Archive for Oktober, 2018

dROMa 53 (2018): „Bücherherbst“

Oktober 30th, 2018  |  Published in Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)

dROMa53: "Bücherherbst" Terno dschend 2018
Bücherherbst | Kenvakero terno dschend

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Das mediale Interesse an Roma-Themen ist zwar merk­lich ge­schwun­den – nicht je­doch bei Büchern. Im Ge­gen­teil: Eine gan­ze Palet­te lesens­wer­ter Neu­erschei­nun­gen ge­langte in den letz­ten Mona­ten in den Buch­handel. Grund genug, uns ein­mal aus­führ­lich dem Thema „Bücher“ zu­zu­wen­den. Den An­fang macht Wolfgang Freitag, Re­dak­teur der „Pres­se“-Feuil­le­ton­bei­lage „Spectrum“. Er stellt in einem Gast­beitrag seine histori­sche Re­cher­che über einen tra­gi­schen Justizfall der Nach­kriegs­jahre vor („Der Fall Karl Horvath“). Michael Teich­mann traf sich mit dem Ethno­lo­gen Michael Archan, der im Autoren­ge­spräch von seiner Studie „Der gute und der gläu­bige Gitano“ be­rich­tet: Ein un­sicht­barer Riss zieht sich dem­nach durch die katala­ni­sche Gita­no-Ge­mein­schaft, in der Archan selbst mo­nate­lang gelebt hat. Roman Urbaner hat „An­dere Akkorde“, den jüngs­ten Roman der be­kann­ten jenischen Auto­rin Simone Schönett, ge­lesen, in dem es um die Vision einer fried­fer­ti­gen Roma-Re­volte geht, und hat dabei einige geschicht­liche und literari­sche Vor­läufer ent­deckt. Und ein Hin­weis auf eine liebe­voll ge­staltete Antholo­gie mo­der­ner Roma-Lyrik schließt diese Aus­gabe ab: „Die Morgen­dämme­rung der Worte“.

O medijali interesi upro Romengere- temtscha tschu­leder ulo – ham na uso kenvi. Avrijal hi: But neve kenvi ando lejcti ma­sek­tscha ando kenva­kere boti te lakel hi. Jek koja, amen jefkar sora­leder la tema­ke „kenvi“ use te irinel. O kes­dipe kerel o Wolfgang Freitag, pisi­­maschi le „Spectru­mistar“, le use pasch­lime pisini­pestar le dive­ses­kere papru­schane nevi­pestar „Presse“. Read the rest of this entry »

Medien ig­no­rie­rten Jugend­kon­fe­renz

Oktober 29th, 2018  |  Published in Jugend & Bildung, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Deutschland: Bundesjugendkonferenz 2018 (Foto: Ursula Schmidt/Amaro Foro))Deutschland: Über engagierte junge Roma und Sinti wird nicht berichtet

Stellungnahme von Amaro Foro e.V. anlässlich der Fachtagung „Antiziganismus in den Medien“

Erfolgreiche Durchführung des größten Zu­sam­men­kom­mens junger Roma und Sinti, doch die Medien ig­no­rie­ren die Bun­des­jugend­kon­fe­renz 2018 und ver­geben die Chan­ce auf ein Zei­chen ge­gen Ras­sis­mus und für Soli­dar­ität und Viel­falt.

Vom 28. 9. bis 1. 10. 2018 fand die diesjährige Bundes­jugend­kon­ferenz der Roma und Sinti in Berlin statt. Sie wurde von Amaro Drom e.V. und Amaro Foro e.V. orga­ni­siert und mit großer Unter­stützung durch Terne Rroma Süd­nieder­sachsen e.V., die Roma-Jugend Initia­tive Northeim sowie Romano Sumnal e.V. aus Sachsen um­ge­setzt. Die Ver­ans­tal­tung war auch dieses Jahr ein großer Erfolg. In den zwei­tägigen Work­shops und dem teils öffent­li­chen Abend­programm dis­kutier­ten die Teil­nehmer*in­nen ihre Ziele und Visio­nen für eine solida­rische Gesell­schaft der Vielen und ver­netzten sich, um dieser Vision gemein­sam näher­zu­kommen.

Die zahlreich eingeladene Presse blieb der Veranstaltung fern.* Schon in den ver­gan­ge­nen Jahren tat sich die Presse schwer damit, der größ­ten bundes­weiten Ver­anstal­tung junger Roma und Sinti (gegen­dert Rom*nja und Sinti*zze) einen Nachrich­ten­wert ab­zu­gewin­nen. Wenn in einer Presse­ein­ladung von Rom*nja und Sinti*zze in Deutschland Schlag­worte wie „Betteln“, „Krimina­lität“, „Obdach­losig­keit“, „Horrorhaus“ oder „Dis­kriminie­rung“ feh­len, scheint es kein In­teresse zu geben, egal wie aktuell und politisch rele­vant die Inhalte der Ver­anstal­tung sein mögen. Rom*nja und Sin­ti*zze sind für deutsche Medien vor allem dann in­teres­sant, wenn sie als passive Opfer prä­sen­tiert oder als kriminell dar­ge­stellt werden kön­nen. Wollen sie jedoch selbst zu Wort kommen, um ihre Ge­schichten und politi­schen Ziele in die Öffent­lich­keit zu tragen, passen sie nicht mehr in die Schab­lonen, die ihnen die Medien offen­bar zu­weisen – und wer­den ignoriert.**

