Archive for Juli, 2015

Zentralrat: Vertreibungen stoppen!

Juli 31st, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Foto: Fotis FilippouDer Zentralrat Deutscher Sinti und Roma fordert einen sofortigen Stopp der systema­tischen, gewalt­samen Ver­trei­bun­gen von Roma aus ihren Städten in Mittel­ost- und Südost­europa

Der Zentralrat beobachtet mit größter Sorge die zahl­reichen aktuellen Fälle in Europa, wo Roma von gewalt­samen Ver­trei­bun­gen durch lokale Behörden betrof­fen sind. In Belgrad sind ganz unmit­tel­bar in dieser Woche 53 Roma Familien von Ver­treibung und Obdach­losig­keit bedroht, wie Amnesty Inter­na­tio­nal berichtet. Die aus dem Krieg im Kosovo geflüch­teten Familien leben seit 1999 in einer staat­lich tole­rier­ten, infor­mel­len Siedlung, ohne Auf­merk­sam­keit und Unter­stützung für eine lang­fris­tige Perspek­tive. Jetzt drohen die Behörden die Häuser mit sofor­ti­ger Wir­kung abreißen zu lassen, ohne adäquat die Familien zu infor­mie­ren und alter­na­tive Wohn­mög­lich­keiten zur Ver­fü­gung zu stellen.

Am vergangenen Freitag fand in Cluj-Napoca in Rumänien der bisher größte Roma Solidaritäts­marsch für die Opfer der gewalt­samen Ver­trei­bun­gen statt unter dem Titel „Stadt für die Men­schen, nicht für den Profit“, an dem auch ein Mit­ar­beiter des Zentral­rats teil­nahm. Der Marsch gedachte den Opfer der staat­li­chen Ver­trei­bun­gen vom 17. Dezember 2010, als 76 vor­wie­gend Roma-Familien ohne Vor­war­nung und legale Pro­ze­dur aus der zentralen Coastei-Straße ver­trieben und in staat­lich finan­zierte Sied­lungen neben der gifti­gen Müll­halde in Pata Rât aus­ge­grenzt wurden. An dem acht Kilo­meter langen Solidaritäts­marsch von Pata Rât zum Ort der Ver­trei­bun­gen in der Coastei-Straße nahmen über 500 Menschen aus Pata Rât, aus ganz Rumänien und von zahl­rei­chen Roma-Jugend­organi­sa­tio­nen aus ganz Europa teil, welche im Rahmen der Euro­päi­schen Jugend­haupt­stadt Cluj 2015 die Jugend­aktion „So Keres, Europa?! Junge Roma und Nicht-Roma fordern ihren Platz in Europa ein“ organi­sierten.

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Wien: Gedenkfeier am Ceija-Stojka-Platz

Juli 31st, 2015  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Dikh he na bister! - Schau und vergiss nicht!Anlässlich des internationalen Gedenktages des Völkermordes an Roma und Sinti lädt das Romano Centro am Sonn­tag, den 2. August von 18:00 bis 20:00 Uhr zu einer Ge­denk­ver­anstal­tung auf dem Ceija-Stojka-Platz im 7. Wiener Ge­mein­de­bezirk.

Ando dujto augusto o Romano Centro orga­ni­za­rel jek come­mo­ra­cija ando Ceija Stojka Platz ando 7. becirko kaj Bech vash le viktima kathar o Romano Samudaripe. Aven te keren patyiv sa le Romen­ge, kon sas mudar­di­me kathar e Nazi legija. Dikh he na bister!

Im April dieses Jahres wurde der 2. August als „European Roma Holocaust Memorial Day“ vom Euro­päi­schen Par­la­ment an­er­kannt. Vor allem die „Roma Genocide Remem­be­rance Ini­tia­tive“ – mit Unter­stüt­zung zahl­reicher Roma-Orga­ni­sa­tio­nen aus ganz Europa – spielte eine große Rolle im Kampf für die An­er­ken­nung dieses his­to­ri­schen Tages. Im Jahre 1944 wur­den in der so­ge­nann­ten „Zigeunernacht“ vom 2. auf den 3. August 2.897 Roma – Männer, Frauen und Kinder – in den Gas­kammern von Auschwitz-Bir­kenau er­mor­det. An diesem Tag erin­nern wir uns neben ihnen auch an alle ande­ren Roma, die wäh­rend des Zwei­ten Welt­krieges aus rassi­schen Motiven ver­folgt und er­mor­det wur­den. In den Reden der Nach­fahren im Natio­nal­sozia­lis­mus ver­folgter Roma und Juden stehen per­sön­liche Familien­ge­schich­ten sowie Gedenk­kultur im Mit­tel­punkt. Die Besu­cher haben gegen Ende der Ver­anstal­tung die Mög­lich­keit, sich im Rahmen eines Gedenk­aktes per­sön­lich zu betei­li­gen. Die Musik steht eben­falls im Zei­chen des Gedenkens.

