarbeitet. Diese Zusammenarbeit hat internationale Vorbildfunktion in der Minderheitenpolitik und ist richtungsweisend für ein friedliches Miteinander in Europa. Read the rest of this entry »
Oktober 8th, 2018 |
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Facts & Figures
In Elsinore in Dänemark bestanden seit 1982 separate Schulklassen für Romakinder. Diese Praxis wurde aufgrund heftiger Kritik 2004 abgeschafft.
(Quelle/pdf)
Oktober 6th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Bosnien und Herzegowina: Minderheiten bleiben weiterhin ausgeschlossen, Menschenrechtler fordern Änderung des Wahlgesetzes
Aufgrund des diskriminierenden Wahlgesetzes in Bosnien ist nur Bosniaken, Kroaten und Serben die Kandidatur für das Präsidium oder für die Völkerkammer im Staatsparlament erlaubt – nicht aber Roma und Juden (siehe auch dROMa 33).
Pressemitteilung: Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat der Regierung in Bosnien und Herzegowina (BiH) vorgeworfen, bei den bevorstehenden allgemeinen Wahlen Minderheiten auszugrenzen und zu diskriminieren. Dringend müsste die Regierung endlich den Forderungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte nachkommen und auch Angehörigen von Minderheiten die Kandidatur für höchste Staatsämter gestatten, erklärte die Menschenrechtsorganisation. „Bosnien und Herzegowina verletzt mit seiner Diskriminierung von Minderheiten die Europäische Menschenrechtskonvention“, sagte die BiH-Expertin der GfbV, Jasna Causevic. Bislang ist aufgrund des Wahlgesetzes nur Bosniaken, Kroaten und Serben die Kandidatur für das Präsidium oder für die Völkerkammer im Staatsparlament erlaubt. Am 7. Oktober 2018 finden in BiH allgemeine Wahlen statt. Nachdrücklich forderte die Menschenrechtsorganisation den Lenkungsausschuss des Friedensimplementierungsrates (Peace Implementation Council, PIC) des Daytoner Abkommens auf, sich für ein Ende der Diskriminierung im Wahlrecht einzusetzen. Diesem Rat gehören 55 Nationen und Internationale Organisationen aus aller Welt an, unter anderem auch Deutschland.
Die GfbV wies darauf hin, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte schon im Jahr 2009 in einem Urteil die Diskriminierung kritisiert hatte und eine zügige Änderung des Wahlgesetzes gefordert habe. Doch nichts sei seither geschehen, da sich die regierenden Parteien nicht auf eine einvernehmliche Änderung des Wahlrechts hätten verständigen können. Read the rest of this entry »
Oktober 5th, 2018 |
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Film & Theater, Veranstaltungen & Ausstellungen
Aufruf zur Anmeldung von Filmen
An alle Roma, Sinti, Kale, Kalderash, Lovara, Lalleri, Ursari, Beasch, Manouches, Askali, Aurari, Romanichals, Droma, Doma, Gypsies, Travellers und alle anderen Romno-Gruppen dieser Welt … 2018 findet in Berlin bereits das zweite Mal das Roma-Filmfestival statt:
AKE DIKHEA? Festival of Romani Film
6. – 10. Dezember 2018
Wir suchen dafür nach Filmen, mit denen sich Roma und Sinti identifizieren können. Es können Filme von Roma- sowie Nicht-Roma-Filmemacher*innen vorgeschlagen werden, deren Themen das Leben von Sinti und Roma in Europa betreffen und die Realität diskriminierungskritisch reflektieren.
Möglichkeiten der Anmeldung von Filmen:
FilmFreeWay: https://filmfreeway.com/AkeDikhea
Formular: http://bit.ly/akedikhea2018
Oder auch per E-Mail: info@romatrial.org
Frist für die Abgabe von Vorschlägen: 15.10.2018 (ganzer Tag)
Hintergrundinformationen:
„Ake dikhea?“ heißt übersetzt „Siehst du?“. Es ist ein selbstorganisiertes, internationales Roma-Filmfestival, das im Dezember 2018 in Berlin stattfindet. Das Festival präsentiert Berlin, Deutschland und ganz Europa aus der Sicht von Sinti und Roma: Durch welche Filme fühlen wir uns repräsentiert, welche Themen sind uns wichtig, wie sehen wir uns und wie wollen wir gesehen werden? Wir wollen nicht darauf warten, bis uns jemand eine Stimme gibt. Wir wollen selbst den gesellschaftlichen Raum mitgestalten und über die Themen und die Form der Festivalveranstaltungen entscheiden.