Schon bei der Bundesjugendkonferenz 2015 in Niedersachsen wurde in loka­len Zeitungen zwar über das zeit­gleich statt­fin­den­de Ernte­dank­fest eines nahe­gelege­nen 200-See­len-Dorfes, nicht aber über das Treffen po­litisch enga­gierter Jugend­licher der größ­ten Minder­heit Europas be­richtet. Read the rest of this entry »

„Wenn die anderen Zigeuner sagen …“

Oktober 27th, 2018  |  Published in Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

KiRaKa -Kinderradiokanal des WDR„Wenn die anderen Zigeuner sagen, schäme ich mich!“

Eine Radio­ge­schichte über Sinti und Roma
KiRaKa: WDR-Kinderhörspiel | 22.10.18 | 50 Min.

Für Kinder ab 10 Jahren | zur Sendung

Geta ist zwölf und kommt aus Rumänien. Seit vier Jahren wohnt sie in der Dortmunder Nordstadt. Sie fin­det Deutsch­land schön, geht gern zur Schule und träumt da­von, ein­mal Ärztin zu wer­den. Nur eines mag sie gar nicht: Wenn an­de­re Schüler sie „Zigeuner“ nen­nen. Geta gehört zu den Roma, einem Volk, das vor fast 1.000 Jah­ren nach Europa ge­kom­men ist. Gegen keine an­dere Grup­pe gibt es so viele Vor­urteile. Die Be­zeich­nung „Zigeu­ner“ für Roma oder Sinti wurde oft als Schimpf­wort ge­braucht: Man mein­te damit Leute, die fremd, krimi­nell und ge­fähr­lich waren. Wozu solche Feind­bilder führen kön­nen, hat die Ver­folg­ung der Minder­heit im National­sozialis­mus ge­zeigt: Hun­dert­tau­sende wur­den er­mordet. Auch heute noch fühlen sich sogar Sinti und Roma, deren Fami­lien seit Ge­ne­ra­tio­nen in Deutschland sind, wie Men­schen zwei­ter Klasse.

In unserer Radiogeschichte geht es um alte und neue Vorurtei­le, die Ge­schichte die­ses Volkes, seine Sprache und Kultur und darum, wie Sinti- und Roma-Kinder heu­te in Deutsch­land le­ben.

(Sendung: Christiane Kopka | Text: wdr.de)

Radio: Antiziganismus in den Medien

Oktober 25th, 2018  |  Published in Interview, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio Corax - Freies RAdio im Raum HalleRadio Corax | Sendung vom 23.10.2018
11:02 min | mp3 | 20 MB | →Anhören

Am 21. August letzten Jahres titelt das Hallesche Lokal­blatt „Mittel­deutsche Zeitung“: „Brenn­punkt Schlos­ser­straße – An­woh­ner kla­gen über Roma-Fa­milien“. Die ers­ten Sätze des Arti­kels lau­ten „Es ist eher ruhig an diesem Abend in der Schlos­ser­straße. Roma-Frauen mit Kin­dern huschen auf dem Geh­weg vorbei.“ Da­nach zitiert der Jour­nalist un­zäh­lige An­woh­nerin­nen und An­wohner, die sich über die Zu­stände in dem Wohn­gebiet be­schwe­ren und die auch die Schul­digen für diese Situa­tion ken­nen: Roma. Im Laufe des Artikels kommt kei­ner der als Roma be­zeichne­ten Men­schen zu Wort. Statt­dessen werden ihnen feh­len­des Ordnungs­bewusst­sein, Zu­hälterei und Kindes­miss­hand­lung vor­gewor­fen. Bilder, die die Mehr­heits­gesell­schaft hat, werden un­kom­men­tiert wieder­ge­geben und damit re­produziert. Solche Muster unter­sucht eine Tagung am 24. Okto­ber in Berlin statt­findet. Sie trägt den Titel „Anti­ziganis­mus in den Medien“ (wir be­rich­te­ten). Mit­organi­siert hat sie Andrea Wierich, die mit Radio Corax ge­spro­chen hat.

(Text: freie-radios.net, CC BY-NC-SA 2.0 DE)

„Diskriminierung sichtbar machen“

Oktober 24th, 2018  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte

StudieWelchen Beitrag können die gro­ßen, re­prä­sen­ta­ti­ven Wie­der­ho­lungs­be­fra­gun­gen in Deutschland leis­ten, um Dis­kri­mi­nie­rung zu mes­sen? Auf einer Fach­kon­fe­renz der Anti­dis­krimi­nie­rungs­stelle des Bun­des wur­de hier­zu eine neue Ex­per­ti­se vor­ge­stellt.