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Facts & Figures (117)

Juli 30th, 2015  |  Published in Facts & Figures

Im Februar 2013 er­öff­ne­te die Eu­ro­pe­an Ro­ma Cul­tu­ral Foun­da­tion (ERCF) in Bu­da­pest die Ro­ma-Kunst­ga­le­rie Gal­lery8.

(Website)

Glajchi tschatschiptscha le cilenge

Juli 30th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Aldar Horvath bei einer antirassistischen Kundgebung (Foto: dieschwelle.de)Sajt bischupantsch berscha o ungriko manu­schen­gero tscha­tschi­pes­kero akti­visto, polgaren­gero tschatschi­paschi taj politikeri Aladár Horváth bara soraha gejng o teldikipe taj argrani­calipe le valami 700.000 Romen­dar ande leskeri hajmat kejmpfinel.

Imar ando bersch 1988/89 o Aladár Horváth ando akor socijalis­tischi Ungriko uso kerasch­tscha le akfa akarde „anti-gheto-komitejis­tar“ kerin­lahi. Ande leskero hajmata­kero foro Miskolc o akor 25 berschen­gero khetan avre ungrike Romenca gejng jek prik sidli­nipe sorale pumen kerde taj jerinde: O dschene le etnischi tschulipestar ande 168 khera use 29 kvadrat­me­tertscha te cidi­ja­nahi – duj kilo­meter­tscha pasche o foro, oni petschi kaj schaj vitintscha­nahi taj pajeskere laj­tung­tscha.

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Ladipe uso Dschelno Dad Franziskus

Juli 28th, 2015  |  Published in Religion

Treffen mit historischer Bedeutung: Paul VI. in Pomezia, 26. September 1965 (Foto: news.va)Ande jek cerhakero foro pasche Pomezia ando septemberi 1965 use jek talalinipe maschkar o Dschelno Dad Paul VI. taj valami 3.000 Roma, save andar i cili Europa otscha roasinde, pumen le Dschelne Dadestar te sentelinel te mukel. Organisirim ulo ada talalinipe le katolischi raschajistar Bruno Nicolini (+ 2012) le khetanipestar Sant’ Egidio. Kaj akan on 50to berscheskero di le kherodipestar le Dschelne Dadestar Paul VI. ande Pomezia hi, o Dschelno Dad Franziskus, Romen taj Sinten taj avre use kerime grupn andar i cili Europa ando vatikan akarel. O talalinipe maschkar o Roma taj Sinti taj o Dschelno Dad Franziskus andi cajt usar 23to – 27to oktoberi 2015 ando foro Roma hi.

Buteder informacija pedar i roas taj o aunmejdinipe:
Referat fi etnischi grupn/diöcesa Tikni Martona
Manuela Horvath & Monika Scheweck
7400 Erba, Betschitiko poschtito 6
Har.: 0676/880 701 721 vaj 0676/880 701 722
E-Mail: roma.sinti.pastoral@martinus.at

(volksgruppen.orf.at)

Serbien: 53 Romafamilien droht Obdachlosigkeit

Juli 26th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Rechtswirdrige Zwangsräumung im Belgrad, 2010 (Foto: Amnesty International)Amnesty International – Urgent Action: Rechts­wid­rige Zwangs­räu­mun­gen in Belgrad stoppen!

In der serbischen Hauptstadt Belgrad droht 53 Roma-Familien die rechts­widrige Zwangs­räumung. Bei den Familien handelt es sich um Binnen­ver­trie­bene aus dem Kosovo, die sich zwi­schen 1999 und 2000 in der Siedlung Ratko Mitrović im Stadt­bezirk Zemun nieder­ge­lassen haben. Sie er­hiel­ten zwi­schen dem 7. und 10. Juli die Anwei­sung, ihre Häuser ab­zu­reißen. Alter­nativ­unter­künfte wurden den Be­woh­ner*innen nicht zur Ver­fü­gung gestellt. Ihnen droht nun die Ob­dach­lo­sig­keit.

