Europäischer Bürgerpreis an Matthäus Weiß

Oktober 10th, 2018  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Preisverleihung an Matthäus Weiß (Foto: Minderheitensekretariat)Heute treffen sich alle Preisträgerin­nen und Preis­trä­ger des Euro­päi­schen Bür­ger­preises zu einer ge­mein­sa­men Ver­leihungs­zere­monie in Brüssel. Einer von ihnen: der deut­sche Sinto Matthäus Weiß.

Bereits am 24. September 2018 wurde in einer öffentli­chen Ver­lei­hungs­zere­monie im Ver­bin­dungs­büro des Euro­pä­i­schen Parla­ments in Berlin Matthäus Weiß vom Ver­band Deutscher Sinti und Roma in Schles­wig-Hol­stein mit dem Euro­päi­schen Bürger­preis 2018 aus­ge­zeichnet.

In der Beschreibung zum Preis heißt es: Der Verband Deutscher Sinti und Roma des Lan­des Schleswig-Hol­stein mit seinem Vor­sitzen­den Matthäus Weiß hat durch heraus­ragen­des Engage­ment eine stär­kere Integra­tion der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein er­reicht. Dies wurde durch zahl­reiche Kultur- und Bil­dungs­pro­jekte er­reicht, die auch zu einem besseren gegen­seitigen Ver­ständ­nis ver­halfen. Der Landes­verband und sein Vor­sitzen­der ar­bei­ten eben­falls eng mit der dänischen Min­der­heit im Landes­teil Schles­wig, der deut­schen Min­der­heit in Süd­dänemark sowie der friesi­schen Volks­gruppe zu­sammen.

In ihrer Laudation sagte Ulrike Rodust, Mitglied des Europäi­schen Parla­ments: „Ich habe Matthäus Weiß und seinen Lan­des­verband Deut­scher Sinti und Roma für den Euro­päi­schen Bürger­preis vor­geschla­gen, weil diese Minder­heit kaum eine Lobby hat. Dabei legen Sie, lieber Herr Weiß, in Schles­wig-Holstein ein groß­arti­ges Engage­ment an den Tag, um das Zu­sam­men­leben zwi­schen den 6.000 deutschen Sinti und Roma in Schles­wig-Holstein und der Mehr­heits­gesell­schaft deut­lich zu ver­bessern. (…) Be­sonders wichtig ist mir, dass der Landes­verband, der 2012 die Auf­nahme der Sinti und Roma in die Landes­verfassung er­reichen konnte, eng mit den ande­ren Min­der­heiten im deutsch/dä­nischen Grenz­land zu­sammen­arbei­tet. Diese Zu­sam­men­arbeit hat inter­natio­nale Vorbild­funk­tion in der Min­der­heiten­politik und ist rich­tungs­wei­send für ein fried­liches Mit­einan­der in Europa. Sich zu kennen und zu ver­stehen ist in mei­nen Augen die beste Friedens­politik.“

In seinen Dankesworten appellierte Matthäus Weiß an alle: „Es kann und darf nicht sein – auf keinem Ort der Welt – dass Men­schen dis­krimi­niert, ver­folgt oder ein­ge­sperrt werden, nur weil sie anders sind, weil sie anders aus­sehen oder eine andere Sprache spre­chen. In solch einer Welt möchte und muss keiner leben. (…) Wir alle haben die Ver­ant­wor­tung dafür, wenn sich was än­dern soll, nicht nur die Parla­mente, nicht nur die Politik! Wir alle sind ver­ant­wort­lich, lassen Sie uns ge­mein­sam handeln!“

Der Europäische Bürgerpreis wird seit 2008 jährlich vom Europäischen Parlament an Per­sonen oder Organi­sa­tionen ver­liehen, die sich heraus­ragend für ein bes­seres gegen­seitiges Ver­ständnis und grenz­über­schrei­tende kultu­relle Zusam­men­arbeit ein­setzen. Aus­ge­zeichnet werden aber auch Initia­tiven, die sich für eine bes­sere grenz­über­schrei­tende Zusam­men­arbeit inner­halb Europas und die prakti­sche An­wendung der Werte der Charta der Grund­rechte der Euro­päi­schen Union ein­setzen, ins­beson­dere Gast­freund­schaft, Tole­ranz und Soli­da­rität.

Der Preis kann an Bürger, Gruppen, Assoziationen und Orga­ni­satio­nen ver­ge­ben wer­den. Jeder EU-Ab­geord­nete hat das Recht, einen Kan­di­daten vor­zu­schlagen.
(Text: Pressemitteilung des Minderheitenrats der vier autochthonen natio­na­len Minder­hei­ten und Volks­gruppen Deutschlands)

Siehe auch:
Kiel: Büro der Sinti und Roma überfallen, 30.9.2014
Unter besonderem Schutz – Sinti und Roma in Schleswig-Holstein, 16.5.2013
Schleswig-Holstein: Anerkennung im Herbst, 26.8.2012
Minderheit zweiter Klasse, 4.7.2011
Schleswig-Holstein: Warten auf Minderheitenrechte, 3.2.2011
Rechte nur für Dänen und Friesen, 17.9.2010

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