Sind die vorhandenen Erhebungsinstrumente geeignet, um Personen­gruppen mit ho­hem Dis­krimi­nie­rungs­risiko ent­lang aller im All­gemei­nen Gleich­behand­lungs­gesetz (AGG) ge­nannten Merk­male statis­tisch sicht­bar zu ma­chen? Und wel­che Grund­sätze müs­sen bei der Erhebung von Anti­diskri­mi­nie­rungs­daten aus Sicht der Zivil­gesell­schaft be­ach­tet wer­den? Diesen und weite­ren Fragen sind Dr. Anne-Luise Baumann, Vera Egenberger und Dr. Linda Supik in ihrer Ex­per­tise „Erhebung von Anti­diskri­mi­nie­rungs­daten in reprä­sen­tati­ven Wie­der­holungs­befra­gun­gen – Be­stands­auf­nahme und Ent­wick­lungs­mög­lich­keiten“ nach­ge­gangen.

Die Expertise liefert einen systematischen Überblick, welche dis­krimi­nie­rungs­rele­vanten In­halte in ins­gesamt 20 bundes­weit re­präsen­tativen Wie­der­holungs­befra­gungen (u.a. Mikro­zensus, Sozio-oeko­no­mi­sches Panel, Deutscher Alters­survey, Er­he­bun­gen aus dem Bereich des Gesund­heits­monito­rings) ent­halten sind. Darauf auf­bauend wer­den Daten­lücken auf­ge­zeigt und Vor­schläge prä­sentiert, wel­che Weiter­ent­wick­lun­gen für eine Dis­krimi­nie­rungs­bericht­erstat­tung, die dem Schutz­anspruch des AGG ent­spricht, not­wen­dig wären.

Die Autorinnen stellen unter anderem fest, dass bisher im Rah­men dieser Erhebungen nicht sys­tema­tisch das Ziel ver­folgt wurde, Daten für eine um­fas­sende Dis­krimi­nie­rungs­bericht­er­stat­tung, die dem Schutz­anspruch des AGG entspricht, zu liefern. Read the rest of this entry »

„Talkshow 1933“ in Oberwart

Oktober 23rd, 2018  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Petra Piuk (Foto: OHO)Teateriskero projekto | Theaterprojekt:
Talkshow 1933 – Und welche Augenfarbe haben Sie?

Do., 8.11.2018, 20:00 Uhr – Premiere
Offenes Haus Oberwart, Lisztg. 12

Eine Talkshow im Jahr 1933. Die Fernseh­mode­ra­to­rin dis­ku­tiert mit ihren Studio­gästen die Frage: Was tun mit einer im Land un­er­wünsch­ten Min­der­heit? Politiker bieten Lö­sungs­vor­schläge an: Ent­zug der Bürger­rechte, Zwangs­arbeit, Insel­inter­nie­rung. Inhalt­li­che und sprach­li­che Pa­ralle­len zu heute wer­den sicht­bar. Die Geschichte wird zur Ge­gen­wart. Histo­ri­sche und text­liche Grund­lage bil­det die „Ver­handlungs­schrift über die am 15. Jänner 1933 in Oberwart ab­ge­hal­te­ne Ta­gung zur Zigeuner­frage im Burgen­land“. An die­ser Konferenz nah­men nam­haf­te Politiker und hoch­ran­gi­ge Beamte teil. Ziel war es, Lö­sun­gen für das so ge­nann­te Zi­geu­ner­problem aus­zu­ar­beiten.

Text: Petra Piuk; Regie: Angelika Messner

Eine Produktion der ThIB – Theaterinitiative Burgenland, Offenes Haus Oberwart und der Roma-Volks­hochschule Burgenland

Weitere Termine:
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Bulgarien: 17-jähriger Rom erschossen

Oktober 20th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

17-Jähriger in Bulgarien erschossen (Foto: BT-Novinite via ERRC)RAN: Der 17-jährige Goszko sammelte am 9. Okto­ber mit seinem Groß­vater in Montana, Bulgarien, Heu, als ein Mann meh­rere Male auf den Jun­gen schoss. Kurz da­nach erlag er sei­nen Wunden. Der Groß­vater erkannte den mut­maß­li­chen Täter. Er hatte die beiden und eine weite­re Person bereits ein­mal bedroht. Ein 38-jäh­riger Mann wurde verhaftet. Er ist Eigen­tümer eines Grund­stücks, auf dem der Junge und sein Groß­vater Feuer­holz sam­mel­ten. In seinem Besitz wur­den meh­rere ille­gale Waffen ge­funden.

Wie das European Roma Rights Centre (ERRC) berich­tet, ist es nicht das erste Mal, dass Roma beim Sammeln von Holz oder Heu ge­tötet wurden. Letz­tes Jahr ist in Rumänien ein Rom von Polizis­ten beim Sam­meln von Feuer­holz er­schos­sen wor­den. Eben­falls letztes Jahr wurde ein Rom von der Polizei getötet, der sich laut Polizei seiner Verhaftung wider­setzte. Read the rest of this entry »

Nihad Nino Pušija – So ist das bei uns

Oktober 18th, 2018  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Deutschland: Foto-Ausstellung in der Berliner Galerie in der Körnerstraße (Bild: Nihad Nino Pušija)Bilder vernachlässigter Europäer

Galerie im Körnerpark: bis 9.1.2019
Schierker Str. 8, 12051 Berlin
(tgl. 10 bis 20 Uhr, Eintritt frei)