Fordern Sie die Ministerin für Bau, Trans­port und Infra­struktur sowie den Bürger­meister der Stadt Belgrad auf, die Anord­nun­gen zum Gebäude­abriss sofort auf­zu­heben! Appel­lieren Sie an sie, Alter­na­tiv­maß­nah­men zu finden und ein Gesetz zu ver­ab­schie­den, das rechts­widrige Zwangs­räu­mun­gen ver­bietet!  >>Zur Aktion (bis 1. Sept. 2015)

Bei der Siedlung Ratko Mitrović, auch bekannt unter dem Namen Grmeč, handelt es sich um eine infor­melle Siedlung im Stadt­bezirk Zemun im Nord­wes­ten Belgrads. Die Sied­lung be­findet sich zwi­schen zwei Bahn­linien auf einem kleinen Strei­fen Land, der sich im Besitz der ser­bi­schen Bahn befindet. Am 26. Juni erteilten die Bau­inspek­toren des Stadt­bezirks Zemun schrift­liche Anord­nun­gen zum Gebäude­abriss, mit der Begrün­dung, die Häuser seien ohne Bau­geneh­mi­gung erbaut worden. Mit den schrift­li­chen Anord­nun­gen, die den Roma-Fa­milien zwi­schen dem 7. und 10. Juli zu­gingen, wurden sie ange­wiesen, ihre Häuser inner­halb eines Tages nach Erhalt der An­ord­nung ab­zu­reißen. Zuvor gab es weder eine Konsul­ta­tion mit den Bewoh­ner*innen noch eine An­kün­di­gung, dass die Anord­nun­gen erteilt wer­den würden.

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Fahrt zu Papst Franziskus

Juli 26th, 2015  |  Published in Religion, Veranstaltungen & Ausstellungen

Treffen mit historischer Bedeutung: Paul VI. in Pomezia, 26. September 1965 (Foto: news.va)In einer Zeltstadt bei Pomezia in der Nähe von Rom kam es im Sep­tem­ber 1965 zu einem Tref­fen zwi­schen Papst Paul VI. und etwa 3.000 Roma, die aus ganz Europa an­ge­reist waren, um sich dort vom Heili­gen Vater segnen zu las­sen. Orga­ni­siert wurde das Tref­fen vom katho­li­schen Priester Bruno Nicolini (gest. 2012) von der Gemein­schaft Sant’ Egidio. Anläss­lich des 50. Jahrestages des Besuchs von Papst Paul VI. in Po­me­zia lädt Papst Fanziskus Roma und Sinti und andere ver­wandte Grup­pen aus ganz Euro­pa in den Vatikan ein. Das Treffen zwischen Roma und Sinti und Papst Franzis­kus fin­det in der Zeit von 23. bis 27. Oktober 2015 in Rom statt.

Nähere Infos über die Reise und Anmeldung:
Referat für ethnische Gruppen/Diözese Eisenstadt
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Ausstellung „Transmitting Trauma?“

Juli 25th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Raatzsch (Ausschnitt)Zeitgenössische Reflektionen zum Genozid an den Sinti und Roma
 – Aus­stel­lung und Bil­dungs­programm

Berlin: Ausstellungseröffnung am Sonntag, den 2. August 2015. 17:00 bis 18:45 Uhr

Kuratiert von Tímea Junghaus und Moritz Pankok mit MANOLO GÓMEZ ROMERO (ES) .  DELAINE LE BAS (UK) . VALÉRIE LERAY (F) . TAMARA MOYZES (CZ) . ANDRÉ JENÖ RAATZSCH (DE) . CEIJA STOJKA (AUT) . ALFRED ULLRICH (DE) . KÁLMÁN VÁRADY (DE) . GEORGE VASILESCU (RO) . DAVID WEISS (DE) u.a.

TRANSMITTING TRAUMA? ist eine gemeinsame Initiative von Gallery8 (Budapest) und der Galerie Kai Dikhas (Berlin) als Aus­stel­lungs- und Bildungs­programm. Die Aus­stellung ist sym­bo­lisch und physisch an die Erin­ne­rungs-Per­formance „Phagedo Dschi – Zerrissenes Herz“ und das gemein­same Gedenken zum 2. August am Denk­mal für die im National­sozia­lis­mus ermor­de­ten Sinti und Roma Europas ange­bun­den. Sie wird von unbe­kann­ten Werke des Schwarzen Zyklus der Holocaust-Über­leben­den Ceija Stojka (1933-2013) und von einer aus­führ­li­chen Archiv-Re­cherche zur stereo­typen Dar­stel­lung von Roma und dies­bezüg­li­chen Foto­gra­fien von Milós Déri be­gleitet.