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Oktober 3rd, 2018 |
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Veranstaltungen & Ausstellungen
Jenischer Kulturtag 2018: 13.10.2018, ab 12:30 Uhr | Kulturbackstube, die Bäckerei Innsbruck
→Das Programm zum Download (pdf)
Früher zogen Jenische in kleinen Familienverbänden durch das Land, um den Sesshaften ihre Arbeitskraft und handwerklichen Fähigkeiten anzubieten. Als Menschen mit eigenen Lebensweisen, einer eigenen Sprache und eigenständigen kulturellen Traditionen waren sie eine soziokulturelle Minderheit, die schon früh diskriminiert und zur Sesshaftigkeit gezwungen werden sollten. Im Nationalsozialismus wurden Jenische als sogenannte Asoziale verfolgt und ermordet. Doch auch nach 1945 bis in die jüngste Vergangenheit nahm die Unterdrückung und Gewalt kein Ende, etwa durch willkürliche Gefängnisstrafen oder Kindswegnahmen durch die Jugendwohlfahrt, bei der die ihren Familien entrissenen Kinder in anerkannten Institutionen systematisch gequält, geschlagen und erniedrigt wurden. Ein dunkles Kapitel der Geschichte der Jenischen, das bis Mitte der 1980er anhielt und bis heute weiterwirkt.
Die Jenischen Kulturtage wenden sich gegen das Vergessen und treten ein für die Sichtbarmachung der jenischen Gegenwart und Vergangenheit sowie des Beitrags der Jenischen zur Tiroler Geschichte. Jenseits von herabwürdigender Stereotypisierung und der Romantisierung der fahrenden Lebensweise soll bei den Jenischen Kulturtagen ein realistischeres Bild der teils vergessenen und verschwiegenen, teils noch lebendigen Traditionen, Kultur und Lebensform gezeichnet werden. In Gesprächen und Erzählungen über damals und heute, über Dokumente und Bilder, in Form von Musik und Handwerk. Read the rest of this entry »
Oktober 2nd, 2018 |
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Literatur & Bücher, Wissenschaft
Alexandra Weiss/Karin Liebhart (Hg.): Spuren des Widerständigen. Forschung für Emanzipation und Demokratie. Eine Festschrift für Erika Thurner, Innsbruck University Press: Innsbruck 2018.
Buchpräsentation in Innsbruck: 10. Oktober 2018, 19.00 Uhr, Buchhandlung Liber Wiederin
Den Spuren des Widerständigen geht Erika Thurner in ihrer Forschung – sei es zur Arbeiterbewegung, zu Frauengeschichte und -politik oder zur Verfolgung und Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus gegenüber Roma und Sinti – nach und sie verkörpert diese Widerständigkeit als politisch positionierte und engagierte Wissenschafterin. Die Forschungsfragen, die wir stellen, sagen viel über uns aus – nicht nur als WissenschafterInnen, sondern auch über unsere Herkunft und unsere politischen Anliegen. Sie erzählen etwas darüber, ob wir Wissenschaft als Instrument der Gesellschaftsveränderung sehen oder als selbstreferentielles System, zu dem sie unter den Bedingungen neoliberaler Hochschulpolitik immer mehr wird. Erika Thurner kam zu einer Zeit in dieses System des Wissenschaftsbetriebes, in der es sich gerade öffnete oder öffnen musste für kritisches Denken – und sie nutzte diese Möglichkeit im besten Sinn einer Wissenschaft für Emanzipation und Demokratie.
Der Band versammelt Beiträge von Angelica Bäumer, Erich Hackl, Elisabeth Hussl und Beate Eder-Jordan, Heinrich Neisser, Helga Embacher, Karin Liebhart, Anton Pelinka, Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr, Reinhold Gärtner und Alexandra Weiss.
(Innsbruck University Press)
Oktober 1st, 2018 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Antiziganismus: Deutsche gegen Sinti und Roma
ARD-alpha | RESPEKT, 30.9.2018, 28 Min.
→Zum Streaming: www.ardmediathek.de
Die Volksgruppe der Sinti und Roma, die viele immer noch abwertend „Zigeuner“ nennen, ist die am stärksten abgelehnte Minderheit in Deutschland. Warum der Antiziganismus in Deutschland so verbreitet ist, zeigt die Reportage.
Keine Ethnie wird in Deutschland so stark abgelehnt wie Sinti und Roma. Warum ist das so, fragt Moderatorin Sabine Pusch in der RESPEKT-Reportage. Um mehr zu erfahren, trifft sie jugendliche Sinti und Roma und erfährt, wie sie unter Vorurteilen und Klischees leiden, die sich in Europa seit Jahrhunderten nicht geändert haben. Zusammen mit einem jungen Sinto besucht sie das NS-Dokumentationszentrum und lässt sich erzählen, was seiner Familie in Nazideutschland passiert ist. Dabei lernt sie, dass die andauernde Diskriminierung und Verfolgung dieser Volksgruppe unter den Nazis mit über einer halben Million Opfern ihren absoluten Tiefpunkt erreicht hatte – aber danach längst nicht beendet war.
Doch warum gibt es auch heute noch die gleichen Vorurteile? Vielleicht, weil die Mehrheitsgesellschaft über diese Gruppe kaum etwas weiß? Read the rest of this entry »