Seit über 20 Jahren lenkt der Fotograf Nihad Nino Pušija den Blick auf die Lebens­reali­täten der über ganz Europa ver­streut leben­den Roma. In der Aus­stellung, die zum Euro­päi­schen Mo­nat der Fotografie er­öff­net wird, zeigt Pušija vor allem neue Serien, in denen der Fokus auf kreati­ven Men­schen liegt, die zwi­schen den Kultu­ren pen­deln. Ob es sich dabei um die Mit­glieder einer Band in Brünn han­delt, die im Alltag als Poli­zisten ar­beiten, um mehr­fach von der Ab­schie­bung be­drohte Rapper und Akti­visten in Essen, um einen al­ten Flamen­co-Tän­zer, der in Sevilla ein leer­stehen­des Kultur­haus be­lebt – stets geht es Pušija nicht um „die Ge­flüch­teten“, „die Migran­ten“, son­dern um Indivi­duen jen­seits der üb­li­chen Ste­reo­type.

In seinen Fotografien setzt sich Pušija mit antiziganisti­schen Vor­urtei­len und politi­schen Heraus­forde­rung wie Abschie­bung und Integra­tion aus­einan­der. Dabei hebt er je­doch nie den morali­schen Zeige­finger, son­dern bettet diese Themen – oft durch­aus humor­voll – in Kon­texte des all­täg­lichen Lebens ein.

Pušijas Porträts von Kindern und Jugendlichen gehen sensibel mit deren Suche nach Iden­tität um. Seine Foto­grafien regen zur kriti­schen Re­flexion darüber an, wel­che Rolle Eigen- und Fremd­bilder für das Selbst­ver­ständ­nis der Men­schen in Euro­pa spielen.

Kuratiert von Dorothee Bienert und Isabelle Stamm

Parallel zur Ausstellung erscheint bei Peperoni Books die Monografie „Nihad Nino Pušija: Down There Were The Spirit Meets The Bone“, hrsg. von Lith Bahlmann und Matthias Reichelt (mehr hier).

Begleitprogramm:

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Podiumsdiskussion: Testfall Roma in Europa

Oktober 16th, 2018  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Haus der EU in WienAus Anlass der österreichischen Rats­präsi­dent­schaft ver­­an­­stal­­tet Romano Centro ge­mein­sam mit ERGO Network (Euro­pean Roma Grass­roots Or­gani­sa­tions) und dem Haus der Euro­päi­schen Union in Wien eine Podiums­diskussion:

Diversität in der Europäischen Union – Testfall Roma in Europa

Do., 8.11 2018, 18.30 Uhr
im Haus der Europäischen Union
Wipplingerstraße 35, 1010 Wien

Roma sind die größte Minderheit Europas. In­folge des jahr­hunderte­alten Anti­ziganismus der Mehr­heits­gesell­schaf­ten sind Roma über­pro­por­tio­nal von Armut und sozia­lem Aus­schluss be­troffen. Um die Lebens­situa­tion der Roma­bevöl­ke­rung zu ver­bes­sern und glei­che Rechte und Mög­lich­keiten für alle EU-Bür­ger_in­nen sicher­zu­stel­len, hat die EU-Kom­mis­sion 2011 eine Rahmen­strate­gie zur Inklusion der Roma bis 2020 be­schlos­sen. Darin wurden alle Mit­glieds­länder ver­pflich­tet, eigene Strate­gien zur Inklu­sion von Roma und Romnja zu ent­wickeln und um­zu­setzen. Die Ver­pflich­tung um­fasst u.a. die Defi­ni­tion von natio­nalen Zielen, die Bereit­stel­lung der er­forder­lichen Mittel und die Ein­richtung ge­eigne­ter Moni­toring­maß­nah­men. Die Kom­mis­sion de­fi­nierte die Be­rei­che Bildung, Beschäf­ti­gung, Gesundheit und Wohnen als zentral.

Im Widerspruch zu diesen Ansätzen steht der Aufstieg po­pulis­ti­scher und rechter Grup­pie­run­gen in Europa inner­halb und außer­halb der EU. In der öffent­li­chen Dis­kus­sion werden Migrant_in­nen, ge­flüch­tete Per­sonen, An­gehö­rige bestimm­ter Re­ligionen oder Min­der­hei­ten wie Roma von rechten politi­schen Parteien zu Sünden­böcken er­klärt. Sie werden für soziale Probleme ver­antwort­lich ge­macht und zum Ziel ver­hetzen­der Reden und rassisti­scher Gewalt. Die aktuellen gewalttätigen Übergriffe auf Roma in der Ukraine, bei de­nen ein Mann er­stochen wurde, die Ermordung eines Roma-Mäd­chens in Griechen­land im Juni, die rassis­tische Prügel­attacke gegen einen Rom in der Slowakei, oder die roma­feind­lichen Aus­sagen des italie­ni­schen Innen­minis­ters Salvini, der die Zählung und De­porta­tion von Roma an­kün­digte, sind nur ein paar Bei­spiele für diese Ent­wicklung.

Zwei Jahre vor Abschluss der Roma-Strategie 2020, während der Vor­berei­tun­gen für die nächs­te Pro­gramm-Pe­rio­de 2020-2027, neh­men wir die öster­reichi­sche Rats­präsi­dent­schaft zum An­lass, die bis­heri­gen Er­gebnis­se der Stra­tegie einer Be­wertung zu unter­ziehen. Dabei gehen wir auch der Frage nach, wie der weit ver­brei­te­te Antiziganismus den Zu­gang zu glei­chen Rechten und Chan­cen für Roma in Euro­pa be­hin­dert.