Die Ausstellung lädt zeitgenössische Künstler_Innen ein, über die Erin­ne­rung an den Holocaust an den Sinti und Roma zu reflek­tie­ren. Die künst­le­ri­schen Stand­punkte konfron­tieren uns mit der Ver­gan­gen­heit und zeigen Paral­le­len zu Kli­schees, des Sünden­bock-Seins und Anti­ziga­nis­mus heu­tiger Tage auf. Darüber hinaus ist das Erzäh­len der Geschichte durch An­ge­hö­rige der Minder­heit schon an sich ein eman­zi­pa­to­ri­scher Akt, indem (ihre) Geschichte neu geschrie­ben wird. Read the rest of this entry »

Alexander Thal über Roma-Sonderlager

Juli 24th, 2015  |  Published in Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio DreyeckslandDeutsche Sonderlager für (Roma-)­Flüchtlinge vom Balkan – Bayern macht vor, was schon Bundes-Kon­sens ist. Radio Drey­eck­land sprach mit Alexan­der Thal vom Bay­ri­schen Flücht­lings­rat.

>>Anhören/Download (mp3), 14:41 min

Morgenradio, 24. Juli 2015

Die Bayerische Landesregierung will Flüchtlinge aus den West­balkan­staaten in geson­der­ten Erst­aufnahme­zentren in Grenz­nähe unter­brin­gen. Mit un­ver­hoh­le­ner Bot­schaft: Sie wer­den aus­sor­tiert, weil sie un­er­wünscht sind. Diese Meldung hat doch ein wenig Medienecho und auch Kritik aus der SPD aus­gelöst. Doch die Aus­sor­tie­rung un­erwünsch­ter Flüchtlinge, die zu we­sent­li­chen Teilen ge­flüch­tete Roma trifft, ist eine Ten­denz, die durch die Parteien hin­durch und von prak­tisch allen Landes­regie­run­gen ge­tra­gen wird. Wir spra­chen mit Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat über die­sen um sich grei­fen­den Anti­ziganis­mus in der deut­schen Asyl­politik, über Seehofers Pläne und über die his­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung der BRD gegen­über den Roma.

(Text und Interview: www.rdl.de)

Bayern: Sonderlager für Roma-Flüchtlinge

Juli 24th, 2015  |  Published in Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio Dreyecksland

Deutschland: Neue „sichere Herkunfts­län­der“ ha­ben we­nig Aus­wir­kung auf Flücht­lings­zahlen.

Bayern plant getrennte Abschiebe­zentren für Flücht­lin­ge aus Bal­kan­län­dern – de facto: Son­der­lager für Roma.

>>Anhören/Download (mp3), ab 03:50

Focus Europa/News, 23. Juli 2015

Nach der Einstufung Serbiens, Bosniens und Mazedoniens als „sichere Her­kunfts­länder“ im ver­gan­ge­nen Novem­ber hat sich die Zahl der Flücht­linge aus diesen Län­dern nicht signi­fi­kant ge­senkt, wie das deut­sche Bundes­amt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit­teilte. In den Mona­ten seit Novem­ber hat sich, im Gegen­teil, die Zahl der Asyl­bewer­ber aus Mazedonien deut­lich er­höht, wäh­rend aus Serbien und Bosnien nur ein leich­ter Rück­gang der Zahlen zu beobach­ten ist. Die erhoffte Signalwirkung der Auf­nahme der drei Länder in die Liste der „siche­ren Herkunfts­staaten“ ist damit aus­ge­blie­ben, räumte ein Sprecher des Innenressorts ein. Als weiteres Ziel der Einstufung galt die Beschleunigung der Verfahren für Menschen aus diesen Ländern. Nach wie vor liegt die Dauer für die drei Länder im Durch­schnitt bei 4,2 Mona­ten und damit nur gering­fügig unter der bundes­weiten Marke von 5,3 Mona­ten. Momen­tan wird daher auch dis­ku­tiert, weite­re Staaten zu siche­ren Her­kunfts­ländern zu ernen­nen, darunter den Kosovo.

Bayerns Ministerpräsident Seehofer hat am Mon­tag noch einmal einen schär­fe­ren Kurs gegen Flüchtlinge vom Bal­kan und die Errich­tung zweier spe­ziell für sie vor­ge­se­he­ner Abschiebezentren in Grenz­nähe an­ge­kün­digt. Read the rest of this entry »

EuGH: Diskriminierung durch Stromzähler

Juli 21st, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

In unerreichbarer Höhe montierte Stromzähler im Roma-Viertel Fakulteta/Sofia (Foto: http://urban-energy.org)In Bulgarien ist es verbreitete Praxis, dass Stromzähler in den Stadt­teilen mit über­wie­gen­der Roma-Be­völ­ke­rung in unzu­gäng­licher Höhe befes­tigt wer­den. In anderen Vierteln wer­den die Zähler hin­gegen in norma­ler Höhe oder über­haupt in den Woh­nun­gen an­ge­bracht. Diese Praxis stelle eine Diskri­mi­nie­rung von Roma wegen ihrer eth­ni­schen Her­kunft dar, urteil­te nun der Europäische Gerichtshof (EuGH) ver­gan­gene Woche in Luxemburg.

