Jenseits einer Verbotslösung
Oktober 13th, 2018 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Grundsätzlich spricht nichts gegen vorgegebene Anordnungen, wenn sie klare Orientierung bieten und damit Handlungsspielräume erweitern. Dies ist mit den aktuellen Bettelverboten nicht der Fall, da sie teilweise willkürlich interpretiert werden, sodass bettelnde Menschen nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, um nicht bestraft zu werden.
Augustin 10/2018: Es scheint, als können sie sich gar nicht richtig verhalten, weil aktuell eine ganz bestimmte Vertreibungspolitik herrscht, die sich über das Thema «Sicherheit im öffentlichen Raum» legitimiert.
Rechtlich ist das «stille Betteln» in Österreich erlaubt. Praktisch drohen aktuell vermehrt bettelnden Menschen, die ebenso EU-Bürger_innen sind, Ausweisungen und Aufenthaltsverbote, weil sie um einen Notgroschen betteln. So zum Beispiel Gabor (Name von der Redaktion geändert), der in Wien bettelte und dem nach einer Polizeikontrolle der Personalausweis abgenommen wurde. Er konnte diesen nur wieder zurückbekommen, nachdem er ein Rückfahrticket nach Ungarn vorzeigte. Laut dem Europäischen Gerichtshof muss für eine Ausweisung jedoch eine «tatsächliche und hinreichend schwere Gefährdung» vorliegen, die «ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt». In dem Fall scheint diese Praxis unverhältnismäßig und menschenverachtend.
Dies trifft auch auf die Geldsumme oder die Ersatzfreiheitsstrafe zu, die über Strafverfügungen eingefordert wird. «Pappbecher unter die Nase gehalten»: 800 Euro oder acht Tage Ersatzfreiheitsstrafe. Dabei sind die meisten dieser Strafen rechtswidrig. Read the rest of this entry »