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Facts & Figures (201)

Oktober 15th, 2018  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Politik

1990 gewann die Ro­ma­par­tei ROI als Teil des Bür­ger­fo­rums bei den ers­ten frei­en Par­la­ments­wah­len in der Tsche­cho­slo­wa­kei nach 1945 acht Man­da­te.

(Quelle/pdf)

Vereinbarung mit Land Brandenburg

Oktober 14th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Deutschland: Unterzeichnung der gemeinsamen Vereinbarung in Brandenburg (Foto: Land Brandenburg)Brandenburg unterzeichnet gemeinsame Vereinbarung mit dem Verband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg

Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch und Petra Rosenberg, Vor­sitzen­de des Landes­ver­ban­des Deut­scher Sinti und Roma Berlin-Bran­den­burg, haben in Potsdam am 1. Oktober eine Ver­ein­ba­rung zur Auf­arbe­itung, zum Gedenken und zur Zu­sammen­arbeit unter­zeichnet. Die Ver­ein­barung setzt den An­trag ‘Sinti und Roma – Ge­den­ken und Handeln gegen Dis­krimi­nie­rung‘ der Frak­tio­nen von SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen um, der im Sep­tem­ber 2017 ein­stimmig im Landtag Bran­den­burg be­schlos­sen wurde. Kulturministerin Martina Münch:

„Vor dem Hintergrund der jahr­hunderte­langen Ver­folgung und ins­beson­dere des NS-Völ­ker­mordes an Sinti und Roma hat das Land Bran­den­burg eine be­son­dere Ver­antwor­tung im Um­gang mit dieser Min­der­heit. Im ‘Dritten Reich‘ wurden rund 500.000 Sinti und Roma aus ganz Europa in Gas­kammern er­mor­det, durch Schwerst­arbeit um­gebracht oder bei Men­schen­ver­suchen zu Tode ge­quält – weniger als 5.000 über­lebten die Gräuel in den Ghettos und Kon­zentra­tions­lagern. Wir erin­nern an diese Geschichte und be­kennen uns zu unse­rer Ver­antwor­tung, daraus Lehren zu zie­hen. Mit der Auf­nahme einer Anti­rassismus-Klau­sel in die Landes­ver­fassung hat das Land 2013 bereits ein deut­liches Signal gegen die Dis­krimi­nie­rung von bestimm­ten Gruppen in der Be­völkerung, darun­ter auch den Sinti und Roma, ge­setzt. Mit der neuen Ver­ein­barung wollen wir die Auf­arbeitung von Ver­folgung und Ver­brechen gegen­über dieser Minder­heit in der Ver­gangen­heit ver­bes­sern, das Ver­ständ­nis für ihre Identität und Kultur wei­ter fördern so­wie ihren Schutz und ihre Teil­habe in der heu­ti­gen Gesell­schaft stärken.

Landesverbandsvorsitzende Petra Rosenberg begrüßt die Unterzeich­nung der Ver­ein­ba­rung:

Ich freue mich sehr, dass wir im Rahmen der Vereinbarung die Kontakte zum Land Brandenburg intensivieren und auf eine verlässliche Basis stellen können. Die Vereinbarung ist ein wichtiger Beitrag für die Aufarbeitung der Geschichte der Verfolgung der Sinti und Roma in Deutschland aber auch der Aufklärung über unsere Kultur und Identität. Ich hoffe, dass sie dazu beiträgt, Vorurteile und Klischees auszuräumen, Diskriminierung entgegen zu wirken, das Miteinander zwischen Mehrheit und Minderheit in unserem Land zu befördern – und den Sinti und Roma Mut macht, sich künftig verstärkt und selbstbewusst in gesellschaftliche Prozesse einzubringen.

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Jenseits einer Verbotslösung

Oktober 13th, 2018  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Polizisten und Bettler in WienGrundsätzlich spricht nichts gegen vor­ge­ge­be­ne An­ord­nun­gen, wenn sie klare Orien­tie­rung bie­ten und damit Hand­lungs­spiel­räume er­wei­tern. Dies ist mit den ak­tuel­len Bettel­verboten nicht der Fall, da sie teil­weise will­kür­lich inter­pre­tiert wer­den, so­­dass bet­telnde Men­schen nicht wis­sen, wie sie sich ver­halten sol­len, um nicht be­straft zu wer­den.

Augustin 10/2018: Es scheint, als können sie sich gar nicht richtig ver­halten, weil ak­tuell eine ganz be­stimm­te Ver­trei­bungs­po­li­tik herrscht, die sich über das Thema «Sicher­heit im öf­fent­li­chen Raum» le­gi­ti­miert.