Selbst wenn erwiesen wäre, dass in dem betreffen­den Stadt­teil Zähler wieder­holt manipuliert oder beschädigt wur­den, sei eine sol­che Praxis unver­hältnis­mäßig, urteil­ten die Richter. Man müsse auf andere Weise ver­suchen, die Sicher­heit des Strom­netzes und die Erfas­sung des Strom­ver­brauchs zu garan­tie­ren. Für die Bewoh­ner des Stadt­teils habe dieser Usus zudem zur Folge, dass ihnen die Möglich­keit genom­men wird, den Strom­verbrauch bzw. die Rech­nun­gen zu kontrol­lie­ren. Die Richter ver­weisen auf die EU-Richtlinie über Gleich­behand­lung, der­zu­folge jeg­liche Diskri­mi­nie­rung aus Gründen der Rasse oder der ethni­schen Her­kunft ver­boten ist. Dies gelte ins­beson­dere im Hinblick auf den Zugang zu und die Ver­sorgung mit Gütern und Dienst­leistungen.

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Aladár Horvath: „Gleiche Rechte für alle“

Juli 20th, 2015  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Aldar Horvath bei einer antirassistischen Kundgebung (Foto: dieschwelle.de)Aus 70 Bewerbungen für den Internationalen Bremer Friedenspreis, der alle zwei Jahre ver­geben wird, hat die Jury der gemein­nützi­gen ökume­ni­schen Stiftung „die schwelle“ die drei Preis­träger aus­ge­wählt. Im Septem­ber 2015 wird die Jury die drei Gewinner des Friedens­preises bekannt ge­ben. Bis dahin stellt die Stif­tung auf ihrer Web­site im Laufe der nächs­ten Wo­chen die 13 Per­so­nen und Orga­ni­sa­tio­nen ihrer enge­ren Auswahl vor. Mit dabei: der unga­ri­sche Roma-Akti­vist und -Poli­tiker Aladár Horvath, der von der Initia­tive „Leipzig Korrektiv“ für den Preis no­mi­niert wurde. Im Fol­gen­den das Porträt auf der Web­site:

Er gibt den Roma eine Stimme in Ungarn: Aladár Horvath


Seit einem Vierteljahrhundert kämpft der unga­ri­sche Men­schen­rechts­akti­vist, Bür­ger­­recht­ler und Politi­ker Aladár Horvath un­er­müd­lich gegen die Benach­tei­li­gung und Aus­gren­zung der rund 700.000 Roma in seiner Heimat.

Bereits im Jahr 1988/89 gehörte Aladár Horváth im da­mals noch sozia­lis­ti­schen Ungarn zu den Mit­begrün­dern eines so­genann­ten Anti-Ghetto-Komitees. In seiner Heimat­stadt Miskolc machte sich der damals 25-Jäh­rige gemein­sam mit anderen unga­ri­schen Roma erfolg­reich gegen eine Um­sied­lung stark: Die Ange­hö­ri­gen der eth­ni­schen Minder­heit sollten in 168 Wohnun­gen zu je 29 Quadrat­metern unter­ge­bracht wer­den – zwei Kilo­meter von der Stadt ent­fernt, ohne Heizun­gen und Ab­was­ser­lei­tungen.

Ähnliche Pläne gibt es in Miskolc auch in jüngster Zeit wie­der. Füh­rende Lokal­politiker ha­ben die Auf­lö­sung eines großen Roma-Wohn­gebiets be­schlos­sen. Wieder ein­mal sol­len die Ein­wohner in neuen Be­hau­sun­gen unter­gebracht wer­den, die über keiner­lei Wasser­an­schlüs­se ver­fügen. Gemein­sam mit ande­ren Bürger­recht­lern demonstrierte Ala­dár Horvath fast vier Wochen für das Bleibe­recht der Ein­wohner vor Ort.