Rechtlich ist das «stille Betteln» in Österreich erlaubt. Prak­tisch drohen ak­tuell ver­mehrt bettelnden Men­schen, die eben­so EU-Bür­ger_in­nen sind, Aus­weisun­gen und Auf­enthalts­verbote, weil sie um einen Not­groschen betteln. So zum Bei­spiel Gabor (Name von der Re­daktion ge­ändert), der in Wien bettelte und dem nach einer Polizei­kontrolle der Personal­ausweis ab­ge­nommen wurde. Er konnte diesen nur wie­der zurück­be­kom­men, nach­dem er ein Rück­fahr­ticket nach Ungarn vor­zeigte. Laut dem Europäi­schen Gerichts­hof muss für eine Aus­weisung jedoch eine «tat­säch­liche und hin­reichend schwere Ge­fährdung» vor­liegen, die «ein Grund­interesse der Gesell­schaft be­rührt». In dem Fall scheint diese Praxis un­ver­hält­nis­mäßig und men­schen­ver­achtend.

Dies trifft auch auf die Geldsumme oder die Ersatz­freiheits­strafe zu, die über Straf­ver­fügungen ein­ge­fordert wird. «Papp­becher unter die Nase ge­halten»: 800 Euro oder acht Tage Ersatz­freiheits­strafe. Dabei sind die meisten dieser Strafen rechts­widrig. Read the rest of this entry »

Europäischer Bürgerpreis an Matthäus Weiß

Oktober 10th, 2018  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Preisverleihung an Matthäus Weiß (Foto: Minderheitensekretariat)Heute treffen sich alle Preisträgerin­nen und Preis­trä­ger des Euro­päi­schen Bür­ger­preises zu einer ge­mein­sa­men Ver­leihungs­zere­monie in Brüssel. Unter ihnen der deut­sche Sinto Matthäus Weiß.

Bereits am 24. September 2018 wurde in einer öffentli­chen Ver­lei­hungs­zere­monie im Ver­bin­dungs­büro des Euro­pä­i­schen Parla­ments in Berlin Matthäus Weiß vom Ver­band Deutscher Sinti und Roma in Schles­wig-Hol­stein mit dem Euro­päi­schen Bürger­preis 2018 aus­ge­zeichnet.

In der Beschreibung zum Preis heißt es: Der Verband Deutscher Sinti und Roma des Lan­des Schleswig-Hol­stein mit seinem Vor­sitzen­den Matthäus Weiß hat durch heraus­ragen­des Engage­ment eine stär­kere Integra­tion der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein er­reicht. Dies wurde durch zahl­reiche Kultur- und Bil­dungs­pro­jekte er­reicht, die auch zu einem besseren gegen­seitigen Ver­ständ­nis ver­halfen. Der Landes­verband und sein Vor­sitzen­der ar­bei­ten eben­falls eng mit der dänischen Min­der­heit im Landes­teil Schles­wig, der deut­schen Min­der­heit in Süd­dänemark sowie der friesi­schen Volks­gruppe zu­sammen.

In ihrer Laudation sagte Ulrike Rodust, Mitglied des Europäi­schen Parla­ments: „Ich habe Matthäus Weiß und seinen Lan­des­verband Deut­scher Sinti und Roma für den Euro­päi­schen Bürger­preis vor­geschla­gen, weil diese Minder­heit kaum eine Lobby hat. Dabei legen Sie, lieber Herr Weiß, in Schles­wig-Holstein ein groß­arti­ges Engage­ment an den Tag, um das Zu­sam­men­leben zwi­schen den 6.000 deutschen Sinti und Roma in Schles­wig-Holstein und der Mehr­heits­gesell­schaft deut­lich zu ver­bessern. (…) Be­sonders wichtig ist mir, dass der Landes­verband, der 2012 die Auf­nahme der Sinti und Roma in die Landes­verfassung er­reichen konnte, eng mit den ande­ren Min­der­heiten im deutsch/dä­nischen Grenz­land zu­sammen­arbei­tet. Diese Zu­sam­men­arbeit hat inter­natio­nale Vorbild­funk­tion in der Min­der­heiten­politik und ist rich­tungs­wei­send für ein fried­liches Mit­einan­der in Europa. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (200)

Oktober 8th, 2018  |  Published in Facts & Figures

In Elsinore in Dänemark be­stan­den seit 1982 se­pa­ra­te Schul­klas­sen für Ro­ma­kin­der. Die­se Pra­xis wur­de auf­grund hef­ti­ger Kri­tik 2004 ab­ge­schafft.

(Quelle/pdf)

Bosnien-Wahl: Roma weiter ausgeschlossen

Oktober 6th, 2018  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Wahlen in Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina: Minderheiten bleiben weiter­hin aus­ge­schlos­sen, Men­schen­recht­ler for­dern Än­de­rung des Wahl­ge­setzes

Aufgrund des diskriminierenden Wahlgesetzes in Bosnien ist nur Bos­nia­ken, Kroaten und Serben die Kan­di­da­tur für das Prä­si­dium oder für die Völker­kammer im Staats­par­la­ment er­laubt – nicht aber Roma und Juden (siehe auch dROMa 33).