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Straßenzeitung „Romani“ in Duisburg

Juli 16th, 2015  |  Published in Medien & Presse

Zeitung-RomaniVerein „Bürger für Bürger Duisburg“ gibt eine neue Roma-Straßenzeitung heraus

Die erste Ausgabe gibt es kostenlos hier (pdf)

Editorial

Mit dieser Ausgabe von ROMANI freue ich mich, das Erschei­nen einer monatlich erscheinen­den Roma­zeitung in unse­rem Verein ankün­digen zu können. Eine Romazeitung hat es bereits in einem ande­ren Verein gege­ben (Anm. d.  dROMa-Red.: „Bachtalo“ des Vereins Mensch ist Mensch), nur haben sich dort die Wege des Vereins und des Ver­fassers nach nur einer Aus­gabe getrennt. Damit dieses loh­nende Sozial­projekt nun­mehr eine solide Basis be­kommt, habe ich gerne der Bitte des Ver­fassers ent­sprochen, die Zeitung bei uns erschei­nen zu lassen.

Die Grundidee ist es, eine langfris­tige Integration der Roma zu er­mög­li­chen. Sprich, die Roma können einer­seits etwas dazu­ver­dienen, und die Deutschen er­fah­ren auf der ande­ren Seite etwas über die Kultur, das Leben und die Geschich­te der Roma. Da Roma aus den ver­schiedens­ten Län­dern – aus Bulgarien und Rumänien, aus Serbien und Mazedonien – in großer Zahl zu uns kom­men, erhal­ten wir den Stoff, aus dem diese Zeitung ge­macht ist, frei Haus gelie­fert. Wir wollen mit unse­ren Möglich­keiten den Vor­behal­ten auf Seiten der deut­schen Bevöl­ke­rung etwas entgegen­setzen. Unsere Über­setze­rin aus dem Romanes – der Sprache der Roma – wird uns hel­fen, die Roma als Individuen und als Gruppe zu ver­stehen.

Rolf Karling, Bürger für Bürger Duisburg e.V.

Gewalt gegen Roma vor Wahlen in Bulgarien

Juli 16th, 2015  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Radio DreyeckslandVertreibungen von Roma unter Druck der Anti-Roma-Pro­teste. Menschen­rechts­gerichts­hof erlässt Eil­verfügung.

>>Anhören/Download (mp3)

Focus Europa/Morgenradio, 13. Juli 2015, 12,58 min

In Bulgarien kam es in den letzten Wochen zu schweren Aus­schrei­tun­gen und Protesten gegen die Roma-Bevöl­ke­rung (wir berichteten hier und hier). Vor allem in der Haupt­stadt Sofia und dem Dorf Garmen im Süden des Landes gab es zwei sehr ähn­liche Fälle, bei denen erst Massen­schlä­gereien und dann, direkt am nächs­ten Tag, große, organi­sierte Proteste gegen angeb­liche Dieb­stähle durch Roma und illegal errich­tete Häuser auf­traten. Die Roma-Feind­lich­keit in der Bevöl­kerung sei nur ein Teil des Problems, er­klärt Violeta Naydenova von der Open Society Foundation. Auch die in sechs Mona­ten anste­hen­den Wahlen und der Kampf um Wäh­lerInnen-Stim­men seien für die Gewalt­aus­brüche ver­ant­wort­lich zu machen.

UPDATE: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat eine Eilverfügung gegen den Mon­tag (13. Juli) ge­plan­ten Abriss weite­rer Häuser in Garmen er­lassen. Es soll dem­nach keine weite­ren Räumungen und Abrisse geben, bis alter­native Unter­künfte für die betrof­fe­nen Klä­gerInnen ge­sichert seien. Inwie­fern die bulga­rische Regie­rung sich an diese Ver­fügung hält, ist bis jetzt unklar.

(Text & Interview: www.rdl.de)

„Unmenschliche Behandlung“: Belgien verurteilt

Juli 11th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (Foto: ECHR)Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Belgien we­gen „unmensch­li­cher Behand­lung“ einer Roma-Fa­mi­lie aus Serbien ver­urteilt (pdf).

Die Straßburger Richter gaben am Diens­tag einem Ehe­paar und sei­nen fünf Kindern recht, die 2011 in Belgien erfolg­los einen Asyl­antrag ge­stellt hat­ten. Vor ihrer Abschiebung war die Fa­milie vier Wochen lang obdachlos, ob­wohl eines ih­rer Kinder schwer­behindert und ein ande­res noch ein Säug­ling war. Die Roma leb­ten eine Woche lang auf einem öffentlichen Platz und drei Wochen lang im Nord­bahn­hof von Brüssel. (…) Einige Wochen nach der Rück­kehr nach Serbien starb das behin­derte Mädchen. Eine bel­gi­sche Berufungs­kam­mer hat­te zuvor den Aus­weise-Be­scheid noch we­gen Formfehlern auf­geho­ben – nach­dem die Fa­milie Belgien schon ver­lassen hat­te. (…) Laut dem Straß­bur­ger Urteil muss Belgien der Roma-Fa­milie 22.750 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Lesen Sie bitten die hier nur auszugs­weise wieder­ge­ge­bene Mel­dung in vol­ler Länge auf MiGAZIN.de.