Pressemitteilung: Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat der Re­gie­rung in Bosnien und Her­ze­go­wina (BiH) vor­ge­worfen, bei den bevor­ste­hen­den all­gemei­nen Wahlen Min­der­heiten aus­zu­gren­zen und zu dis­kri­mi­nie­ren. Drin­gend müss­te die Regierung end­lich den For­derun­gen des Europäi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rechte nach­kommen und auch An­gehö­ri­gen von Min­der­heiten die Kandi­datur für höchs­te Staats­ämter ge­statten, er­klärte die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tion. „Bosnien und Herze­go­wina ver­letzt mit seiner Diskri­minie­rung von Min­der­heiten die Euro­päische Men­schen­rechts­konvention“, sag­te die BiH-Ex­pertin der GfbV, Jasna Causevic. Bis­lang ist auf­grund des Wahl­gesetzes nur Bosnia­ken, Kroaten und Serben die Kan­di­da­tur für das Prä­si­dium oder für die Völker­kammer im Staats­par­lament erlaubt. Am 7. Ok­to­ber 2018 finden in BiH allgemeine Wahlen statt. Nachdrücklich forderte die Men­schen­rechts­organi­sation den Len­kungs­aus­schuss des Frie­dens­imple­men­tie­rungs­rates (Peace Imple­men­tation Council, PIC) des Daytoner Ab­kom­mens auf, sich für ein Ende der Diskri­minie­rung im Wahlrecht ein­zu­setzen. Diesem Rat ge­hö­ren 55 Natio­nen und Inter­natio­nale Or­gani­sa­tionen aus aller Welt an, unter ande­rem auch Deutschland.

Die GfbV wies darauf hin, dass der Europäische Gerichtshof für Men­schen­rechte schon im Jahr 2009 in einem Urteil die Diskri­mi­nie­rung kri­ti­siert hatte und eine zü­gige Änderung des Wahl­gesetzes ge­fordert habe. Doch nichts sei seither ge­schehen, da sich die regie­ren­den Par­teien nicht auf eine ein­ver­nehm­liche Änderung des Wahlrechts hätten verständigen können. Read the rest of this entry »

Festival „Ake dikhea?“ sucht Filme

Oktober 5th, 2018  |  Published in Film & Theater, Veranstaltungen & Ausstellungen

Ake dikhea 2018Aufruf zur Anmeldung von Filmen

An alle Roma, Sinti, Kale, Kalderash, Lovara, Lalleri, Ursari, Beasch, Manouches, Askali, Aurari, Romanichals, Droma, Doma, Gypsies, Travellers und al­le an­de­ren Romno-Gruppen dieser Welt … 2018 fin­det in Berlin be­reits das zwei­te Mal das Roma-Film­festi­val statt:

AKE DIKHEA? Festival of Romani Film
6. – 10. Dezember 2018

Wir suchen dafür nach Filmen, mit denen sich Roma und Sinti iden­ti­fi­zieren kön­nen. Es kön­nen Filme von Roma- sowie Nicht-Ro­ma-Filme­macher*in­nen vor­ge­schla­gen wer­den, de­ren Themen das Leben von Sinti und Roma in Europa be­tref­fen und die Rea­lität dis­kriminie­rungs­kri­tisch reflek­tieren.

Möglichkeiten der Anmeldung von Filmen:
FilmFreeWay: https://filmfreeway.com/AkeDikhea
Formular: http://bit.ly/akedikhea2018
Oder auch per E-Mail: info@romatrial.org

Frist für die Abgabe von Vorschlägen: 15.10.2018 (ganzer Tag)

Hintergrundinformationen:
„Ake dikhea?“ heißt übersetzt „Siehst du?“. Es ist ein selbst­organi­siertes, inter­natio­na­les Roma-Filmfestival, das im De­zem­ber 2018 in Berlin statt­findet. Das Festival prä­sen­tiert Berlin, Deutschland und ganz Euro­pa aus der Sicht von Sinti und Roma: Durch wel­che Filme füh­len wir uns re­präsen­tiert, wel­che Themen sind uns wich­tig, wie sehen wir uns und wie wollen wir ge­se­hen wer­den? Wir wol­len nicht darauf war­ten, bis uns je­mand eine Stimme gibt. Wir wol­len selbst den gesell­schaft­li­chen Raum mit­ge­stal­ten und über die Themen und die Form der Festival­ver­an­stal­tun­gen ent­schei­den.
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3. Jenischer Kulturtag in Innsbruck

Oktober 3rd, 2018  |  Published in Veranstaltungen & Ausstellungen

2. Jenischer Kulturtag in Tirol (Foto: Initiative Minderheiten)Jenischer Kulturtag 2018: 13.10.2018, ab 12:30 Uhr | Kulturbackstube, die Bäckerei Innsbruck

→Das Programm zum Download (pdf)

Früher zogen Jenische in kleinen Familien­ver­bänden durch das Land, um den Sess­haf­ten ihre Arbeits­kraft und hand­werk­li­chen Fähig­kei­ten an­zu­bieten. Als Men­schen mit eige­nen Lebens­weisen, einer eige­nen Sprache und eigen­stän­di­gen kul­turel­len Tradi­tio­nen wa­ren sie eine sozio­kultu­relle Min­der­heit, die schon früh dis­krimi­niert und zur Sess­haftig­keit ge­zwun­gen wer­den sollten. Im Natio­nal­sozialis­mus wurden Jenische als so­genann­te Asoziale ver­folgt und er­mordet. Doch auch nach 1945 bis in die jüngste Ver­gan­gen­heit nahm die Unter­drückung und Gewalt kein Ende, etwa durch will­kür­li­che Gefängnis­strafen oder Kinds­weg­nahmen durch die Ju­gend­wohl­fahrt, bei der die ihren Fami­lien ent­ris­senen Kinder in an­erkann­ten Insti­tu­tio­nen sys­te­ma­tisch ge­quält, ge­schlagen und er­niedrigt wur­den. Ein dunk­les Kapitel der Ge­schichte der Jenischen, das bis Mitte der 1980er an­hielt und bis heute wei­ter­wirkt.