Romani Platni: Gejng i diskriminacija te thal

Juli 10th, 2015  |  Published in Brauchtum & Tradition, Einrichtungen

Integracija duach i dschomra dschal: Ande Budapest jek habeskero kher latsche dschal, kaj Romnija, tipischi Romen­gero-habe than. I muam Malvin nan tschaj jek igen aktivi taj phure­der dschuvli hi, oj te jek Romni hi – taj o vo­dschi jeke habes­kere kheres­tar ande Bu­dapest, savo sajt trin berscha dsche­nen andar o andrutno taj avrutno vilago akarel. Valami dujvar andi masek o vudara le tikne kherestar ando enjato becirk upre dschan, o latscho habe upro tajnertscha tschite on, taj o kherodaschtscha loscha­nen pumen. „Sakone habe amen­ge jek histo­rija hi taj len­gere vurc­lini ande amari familija tradi­cijona“, phukal i rentner­kija. „Amen adaj tschak pal tradi­cijo­neli Romen­gere-re­ceptscha tha­vas“.

O erschti Romengero-habeskero kher ande Budapest hi ada, save o cil hi, le avre dsche­nen jeke neve islini­pes­kere theme­ha khe­tan te phandel. Ande ada kher na dschal tschak vasch i kulinarika, adaj te vasch jek socijali bota­schis­kero koja dschal. Read the rest of this entry »

Projekto kesdintscha: Dikhen amen!

Juli 9th, 2015  |  Published in Einrichtungen, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Projektteam Dikhen AmenLe lek bare­der tschu­lipe andi Europa tschak tschule vake­rasch­tscha hi. O farajn „Amaro Drom“ ande pe leske bescha­rel. Ande Kreuzberg nevo than pratascha taj le tel­di­ki­pes­kere kojenca upre te schu­scha­rel kamla.

Terne Sinti taj Roma te sorisarinel

„Barikano hi, hot o perspektivtscha le terne Sintijendar taj Romen­dar akan pradipe uschti­den taj na tschak mindig peder lende vaker­do ol“, phenel o projektos­kero schero Anna Friedrich. Le faraj­niske „Amaro Drom“ igen bari­kano hi, le terne Sinten taj Romen te sori­sa­rinel. „Tumen nisaj kultura hi, tumen tschak dromes­ke san, tumen na keri­nen ande amaro kheta­nipe. Oda hi, so o terne Roma mindig te schunel uschti­den“, phenel o angle beschto Merfin Demir. Kaj ada cil kise­tim te ol, jek projek­to kesdim ulo. „Dikhen amen“! „Seht uns“! – ando prik bescha­ripe bu­tschol. Read the rest of this entry »

Literaturnobelpreisträger & ihre „Zigeuner“

Juli 8th, 2015  |  Published in Dokumente & Berichte, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Literaturnobelpreisträger und ihre "Zigeuner" (Foto: Wikipedia)Deutsche Literaturnobelpreisträger und ihre „Zigeuner“

Manuskript des Vortrags von Prof. Dr. Wilhelm Solms
>>Download (pdf)

Der Germanist und Antiziganismusforscher Wilhelm Solms hat die Wer­ke der 13 deutsch­spra­chi­gen Literatur­nobel­preis­träger nach Passa­gen über Roma und Sinti durch­sucht. Bei neun ist er fün­dig ge­wor­den. Die Ergeb­nis­se stell­te er am 26. No­vem­ber 2013 im Doku­men­ta­tions- und Kultur­zentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidel­berg vor. Nun hat das Zentrum den Vortrags­text auf sei­ner Website publi­ziert. Romani Rose schreibt in seinem Vor­wort:

(Der Vortragstext) zeigt ebenso anschau­lich wie ein­dring­lich auf, dass Feind- und Zerr­bilder vom „Zigeuner“ auch in die so­genann­te Hoch­kultur ein­ge­gan­gen sind: Deut­sche Literatur­nobel­preis­träger haben „Zigeu­ner“-Stereo­typen in ihren Werken auf­ge­grif­fen und damit zu ihrer Legi­ti­mierung und gesell­schaft­li­chen Ver­an­kerung beigetragen. Doch Wil­helm Solms wür­digt auch jene mit dem Nobelpreis aus­ge­zeich­ne­ten Auto­rin­nen und Autoren, die „Zigeu­ner“-Klischees kri­tisch hinter­fragen und ihrer sozia­len Funk­tion auf den Grund gehen.

(dROMa)

RomArchive: Startschuss für digitales Archiv

Juli 4th, 2015  |  Published in Einrichtungen, Film & Theater, Kunst & Fotografie, Musik

Gründungsversammlung von RomAchive am 26. Juni 2015 in Berlin (Foto: RomArchive)Digitales Archiv der Sinti und Roma startet

„Wir haben die Besten ver­sam­melt!“ | „Ame an­dam e maj lašen kethane!“

Pressemitteilung, 2.7.2015:
Ziel des Projekts: Das erste umfassende digitale Archiv für Kunst der Sinti und Roma in Europa zu etablie­ren, um den integra­len Anteil dieser Minder­heit an der euro­päi­schen Kultur sicht­bar zu machen.

Wie: Hochkarätige ExpertInnen aus der Roma-Community wählen die Inhalte für ver­schie­dene Bereiche wie z.B. Musik, Theater, Film aus. Diese wer­den in eini­gen Jahren in digitaler Form ver­füg­bar gemacht.

Wann: Die Aufbauphase des Projektes hat bereits begon­nen. Das Projekt hat sich mit seiner ers­ten Sitzung am 26. Juni 2015 in Berlin konsti­tu­iert. Das Pro­jekt läuft ins­ge­samt 5 Jahre lang.

Prozess des Projekts: Zu diesem Zweck soll eine Sammlung internatio­na­ler Kunst aller Gat­tungen ent­stehen, erwei­tert um zeit­geschicht­liche Dokumente und wissen­schaft­liche Posi­tio­nen. Kon­zeptio­nell und inhalt­lich wird jeder Archiv­bereich von einem eigenen Kura­torInnen­team ver­ant­wortet. Nach der Projekt­lauf­zeit von 5 Jahren wollen die Initia­tiorin­nen Isabel Raabe und Franziska Sauerbrey das Archiv an eine euro­päische Roma-Or­ga­ni­sa­tion und damit komplett in die Hände der Com­munity über­geben. 

Der Aufbau des Pro­jekts und die Arbeit der Kura­­torIn­nen las­sen sich un­ter facebook.com/romanoarchive und bald auch auf Twitter so­wie auf Youtube mit­er­leben.

Zitate:
„Wir sind stolz, einige der besten Künstlerinnen und Künstler der Roma-Community als KuratorInnen für RomArchive versammelt zu haben“, sagt Nicoleta Bitu – Vorsitzende des Beirats von „RomArchive“.

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Tagungsband „Antiziganismus“

Juli 4th, 2015  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Antiziganismus CoverAntiziganismus. Soziale und historische Dimensionen von „Zigeuner“-Stereotypen

Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (Hg.), Redaktion: Thomas Baumann, Jacques Delfeld jr., Hans Scheid, Armin Ulm, Heidelberg 2015. ISBN 978-3-929446-31-9

„Antiziganismus“ wird verstanden als eine spezielle Form des Rassismus gegen­über als „Zigeuner“ identi­fi­zier­ten Indi­vi­duen und Gruppen. Es ist eines der am weites­ten ver­breiteten und wirkungs­mäch­tigs­ten Ressentiments unse­rer Zeit. Der vor­lie­gende Tagungs­band doku­men­tiert die Ergeb­nis­se einer inter­dis­zipli­nä­ren wissen­schaft­li­chen Tagung, die im Herbst 2012 im Dokumen­tations- und Kultur­zentrum Deutscher Sinti und Roma statt­fand. Ziel der Tagung war es, Stärken und Schwä­chen des „Anti­ziganis­mus“- Begriffs neu zu disku­tie­ren, das Phänomen in seinen viel­fäl­tigen Aspek­ten zu unter­suchen und nicht zuletzt Handlungs­optionen auf­zu­zei­gen. Die in diesem Band ver­sammel­ten Aufsätze ver­ste­hen sich als wissen­schaft­li­che Beiträge zur „Antiziganismus­forschung“ und ver­deut­li­chen die histo­rische und soziale Dimen­sion des aktuel­len Dis­kurses.

Die Publikation kann in Buchform zu einem Preis von 14,80 € zzgl. Porto beim Sekre­tariat des Doku­men­ta­tions- und Kultur­zentrums Deutscher Sinti und Roma (sekretariat@sintiundroma.de) bestellt oder hier herun­ter­ge­laden (pdf) werden.

Inhaltsverzeichnis:

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