Die Jenischen Kulturtage wenden sich gegen das Ver­ges­sen und tre­ten ein für die Sichtbar­machung der jeni­schen Gegen­wart und Ver­gangen­heit sowie des Bei­trags der Jenischen zur Tiroler Geschichte. Jen­seits von herab­wür­di­gen­der Stereo­typisierung und der Roman­tisierung der fahren­den Lebens­weise soll bei den Jeni­schen Kultur­tagen ein realis­ti­sche­res Bild der teils ver­ges­senen und ver­schwie­genen, teils noch leben­digen Tradi­tionen, Kultur und Lebens­form ge­zeich­net wer­den. In Gesprä­chen und Erzäh­lungen über damals und heute, über Doku­mente und Bilder, in Form von Musik und Handwerk. Read the rest of this entry »

Festschrift „Spuren des Widerständigen“

Oktober 2nd, 2018  |  Published in Literatur & Bücher, Wissenschaft

Festschroft für Erika ThurnerAlexandra Weiss/Karin Liebhart (Hg.): Spuren des Widerständigen. Forschung für Emanzipation und Demokratie. Eine Festschrift für Erika Thurner, Innsbruck University Press: Innsbruck 2018.

Buchpräsentation in Innsbruck: 10. Oktober 2018, 19.00 Uhr, Buchhandlung Liber Wiederin

Den Spuren des Widerständigen geht Erika Thurner in ihrer Forschung – sei es zur Arbei­ter­bewe­gung, zu Frauen­ge­schichte und -po­litik oder zur Ver­fol­gung und Ver­nich­tungs­po­li­tik des Natio­nal­sozia­lis­mus gegen­über Roma und Sinti – nach und sie ver­kör­pert diese Wider­stän­dig­keit als poli­tisch posi­tio­nierte und en­ga­gier­te Wis­sen­schaf­te­rin. Die For­schungs­fragen, die wir stel­len, sa­gen viel über uns aus – nicht nur als Wissen­schaf­terIn­nen, son­dern auch über unsere Her­kunft und un­sere politi­schen An­liegen. Sie er­zählen et­was darüber, ob wir Wis­sen­schaft als Instru­ment der Gesell­schafts­ver­änderung sehen oder als selbstre­feren­tielles System, zu dem sie unter den Be­din­gungen neo­liberaler Hoch­schul­politik im­mer mehr wird. Erika Thurner kam zu einer Zeit in dieses System des Wis­sen­schafts­betrie­bes, in der es sich ge­rade öff­nete oder öffnen muss­te für kriti­sches Den­ken – und sie nutz­te diese Mög­lich­keit im besten Sinn einer Wis­sen­schaft für Eman­zi­pa­tion und De­mokra­tie.

Der Band versammelt Beiträge von Angelica Bäumer, Erich Hackl, Elisabeth Hussl und Beate Eder-Jordan, Heinrich Neisser, Helga Embacher, Karin Liebhart, Anton Pelinka, Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr, Reinhold Gärtner und Alexandra Weiss.

(Innsbruck University Press)

„Deutsche gegen Sinti und Roma“

Oktober 1st, 2018  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

ARDAntiziganismus: Deutsche gegen Sinti und Roma

ARD-alpha | RESPEKT, 30.9.2018, 28 Min.
→Zum Streaming: www.ardmediathek.de

Die Volksgruppe der Sinti und Roma, die viele im­mer noch ab­wer­tend „Zigeuner“ nen­nen, ist die am stärks­ten ab­ge­lehn­te Minder­heit in Deutsch­­land. Warum der Antizi­ga­nis­mus in Deutsch­land so ver­brei­tet ist, zeigt die Re­portage.

Keine Ethnie wird in Deutschland so stark ab­ge­lehnt wie Sinti und Roma. Warum ist das so, fragt Mo­de­ra­to­rin Sabine Pusch in der RESPEKT-Re­por­tage. Um mehr zu er­fahren, trifft sie jugend­li­che Sinti und Roma und er­fährt, wie sie unter Vor­urtei­len und Kli­schees lei­den, die sich in Europa seit Jahr­hun­der­ten nicht ge­ändert haben. Zu­sam­men mit einem jungen Sinto be­sucht sie das NS-Do­ku­men­ta­tions­zentrum und lässt sich er­zählen, was seiner Familie in Nazi­deutsch­land pas­siert ist. Dabei lernt sie, dass die an­dauern­de Dis­krimi­nie­rung und Ver­fol­gung dieser Volks­gruppe unter den Nazis mit über einer hal­ben Mil­lion Opfern ihren ab­soluten Tief­punkt er­reicht hatte – aber danach längst nicht be­endet war.

Doch warum gibt es auch heute noch die gleichen Vor­urteile? Viel­leicht, weil die Mehr­heits­gesell­schaft über diese Grup­pe kaum etwas weiß? Read the rest of this entry »